Die Greene King Brewery in Bury St Edmunds (Suffolk) und ihre Übernahme durch einen Konzern aus Hongkong

Die Greene King Brewery in Bury St Edmunds.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Im März diesen Jahres berichtete ich in meinem Blog über meinen Besuch in der Greene King Brewery in Bury St Edmunds in der Grafschaft Suffolk. Greene King ist die größte Brauerei in Großbritannien, die nicht nur Bier produziert, sondern auch noch rund 2700 Pubs, Hotels und Restaurants im ganzen Land betreibt und 38 000 Mitarbeiter beschäftigt. Damals im März schien in der 1799 gegründeten Brauerei noch alles in Ordnung zu sein, doch im August verdichteten sich die Informationen, dass Greene King kurz vor einem Verkauf steht und jetzt im Oktober ist es amtlich: Die gesamte Firma gehört ab sofort der CK Asset Holdings, einem Immobilienunternehmen, das auf den Cayman Islands registriert ist und seinen Hauptsitz in Hongkong hat. CK Asset ist Teil des Firmenimperiums des 91 Jahre alten Multimilliardärs Li Ka-shing, der, laut Forbes-Liste, zu den reichsten Männern der Welt gehört.

Die Aktionäre jubelten, als sie von der Übernahme hörten (die Aktien kletterten um 50%), die Mitarbeiter eher nicht. Erst Anfang des Jahres wurde die Londoner Brauerei Fuller’s an den japanischen Brauereikonzern Asahi verkauft („a sad day“ sagte die Campaign for Real Ale), jetzt ist Greene King dran, was kommt als nächstes? Schon jetzt fürchtet man in Bury St Edmunds um die Zukunft der geschichtsträchtigen Brauerei und der ihr angeschlossenen Pubs. Gibt der Verkauf Anlass zur Befürchtung, dass das dramatische Pubsterben einen weiteren Schub erhält (im Jahr 2018 wurden fast 1000 geschlossen)? Natürlich wird von seiten der Firmenleitung erst einmal beruhigt und versichert, dass alles beim Alten bleibt, aber hat ein Riesenkonzern, der viele tausend Kilometer von Bury St Edmunds entfernt liegt, wirklich ein Interesse am Erhalt dieser alten Brauerei und der von ihr abhängigen Pubs? Die Vermutung liegt nahe, dass vor allem die Grundstückswerte der Pubs das Interesse der Immobilienfirma in Hongkong geweckt haben und das würde nichts Gutes für die Zukunft verheißen.

Published in: on 16. Oktober 2019 at 02:00  Comments (4)  
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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. „Greene King: another one bites the dust,“ titelt Roger Protz. „Marktkonsolidierungen“ und „Brauereisterben“ hat es bei deutschen Brauereien auch in erheblichem Umfang gegeben, viele Braustätten wurden geschlossen, die Gebäude abgerissen und neue Wohnviertel entstanden und entstehen (aktuell 1500 Wohnungen und ein Hotel auf dem Gelände der Holstenbrauerei in Altona) – ich weiß aber nicht, ob die Brauereien in Deutschland auch so viele Restaurants und damit Immobilien selbst besitzen.
    Vermutlich eine britische Eigenart?

    • Ich bin der Meinung, dass es das speziell in Großbritannien gibt, in Deutschland wohl eher nicht.

  2. Ich bin kein grosser Biertrinker und leider auch kein -kenner, aber wenn ich mal eines bestelle, versuche ich mich an einer Marke, die lokal ist und die möglichst in der jeweiligen Umgebung gebraut wurde. Wenn ich Konstellationen, wie Cayman Inseln und Hongkong lese, stehen mir buchstäblich die Haare zu Berge. Solche Begriffe stehen für die grauenhaftesten Verirrungen der Globalisierung und ich bin dann froh, dass sich im Gegenzuge immer mehr kleine und lokale Brauereien – nicht nur in England! – etablieren. Sie gilt es zu unterstützen!

    • Dem kann ich nur voll zustimmen!!!


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