Mein Buchtipp – John Ambrose Hide: Black Plaques – Memorials to Misadventure – London

Foto meines Exemplares.

In meinen Blogeinträgen ist häufig von Blue Plaques, von blauen Plaketten an Hauswänden, die Rede, die daran erinnern, wer dort einmal gewohnt hat. Es gibt Bücher darüber und Webseiten, aber es sind fast immer die blauen Plaketten, die in England eine Rolle spielen, schwarze gibt es nicht. Und trotzdem ist in diesem Jahr im Verlag History Press ein Buch erschienen mit dem Titel „Black Plaques: Memorials to Misadventure – London“ von John Ambrose Hide. Darin geht es um virtuelle Plaketten, die es also in Wirklichkeit nicht gibt, die es aber geben könnte. Schwarz, weil sie auf Geschehnisse der Vergangenheit hinweisen, auf „awkward stories„, und solche Plaketten möchte niemand gern an seiner Hauswand haben. In diesem Band geht es also um London (vielleicht folgen noch weitere Bände für andere Landesteile). Der Autor warnt seine Leser schon in der Einführung des Buches über den Charakter seiner Geschichten, die gespickt sind mit „lewd and lurid details that are perhaps not everyone’s cup of tea„; „Black Plaques mark sites where, to put it bluntly, shit happened„.

Da berichtet John Ambrose Hide beispielsweise unter der Überschrift „Anatomy Theatre“ über das in den 1970er Jahren Royalty Theatre genannte Gebäude (das spätere Peacock Theatre), in dem Paul Raymond seine für damalige Begriffe sehr extravaganten Revuen aufführte wie die Great International Nude Show und die Royalty Follies (letztere erwiesen sich für Raymond als finanziell desaströs).

In „Breeding Ground“ hören wir die Geschichte vom Schomberg House in der Straße Pall Mall 80-82, in der ein Dr James Graham einen luxuriösen Treffpunkt für Pärchen einrichtete, der die optimale Umgebung bieten sollte, um dort perfekte Kinder zu zeugen, denn der gute Doktor war der Meinung, dass der Zustand des britischen Nachwuchses, sowohl in körperlicher als auch in geistiger Hinsicht, sehr zu wünschen übrig ließ (s. dazu auch meinen früheren Blogeintrag).

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen; wer das Buch liest, wird sich streckenweise amüsieren, manchmal aber auch erschauern ob der schrecklichen Dinge, die sich einst in der britischen Metropole abgespielt haben. Ein sehr empfehlenswertes Buch dieses Erstlingswerk von John Ambrose Hide!!

John Ambrose Hide: Black Plaques – Memorials to Misadventure – London. The History Press 2019. 360 Seiten. ISBN 978-0-7509-8995-4.

Das Peacock Theatre in der Portugal Street (Holborn).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das Schomberg House in der Straße Pall Mall.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 22. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen