Sir Lindsay Hoyle – Der neue Speaker des britischen Unterhauses

Der Ortseingang von Chorley in Lancashire, dem ehemaligen Wahlkreis von Sir Lindsay Hoyle.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Im letzten Blogeintrag des Jahres 2019 möchte ich kurz den neuen Speaker des britischen Parlaments, Sir Lindsay Hoyle, vorstellen, der den legendären John Bercow ablöste, der durch sein manchmal recht exzentrisches Verhalten auch international bekannt war. The Rt Hon Bercow hatte das Amt von 2009 bis 2019 inne; er ist jetzt auch kein Parlamentsmitglied mehr.

Während John Bercow aus den Home Counties stammte, er vertrat den Wahlkreis Buckingham, kommt sein Nachfolger aus dem Norden des Landes. Sir Lindsay Hoyle vertrat den Wahlkreis Chorley in Lancashire seit 1997 und war Mitglied der Labour Party (als Speaker of the House of Commons darf man keiner Partei mehr angehören). Die Stadt Chorley liegt zwischen den Autobahnen M6 und M61, etwa auf halbem Weg zwischen Preston und Wigan. Kohleförderung und Baumwollverarbeitung waren früher die wichtigsten Wirtschaftszweige in der Region.

Sir Lindsay Harvey Hoyle wurde am 10. Juni 1957 in Adlington (Lancashire) geboren, stammt also aus der Region, die er im Parlament vertrat, und wuchs hier auch auf. Sein Vater, Eric Douglas Harvey Hoyle, Baron Hoyle, ist ebenfalls Politiker und vertrat einige Jahre lang die Wahlkreise Nelson and Colne (Lancashire) und Warrington North (Cheshire); jetzt hat er einen Sitz im House of Lords.

Der neue Speaker ließ sich nicht entlocken, ob er beim Referendum für oder gegen den Brexit gestimmt hatte. Ganz neu ist das Amt für ihn nicht, denn er war über neun Jahre lang der Vertreter von John Bercow.

Sir Lindsay  wohnt nach wie vor in seinem Geburtsort Adlington. Er ist in zweiter Ehe mit Catherine Swindley verheiratet, die, wie auch seine Tochter Emma, in seinem Wahlkreis für ihn arbeiteten. Seine zweite Tochter Natalie beging im Dezember 2017 Selbstmord, sie wurde nur 28 Jahre alt.

Dieser Film zeigt Sir Lindsay Hoyle in seiner Rolle als Deputy Speaker.

Sheffield in South Yorkshire und die Rolle der Stadt in der Geschichte des Fußballs

Sheffield Uniteds Stadion am Bramall Lane.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Sheffield in der Grafschaft South Yorkshire ist nicht nur als „Steeltown“ berühmt geworden, sondern auch als Stadt, die eine große Rolle in der Geschichte des Fußballs gespielt hat.
Sheffield F.C. ist der erste Fußballverein der Welt (hier ist ein Film über den Club) und wurde am 24. Oktober 1857 gegründet. Heute spielt der Club in einer der niedrigeren Spielklassen, der Non League Division One und steht da, zum jetzigen Zeitpunkt, auf Platz 9. Längst ist der Verein von den Lokalrivalen Sheffield United (Premier League) und Sheffield Wednesday (Championship) überholt worden.

Beim Sheffield F.C. wurden auch die ersten Fußballregeln erstellt, so wurde der Einwurf eingeführt, der Freistoß nach Fouls und die Eckfahnen, um nur einiges zu nennen.

Das älteste Stadion der Welt, in dem noch immer Fußball gespielt wird, liegt am Bramall Lane und wird von Sheffield United benutzt. Das erste Spiel hier fand am 29. Dezember 1862 statt, zwischen den lokalen Mannschaften Sheffield F.C. und Hallam F.C., dem zweitältesten Fußballverein der Welt. Hallam F.C. spielt heute in der Northern Counties East Football League (zur Zeit Platz 11); deren Stadion Sandygate gilt nach dem Guinness Book of Records als  „Oldest Ground in the World“. Die Matchs zwischen den beiden Vereinen, Rules Derby genannt, waren legendär, kam es doch in der Frühzeit des Fußballs immer wieder zu ziemlich gewalttätigen Szenen auf dem Platz.

Einer der legendären Spieler aus Sheffield, der in der Zeit von 1891 bis 1909 für Sheffield United spielte, war Ernest Needham (1873-1936), der das Spiel der „Blades“, wie der Club auch genannt wird, entscheidend prägte. Needham brachte es sogar bis zum Kapitän der englischen Nationalmannschaft.
Eine weitere Legende war William Henry „Fatty“ Foulke, der von 1894 bis 1905 als Torwart für Sheffield United im Einsatz war und als schwergewichtigster Spieler der Welt gilt (nach dem Guinness Book of Records). Er wog über drei Zentner und war bei den gegnerischen Mannschaften auf Grund seiner Körpermasse gefürchtet. Einmal soll er das Frühstück von seinen zehn Mannschaftskameraden aufgegessen haben, bevor diese am Frühstückstisch erschienen. Heutzutage wohl undenkbar.

Sandygate, das Stadion des Hallam F.C.
Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Dezember 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Reddam House – Eine Schule in einem beeindruckenden viktorianischen Haus in Berkshire

John Walter III (1818-1894) war ein wohlhabender Mann, als er 1865 auf dem Bearwood Estate-Gelände ein riesiges Haus bauen ließ, das von dem schottischen Architekten Robert Kerr entworfen wurde. Als Inhaber der Tageszeitung The Times besaß er genügend Geld, denn das Gebäude verschlang in den Baujahren 1865 bis 1874 nach heutigen Maßstäben rund £17 Millionen und gehört zu den größten viktorianischen Gebäuden des Landes.
Während des Ersten Weltkriegs diente Bearwood House, wie so viele andere Herrenhäuser damals auch, als Genesungsheim für verwundete Soldaten, in diesem Fall waren es Kanadier. Als nächstes zog die Royal Merchant Navy School, ein Waisenhaus, ein, aus der in den 1960er Jahren das Bearwood College entstand, das als reine Schule für Jungen, bis 2014 existierte. Hohe Unterhaltskosten für das riesige Haus und sinkende Schülerzahlen führten zum Ende des Colleges. Glücklicherweise kam es nicht zu einem länger andauerndem Leerstand, denn Bearwood House wurde 2015 von der international tätigen Gruppe unabhängiger Schulen namens Reddam House übernommen, die unter anderem Schulen in Australien und Südafrika betreibt.

In dem jetzt Reddam House Berkshire genannten Gebäude (hier ist ein kurzer Film) werden Kinder im Alter von drei Monaten (!) bis 18 Jahren unterrichtet; man versucht hier, im Gegensatz zu dem traditionellen britischen Schulsystem, alternative Methoden anzubieten und das offensichtlich mit großem Erfolg, denn schon nach kurzer Zeit erhielt die Schule ein großartiges Rating im Independent Schools Inspectorate Report. In fünf Kategorien erhielt das Reddam House die Note „Excellent“, und dreimal die Note „Good“ in den restlichen drei anderen Kategorien.

Rund 600 Schülerinnen und Schüler besuchen das Reddam House, darunter knapp 50 Boarders, die auch in dem Gebäude wohnen.

Das Haus wurde bereits einige Male als Drehort für Filme verwendet; zum Beispiel in der „Inspector Barnaby„-TV-Serie in der Episode „Death in the Slow Lane“ (dt. „Unter Oldtimern“); ich berichtete in meinem Blog darüber.

Reddam House liegt südlich der Autobahn M4 und südlich des Ortes Sindlesham, die Zufahrt erfolgt über die Bearwood Road/New Road.

 

Published in: on 29. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Stand-up Comedians – Henning „The German Comedy Ambassador“ Wehn

Author: Shirokazan
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Henning Wehn? Stand-up Comedian? Das klingt aber gar nicht nach einem englischen Namen. Ist er auch nicht, denn Henning Wehn ist Deutscher und hat es tatsächlich in die Comedy-Szene Großbritanniens geschafft. „Teutonic jolliness at its best“ hieß es einmal bei der Ankündigung eines Auftritts im Wycombe Swan-Theater in High Wycombe (Buckinghamshire), und da sind wir auch schon in der Stadt, in der Henning Wehn im Jahr 2002 in England Fuß fasste, denn er arbeitete in der Marketingabteilung des Fußballvereins Wycombe Wanderers F.C. ,vorher hatte er Betriebswirtschaft in Münster studiert. Geplant war eigentlich nur ein einjähriger Aufenthalt in England, doch Henning Wehn blieb ganz auf der Insel, einmal weil es ihm dort so gut gefiel und einmal weil er in England sein Comedy-Talent entdeckte. Der 1974 geborene Henning Wehn bezeichnet sich selbst als „The German Comedy Ambassador„. In seinen Auftritten beschäftigt er sich gern mit Klischeevorstellungen, die Briten Deutschen gegenüber haben, und kommt damit bei seinen Zuhörern gut an.

Die aktuelle Show, mit der Henning Wehn auf Tournee ging bzw. geht, nennt sich „Get on with it„; sie wird am 20. Februar 2020 in der Town Hall von Cheltenham fortgesetzt.

Der deutsche Comedian ist häufig Gast in Fernsehshows und in Radiosendungen, ist also in der britischen Unterhaltungslandschaft fest verankert. Hier ist einer seiner Auftritte zu sehen.

Das Adams Park Stadion der Wycombe Wanderers.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Dezember 2019 at 02:00  Comments (1)  
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British Molecatcher organizations

Maulwürfe werden es wohl bei Gartenbesitzern nie auf die Top 10-Liste der beliebtesten Tiere schaffen, weder in Deutschland noch in England. Gerade auf der Insel, dem Mutterland der Freunde des gepflegten Rasens, sind die „moles“ außerordentlich unbeliebt; dabei gehören die unterirdischen Graber doch zu den fleißigsten Tieren überhaupt, aber wer möchte schon diese hässlichen Erdhaufen im Garten haben.

In Großbritannien gibt es nicht wenige Menschen, die dem Beruf des „mole-catchers“ nachgehen und mit unterschiedlichen Methoden den Tieren an den Kragen gehen. Verboten ist das Töten von Maulwürfen nicht, nur sind einige Methoden nicht erlaubt wie zum Beispiel der Einsatz von Strychnin. Verbreitet sind der Einsatz von Fallen und von Gas.

Viele Maulwurffänger in Großbritannien haben sich in Organisationen zusammengeschlossen. Da gibt es die Association of Professional Mole Catchers (APMC), die Wert darauf legt, traditionelle Methoden anzuwenden und „strives to promote best practice and to sustain individuality and the breadth of techniques applied by mole catchers“. Eine der Regeln der APMC lautet: „Any live caught moles should on discovery be despatched quickly and humanely“. Das Wort „despatch“ klingt irgendwie besser als „kill“.

Dann gibt es die Guild of British Molecatchers“ (GBM), deren Mitglieder ausschließlich Fallen benutzen. „The Guild is not only committed to traditional molecatching skills but also to the welfare of the mole“, heißt es auf den Webseiten der GBM. Den zweiten Teil des Satzes werden die Maulwürfe sicher gern zur Kenntnis nehmen.

Und dann gibt es noch das BMCR, das British Mole Catchers Register („Supporting traditional expertise and skills“), das u.a. Lehrgänge zum Fangen von Maulwürfen anbietet und Spezialisten vermittelt.

Was Sie schon immer über Maulwürfe und deren Fangmethoden wissen wollten, gibt es bei Mole Catcher UK nachzulesen. Außerdem kann man hier den nächstgelegenen Maulwurfsjäger finden.

Steht man sich bei diesen vielen Organisationen nicht ein wenig auf den Füßen? Offensichtlich schon, denn im Jahr 2016 kam es zu einem Streit, bei dem sich APMC, GBM und BMCR gegenseitig mangelnde Professionalität vorwarfen. Die britischen Maulwürfe stört das alles nicht, sie graben unermüdlich weiter.

Das Ergebnis produktiver, unterirdischer Arbeit.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Hier war ein „mole-catcher“ sehr erfolgreich.
Photo © Mick Garratt (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 27. Dezember 2019 at 02:00  Comments (5)  
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Wer war eigentlich…“Fraser“ im Namen der Kaufhauskette House of Fraser?

Das weihnachtlich dekorierte House of Fraser in Manchester.
Photo © Matt Harrop (cc-by-sa/2.0)

Ich habe nur einmal ein Kaufhaus der Gruppe House of Fraser betreten und das war vor ein paar Jahren an einem total verregneten Tag in Aylesbury in Buckinghamshire. Ob wohl die Kunden dieser Kaufhäuser wissen, nach wem diese benannt worden sind? Eigentlich müssten sie House of Fraser and Arthur heißen, denn die Namen der beiden Firmengründer waren Hugh Fraser und James Arthur, die 1849 im schottischen Glasgow ein Textilwarengeschäft eröffneten. Währen sich James Arthur bald dem Großhandelsgeschäft widmete, konzentrierte sich Hugh Fraser (1815 – 1873) auf den Einzelhandel und baute seinen Laden zu einem der größten der Stadt aus. Als er 1873 starb, vermachte er seine Firma an seine fünf Söhne, von denen drei die Firma managten und zu weiteren Erfolgen führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm House of Fraser andere Kaufhäuser und expandierte von Schottland nach England. Ende der 1950er Jahre gehörte sogar das Luxuskaufhaus Harrod’s zu der Firmengruppe. 1974 existierten Pläne, dass sich House of Fraser und die Drogeriekette Boots zusammenschließen wollten, was aber die Regierung verhinderte. 1985 übernahm die Familie Al-Fayed House of Fraser und expandierte weiter. 2006 ging House of Fraser in den Besitz der Highland Group Holdings Limited über, acht Jahre später kündigte sich ein neuer Besitzer an, die chinesische Warenhauskette Nanjing Xinjiekou Department Store Co. Konnte der ständige Eigentümerwechsel der Firma auf Dauer gut tun? Offensichtlich nicht, denn Mitte des vorigen Jahres schlossen 31 der 58 Kaufhäuser. Die britische Firma Sports Direct International übernahm die angeschlagene Warenhauskette und versucht diese am Leben zu halten durch Investitionen aber auch durch weitere Schließungen. Für Ende Januar 2020 soll voraussichtlich das House of Fraser in Milton Keynes geschlossen werden, wodurch 172 Arbeitsplätze wegfallen würden.

Eine Neuausrichtung der Kaufhäuser in Richtung „luxury lifestyle stores“ ist für das Jahr 2020 geplant. Es bleibt zu hoffen, dass es wieder einen Aufwärtstrend geben wird. Möge die von Hugh Fraser gegründete Firmengruppe erhalten bleiben (auch Morrisons, Debenhams, Sainsbury’s und Argos mussten in diesem Jahr Filialen schließen).

Ein HoF zur Weihnachtszeit in der Londoner Oxford Street.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Richard O. Smith: Britain’s Most Eccentric Sports

Foto meines Exemplares.

„Die spinnen, die Briten“ sagte Obelix einmal in dem Buch „Asterix bei den Briten“, ein Satz, der schon zum geflügelten Wort geworden ist. Nach der Lektüre des Buches „Britain’s Most Eccentric Sports“ von Richard O. Smith kann man das nur bestätigen. Was der Autor hier so alles an „Sportarten“ zusammengetragen hat, lässt manchmal am Verstand der teilnehmenden Sportler zweifeln…aber trotzdem ist das so richtig schön exzentrisch und liebenswert (zumindest für mich).

Olympiareif ist keiner der vorgestellten Wettbewerbe, aber immerhin gibt es zahlreiche Weltmeisterschaften, obwohl sich der Teilnehmerkreis oft lediglich aus Bewohnern der näheren Umgebung zusammensetzt. Richard O. Smith hat einen wunderbaren Humor, der die Lektüre zu einem Vergnügen werden lässt. Über viele der „eccentric sports“ habe ich im Lauf der Jahre in meinem Blog bereits berichtet; man findet diese Blogartikel in der Kategorie „Skurriles und Kurioses“.

Hier sind einige Beispiele aus dem Buch:
Die Black Pudding Throwing World Championship findet einmal im Jahr in Ramsbottom in Lancashire statt. Ich zitiere mich selbst: „Das Ziel der Blutwurstwerfer ist es, möglichst viele der jeweils 12 auf einem Gerüst in sechs Metern Höhe liegenden Yorkshire-Puddings abzuräumen“.

Bedeutend gefährlicher ist das Cheese Rolling am Cooper’s Hill bei Brockworth in Gloucestershire. Von einem extrem steilen Hügel wird ein Käselaib heruntergerollt, dem todesmutige Menschen hinterherrennen, wobei es immer wieder zu schweren Stürzen kommt.

Chess Boxing ist ein sehr ungewöhnlicher Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer jeweils abwechselnd vier Minuten Schach spielen und eine Runde in den Boxring steigen müssen. Hier ist ein Film darüber.

Kein blaues Auge holt man sich bei den World Gurning Championships in Egremont in Cumbria, wo es darum geht, so verrückte Grimassen wie möglich zu schneiden.

Für Heiterkeit sorgen die World’s Biggest Liar Championships im Bridge Inn in Santon Bridge (Cumbria), bei der die Wettbewerbsteilnehmer innerhalb von fünf Minuten die haarsträubendsten Lügen erzählen.

Das mit vielen Farbfotos illustrierte Buch im Querformat ist das ideale Geschenk für jeden, der sich mit britischen Exzentrikern identifizieren kann.

Richard O. Smith: Britain’s Most Eccentric Sports. The History Press 2012. 160 Seiten. ISBN 978-0-7524-6413-8.

 

 

Published in: on 25. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Londoner Berkeley Square – Platanen, Geister und ein Nachtclub

 

Der Berkeley Square im Londoner West End ist eine der exklusivsten Wohngegenden der Stadt und hier eine Wohnung zu bekommen, ist sehr schwierig.
Der Architekt William Kent hat den Platz Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt und die hohen Platanen wurden auch in dieser Zeit gepflanzt.

Das Haus mit der Nummer 44 wurde einmal als einer der schönsten von ganz London bezeichnet und beherbergt heute den „Annabel’s Club„, einen der exklusivsten Nachtclubs Londons, der gern auch von den Prinzen William und Harry besucht wurde

Das Haus Nummer 50 ist Londons „most haunted house“, in dem sich das uralte Antiquariat Maggs  Brothers befindet. 1947 drehte man sogar einen Film über die Geschehnisse in diesem Haus: „The Ghosts of Berkeley Square„. Winston Churchill verbrachte hier einen Teil seiner Kindheit.

Wer P.G. Wodehouses heitere Romane gelesen hat, wird sich erinnern, dass Bertie Wooster und sein treuer Super-Butler Jeeves am Berkeley Square wohnten.

BBC 1 dreht 1998 eine Mini-Serie mit 10 Episoden unter dem Titel „Berkeley Square„.

Schließlich gibt es noch das berühmte Lied „A Nightingale Sang in Berkeley Square„, das 1939 erstmals öffentlich aufgeführt und von unzähligen Sängern interpretiert wurde; hier als Beispiel mit Nat King Cole.

Weihnachten 2019 vor dem Annabel’s Club am Berkeley Square.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

No. 50 Berkeley Square: Maggs Brothers.
Author: Spudgun 1967.
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Published in: on 24. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Musikvideos – Robert Palmer: Addicted to Love

1985 schrieb Robert PalmerAddicted to Love„, das 1986 auf seinem Album „Riptide“ erschien. Palmer wurde 1948 in Batley in West Yorkshire geboren und starb schon viel zu früh am 26. September 2003 in Paris an einem Herzinfarkt.
Der Sänger aus Yorkshire wirkte meist sehr gepflegt und war häufig mit Anzug und Krawatte zu sehen.
Das Besondere an dem Musikvideo zu „Addicted to Love“ war die Mädchenband, die in kurzen, schwarzen Röcken und stark geschminkt auftrat. Dass die jungen Damen nicht wirklich spielen, ist nicht schwer zu erkennen und die Choreografie haut auch nicht ganz hin, aber der Auftritt war doch immerhin sehr sexy.
Die Mädchen traten noch in weiteren Robert Palmer-Videos auf, so in „I Didn’t Mean to Turn You On„, „Simply Irresistible“ und „Bad Case of Loving You„.
Regie führte bei „Addicted to Love“ Terence Donovan, der 1996 Selbstmord beging. Die Single erreicht Platz 1 der US-Billboard Charts und Platz 5 der britischen Charts. Das Lied wurde mehrmals gecovert, u.a. von Tina Turner und von Florence & the Machine.

Hier ist das Video zu sehen.

Published in: on 23. Dezember 2019 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Tom Jeffreys: Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot

Foto meines Exemplares.

HS1, oder auch Channel Tunnel Rail Link genannt, ist eine Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke, die London mit dem Channel Tunnel bei Folkestone verbindet. Schon lange wird von HS2 geredet, eine Strecke, die von London nach Norden und zwar nach Birmingham führen soll (über die Auswirkungen auf die Grafschaft Buckinghamshire berichtete ich in meinem Blog).

Der Autor des Buches „Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot„, Tom Jeffreys, wollte gern wissen, was die Menschen, die entlang der geplanten Bahntrasse einmal wohnen werden, von High Speed 2 halten und machte sich zu Fuß auf den Weg von der Londoner Euston Station nach Birmingham, dem (vorläufigen) Endpunkt der Bahnlinie, auf der Züge mit bis zu 350 km/h fahren sollen. Die Reisezeit würde sich etwa halbieren (49 Minuten). Ob die voraussichtlichen Baukosten in Höhe von rund £56 Milliarden dafür stehen, wird unterschiedlich diskutiert. Wie Tom Jeffreys das mitbekommt, sieht es so aus, dass das Thema HS2 in London selbst keine besonders große Rolle spielt, in Birmingham wird der Bau der Strecke überwiegend begrüßt, erwartet man sich davon einen wirtschaftlichen Aufschwung, auf dem Lande aber ist der Widerstand groß, denn dort sieht man keinen Nutzen, sondern nur Nachteile: Baulärm über viele Jahre hinweg, Lärm der schnell fahrenden Züge, Umweltzerstörung, Wertverfall der Häuser entlang der Trasse usw usw.

Jeffreys spricht mit Menschen, die betroffen sein könnten, und trifft kaum jemanden, der den Bau begrüßt. Im Gegenteil, es gibt sogar Leute, die Selbstmordgedanken haben, wenn die Bahnlinie direkt an ihrem Haus vorbeiführen bzw. wenn ihr Haus sogar enteignet werden sollte. Der Autor weitet das Thema HS2 aus und macht sich Gedanken über Kapitalismus, Bürokratie, Architektur und Agrarwirtschaft.

Ein sehr lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt!

Tom Jeffreys: Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot. Influx Press 2017. 405 Seiten. ISBN 978-1-910312-14-8.

 

 

Published in: on 22. Dezember 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Das Shelley Memorial in Oxfords University College

Aller guten Dinge sind drei könnte man sagen, denn ich habe in meinem Blog bereits über zwei Denkmäler des englischen Dichters Percy Bysshe Shelley (1792-1822) berichtet, eines in der Priory Church in Christchurch und ein ziemlich ungewöhnliches in Horsham (West Sussex). Heute stelle ich Denkmal Nummer Drei vor, das im University College in Oxford zu finden ist.

Shelley besuchte dieses College als Student in den Jahren 1810/11 und niemand hätte damals gedacht, dass ihm dort einmal ein Denkmal gesetzt werden würde, denn der junge Mann erwies sich als widerborstig und unkonventionell, so dass er 1811 des Colleges verwiesen wurde.  Er dachte sich so manchen Streich aus (einmal setzte er den Türgriff an einer Wohnung eines unbeliebten Lehrers unter Strom); der eigentliche Grund, warum er aus dem College geworfen wurde, war aber, dass er ein Pamphlet mit dem Titel „The Necessity of Atheism“ verfasste, das gar nicht gut ankam. Also, hinaus mit dem jungen Mann.

Elf Jahres später, Percy hatte sich mittlerweile einen Ruf als romantischer Dichter erworben, ertrank er am 8. Juli 1822 in den Fluten des Mittelmeeres bei Viareggio in Italien. Seine Leiche wurde an den Strand gespült und genauso wurde auch die Marmorskulptur in Oxford gestaltet, der nackte, liegende Körper des Dichters auf einem bronzenen Sockel. Eigentlich wollte Shelleys Schwiegertochter Jane dieses Memorial Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Grab in Rom errichten lassen, doch es erwies sich als zu groß für die Grabstelle, so bot sie es Shelleys ehemaligem College an, das akzeptierte. 1893 wurde das Denkmal offiziell eingeweiht.

Geschaffen hat es der Londoner Bildhauer Edward Onslow Ford, Schöpfer zahlloser Skulpturen und Büsten prominenter Menschen. Ursprünglich trug Shelleys Figur einen bronzenen Lorbeerkranz auf der Stirn, doch wurde der bei einem Studentenstreich in den 1930er Jahren entwendet. Die Skulptur wurde noch mehrfach zur Zielscheibe studentischer Streiche, doch Shelley würde das wahrscheinlich gut gefunden haben, war er doch selbst auch ein berüchtigter „prankster“.

Oxfords University College.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Shardeloes – Ein ehemaliges Manor House bei Old Amersham (Buckinghamshire)

Fährt man in Buckinghamshire auf der A413 von Old Amersham in Richtung Little Missenden sieht man auf der linken Seite, etwa einen Kilometer entfernt, ein großes weißes Haus stehen, das ist das ehemalige Manor House Shardeloes. Ein paar Kilometer weiter auf der A413 bin ich einmal mit meinem Auto liegengeblieben, weil ich einen Schaden am Kühlsystem hatte, der nicht behoben werden konnte und der zum Abbruch meiner Reise führte (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Shardelos war der Sitz der Familie Tyrwhitt-Drake, Lords of the Manor von Amersham. Gebaut wurde das Manor House von 1758 bis 1766, nach Plänen des Architekten Stiff Leadbetter, der viel für aristokratische Familien tätig war und unter anderem auch Newton Park in Somerset und Nuneham House in Oxfordshire erbaute. Für die Inneneinrichtung des Hauses wurde ein anderer namhafter Architekt hinzugezogen, der Schotte Robert Adam, der zum Beispiel die berühmte Pulteney Bridge in Bath entwarf. Humphrey Repton war für die Gestaltung der Parkanlagen zuständig. William Drake Sr, für den Shardeloes gebaut wurde, hatte also keine Kosten und Mühen gescheut, um sich einen schönen Familiensitz vor den Toren von Amersham zu schaffen, für das er, wie schon seine Vorfahren, als Parlamentsmitglied zuständig war. Die Drakes, und später dann die Tyrwhitt-Drakes, waren eine wohlhabende Familie und errichteten schon 1682 in Amersham die Market Hall, gegenüber vom Crown Hotel, und 1657 die Alms Houses in der High Street.

Leider ging es mit dem Reichtum der Familie später bergab, woran unter anderem die extrem hohen Erbschaftssteuern (death duties) Schuld waren. In den 1930er Jahren wurden Teile ihrer Besitztümer versteigert, im Zweiten Weltkrieg diente Shardeloes als Entbindungsheim, in dem mehrere tausend Babies geboren wurden, und 1953 sollte das Haus sogar abgerissen werden, wogegen sich die damals gegründete Amersham Society mit Händen und Füße wehrte und schließlich auch siegte. Die neuen Eigentümer restaurierten das Haus und wandelten es in komfortable Wohnungen um, die in den 1970er Jahren verkauft wurden. Auf dem Gelände findet sich auch der Shardeloes Lake (hier ist ein Film), der vom River Misbourne gespeist wird. Shardeloes ist also in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden (es sei denn, man kennt einen der Bewohner, der einem das Haus zeigt).

Shardeloes liegt übrigens auf der geplanten Trasse des Hochgeschwindigkeitszugs HS2, so dass es hier eines Tages mit der Ruhe vorbei sein könnte.

Der Shardeloes Lake.
Photo © Peter S (cc-by-sa/2.0)

Old Amershams Market Hall, ein Geschenk der Drake Family aus dem Jahr 1682 an die Stadt.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Tafel an den Almshouses in der High Street von Old Amersham.
Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 20. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die World Gravy Wrestling Championships in Stacksteads (Lancashire)

The Rose ‚N‘ Bowl in Stacksteads (Lancashire).
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Wer immer schon einmal zusehen wollte wie sich zwei ausgewachsene Menschen einen Ringkampf in einer mit Bratensoße gefüllten „Arena“ liefern, der kann das in Stacksteads im Borough of Rossendale in Lancashire einmal im Jahr tun. Dann werden hier  nämlich die „World Gravy Wrestling Championships“ ausgetragen, einer jener verrückten Wettbewerbe wie sie es wohl nur in England gibt.

Bei den Wettkämpfen zählt nicht allein die Körperkraft der Teilnehmer, auch der „Fun Factor“ ist wichtig, d.h. jeder sollte sich für den Wettkampf besonders witzig anziehen, denn das bringt Punkte. Männer und Frauen kämpfen jeweils für sich, „Gemischt-Geschlechter-Bratensoßen-Kämpfe“ gibt es nicht (obwohl die Männer wohl nichts dagegen hätten). Jeder Kampf dauert zwei Minuten, in denen man seinen Gegner in der Bratensoße zu Fall bringen muss. Drei Punkte gibt es beispielsweise, wenn man seinen Kontrahenten mit beiden Schultern für drei Sekunden in die Soße drückt.
Es kann aber auch Strafpunkte geben, wenn man sich unsportlich verhält oder zu aggressiv zur Sache geht.
Die Gewinner erhalten die „Gravy Wrestling World Championship Trophy“ mit eingraviertem Namen.

Die diesjährigen Weltmeisterschaften fanden am 26. August statt und zwar am Rose ‚N‘ Bowl in der Newchurch Rd in Stacksteads in Lancashire.
Wie das bei den Wettkämpfen im Jahr 2019 zuging, kann man hier im Film sehen.

Published in: on 19. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Quantock Heritage Bus Service – Oldtimer-Busse in Somerset

Ein Leyland Titan PD2.
Author: Geoff Sheppard.
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Schon von Kindesbeinen an liebte Steve Morris Busse. Ab 1974 begann er sie zu sammeln, so wie andere Briefmarken sammeln. Irgendwann hatte er einmal 30 Oldtimer-Busse. Er gründete die Firma Quantock Heritage, die es noch heute gibt und die in Langley Marsh bei Wiveliscombe in Somerset ihren Sitz hat. Die sorgfältig gepflegten alten Busse (darunter auch doppelstöckige) kann jedermann für besondere Anlässe mieten, egal ob für Hochzeitsfeiern, Geburtstage oder auch für Beerdigungsfeiern.

Da gibt es zum Beispiel einen Leyland Tiger PD2 aus dem Jahr 1953, in dem 56 Personen auf 2 „Stockwerken“ Platz nehmen können. Der AEC Regent ist noch älter; er wurde 1934 gebaut und ist ein Open Top Doubledecker.

Neben der Vermietung dieser Fahrzeuge bietet Quantock Heritage im Sommer auch noch einen Liniendienst an, in diesem Jahr vom 15. Juli bis zum 6. September. Von Montag bis Freitag bedient die Linie 300 die Strecke Minehead (Somerset) – Lynmouth (Devon), was etwas über eine Stunde dauert. Haltepunkte unterwegs sind u.a. Porlock und Selworthy. Dies ist eine landschaftlich sehr schöne Strecke, die nicht den berüchtigten, steilen Porlock Hill (A39) nimmt, sondern die Porlock Toll Road (New Road), die viele Haarnadelkurven zu bieten hat. Bei schönem Wetter hat man auf dieser Straße einen tollen Blick auf das Meer. Die Rückfahrt von Lynmouth nach Minehead führt dann über den steilen Porlock Hill (20% Gefälle mit mehreren Escape Lanes). Ich bin die Strecke einige Male gefahren und finde sie immer wieder faszinierend. Auch hier gibt es einen wunderschönen Blick auf Küste und Meer.

Dieser Film zeigt eine Fahrt auf der Linie 300.

Hier muss man sich entscheiden: Nehme ich die Porlock Toll Road oder die A39 über den Porlock Hill.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 18. Dezember 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Die Coniston Brewing Company – Bier aus dem Lake District

Eigenes Foto.

Einer meiner Neuzugänge zu meiner Sammlung englischer Biere ist das Bluebird Bitter von der Coniston Brewing Company, die ihren Sitz in Coniston in Cumbria hat.
Das Bluebird Bitter wurde erstmals 1998 als  Supreme Champion Beer of Britain beim  Great British Beer Festival in London ausgezeichnet. Das klare reine Wasser der Coniston Hills im Lake District hat sicher auch seinen Teil zum Geschmack dieses Bieres beigetragen. Benannt wurde das Bluebird Bitter übrigens nach dem Rennboot, mit dem Donald Campbell am 4. Januar 1967 auf dem See Coniston Water bei 527 km/h seinen Tod fand. Erst am 28. Mai 2001 fand man das Wrack und die sterblichen Überreste Campbells.

Die Brauerei ist noch ziemlich jung; sie wurde 1995 von Ian Bradley gegründet, dem Sohn der Inhaber des örtlichen Pubs The Black Bull; da war wohl damals schon etwas in der Muttermilch, das den Werdegang des Sohnes beeinflusste. Der Black Bull liegt direkt neben der Brauerei.

Die Standard-Biere der Coniston Brewing Company heißen z.B.  Old Man Ale, Thurstein Pilsener oder No.9 Barley Wine („Best served by a log fire with snow on the ground at the Black Bull Inn Coniston“) und in der kalten Jahreszeit wird noch zusätzlich das Winter Warmer Blacksmiths Ale gebraut.

Hier ist ein Film über die Verkostung des „Bluebird Bitter“ und hier ein weiterer kurzer Film über den hübschen Ort Coniston.

The Coniston Brewing Co. Ltd
Coppermines Road
Coniston LA21 8HL

The Black Bull, neben der Coniston Brewery.
Photo © Tom Richardson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The French Horn Hotel in Sonning (Berkshire)

Sonning ist einer jener hübschen Orte an der Themse, der von Jerome K. Jerome in seinem Buch „Drei Mann in einem Boot“ beschrieben wurde. „The most fairy-like little nook on the whole river“ nennt er Sonning, und ich muss ihm recht geben. Wenn man diese Gegend näher erkunden möchte, bietet sich das Hotel The French Horn an der B478 direkt an der Themsebrücke als Standort an. Direkt am Fluss gelegen, ist es ein ausgesprochen romantisches Haus, das hier schon seit ca zwei Jahrhunderten steht. Es befindet sich seit 1972 im Familienbesitz und verfügt über einen ausgezeichneten Ruf.

Bei etwa £160 liegt der Übernachtungspreis für die einfachen Zimmer (abhängig vom Wochentag), die Zimmer mit Themseblick sind entsprechend teurer, jeweils inklusive Full English Breakfast.

Auch vom Hotelrestaurant aus hat man einen Blick auf die Themse und die Gärten. In der Küche steht, wie sollte es auch anders sein in einem Hotel, das The French Horn heißt, eine Französin am Herd. Josiane Diaga ist Chefköchin, die früher schon einmal als Sous-Chefin unter ihrem Vorgänger Gilles Company im French Horn gearbeitet hat. Nach Abstechern u.a. in das berühmte  Hotel Negresco in Nizza und in das Londoner Waldorf Hotel ist sie wieder in Sonning gelandet.

Auf der anderen Seite der Themsebrücke, nur ein kurzes Stück entfernt, liegt das Mill House, das George Clooney vor einigen Jahren gekauft hat.

The French Horn Hotel
Sonning 
Berkshire
RG4 6TN

 

Published in: on 16. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Jolly Postie – Ein Themen-Pub in Royston (Hertfordshire)

Ein ungewöhnliches „Pubschild“ ziert The Jolly Postie in Hertfordshires Royston. Es zeigt einen Postboten in seiner blauen Uniform auf einem (echten) Fahrrad, geschmückt mit Briefen und Ansichtskarten. Der Zusammenhang: Das Gebäude, in dem der Pub untergebracht ist, war ursprünglich das Postamt von Royston, wurde dann in den Pub The Old Crown umgewandelt, der Ende 2013 seine Pforten schloss. Die Brauerei  McMullen & Sons in Hertford übernahm den Pub und eröffnete ihn erneut im April 2015 unter dem Namen The Jolly Postie. Es ist ein Themen-Pub entstanden, der in vielerlei Form auf das ehemalige Postamt Bezug nimmt. Neben dem oben beschriebenen Postboten vor der Tür hängt im Inneren ein Kollege von ihm von der Decke herunter, und das Highlight ist ein ehemaliges, rotes Postauto der Royal Mail im Eingangsbereich, das man in den Pub hineinbugsiert hat und in dem bis zu acht Gäste Platz nehmen können, um dort ihren Lunch oder ihr Dinner einzunehmen. Ich glaube, das ist einzigartig in ganz Großbritannien. Das Thema „Post“ zieht sich weiterhin durch den ganzen Pub, überall sieht man Gegenstände wie Fahrräder, an Tischen befestigte Sackkarren, eine rote Telefonzelle mitten auf einem Tisch und an den Wänden jede Menge Bilder.

The Jolly Postie
2 Baldock Street
Royston
Hertfordshire, SG8 5AY

Published in: on 15. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die A13 – Eine 68 Kilometer lange Straße, die von London nach Southend in Essex führt

Die A13, hier die East India Dock Road, in London.
Photo © Danny P Robinson (cc-by-sa/2.0)

Die A13 ist eine große Trasse, die London ostwärts verlässt, und die Stadt mit Southend an der Nordseeküste in Essex verbindet. Sie ist nur knapp 70 km lang und sehr gut ausgebaut, so dass die Londoner die Strände bzw. die Amüsierviertel von Southend schnell erreichen können.

Die A13 gehört sicher nicht zu den landschaftlich besonders reizvollen Straßen Englands. Sie beginnt am Ostrand der Londoner City und der London-nahe Abschnitt führt durch Industrieansiedlungen und Container-Umschlagplätze,  an den Ford-Werken in Dagenham (wo heute nur noch Motoren gebaut werden) und an dem riesigen Lakeside Shopping Centre vorbei. Gewaltige Strommasten und Gasometer beherrschen das Landschaftsbild. Die Themsemündung ist nie weit entfernt.

Die Londoner Ringautobahn M25 wird an deren Ausfahrt 30 gekreuzt und die A13 bleibt bis kurz hinter Basildon in Essex vierspurig. Von dort bis zu ihrem Ziel in Southend ist sie nur noch eine „Normalstraße“. Das heißt, das Ziel ist genauer gesagt Shoeburyness, der Ort mit dem merkwürdigen Namen im Osten von Southend.

Es gibt einen sehr interessanten Film über die A13, der hier zu sehen ist.

Die Straße wurde auch schon besungen. Billy Bragg, der 1957 an der A13 in Barking geboren wurde, hat den Song“A13 Trunk Road to the Sea“ geschrieben und der hört sich wie eine genaue Routenbeschreibung der Straße an. Hier ist der Text.

 

Die A13 bei Barking.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Hier in Shoeburyness in Essex geht die A13 zu Ende.
Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 14. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The British Christmas Tree Growers Association – Sie arbeitet zum Wohl des britischen Weihnachtsbaumes

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Downing Street 10 in weihnachtlichem Schmuck (mit Kater Larry).

Vor acht Jahren schrieb ich einmal in meinem Blog über das kleine Dorf Christmas Common an der Grenze zwischen Oxfordshire und Buckinghamshire, das im Jahre 2011 den Weihnachtsbaum für No. 10 Downing Street in London liefern durfte;  eine große Ehre, die dem Ort mit dem hübschen und absolut passenden Namen da zuteil wurde, mit freundlicher Unterstützung der British Christmas Tree Growers Association (BCTGA).

Die BCTGA kümmert sich um das Wohlergehen britischer Weihnachtsbäume bzw. um deren Anbauer und „to promote sales of live Christmas trees, provide marketing information to growers and encourages the exchange of ideas and information„. Ihre 320 Mitglieder verkaufen jedes Jahr zwischen sechs und acht Millionen Weihnachtsbäume.

„Grower of the Year 2018“ war John Junor von Farr North Christmas Trees in Inverness in Schottland; in diesem Jahr ist es die Dartmoor Christmas Tree Farm im Haldon Forest Park am Ostrand des Dartmoors, die den Downing Street Weihnachtsbaum 2019 stellt und das nicht zum ersten Mal. Die Weihnachtsbaumanpflanzer aus dem Dartmoor rühmen sich auch noch weiterer Auszeichnungen wie Best Natural Wreath, Runner up Best Fir, Best Nordman Fir und Champion Grower. Man kann also nichts falsch machen, wenn man seinen Weihnachtsbaum bei dieser Firma kauft.

Die Mitglieder der BCTGA verpflichten sich, bestimmte Verhaltensregeln beim Anbau einzuhalten, die umweltverträglich und nachhaltig sind. In dieser Liste sind einige der Mitglieder aufgeführt und welche Art von Weihnachtsbäumen sie anbieten.

In Hawkwell (Essex)
Photo © John Myers (cc-by-sa/2.0)

Chesil Beach – Ein 28 Kilometer langer Kieselstrand vor der Küste Dorsets

Von Portland bis nach West Bay erstreckt sich vor der Küste Dorsets ein 28 Kilometer langer Kieselstrand, der sich Chesil Beach nennt. Er ist ca 160 Meter breit und bis zu 12 Meter hoch. Chesil Beach ist ein Teil der sogenannten Jurassic Coast Süd-Englands. Hinter diesem Kieselstrand ist eine Lagune entstanden, The Fleet, die sowohl von Süßwasser als auch von Meerwasser gespeist wird und zu einem Naturreservat geworden ist, in dem sich zahlreiche Wasservögel und Fische angesiedelt haben. Auf einem Boot mit Glasboden, dem Fleet Observer, das von Ostern bis Ende Oktober verkehrt, kann man sich die Unterwasserwelt der Lagune ansehen.
Im ganzjährig geöffneten Chesil Beach Visitors Centre, südlich von Ferrybridge gelegen, kann man sich über die Gegend informieren und Führungen entlang des Strands buchen. Bei Ebbe sieht man seltene Meereslebewesen, die dann zum Vorschein kommen.
Dieser Film zeigt einen Flug über den Strand.

Vor und während des 2. Weltkriegs war The Fleet ein Bombenabwurfgelände der Royal Air Force. Die Dam Busters übten unter anderem auch hier, bevor sie ihre Angriffe auf deutsche Staudämme starteten. Siehe dazu meinen Blogeintrag.
Die Strömung vor der Küste ist nicht ungefährlich; zahlreiche Schiffe sind hier schon auf Grund gelaufen, worüber man sich im Museum von Portland genauer informieren kann.

Chris de Burgh veröffentlichte 2010 ein Album mit dem Titel „Moonfleet and other Stories„, das auf dem gleichnamigen Abenteuerroman von J. Meade Falkner basiert, der 1898 erschien (dt. „Moonfleet“, 2005) und am Chesil Beach spielt. De Burgh nahm einige der dazugehörenden Musikvideos dort auf; als Beispiel ist hier „Everywhere I go“ zu sehen.

Mehrere Bücher sind geschrieben worden, die alle den Chesil Beach als Hintergrund haben, das bekannteste ist sicher Ian McEwansOn Chesil Beach“ (dt. „Am Strand“) aus dem Jahr 2008. McEwan schrieb auch das Drehbuch zu dem gleichnamigen Film, der 2018 in die Kinos kam; hier ist der Trailer.

The Fleet.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Chesil Beach und dahinter die Stadt Weymouth.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

 
 

Published in: on 12. Dezember 2019 at 02:00  Comments (4)  
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St Matthew’s in Bethnal Green (London) – Die „Unterwelt-Kirche“

St Matthew’s im Londoner East End, im Stadtteil Bethnal Green, steht in einer kleinen Parkanlage an der Straße St Matthew’s Row. Die ursprüngliche Kirche wurde in den Jahren 1743-46 gebaut und von dem Architekten George Dance the Elder entworfen. Zweimal erlitt St Matthew’s schwere Schäden, einmal 1859 durch eine Feuersbrunst und dann im Zweiten Weltkrieg durch abgeworfene Brandbomben. 1961 war die Kirche wieder soweit hergestellt, dass Gottesdienste abgehalten werden konnten.

Bethnal Green ist ein Teil von London, in dem Gangsterbanden zuhause waren, und der Ruf des Stadtteils war nicht der beste. Einer der ersten Gangsterbosse von Bethnal Green war Joseph Merceron (1764-1839), eigentlich ein einflussreicher Geschäftsmann, der aber korrupt und betrügerisch war. Als er 1839 starb, fand seine von 30 000 Menschen besuchte Begräbnisfeier in St Matthew’s statt. Von da an sollten sich noch weitere Gangster diese Kirche für ihre Trauerfeiern aussuchen.

Die berühmtesten aller Gangster Londons waren die Kray-Zwillinge Ronnie (1933-1995) und Reggie (1933-2000), die ein strenges Regiment im East End führten. Ihre Gang, „The Firm“, mordete, raubte, legte Brände und erpresste Schutzgelder. Die beiden Zwillings-Gangsterbosse verkehrten in der besten Londoner Gesellschaft und waren auch mit Frank Sinatra und Judy Garland befreundet. Am 8. Mai 1968 wurden beide verhaftet und ein Jahr später zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
Als erster starb Ronnie Kray im Jahr 1995 und seine Trauerfeier in St Matthew’s war eine grandiose Angelegenheit, die größte Trauerfeier seit Winston Churchill zu Grabe getragen worden war. Die Sargträger waren vier Unterweltgrößen, darunter auch Charlie Kray, ein Bruder der Zwillinge. Reggie durfte an der Feier teilnehmen, war aber mit Handschellen an eine Polizistin gekettet. Hier sind Bilder von der Trauerfeier.

Charlie Kray starb am 4. April 2000 und auch sein „funeral“ fand in St Matthew’s statt wie das seines Bruders Reggie, der ein halbes Jahr später starb und dessen Trauerzug von Tausenden von Menschen besucht wurde (hier ist ein Film darüber). Es ist schon erstaunlich, dass notorische Verbrecher in der Bevölkerung so viel Bewunderung erfahren konnten.

Es sollte noch eine weitere Gangster-Trauerfeier in St Matthew’s geben, die von Tony Lambrianou, einem engen Vertrauten der Kray Twins, der im März 2004 das Zeitliche segnete. Dieser Film zeigt den Trauerzug.

Im Inneren von St Matthew’s.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Dezember 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Terry Pratchett und sein Geburtsort Forty Green in Buckinghamshire

Haus an der Forty Green Road und dem Holtspur Lane.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Über das winzige Dorf Forty Green in der Grafschaft Buckinghamshire schrieb ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit dem Pub The Royal Standard of England, einem richtig schönen Country Pub, den ich sehr empfehlen kann! Forty Green liegt im Dunstkreis des Städtchens Beaconsfield; wir befinden uns hier in einer Region, in der sehr viele Episoden der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ gedreht wurden.

Ende der 1940er Jahre arbeitete eine Eileen Pratchett im Postamt von Forty Green, das es natürlich schon lange nicht mehr gibt. Sie war verheiratet mit dem Kraftfahrzeugmechaniker David Pratchett und am 28. April 1948 wurde ihnen ein Sohn geboren, den sie Terence David John nannten und der später als Terry Pratchett (1948-2015) durch seine Fantasy-Romane Weltruhm erlangen sollte. Er blieb das einzige Kind von Eileen und David.

Terry besuchte die Holtspur Primary School, wo es nicht so richtig lief, und er Probleme hatte, mit den anderen Schülern mitzukommen. Der Durchbruch kam, als Terry das Buch „The Wind in the Willows“ (dt. „Der Wind in den Weiden“) von Kenneth Grahame geschenkt bekam, das ihn dermaßen faszinierte, dass seine Schulleistungen deutlich besser wurden und er Stammkunde in der Beaconsfield Public Library wurde, in die er im Juli 2013 auf seinen Wunsch hin noch einmal zurückkehrte und dort vor begeisterten Fans sprach.

Die Holtspur Primary School in der Cherry Tree Road liegt in Holtspur, einem weiteren Vorort von Beaconsfield. Als die 1951 gegründete Schule ihr 60-jähriges Bestehen feierte, gratulierte auch Terry Pratchett und erinnerte sich in einem Schreiben an seine Schulzeit damals, die er als nicht besonders angenehm empfand, was aber nicht an der Schule, sondern mehr an ihm selbst lag, denn er war als Kind ein ausgemachter Tagträumer. Terry Lieblingsspielplatz war das Wäldchen Roundhead Wood am Rand von Forty Green, zwischen der Forty Green Road und dem Holtspur Lane, wo er viele Stunden mit seinen Freunden verbrachte. Hier wurden schon die ersten Bausteine für seine späteren Scheibenwelt-Romane gelegt.

Hier ist eine Dokumentation über Terry Pratchetts Leben. Siehe auch meinen Blogeintrag über meine „Begegnung“ mit Terry Pratchett in Wincanton (Somerset).

Holtspur in Buckinghamshire.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – A.A. Gill: The Angry Island – Hunting the English

Foto meines Exemplares.

Adrian Anthony Gill (1954-2016), meist nur kurz A.A. Gill genannt, war ein scharfzüngiger Journalist, der vor allem für seine Artikel in der Sunday Times bekannt war, in denen er über seine Reisen berichtete und Restaurantkritiken verfasste. Da Gill in seinen Artikeln kein Blatt vor den Mund nahm, hatte das zur Folge, dass gegen ihn mehrere Dutzend Male Beschwerden bei der Press Complaints Commission (PCC) eingereicht wurden, was den Journalisten aber nicht daran hinderte, seine Meinung auch weiterhin klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen.

In seinem bereits 2005 erschienen Buch „The Angry Island„, das den bezeichnenden Untertitel „Hunting the English“ trägt, legt er die englische Volksseele auf den Seziertisch und nimmt sie mit dem Skalpell auseinander. In 16 Kapiteln beschäftigt sich A.A. Gill unter anderem mit den Themen „Englischer Humor“, „Sport“, Schlangestehen“, „Gärten“ usw.
Am Beispiel des Kapitels „Cotswolds“ möchte ich zeigen, warum er so häufig mit der PCC in Konflikt geraten ist. Über den Touristenort Stow-on-the Wold schreibt er „What makes Stow so catastrophically ghastly is its steepling piss-yellow vanity„. Die kleine Stadt wird gern von Senioren aufgesucht: “ A bus-load of old people looks like a window full of fairy tombstones„. Für Gill ist Stow „the worst place in the world„. Über die allgegenwärtigen Morris Men, die natürlich auch in den Cotswolds zu finden sind: „They aren’t nice people. They have too much hair and are ripe-bellied, twisted, drunk, bellicose, foul-breathed and tongued„. Auch der Blenheim Palace bekommt sein Fett weg: „...the most miserably dour gaff in England – an architectural evocation of bi-polar depression…in a Valium landscape„.

Zweifelsohne ist Gill ein Meister im Formulieren geistreicher Sätze, so findet man im Kapitel „Drink“ diese Anmerkung über die Engländer und ihre Problematik mit dem Trinken: „Drink is the key that unlocks the cellar door to their dark side„.

Ich habe das Buch mit sehr viel Genuss gelesen; das eine oder andere mag übertrieben und zugespitzt formuliert sein, doch der Leser bekommt einen tiefen Einblick in das Seelenleben der Engländer, und man versteht nach der Lektüre besser wie sie „ticken“.

A.A. Gill: The Angry Island – Hunting the English. Phoenix 2006. 237 Seiten. ISBN 978-0753820964 (dies ist die Taschenbuchausgabe, die gebundene Ausgabe erschien 2005).

Noch eine kleine Anmerkung am Rande: A.A. Gills Mutter war die Schauspielerin Yvonne Janette Gilan (1931-2018), die Fans der TV-Serie „Fawlty Towers“ vielleicht noch in Erinnerung geblieben ist, als sie in der Episode „The Wedding Party“ Madame Peignoir spielte.

Stow-on-the Wold – The worst place in the world?
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Morris Men.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)

Blenheim Palace bei Woodstock (Oxfordshire) –  A miserably dour gaff?
Photo © Francois Thomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Time Ceremony in Oxfords Merton College

Fellow’s Quad und Sonnenuhr im Merton College.
Photo © Virginia Knight (cc-by-sa/2.0)

Einmal im Jahr spielt sich in Oxfords Merton College mitten in der Nacht ein merkwürdiges Zeremoniell ab: Am letzten Sonntag des Monats Oktober treffen sich die Studentinnen und Studenten des College morgens um 2 Uhr auf dem Fellow’s Quad, einem großen Rasenplatz, den Anfang des 17. Jahrhunderts der damalige Warden Sir Henry Savile anlegen ließ, an der Sonnenuhr, um von dort aus eine Stunde lang rückwärts um den Platz zu laufen…bis es wieder 2 Uhr ist, denn ist dieser Nacht findet die Zeitumstellung statt und die Uhren werden eine Stunde zurückgestellt. Bei der Zeremonie tragen die Studenten des Merton College ihre akademische Kleidung und, damit es nicht langweilig wird, trinkt man, während der Rückwärtsgang eingeschaltet ist, jede Menge Portwein.

Seit 1971 existiert diese Tradition des College und der Grund für das Rückwärtslaufen? „Saving the universe by stabilising the time-space continuum„, heißt es da in Oxford, eine schräge Erklärung für einen ebenso schrägen Brauch.

Einige der vielen Männer und Frauen, die das Merton College in den letzten Jahrzehnten besucht haben, sind beispielsweise die beiden Schriftsteller Mark Haddon und Anthony Holden, die Musiker Iain Burnside und Gareth Glyn, die Historiker Clare Griffiths und Sir Ian Kershaw und die Politiker Liz Truss und Ed Vaizey, um nur einige wenige zu nennen. Ob die auch alle an der Time Ceremony teilgenommen haben, kann ich leider nicht sagen.

Hier ist ein Film über das Oxford College.

Merton College
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Green Dragon in Hereford (Herefordshire) – Eines der ältesten Hotels Englands

An der Broad Street in Hereford, der Hauptstadt der Grafschaft Herefordshire, steht ein imposantes Gebäude, das eines der ältesten Hotels Englands beherbergt, das Green Dragon Hotel. Seine Ursprünge gehen mehr als 900 Jahre zurück, als es The White Lyon hieß, und Herberge für die Steinmetze gewesen sein soll, die damals die Kathedrale erbauten. Im Jahr 1708 wurde aus dem White Lyon The Green Dragon, möglicherweise aus Sympathie für den Earl of Pembroke, dessen „livery badge“ (persönliches Abzeichen) ein grüner Drache war. Ein solcher ziert das Dach des Hotels noch heute.

Im Laufe der Jahrhunderte waren hier viele berühmte Persönlichkeiten zu Gast, darunter Admiral Lord Nelson und Lady Emma Hamilton sowie der Komponist Sir Edward Elgar. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel von den Alliierten in Beschlag genommen, nach Kriegsende wieder seiner eigentlichen Verwendung zugeführt. Vor kurzem, 2018/19, fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt, nachdem das Hotel durch ständige Besitzerwechsel und wenig Investitionen ziemlich heruntergekommen war. Regionale Investoren hatten den Green Dragon übernommen, damit im Zentrum Herefords weiterhin ein vorzeigbares Hotel vorhanden ist.

83 Zimmer stehen den Gästen zur Verfügung, im Brasserie-Restaurant The Hereford hat Chef Simon Bolsover das Sagen, in der Offa Bar und der Orange Bar kann man einen Drink zu sich nehmen und in der Garrick Lounge werden zum Beispiel Afternoon Tea, Sandwiches und andere Kleinigkeiten angeboten. Die Lounge wurde nach dem Schauspieler David Garrick benannt, der 1717 im Angel Inn in der Widemarsh Street, nördlich der Broad Street, geboren wurde. Den Gasthof gibt es nicht mehr.

Der Green Dragon diente eine Zeit lang als Kutschenstation und hatte einen Anbau, in dem die Pferde untergebracht waren. Am ersten Weihnachtstag des Jahres 1843 brach dort ein Brand aus. Die Flammen griffen schnell um sich, weil im Stall tonnenweise Heu gelagert war. Die Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun, damit sich das Feuer nicht auf das Hauptgebäude ausbreiten konnte. Von den 17 im Stall untergebrachten Pferden konnten nur 10 gerettet werden und auch diese trugen Brandwunden davon.

The Green Dragon Hotel
Broad Street
Hereford HR4 9BG

 

Broad Street, Hotel und die St Peter’s Church.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Cricket – Einige Anmerkungen zu einer merkwürdigen Sportart

Spannung pur…auf dem Cricketplatz von Wetheral in Cumbria.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Meine Berührungspunkte mit dem in England so populären Cricketsport waren bisher nur sehr sporadisch. Ich wurde einmal Augenzeuge eines Spiels in Bolton Percy in North Yorkshire, was sehr schön anzusehen war: Die Spieler in ihren weißen Anzügen auf dem satten Grün des Village Greens und darüber der blaue Himmel eines warmen Sonntagvormittags; so stellt man sich englische Dorfidylle vor.

Ich ging auf einigen Village Greens spazieren, die gern als Cricketplatz verwendet werden, wie in Littlewick Green (Berkshire) und Warborough (Oxfordshire); auch Wormsley Park (Buckinghamshire) hat mir sehr gut gefallen. Leider habe ich die Regeln dieses Sportes nie verstanden. Neulich versuchte mir ein Freund, der Cricket liebt, bei einem Spaziergang entlang des River Cam bei Grantchester (Cambridgeshire) diese Regeln näherzubringen…aber ohne Erfolg. Es ist schon eine eigenartige Sportart, bei der Spiele sich manchmal über mehrere Tage hinziehen und die unterbrochen werden, damit die Spieler eine Tasse Tee zu sich nehmen können.

Es gibt in England „tea towels“ zu kaufen, die mit einfachen Worten versuchen, jemandem, der absolut keine Ahnung von Cricket hat, die Regeln zu erläutern:
You have two sides, one out in the field and one in.
Each man that’s in the side that’s in goes out, and when he’s out he comes in and the next man goes in until he’s out.
When they are all out, the side that’s out comes in and the side thats been in goes out and tries to get those coming in, out„.

Ich glaube, jetzt hat auch der Letzte verstanden, worum es geht.

In der Wikipedia gibt es ein Glossar von Cricket-Fachausdrücken, das schier endlos erscheint. Da gibt es Begriffe wie Daddy hundred, Daisy cutter, Flat-track bully und Mullygrubber. Gibt es eine Sportart, die noch komplizierter als Cricket ist? In diesem Film werden die 10 merkwürdigsten Cricketregeln vorgestellt, wobei ich Regel Nummer 4 am witzigsten finde.

Wie Adolf Hitler die Regeln des Cricket erklärt haben würde, kann man in diesem Film sehen (man sollte den deutschen Originalton aber möglichst ausblenden).

Die Scorebox des Feckenham Cricket Club in Worcestershire.
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das verrückteste Cricketmatch von allen, das mitten im Meer ausgetragen wird. Siehe dazu meinen Blogeintrag.
Photo © Hugh Chevallier (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Dezember 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Gladstone Adams (1880-1966) – Der Mann, der den Scheibenwischer erfand

Plakette an einem Haus in der City Road in Newcastle.
This photo is in the public domain courtesy of Open Plaques.

Gladstone Adams wurde 1880 in Newcastle geboren, und er verbrachte den größten Teil seines Lebens in dieser Region im Nordosten Englands. Im Mittelpunkt seines Berufslebens stand die Fotografie. Adams war professioneller Fotograf und in den 1920er Jahren beschäftigte Adams in seinen Studios bis zu 90 Angestellte. Er nahm alle möglichen Aufträge an, vom Erstellen von Hochzeitsfotos bis zu Arbeiten für Zeitungen. Außerdem war er der offizielle Fotograf des Fußballvereins Newcastle United.
Und da kommen wir zu dem eigentlichen Thema von heute. Im April des Jahres 1908 fuhr Gladstone Adams mit seinem vier Jahre alten Auto der Marke Darracq von Newcastle nach London, um sich das Cup Final anzusehen, bei dem Newcastle United gegen die Wolverhampton Wanderers spielte. Damals waren Autos noch etwas Seltenes und daher erregte sein Darracq in der Haupstadt erhebliches Aufsehen.

Nachdem das Spiel beendet war, das die Wanderers mit 3:1 gewannen, machte sich Gladstone Adams wieder auf den langen Heimweg zurück nach Newcastle. Obwohl es schon Ende April war, geriet er in extrem schlechtes Wetter mit Schnee und Regen. Immer wieder musste der Mann sein Auto anhalten, aussteigen und mit den Händen den Schnee von der Windschutzscheibe wischen. Durchnässt stieg er in sein Auto ein, bis zum nächsten fällig werden Halt, weil er einfach nicht richtig durch die Scheiben sehen konnte. Da müsste man doch etwas machen können, dachte sich Adams, und auf dieser Fahrt von London nach Newcastle entstand die Idee, Autos mit einem Scheibenwischer zu versehen. Drei Jahre lang feilte er an seiner Idee herum, bis es schließlich im April 1911 so weit war, dass er seinen Scheibenwischer bei einem Patentanwalt in Liverpool anmelden konnte. Die Apparatur wirkt nach heutigen Maßstäben sehr primitiv, aber immerhin sie funktionierte, obwohl sie nie in Serie ging. Der Prototyp ist im Discovery Museum in Newcastle ausgestellt.

Aber: Wie das nun mal bei Erfindungen vorkommt…es gibt noch einige mehr, sowohl in den USA als auch in Großbritannien, die Patente auf Scheibenwischer angemeldet hatten und das schon vor 1911. Trotzdem gilt Gladstone Adams immer noch als der eigentliche Erfinder der „windscreen wipers“.

Der Fotograf aus Newcastle wird auch mit der Erfindung des mechanisch betriebenen Fahrtrichtungsanzeigers, des Winkers (englisch: trafficator), in Verbindung gebracht, aber auch in diesem Fall gibt es mehrere Mitbewerber, die diese Erfindung für sich in Anspruch genommen haben.

Ein Darracq wie ihn Gladstone Adams fuhr steht im Mittelpunkt des Films „Genevieve“ (dt. „Die feurige Isabella“) aus dem Jahr 1953. Hier ist ein Ausschnitt.

Published in: on 5. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The World Custard Pie Championships in Coxheath (Kent)

Heute begeben wir uns nach Coxheath in der Grafschaft Kent, wo jedes Jahr auf dem Recreation Ground, neben der Village Hall, ein ziemlich verrückter Wettkampf stattfindet: The World Custard Pie Championships, die Weltmeisterschaften im Sahnetortenwerfen. Im Juni diesen Jahres trafen schon zum 59. Mal Menschen aus aller Welt zusammen, um sich gegenseitig Sahnetorten ins Gesicht zu werfen. Man denkt dabei unwillkürlich an die frühen Slapsticks-Filme, bei denen das immer wieder für Heiterkeit sorgte.

Die Regeln für diesen Wettbewerb sind sehr einfach: Zwei Mann (Frau-)schaften mit jeweils vier Teilnehmern stehen sich gegenüber und werfen „custard pies“ auf ihre Konkurrenten, wobei die linke Hand benutzt werden muss. Ein Volltreffer mitten ins Gesicht erzielt sechs Punkte; drei Punkte erhält man, wenn irgendein Punkt oberhalb der Schultern getroffen wird und ein Punkt wird vergeben bei einem Treffer auf den Rest des Körpers. Trifft man dreimal daneben, gibt es einen Punkteabzug.

Da wir uns im verkleidungsfreundlichen England befinden, ziehen sich die Teams in der Regel mehr oder weniger verrückt an wie dieser Film aus dem Jahr 2017 zeigt.
Das Endspiel in diesem Jahr bestritten die Minions und das Team I Love Marshmallows, wobei die Minions gewannen und Weltmeister wurden.

Zum Abschluss noch ein Wort zu den „custard pies“, deren Zusammensetzung ein Geheimnis ist. Sie wurden erstmals 1967 zusammengerührt und zwar von dem damals beliebten  Fernsehentertainer Mister Pastry; das war Richard Lewis Hearne (1908-1979), der gar nicht weit weg von Coxheath, auf dem Kirchhof von St Mary’s in Platt, begraben liegt.

Die Village Hall.
Photo © Danny P Robinson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Alisha’s Attic – Ein englisches Pop-Duo aus den 1990er Jahren, das in Deutschland nie Fuß fassen konnte

Alisha’s Attic war ein Pop-Duo, das aus den beiden in London geborenen Schwestern Shelley Poole (später Shelley McErlane) und Karen Poole bestand und von 1996 bis 2001 agierte. Die beiden jungen Damen waren nun nicht die ganz Großen im britischen Musikgeschäft, aber ihr von Dave Stewart produziertes Album „Alisha Rules the World“ aus dem Jahr 1996 wurde immerhin mit Platin ausgezeichnet. Ihre ersten fünf Singles erreichten 1996 und 1997 die Top 20 in den UK Charts, in Deutschland kamen zwei von ihnen unter die Top 100.

Der im Bandnamen genannte „attic“ bezieht sich auf ein Tonstudio auf dem Dachboden eines Hauses in Barking (Greater London), das einem früheren Freund von Karen Poole gehörte.

Die Alben „Illumina“ und „The House We Built“ wurden in New York respektive Mendocino in Kaliforniern aufgenommen, konnten aber nicht an den Erfolg von „Alisha Rules the World“ anknüpfen. Im Jahr 2001 wurde Alisha’s Attic zu Grabe getragen, die Schwestern gingen eigene Wege und arbeiteten vor allem als Songschreiberinnen.

Shelley und Karen sind die Töchter von Brian Poole, der in den 1960er Jahren zusammen mit den Tremeloes einige Hits hatte wie „Twist and Shout“ und „Do You Love Me“ (beide 1963).

Hier ist der titelgebende Song aus ihrem Debütalbum“ und hier sind die beiden bei Top of the Pops mit „Wish I Were You“ zu sehen.

Published in: on 3. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Meine Lieblings-Pubs – The Gribble Inn in Oving (West Sussex)

Eigenes Foto.

Wieder half mir der „Good Pub Guide“ zur Mittagszeit einen Gasthof zu finden und zwar als ich auf der A259 (Chichester – Bognor) in West Sussex unterwegs war. Ein kleiner Abstecher führte mich in das Dörfchen Oving und den Gribble Inn. Außer dem Pub und der Kirche St Andrew’s gibt es in dem 1000-Seelen-Ort nichts weiter zu sehen.

Der Gribble Inn war einmal das Wohnhaus der Dorfschullehrerin Rose Gribble, die 1980 verstarb. Aus ihrem Cottage machte man einen Pub, der nach ihr benannt wurde (ich vermute, dass die ältere Dame auf dem Pubschild Rose Gribble ist). Zusätzlich installierte man hier auch eine kleine Brauerei, deren Produkte man in dem Gasthaus alle probieren kann. Da gibt es zum Beispiel The Sussex Quad Hopper, ein Bitter mit 4% Alkoholgehalt, das nach dem Pubhund benannte Flints Full Glory und das Weihnachtsbier Santa’s Sack, ein „ruby red ale“.

Im Juli des Jahres 2014 wäre es dem Pub beinahe an den Kragen gegangen, denn er wurde bei einem Brand stark mitgenommen, doch er wurde wieder aufgebaut, bekam ein neues Reetdach und konnte 2015 wieder in Betrieb genommen werden. Die Brauerei war von dem Brand glücklicherweise nicht betroffen.

Da uns am Abend in unserem Hotel ein Dinner erwartete, konnten wir leider das Essen im Gribble Inn nicht probieren und beließen es bei einem „pickled egg“ (ich hätte gern einmal den Gribble-Ale Ice Cream probiert).

Das Cottage stammt aus dem 16. Jahrhundert, ist hübsch eingerichtet, und ich fühlte mich wohl in dem Pub, den ich also sehr empfehlen kann.

The Gribble Inn & Brewery
Gribble Lane
Oving
Chichester
West Sussex
PO20 2BP

Published in: on 2. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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