Mein Buchtipp – A.A. Gill: The Angry Island – Hunting the English

Foto meines Exemplares.

Adrian Anthony Gill (1954-2016), meist nur kurz A.A. Gill genannt, war ein scharfzüngiger Journalist, der vor allem für seine Artikel in der Sunday Times bekannt war, in denen er über seine Reisen berichtete und Restaurantkritiken verfasste. Da Gill in seinen Artikeln kein Blatt vor den Mund nahm, hatte das zur Folge, dass gegen ihn mehrere Dutzend Male Beschwerden bei der Press Complaints Commission (PCC) eingereicht wurden, was den Journalisten aber nicht daran hinderte, seine Meinung auch weiterhin klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen.

In seinem bereits 2005 erschienen Buch „The Angry Island„, das den bezeichnenden Untertitel „Hunting the English“ trägt, legt er die englische Volksseele auf den Seziertisch und nimmt sie mit dem Skalpell auseinander. In 16 Kapiteln beschäftigt sich A.A. Gill unter anderem mit den Themen „Englischer Humor“, „Sport“, Schlangestehen“, „Gärten“ usw.
Am Beispiel des Kapitels „Cotswolds“ möchte ich zeigen, warum er so häufig mit der PCC in Konflikt geraten ist. Über den Touristenort Stow-on-the Wold schreibt er „What makes Stow so catastrophically ghastly is its steepling piss-yellow vanity„. Die kleine Stadt wird gern von Senioren aufgesucht: “ A bus-load of old people looks like a window full of fairy tombstones„. Für Gill ist Stow „the worst place in the world„. Über die allgegenwärtigen Morris Men, die natürlich auch in den Cotswolds zu finden sind: „They aren’t nice people. They have too much hair and are ripe-bellied, twisted, drunk, bellicose, foul-breathed and tongued„. Auch der Blenheim Palace bekommt sein Fett weg: „...the most miserably dour gaff in England – an architectural evocation of bi-polar depression…in a Valium landscape„.

Zweifelsohne ist Gill ein Meister im Formulieren geistreicher Sätze, so findet man im Kapitel „Drink“ diese Anmerkung über die Engländer und ihre Problematik mit dem Trinken: „Drink is the key that unlocks the cellar door to their dark side„.

Ich habe das Buch mit sehr viel Genuss gelesen; das eine oder andere mag übertrieben und zugespitzt formuliert sein, doch der Leser bekommt einen tiefen Einblick in das Seelenleben der Engländer, und man versteht nach der Lektüre besser wie sie „ticken“.

A.A. Gill: The Angry Island – Hunting the English. Phoenix 2006. 237 Seiten. ISBN 978-0753820964 (dies ist die Taschenbuchausgabe, die gebundene Ausgabe erschien 2005).

Noch eine kleine Anmerkung am Rande: A.A. Gills Mutter war die Schauspielerin Yvonne Janette Gilan (1931-2018), die Fans der TV-Serie „Fawlty Towers“ vielleicht noch in Erinnerung geblieben ist, als sie in der Episode „The Wedding Party“ Madame Peignoir spielte.

Stow-on-the Wold – The worst place in the world?
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Morris Men.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)

Blenheim Palace bei Woodstock (Oxfordshire) –  A miserably dour gaff?
Photo © Francois Thomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

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