Bletchley Park in Buckinghamshire – Heimat der Codebreakers

Am südlichen Rand von Milton Keynes liegt der Ort Bletchley, der eng mit Bletchley Park verbunden ist. Hier wurden im Zweiten Weltkrieg die deutschen Geheimcodes geknackt. Eine Reihe von hochintelligenten Wissenschaftlern machten sich daran, den deutschen Nachrichtenverkehr zu entziffern. Diese „code-breaker“ oder Kryptoanalytiker zogen 1939 in das Herrenhaus Bletchley Park ein. Auf dem Gelände des Hauses standen mehrere sogenannte „huts„, also kleine Hütten, in denen Gruppen von Wissenschaftlern mit speziellen Aufgaben befasst waren.

Als die Enigma- und Lorenz-Codes geknackt waren, konnten die Allierten den Funkverkehr der Deutschen abhören und es gibt Historiker, die der Meinung sind,  dass dadurch der Zweite Weltkrieg um etwa zwei Jahre verkürzt worden ist.
Unter den Entschlüsslern war auch der exzentrische Alan Turing, der heute als einer der Gründerväter der Computerentwicklung gilt.

Bletchley Park ist heute ein Museum, in dem man sich auf einem Rundgang die Arbeit der Wissenschaftler erklären lassen und sich die Dechriffriermaschinen ansehen kann.
Man hat das Museum so ausgebaut, dass es etwas für die ganze Familie ist. Wechsende Ausstellungen, ein kleines Kino, ein Spielplatz, ein Shop; man kann hier viele Stunden verbringen.
Das Haus selbst steht für Geschäftstreffen, Konferenzen und für Hochzeiten zur Verfügung.

Es gibt ein Fülle von Literatur, auch in deutscher Sprache, über das Thema „Entschlüssellungsverfahren im Zweiten Weltkrieg“. Der Roman „Enigma“ des britischen Schriftstellers Robert Harris, 1995 erschienen, war zum Beispiel ein internationaler Bestseller, der 2001 auch mit Kate Winslet und Tom Jericho verfilmt wurde (hier ist der Trailer).
Das Leben Alan Turings steht auch im Mittelpunkt des Films „The Imitation Game“ (dt. „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“) mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle.

Das Museum Bletchley Park hat bis auf einige wenige Feiertage jeden Tag geöffnet.

Hier ist ein Film über die Codebreakers.

Arbeitsplatz der Codebreakers.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Alan Turing-Skulptur im Block B.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Aylesbury Railway Desaster – Ein Eisenbahnunglück in Buckinghamshire am 23. Dezember 1904

Der Bahnhof von Aylesbury heute.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Sie freuten sich schon alle auf das bevorstehende Weihnachtsfest: Joseph Barnshaw, George Masters, David Summers und Josiah Stanton. Sie waren an Bord des sogenannten „newspaper train„, der am 23. Dezember 1904 wie gewöhnlich früh morgens von Londons Marylebone Bahnhof nach Manchester unterwegs war. Als der Zug um 3.38 Uhr in den Bahnhof von Aylesbury in Buckinghamshire einfuhr, war er viel zu schnell. Vielleicht wusste der Zugführer Joseph Barnshaw nicht, dass hier im Bahnhof eine sehr enge Kurve war, die nur mit 15 mph befahren werden durfte, der Zug war aber mit 50 mph unterwegs. Die Folge: Die Lokomotive und die zehn Waggons entgleisten und stürzten um. Die Trümmer verteilten sich auf die Bahnsteige und die Geleise, es herrschte Chaos im Bahnhof von Aylesbury. Für drei der genannten, im Zug mitfahrenden Männer kam jede Hilfe zu spät, Joseph Barnshaw verstarb etwas später im Krankenhaus.

Was waren die Gründe für das Aylesbury Railway Desaster? Nun, auf jeden Fall die zu hohe Geschwindigkeit. Aber warum fuhr Joseph Barnshaw so schnell in den Bahnhof ein? Da gibt es mehrere Vermutungen: Einmal, dass der Zugführer mit der Strecke nicht vertraut war. Es herrschte damals dichter Nebel, so dass es möglich ist, dass Mr Barnshaw die Warnschilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gesehen hatte. Und dann gab es damals noch eine andere Theorie: Ich erwähnte oben schon, dass der Zug auch „newspaper train“ genannt wurde, weil er die Londoner Zeitungen nach Manchester beförderte. Die Zeitungsmacher in London wollten ihre Gazetten so früh wie möglich in den Verkaufsständen in Manchester haben, damit sie, in Konkurrenz zu den örtlichen Zeitungen, einen Teil des Kuchens, sprich des Umsatzes, für sich in Anspruch nehmen konnten. Es hieß damals, dass die Zugführer angehalten waren, die Strecke London-Manchester so schnell wie möglich zurückzulegen. Möglicherweise kostete dieser Zeitdruck das Leben der vier tödlich verunglückten Männern.

Auf Grund des Unglücks wurde die enge Kurve im Bahnhof von Aylesbury später begradigt.

Published in: on 30. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Minster Lovell Hall bei Witney in Oxfordshire – Eine romantische Ruine

Da meine Frau ja eine glühende Anhängerin von Richard III  und seit vielen Jahren Mitglied der Richard III Society ist, mussten wir natürlich auch einmal die Ruinen von Minster Lovell Hall in der Nähe von Witney in Oxfordshire aufsuchen.
1435 wurde das Haus erbaut und war der Wohnsitz der Lovell-Familie. Francis Lovell kämpfte an der Seite von Richard III in der Schlacht von Bosworth, in der der König starb. Lovell floh nach dem Ende der Schlacht und über sein weiteres Schicksal ist wenig bekannt. Er wurde des Hochverrats angeklagt und Minster Lovell Hall fiel an die Krone. In der Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der damalige Besitzer Thomas Coke, der Earl of Leicester, das Haus niederreißen und seitdem steht es als romantische Ruine am Rande der Cotswolds.

Eine Legende rankt sich um Minster Lovell Hall, die sich im 16. Jahrhundert abgespielt haben soll. Bei einer Hochzeitsfeier spielten Braut,  Bräutigam und Gäste, wie es damals üblich war, „hide and seek„, also Verstecken. Die Braut versteckte sich und wurde nie wieder gefunden. Nach vielen Jahren entdeckten die neuen Besitzer des Hauses zufällig in einer großen Kiste, die als Vorratsbox für Gemüse benutzt wurde, das Skelett der Braut. Sie hatte sich offensichtlich in der Kiste verstecken wollen, wobei ihr der schwere Deckel auf den Kopf gefallen war, sie ohnmächtig wurde und schließlich erstickte. Ist es ein Wunder, dass es in der Minster Lovell Hall spukt und die Mistletoe Bride in ihrem Brautgewand verschiedentlich gesichtet wurde?
Auch Francis Lovell soll in den Ruinen umgehen. Man sagt, dass er sich in einem Geheimzimmer versteckt hielt und von einem treuen Diener mit Essen und Trinken versorgt wurde. Als der Diener starb, versiegte die Nahrungszulieferung und auch Francis Lovell ging  jämmerlich zugrunde.

Wer einen Nerv für diese Geschichten und romantische Ruinen hat, der wird in Minster Lovell Hall mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

In diesem Film sind die Ruinen der Hall von einer Drohne aus zu sehen.

Eigenes Foto meines Guidebooks.

Foto meines Guidebooks.

Published in: on 29. Januar 2020 at 02:00  Comments (4)  
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„Ding Dong The Witch is Dead“ und andere Anti-Thatcher-Songs

Auch nach ihrem Tod spaltete die ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher die britische Gesellschaft. Die Verehrer der Eisernen Lady überlegten schon wie man sie am besten ehren kann, zum Beispiel mit einem Denkmal auf dem Londoner Trafalgar Square (auf dem vierten, meist leerstehenden Sockel). Die zahlreichen erbitterten Gegner fanden sich nach ihrem Ableben spontan zu Freudenfesten zusammen. Und dann erinnerte sich irgendjemand an einen uralten Judy Garland-Song aus dem Film „The Wizard of Oz“ (dt. „Der Zauberer von Oz“), der 1939 gedreht worden war. „Ding! Dong! The Witch is Dead“ hieß dieses Lied und es schien sich optimal als Partysong für Margaret Thatcher-Hasser zu eignen.  Klaus Nomi nahm den Song auf; hier ist er zu hören.

In der Welt der Pop-und Rockmusik hat es viele Gegner Margaret Thatchers gegeben, die sowohl während ihrer Zeit als Premierministerin als auch nach ihrem Tod im Jahr 2013 sehr drastische Songs gegen sie veröffentlicht haben. Da ist Elvis CostellosTramp the Dirt Down“ aus dem Jahr 1989, in dem diese Textzeilen zu finden sind:

„When England was the whore of the world
Margaret was her madam
And the future looked as bright and as clear as
The black tarmacadam
Well I hope that she sleeps well at night, isnt
Haunted by every tiny detail
Cos when she held that lovely face in her hands
All she thought of was betrayal…

I never thought for a moment that human life
could be so cheap
‚Cos when they finally put you in the ground
They’ll stand there laughing and tramp the
dirt down“.

Doch damit nicht genug. Es gibt noch eine Menge weiterer Songs, in denen britische Bands ihre Wut auf die Iron Lady manifestiert haben. Hier einige Beispiele:

Morrissey forderte in „Margaret on the Guillotine“ den Tod der Politikerin und fragte mehrmals „Wann wirst Du endlich sterben?“

Der Singer-Songwriter Pete Wylie schrieb zwei Jahre vor dem Tod der ehemaligen Premierministerin „The Day That Margaret Thatcher Dies„; darin heißt es im Text
„build a bonfire
paint the sky
come on down
i’ll tell you why.
she’s gone!
and nobody cries…“

Noch eine Stufe drastischer war der Song „Maggie you Cunt“ der Punkband The Exploited, das zum Ende der Amtszeit Margaret Thatchers entstand.

In Pink Floyds „The Fletcher Memorial Home“ geht es um Exekutions-Fantasien und schon kurz nach dem Amtsantritt sangen die Notsensibles das ironische „I’m in Love With Margaret Thatcher“ („Oh Margaret Thatcher is so sexy She’s the girl for you and me
I go red when she’s on the telly Cos I think she fancies me“).

Einige liebten damals die Eiserne Lady, aber sehr viele hassten sie. Über eine andere Love-Hate-Figur, Donald Trump, gibt es übrigens noch erheblich mehr Songs, sowohl vor seiner Zeit als Präsident als auch danach.

 

Published in: on 28. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Victoria“ – Eine populäre Serie im britischen Fernsehen, die es auch auf DVD gibt

Castle Howard, Harewood House, Temple Newsam, Carlton Towers, Wentworth Woodhouse: Die Location Scouts konnten aus dem Vollen schöpfen, als sie Drehorte für die englische TV-Serie „Victoria“ suchten. Der Norden Englands bietet eine Fülle von wunderschönen Palästen und Herrenhäusern, die sich hervorragend für die Verfilmung des Lebens Königin Victorias eignen.

25 Episoden in drei Staffeln gibt es bisher von „Victoria“, deren erste am 28. August 2016 auf dem Sender ITV zu sehen war. In Deutschland war die TV-Serie bisher nur im Pay-TV-Sender Sky zu sehen. Auf DVD bei Edel Motion in deutscher Synchronisation liegen die ersten drei Staffeln vor, zuletzt erschien Teil 3 am 28. Dezember 2019, eine Blue-Ray-Deluxe-Edition mit Bonusmaterial wird es ab dem 31. Januar 2020 geben.

Ich hatte erst Schwierigkeiten in die Serie „hineinzukommen“, aber bald hatte ich mich an die Darsteller gewöhnt, und ich muss sagen, das Casting hat sehr gut funktioniert. Ich glaube nicht, dass Queen Victoria so hübsch war wie Jenna Coleman, die sie verkörpert. Die Schauspielerin war in den letzten Jahren zum Beispiel in der Endlos-Serie „Doctor Who“ zu sehen. An ihrer Seite spielt Tom Hughes ihren Ehemann Prince Albert (die beiden sind auch privat ein Paar). Bemerkenswert in der dritten Staffel ist der Auftritt von Laurence Fox als Außenminister Lord Palmerston (ihn kennen wir als Detective Sergeant Hathaway in der TV-Serie „Lewis“). Eingebaut in die dritte Staffel ist eine fiktive Geschichte, in der Sophie, die Duchess of Monmouth (gespielt von Lily Travers, meiner Favoritin der ganzen Serie!), ein Liebesverhältnis mit dem Diener Joseph anfängt. Großartig finde ich Laurie Shepherd, vor einigen Tagen erst zehn Jahre alt geworden, der in der dritten Staffel Queen Victorias Sohn Bertie verkörpert. Wunderschön die Szene als der kleine Junge der 16-jährigen Prinzessin Adelheid einen Heiratsantrag macht.

Das Drehbuch für die TV-Serie schrieb Daisy Goodwin, die sich dabei auf die umfangreichen Tagebücher Königin Victorias stützte. Die Titelmusik „Alleluia“ stammt von Martin Phipps und wird von The  Mediæval Bæbes gesungen.

Hier ist der Trailer für Staffel 3. Die vierte Staffel soll im kommenden Frühjahr gesendet werden.

Harewood House in West Yorkshire, das in der TV-Serie für den Buckingham Palace steht.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Das großartige Castle Howard in North Yorkshire. Hier wurden die Szenen im Kensington Palace gedreht.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Das riesige Wentworth Woodhouse in South Yorkshire diente für die Dreharbeiten sowohl als Buckingham Palace als auch für den Kensington Palace.
Photo © Dave Pickersgill (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Januar 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Mein Buchtipp – Miranda Vickers: Eyots and Aits – Islands of the River Thames

Eigenes Foto.

Foto meines Exemplares.

…und wieder ein wunderschönes Buch aus dem Hause „The History Press“ (s. dazu auch meinen Blogeintrag). Miranda Vickers, eigentlich eine ausgewiesene Albanien-Expertin, hat sich in diesem Buch den Themseinseln angenommen, von denen es etwa 190 gibt. Sie beginnt ihre Flussreise mit der Canvey Island in der Themsemündung, gleichzeitig die größte und bevölkerungsreichste Insel, die man eigentlich gar nicht als solche wahrnimmt. Dann geht es flußaufwärts bis zur St John’s Island (dort wo Old Father Thames seinen Fluss bewacht). Viele der Eyots und Aits, so die Bezeichnung der kleinen Themseinseln, sind unbewohnt und von so dichter Vegetation bestanden, dass man sie vom Ufer aus gar nicht als Inseln erkennt.

Aber es gibt auch größere und bewohnte Eyots wie z.B. die hier von mir schon einmal vorgestellte Eel Pie Island; da ist die 300m lange, bananenförmige Thames Ditton Island, auf der 100 Menschen leben, oder Wheatley’s Ait bei Sunbury.

Das Buch von Miranda Vickers macht Appetit auf eine Themsefahrt! Es beinhaltet zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos und ein weiterführendes Literaturverzeichnis. Wer Jerome K. Jeromes Buch „Drei Mann in einem Boot“ gelesen hat (das hier auch mehrfach zitiert wird), dürfte auch dieses sehr schöne Buch in sein Herz schließen.

Miranda Vickers: Eyots and Aits – Islands of the River Thames. The History Press 2012. 144 Seiten. ISBN 9780752462134.

Wheatley’s Eyot bei Walton-on-Thames in Surrey.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

River Thames Eyot bei Old Windsor.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 26. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das schöne Mädchen von Seite 3 – Eine Studentin aus Oxford, die Magdalen Bridge und ein verlockendes Angebot

Oxfords Magdalen Bridge.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Es war eine alte Sitte unter Studenten, am 1. Mai eines jeden Jahres in Oxford von der Magdalen Bridge in den River Cherwell zu springen. Das sollte man allerdings nur tun, wenn der Fluss genügend Wasser führt. Im Jahr 2005 war das nicht der Fall, trotzdem sprangen einige und zehn von ihnen landeten im Krankenhaus. Eigentlich sollte man doch denken, dass die britische Elite, die hier in Oxford zum Studieren versammelt ist, einen entsprechend hohen Intelligenzquotienten hat… Im Jahr darauf wurde die Magdalen Bridge gesperrt.

Die Geschichte, die in meinem heutigen Blog im Mittelpunkt steht, ereignete sich 1995 am May Day, als eine junge Studentin vom St Hilda’s College auch an dem Brückenspringen teilnahm, „stark naked“. Wie immer waren auch an diesem Tag viele Fotografen unterwegs, die die Springer ablichteten. Wäre es bei diesem „Nacktsprung“ geblieben, hätte sich wahrscheinlich kein Mensch darüber aufgeregt, aber: Am Tag darauf erhielt die junge Dame einen Anruf von der Boulevardzeitung The Sun und das Angebot, sich für die Seite 3, wo traditionsgemäß hübsche, wenig bekleidete Frauen abgebildet sind, fotografieren zu lassen. £1000 war es der Redaktion der Zeitung wert. Die Studentin von St Hilda’s sagte zu und so wurden Fotos von ihr gemacht auf denen sie lediglich einen „mortarboard“ trug, einen Hut, der in den Colleges insbesondere von Master-Absolventen getragen wird. Das Bild erschien auf Seite 3 der Sun mit der Unterschrift „Girl from St Thrillda’s„. Das Foto sorgte für Furore, und so erhielt die junge Dame Angebote für Interviews und Werbeaufnahmen, verdiente einige tausend Pfund damit und so ging es ihr richtig gut…bis die Collegeleitung von St Hilda’s dem Treiben ein Ende setzte, weil diese der Meinung war, dass der gute Name der Lehranstalt in den Schmutz gezogen worden war. Sie musste sich formell beim Schulleiter entschuldigen und um ein Haar wäre ihr Stipendium widerrufen worden. Die Wogen glätteten sich im Laufe der Zeit, es hätte auch schlimmer für die Studentin ausgehen können.

Den Girls von St Trinian’s hätte man so eine Aktion durchaus zugetraut, aber einem Girl von St Hilda’s …

St Hilda’s College.
Photo © Roger Templeman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Januar 2020 at 02:00  Comments (3)  

Uppies versus Downies – Ein chaotisches „Fußballspiel“ in Workington (Cumbria)

Workington Hall.
Photo © H Stamper (cc-by-sa/2.0)

Workington ist eine Stadt an der Mündung des River Derwent in der Grafschaft Cumbria im Nordwesten Englands. Hier finden jede Ostern drei chaotisch anmutende „Fußballspiele“ statt, bei denen die Uppies gegen die Downies antreten, zwei rivalisierende Stadtteile, wobei die Uppies früher überwiegend Bergarbeiter waren und die Downies am Hafen Erz in Schiffe verluden. Schon seit ewigen Zeiten wird dieses Match in Workington ausgetragen, das mit Fußball kaum etwas gemein hat, denn es gibt so gut wie keine Regeln. Das Ziel der beiden Mannschaften, die aus Hunderten von Männern bestehen können, ist es, den Ball in das gegnerische Tor zu bringen. Die beiden Tore stehen etwa 1500 Meter auseinander, so dass die Spiele durchaus viele Stunden dauern können. Das Tor der Uppies ist das Eingangstor der Workington Hall (auch Curwen Hall genannt), das der Downies eine Ankerwinde auf dem Prince of Wales Dock. Das Spiel ist beendet, sobald ein Tor gefallen ist.

Da es hier sehr ruppig zugeht (es hat sogar schon Tote gegeben) bittet die Polizei die Teilnehmer des Spiels nicht in das Stadtzentrum vorzudringen. Schaufensterscheiben sind schon zu Bruch gegangen und die Passanten haben Reißaus genommen, wenn sich dieses Menschenknäuel durch die High Street ergossen hat. Eine scharfe Grenze wie beim Fußball zwischen Spielern und Zuschauern gibt es nicht; jeder greift in das Geschehen ein, wenn ihm danach ist. Nass werden die Teilnehmer immer, entweder von oben oder wenn es sie in einen Bach treibt. Rätselhaft ist mir wie man die Uppies von den Downies unterscheiden kann. Dieser Film zeigt wie es bei dem Match von 2019 zuging.

Wer die meisten der drei Spiele gewonnen hat, ist der Sieger, und der Preis, ein Sovereign aus der Hand des Eigentümers der Curwen Hall, wird an den Spieler übergeben, der vor dem gegnerischen Tor den Ball dreimal in die Höhe wirft.

In diesem Jahr werden die Spiele am 10. April, am 14. April und am 18. April ausgetragen.

Das Prince of Wales Dock am Hafen von Workington.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 24. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  

St Mary’s Church in Bungay (Suffolk) und eine gruselige Geschichte, die sich hier am 4. August 1577 ereignet haben soll

St Mary’s in Bungay (Suffolk).
Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

Nun habe ich schon 3400 Einträge in meinem Blog und den Black Shuck nur ein einziges Mal kurz erwähnt (hier ist der Link); das wird sich heute ändern. Schon seit Jahrhunderten bis zum heutigen Tag gibt es Menschen, die, vor allem in East Anglia, einen riesigen schwarzen Hund gesehen haben wollen, dem man den Namen Black Shuck gegeben hat, was soviel wie „Schwarzer Teufel“ bedeutet. Vielleicht hat Black Shuck einmal einen Abstecher ins Dartmoor gemacht und wurde dort als „The Hound of the Baskervilles“ bezeichnet…

Die Menschen fürchteten sich vor diesem Phantomhund, dessen feuersprühende Augen weit und breit Terror verbreiteten. Am 4. August 1577, einem Sonntag, schlug Black Shuck zu und zwar zuerst in der Kirche St Mary’s in dem kleinen Städtchen Bungay in Suffolk. Es herrschte an diesem Morgen ein grässliches Unwetter mit Blitz und Donner, trotzdem hatten sich die Gemeindemitglieder in St Mary’s versammelt. Plötzlich stürmte während des Gottesdienstes ein riesiger schwarzer Hund in die Kirche, rannte den Mittelgang hinunter, tötete einen Mann und einen Jungen und während dieses Höllenszenarios stürzte auch noch der Kirchturm ein und fiel durch das Dach ins Kircheninnere. Dieser Sonntag war in Bungay gelaufen, um es mal etwas flapsig auszudrücken. Doch Black Shuck war mit seinen Missetaten noch nicht zufrieden: Er rannte weiter nach Blythburg (Suffolk), ca 19 Kilometer von Bungay entfernt, und drang in die Kirche Holy Trinity ein, wo er ebenfalls Gemeindemitglieder tötete und verletzte. An einer der Kirchentüren sind noch heute Kratzspuren zu sehen, die vom Black Shuck stammen sollen.

In Bungay und Umgebung finden sich bis heute Spuren, die auf die Bedeutung dieses Hundes hindeuten. Auf dem Stadtwappen von Bungay ist zum Beispiel ein schwarzer Hund mit roten Augen abgebildet, der auf einem Blitz zu stehen scheint. Auf dem Marktplatz der Stadt hat man auf einem Laternenpfahl ebenfalls ein Konterfei des Black Shucks angebracht. Der örtliche Fußballverein, der Bungay Town Football Club, nennt sich auch The Black Dogs.

St Mary’s in Bungay gibt es zwar noch, die Kirche wird aber nicht mehr für Gottesdienste genutzt; der Churches Conservation Trust kümmert sich um sie. In Holy Trinity in Blythburg dagegen finden nach wie vor Gottesdienste statt.

Das Kircheninnere von St Mary’s.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Der Black Shuck auf einer Straßenlaterne auf dem Marktplatz von Bungay.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Holy Trinity in Blythburg (Suffolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Byron’s Pool bei Grantchester in Cambridgeshire – Ein beliebter Nacktbadeteich für prominente Schriftsteller

Eigenes Foto.

In meinem Blogeintrag im letzten Jahr über meinen Besuch in Grantchester bei Cambridge erwähnte ich kurz meinen Abstecher zum Byron’s Pool, einem kleinen Teich etwas außerhalb des Ortes. Heute möchte ich auf dieses Gewässer etwas näher eingehen, denn hier tummelten sich früher einmal bekannte Schriftsteller, die eine Vorliebe für „skinny-dipping“, also Nacktbaden, hatten.
Da ist einmal der Namensgeber des Teiches, Lord Byron (1788-1824) selbst, der gern einmal hüllenlos in die „Fluten“ des Pools eingetaucht sein soll, was heute untersagt ist, das Schwimmen im allgemeinen. Aber so ein richtiger Fan des Dichters lässt sich von Verbotsschildern nicht abhalten und so soll es noch immer einige Menschen geben, die bei Mondschein nackt im Wasser des Teiches ihrem Idol huldigen.

Ein anderer Dichter, Rupert Brooke (1887-1915), der eng mit Grantchester verbunden ist und der sehr jung während des  Ersten Weltkriegs gestorben ist, liebte den Byron’s Pool ebenfalls sehr (hier ist ein weiterer Blogeintrag über den Dichter). Gern zeigte der junge Dichter hier ein kleines Kunststück, das sicher nicht jeder Mann beherrscht. Er sprang in den Teich und tauchte kurz danach mit einer Erektion wieder auf. Kaltes Wasser hat ja eher den gegenteiligen Effekt, aber nicht bei Rupert Brooke. Allein Nacktbaden macht nicht so viel Spaß wie in (weiblicher) Gesellschaft, und so lud der Dichter die Schriftstellerin Virginia Woolf dazu ein, ihm hüllenlos ins Wasser zu folgen. Sie war eine gute Schwimmerin und wählte traurigerweise am 28. März 1941 den Freitod in den Wassern des River Ouse, der in der Nähe ihres Hauses in Rodmell (East Sussex) verläuft.

Der Byron’s Pool wurde im Laufe der Jahre ziemlich verunstaltet. Betonmauern säumen einen Teil des Ufers und das Wasser, das sich über ein Wehr in den Teich ergießt, sieht auch nicht gerade einladend aus. Aber die Lage des als Naturschutzgebiet eingestuften Pools inmitten eines Wäldchens ist sehr schön.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

TOAD oder The Oxford Artisan Distillery

Am Cheney Lane im äußersten Osten von Oxford findet man eine ganz besondere Brennerei, The Oxford Artisan Distillery, oder auch kurz TOAD genannt. Sie hebt sich von anderen Destillerien dadurch ab, dass sie ausschließlich sehr alte Getreidesorten verwendet, und TOAD ist damit die einzige Brennerei auf der Welt, die diese speziellen Sorten für die Produktion ihrer Getränke nutzt. Das Getreide wird auf organisch arbeitenden Farmen in einem Umkreis von 80 Kilometern angebaut, zum Beispiel auf der nahe gelegenen Sandy Lane Farm bei Thame in Oxfordshire. Dieses Getreide benötigt keinerlei Pestizide, wächst auf durch biologische Vielfalt geprägten Flächen und schafft neue Ökosysteme. Da müssen doch TOADs Produkte besonders gut schmecken, wenn man diese Informationen im Hinterkopf hat.

Was wird hier nun am Cheney Lane gebrannt? Da gibt es mehrere Ginsorten mit Namen, die gut zum Herstellungsort passen wie der Oxford Dry Gin, der Oxford Botanic Gardens Physic Gin und der Ashmolean Dry Gin (benannt nach Oxfords berühmtem Museum). Der Ver Viola ist ein Gin „infused with butterfly pea flower and rose“. TOAD stellt auch einen Wodka her, den Oxford Rye Vodka. Zur Weihnachtszeit kamen zuletzt noch zwei spezielle Getränke hinzu, der Spirit of Christmas Gin Liqueur, für den man unter anderem Myrrhe, Gold und einen echten Weihnachtsbaum destilliert hat, und der Christmas Pudding Rye, zu dessen Herstellung wirklich Christmas Puddings verwendet wurden.

Man kann die Brennerei besichtigen, dafür werden zwei verschiedene Touren angeboten; bei der großen 90-minütigen Founders Tour, die £50 kostet, kann man alle Produkte des Hauses probieren (was für Autofahrer ein echtes Problem darstellt).

Hier ist ein Film über die Destillerie.

Published in: on 21. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Falkland Arms in Great Tew (Oxfordshire) – Einer der schönsten Pubs Englands

Eigenes Foto

Ca 2 km von der A361 Banbury – Chipping Norton entfernt liegen The Tews, zwei kleine hübsche Dörfer, von denen Great Tew mit einem wunderschönen Pub versehen ist; „The Falkland Arms“ ist so wie ein Pub sein sollte: Urgemütlich mit einem großen Kamin für das Winterhalbjahr, einer Terrasse für warme Sommertage, ruhig gelegen, gepflegtem Bier und gutem Essen.

Ich  machte hier einmal Station, um zu Mittag zu essen und war sehr angetan von dem alten Haus. Außen wächst das Gebäude immer mehr zu. Im Gastraum hingen hunderte von Bierkrügen unter der Decke, der Fußboden bestand aus großen Steinplatten und es herrschte eine entspannte Atmosphäre. Wie es sich für einen Country Pub gehört, ist The Falkland Arms natürlich auch „dog-friendly“. Hunde sind hier sehr willkommen. Übernachten kann man hier auch; es gibt sechs Zimmer ab ca £70.

Benannt wurde The Falkland Arms übrigens nach  Lucius Cary, dem 2. Viscount Falkland, der 1625 die Ländereien von Great Tew erbte und der in der Schlacht von Newbury 1643 im Alter von 33 Jahren starb.

Neil Hanson äußerte sich  in seinem Buch „Classic Country Pubs“ über The Falkland Arms einmal so: „The pub is the sort that makes expatriate Britons in the arid wastes of Saudi Arabia cry themselves to sleep at night„. Genau so ist es, und ich kann einen Besuch in diesem „picture-perfect pub“ in Oxfordshire sehr empfehlen!

The Falkland Arms
Chipping Norton
Great Tew
Oxfordshire
OX7 4DB
 

Eigenes Foto

Cottages an der Old Road in Great Tew.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Januar 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Die Londoner Elizabeth Line und die Auswirkungen auf die Endstationen

Der neue Bahnhof von Reading in Berkshire, am westlichen Ende der Elizabeth Line.
Photo © Chris Wood (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich sollte die neue Elizabeth Line in London im Laufe des Jahres 2019 ihren Betrieb aufnehmen, aber wie das nun mal bei Großbauprojekten ist, verzögert sich die Eröffnung wahrscheinlich bis Ende 2021. Die auch Crossrail genannte Strecke soll in West-Ost-Richtung quer durch London verlaufen und die Endpunkte Reading in Berkshire mit Shenfield in Essex verbinden. Schätzungsweise £18.25 Milliarden werden die Baukosten betragen, deutlich mehr als die ursprünglich geplanten Kosten. Etwa 110 Kilometer werden die 200 Meter langen Züge der Elizabeth Line pro Strecke zurücklegen, davon 20 Kilometer unterirdisch. Die Fahrtdauer zwischen den Stationen wird deutlich verringert, zum Beispiel von Abbey Wood im östlichen Bereich der Linie zum Flughafen Heathrow statt 93 Minuten nur noch 52 Minuten oder, innerhalb Londons, von der Bond Street nach Paddington nur noch 3 Minuten anstelle von 15 Minuten.

Gerade für Pendler ist die Elizabeth Line interessant und viele überlegen sich ernsthaft, ob sie nicht aus London wegziehen und sich in den Home Counties niederlassen, wenn sie so schnell in der City sein können, was natürlich schon jetzt zu einem rasanten Anstieg der Hauspreise in diesen Regionen geführt hat. Vor allem Berkshire und Buckinghamshire erfreuen sich großer Beliebtheit, die Preise dort gehen kontinuierlich nach oben. In Reading (Berkshire) beispielsweise sind die Hauspreise in zehn Jahren um über 35% gestiegen, auf durchschnittlich £426 000. Auch in der Region Slough in Berkshire sind die Preise für Häuser und Wohnungen drastisch gestiegen.

Der Bahnhof von Reading ist schon vor einigen Jahren komplett umgebaut worden, weil man nach Fertigstellung der Elizabeth Line mit sehr viel mehr Passagieren rechnet. Queen Elizabeth hat ihn am 17. Juli 2014 eröffnet. Rund £900 Millionen haben die kompletten Bauarbeiten gekostet. Auch andere Bahnhöfe wurden umgebaut, wie der von Abbey Wood (Greater London) auf dem östlichen Teil der Strecke (2017 neu eröffnet).

Ich frage mich, wer sich diese enorm hohen Hauspreise in diesen Pendlerorten eigentlich leisten kann. Menschen mit geringerem Einkommen können sich weder London noch den „commuter belt“ leisten und müssen noch weiter von der Hauptstadt entfernt wohnen, mit entsprechend längeren Fahrzeiten zum Arbeitsplatz in London, das ist keine schöne Entwicklung, die aber schon vor vielen Jahren begonnen hat.

Das östliche Ende der geplanten Elizabeth Line, der Bahnhof von Shenfield in Essex.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 19. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Daniel Gray: Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces

Foto meines Exemplares.

Daniel Gray macht sich in seinem Buch „Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces“ auf eine Reise durch Englands Fußballwelt und besucht Vereine von der Premier League bis hinunter zu den untersten Spielklassen, dabei lässt er die ganz großen Stars in London, Manchester und Liverpool aus.

Daniel Gray beginnt seine Reise in Middlesbrough in North Yorkshire, wo er ein Spiel des örtlichen Vereins Middlesbrough FC gegen Brighton & Hove Albion im Riverside Stadium besucht. Wer sich für die detaillierten Spielbeschreibungen in den einzelnen Kapiteln des Buches nicht so interessiert, kann diese natürlich überschlagen, aber es bleibt noch genügend Interessantes über, denn Gray beschäftigt sich auch intensiv mit den Städten, die er besucht. Die Leser des Buches bekommen Hintergrundinformationen beispielsweise über Sheffield (South Yorkshire) und Luton (Bedfordshire), Watford (Hertfordshire) und Carlisle (Cumbria).

Daniel Grays letzte Reise von seinem Wohnort Edinburgh führt ihn in die tiefe Provinz, nämlich nach Newquay in Cornwall, zum Newquay AFC Football Club, wo die Peppermints beheimatet sind, die zur Zeit in der Southwest Peninsula League spielen. Der Autor besucht ein Spiel des Verein in ihrem Mount Wise Stadium gegen den Ivybridge Town Football Club aus Devon.

Die im Buchtitel genannten „nicknames“ beziehen sich auf die Fußballvereine Luton Town (The Hatters) aus Bedfordshire, Crewe Alexandra (The Railwaymen) aus Cheshire und Hinckley United (The Knitters) aus Leicestershire. Letzerer wurde 2013 aufgelöst und sowohl durch den Hinckley A.F.C. als auch den Leicester Road Football Club (deren Spieler sich nach wie vor The Knitters nennen) ersetzt.

Mir als gemäßigtem Fußballfan hat die Lektüre sehr viel Spaß gemacht, vor allem die Passagen, in denen Daniel Gray die Städte vorstellt.

Daniel Gray: Hatters, Railwaymen and Knitters – Travels through England’s Football Provinces. Bloomsbury 2014. 312 Seiten. ISBN 978-1-4088-3099-4.

Das Stadion der Hatters (Luton Town FC) .
Photo © Barry Ephgrave (cc-by-sa/2.0)

Hier ist der Club Crewe Alexandra (The Railwaymen) beheimatet.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

…und hier im Marston’s Stadium trugen die Knitters von Hinckley United ihre Heimspiele aus.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Pubschilder – The Rose & Crown in Tilshead (Wiltshire)

Kaum waren Prince William und Kate Middleton verheiratet und zum Duke and zur Duchess of Cambridge geworden, hatte man schon das erste Pubschild mit dem Konterfei der beiden aufgestellt und zwar in Tilshead, einem kleinen Dorf in Wiltshire auf der Salisbury Plain und der Pub heißt „The Rose & Crown„. Ich finde, die beiden sind ganz gut getroffen auf dem Schild. Ich fuhr kürzlich durch Tilshead, das an der A360 liegt. Stonehenge, Avebury und Longleat sind nicht weit entfernt und so bekommt der Pub auch etwas von den Touristenströmen ab, die sich durch Wiltshire ziehen.

Im vorigen Jahr wurde The Rose & Crown für £395 000 an Dr Priya Naraynsingh and Riccardo Grigolo verkauft, renoviert und als Gastropub mit italienischer Küche wieder neu eröffnet.

Meines Wissens ist dies der einzige Pub in Großbritannien, dessen Schild das Konterfei der beiden Cambridges ziert.

The Rose & Crown
High Street
Tilshead
Wiltshire
SP3 4RY
 

Published in: on 17. Januar 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Mein DVD-Tipp – „An Inspector Calls“

An Inspector Calls“ ist wohl das bekannteste Bühnenstück des Schriftstellers John Boynton Priestley, das 1945 erstmals in Moskau aufgeführt wurde; ein Jahr später erlebte es seine Premiere in England im Londoner Noel Coward Theatre. Die erste Verfilmung erfolgte 1954, in dem Alastair Sim die Rolle des Inspektors spielte. 1981 produzierte die BBC eine dreiteilige Miniserie, in der Bernard Hepton die Hauptrolle übernahm und am 13. September 2015 strahlte die BBC eine Neuverfilmung des Stoffes aus, die als DVD seit dem 15. November 2019 auch in deutscher Synchronisation erhältlich ist. Hier ist der Trailer.

In dem Bühnenstück/Film geht es um eine Familienfeier im Norden Englands im Jahr 1912, bei der die Birlings, eine wohlhabende Fabrikantenfamilie, die Verlobung ihrer Tochter Sheila mit dem ebenfalls wohlhabenden Fabrikantensohn Gerald Croft zelebrieren. Mitten in die Feier platzt Inspektor Goole mit der Nachricht, dass ein junges Mädchen namens Eva Smith Selbstmord begangen hat. Nach und nach konfrontiert der Inspektor die Anwesenden mit der Tatsache, dass sie alle in irgendeiner Form an dem Tod des Mädchens mitschuldig sind. Aus der friedlichen Feier wird ein Horroszenario. Am Ende des Films stellt sich heraus, dass es bei der örtlichen Polizei gar keinen Inspektor mit dem Namen Goole gibt, auch von einem Selbstmord ist nichts bekannt. Wer ist der mysteriöse, angebliche Polizist? Priestley hat hier ein Gesellschaftsdrama mit einem Mysterythriller verwoben, das den Zuschauer bis zum Schluss in Atem hält.

Die BBC-Verfilmung ist sehr gut gelungen mit überzeugenden Schauspielern. Inspector Goole wird von David Thewlis verkörpert (der die Figur des Remus Lupin in den Harry Potter-Filmen spielte). Ken Stott ist das Familienoberhaupt Arthur Birling, Miranda Richardson seine Frau Sybil. Chloe Pirrie spielt die Tochter Sheila und Finn Cole ihren Bruder Eric. Sheilas Verlobter Gerald Croft wird von Kyle Soller verkörpert und Eva Smith von Sophie Rundle.

Gedreht wurde der Film überwiegend in Yorkshire. Das imposante Haus der Familie Birling ist Scampston Hall, das dem Unternehmer und Managing Director der Textilfirma Joseph Turner, Christopher Legard, gehört. Hier ist ein Film über die Hall, die bei Malton in North Yorkshire liegt. Die Außenaufnahmen der Fabrik der Birlings sind in Saltaire in West Yorkshire gedreht worden, die Innenaufnahmen dagegen in der Queen Street Mill in Burnley (Lancashire), einer ehemaligen Fabrik, in der heute ein Textilmuseum untergebracht ist.

Mich hat der Film sehr fasziniert. Die Anfangsszenen erinnerten mich an „Downton Abbey“; Agatha Christie hätte das Drehbuch auch nicht besser schreiben können.

Saltaire in West Yorkshire.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Baumwollwebstühle in der Queen Street Mill in Burnley (Lancashire).
Photo © John H Darch (cc-by-sa/2.0)

Scampston Hall bei Malton (North Yorkshire).
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Fahren auf englischen Landstraßen – Einige persönliche Anmerkungen

Eine schmale Landstraße in Surrey.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich mit meinem Auto in England unterwegs bin, stelle ich mein Navigationsgerät nicht mehr auf „kürzeste Verbindung“ ein, denn immer wieder hat es mich auf Wege geführt, die ich eigentlich nicht befahren wollte. Gerade im letzten Jahr, als ich im Oktober/November durch den Süden und Südwesten Englands fuhr, waren die kleinen Fahrwege durch den vielen Regen aufgeweicht und stark verschmutzt, und ich hasse es, mit einem dreckigen Auto unterwegs zu sein. Landstraßen in England sind häufig von hohen Hecken umstanden, kurvig, schwer einsehbar und manchmal auch nur einspurig. Es gibt zwar viele Ausweichbuchten, doch sind die immer am schmutzigsten. Bei Gegenverkehr klappt es eigentlich meistens ganz gut…wenn einem nicht ein riesiger Traktor entgegenkommt. Man ist sehr höflich, bedankt sich immer, wenn man die Ausweichbucht aufsucht und dem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt lässt. Ohne Navigationsgerät wäre man häufig in diesem Netz von Kleinststraßen verloren, denn die Beschilderung ist nicht die beste.

Das Fahren auf Landstraßen generell ist nicht ungefährlich; etwa 60% aller tödlichen Verkehrsunfälle ereignen sich dort. Das Risiko für Autofahrer, auf Landstraßen getötet zu werden, ist doppelt so hoch wie auf städtischen Straßen, für Motorradfahrer dreimal so hoch. Im Vergleich zu Autobahnen sieht es sogar noch schlechter aus: Die Zahl der Verkehrstoten auf Landstraßen ist elfmal höher als auf Autobahnen (laut Department for Transport). Durchschnittlich sterben drei Menschen pro Tag auf den „rural roads“. Fahrfehler und mangelnde Aufmerksamkeit sind die Hauptursachen der tödlichen Unfälle auf allen Straßen des Landes; zu schnelles Fahren in unübersichtlichen Kurven stellt ein weiteres Problem auf den „country roads“ dar.

Glücklicherweise bin ich bei meinen zahllosen Fahrten durch England nur ein einziges Mal in einen kleinen Unfall verwickelt worden, und das war in North Yorkshire in einem Kreisverkehr, wobei es aber lediglich zu einem Blechschaden bei meinem und dem anderen Auto kam.

Eigentlich fühle ich mich auf den Straßen Englands sicher, trotz links gelenktem Auto. Die allermeisten Autofahrer mit denen ich es zu tun hatte, waren eher defensiv eingestellt. Überholen auf Landstraßen kam recht selten vor. Aber möglicherweise haben andere Englandreisende ganz andere Erfahrungen gemacht.

Wenn einem dieser LKW entgegenkommt wird es eng, dann heißt es, rein in den Matsch einer Ausweichbucht.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Ein Unfall auf einer Landstraße in Suffolk.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Minarette in England im Bild

Das 35 Meter hohe Minarett der Morden Mosque in London.
Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)

Schätzungsweise 1300 bis 1600 Moscheen gibt es zur Zeit in Großbritannien, von kleinen unscheinbaren Häusern bis hin zu prächtigen Gebäuden; die größte von ihnen ist die Morden Mosque im Londoner Stadtteil Morden, die im Jahr 2003 für £15 Millionen fertiggestellt wurde und in die rund 13 000 Menschen passen. Die Moscheen dienen den Anhängern der islamischen Religion in Großbritannien, die etwa 4,4% der Bevölkerung darstellen.

Diskutiert wird im Land immer wieder über die Frage, ob die Moscheen auch mit Minaretten versehen werden sollen. Nach einer Umfrage, die allerdings schon einige Jahre alt ist, sollen sich 37% aller Briten für ein Bauverbot von Minaretten ausgesprochen haben.

Die erste Moschee auf britischem Boden wurde 1889 in Liverpool von Abdullah William Quilliam in Betrieb genommen; sie befand sich in einem Reihenhaus. In Woking in Surrey entstand 1889 die erste Moschee, die eigens für den Zweck der Religionsausübung gebaut wurde, die Shah Jahan Mosque.

Mit dem Thema hat sich Shahed Saleem in seinem 2018 erschienen Buch „The British Mosque: An architectural and social history“ auseinandergesetzt; hier ist ein ergänzender kurzer Film.

Ich habe einmal einige Foto-Beispiele für Minarette auf englischem Boden herausgesucht:

Die Jama Al-Karim Mosque in Gloucester (Gloucestershire).
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Das Minarett der Maidenhead Mosque in Berkshire.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Süleymaniye Mosque in Haggerston (East London).
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Clemency Burton-Hill: Year of Wonder – Classical Music for Every Day

Foto meines Exemplares.

Das erste Mal, dass ich mit dem Namen Clemency Burton-Hill konfrontiert wurde, war in der „Inspector Barnaby„-Episode 37 „Dead in the Water“ (dt. „Nass und tot“), wo sie die Hetty Trent spielte; eine sehr hübsche junge Dame. Ich schrieb über sie in meinem Blog.

Clemency Burton-Hill ist außerordentlich vielseitig; neben ihren Aktivitäten als Schauspielerin, die sie inzwischen aufgegeben bzw. zurückgestellt hat, machte sie vor allem durch ihre musikalischen Auftritte von sich reden. Als Violinistin spielte sie bereits in der Mailänder Scala, in der Boston Symphony Hall und in anderen namhaften Veranstaltungsorten. Im britischen Rundfunk moderierte sie Sendungen mit klassischer Musik und ist jetzt Creative Director beim New Yorker Sender WQXR, der ausschließlich dieses Musikgenre spielt.

Im Jahr 2017 veröffentlichte Clemency Burton-Hill das Buch „Year of Wonder – Classical Music for Every Day„, das im Oktober letzten Jahres auf Deutsch unter dem Titel „Ein Jahr voller Wunder: Klassische Musik für jeden Tag“ erschien. Mit diesem Buch versucht sie, das Interesse an klassischer Musik zu wecken: „What I am determined to do…is to extend a hand to those who feel that the world of classical music is a party to which they haven’t been invited„. Für jeden Tag des Jahres hat die Autorin ein Musikstück ausgewählt, das sie auf jeweils einer Seite vorstellt und auch über die Komponisten informiert.  Das beginnt bei Hildegard von Bingen im Mittelalter und endet bei Alissa Firsova, einer russisch-britischen Komponistin Jahrgang 1986.

Dank youtube und anderen Streamingdiensten kann man sich die ausgewählten Musikstücke täglich anhören (wie ich das tue), eine sehr interessante Möglichkeit, klassischer Musik näherzukommen. Ein Beispiel: Für den heutigen Tag, den 13. Januar, hat Clemeny Burton-Hill Clara Schumanns „Drei Romanzen opus 22 Andante Molto“ ausgesucht.

Ein hochinteressantes Buch, das ich sehr empfehlen kann!!

Clemency Burton-Hill: Year of Wonder – Classical Music for Every Day. Headline Publishing 2018. 442 Seiten. ISBN 978-1-4722-5230-2 (Taschenbuchausgabe).

Clemency Burton-Hill: Ein Jahr voller Wunder – Klassische Musik für jeden Tag. Diogenes-Verlag 2019. 464 Seiten. ISBN 978-3257070897.

Published in: on 13. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Tortworth Chestnut – Ein wunderschöner alter Baum an der St Leonard’s Church bei Tortworth (Gloucestershire)

Um die St Leonard’s Church bei Tortworth in der Grafschaft Gloucestershire herum trifft man auf wunderschöne Bäume. Der älteste unter ihnen ist die Tortworth Chestnut, eine Kastanie, die möglicherweise um das Jahr 800 herum gepflanzt worden ist, zu einer Zeit als König Egbert regierte. Das meinte jedenfalls Peter Collinson, ein Fellow der Royal Society im 18. Jahrhundert und leidenschaftlicher Botaniker. Andere Schätzungen über das Alter des Kastanienbaums gehen in Richtung 12. bzw. 13. Jahrhunderts. Wie auch immer, der Baum ist sehr alt und beeindruckt durch sein gewaltiges Wurzelwerk und seine riesigen, knorrigen Äste. Der Umfang beträgt über zwölf Meter und jedes Jahr nimmt der Baum um 4 cm zu.

Der Tree Council nahm die Tortworth Chestnut 2002 in seine Liste „The Great British Treesauf, in der fünfzig bedeutende Bäume Großbritanniens verzeichnet sind. Die Kastanie ist in der Liste in guter Gesellschaft, denn darauf stehen unter anderen auch die Royal Oak in Boscobel (Shropshire), die Ankerwycke Yew in Wraysbury (Berkshire) und die Bowthorpe Oak in Bourne (Lincolnshire).

Zur Orientierung: Man findet den Baum bzw. die St Leonard’s Church an der Tortworth Road, die von der B4509 abzweigt und die wiederum von Ausfahrt 14 der Autobahn M5 zu erreichen ist.
Ganz in der Nähe steht auch das Country House Hotel De Vere Tortworth Court, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

 

Published in: on 12. Januar 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Der Burnley Miners Social Club und ein französischer Kräuterlikör

Der Burnley Miners Social Club in der Plumbe Street.
Photo © Robert Wade (cc-by-sa/2.0)

Ich hatte einmal eine Zeit, in der ich gern Cocktails mixte und zu den vielen Zutaten, die man dazu benötigt, gehörte auch eine Flasche Bénédictine, ein französischer Kräuterlikör, der in Fécamp in der Normandie hergestellt wird. Bei einem Normandie-Urlaub kam ich in Fécamp auch an der Produktionsstätte dieses Getränkes vorbei, einem riesigen Palais mitten in der Stadt.

Wer mag wohl einer der Hauptabnehmer dieses 40% starken Likörs sein? Der Burnley Miners Social Club in Burnley in der Grafschaft Lancashire. Über 1000 Flaschen Bénédictine werden hier pro Jahr getrunken und das ist ein Rekord; nirgendwo auf der Welt wird an einem Ort soviel von diesem Getränk konsumiert wie in diesem Club, der früher einmal von Bergleuten frequentiert wurde, von denen es heute keine mehr in der Region gibt. Auch im Stadion des örtlichen Fußballvereins, dem Burnley F.C., wo die Clarets spielen, wird reichlich Bénédictine ausgeschenkt, pro Spiel sollen es rund 30 Flaschen sein. So wundert es nicht, dass die französische Firma einer der Sponsoren des zur Zeit in der Premier League spielenden Clubs ist.

Gern wird in Burnley „Bene ’n‘ ‚ot“ bestellt, auch „Bene & Hot“ genannt, dass ist ein Mix aus einem Teil Bénédictine und einem Teil heißem Wasser; wer es etwas „zahmer“ haben möchte, kann den Anteil des heißen Wassers erhöhen. An kalten Wintertagen kann das die Zuschauer im Stadion Turf Moor bzw. im Miners Social Club ordentlich aufwärmen.

Wie kam es nun zu dieser recht ungewöhnlichen Allianz zwischen einem französischen Likör und einer Stadt im Norden Englands? Ende des Ersten Weltkriegs war das 11. Bataillon des East Lancashire Regiments, die Accrington Pals,  in der Nähe von Fécamp stationiert. Dort entdeckten die Soldaten den Kräuterlikör und mixten ihn mit heißem Wasser, was ihnen nach den schrecklichen Kriegserlebnissen gut tat. Als sie wieder in die Heimat zurückgekehrt waren, behielten sie ihre Vorliebe für den Bénédictine und das wärmende Mixgetränk bei, und das blieb in Burnley so bis heute.

Turf Moor: Das Fußballstadion des Burnley F.C.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Das Palais Bénédictine in Fécamp in der Normandie.
Attribution: I, Pierrenoel.
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Published in: on 11. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Bullingdon Club – Eine exklusive Studentenvereinigung in Oxford

The Jolly Woodman bei Burnham; diente im Film „The Riot Club“ als der Pub, der von den Studenten verwüstet wurde.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0).

Gestern sah ich mir den englischen Spielfilm „The Riot Club“ (dt. „The Riot Club“) aus dem Jahr 2014 an. Darin geht es um eine elitäre Studentenvereinigung in Oxford, für deren Mitglieder Geld keine Rolle spielt und die sich regelmäßig treffen, um sich sinnlos zu betrinken und Drogen zu nehmen. Die Hälfte des Films besteht aus Szenen in einem Pub namens The Bulls Head (gedreht wurde im The Jolly Woodman in Burnham in Buckinghamshire), in dem sich die jungen Herren treffen und den sie am Ende ihres Gelages komplett auseinandernehmen und den Wirt krankenhaus reif schlagen. Klingt irgendwie abgedreht und wirklichkeitsfremd, ist es aber nicht, denn der Riot Club im Film basiert auf dem tatsächlich existierenden Bullingdon Club, den es schon seit 1780 in Oxford gibt. Die Mitglieder stammen aus reichen Elternhäusern und es nicht leicht, in den Club aufgenommen zu werden. Zum Aufnahmeritual gehört zum Beispiel, dass die Unterkunft des neuen Mitglieds von den anderen komplett zerstört wird. Wie im Film trifft man sich regelmäßig in Pubs oder Restaurants, wo dann der Alkohol in Strömen fließt und häufig endet der Abend in einem Exzess an Gewalt, bei dem die Einrichtung des Etablissements großen Schaden nimmt. Es gehört auch traditionell zum Bullingdon Club, dass der Schaden vor Ort sofort bar reguliert wird, denn Geld spielt keine Rolle.

Zu den prominentesten Clubmitgliedern der letzten Jahrzehnte gehören drei Politiker, die nur ungern darauf angesprochen werden: Boris Johnson, David Cameron und George Osborne. „Der Bullingdon und andere Dinnerklubs sind Keimzellen der Macht im Königreich“ schrieb Der SPIEGEL einmal in einem Artikel vom 10.10.2015. Zu den anderen Dinnerklubs zählt beispielsweise auch die Piers Gaveston Society, die es noch toller treiben soll.

Vor einigen Jahren trafen sich die Studenten vom Bullingdon Club im The Manor Country House Hotel in der Nähe von Bicester in Oxfordshire und reservierten für sich den Tudor Room. Da muss es ähnlich wie im Film „The Riot Club“ zugegangen sein, Dutzende Flaschen Wein und Champagner wurden geleert, Gläser und Geschirr zerschlagen und nach dem Gelage soll es schrecklich in dem schönen Raum ausgesehen haben. Ich habe vor einem Jahr im The Manor gewohnt; über meine (leider negativen) Erfahrungen dort habe ich in meinem Blog geschrieben.
Ein anderes Mal war The White Hart in Fyfield (Oxfordshire) das Ziel eines Orgienabends, bei dem ebenfalls einiges zu Bruch ging und die Polizei gerufen werden musste, die einige der Studenten in Gewahrsam nahm.

Im Film „The Riot Club“ fährt einer der Studenten mit einem Aston Martin Cabrio durch Oxford, 1977 starben vier Menschen als ein betrunkenes Mitglied des Bullingdon-Clubs mit seinem Maserati einen Verkehrsunfall verursachte (zu den Opfern gehörte der Profi-Fußballer vom FC Chelsea Peter Houseman und seine Frau). Auf wundersame Weise kam er mit einer milden Strafe davon. Es ist in Oxford offensichtlich sehr hilfreich, einflussreiche Verwandte im Hintergrund zu haben.

The Manor Country House Hotel bei Bicester in Oxfordshire; auch hier kam es zu einem ausschweifenden Abend für die Mitglieder des Bullingdon Clubs.
Eigenes Foto.

 

Old Tom Parr – War er einer der ältesten Menschen, die je gelebt haben?

This work is in the public domain.

Alberbury ist ein kleines Dorf westlich von Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire. Hier soll im Jahr 1483 Thomas Parr das Licht der Welt erblickt haben, und er sollte ein so langes Leben vor sich haben wie es wohl kaum ein anderer Mensch irgendwo auf der Welt von sich behaupten konnte. Er starb im Jahr 1635 und wurde somit 153 Jahre alt (wenn denn die Urkunden alle stimmen). Besonders viel über sein Leben ist nicht bekannt. Seine Ernährung bestand hauptsächlich aus Käse und hartem Brot, dazu trank er gern Sauermilch. Soll das das Geheimnis seines hohen Alters gewesen sein? Dann würde ich lieber halb so alt werden und dafür nettere Dinge essen und trinken.

Im Alter von 80 Jahren, also kaum der Teenagerzeit entwachsen, heiratete Tom Parr und zeugte zwei Kinder, die aber bald starben. Als er schon über hundert Jahre alt war, hatte er eine außereheliche Affäre, aus der ein Kind entstand. Als Buße für diese frevlerische Aktion musste sich Tom in ein weißes Gewand gehüllt einen Tag lang in die Dorfkirche von Wollaston stellen.

Nach dem Tod seiner Frau heiratete Tom erneut (er war mittlerweile 122 Jahre alt), aus dieser Beziehung entstanden keine Kinder mehr, wahrscheinlich war seine Frau schon zu alt, denn er selbst erfreute sich wohl noch immer einer gewissen Standfestigkeit im Bett.

Old Tom Parr, wie er damals genannt wurde, war auf Grund seines biblischen Alters im ganzen Land bekannt und 1635, als es schon langsam mit ihm zu Ende ging, stellte ihn der Earl of Arundel dem regierenden König, Charles II, vor. Tom Parr, der Zeit seines Lebens auf dem Land gelebt hatte, bekam die schlechte Londoner Luft und das Essen dort überhaupt nicht, und so starb er noch im gleichen Jahr. Charles II sorgte dafür, dass Tom Parr am 15. November 1635 in der Westminster Abbey beigesetzt wurde, was eine große Ehre war.

Peter Paul Rubens, Antoon van Dyck und einige andere Maler porträtierten Old Tom Parr. Die Londoner National Portrait Gallery besitzt eine ganze Menge dieser Porträts.

Inwieweit das Alter Tom Parrs tatsächlich stimmt, ist zweifelhaft, aber es ist auf jeden Fall eine nette Geschichte.

Das Cottage bei Wollaston in Shropshire, in dem Tomas Parr lebte, verfiel im Lauf der Jahrhunderte, es blieben nur noch einige Ruinenreste über. 1972  wurde das Grundstück aufgekauft, und das Cottage später neu erbaut (hier ist ein Film über die Eigentümerin), das man jetzt bei Jennies Cottages mieten kann.

Das alte Cottage, in dem Tom Parr wohnte.
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St John the Baptist. In dieser Kirche soll Tom Parr im Alter von 100 Jahren Buße getan haben.
Photo © John Firth (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Januar 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Burgers of Marlow – Eine Institution in der Stadt an der Themse seit 1942

Als ich kürzlich über den Kirchhof von All Saints in Marlow (Buckinghamshire) spazierte, sah ich eine Grabstelle, auf der der Name Burger eingemeißelt war, zusammen mit einem französischen Vornamen, an den ich mich leider nicht mehr erinnern kann. Schätzungsweise 250 Meter von der Kirche entfernt an der High Street gegenüber vom Higginson Park an einem Kreisverkehr liegt eine Bäckerei mit angeschlossenem Tea Room, die Burgers heißt. Existiert da ein Zusammenhang? Ja, denn Eric und Marie Burger zogen 1942 von Neuchâtel in der Schweiz nach England und ließen sich in Marlow an der Themse nieder, wo sie eine Bäckerei eröffneten, die sie Burgers nannten, wobei der Name französisch ausgesprochen werden sollte. Ich könnte mir vorstellen, dass es immer wieder Besucher der Stadt geben wird, die Appetit auf einen Ham(burger) haben und dort einkehren, um festzustellen, dass dort keine im Angebot zu finden sind.

Die Bäckerei ist noch immer in Familienhand und wird von Bernard und seiner Tochter Rachel geleitet. Ich habe den Tea Room zur Mittagszeit immer voll erlebt. Neben Frühstück und Lunch werden auch Afternoon Teas angeboten. Burgers ist täglich von 8 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr.

Die Bäckerei bietet ein breites Spektrum an unterschiedlichen Brotsorten an, sowie Kuchen, Torten und selbst hergestellte Pralinen. Burgers hat sich zu einer Institution in Marlow entwickelt, die ein Stückchen Schweiz mit englischen Traditionen verschmelzt.

Im August 2015 erhielt Burgers prominenten Besuch in der Person des legendären Sir Terry Wogan, der für seine BBC-TV-Serie „Terry and Mason’s Great Food Trip“ (Episode 20 von Staffel 1) in Marlow unterwegs war. Nach der Ausstrahlung der Episode nahm die Zahl der Gäste im Burgers deutlich zu.
Einen Besuch der Bäckerei und des Tea Rooms kann ich sehr empfehlen.

Burgers of Marlow
The Causeway
Marlow Bucks, Sl7 1NF

Published in: on 8. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Genie und Wahnsinn – Der viktorianische Maler Richard Dadd (1817-1886)

Richard Dadd.
This work is in the public domain.

1974 erschien das Album „Queen II“ der englischen Rockgruppe Queen. Track 7 darauf trägt den Titel „The Fairy Fellers Master-Stroke„, den Freddie Mercury geschrieben hatte und der Bezug nimmt auf das gleichnamige Gemälde des viktorianischen Malers Richard Dadd, der von 1817 bis 1886 lebte. Das 54 × 39,5 cm große Bild hängt heute in der Londoner Tate Gallery, hier zu sehen.

Dadd war ein Mann, der schon in jungen Jahren Reisen nach Europa und Vorderasien unternahm und genauso früh zeigten sich bei ihm die ersten Symptome einer Geisteskrankheit. So meinte Dadd unter dem Einfluss des ägyptischen Gottes Osiris zu stehen. Seine Familie brachte ihn in das Dorf Cobham in der Grafschaft Kent, in der Hoffnung, dass er dort im ruhigen, ländlichen Raum wieder zu sich kommen würde. Doch es wurde noch schlimmer; 1843 tötete er seinen Vater, weil er ihn für den Teufel hielt. Auf der Flucht nach Paris versucht er einen weiteren Menschen zu ermorden, was ihm nicht gelang; er wurde von  Polizisten überwältigt, nach England zurückgeschickt, wo er in die Londoner Nervenheilanstalt Bethlem Royal Hospital eingewiesen wurde. Hier und im Broadmoor Hospital in Berkshire, der nächsten Station seines Aufenthaltes in geschlossenen Anstalten, malte Richard Dadd weiter und in Bedlam, wie das Bethlem Royal Hospital auch genannt wurde, entstand sein „The Fairy Fellers Master-Stroke“, an dem der wahnsinnige Künstler neun Jahre lang, von 1855 bis 1864, arbeitete; es war eine Auftragsarbeit für George Henry Hayden, Bedlams Anstaltsleiter. Man muss sich das Gemälde genau anschauen, es wimmelt von Figuren aus der Feenwelt, wobei der titelgebende Holzfäller im Vordergrund steht und mit einer Axt seinen „master-stroke“ vollzieht und eine Haselnuss spaltet, aus dieser Nuss soll für eine der Feen eine Kutsche gebaut werden. In diesem Film werden die einzelnen Figuren vorgestellt. Freddie Mercury hat das Gemälde genau studiert und beschreibt es in seinem Song exakt, so dass man ihn beim Betrachten des Bildes dazuschalten sollte (hier ist der Text).

Richard Dadd starb am 7. Januar 1886 im Broadmoor Hospital, wo noch heute einige Bilder von ihm hängen.

Bethlem Royal Hospital.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Broadmoor Hospital in Crowthorne (Berkshire).
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Der Altab Ali Park im Londoner East End

Der von David Petersen gestaltete Eingangsbogen.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

An der Whitechapel Road im East End Londons liegt ein kleiner Park, der Altab Ali Park heißt; ein etwas ungewöhnlicher Name, dessen Herkunft in den asiatischen Raum deutet. Wer war Altab Ali und warum wurde eine Parkanlage nach ihm benannt? Es handelt sich dabei um eine traurige Geschichte, die sich am 4. Mai 1978 hier ganz in der Nähe, in der Adler Street zutrug. Altab Ali war ein junger Mann aus Bangladesh, der die britische Staatsbürgerschaft hatte. An diesem Abend ging er wie immer von der Arbeit nach Hause, und als er auf der Adler Street unterwegs war, geriet er in den Fokus von drei Jugendlichen, die den 25-jährigen attackierten und mit einem Messer töteten. Im East End gab es zu jener Zeit viele rassistisch motivierte Übergriffe auf Menschen, die aus dem asiatischen Raum in die britische Hauptstadt gekommen waren.

Wie so häufig, geriet auch dieser Mord schon bald wieder aus den Schlagzeilen, doch in diesem Fall erinnerte man sich zwanzig Jahre später an den jungen Mann, dessen Leben auf so tragische Weise in der Adler Street ein Ende gefunden hatte. Der St Mary’s Park, zwischen Whitechapel Road und Adler Street gelegen, wurde nach Altab Ali umbenannt. Hier stand einmal die Kirche St Mary Matfelon, die am 29. Dezember 1940 schwer von Bomben der deutschen Luftwaffe getroffen und zerstört wurde. Man baute die Kirche nicht wieder auf, räumte die Trümmer weg und errichtete 1966 auf dem Platz eine kleine Parkanlage, den heutigen Altab Ali Park. Dort wurde auch eine Replika des Shaheed Minar-Denkmals errichtet. Das Original steht in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh; es erinnert an die 1952 bei Demonstrationen getöteten Studenten, die sich für eine Anerkennung der bengalischen Sprache als offizielle Staatssprache stark gemacht hatten (damals gehörte das Gebiet noch zu Ost-Pakistan). Den Park betritt man durch einen Bogen, den der Künstler David Petersen gestaltet hat. Das Kunstwerk verbindet Stilelemente aus England und aus Bangladesh und soll an den ermordeten Altab Ali und die anderen Opfer rassistischer Attacken erinnern.
Hier ist ein Rundgang durch den Park im Film zu sehen.

Das Shaheed Minar-Denkmal.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Die Adler Street, in der sich der Mord ereignete.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Ellesborough Silver Band – Eine Blaskapelle aus Buckinghamshire

Ellesborough in Buckinghamshire: Hier ist die Brass Band beheimatet.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Blaskapellen verbinde ich eigentlich in der Regel mit Nordengland, dort, wo früher die Bergarbeiter Kohle abbauten und zu ihrer  Entspannung Blasmusik spielten oder einfach nur zuhörten. Einige dieser noch existierenden Kapellen habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie die Burbage Brass Band aus Derbyshire, die Muker Silver Band aus North Yorkshire oder die Grimethorpe Colliery Band aus South Yorkshire.

Doch auch im Süden gibt es Brass Bands wie die Ellesborough Silver Band, die in Ellesborough in Buckinghamshire beheimatet ist und das schon seit 1896. Die Auftritte der Kapelle finden überwiegend in der näheren Umgebung statt, so war die Silver Band unter anderem bei Dorffesten in Stoke Mandeville und Monks Risborough zu hören, bei der The Lee Flower Show und beim Cherry Pie Festival in Plough. Die Höhepunkte in der Geschichte der Band waren sicherlich ein Auftritt in Chequers, dem Landsitz der britischen Premierminister, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist. Als Neville Chamberlain das Amt inne hatte, wurde die Band zur Weihnachtszeit eingeladen, dort Weihnachtslieder zu spielen. Einmal durften die Bandmitglieder vor Prince Charles  und Princess Margaret spielen, als diese das Guttmann Centre in Aylesbury besuchten. Weitere Höhepunkte im Leben der Band waren Auftritte  in der Royal Albert Hall bei den National Brass Band Championships.

Damit die Brass Band in Übung bleibt, treffen sich die Mitglieder jeden Freitagabend in der Ellesborough Parish Hall. Die Kapelle umfasst dreißig Personen, gemischt aus Männern und Frauen und wie es auf den Webseiten der Band heißt, im Alter von acht bis achtzig Jahren.

Hier ist ein Auftritt der Band in Aylesbury zu sehen und zu hören.

Zwei Fußballvereine der englischen Premier League, die dieselbe Vereinshymne haben

Im Goodison Park trägt der Everton F.C. seine Heimspiele aus.
Photo © Kevin Williams (cc-by-sa/2.0)

Das kommt nicht häufig vor, dass zwei englische Fußballclubs, die auch noch beide in der Premier League spielen, die selbe Vereinshymne haben. Die Toffees vom Everton F.C. und die Hornets vom Watford F.C. laufen ins Stadion beim Klang der Titelmelodie der uralten Fernsehserie „Z Cars“ (1962-1978), die im deutschen Fernsehen „Task Force Police“ hieß. Die TV-Serie spielt in der fiktiven Stadt Newtown im Norden Englands, und da Everton ebenfalls im Norden liegt, in Liverpool, passt das ja ganz gut. Seit der Saison 1962/63 erschallt diese Musik beim Auflaufen der Toffees, und die Fans lieben die Hymne. Ein Jahr später entschied sich auch der damalige Trainer vom Watford F.C. für dieses Musikstück. Im April 2019 trennte man sich vom „Z Cars Theme“ und spielte stattdessen Elton JohnsI’m still standing„. Das liegt auf der Hand, denn der Sänger war und ist dem Club sehr verbunden und war jahrelang dessen Präsident. Aber so sehr die Fans der Hornets Elton John auch verehren, sie wollten ihre alte Hymne zurück und zum Beginn der Saison 2019/20 ist sie wieder da und die Fans sind zufrieden.

John Keating und sein Orchester spielten „Theme from Z Cars„, das 1962 sogar in die britischen Charts kam und Platz 8 erreichte. Es basiert auf einem alten Volkslied mit dem Titel „Johnny Todd„. Über die TV-Serie schrieb ich schon einmal in meinem Blog.

Hier ist die Hymne in Everton und hier in Watford zu hören.

Das Stadion des Watford F.C. an der Vicarage Road.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Januar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Britain First – Die Devise der britischen Pubkette J.D. Wetherspoon

The Bell in Aylesbury (Buckinghamshire) – Ein Pub der Wetherspoon-Kette.
Eigenes Foto.

Bottoms Up – Wetherspoons is ditching German beers and Champagne for British brands ahead of Brexit“ titelte The Sun am 13. Juni 2018. Donald Trump lässt grüßen…
Erst einmal einige zu Worte zu der Pubgruppe mit dem Namen J.D. Wetherspoon, die 1979 gegründet wurde. Deren Pubs sind häufig in sehr schönen Häusern untergebracht, die früher einmal einem anderen Zweck dienten. Einen J.D. Wetherspoon hat es übrigens nie gegeben, es ist ein Kunstname, der sich aus dem Namen des Sheriffs J.D. ‘Boss’ Hogg der TV-Serie „The Dukes of Hazzard“ und dem Namen des früheren Erdkundelehrers des Firmengründers Tim Martin, der Wetherspoon hieß, zusammensetzt.

Tim Martin ist glühender Verfechter des Brexits und damit der Unabhängigkeit Großbritanniens von der EU; daher hat er 2018 Produkte der EU aus dem Angebot seiner rund 900 Pubs umfassenden Kette herausgenommen und durch britische bzw. Nicht-EU-Produkte ersetzt. Wie schon oben gesagt, werden deutsche Biere nicht mehr angeboten; auch Jägermeister, ein Getränk, das die Briten lieben, findet man nicht mehr im Sortiment, und das heißt damit auch, dass Jägerbombs, ein beliebter Drink, der aus Jägermeister und dem Energy Drink Red Bull besteht, nicht mehr bei Wetherspoons zu haben ist. Das gilt natürlich auch für die bei Stag und Hen Parties beliebten Jäger-trains (hier ist ein Videoclip wie dieser zelebriert wird). Wer trotzdem nicht auf diesen Drink verzichten möchte, kann als Ersatz für den deutschen Jägermeister den englischen Kräuterlikör Strika verwenden und Strikabombs bestellen. Angeblich soll der Likör sogar besser schmecken.

Auch französische und italienische Getränke sind vom Bann Tim Martins betroffen. So wird Champagner und Prosecco durch englische und australische Sekte ersetzt wie Produkte aus Denbies Wine Estate in Dorking (Surrey).

Wer nach wie vor Getränke aus dem EU-Bereich trinken möchte, muss dann eben die Wetherspoons meiden, denn andere Pubs haben kein Problem damit, Biere aus Deutschland und Wein aus Frankreich oder Italien anzubieten.

Ersetzt Champagner und Prosecco: Sekt aus dem Denbies Wine Estate.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 3. Januar 2020 at 00:00  Comments (4)  
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Pork Scratchings – Ein populärer Pub-Snack

„These deep-fried pig carcass salted snacks are popular in pubs, where the greasy, hairy morsels can be washed down with beer in an attempt to stop them  simply coming straight back up again“, so beschreibt Iain Aitch in seinem wunderschönen Buch „We’re British, Innit?“ den besonders von Pubbesuchern heiß geliebten Snack.

Was ist das nun genau? Pork Scratchings sind in Tüten abgefüllte fritierte und gewürzte Schweineschwarten. Diese knusprigen Teilchen isst man am besten zu einem Pint Bitter oder Lager. Das eine oder andere zurückgebliebene Schweinehaar sollte einen allerdings nicht stören, auch sollte man vor dem Verzehr überlegen, ob die Zähne das aushalten.

Pork Scratchings kommen ursprünglich aus dem Black Country, das ist die Region nördlich und westlich von Birmingham.
Der größte Hersteller dieses Snacks ist Mr Porky, eine zur Tayto-Gruppe gehörende Firma, die jährlich 20 Millionen Tüten davon verkauft und die auf ihrer Webseite extra darauf hinweist: „Only recommended for people with strong, healthy teeth“. Hier ein Werbspot der Firma.

Wer sich intensiver mit Pork Scratchings beschäftigen möchte, dem kann ich nur die Webseite Hairy Bar Snacks empfehlen; hier findet man wirklich alles, was man zum Thema wissen möchte.

Wer jetzt Appetit auf die Schweineschwärtchen bekommen haben sollte, der kann sich die auch in Deutschland online kaufen, zum Beispiel  bei Great British Food .

Das Buch zum Artikel:
Greg Gutfeld: Lessons From the Land of Pork Scratchings – A Miserable Yank Finds Happiness in the UK. Simon & Schuster 2009. 239 Seiten. ISBN 978-1-84739-075-2.

Verkauf von Pork Scratchings auf der Harrogate Flower Show.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Januar 2020 at 02:00  Comments (5)  
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