Das Fahren auf englischen Landstraßen – Einige persönliche Anmerkungen

Eine schmale Landstraße in Surrey.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich mit meinem Auto in England unterwegs bin, stelle ich mein Navigationsgerät nicht mehr auf „kürzeste Verbindung“ ein, denn immer wieder hat es mich auf Wege geführt, die ich eigentlich nicht befahren wollte. Gerade im letzten Jahr, als ich im Oktober/November durch den Süden und Südwesten Englands fuhr, waren die kleinen Fahrwege durch den vielen Regen aufgeweicht und stark verschmutzt, und ich hasse es, mit einem dreckigen Auto unterwegs zu sein. Landstraßen in England sind häufig von hohen Hecken umstanden, kurvig, schwer einsehbar und manchmal auch nur einspurig. Es gibt zwar viele Ausweichbuchten, doch sind die immer am schmutzigsten. Bei Gegenverkehr klappt es eigentlich meistens ganz gut…wenn einem nicht ein riesiger Traktor entgegenkommt. Man ist sehr höflich, bedankt sich immer, wenn man die Ausweichbucht aufsucht und dem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt lässt. Ohne Navigationsgerät wäre man häufig in diesem Netz von Kleinststraßen verloren, denn die Beschilderung ist nicht die beste.

Das Fahren auf Landstraßen generell ist nicht ungefährlich; etwa 60% aller tödlichen Verkehrsunfälle ereignen sich dort. Das Risiko für Autofahrer, auf Landstraßen getötet zu werden, ist doppelt so hoch wie auf städtischen Straßen, für Motorradfahrer dreimal so hoch. Im Vergleich zu Autobahnen sieht es sogar noch schlechter aus: Die Zahl der Verkehrstoten auf Landstraßen ist elfmal höher als auf Autobahnen (laut Department for Transport). Durchschnittlich sterben drei Menschen pro Tag auf den „rural roads“. Fahrfehler und mangelnde Aufmerksamkeit sind die Hauptursachen der tödlichen Unfälle auf allen Straßen des Landes; zu schnelles Fahren in unübersichtlichen Kurven stellt ein weiteres Problem auf den „country roads“ dar.

Glücklicherweise bin ich bei meinen zahllosen Fahrten durch England nur ein einziges Mal in einen kleinen Unfall verwickelt worden, und das war in North Yorkshire in einem Kreisverkehr, wobei es aber lediglich zu einem Blechschaden bei meinem und dem anderen Auto kam.

Eigentlich fühle ich mich auf den Straßen Englands sicher, trotz links gelenktem Auto. Die allermeisten Autofahrer mit denen ich es zu tun hatte, waren eher defensiv eingestellt. Überholen auf Landstraßen kam recht selten vor. Aber möglicherweise haben andere Englandreisende ganz andere Erfahrungen gemacht.

Wenn einem dieser LKW entgegenkommt wird es eng, dann heißt es, rein in den Matsch einer Ausweichbucht.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Ein Unfall auf einer Landstraße in Suffolk.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2020 at 02:00  Comments (6)  
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6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Die Erfahrungen kann ich bestätigen…war vor einiger mit einem BMW 5er unterwegs in Südengland. Verkehr war ziemlich stressfrei trotz Linkslenker (okay, vielleicht nicht ganz so stressfrei für meine Frau auf der Beifahrerseite…). Die kleinen Strassen sind zwar nicht so gut einsehbar wegen der hohen Vegetation, andererseits waren die Hecken immer sauber zurückgeschnitten.

    • Ja, die armen Beifahrerinnen; meine Frau fühlt sich auch nicht so ganz wohl, wenn große Trucks so dicht an ihr vorbeifahren.

  2. Im Wesentlichen kann ich den Beitrag bestätigen.
    Während nach meinem Empfinden das Klima auf britischen Autobahnen inzwischen rauer ist als auf deutschen, kommt man abseits davon zwar nicht immer zügig aber entspannt voran. Falls ich den Eindruck habe, für ein nachfolgendes Fahrzeug nicht schnell genug unterwegs zu sein, fahre ich in eine Ausweichbucht und zeige das vorher an. Das wird meistens freundlich honoriert. Oft fahre ich auch ein Stück rückwärts, wenn ich denke, dass es die schnellste Lösung für das Passieren entgegenkommender Fahrzeuge ist – auch hier dankt man freundlich. (Meine Kinder sagten früher dann: „Gleich macht er wieder die Hasenohren.“)
    Unfälle habe ich in etwas mehr als 30 Jahren dort nie gehabt – einige Male allerdings böse Blicke, bis ich begriffen habe, dass man vor und in Kreisverkehren rechts blinken muss – wenn man geradeaus oder halt etwas weiter im Roundabout herum fahren will. Highway Code Section 186.
    Eine interessante Strecke englischer Landstraßen führt über die Swarkestone Bridge. Die hielt ich anfangs für sehr (sehr) eng – inzwischen habe ich das Gefühl, dass sie etwas breiter geworden ist. Man wird halt vertrauter mit bestimmten Situationen.
    (Es gibt einige Videos, die Fahrten über diese Brücke zeigen.)

    • Die Brücke ist auch ziemlich unfallträchtig, vielleicht liegt es an den Geistern, die sie immer wieder heimsuchen 🙂

  3. Schöner Beitrag. Ich habe auch einige Bemerkungen:
    -auf die engen aber auch sympatisch-geheimnisvollen Sträßchen bin ich als Kind durch eine „Catweazle“folge in den 70ern aufmerksam geworden. Catweazle sauste nämlich mit seinem 3cycle ungebremst auf eine dieser Straßen
    -die Hecken sind einerseits Ausblickverhinderer, andererseits beherbergen sie wegen ihrer einzigartigen Höhe und Breite Unmengen Vögel
    -ich mußte mal von Cardff nach Dartmouth. Da ich das hektische Exeter umfahren wollte, habe ich es weitläufig vermieden..stattdessen. 200 km Heckenwege…ruhig, romantisch,aber auch schweißtreibend…Fahrzeit 3 Stunden statt einer…
    -Mir ist ein Rätsel, warum gerade solche Riesenkisten a la Land Rover so beliebt sind in UK, denn sie sind nicht Landstrassengerecht, wobei nach eigenen Ungefährmessungen meinerseits britische Landstraßen etwa 10 cm schmaler sind, als die bei uns in Belgien oder Deutschland. Ich fahre am liebsten mit meinem Austin A35 durch UK, der ist schön schmal und wird sowieso auf Autobahnen von LKWs versägt…

    • Ich bin auch immer wieder überrascht wie lange die Fahrzeiten auf englischen Landstraßen sind. Auf der Karte sieht es gar nicht so aus, aber die Durchschnittsgeschwindigkeit ist relativ gering und man braucht viel Zeit.


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