Die Londoner Elizabeth Line und die Auswirkungen auf die Endstationen

Der neue Bahnhof von Reading in Berkshire, am westlichen Ende der Elizabeth Line.
Photo © Chris Wood (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich sollte die neue Elizabeth Line in London im Laufe des Jahres 2019 ihren Betrieb aufnehmen, aber wie das nun mal bei Großbauprojekten ist, verzögert sich die Eröffnung wahrscheinlich bis Ende 2021. Die auch Crossrail genannte Strecke soll in West-Ost-Richtung quer durch London verlaufen und die Endpunkte Reading in Berkshire mit Shenfield in Essex verbinden. Schätzungsweise £18.25 Milliarden werden die Baukosten betragen, deutlich mehr als die ursprünglich geplanten Kosten. Etwa 110 Kilometer werden die 200 Meter langen Züge der Elizabeth Line pro Strecke zurücklegen, davon 20 Kilometer unterirdisch. Die Fahrtdauer zwischen den Stationen wird deutlich verringert, zum Beispiel von Abbey Wood im östlichen Bereich der Linie zum Flughafen Heathrow statt 93 Minuten nur noch 52 Minuten oder, innerhalb Londons, von der Bond Street nach Paddington nur noch 3 Minuten anstelle von 15 Minuten.

Gerade für Pendler ist die Elizabeth Line interessant und viele überlegen sich ernsthaft, ob sie nicht aus London wegziehen und sich in den Home Counties niederlassen, wenn sie so schnell in der City sein können, was natürlich schon jetzt zu einem rasanten Anstieg der Hauspreise in diesen Regionen geführt hat. Vor allem Berkshire und Buckinghamshire erfreuen sich großer Beliebtheit, die Preise dort gehen kontinuierlich nach oben. In Reading (Berkshire) beispielsweise sind die Hauspreise in zehn Jahren um über 35% gestiegen, auf durchschnittlich £426 000. Auch in der Region Slough in Berkshire sind die Preise für Häuser und Wohnungen drastisch gestiegen.

Der Bahnhof von Reading ist schon vor einigen Jahren komplett umgebaut worden, weil man nach Fertigstellung der Elizabeth Line mit sehr viel mehr Passagieren rechnet. Queen Elizabeth hat ihn am 17. Juli 2014 eröffnet. Rund £900 Millionen haben die kompletten Bauarbeiten gekostet. Auch andere Bahnhöfe wurden umgebaut, wie der von Abbey Wood (Greater London) auf dem östlichen Teil der Strecke (2017 neu eröffnet).

Ich frage mich, wer sich diese enorm hohen Hauspreise in diesen Pendlerorten eigentlich leisten kann. Menschen mit geringerem Einkommen können sich weder London noch den „commuter belt“ leisten und müssen noch weiter von der Hauptstadt entfernt wohnen, mit entsprechend längeren Fahrzeiten zum Arbeitsplatz in London, das ist keine schöne Entwicklung, die aber schon vor vielen Jahren begonnen hat.

Das östliche Ende der geplanten Elizabeth Line, der Bahnhof von Shenfield in Essex.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 19. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich haben jemanden kennengelernt, der täglich aus der Umgebung von Derby nach London pendelt, jemanden anders, der ein kleines Zimmer in London gemietet hat und nur an den Wochenenden bei seiner Familie in Lynton wohnt. Eine Wohnung für die Familie kann er sich nicht leisten.
    Eine drastische Tendenz gibt es im Umfeld vieler Großstädte in Europa (und wohl nicht nur da).
    2015 war zu lesen, dass die Wohnungspreise in Kopenhagen innerhalb von vier Jahren um 40 Prozent gestiegen sind. Gleichzeitig stehen allein auf Lolland 2400 Häuser leer, viele werden abgerissen. Dörfer werden verlassen und verschwinden. Ein Wissenschaftler der Universität Aalborg meint, dass in den kommenden 10 Jahren ein Großteil der dänischen Dörfer verschwinden wird.
    Ähnliches weiß man aus der Eifel („Fast ein Viertel der Gebäude im Kernort Dahlem steht leer.“) und anderen Regionen Deutschlands.
    Immerhin enstehen hier und da Initiativen, die sich diesem Trend widersetzen.


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