Sind britische Parlamentsmitglieder abergläubisch? oder Die Skulpturen in der Members‘ Lobby im House of Commons

Sir Winston Churchill in der Members‘ Lobby.
As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain.

In der Members‘ Lobby im britischen Parlament treffen sich die MPs, um miteinander zu diskutieren oder um Informationen auszutauschen. Beobachtet werden sie dabei von einer ganzen Phalanx von Skulpturen ehemaliger Premierminister, darunter sind die Bronzefiguren von David Lloyd George, Winston Churchill, Clement Attlee and Margaret Thatcher. Eigentlich müssten diese Skulpturen ja eine Ewigkeit überstehen, da sie keinen Naturgewalten ausgesetzt sind und sich im Trockenen befinden…wenn es nicht die Parlamentsmitglieder gäbe. Die sind nämlich in der Tradition verfangen, bevor sie die Commons Chamber betreten, eine der vier Figuren, die sie am liebsten mögen, zu berühren, in den meisten Fällen an den Füßen. Bronzefiguren müssten das eigentlich ab können, doch wenn das so oft geschieht, bekommen die drei Herren und die Dame Probleme. Das Berühren soll den MPs Glück bringen, zum Beispiel wenn sie eine Rede halten müssen, doch bringt dieser Aberglaube die für das Parlamentsgebäude zuständigen Kuratoren auf die Palme, die für die Hege und Pflege der Skuplturen zuständig sind. Besonders Sir Winston Churchill, von dem Bildhauer Oscar Nemon geschaffen, erfreut sich bei den parlamentarischen Füßestreichlern großer Beliebtheit, so dass schon größere Schäden aufgetreten sind und ein Fuß von ihm restauriert werden musste. Per Rundschreiben sind die MPs schon mehrfach aufgefordert worden, mit dieser Tradition zu brechen. Es wurden schon Überlegungen angestellt, die vier Statuen mit Seilen zu umspannen, ließ es dann aber doch bei „Do Not Touch„-Hinweisschildern. Neuen Parlamentsmitgliedern verschweigt man diese Tradition…

John Major ist der letzte Premierminister, der in der Members‘ Lobby in Form einer Bronzebüste vertreten ist; mit dessen Nachfolger Tony Blair tut man sich schwer. Seine Büste war bereits 2012 geplant, doch hat er zur Zeit keine gute Karten im Land, denn sein Engagement im Irakkrieg hängt ihm immer noch nach.

Published in: on 29. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Village Signs – Stibbard in Norfolk

In den meisten Fällen sind die Village Signs in englischen Dörfern und Kleinstädten auf einem Pfahl angebracht, worauf sich das aus Holz oder Metall bestehende Schild befindet, das einige typische Bilder aus der Geschichte des Ortes zeigt. Es geht aber auch anders wie zum Beispiel in Stibbard, einem hübschen kleinen Dorf mitten in Norfolk gelegen, südlich der A148. Dort besteht das eigentlich nicht mehr Dorfschild zu nennende Gebilde aus einer Skulptur, die aus Metallteilen zusammengebaut worden ist, die früher einmal auf einem Bauernhof Verwendung fanden. Fred the Ploughman heißt die Figur, die an der Straße Moor End auf einer Wiese aufgestellt worden ist und zwar vom örtlichen Women’s Institute, das damit an sein 50-jähriges Bestehen 1926-1976 erinnern wollte. Die Damen der Organisation beauftragten eine namhafte regionale Künstlerin namens Ros Newman mit der Gestaltung des Ackermannes. Ros Newman, Mitglied der Royal Society of Sculptors, arbeitete überwiegend mit Stahl und das seit über fünfzig Jahren. Im vorigen Jahr hat sie ihre künstlerische Tätigkeit an den Nagel gehängt, nachdem noch einmal in Norwich eine große Ausstellung ihrer Werke stattgefunden hatte.

Als Ros Newman Fred the Ploughman kreierte, wohnte sie, gemeinsam mit ihrem Ehemann, in Stibbard, wo sie sich in einer Scheune ein Studio eingerichtet hatte. Fred besteht unter anderem aus einigen Hufeisen und Kettengliedern, einer Zange, Brandeisen und natürlich dem Pflug. Symbolisieren soll die Figur die Bedeutung der Landwirtschaft für diese Region Norfolks.

Stibbard und seine Village Hall.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Elgar Birthplace Museum in Lower Broadheath (Worcestershire)

Edward Elgar ist sicher einer der größten englischen Komponisten, dessen Werke auch heute noch gespielt werden. Was wäre die Last Night of the Proms ohne sein „Land of Hope and Glory„? Am 2. Juni 1857 wurde Elgar in Lower Broadheath in Worcestershire geboren (etwa 5 km von der Stadt Worcester entfernt) und dieses Haus, The Firs, beherbergt heute das Elgar Birthplace Museum, das seit 2017 vom National Trust übernommen worden ist. Hier wurden im Lauf der Jahrzehnte zahllose Dokumente über Elgars Leben zusammengetragen und wer über das Leben des Komponisten forschen will, wird hier sicher fündig. Elgar äußerte kurz vor seinem Tod am 23. Februar 1934 den Wunsch, falls man irgendetwas zu seiner Erinnerung unternehmen sollte, sein Geburtshaus in Lower Broadheath ihm am meisten zusagen würde.

Neben dem Geburtshaus wurde im August 2000 ein Besucherzentrum eröffnet, in dem man sich über Elgars Leben und Wirken informieren kann. Auch der Cottagegarten ist sehenswert; er wurde nach einem zeitgenössischen Bild neu angelegt.

Im Museum finden zahlreiche Veranstaltungen statt wie Ausstellungen und Konzerte; zum Beispiel das jährliche Birthday Concert, anlässlich Elgars Geburtstag am 2. Juni.

Der Elgar Shop hält ein sehr großes Angebot für den Besucher bereit: Bücher, CDs, DVDs, Noten und jede Menge Souvenirs wie Kaffeetassen mit dem Konterfei des Meisters. Kaufen kann man hier beispielsweise auch einen Krimi, in dessen Mittelpunkt Edward Elgar steht: Simon Boswells „The Elgar Enigmas – A Musical Mystery„.

Das Museum ist von März bis Oktober täglich von 10.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Von November bis Februar sind die Öffnungszeiten eingeschränkt. Der Eintritt beträgt £8. Wer etwas zu sich nehmen möchte, kann dies im Tearoom tun.

Hier ist Elgars wohl berühmtestes Werk „Land of Hope and Glory„, gespielt auf der Last Night of the Proms.

The Elgar Birthplace Museum
Crown East Lane,
Lower Broadheath,
Worcester WR2 6RH

Das Buch zum Artikel:
Nicholas Kenyon: Elgar – An Anniversary Portrait. Continuum 2008. 210 Seiten. ISBN 978-1847065339.

Das Visitor Centre.
Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)

Der Meister selbst, auf einer Bank in seinem Garten sitzend.
Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Richard O. Smith: Oxford Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem

Foto meines Exemplares.

Eigentlich sollte man meinen, dass die Studenten in den Elite-Universitäten Cambridge und Oxford mit ihrem Studium alle Hände voll zu tun hätten, aber ganz offensichtlich bleibt noch genügend Zeit, allerlei Unsinn zu verzapfen, und das schon seit Jahrhunderten.

Jamie Collinson hat sich in seinem Buch „ Cambridge Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem“ darüber ausgelassen wie das in meinem Blogeintrag zu lesen ist, Richard O. Smith hat das Gleiche in seinem Buch „Oxford Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem“ für den Konkurrenten Oxford getan. Smith geht das Thema chronologisch an und beginnt mit dem 13. Jahrhundert, als auch damals schon Studenten der Colleges sich Streiche ausdachten, mit denen sie ihre Mitstudenten oder das Lehrpersonal nerven konnten. Der Autor beschäftigt sich ebenfalls mit den ständigen Auseinandersetzungen zwischen Town and Gown, also der Stadt Oxford und der Universität Oxford.

Im Laufe der Jahrhunderte ersannen sich die Studenten sowohl harmlose Streiche und Wetten wie diese: Mehrere Studenten wetteten, dass ein Kommilitone des Oriel Colleges es nicht schaffen würde, drei Pints Wein (etwa eineinhalb Liter) zu trinken und anschließend eine längere Passage aus dem Neuen Testament leserlich abzuschreiben. Binnen zehn Minuten trank der Student den Wein, verlor daraufhin für einige Stunden das Bewusstsein, und als er wieder aufwachte, teilten ihm seine Wett-Herausforderer mit, dass er die Wette verloren hatte und er ihnen eine halbe Krone schuldete (das Ganze ereignete sich im Jahr 1761).

Doch es gab auch „pranks“, die nicht so gut bei den College-Oberen ankamen: So fanden es einige Studenten des University Colleges im Jahr 1868 unheimlich lustig, des Nachts die Tür des Zimmers, in dem ein nicht sehr beliebter Lehrer wohnte, mit langen Schrauben unpassierbar zu machen; anschließend veranstalteten sie das Gleiche von außen mit dem Fenster des Raumes. Als der Lehrer am nächsten Morgen merkte, dass er gefangen war, schlug er die Fensterscheibe ein und rief lauthals „Help! I’ve been screwed!!“. Die Collegeleitung fand diesen Streich überhaupt nicht lustig und suspendierte alle Studenten des Colleges, bis sich die Übeltäter meldeten, was erst nach zwei Wochen geschah. Die Strafe: Sie wurden des Colleges verwiesen. Dumm gelaufen…

Richard O. Smith: Oxford Student Pranks – A History of Mischief & Mayhem. The History Press 2015 (Reprint). 127 Seiten. ISBN 078-0-7524-5650-8.

Das Oriel College.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Das University College.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 26. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St Mary Aldermanbury – Eine Londoner Kirche und ihr Umzug nach Missouri in den USA

Hier stand einmal St Mary Aldermanbury.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Ich habe einmal in einem Hotel in Lake Havasu City, im äußersten Westen des US-Bundesstaates Arizona übernachtet, das nur wenige Schritte von der London Bridge entfernt stand. 1968 wurde die Brücke von einem reichen amerikanischen Unternehmer gekauft, Stein für Stein in London abgetragen und in Arizona wieder aufgebaut. Neben der Brücke wurde noch ein Einkaufszentrum im Tudor-Stil errichtet. Es war schon etwas merkwürdig, in Arizona plötzlich mit einem Stück London konfrontiert zu werden.

Ähnlich erging es einer Londoner Kirche. St Mary Aldermanbury wurde 1666 von der großen Feuersbrunst zerstört, anschließend von Sir Christopher Wren wieder aufgebaut. Dann stand die Kirche einige Jahrhunderte lang friedlich im Zentrum Londons, bis sie 194o bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe erneut komplett zerstört wurde. Dieses Mal wurde die Kirche nicht wieder aufgebaut, aber die verbliebenen Reste wurden 1966 in die Stadt Fulton im US-Bundesstaat Missouri transportiert und dienten dort, auf dem Gelände des Westminster Colleges, zum Aufbau einer neuen Kirche, die den Namen St Mary the Virgin Aldermanbury trägt.

Wie kam es dazu? Sir Winston Churchill hatte in einer Rede im Westminster College in Fulton, Missouri, am 5. März 1946 seine berühmte Iron Curtain„-Rede gehalten, in der er den Begriff „Eiserner Vorhang“ prägte. 1969 entstand auf dem Campus zu Ehren des britischen Staatsmannes das National Churchill Museum.

Glücklicherweise wurde das Gelände, auf der St Mary Aldermanbury in London stand, nördlich der Guildhall, nicht mit Bürohäusern überbaut. Stattdessen wurden hier Bäume und Büsche angepflanzt und es steht hier auch ein Denkmal, auf dem die Büste Shakespeares zu finden ist, in Erinnerung an John Heminges und Henry Condell, zwei Zeitgenossen des Dichters, die maßgeblich an der Herausgabe von Shakespeares Folio beteiligt waren. Heminges und Condell lebten in der Gemeinde St Mary Aldermanbury und wurden hier auch begraben.

Seine letzte Ruhestätte auf dem Kirchhof von St Mary Aldermanbury fand auch der berühmt-berüchtigte „Hanging Judge“ George Jeffreys, der am 18. April 1689 in London starb.

Das Buch zum Artikel:
Christian E. Hauer & William A, Young: Comprehensive History of the London Church and Parish of St.Mary, the Virgin, Aldermanbury – The Phoenix of Aldermanbury. Edwin Mellen Press 1994. 456 Seiten. ISBN 978-0773493902.

Diese Plakette auf dem ehemaligen Gelände von St Mary’s zeigt wie die neue Kirche in Fulton, Missouri, aussieht.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die Shakespeare-Büste.
Author: Lonpicman.
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Published in: on 25. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Philharmonic Dining Rooms – Ein außergewöhnlicher Pub in Liverpool

Wenn man einmal Liverpool besucht, sollte man auf jeden Fall auch in die Hope Street gehen. Dort steht gegenüber der Liverpool Philharmonic Hall einer der außergewöhnlichsten Pubs in ganz England mit dem Namen Philharmonic Dining Rooms, der sich selbst als „one of the most lavish and ornate pubs in the country“ bezeichnet. Durch die Nähe zur Konzerthalle ist dieser Pub natürlich besonders bei Konzertbesuchern und den Mitgliedern des Royal Liverpool Philharmonic Orchestras sehr beliebt.

Erbaut wurde „The Phil“, wie es von Einheimischen kurz genannt wird, um das Jahr 1900 herum von dem Bierbrauer Robert Cain, einem der damals reichsten Männer im Königreich, dem über 200 Pubs in Liverpool gehörten.

Das Gebäude ist architektonisch bemerkenswert und steht schon seit langem unter Denkmalschutz. Beeindruckend ist der Haupteingang, der im Art Nouveau-Stil gestaltet wurde.
Das nicht minder beeindruckende Interieur des Pubs ist ganz dem Thema „Musik“ gewidmet; das ist man der Konzerthalle gegenüber natürlich schuldig. So sind zwei besonders schöne Räume nach den Komponisten Brahms und Liszt benannt. Man wird hier überall mit holzvertäfelten Wänden, Buntglasfenstern und Mosaikfußböden konfrontiert; kein Wunder, dass sich ständig Besucher aus aller Welt einfinden.

Eine weitere Besonderheit haben die Philharmonic Dining Rooms zu bieten: Die Herrentoiletten, die aus rosafarbenem Marmor und Mosaiken bestehen. Sie sind so spektakulär, dass auch Frauen einen Blick hineinwerfen dürfen (wenn sie gerade nicht benutzt werden).

The price of fame is not being able to go to the Phil for a quiet pint„, soll John Lennon einmal traurig gesagt haben.

„The Phil“  gehört zu den Nicholson’s Pubs, einer Kette von historisch besonders interessanten Gasthäusern.

Hier ist ein Rundgang durch das Haus im Film zu sehen.

The Philharmonic Dining Rooms
36 Hope Street
Liverpool
Lancashire
L1 9BX
 

Das Buch zum Artikel:
Christopher Routledge: Cains – The Story of Liverpool in a Pint. Liverpool University Press 2008. 160 Seiten. ISBN 978-1846311505.

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

… und hier sind sie zu sehen.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

The Falstaff Hotel in Canterbury (Kent)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Bei meinen Besuchen in Canterbury wohnte ich immer im Falstaff Hotel, das nur einige Schritte vom Westgate entfernt absolut zentral liegt. In wenigen Minuten erreicht man alle Sehenswürdigkeiten der sehr reizvollen Stadt, von denen es eine ganze Menge gibt.

Das Falstaff Hotel ist ein uralter Coaching Inn, der 1403 erstmals erwähnt wurde und in dem es sich angenehm wohnt. Das Auto ist auf dem hoteleigenen Parkplatz gut untergebracht; bei der schwierigen Parksituation in Canterbury sehr wichtig.
Die 49 Zimmer im Hotel sind sehr gemütlich eingerichtet, mit alten Holzbalken und Vertäfelungen; einige haben auch Kamine.

Es gibt ein Pizza-Restaurant im Hotel und man kann seinen Afternoon-Tea im Haus einnehmen, aber in wenigen Gehminuten entfernt, findet man auch zahlreiche weitere Restaurants und Pubs in der Stadt.

Die Preise für die Standard-Doppelzimmer beginnen bei £75, die Superior-Rooms kosten ab etwa £109 un die Junior Suites ab £119, jeweils inklusive englischem Frühstück;  also sehr günstige Übernachtungspreise.

Für einen Besuch der Stadt Canterbury kann ich dieses Hotel empfehlen!

The Falstaff Hotel
8-12 St Dunstans Street
Canterbury, CT2 8AF

 

Published in: on 23. Februar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Stand-up Comedians – Michael McIntyre

Author: Raph_PH.
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Michael McIntyre ist einer der beliebtesten und auch erfolgreichsten Comedians in Großbritannien. Seine erste DVD „Life and Laughing“ war die sich am schnellsten verkaufende Comedy-DVD aller Zeiten; seine zweite „Hello Wembley“ übertraf die Verkaufszahlen noch einmal mit 1,4 Millionen Exemplaren.
Mehrfach wurde Michael McIntyre mit Comedypreisen ausgezeichnet. Jedes Jahr unternimmt er ausgedehnte Tourneen, auch durch Asien, Afrika, Nordamerika und Australien, aber natürlich vor allem durch das Königreich, die alle ausverkauft waren.

Auf BBC 1 lief seine seine „Michael McIntyre’s Comedy Roadshow„, seit fünf Jahren ist er in der „Michael McIntyre’s Big Show zu sehen, und sein erstes Buch „Life and laughing: My story“ (Penguin Books) stand auf den britischen Bestsellerlisten.

Es läuft also alles sehr gut für den 1976 in London geborenen britisch-kanadischen Comedian.

Hier ist Michael McIntyre in einer seiner Shows zu sehen.

 

Published in: on 22. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Pillboxes – Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg in Vorbereitung auf eine deutsche Invasion

Bei Sandgate in Kent.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Pillboxes sind ja eigentlich Pillendosen – aber man bezeichnet mit dem Namen auch Bunkeranlagen, die man im 2. Weltkrieg in England gebaut hat, um einer drohenden Invasion Nazi-Deutschlands begegnen zu können. Ob diese pillendosenartigen Verteidigungsanlagen wirklich etwas gebracht hätten, sei dahingestellt. Glücklicherweise bestand keine Notwendigkeit, dies unter Beweis zu stellen.

Noch heute gibt es vor allem im Süden Englands entlang der Küste, aber auch im Binnenland, Tausende von diesen Bunkern, die noch weitgehend intakt sind. Man spricht von 6 500 übriggebliebenen Pillboxes von ca 28 000.

Einige der Bunker sind verfallen und es besteht beim Betreten Lebensgefahr; andere wiederum sind von Farmern als Viehunterstände und Lagerräume benutzt worden. Ein weiterer Verwendungszweck: Man hat einige als Fledermaus-Brutplätze ausgebaut. Die dickwandigen und oft feuchten Anlagen sind ideal für Fledermäuse.

Die Pillbox Study Group hat sich mit sehr viel Engagement um die Erforschung dieser Verteidigungsanlagen gekümmert und betreibt eine Webseite, auf der man sehr viel über die Pillboxes erfährt.

Das Buch zum Artikel:
Ian J. Sanders: Pillboxes – Images of an Unfought Battle. Lulu.com 2005. 128 Seiten. ISBN 978-1411626515.

Bei Studland an der Küste von Dorset.
Photo © Phil Champion (cc-by-sa/2.0)

Das gemütliche Innere einer Pillbox; am Royal Military Canal in Kent.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Hier hat jemand  bei Colchester in Essex versucht, eine Pillbox aufzuhübschen. Ob das wohl gelungen ist?
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Februar 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Sally Lunn’s in Bath – „Historic Eating House“

Mitten im Zentrum der alten, sehenswerten Stadt Bath in Somerset steht das älteste Haus der Stadt. Hier gründete Sally Lunn ca. 1680 ihre berühmte Bäckerei, deren Waren sich bald in der vornehmen Gesellschaft großer Beliebtheit erfreuten. Noch heute kann man in Sally Lunn’s Teehaus die berühmten Bath Buns probieren, eine Art Rosinenbrötchen, die direkt im Haus nach einem geheimen Rezept hergestellt werden. Man versuchte immer wieder in den USA, in Australien und auch in Großbritannien die Buns zu kopieren, aber die wirklich echten werden nur bei Sally Lunn’s gebacken.

Sehenswert ist auch der aus der Römerzeit stammende Keller des Gebäudes, der in ein kleines Museum umgewandelt wurde, in dem u.a. auch die ursprüngliche Küche zu besichtigen ist.

Sally Lunn war übrigens ein junges Mädchen, das vor über 300 Jahren aus Frankreich flüchtete, in diesem alten Haus in Bath Arbeit fand und hier die Buns erstmals buk.

Sally Lunn’s ist täglich von 10 Uhr bis 21 Uhr geöffnet; ab 17 Uhr wird ein Early Dinner und ab 18 Uhr ein Abendessen bei Kerzenschein angeboten. Hier ist ein Film über das Etablissement.

Sally Lunn’s House
4 North Parade Passage
Bath, BA1 1NX.

 

Published in: on 20. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Aida in Winslow – Freiluftopern-Aufführungen in Buckinghamshire

Jedes Jahr im Juli machen sich Opernfans aus London und anderen Teilen des Landes auf den Weg nach Winslow, einer Kleinstadt nördlich von Aylesbury in der Grafschaft Buckinghamshire. Vor der Kulisse von Winslow Hall werden dort Opern aufgeführt, deren Inszenierungen einen sehr guten Ruf genießen. Vom 1. bis zum 12. Juli wird Verdis Oper „Aida“ gezeigt, unter der musikalischen Leitung von Oliver Gilmour, dem Bruder des Hausherrn von Winslow Hall, Christopher Gilmour. Oliver Gilmour hat sich bereits einen Namen gemacht als Dirigent der bulgarischen Staatsoper und des Sofia Symphonieorchesters.

Winslow Hall Opera scheut keine Vergleiche mit Glyndebourne und Garsington und ist bestrebt, namhafte Sängerinnen und Sänger in die Provinz zu holen, offensichtlich mit Erfolg, denn jedes Jahr kommen etwa 1600 Zuschauer bzw. Zuhörer hierher. Die Aufführungen in den letzten Jahren bestanden ebenfalls aus Verdi-Opern „Il Trovatore“ (2018) und „Un Ballo in Maschera“ (2017). 2012 wurde die Winslow Hall Opera ins Leben gerufen, nachdem Christopher Gilmour das Haus zwei Jahre zuvor gekauft hatte.

Winslow Hall wurde um das Jahr 1700 herum gebaut und soll von Sir Christopher Wren entworfen worden sein, wobei man sich aber nicht ganz sicher ist. Das Haus erlebte eine wechselvolle Geschichte, diente Mitte des 19. Jahrhunderts einige Jahre lang als Irrenanstalt, wurde von der Northampton Glass Bottle Company übernommen und im Zweiten Weltkrieg vom RAF Bomber Command reqiriert. Nach dem Krieg war Winslow Hall in einem schlechten Zustand und konnte gerade noch einem Abbruch entkommen. Es wechselte mehrfach den Besitzer (Tony Blair soll an einem Kauf interessiert gewesen sein). Schließlich kaufte es Christopher Gilmour, der umfangreiche Renovierungsarbeiten vornahm. Jetzt ist das attraktive Haus also wieder in guten Händen und zieht alljährlich durch die Opernfestspiele Besucher an.

Hier ist ein Ausschnitt aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“ zu hören, die 2014 aufgeführt wurde.

Winslow Hall Opera
Sheep Street
Winslow
Buckinghamshire
MK18 3HL

Die Sheep Street in Winslow, die an der Hall vorbeiführt.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Steve Haywood: One Man and a Narrowboat

Foto meines Exemplares.

Anders als Paul Gogarty (siehe dazu meinen Blogeintrag), der 900 Meilen auf englischen Kanälen gefahren ist, hat Steve Haywood  nur die Stecke Oxford – Bristol mit einem Hausboot abgefahren. Da ich selbst einmal die Strecke Evesham – Stratford – Evesham mit einem Narrowboat gefahren bin, las ich mit großem Interesse Steve Haywoods Buch „One Man and a Narrowboat: Slowing Down Time on England’s Waterways„.

A very enjoyable book  to read – light-hearted, interesting and informative. What a way to travel!“ meint David Suchet, der als Darsteller des Hercule Poirot in der Fernsehserie „Poirot“ Erfolg hatte und der auch als Vizepräsident des Lichfield and Hatherton Canals Trusts an englischen Kanälen sehr interessiert ist.

Man lernt eine ganze Menge aus diesem Buch, das im Zeitlupentempo durch die englische Landschaft über Banbury, Stratford-upon-Avon, Tewkesbury, Gloucester, über die Severnmündung (die nicht ganz so einfach mit einem Narrowboat zu bewältigen ist) bis nach Bristol führt. Wer eine Hausboot-Tour auf diesem Streckenabschnitt plant, kann sich mit diesem Buch optimal vorbereiten. Der Narrowboat-Neuling sollte das aber nicht allein wie Haywood tun, sondern mindestens zu zweit unterwegs sein, denn es erwarten den „Kapitän“ Dutzende von Schleusen unterwegs und die sind nicht so ganz leicht allein zu bewältigen!

Steve Haywood: One Man and a Narrowboat: Slowing Down Time on England’s Waterways. Summersdale 2009. 309 Seiten. ISBN 978-1-84024-736-7.

 

Published in: on 18. Februar 2020 at 02:00  Comments (6)  

Das Roald Dahl Museum und Story Centre in Great Missenden (Buckinghamshire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Great Missenden ist eine Kleinstadt in Buckinghamshire (erheblich größer als Little Missenden, ein paar Kilometer südlich gelegen) und vielleicht Fans der TV-Serie „Inspector Barnaby„, bewusst oder unbewusst, bekannt durch die Episoden 26 „Painted in Blood“ (dt. „Der Tod malt mit“) und 81 „Fit for Murder„(dt. „Gesund aber tot“).

Mehr als 30 Jahre war Great Missenden der Wohnort des bekannten englischen Kinderbuchautors Roald Dahl. Dahl wurde 1916 in Wales geboren und starb 1990 in Great Missenden. Hier setzte man ihm auch mit dem 2005 eingeweihten Roald Dahl Museum und Story Centre ein Denkmal.
Charlie und die Schokoladenfabrik„, „James und der Riesenpfirsich“ und „Hexen hexen“ gehören mit zu seinen größten Erfolgen, die auch verfilmt wurden. Ich habe die Kinderbücher nie gelesen, fand aber sein Kurzgeschichtenbände „Küsschen, Küsschen“ und „…und noch ein Küsschen“ sehr lesenswert. Dahl schrieb übrigens auch das Drehbuch zu dem James Bond-Film „Man lebt nur zweimal„.

Im Museum kann man sich nicht nur über den Schriftsteller informieren, hier sollen Kinder kreativ und aktiv werden und ihre Fantasie spielen lassen.  Für diese vielen Initiativen erhielt das Museum bisher über ein Dutzend Auszeichnungen, zum Beispiel 2018 den VisitEngland Gold Accolade und den Sandford Award.
Ich habe das Museum einmal besucht, muss aber sagen, dass es doch mehr Kinder mit ihren Eltern anspricht, als kinderlose Erwachsene.

Das Museum ist, außer montags, täglich geöffnet und kostet £7 Eintritt für Erwachsene, £4.70 für Kinder ab 5 Jahren.

Hier ist ein Film über das Roald Dahl Museum.

Siehe auch meinen Blogeintrag über Roald Dahls Grab in Great Missenden.

Im Innenhof. Eigenes Foto.

Im Innenhof.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Canons Ashby Manor House in Northamptonshire

Das Dörfchen Canons Ashby liegt etwa auf halbem Wege zwischen Banbury in Oxfordshire und Northampton in…natürlich Northamptonshire. Der Ort besteht nur aus einer Handvoll Häuser und wird beherrscht von der Parish Church St Mary, ein Überbleibsel der einstigen Canons Ashby Priory, und dem Canons Ashby Manor House, das dem National Trust gehört.

Das Manor House war über mehrere Jahrhunderte der Familiensitz der Drydens, die es im 16. Jahrhundert erbauten und im Laufe der Zeit immer wieder Veränderungen an ihm vornahmen. Vorher war auf dem Gelände eine Priorei, von deren Mönchen man sagte, dass sie lieber alkoholischen Getränken zusprachen als sich um ihre geistlichen Aufgaben zu kümmern.

Sir Henry Edward Leigh Dryden bewohnte das Manor House im 19. Jahrhundert, das er im Alter von 19 Jahren geerbt hatte, leider auch mit den dazugehörigen Schulden. Sir Henry schwor sich, nicht eher den Bund der Ehe einzugehen, bis er nicht auch das letzte Pfund dieser Schulden getilgt haben würde. Ein Mann, ein Wort, er hielt durch und zwar bis zu seinem 47. Lebensjahr, dann war Canons Ashby House schuldenfrei, und er konnte seine Geliebte, die sieben Jahre jüngere Frances Tredcroft ehelichen, die so lange auf ihn gewartet hatte. Bald kam auch ein Kind ins Haus, ein Mädchen namens Alice. Sir Henry hätte zwar lieber einen Sohn gehabt (für seinen Geschmack gab es im Haus zu viele Frauen; er soll deswegen zwei Dienstmädchen entlassen haben, die seine Frau aber gleich wieder einstellte), aber bald gewöhnte er sich an den Gedanken einer weiteren Frau im Haus, und er schloss Alice in sein Herz. Aus ihr wurde später eine begeisterte Fotografin, mit einer Vorliebe für historische Gebäude, und Historikerin, die mehrere Bücher veröffentlichte. Nachdem ihre Eltern gestorben waren, zog sie aus Canons Ashby House aus, da sie als Frau den Familiensitz nicht erben konnte (das Haus ging an ihren Onkel, Sir Alfred Erasmus Dryden).

Haus, Garten und Park stehen für Besuche offen (£11 kostet der Eintritt). Wen danach gelüstet, im Canons Ashby House einmal zu wohnen, der hat die Gelegenheit dazu, denn der Landmark Trust vermietet ein Apartment im oberen Teil des Turmes; hier sind weitere Informationen darüber.

Dieser Film zeigt einen Besuch im Manor House.

St Mary’s Parish Church.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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IKEA in Coventry – Ein Möbelhaus schließt seine Pforten

Am 16. Dezember 2007 war der Teufel los in der Innenstadt von Coventry (Warwickshire): Eine neue IKEA-Filiale wurde an der Croft Road eröffnet. Die Menschen standen Schlange und warteten, dass sich die Eingangstüren endlich öffneten, dann stürmten sie hinein, Kinder schwenkten gelbe IKEA-Fähnchen, es gab jede Menge Sonderangebote, der Laden brummte. Für £35 Millionen hatte das schwedische Möbelhaus ein architektonisch eindrucksvolles Gebäude in das Zentrum geklotzt, das auf sieben Verkaufsebenen seine Produkte feil bot.

Jetzt ist Katerstimmung in das Möbelhaus eingekehrt, denn vor einigen Tagen kündigte IKEA an, seine Filiale, eine von 22 in Großbritannien, im Laufe des Jahres zu schließen; so etwas hat es bisher noch nicht gegeben. 352 Arbeitsplätze werden wegfallen. Die Firma hatte schon über eine längere Zeit rote Zahlen geschrieben, die Kunden blieben mehr und mehr aus, so dass IKEA jetzt die Reißleine zog und das Ende seines riesigen Ladens ankündigte.

Wie konnte es dazu kommen? Hatten die Einwohner Coventrys keine Lust mehr, ihre gekauften Möbel mühsam selbst zusammenzuschrauben (was ich absolut nachvollziehen könnte!)? Es war wohl ein Fehler von Seiten der Firma, mitten im Stadtzentrum ein Kaufhaus zu erbauen. In den meisten Fällen werden diese Riesenkaufhäuser draußen auf der sogenannten „grünen Wiese“ konzipiert, mit entsprechend großen Parkflächen. Die Kosten für den Unterhalt des mehrstöckigen Gebäudes waren höher und die „shopping experience“ war für die Kunden geringer, das Aus für das Möbelhaus lag auf der Hand. Dazu kommt, dass sich das Kaufverhalten der Menschen nach und nach verändert hat; das heißt, Kunden ziehen die großen Einkaufszentren am Stadtrand vor, wo sie alles unter einem Dach haben, und dann kommt natürlich der ständig wachsende Online-Handel dazu. Ein Problem, mit dem selbstverständlich nicht nur IKEA zu kämpfen hat.

Wer in der nächsten Zeit in Coventry Appetit auf Köttbullar verspürt oder sich unbedingt ein Billy-Regal zulegen möchte, der muss die nächstgelegenen IKEA-Häuser in Birmingham, Nottingham oder Milton Keynes aufsuchen.

 

Published in: on 15. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Gefahr der fortschreitenden Küstenerosion im Zuge der Klimaerwärmung

An der Küste von East Yorkshire.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Die Erosion der Küsten, speziell im Osten Englands, gab es schon immer, doch durch den Klimawandel und dem damit verbundenen Anstieg des Meeresspiegels und der zunehmend stärker werdenden Stürme dürfte sich dieses Problem in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich verschlimmern. „Treat coastal erosion as a natural catastrophe, UK ministers urged„, titelte The Guardian am 19. Januar diesen Jahres und nannte als Beispiel die Küste im Osten der Grafschaft Yorkshire, zwischen Bridlington und Withernsea, „the fastest-eroding coastline in northern Europe.“ In dieser Region nehmen die Küstenabbrüche wesentlich stärker zu als ursprünglich prognostiziert.

Das Committee of Climate Change (CCC) wagte eine Prognose bis in die 2080er Jahre und kam zu dem Schluss, dass in den nächsten 60 Jahren mehr als 100 000 Immobilien Gefahr laufen, ins Meer zu stürzen, dazu kommen 1600 Straßenkilometer, 650 Kilometer Eisenbahnstrecken, zahlreiche Deponien auf denen gefährliche Stoffe gelagert und viele Kraftwerke, die dicht an die Meeresküste gebaut worden sind. 12 von 19 Atomkraftwerken in Großbritannien sind bis in die 2080er Jahre durch Küstenerosion oder durch Überflutungen stark gefährdet, wenn nicht Schutzmaßnahmen, die sehr viel Geld kosten, eingeleitet werden.

Das Government Office for Science hat in seiner Studie „Future of the sea: Current and future impacts of sea-level rise on the UK“ untersucht, welche Auswirkungen ein Anstieg des Meeresspiegels um 30 cm, 60 cm und 250 cm auf die britische Küstenlandschaft haben würde. Darin werden die finanziellen Schäden prognostiziert, aber auch beispielsweise wie viele Krankenhäuser, Altersheime, Arztpraxen und Schulen zum Opfer fallen würden…und da sind schon beängstigende Zahlen herausgekommen wie man hier nachlesen kann.

Wird man das Problem in den nächsten Jahrzehnten in den Griff bekommen? Es wird natürlich auch jetzt schon einiges getan, zum Beispiel an der Küste von Norfolk, um dort das Bacton Gas Terminal zu schützen. Eine niederländische Spezialfirma hat an einem Küstenabschnitt von 5,5 Kilometern 1.8 Millionen Kubikmeter Sand angeschüttet, was dem Gasterminal und dem Hinterland schätzungsweise 15 bis 20 Jahre Schutz gewährt. Dieser Film zeigt dieses „Sandscaping“-Projekt.

Hier ist ein Film über die Situation in einer besonders gefährdeten Region in Norfolk.

Bei Overstrand in Norfolk.
Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)

Bei Happisburgh in Norfolk.
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – John Bercow: Unspeakable – The Autobiography

Foto meines Exemplares.

In meinem letzten Blogeintrag des Jahres 2019 stellte ich den neuen Speaker des britischen Unterhauses, Sir Lindsay Hoyle, vor, der dem legendären John Bercow folgte. Bercow hatte dieses Amt von 2009 bis zum 4. November 2019 inne. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern war er auch außerhalb Großbritanniens bekannt geworden, nicht zuletzt durch seine „Oooooorder„-Rufe, wenn es im Parlament einmal wieder hoch her ging.

John Bercows Autobiografie „Unspeakable“ ist am 6. Februar erschienen, und ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, denn es gibt einen tiefen Einblick in die parlamentarischen Abläufe Großbritanniens. Der Politiker, MP der Stadt Buckingham, nimmt in seinen Memoiren kein Blatt vor den Mund und sagt darin klipp und klar, wen er in den zehn Jahren seines Amtes als Speaker mochte und nicht mochte. Zu seinen Gegnern zählt unter anderen der Ex-Premierminister David Cameron („David Cameron was vehemently opposed to my election and attempted, clumsily and ineffectively, to prevent it“). John Bercow lässt auch kein gutes Haar an Camerons Nachfolgerin Teresa May und schreibt: „Her performance was off-the-scale awful – toe-curling, cringe-making, spine-chilling and medal-winning in the infliction of self-harm“.
Natürlich nehmen die endlosen Brexit-Debatten einen guten Teil des Buches ein. Zu dem Thema bezieht Bercow klar Stellung: „Brexit is the most chronic threat to the British national interest“.

Interessant sind auch John Bercows Meinungen über Staatsmänner anderer Länder wie Donald Trump („Trump is a bigot, a menace and a global embarrassment“) und Xi Jinping, dessen Rede er vor den beiden Häusern des Parlaments so beschreibt: „It was staggeringly, mind-numbingly, ball-breakingly dull“.

Bercow formuliert seinen politischen Werdegang so: „…from a right-wing Thatcherite to left-of-centre, one-nation, socially liberal, equality-supporting back-bencher who was widely -though wrongly – suspected of having contemplated defecting to Labour“.

Ein höchst lesenswertes Buch!!

Am 19. März erscheint ein weiteres Buch über den Ex-Speaker: „John Bercow: Call to Order“ von Sebastian Whale, einem Insider, der für das wöchentlich erscheinende Parlamentsmagazin The House arbeitet.

John Bercow: Unspeakable – The Autobiography. Weidenfeld & Nicolson 2020. 451 Seiten. ISBN 978-1-4746-1662-1.

 

The Deep – Eines der spektakulärsten Aquarien der Welt in Hull (East Riding of Yorkshire)

Hull ist eine Stadt in East Yorkshire, die weitab von den anderen Metropolen des Landes liegt und deren Ruf immer noch nicht der beste ist, obwohl man einiges getan hat, um dem entgegenzuwirken. 2002 wurde ein eigenartiges Gebäude an der Mündung des Humber eingeweiht, in dem sich „The Deep“ befindet, eines der spektakulärsten Aquarien und Meeresmuseen der Welt. Dieser Film gibt einen ersten Eindruck.

Der vielfach ausgezeichnete Architekt Sir Terry Farrell hat das Gebäude entworfen über das er sagt: I genuinely consider that this project has the potential to be regarded as one of the most characterful and unique new public buildings in Britain

Im Zentrum von „The Deep“ steht das 10m tiefe Aquarium in einem 2,5 Millionen Liter Tank, in dem zahllose Fische zu sehen sind, u.a. sieben verschiedene Arten von Haien. Ein Höhepunkt bei der Besichtigung des Aquariums ist die Handfütterung der Haie durch Taucher.
Weiterhin gibt es hier jede Menge audiovisuelle und interaktive Ausstellungen zu sehen, so dass auch Kinder in dem Museum voll auf ihre Kosten kommen.

„The Deep“ ist aber nicht nur eine Touristenattraktion, sondern hier führen Meeresbiologen auch Forschungsarbeiten durch.

„The Deep“ ist täglich von 10 – 18 Uhr geöffnet (£14 Eintrittspreis, bei Onlinebuchung £12.60), hat einen Shop, zwei Cafés und das „Two Rivers Restaurant„, das allerdings nur donnerstags, freitags und samstags am Abend geöffnet ist und einen Blick auf das riesige Aquarium bietet.

 

Published in: on 12. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Exportschlager der Isle of Wight: Knoblauch

Wer mit den obligatorischen Ausdünstungen des Genusses von Knoblauch seine Probleme hat, sollte das Wochenende vom 14. und 15. August 2020 vielleicht nicht gerade auf der Isle of Wight verbringen, denn dann findet wieder das Garlic Festival statt. Wer immer schon einmal Knoblauchbier oder Knoblaucheis probieren wollte, wird hier fündig.

Mehr als 300 Stände werden wieder auf dem Gelände in Newchurch, zwischen Sandown und Newport, aufgebaut und darüber hinaus gibt es noch jede Menge Unterhaltung für die ganze Familie. Seit 1983 gibt es das Knoblauch-Festival schon auf der Insel, die der Grafschaft Hampshire vorgelagert ist und es erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Sogar eine Garlic Queen wird hier jedes Jahr gewählt. Doch ob diese hübsche junge Dame während des Festivals auch viel Knoblauch zu sich nimmt, weiß ich nicht…andererseits heißt es ja, dass, wenn in einer Runde alle Knoblauch essen, man die Ausdünstungen der anderen nicht merkt.

Die Isle of Wight exportiert mehr Knoblauch als ganz Frankreich, und Pariser Spitzenköche setzen die Knolle gern in ihren Restaurants ein.
Wem das Garlic Festival zu trubelig ist, kann außerhalb dieses Wochenendes jederzeit die ganz in der Nähe liegende Garlic Farm aufsuchen, in deren Shop man alles rund um Knoblauch kaufen kann. Hier gibt es unter anderem Exotisches wie Black Garlic Vodka, das oben erwähnte Garlic Beer, Oak smoked garlic butter, fresh jumbo elephant garlic und vieles andere mehr zu kaufen.

Eines ist sicher: Die Chancen auf der Isle of Wight auf einen Vampir zu stoßen, sind außerordentlich gering!

Hier sind Impressionen vom Garlic Festival 2018 zu sehen.

Knoblauchanbau auf der Garlic Farm.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Die Garlic Farm bei Newchurch.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 11. Februar 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Edward Platt: The Great Flood – Travels Through a Sodden Landscape

Foto meines Exemplares.

Ciara heißt der Sturm, der am Wochenende und am Montag über Großbritannien hinwegfegte („the worst of the century“ laut dem Met Office) und der starke Regenfälle mit sich brachte. Die Folge: Neben den Sturmschäden traten auch wieder Flüsse über die Ufer. 214 Warnungen vor Überflutungen wurden am Sonntag ausgesprochen.

Mit dem Thema Überflutungen beschäftigt sich Edward Platt in seinem Buch „The Great Flood – Travels Through a Sodden Landscape„, und er vertritt die Meinung, dass diese immer häufiger und immer heftiger ausfallen.

Im Laufe von zwei Jahren, von 2013 bis 2014 hat der Autor die Ortschaften aufgesucht, die am häufigsten von Überflutungen heimgesucht worden sind und hat mit den Hausbewohnern gesprochen, die verzweifelt gegen die Wassermassen angekämpft haben, in den meisten Fällen ohne Erfolg.

Edward Platt besuchte beispielsweise die Somerset Levels in der gleichnamigen Grafschaft, ein niedrig gelegenes Gebiet, das von mehreren Flüssen durchzogen wird wie dem River Parrett, der im Winter 2013/14 zu einem reißenden Strom wurde und weite Teile der Levels unter Wasser setzte wie dieser Film zeigt.

Das Themsetal, zum Beispiel in der Region Windsor/Datchett ist immer wieder betroffen, dort stehen dicht am Ufer des Flusses wunderschöne und sehr teuere Häuser, vor denen die Fluten auch keinen Halt machen.

Manche der Bewohner der betroffenen Häuser geben auf und ziehen weg, die meisten jedoch bleiben, in der Gewissheit, dass sie früher oder später erneut Opfer der Wassermassen werden.

Edward Platt: The Great Flood – Travels Through a Sodden Landscape. Picador 2019. 303 Seiten. ISBN 978-1-4472-9819-9.

Die überfluteten Somerset Levels.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 10. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Smart Motorways – Pro und Kontra

Ein Teil der M3 in Hampshire wird als Smart Motorway ausgebaut.
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Über 600 Kilometer aller britischen Autobahnen sind als Smart Motorways ausgebaut; eine gute Idee? Da gehen die Meinungen auseinander.

Es gibt drei verschiedene Arten dieser „intelligenten Autobahnen“: Da ist einmal die „Dynamic hard shoulder„, das heißt, die Standspur darf bei hohem Verkehrsaufkommen zeitweilig mitbenutzt werden, um den Verkehrsfluss zu beschleunigen (Beispiel: Die M4 zwischen Junction 19 und 20). Dann gibt es das System des „All lane running„, was bedeutet, dass der Standstreifen permanent befahren werden darf (Beispiel: Die M1 zwischen Junction 16 und 19). Schließlich noch der „Controlled motorway„; dabei ist der Standstreifen nicht für den fließenden Verkehr nutzbar (Beispiel: Die M42 zwischen Junction 7 und 9) . Bei allen drei Arten des Smart Motorways werden die Geschwindigkeitsbegrenzungen dem Verkehrsaufkommen angepasst, was durch Überwachungskameras kontrolliert wird.
Hier ist ein Film des RAC wie man die Smart Motorways nutzt.

Das klingt eigentlich alles sehr positiv, doch die Smart Motorways haben auch ihre Gegner, die zu Recht der Meinung sind, dass, wenn Autofahrer auf der Standspur, die als Fahrspur frei gegeben ist, mit einer Panne liegen bleiben, die Unfallgefahr erheblich zunimmt. In den letzten fünf Jahren sind 38 Menschen auf diesen Streckenabschnitten gestorben, und die Zahl der Beinahe-Unfälle hat sich drastisch erhöht. Auf der M25 zum Beispiel, wo auf bestimmten Abschnitten das „All lane running“ eingeführt wurde, ist die Gefahr eines Beinahe-Unfalls um das zwanzigfache gestiegen.

Es gibt zwar im Abstand von 2500 Metern Nothalteplätze, aber manchmal können diese von Autofahrern nicht mehr angesteuert werden, so sind Forderungen laut geworden, diese „emergency areas“ alle 800 Meter anzulegen. Es gibt zwar auf einigen Autobahnen das Stopped Vehicles Detection System, das innerhalb von zwölf Sekunden liegen gebliebene Fahrzeuge entdeckt und diese an die Überwachungszentralen meldet, aber bei dichtem Verkehr können trotzdem gefährliche Situationen entstehen, bis ein Bergungsfahrzeug eintrifft.

Eine Horrorvorstellung für jeden Autofahrer ist, mitten auf einer mehrspurigen Autobahn eine Panne zu haben. Aussteigen geht nicht, sitzen bleiben ist auch gefährlich. Was tun? Wenn das Autobahnkontrollzentrum so einen Fall auf dem Überwachungsbildschirm entdeckt, kann es sofort den betroffenen Fahrstreifen für den Verkehr sperren, indem auf den Anzeigetafeln ein rotes X für die Fahrspur erscheint, die dann nicht mehr befahren werden darf.

Auch Rettungs- und Polizeifahrzeuge haben es schwer, an einen Unfallort zu gelangen, wenn die Standspur, die sie sonst nutzen können, für den Verkehr freigegeben ist wie dieser Film zeigt.
Smart oder Nicht-Smart, es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Smart Motorway: Die M6 in Staffordshire.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Februar 2020 at 02:00  Comments (5)  
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„We are UK“ – Eine wunderschöne Collage von Nicola Metcalfe

Copyright Nicola Metcalfe. With friendly permission.

In meinem Blogeintrag vom 5. Juni 2017 schrieb ich über die Künstlerin Nicola Metcalfe, die ich mittlerweile auch persönlich kennengelernt habe und mit der ich befreundet bin. Sie wohnt und arbeitet in Marlow an der Themse und so stehen auch Motive aus ihrer Heimatstadt oft im Mittelpunkt ihres Schaffens (ich habe ein ganz tolles Kissen mit Marlow-Motiven, siehe Foto unten).

In meinem Blog erwähnte ich damals ihren DIN-A1-Druck „We are UK„, auf 100 Exemplare beschränkt, den ich gerahmt in meinem Wohnzimmer hängen habe. Er gehört zu den Bildern, die man sich immer wieder ansehen kann und auf dem man ständig Neues entdeckt. In den Umriss Großbritanniens hat Nicola Metcalfe kleine Zeichnungen eingefügt, die typisch für die jeweilige Region oder Stadt sind und dabei hat sie sehr viel Fantasie walten lassen und viel recherchiert. Leider kann man auf dem Bild oben nicht sehr viele Details erkennen, darum nenne ich hier einige Beispiele:

Für Kendal in Cumbria steht da ein Bild der für die Stadt typischen Kendal Mint Cakes, gleich daneben die Abbildung eines Lastwagens mit der Aufschrift „Teddie Metcalfe“, eine Anspielung auf das Transportunternehmen Eddie Stobart, das 1970 in Carlisle (Cumbria) gegründet wurde. Gehen wir auf der Karte weiter in den Süden, wo man in der Grafschaft Buckinghamshire, dort, wo die Stadt High Wycombe zu finden ist, einen Stuhl sehen kann, der für die dortige Stuhlindustrie steht; gleich darunter ist die Abbildung der Kettenbrücke in Marlow, die über die Themse führt, und ein Konterfei des Monsters Frankenstein, das hier in Marlow das Licht der Welt erblickte und von Mary Shelley, die in der West Street wohnte, aus der Taufe gehoben wurde. Im Südosten auf der Karte steht ein Exemplar des Buches „Canterbury Tales“ für die Kathedralenstadt, die Abbildung einer Teekanne macht auf Teapot Island bei Yalding in Kent aufmerksam, wo ein Teekannen-Museum auf Besucher wartet. Brighton an der Südküste wird durch den Brighton Pavilion symbolisiert und die Isle of Wight durch eine Knoblauchknolle als Knoblauchzentrum Großbritanniens.

Diese wenigen Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt der Darstellungen auf der „We Are UK“-Karte. Der Druck kostet £52, plus Porto und Verpackung, und ist jeden Penny wert. Ideal als Geschenk für Freunde Großbritanniens oder Zum-Sich-Selber-Schenken. Hier ist der Link zu Nicolas Shop, dort kann man sich die Details der Karte auch genauer ansehen und vergrößern.

Dieses Kissen führe ich immer in meinem Auto mit.

Published in: on 8. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Black Pudding aus Bury in Lancashire

 

Black Pudding (links) auf einem Frühstücksteller. Author: Grinner This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license. Subject to disclaimers.

Black Pudding (links) auf einem Frühstücksteller.
Author: Grinner
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Wer einmal in einem englischen Hotel das „Full English Breakfast“ bestellt, findet auf seinem Teller häufig Black Pudding vor, eine Art Blutwurst, meistens in warmem Zustand.

Black Pudding ist eng mit der Stadt Bury verbunden, die nur einige Meilen nordwestlich von Manchester liegt. Europäische Mönche sollen das Rezept für diese Blutwurst nach England mitgebracht haben, wo es besonders in Lancashire großen Anklang fand und wo auch heute noch immer das Zentrum für die Herstellung liegt.

The Bury Black Pudding Company, 1929 gegründet,  gehört zu den bekanntesten Herstellern, deren Produkte sowohl auf dem Wochenmarkt in Bury zu finden sind, als auch online bestellt werden können und die schon eine Reihe von Preisen gewonnen haben.

Eine weitere Firma, die für sich in Anspruch nimmt, den besten Black Pudding herzustellen, ist The Real Lancashire Black Pudding Company, die in Rossendale liegt und auch viele Preise gewonnen hat.

Dass man mit Black Pudding auch hervorragend werfen kann und damit sogar Weltmeisterschaften ausgetragen werden, zeigt dieser Blogeintrag.

Hier ist ein Video über die Herstellung der Blutwurst, das ich Veganern, Vegetariern und empfindlichen Gemütern nicht empfehlen kann. Zum Trost: Es gibt auch vegetarischen und veganen Black Pudding.

In Rossendale
Photo © liz dawson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Februar 2020 at 00:00  Comments (4)  
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The Emperors Heads am Sheldonian Theatre in Oxford

The Sheldonian Theatre mit einer der Büsten.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

In Oxford herrscht wirklich kein Mangel an imposanten Gebäuden; eines davon ist das Sheldonian Theatre in der Broad Street, direkt gegenüber einer der berühmtesten Buchhandlungen des Landes, Blackwell’s. Das Sheldonian Theatre gehört der Universität von Oxford, die hier Veranstaltungen und universitäre Feiern durchführt. Erbaut wurde es von niemand Geringerem als Sir Christopher Wren in den Jahren 1664 bis1669, benannt nach dem damaligen Erzbischof von Canterbury Gilbert Sheldon.

Der Bildhauer William Byrd wurde beauftragt, um den Eingang des Theaters herum halbkreisförmig dreizehn Köpfe zu schaffen, die als Emperors Heads bezeichnet wurden. Ob die auf Säulen ruhenden Büsten tatsächlich Kaiser darstellen sollen, ist bis heute unklar geblieben. Manche sprechen auch von Philosophen, andere wiederum von den zwölf Aposteln, wobei sich die Frage stellt, wer denn dann die dreizehnte Person ist.

Bis zum Jahr 1868 standen die Köpfe da vor dem Theater und beobachteten, was um sie herum so alles geschah; doch der Zahn der Zeit nagte an ihnen (obwohl es noch keine Autoabgase in der Broad Street gab) und so wurden sie durch neue ersetzt. Diese hielten nur noch hundert Jahre, und so kam die dritte Kopf-Generation zum Zuge, die der Bildhauer Michael Black erschuf (sie wurden 1972 aufgestellt) und sich dabei eng an die ursprünglichen Vorlagen hielt. Wie lange mögen diese dreizehn Herren wohl der Luftverschmutzung in der Broad Street standhalten?

Vor einigen Jahren machte sich ein Team der School of Geography and the Environment auf die Suche nach den alten Köpfen und fand diese auch überall in Oxford verstreut (hier ist ein Film über das Projekt). Sie wurden im vorigen Jahr in einer speziellen Ausstellung in der Weston Library, gegenüber vom Sheldonian Theatre, der Öffentlichkeit gezeigt.

Hin und wieder findet man einige der „Emperors“ durch Studentenstreiche verunziert, so setzt man ihnen gern rot-weiß gestreifte Absperrhütchen auf den Kopf, die überall an Baustellen zu finden sind. Die Figuren tragen das alles mit sehr viel Geduld, vielleicht freuen sie sich auch über die Abwechslung in ihrem ziemlich gleichförmigen Leben.

Published in: on 6. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Top 5 Gastropubs des Jahres 2020

Im Januar 2016 stellte ich schon einmal die besten Gastropubs des Jahres vor, die die spanische Brauerei Estrella Damm jedes Jahr neu zusammenstellt. Viel hat sich eigentlich in diesen vier Jahren ganz oben an der Spitze nicht getan, denn drei dieser auf hervorragendes Essen spezialisierten Pubs finde wir in der aktuellen Liste 2020 wieder.

Auf Platz 1 finden wir, und das ist neu: The Harwood Arms im Londoner Stadtteil Fulham.
Dies ist der einzige Pub in der Hauptstadt, der sich eines Michelinsternes rühmen kann. Sally Abé steht am Herd, die auch zum Chef of the Year 2020 auserkoren wurde. Sie hat ihr Handwerk im Claridge’s in London bei Gordon Ramsey erlernt. Hier ist ein Film.

Seit Jahren hält sich The Sportsman bei Seasalter (Kent) unter den besten Restaurants des Landes; 2018 und 2019 auf Platz 1 der Top Gastropubs, in diesem Jahr nimmt er Platz 2 ein. Stephen Harris, der sich das Kochen selbst beigebracht, ist für den Erfolg dieses an der Nord-Küste Kents gelegenen Pub verantwortlich. Hier ist ein Film.

Auf Platz 3 finden wir in diesem Jahr Freemanson’s at Wiswell bei Clitheroe im fernen Lancashire. Auch Steven Smiths Pub ist ein alter Bekannter, seit mehreren auf der Liste zu finden. Auch der Good Food Guide hat den Gastropub im Ribble Valley als einen der besten im Land ausgezeichnet.

Platz 4 nimmt The Star Inn in Harome (North Yorkshire) ein, seit ewigen Zeiten einer besten Pubs Englands. Andrew Pern steht seit über 20 Jahren in diesem hübschen, reetgedeckten Haus aus dem 14. Jahrhundert am Herd. Er besitzt noch drei weitere Pubs, zwei in York und einen in Whitby. Hier ist ein Film.

Und auf Platz 5 steht The Coach in Marlow, Tom Kerridges zweiter Pub in Marlow (Buckinghamshire), der einen Michelinstern besitzt; sein anderer, The Hand and Flowers in Marlow, hat sogar zwei, der steht aber auf der Liste auf Platz 12. Ich kam kürzlich am The Coach vorbei, er sah von außen nicht besonders aus, aber die Werte liegen hier wohl eher innen.

 

 

 

Published in: on 5. Februar 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Norfolk Lavender bei Heacham in Norfolk

Lavendel verbindet man gedanklich eigentlich mehr mit der Provence, aber auch in England wird diese duftende Pflanze angebaut, speziell von der Norfolk Lavender Company bei Heacham in Norfolk, nicht weit vom königlichen Sandringham House entfernt.
Bereits 1932 wurde die Firma gegründet und schon damals konnte man in einem kleinen Laden Lavendel kaufen, doch erst Mitte der 50er Jahre wurde das Ganze in größerem Stil erweitert und bildet heute ein beliebtes Ausflugsziel.

Neben den Lavendelfeldern kann man auch die Distillery besichtigen, in der Lavendelöl hergestellt wird; es gibt die National Collection of Lavenders und es werden geführte Touren angeboten. In der „Lavender Lounge“ kann man sich zwischendurch stärken: Vom Frühstück bis zum Cream Tea gibt es dort alles, was das Herz (bzw. der Magen) begehrt.
Was wäre eine Besucherattraktion ohne Gift Shops? Die gibt es hier natürlich auch. Und was kann man dort kaufen? Genau, alles, was nur im entferntesten mit Lavendel zu tun hat.

Ich habe meinen Besuch bei Norfolk Lavender sehr genossen und kann es nur empfehlen. Hier ist ein Film der ITV über die Lavendelfelder.

Norfolk Lavender
Caley Mill
Lynn Rd
Heacham PE31 7JE

Published in: on 4. Februar 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Mein DVD-Tipp – „Poldark“ – Eine TV-Serie des britischen Senders BBC

Sie müssen sich eigentlich auf den Füßen gestanden haben, die Produktionsteams der ZDF-Serie „Rosamunde Pilcher“ und die der britischen Erfolgsserie „Poldark„, denn beide benutzten so ziemlich dieselben Drehorte in Cornwall.

„Poldark“ beruht auf der gleichnamigen Romanreihe des Schriftstellers Winston Graham (1908-2003), der damit berühmt geworden ist. Das Buch bzw. die TV-Serie handelt von Captain Ross Vennor Poldark, der aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in seine Heimat Cornwall zurückkehrt, wo sich zwischenzeitlich einiges zum Negativen verändert hat. Ross Poldark (gespielt von Aidan Turner, von der UK-Glamour 2016 zum Sexiest Man in the World gewählt) heiratet Demelza Carne (gespielt von Eleanor Tomlinson), und beide müssen so einiges gemeinsam durchstehen. Die Serie spielt im Zeitraum von 1781 bis 1801. Das Drehbuch schrieb Debbie Horsfield, die sich eng an die Romanvorlage hält, in der fünften Staffel allerdings mehr ihrer eigenen Wege geht. Mit dieser Staffel soll nun Schluss sein, aber man weiß ja nie…

In „Poldark“ finden wir eine Mixtur, mit der schon viele andere TV-Serien zuvor auf der Erfolgsspur waren: Mutige Männer, hinterhältige Männer, schöne Frauen, Intrigen, Abenteuer und das alles vor der wunderbaren Kulisse Cornwalls. Mit diesen Zutaten konnte eigentlich nichts schiefgehen.

Am 8. März 2015 wurde die erste Folge in Großbritannien von der BBC ausgestrahlt, die letzte Folge am 26. August 2019. In Deutschland lief „Poldark“ bisher nur auf dem Pay-TV-Sender Sony Channel. Aber es gibt die komplette Serie auf DVD zu kaufen, die fünfte und letzte Staffel erschien am 6. Dezember 2019 bei Edel Motion. Mir liegt die Limited Edition vor, die zusätzlich ein umfangreiches Bonusmaterial beinhaltet, für alle, die ein wenig tiefer in die Hintergründe einsteigen wollen.

Gedreht wurde zum Beispiel in Cornwalls Kynance Cove, in Padstow, an der Botallack Mine und im Bodmin Moor.

Der Stoff wurde schon einmal für die BBC als TV-Serie verwendet, in 29 Episoden in den Jahren 1975 bis 1977. In Deutschland zeigte die ARD 1979 die Serie, sie wurde einige Male wiederholt.

Kynance Cove.
Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Die Botallack Mine in Cornwall.
Photo © Gareth James (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Februar 2020 at 02:00  Comments (13)  
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Ascot Fascinators – Kunstvoll gestaltete Damenhüte beim Pferderennen

Wie jedes Jahr im Juni werden auch 2020 wieder die berühmten Pferderennen in Ascot ausgetragen, ein Highlight im gesellschaftlichen Leben Englands. Die Pferde und die Jockeys sollen zwar im Mittelpunkt stehen, doch das Treiben außerhalb der Bahnen ist für die meisten Besucher viel wichtiger. Man zeigt sich, die Luxuslimousinen stehen aufgereiht auf den Parkplätzen, die meisten Herren tragen Frack und Zylinder und die Damen tragen… fascinators; das sind jene merkwürdigen Hüte, bei deren Gestaltung der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind.

Vogelnester sind da auf den Köpfen der Damen zu erspähen oder Erdbeertörtchen oder jede Menge Federbüsche. Alljährlich wird auch in Ascot der beste Kopfschmuck der Damenwelt prämiert.

Der Dresscode bei Royal Ascot für Damen wurde vor einiger Zeit stark reglementiert. Miniröcke und nabelfreie Tops sind verboten, tiefe Dekolletés ebenso wie Kleider mit Spaghettiträgern. Hüte hingegen sind Pflicht.

Manche basteln sich ihre fascinators selbst, aber natürlich gibt es in London auch spezielle Geschäfte, in denen man diese Hüte kaufen bzw. anfertigen lassen kann.

Der dritte Renntag ist der Ladies‘ Day, an dem die Besucherinnen noch einmal versuchen, das schrillste und sensationellste auf ihre Hüte zu zaubern.

Der Champagner fließt an den Renntagen in Strömen. 150 000 Flaschen sollen es sein, dazu mehrere Tonnen Lachs und Erdbeeren.

In diesem Film werden einige typische Beispiele für Fascinators in Ascot gezeigt.

Mein Buchtipp – Matt Gaw: The Pull of the River – A journey into the wild and watery heart of Britain

Foto meines Exemplares.

The Pull of the River – A journey into the wild and watery heart of Britain“ ist Matt Gaws erstes Buch. Er arbeitet als Journalist für mehrere britische Zeitungen und für das Suffolk Wildlife Trust Magazine. Er lebt in Bury St Edmunds und ist fest in der Grafschaft Suffolk verankert.

In seinem Buch unternimmt Matt Gaw, meistens zusammen mit seinem Freund James Treadaway, Kanufahrten auf britischen Flüssen. Was mir besonders an dem Buch gefallen hat, ist Gaws wunderbare, gepflegte Sprache mit der er die Natur beschreibt. Ein Beispiel auf Seite 9: „The water is full of lilies too. Their buttery, bright-yellow flowers are tightly closed, but their buds periscope out of the water like stalked alien eyes charting our progress„.

Matt und James befahren sowohl kleine Flüsse als auch große wie die Themse und den Severn. Der River Lark zum Beispiel (Suffolk/Cambridgeshire) hat an seinem Oberlauf überhaupt nichts Lerchenhaftes an sich. Im Gegenteil, er ist stark verschmutzt und übersät mit weggeworfenem Unrat und anfangs so flach, dass die beiden ihr Kanu, das den Namen Pipe trägt und das von James Treadaway selbst gebaut wurde, erst einmal eine Strecke tragen müssen. Ganz anders sieht es bei der Themsefahrt der beiden aus, dabei geraten sie mit ihrem Kanu bei Lechlade, also am oberen Teil der Themse in Lebensgefahr als ihr Boot kentert und sie sich nur mit größter Not aus dem Fluss retten können.

Im letzten Kapitel nehmen sich Matt und James den Great Glen Trail in Schottland vor, der sie durch mehrere Lochs, auch Loch Ness, bis nach Inverness führt.

Ich kann das Buch allen empfehlen, die sich für detaillierte Naturbeschreibungen erwärmen können. Man lernt einiges über die britische „waterworld“ und das in einem wunderbaren Schreibstil.

Matt Gaw: The Pull of the River – A journey into the wild and watery heart of Britain. Elliott&Thompson 2019. 268 Seiten. ISBN 978-1-78396-435-2.

Der River Lark in Suffolk.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Themse bei Lechlade in Gloucestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Loch Ness in Schottland, nicht ganz ungefährlich für Kanufahrer.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 1. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen