Smart Motorways – Pro und Kontra

Ein Teil der M3 in Hampshire wird als Smart Motorway ausgebaut.
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Über 600 Kilometer aller britischen Autobahnen sind als Smart Motorways ausgebaut; eine gute Idee? Da gehen die Meinungen auseinander.

Es gibt drei verschiedene Arten dieser „intelligenten Autobahnen“: Da ist einmal die „Dynamic hard shoulder„, das heißt, die Standspur darf bei hohem Verkehrsaufkommen zeitweilig mitbenutzt werden, um den Verkehrsfluss zu beschleunigen (Beispiel: Die M4 zwischen Junction 19 und 20). Dann gibt es das System des „All lane running„, was bedeutet, dass der Standstreifen permanent befahren werden darf (Beispiel: Die M1 zwischen Junction 16 und 19). Schließlich noch der „Controlled motorway„; dabei ist der Standstreifen nicht für den fließenden Verkehr nutzbar (Beispiel: Die M42 zwischen Junction 7 und 9) . Bei allen drei Arten des Smart Motorways werden die Geschwindigkeitsbegrenzungen dem Verkehrsaufkommen angepasst, was durch Überwachungskameras kontrolliert wird.
Hier ist ein Film des RAC wie man die Smart Motorways nutzt.

Das klingt eigentlich alles sehr positiv, doch die Smart Motorways haben auch ihre Gegner, die zu Recht der Meinung sind, dass, wenn Autofahrer auf der Standspur, die als Fahrspur frei gegeben ist, mit einer Panne liegen bleiben, die Unfallgefahr erheblich zunimmt. In den letzten fünf Jahren sind 38 Menschen auf diesen Streckenabschnitten gestorben, und die Zahl der Beinahe-Unfälle hat sich drastisch erhöht. Auf der M25 zum Beispiel, wo auf bestimmten Abschnitten das „All lane running“ eingeführt wurde, ist die Gefahr eines Beinahe-Unfalls um das zwanzigfache gestiegen.

Es gibt zwar im Abstand von 2500 Metern Nothalteplätze, aber manchmal können diese von Autofahrern nicht mehr angesteuert werden, so sind Forderungen laut geworden, diese „emergency areas“ alle 800 Meter anzulegen. Es gibt zwar auf einigen Autobahnen das Stopped Vehicles Detection System, das innerhalb von zwölf Sekunden liegen gebliebene Fahrzeuge entdeckt und diese an die Überwachungszentralen meldet, aber bei dichtem Verkehr können trotzdem gefährliche Situationen entstehen, bis ein Bergungsfahrzeug eintrifft.

Eine Horrorvorstellung für jeden Autofahrer ist, mitten auf einer mehrspurigen Autobahn eine Panne zu haben. Aussteigen geht nicht, sitzen bleiben ist auch gefährlich. Was tun? Wenn das Autobahnkontrollzentrum so einen Fall auf dem Überwachungsbildschirm entdeckt, kann es sofort den betroffenen Fahrstreifen für den Verkehr sperren, indem auf den Anzeigetafeln ein rotes X für die Fahrspur erscheint, die dann nicht mehr befahren werden darf.

Auch Rettungs- und Polizeifahrzeuge haben es schwer, an einen Unfallort zu gelangen, wenn die Standspur, die sie sonst nutzen können, für den Verkehr freigegeben ist wie dieser Film zeigt.
Smart oder Nicht-Smart, es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Smart Motorway: Die M6 in Staffordshire.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Februar 2020 at 02:00  Comments (5)  
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