The Lord’s Day Observance Society und ihr Kampf für die Einhaltung der Sonntagsruhe

Ein brechend voller Morrisons-Parkplatz bei Southampton an einem Sonntagvormittag, so wie es die LDOS und ihre Nachfolge-Gesellschaft nicht mögen.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Als wir vor einigen Jahren an einem Samstagnachmittag in unserem Hotel, dem Ashdown Park Hotel eintrafen, stellten wir fest, dass wir alle  Schuhe meiner Frau zuhause stehen gelassen hatten. Was tun? Der nächste Tag war ein Sonntag. In England kein Problem, denn auch am Sonntag haben nicht nur die Supermärkte, sondern auch viele High Street-Läden geöffnet. Also fuhren wir am Sonntagvormittag nach Tunbridge Wells (Kent) und kauften neue Schuhe.

Früher galten die Sonntage in Großbritannien als extrem langweilig. Alles war geschlossen, nichts durfte man, außer Trübsal blasen. Bereits 1625 wurde der erste Sunday Observance Act beschlossen, der „bearbaiting, bullbaiting, Interludes, common Plays, and other unlawful exercises and pastimes“ (so die Wikipedia) am Sonntag verbot. Es folgten weitere Sunday Observance Acts und Regulierungen, die sich mit den Themen Kinoaufführungen, Tanzen usw. befassten. Noch Mitte der 1930er Jahre war es untersagt, sonntags Golf und Tennis zu spielen. Die BBC sendete langweilige Musik, die die meisten nicht hören wollten.

1831 wurde eine Gesellschaft gegründet, die Lord’s Day Observance Society (LDOS), die sich die Einhaltung der Sonntagsruhe auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Noch heute firmiert diese Gesellschaft unter dem Namen Day One Christian Ministries. Die LDOS setzte sich vehement dafür ein, dass sonntags keine Zeitungen erscheinen sollten, keine Post ausgeliefert wurde und keine Zugfahrten unternommen werden sollten. Der Sonntag war für sie ein „day of rest and worship for the glory of God and the benefit of man„.

Seit geraumer Zeit hat sich das alles geändert. Pubs haben den ganzen Tag geöffnet, Supermärkte verzeichnen sonntags mit die größten Umsätze, die Radiosender des Landes spielen den ganzen Tag Popmusik und natürlich sind die Golf- und Tennisplätze an diesem Tag sehr begehrt. Auf der anderen Seite werden diejenigen, die den Sonntag als Tag der Ruhe betrachten, immer mehr zu einer Minderheit, die Gottesdienste in den Kirchen werden immer weniger besucht. Ein grundsätzlicher Wandel hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Gesellschaft vollzogen, ob man ihn nun mag oder nicht. Die Lord’s Day Observance Society bzw. jetzt die Day One Christian Ministries kämpfen heute gegen Windmühlenflügel.

Statt Sonntagsshopping lieber Sonntagsgottesdienst (wie hier in der St Katherine’s Church in Little Bardfield in Essex); so mag es die LDOS.
Photo © Chris Morrell (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. März 2020 at 02:00  Comments (1)  
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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. ich bin kein Kirchgänger, aber eine gewisse Sonntagsruhe finde ich schön. Sport, Freizeit ja, Läden bitte nur vereinzelt öffnen…und wenn ich Tunbridge Wells höre, denke ich an Stau…aber seit meinem Kanalfahrt-und Wanderhobbybeginn bin ich sowieso zu geräusch- und autoempfindlich geworden…
    Bliebe das Problem „vergessene Schuhe“…:)


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