Last Order! – Britische Pubs in Zeiten der Coronakrise

Solche Bilder wollen wir nach dem Ende der Coronakrise nicht sehen (hier ein aufgegebener Pub im Londoner Stadtteil Deptford).
Photo © David Lally (cc-by-sa/2.0)

Premierminister Boris Johnson verhängte in der vorigen Woche die Schließung aller Pubs, was sicherlich richtig war, aber die britischen Gaststätten vor weitere große Probleme stellt. Die Zahl der Pubs ging in den letzten Jahren dramatisch zurück, was an mehreren Faktoren lag, so stiegen zum Beispiel die Bierpreise kontinuierlich, was immer mehr Menschen dazu bewegte, ihr Bier bei Tesco, ASDA oder Aldi zu kaufen.

Wenn jetzt Pubs über einen längeren Zeitraum geschlossen bleiben müssen, wird das viele in den Ruin treiben. Ich kann mir vorstellen, dass, speziell in den Metropolen, hinter den Kulissen schon einige „developer“ wie die Aasgeier darauf warten und dann die Häuser möglichst günstig aufkaufen, gegebenenfalls abreißen, um auf dem Grundstück neue Wohnhäuser zu erbauen bzw. das alte Gebäude in Wohnungen umzugestalten.

Doch jetzt wehren sich noch viele Pubs gegen dieses Szenario, indem sie neue Ideen verwirklichen und ihren bisherigen Kunden Alternativen anbieten. Pubfood zum Mitnehmen ist eine Möglichkeit, einige gehen sogar noch weiter und bringen die Bestellungen ins Haus.

In a bid to provide traditional pub meals for people who are social distancing due to coronavirus, we are bringing the pub to you„, heißt es bei Pubs, die zur Greene King Brewery gehören.

Erfindungsreich sind einige Pubs im Nordosten des Landes, wie der ChronicleLive aus Newcastle berichtet. The Punch Bowl in Jesmond und The Brandling Villa in Gosforth bringen nicht nur Mahlzeiten aus der Pubküche ins Haus, sondern auch Getränke wie Bier, Wein und Spirituosen, weiterhin wollen sie Livestreams aus ihren Bars anbieten, um ein wenig Pubatmosphäre ins Haus zu schicken. Sogar Kondome sind ins Lieferprogramm aufgenommen worden.

The Dorset in Lewes (East Sussex) bietet für £10 fünf Flaschen Budweiser und drei Snacks nach Wahl. Wer einen Container mitbringt, kann sich den auch mit Bier auffüllen lassen.

Bei der Abholung der bestellten Waren kann man ganz vorsichtig sein und jeden Kontakt vermeiden, indem man telefonisch oder online bestellt, auch online bezahlt, zu einer vereinbarten Zeit im Pub erscheint und dort die bereit gestellten Dinge an sich nimmt.

Das sind nur einige wenige Beispiele wie Pubs im Land der Coronakrise trotzen. Drücken wir allen britischen Pubs die Daumen, dass möglichst viele von ihnen überleben und bald wieder ihre Pforten für den Normalbetrieb öffnen können!!

The Dorset in Lewes (East Sussex).
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. März 2020 at 02:00  Comments (4)  

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Noch viel schöner wäre es doch, wenn es nicht ausgerechnet „Bud“ ist, dass man ins Haus bestellen kann. Die großen Brauereien und Ketten haben gewiss ausreichend finanzielle Reserven, diese (im wahrsten Sinne) „Durststrecke zu überstehen.
    Für die micro breweries und die gesamte craft beer Scene ist die Situation bedrohlich.
    „The Inn House Brewery in Glasgow, Scotland, was flooded with orders. The shop does not sell beer – it sells home-brewing kits.“
    Es liegt viel an der Solidarität der Kunden und an der Kreativität der Pubs und Produzenten, dass man nicht nach einem halben Jahr aufwacht, verwundert den Kopf schüttelt und sich fragt: „Wo sind sie denn alle geblieben?“

    • Das sehe ich auch so.
      Was das Budweiser anbelangt, das verstehe ich auch nicht, dabei gibt es doch die renommierte Harvey’s Brewery in Lewes. Vielleicht hatte The Dorset noch viele Restbestände von Budweiser im Keller, die erst einmal weg mussten.

  2. So schlimm die Situation ist, so ist es auch interessant zu sehen, was die Leute sich so einfallen lassen. Vielleicht entstehen da auch Dienstleistungen, die bleiben werden. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass die meisten Pubs überleben werden und dass die Regierung den Unternehmen generell unter die Arme greift.

  3. Ich hoffe auch sehr, dass der doch recht phantasielos wirkende BoJo für seine Pub-Landschaft die nötigen Massnahmen und Mittel bereitstellen wird – schliesslich kann er jetzt mal zeigen, was in ihm steckt! Ansonsten bin ich überzeugt, dass die Engländer mit ihrem angeborenen „common sense“ auch so über die Runden kommen werden!


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