Famous Graves – Cilla Blacks Grab auf dem Allerton Cemetery in Liverpool

Cilla Black (1943-2015) war in den 1960er Jahren eine der erfolgreichsten Sängerinnen in Großbritannien. Mit „Anyone who had a heart“ und „You’re my world“ hatte sie 1964 zwei Hits, die die Spitze der britischen Charts erreichten. Bis Anfang der 1970er Jahre hielt ihr Ruhm als Sängerin an, dann verblasste er allmählich. Cilla Black begann ihre zweite Karriere im Fernsehen, wo sie in zahllosen Shows zu sehen war.

Priscilla Maria Veronica White, so der richtige und vollständige Name, wurde in Liverpool geboren, starb zwar in ihrem Ferienhaus im spanischen Estepona, fand aber ihre letzte Ruhestätte wieder in Liverpool, wo sie auf dem Allerton Cemetery am 20. August 2015 beigesetzt wurde. Auf diesem Friedhof an der Springwood Avenue liegen auch John Lennons Mutter Julia und der Comedian Ken Dodd.

Nur zwei Meter von dem Grab ihrer Eltern entfernt, findet man Cillas Blacks Grabstein, der erst acht Monate nach ihrem Tod errichtet wurde; die vorherige bronzene, mit ihrem Namen versehene Grabsteinplatte hatte jemand (ein Fan?) gestohlen. Auf dem Grabstein gibt es eine Menge zu lesen. Unter ihrem Künstlernamen steht einfach nur „Singer“, dann folgen ihre Lebensdaten und „Beloved wife of Bobby“, das ist ihr Ehemann und Manager Bobby Willis (dessen Beerdigungsfeier am 1. November 1999 in der Kirche St Mary the Virgin in Denham in Buckinghamshire stattfand, dort, wo Cilla Black viele Jahre gewohnt hatte; in der Kirche wurden auch mehrere Folgen der „Inspector Barnaby“-Serie gedreht). Weiterhin finden wir auf dem Marmor-Grabstein Cilla Blacks vier Strophen aus ihren Songs „Step inside love„, „Alfie„, „You’re my world“ und „Just for you„.

Hier ist ein Film über die Grabstätte.

In Liverpool wird Cilla Black mit einer Statue vor dem legendären Cavern Club geehrt, die im Januar 2017 aufgestellt wurde.

Cilla Blacks Statue vor dem Cavern Club in Liverpool.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Von Schinkenbroten und brennenden Eseln

Nach dem gestrigen Besuch in der hübschen Stadt Sandwich im Osten der Grafschaft Kent, bleiben wir heute noch einmal in der Region. Etwa fünf Kilometer südlich liegt ein winziges Dorf, das den Namen Ham (=Schinken) trägt. Winzige Dörfer nennt man in England „hamlet„, was dem deutschen Wort „Weiler“ entspricht. Ham ist also ein hamlet, klingt schon witzig, aber es geht noch besser, denn ein paar hundert Meter von Ham entfernt, gibt es ein Straßenschild, auf dem der Weg sowohl nach Ham als auch nach Sandwich gewiesen wird; da haben wir also unser mit Schinken belegtes Brot. Kein Wunder, dass das Schild zu den meist fotografierten in Kent gehört.

Über den kentischen Weiler gibt es nicht viel zu sagen; wo er genau anfängt und wo er wieder aufhört, ist nicht so leicht herauszufinden. Die Zufahrt erfolgt über schmale Landstraßen, an denen Autos nur an Ausbuchtungen aneinander vorbeifahren können, aber das kennt man ja aus allen Teilen Englands. Die wenigen Häuser an der Updown Road, der West Street und dem Hay Hill liegen weit auseinander, und dann kommt man plötzlich an einem Country House Hotel vorbei. Bin ich jetzt überhaupt noch in Ham? Ja, denn die Adresse des The Blazing Donkey lautet „Hay Hill, Ham, Sandwich“. Das Hotel ist gleichzeitig auch ein Pub und verfügt über ein Restaurant, in dem typisch britische Speisen angeboten werden. Sehr beliebt ist The Blazing Donkey bei Hochzeitspaaren; das Haus gehört zu den Top 10 Wedding Venues in Kent. Wer hier nicht heiraten, sondern einfach nur ein Glas Bier trinken möchte, kann an der Bar beispielsweise ein Pint von der lokalen Time & Tide Brewery in Eastry bestellen.

The Blazing Donkey ist einer jener Pubs, die sehr einsam liegen, und ich mir immer denke, wer findet denn eigentlich hier hin. Kommt man dann an, ist der Parkplatz rappelvoll und im Pub ist kaum noch ein Platz zu bekommen. Das ist mir in England schon viele Male passiert.

The Blazing Donkey in Ham.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Sandwich in Kent – Die Abhängigkeit eines Ortes von einem Großunternehmen

Das Gateway Building im Discovery Park von Sandwich.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Sandwich ist eine Kleinstadt im Osten der Grafschaft Kent, ein früher strukturschwaches Gebiet, und man kann sich vorstellen wie erfreut man dort war, als der große US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer sich 1954 entschloss, in Sandwich Produktionsanlagen und Forschungslabore zu errichten. Das brachte jede Menge Arbeitsplätze und viele Menschen zogen aus anderen Teilen Großbritanniens nach Kent. Es handelte sich auch um hoch dotierte Arbeitsplätze und davon profitierte die Geschäftswelt des Ortes, in Pubs und Restaurants wurde gefeiert, es lief alles sehr gut. In den Forschungslaboren entstanden weltweit bekannte Produkte wie Viagra, Revatio und Celsentri. In Spitzenzeiten arbeiteten 2400 Menschen im Bereich “ Research and Development“.

Dann kam 2007 der erste Schlag, als die Firma ankündigte, den Produktionsbereich in Sandwich einzustellen, was bedeutete, dass viele ihren Arbeitsplatz verloren oder in andere Regionen des Landes zogen. Der zweite Schicksalsschlag kam drei Jahre später, als Pfizer ankündigte, im Zuge globaler Umstrukturierungen, auch die Forschungsabteilungen in Sandwich stark zu reduzieren. Die Folge war, dass dem überwiegenden Teil der Belegschaft gekündigt wurde, und viele von ihnen aus Sandwich wegzogen, um anderswo Arbeit zu finden. Diese neue Situation hatte gravierende Auswirkungen auf die Kleinstadt, und so gut wie alle Geschäfte waren davon betroffen.

Es dauerte einige Jahre bis sich Sandwich von dem Pfizer-Rückzug erholen konnte. Das Firmenareal wurde erweitert, und es entstand der Discovery Park, ein riesiger „science park“, in dem sich zahlreiche Firmen niedergelassen haben, auch Pfizer ist noch mit einer Forschungseinrichtung vertreten. Mittlerweile geht es dem hübschen Ort in Kent wieder gut, und es bleibt zu hoffen, dass der Discovery Park auch weiterhin blühen und gedeihen wird.

Die High Street von Sandwich.
Photo © Cameraman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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The National K9 Police Dog Memorial in Chelmsford (Essex)

Die Medical Detection Dogs, über die ich kürzlich berichtete, haben noch keines, ihre Kollegen von der Polizei aber schon: Ein Denkmal, das an ihre Verdienste erinnert. Auf dem Gelände des Chelmsford and Essex Regiment Museums in Chelmsford (Essex), im Oaklands Park, wurde am 12. April 2019 das National K9 Police Dog Memorial eingeweiht (K9=canine), eine Statue, die einen Polizeibeamten, einen Schäferhund und einen Cockerspaniel zeigt. Bei den Hunden handelt es sich um Karly von der Metropolitan Police und Ludo von der Essex Police.
Der Schäferhund Karly hatte sich auf „Victim Recovery and Blood Detection“ spezialisiert und sich bei der Metropolitan Police seine Verdienste erworben. Sie war zuletzt in Wales im Einsatz und ist dort leider gestorben.
Cockerspaniel Ludo war äußerst beliebt bei den Beamten der Polizei von Essex, hatte er doch dazu beigetragen, viele Kriminalfälle zu lösen. Heute ist er im Ruhestand.

John Doubleday hat das Denkmal in Chelmsford geschaffen. Der Künstler hat sein Atelier in Great Totham (Essex), rund 20 Kilometer von Chelmsford entfernt. Bekannt geworden ist er unter anderem durch seine beiden Sherlock Holmes-Skulpturen, die eine in London (Marylebone Road/Baker Street), die andere in Meiringen in der Schweiz.

Das Denkmal entstand durch eine Initiative des Polizeibeamten Paul Nicholls aus Essex, dessen Hund Sabre im Jahr 2006 an Krebs starb. Die Einweihung des National K9 Police Dog Memorials erfolgte durch Cressida Dick, Commissioner der Metropolitan Police, nachdem der Bischof von Chelmsford es gesegnet hatte. Anwesend waren viele Polizeibeamtinnen und -beamte, natürlich mit ihren Hunden, die an diesem Tag die Hauptpersonen waren. Dieser Film zeigt die Zeremonie.

Mein DVD-Tipp – The Bay

Die Drama-TV-Serie „The Bay“ des Senders ITV erinnerte mich schon nach kurzer Zeit an eine andere TV-Serie desselben Senders, „Broadchurch„, wahrscheinlich weil beide am Meer gedreht wurden und weil die Darsteller einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Die sechs Episoden der ersten Staffel von „The Bay“ wurden im vorigen Jahr in Großbritannien gesendet. In Deutschland lief die Serie im Free TV bei ZDFneo in diesem Jahr, seit kurzem gibt es die komplette erste Staffel in deutscher Synchronisation auf DVD bei EDEL Motion.

Um es schon einmal vorweg zu sagen, ich war von „The Bay“ sehr angetan. Vor dem Hintergrund der Kulisse der Morecambe Bay in Lancashire entwickelt sich ein Drama, das den Zuschauer schnell in seinen Bann zieht.
Detective Sergeant Lisa Armstrong ist bei der West Lancashire Police als Family Liaison Officer angestellt, das heißt, sie wird bei Mordfällen und Vermisstenangelegenheiten hinzugezogen, um nahe bei den betroffenen Familien zu sein, Hilfestellung zu leisten, aber auch Augen und Ohren offen zu halten, um Hinweise zum Tatgeschehen innerhalb der Familie wahrzunehmen. In „The Bay“ geht es anfangs um den Vermisstenfall zweier Teenager, der sich aber bald zu einem Mordfall entwickelt. DS Armstrong, ebenfalls Mutter zweier Teenager, die auf die schiefe Bahn geraten, hat alle Hände voll zu tun, um ihre Aufgaben zu erledigen, sie hat aber auch ein Handicap: Sie hatte mit dem Stiefvater der Vermissten, der als Tatverdächtiger zählt, kurz vorher einen One-Night-Stand gehabt, der ihr jetzt schwer zu schaffen macht.

Die schottische Schauspielerin Morven Christie spielt die Hauptrolle der DS Lisa Armstrong (wir kennen sie aus der TV-Serie „Grantchester„, in der sie die Amanda Kendall verkörpert). Das Drehbuch schrieb Daragh Carville, der selbst in der Region von Morecambe lebt. Die eindringliche Titelmelodie schrieb Samuel Sim (hier zu hören, verbunden mit einem Drohnenflug über die Morecambe Bay).

Morecambe ist eines jener englischen Seebäder mit verblichenem Charme, deren Bewohner die Dreharbeiten sehr begrüßt und aufmerksam verfolgt haben. Ihnen war es vor allem wichtig, dass Morecambe im Film angemessen dargestellt wurde, was meiner Ansicht nach auch geschah. Ich bin schon sehr auf die zweite Staffel gespannt, die noch in diesem Jahr von ITV gesendet werden soll. Darin wird DS Lisa Armstrong (die am Ende der Staffel nach wie vor vom Dienst suspendiert ist) mit einem Mordfall konfrontiert werden, der sie erneut vor emotionale Herausforderungen stellt.

Hier ist der Trailer zur Staffel 1.

Ich habe über Morecambe in meinem Blog einmal einen Dreiteiler geschrieben: Teil 1, Teil 2, Teil 3.

Die Strandpromenade von Morecambe mit den Winter Gardens.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

Sonnenuntergang über der Morecambe Bay.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Little Korea in New Malden (Greater London)

Die High Street von New Malden.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Wenn man durch manche Straßenzüge Londons oder auch anderer Städte fährt, meint man, in einem anderen Erdteil zu sein. Mir ging es so, als ich einmal durch Nuneaton in der Grafschaft Warwickshire fuhr. Ich fühlte mich nach Indien versetzt; auf der Straße waren überwiegend Männer mit Turbanen zu sehen, die Geschäfte waren fast alle in der Hand von Indern und trugen entsprechende Schriftzüge.

In dem Londoner Stadtteil New Malden im Südwesten der Stadt, der zum Royal Borough of Kingston upon Thames gehört, prägen Koreaner das Stadtbild. Hier sollen etwa 8000 Süd-Koreaner leben, im gesamten Borough sogar 20 000. Damit stellt dieser Teil Londons die größte koreanische Gemeinde in ganz Europa dar.
New Malden dient als kulturelles und als Einkaufszentrum der in London lebenden Koreaner; so findet man hier zahlreiche Cafés und Restaurants und kleine von Koreanern geführte Supermärkte. Korea Foods ist wohl der größte auf koreanische Waren spezialisierte Supermarkt. Viele Läden sind in Englisch und Hangeul, der koreanischen Buchstabenschrift, beschriftet. Mehrere Festivals werden jedes Jahr in New Malden und in Kingston upon Thames veranstaltet, zum Beispiel Chuseok, Koreas Herbstfestival, das London Korean Festival und am 15. August wird der Korea Independence Day gefeiert.

Es gibt auch Integrationsprobleme in New Malden. Die Kulturen der Engländer und der Koreaner sind doch sehr unterschiedlich; so gehen die Asiaten gern abends in ihre Karaoke-Bars, während die Engländer sich in ihre Pubs zurückziehen. Die Korean Residents’ Society versucht, Hilfestellung zu leisten bei der gesellschaftlichen Integration und beim Erlernen der englischen Sprache.

Ein koreanischer Supermarkt in New Malden.
Author: tawalker
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Published in: on 25. April 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Die Jeremy Kyle Show (2005-2019) – Trash TV im britischen Fernsehen

Wenn ich mir in meiner Programmzeitschrift ansehe, was die deutschen TV-Sender so alles zu bieten habe, dreht sich mir manchmal der Magen um. In den öffentlich-rechtlichen Programmen dominieren immer mehr Krimiserien aus eigener Produktion, in denen pistolenschwingende Polizisten und (immer häufiger) Polizistinnen im Mittelpunkt stehen. In den privaten Sendern mit ihren unerträglichen Werbeunterbrechungen werden stundenlang Tanz-, Back- Dating- und Castingshows gezeigt. Wer guckt sich das denn alles an?

Das Angebot im britischen Fernsehen ist auch nicht besser, endlose Rateshows beherrschen das Nachmittagsprogramm, und das Niveau am Abend ist auch nicht viel besser.

Sehr beliebt war zum Beispiel fünfzehn Jahre lang die Jeremy Kyle Show des Senders ITV. Sage und schreibe 3320 Folgen wurden dem britischen Zuschauer vorgesetzt, jede knapp fünfzig Minuten lang, und die Massen liebten diese Show, in der es manchmal ganz schön zur Sache ging. Der Moderator Jeremy Kyle hätte sicher ohne seine bulligen Sicherheitskräfte, die immer bereit standen, häufig Prügel von seinen eingeladenen Gästen bezogen. Worum ging es? Exhibitionistisch veranlagte Menschen ließen sich in die Show einladen und wurden dort gedemütigt bzw. ließen sich demütigen. Tabus kannten diese Gäste kaum, sie äußerten sich freimütig vor der Kamera über ihr Privat- und Intimleben und immer wieder ging es um das Generalthema „Wer ist der Vater meines Kindes?“ Da wurden Lügendetektoren hinzugezogen und in geheimnisvollen Briefumschlägen die Ergebnisse von Vaterschaftstests überreicht. Die eingeladenen jungen Mütter hatten oft keine Ahnung, wer der Vater ihres Nachwuchses sein könnte, hatten sie doch meist Sex mit mehreren Männern gehabt.

Diese Trash TV-Show (hier sind einige Ausschnitte), die am 4. Juli 2005 erstmals ausgestrahlt wurde, kam im Mai 2019 zu einem abrupten Ende, als sich einer der eingeladenen Gäste nach der Show (die daraufhin nicht gesendet wurde) das Leben nahm. Es war wieder das Übliche: Ein Lügendetektortest hatte ergeben, dass der Gast seiner Frau untreu war, obwohl er das bestritten hatte. Als Folge beging er Selbstmord. ITV zog die Reißleine und setzt die Show nach fünfzehn Jahren ab. Im Laufe der Jahre soll es bereits mehrere ähnlich gelagerte Selbstmorde gegeben haben.

Vorbild für die Jeremy Kyle Show war die US-amerikanische Trash-Serie The Jerry Springer Show, die sogar noch länger im US-Fernsehen gezeigt wurde: 4969 Folgen von 1991 bis 2018. Hier ging es noch wesentlich rabiater zu wie dieser Filmausschnitt zeigt (man beachte die Begeisterung der Zuschauer, die von der Schlägerei der Frauen auf der Bühne gar nicht genug bekommen können!!)

Ob man mit seiner Lebenszeit nicht etwas Besseres anfangen könnte, als sich so etwas tagein, tagaus anzusehen?

Published in: on 24. April 2020 at 02:00  Comments (11)  
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The Broad Stone of Retford (Nottinghamshire) – Hilfreich in der Coronakrise?

Der Broad Stone vor dem Rathaus von Retford.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Retford ist eine hübsche Kleinstadt in Nottinghamshire mit einem sehenswerten Rathaus am Marktplatz, das 1866 von den Architekten Pearson Bellamy und John Spence Hardy aus Lincoln entworfen wurde. Leider ist die Geschäftswelt um den Marktplatz herum und in den angrenzenden Straßen so öde wie in vielen andern englischen High Streets auch: Wettbüros, Charity Shops, Telefonläden usw.

Die Grafschaft Nottinghamshire ist von der Coronakrise schwer mitgenommen worden; allein in der Hauptstadt Nottingham zählte man vor wenigen Tagen bereits 126 Todesfälle.
Schon im Jahr 1665 hatte Nottinghamshire, und so auch die Stadt Retford, mit einer Epidemie zu kämpfen, die Teile des Landes überzogen hatte. Die Beulenpest forderte unzählige Opfer, und so suchten die Menschen, nach Möglichkeiten, sich vor einer Ansteckung zu schützen. In Retford verwendete man einen Grenzstein, The Broad Stone, auf dem Marktplatz, der mit einer Vertiefung versehen war, zur Desinfizierung von Münzen. Das funktionierte so, dass die Vertiefung mit Essig gefüllt war, der angeblich desinfizierende Wirkung gehabt haben soll, die Marktkäufer ihre Münzen dort hineinlegten, die dann von den Verkäufern wieder entnommen wurden. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung war, dass sich die Menschen bei der Verkaufsabwicklung nicht zu nahe kamen, was heute als social distancing bezeichnet wird. Es lief also damals gar nicht so viel anders ab als bei der jetzigen Coronakrise (bis auf den Essig).

Der  Broad Stone of Retford ist noch heute vor dem Rathaus zu finden. Er trägt die Inschriften „The Broad Stone of the
Borough of East Retford“ und „Restored to the Borough of East Retford by J A Gylby Esq AD 1877„.

Wer der Stadt Retford einmal einen Besuch abstatten möchte: Sie liegt an der A638, circa 43 Kilometer nördlich von Nottingham.

Retford Town Hall am Marktplatz.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

 

The Pirate Castle – Eine Burg mitten im Londoner Stadtteil Camden

An der Oval Road, direkt am Regent’s Canal im Londoner Stadtteil Camden stoßen wir auf eine mittelalterliche Burg, die aber nicht die umliegenden Häuser dominiert, sondern von denen dominiert wird, eine kleine Burg also. Pirate Castle heißt das Gebäude, das 1977 erbaut worden ist und damit seit einigen Jahrhundert wieder die erste Befestigungsanlage dieser Art ist. Wäre doch eigentlich ideal als Wohnsitz für Boris I., aber der hat ja bereits etwas Ähnliches mit Chequers.

Das renommierte Architektenbüro von Richard Seifert (1910-2001), das unter anderem den 33-stöckigen Centre Point Tower in Londons New Oxford Street errichtet hat, zeichnet für das Design des Pirate Castles verantwortlich. Zweimal wurde an die Burg noch Hand angelegt, um sie zu erweitern bzw. zu verbessern: Im Jahr 2008 mit Hilfe von öffentlichen Geldern und dem Lottery Fund und noch einmal 2017. Das Pirate Castle ist eine „boating and outdoor activities charity“ und dient als Begegnungsstätte für den Stadtteil Camden Town. Kanu-,  Kayak- und Kanalbootfahren stehen im Zentrum der Aktivitäten, die hier angeboten werden, begünstigt durch die direkte Lage am Regent’s Canal. Die hier angebotenen Projekte wenden sich vorrangig an Kinder und Jugendliche, die aus benachteiligten Familien stammen, körperlich oder anderweitig behindert sind und besondere Aufmerksamkeit benötigen, und die wird ihnen im Pirate Castle gegeben. Das Betreuerteam setzt sich aus professionellen Trainern und Freiwilligen zusammen, die Teilnahme an den Aktivitäten ist kostenlos. Die Burg selbst steht für Veranstaltungen, Tagungen, Konzerte und vieles andere mehr zur Verfügung. Die daraus resultierenden Einnahmen fließen in die Finanzierung der sportlichen Aktivitäten auf dem Kanal, die dieser Film noch einmal zeigt.

The Pirate Castle
Oval Road
London NW1 7EA

Published in: on 22. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Der Ärger mit den englischen Hausnummern

Solange man diese „Hausnummer“ regelmäßig beschneidet, ist sie gut zu erkennen; gesehen in Ayston (Rutland).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Bei meinen Reisen in den USA war die Orientierung in den Städten leicht; oft werden die Straßen durchgezählt in Form von 1st, 2nd, 3rd Street usw. und meistens waren die Hausnummern deutlich zu erkennen; da kann man sich schnell zurechtfinden. In England ist das nicht ganz so einfach; manchmal sucht man die Schilder mit den Straßennamen vergeblich und an den Häusern sind nicht immer Nummern angebracht. In Dörfern haben manche Häuser keine Nummer, sondern Namen. Eine gute Freundin wohnte in einem Haus in einem Dorf in Somerset, das lediglich Honoria hieß, nichts weiter.

Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungssanitäter haben immer wieder Probleme damit, bestimmte Adressen zu finden, von denen Notrufe abgesetzt worden sind, und wertvolle Zeit geht bei der Suche nach dieser Adresse verloren, weil keine deutliche Hausnummer zu finden ist.

Woran liegt nun dieser Widerwille, gut sichtbare Hausnummern anzubringen? Die Anthropologin Kate Fox hat in ihrem wunderbaren Buch „Watching the English„, das ich demnächst in meinem Blog vorstellen werde, eine Erklärung. „Our house numbers are at best highly discreet, and at worst completely obscured by creepers or porches, or even left off altogether, presumably on the assumption that our number may be deduced from those of our immediate neighbours„, schreibt sie und ist der Meinung, dass nicht Faulheit dahinter steckt, sondern die Tatsache, dass viele Landsleute immer noch nach dem Slogan „My home is my castle“ leben und meinen, meine Freunde und Verwandte wissen, wo ich wohne, und alle anderen geht das nichts an. Eine Art Verschleierungstaktik der „Burgbewohner“.

Wer möchte, kann hier einen kleinen virtuellen Spaziergang durch die Straße Coopers Gate in Banbury (Oxfordshire) machen, wo das mit der Hausnummerierung teilweise gut klappt, zum Teil aber auch nicht.

Dieses Haus in Denton (Lincolnshire) heißt The Little Cottage und hat die Nummer 147, die aber nirgends zu finden ist.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Dieses Doppelhaus in Stapleton bei Bristol hat zwei Adressen. Das linke, mit einer Nummer gekennzeichnete Haus: 27 Holton Road, das rechte: 111 Wordsworth Road.
Photo © Roger Templeman (cc-by-sa/2.0)

Es geht auch anders. Vorbildlich diese Hausnummer in Great Wilbraham (Cambridgeshire).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. April 2020 at 02:00  Comments (4)  

Medical Detection Dogs in Great Horwood (Buckinghamshire)

Hier an der Winslow Road, südlich von Great Horwood, liegt der Greenway Business Park mit dem Ausbildungszentrum der Medical Detection Dogs.
Photo © Mr Biz (cc-by-sa/2.0)

Südwestlich von Milton Keynes in der Grafschaft Buckinghamshire liegt ein kleiner Ort namens Great Horwood. Die Gemeindekirche hier an der High Street heißt St James, der Dorfpub, The Swan Inn, liegt am Village Green und es gibt ein kleines Gewerbegebiet an der Winslow Road, den Greenway Business Park. Gewerbegebiete sind meistens sehr öde und bestehen überwiegend aus großen Lagerhallen, der Greenway Business Park hat aber eine Besonderheit, die in den letzten Wochen in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gelangt ist. Hier werden die Medical Detection Dogs ausgebildet, in einem Flachbau, umgeben von Wiesen und Feldern. Diese hochspezialisierten Hunde sind in der Lage, Krankheiten des Menschen an deren Geruch zu erkennen, zum Beispiel Krebs oder Diabetes. Es dauert zwischen sechs und acht Monate, bis die Hunde in der Lage sind, diese Aufgaben zu übernehmen, und es spielt keine Rolle, welcher Rasse die Tiere angehören; ob Spaniel oder Labrador, die Hauptsache ist, dass sie eine gute Nase haben und dass ihnen die Aufgaben Spaß machen. Wenn man sich diesen Film ansieht, kann man erkennen, dass die Hunde mit viel Ehrgeiz und auch Spaß bei der Sache sind. Sie wohnen übrigens nicht in Ställen, sondern zuhause bei den Trainern bzw. bei Menschen, die sie in ihre Familien integriert haben.

In die Schlagzeilen gerieten die Medical Detection Dogs, weil man in Great Horwood gerade dabei ist, die Tiere zu trainieren, das Coronavirus zu erkennen. Zusammen mit der Durham University und der London School of Hygiene and Tropical Medicine werden zurzeit Tests unternommen. Sobald die Hunde in der Lage sind, das Virus zu erschnüffeln, könnte man sie beispielsweise an Flughäfen einsetzen, um ankommende Passagiere zu überprüfen, on sie das Virus in sich tragen.

Wenn man sich vorstellt, dass in China auf Märkten Hunde in Käfigen zum Verkauf angeboten und diese dann geschlachtet werden (jährlich werden dort mehr als zehn Millionen Hunde gegessen), und man die Bilder von den fröhlichen und für den Menschen so wichtigen Vierbeinern in Great Horwood sieht, kann es einem das Herz zerbrechen.

Medical Detection Dogs
3 Millfield
Greenway Business Park
Winslow Road
Great Horwood
Milton Keynes MK17 0NP

Published in: on 20. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Mike Carter: All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England

Foto meines Exemplares.

Der Titel von Mike Carters Buch „All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England“ nimmt Bezug auf einen Song der Band The Farm aus dem Jahr 1991.
Im Mai 1981 standen 300 arbeitslose Menschen zusammen, als sie sich zu Fuß auf den Weg von Liverpool nach London machten, um dadurch gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu demonstrieren. Nach einem Monat erreichte der People’s March for Jobs die Hauptstadt, wo die Teilnehmer eine Petition mit 250 000 Unterschriften an die Regierung überreichten, in der sie die Wiederherstellung von verlorenen Arbeitsplätzen forderten. Die Regierungschefin Margaret Thatcher weigerte sich, die Menschen aus dem Norden Englands zu empfangen.

Mike Carters Vater Pete hatte an dem Marsch teilgenommen, und der war damals beeindruckt von der Unterstützung der Marschierenden durch die Bevölkerung in den Städten, die sich mit ihnen solidarisierte. 35 Jahre später folgt Mike Carter noch einmal ganz allein dem Weg, den der People’s March for Jobs genommen hatte. Von der St George’s Hall in Liverpool  geht es über Manchester, Wolverhampton, Birmingham, Coventry und Bedford bis zum Endpunkt, dem Londoner Trafalgar Square.

Der Autor erwähnt in seinem Buch die Besonderheiten der Städte am Wegesrand, kommt immer wieder auf die Problematik in seiner Beziehung zu seinem Vater zu sprechen und trifft viele Menschen, die ihm von den gesellschaftlichen Problemen Englands erzählen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird ständig größer, immer mehr Menschen rutschen in die Armut ab; durch die Privatisierung ganzer Bereiche, die eigentlich in die öffentliche Hand gehören, ist dem Neoliberalismus Tür und Tor geöffnet. In manchen Städten müssen die Menschen bis zur Hälfte ihres Einkommens an Miete bezahlen, in der Londoner Innenstadt gibt es Viertel, in denen kaum noch jemand wohnt, da die superteueren Wohnungen von Geldanlegern aus dem Ausland aufgekauft worden sind und überwiegend leer stehen.

Mike Carter findet auf seinem Weg High Streets, die fast nur noch aus Charity Shops, Wettbüros und Payday Loan Companies bestehen (die Kurzzeitkredite zu sehr hohen Zinsen vergeben).

Mike Carters Buch hat mich sehr beeindruckt und bei mir einen pessimistischen Ausblick auf die Zukunft des Landes hinterlassen. Einer Regierung unter Führung von Boris Johnson wird es wohl kaum gelingen, dieser Entwicklung Einhalt zu bieten (wenn sie es denn überhaupt will).
Ich kann dieses Buch allen sehr empfehlen, denen dieses Land am Herzen liegt!!

Mike Carter: All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England. Guardian Faber 2019. 391 Seiten. ISBN 978-1-78335-156-5.

Siehe auch diesen Blogeintrag zu einem anderen Buch des Autors.

Der Ausgangspunkt des Marsches: St George’s Hall in Liverpool.
Photo © roger geach (cc-by-sa/2.0)

Das Ziel: Der Londoner Trafalgar Square.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 19. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Narrowboats und ihre mehr oder weniger fantasievollen Namen

So weit ich mich erinnere, trug das Narrowboat, das ich vor Jahren in Evesham (Worcestershire) gemietet hatte, den Namen „Ethos“, warum auch immer. Es gibt eine Hitliste der 200 beliebtesten Namen für diese langen, schmalen Boote, die auf englischen Kanälen und Flüssen anzutreffen sind und da führt mit großem Abstand der Name „Kingfisher“ (Eisvogel), gefolgt von „Dragonfly“ (Libelle) und „Merlin“ (Zwergfalke bzw. Zauberer in der keltischen Mythologie). Booten mit diesen Namen wird man also häufiger begegnen. Hier ist jeweils ein Beispielfoto:

Auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Ebenfalls auf dem Staffordshire und Worcestershire Canal.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Und ein „Merlin“ auf dem Trent and Mersey Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Doch es gibt auch eine ganze Menge fantasievollerer Namen, von denen ich hier eine kleine Auswahl zeigen möchte:

Dieser Name eines in den Gloucester Docks geparkten Bootes gefällt mir besonders gut.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Piston Broke, sprich „Pissed and Broke“. Auf dem Shropshire Union Canal.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Calamity J’Aime, in Anlehnung an die amerikanische Wild-West-Heldin Calamity Jane. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Dieses Boot ist nicht über die Ozeane nach England gekommen, sondern nach dem Vogel Tui benannt, der in Neuseeland heimisch ist. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Und zu guter Letzt…ein Boot namens „Corona“; entgegenkommende Narrowboats werden da wahrscheinlich sehr großen Abstand halten. Auf dem Grand Union Canal.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 18. April 2020 at 02:00  Comments (6)  
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The British Toilet Association – Im Kampf für mehr und bessere öffentliche Toiletten

Very nice!! Bei Arundel in West Sussex.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Wer kennt die Situation nicht: Nach einem Pubbesuch dauert es nicht lange bis das getrunkene Pint das Bedürfnis hat, den Körper schnellstmöglich wieder zu verlassen. Doch wo? Die öffentlichen Toiletten in England sind einer Schrumpfkur unterzogen worden. Innerhalb von zehn Jahren haben die Stadtverwaltungen mehr als 1700 öffentliche Toiletten geschlossen, da sie einfach nicht mehr über die Mittel verfügten, diese Anstalten zu unterhalten. So wurden viele der Toiletten abgerissen oder anderen Zwecken zugeführt. Ich habe mich des Themas vor sechs Jahren in meinem Blog schon einmal angenommen.

Die 1999 gegründete British Toilet Association (BTA) hat sich auf ihre Fahnen geschrieben, diesem Trend entgegenzuwirken und fordert “ decent, clean toilets“ und das Recht auf Zugang zu Toiletten im öffentlichen Raum. Sie hat eine App entwickelt, auf der um die 800 öffentliche Toiletten mit ihren jeweiligen Öffnungszeiten nachgewiesen sind. Sinnigerweise wurde diese App am World Toilet Day, dem 19. November 2015, gestartet. Sie soll dazu beitragen, dass Menschen nicht mehr in den High Streets urinieren, die sowieso schon in vielen Orten auf dem absteigenden Ast sind und um den Erhalt einer gewissen Attraktivität kämpfen. Die Loo of the Year Awards, die jährlich in mehreren Kategorien vergeben werden, sollen auch Anreize schaffen, für angenehme und hygienische Toiletten zu sorgen. In der Kategorie Public Toilet Entries wurde im letzten Dezember die Firma Danfo UK Limited ausgezeichnet, die Toilettenanlagen baut.

Die BTA hat auch das Start-up Unternehmen Standard Toilet unterstützt, das eine neue Toilette entwickelt hat, die eine Schräge von bis zu 13% aufweist und daher äußerst unbequem ist, so dass die Benutzer sie schnell wieder verlassen. Hochinteressant für Arbeitgeber, deren Firmentoiletten dann nicht mehr so lange in Beschlag genommen werden, denn pro Jahr soll ein gesamtwirtschaftlicher Schaden in Großbritannien durch ausgedehnte Toilettenbesuche in Höhe von £4 Milliarden entstehen (so steht es auf der Homepage der Entwicklerfirma zu lesen).

Die BTA hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die den Titel National Community Toilet Scheme trägt. Mit dem Slogan “USE OUR LOO’S” sollen Ladeninhaber ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

No!!!! Bei Normanton in Nottinghamshire.
Photo © Trevor Rickard (cc-by-sa/2.0)

Eine der vielen geschlossenen Toiletten im Land; hier in Newcastle-upon-Tyne.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 17. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Sellindge in Kent – Ein Dorf, das am 1. Juni 1938 nur knapp einer Katastrophe entging

Die A20, die Ashford Road, in Sellindge.
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

Als ich einmal meinen Englandaufenthalt beendete und auf der M20 in Richtung Eurotunnel fuhr, musste ich südlich von Ashford in Kent auf die A20 ausweichen, da die Autobahn gesperrt war. Diese Umleitung führte auch durch Sellindge an der Ashford Road, wie die A20 im Dorf heißt, und dort liegt an der rechten Seite die Methodist Church, wo am 1. Juni 1938 ein Flugzeug abstürzte. Doch der Reihe nach:

An diesem Tag muss wohl die British Guardian Angel Association (BGAA) ihre jährliche Mitarbeiterversammlung in Sellindge abgehalten haben, denn anders ist es nicht zu erklären, dass bei dem Absturz niemand zu Schaden kam. Eine Fokker der belgischen Fluglinie Sabena war in Brüssel gestartet, mit dem Ziel Lympne in Kent, wo sie auf dem dortigen Flugplatz landen sollte. Der Pilot bekam beim Landeanflug auf Grund eines Sturms Schwierigkeiten mit seinem Flugzeug und konnte es nicht mehr beherrschen. Er war schon sehr tief und streifte als erstes das Dach eines Hauses an der Ashford Road, stürzte dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf das Gelände der Methodist Church, streifte die Kirche und blieb als Totalschaden liegen. Wie durch ein Wunder (bzw. durch den Einsatz der Schutzengel) wurde weder ein Bewohner des Hauses, in dem heute die Katzenpension Purrs Mews untergebracht ist, noch die beiden Insassen des Flugzeugs verletzt. Die beiden Belgier stiegen mit weichen Knien aus den Trümmern ihrer Maschine aus…und schlossen sich einer etwa hundertköpfigen Gruppe von Damen an, die an der Methodist Chapel ihren Anniversary Tea zu sich nahmen und natürlich auch Tee angeboten bekamen, den sie gern akzeptierten (vielleicht hätten sie in diesem Falle lieber etwas Stärkeres getrunken als Tee). Coole Typen, diese beiden Belgier!

Thank you BGAA!!

Hier ist ein Film der British Pathé.  Die kleine Kapelle der Methodist Church steht noch heute an der Ashford Road, und das Dach des Hauses auf der anderen Straßenseite ist längst wieder neu gedeckt.

Eine Fokker VIIb/3m. Ein Flugzeug diesen Typs stürzte in Sellindge ab.
This work is in the public domain.

Hier auf dem Lympne Airfield sollte die Fokker eigentlich landen.
Photo © Peter Jeffery (cc-by-sa/2.0)

The Lakeland Book of the Year Awards

Der Lake District, hier der See Derwent Water.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die Grafschaft Cumbria zeichnet sich durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft aus: Berge und Seen ziehen im Sommer ganze Heerscharen von Besuchern hierher. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Lake District die Heimat vieler Dichter wie William Wordsworth, Samuel Taylor Coleridge, Robert Southey und viele andere. Es gibt also genug Stoff, um über diese Region im Nordwesten Englands zu schreiben.

Die Lakeland Book of the Year Awards tragen dem Rechnung und so werden jedes Jahr Bücher ausgezeichnet, die sich mit irgendeiner Thematik der Lakelands befassen, in diesem Jahr zum sechsunddreißigsten Mal. Am 30. Juni werden die diesjährigen Preise im Roundthorn Country House Hotel in Penrith vergeben. Eine dreiköpfige Jury unter der Leitung von Hunter Davies OBE, der die Book Awards auch gründete, wird dann aus der Fülle der Neuerscheinungen die bestern heraussuchen und prämieren. Es werden insgesamt sechs Preise in unterschiedlichen Kategorien vergeben, der Hauptpreis ist aber der Hunter Davies Lakeland Book of the Year Award.

Werfen wir einen Blick zurück, um zu sehen, womit sich die bisherigen Buchpreisträger beschäftigten.
Der Sieger des vorigen Jahres war das Buch „The Corpse Roads of Cumbria: Featuring Walks Along the County’s Ancient Paths„, geschrieben von Alan Cleaver und Lesley Park. Darin geht es um die sogenannten „corpse roads“, das sind Wege, die dazu benutzt wurden, um Verstorbene aus abgelegenen Gegenden zur nächstgelegenen Kirche zu bringen. Meist waren das nur ausgetretene Pfade, und vor allem im Winter war es nicht ganz leicht, diese mit der schweren Last zu begehen. Das Buch erschien im Verlag Chitty Mouse Press in Whitehaven in Cumbria.

In der Unterkategorie The Gilpin Hotel and Lake House Prize for Fiction war die letztjährige Preisträgerin Jill Clough mit ihrem Debutroman „Morph„, einer Coming-of-Age Geschichte um ein junges Mädchen im Lake District.

Den The Striding Edge Prize for Guides and Places erhielt im Jahr 2019 David Ramshaw für sein Buch „The Little Book of Cumbria“ (das ich mir gerade zugelegt habe und in meinem Blog später vorstellen werde).

Der Hauptpreisträger des Jahres 2017 war der Fotograf Phil Rigby, der für sein Buch „Portrait of Cumbria„, einem Bildband, ausgezeichnet wurde.

Eine „corpse road“ im Wasdale.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Jason deCaires Taylors „Alluvia“ im River Stour in Canterbury (Kent)

Ich bin sicher, dass viele Besucher der Stadt Canterbury in Kent sich fürchterlich erschrocken haben, wenn sie einmal von der Westgate Bridge in den River Stour hinuntergeschaut und dort auf dem Grund des Flusses zwei leblose Körper gesehen haben. Beim näheren Hinblicken erkennt man dann erst, dass es sich glücklicherweise nicht um zwei Wasserleichen handelt, sondern um die Skulpturen zweier Frauenkörper, geschaffen von dem Künstler Jason deCaires Taylor, der sich auf Unterwasserskulpturen spezialisiert hat. In meinem Blog stellte ich ihn schon einmal mit seinem Themse-Kunstwerk „The Rising Tide“ vor.

Aus Glasharz, Zement und recyceltem Glas bestehen die beiden Skulpturen im River Stour, die sich „Alluvia“ (alluvial=durch einen Fluss abgelagert) nennen und 2008 installiert wurden. Noch eindrucksvoller wirken die beiden nackten Damen im Dunkeln, denn sie sind beleuchtet. Die Menge der auf den Figuren abgelagerten Algen dienen als Hinweis darauf wie sauber bzw. wie verschmutzt der River Stour ist.

Vorbild für das Kunstwerk war für Jason deCaires Taylor das Bild „Ophelia„, das Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Maler Sir John Everett Millais (1829-1896) geschaffen wurde und das im Museum Tate Britain in London hängt.

Taylor wuchs in Canterbury auf und wohnte in der St Augustine’s Road. Er besuchte die Chaucer Technology School und wollte gern auf das Kent Institute of Art and Design, das ihn jedoch nicht annahm. Jetzt ist er weltweit einer der angesehensten Unterwasserkünstler.

Der River Stour in Canterbury an der Westgate Bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

 

Published in: on 14. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das White Hart Lane Stadion im Londoner Stadtteil Tottenham – Austragungsort eines der kuriosesten Fußballspiele aller Zeiten

Das ehemalige White Hart Lane Stadion in Tottenham.
Author: Forthevline.
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Es war der 21. November 1945. In London herrschte dichter Nebel, ein „pea-souper“ hatte sich wieder einmal über die Stadt gelegt. Im Stadion White Hart Lane im Stadtteil Tottenham (das Stadion lag gar nicht am White Hart Lane, sondern an der High Road) war ein Spiel zwischen dem Arsenal F.C. und der russischen Mannschaft Dynamo Moskau angesetzt. Das Stadion gehörte eigentlich der Mannschaft Tottenham Hotspur, die es aber für das Match zur Verfügung stellte, da Arsenals Highbury nach den Kriegswirren nicht zur Verfügung stand.

White Hart Lane war voll besetzt, aber viel sehen konnten die Zuschauer zu Beginn des Spiels nicht. Eigentlich hätte es gar nicht angepfiffen werden dürfen, aber der russische Schiedsrichter bestand darauf. Der Mann in Schwarz traf auch die höchst merkwürdige Entscheidung, dass die beiden englischen Linienrichter auf einer Seite gemeinsam das Spiel beobachten sollten, und er allein auf der gegenüberliegenden Seite. In dem dicken Nebel konnte der Schiedsrichter nur wenig erkennen, was sich da auf dem Platz tat. Ein Tor fiel für die Moskauer Mannschaft, obwohl der Torschütze meterweit im Abseits stand. Ein Arsenal-Spieler wurde vom Platz gestellt, mischte sich aber stillschweigend wieder unter seine Mannschaftskollegen, was aber der Schiedsrichter nicht mitbekam. Dynamo nahm einen Spieleraustausch vor, wobei der ausgetauschte Spieler trotzdem auf dem Platz blieb, was erst nach zwanzig Minuten auffiel.
Der Nebel nahm nach der Halbzeit noch mehr zu, so dass die Zuschauer so gut wie gar nichts mehr sehen konnten. Dem Torwart der Gunners, wie die Spieler vom Arsenal F.C. auch genannt werden, ging es nicht viel besser, denn er knallte mit dem Kopf gegen den Pfosten seines Tores und wurde ohnmächtig, woraufhin ein Zuschauer seinen Platz einnahm. Das Match wurde tatsächlich zu Ende gespielt; Dynamo gewann mit 4:3 und der russische Schiedsrichter war zufrieden mit seinem Werk…

Hier sind einige Szenen aus dem Spiel zu sehen, pardon, zu erahnen.

Das Stadion in Tottenham wurde 2017 abgerissen und durch ein neues an der alten Stelle ersetzt. Das erste offizielle Spiel der Spurs in der neuen Arena fand am 3. April 2019 gegen den Ortsrivalen Crystal Palace statt.

Published in: on 13. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Der heilige Rasen der Colleges in Cambridge…und wie einer von ihnen kürzlich misshandelt wurde

Eine makellose Rasenfläche wie sie sein soll; hier im Christ’s College.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Wenn man einmal ein College in Cambridge besichtigen will, kann es dem Besucher unterlaufen, einen großen Fehler zu machen: Never ever walk on the lawn!! Das Betreten des gepflegten heiligen Rasens innerhalb der Colleges ist nämlich strengstens untersagt…es sei denn, man ist ein Fellow, also ein Mitglied des Lehrerkollegiums. Wird man beim Rasenbetreten erwischt, so ist sicher immer jemand zur Stelle, der den Bösewicht sofort zurückpfeift. Manche Colleges geben bestimmte Rasenflächen frei, so dass sich die Studenten im Sommer dort hinlegen können.

Ab und zu kommt es vor, dass diese Regel durchbrochen wird, so geschehen beispielsweise vor einiger Zeit im Selwyn College, als es sich dort ein Mann auf dem Old Court Lawn bequem machte und ein Nickerchen hielt. Nur der Master, die Fellows und der Collegehund dürfen diesen Rasen betreten, und so wurde die Polizei herbeigerufen, um den Mann zu entfernen, was dieser aber nach einer Stunde von selbst tat.

Sehr viel Schlimmeres widerfuhr dem Trinity College in diesem Jahr im Februar. Da zog eine Abordnung der Organisation Extinction Rebellion, eine radikale Umweltschutzbewegung, mit Schaufeln bewaffnet in die Lehranstalt und begann den Rasen umzugraben (hier ist eine Film über die Aktion). Warum gerade traf es das Trinity College? Die Klimaaktivisten warfen dem altehrwürdigen College vor, über eine Rekordsumme von mehr als £9 Millionen in Öl- und Gasfirmen investiert zu haben. Ein weiterer Grund für die Protestaktion war der geplante Verkauf der collegeeigenen Innocence Farm bei Felixstowe in Suffolk, damit auf dem Gelände ein riesiger LKW-Parkplatz angelegt werden soll, als Teil eines großen Business Parks des Port of Felixstowe (aus diesem Plan wurde übrigens nichts, auch ein Verdienst der Umweltaktivisten).

Trinity College was not amused nach diesem Zwischenfall und schloss daraufhin für eine Zeit seine Pforten für sämtliche Besucher. Der Collegegärtner hatte sicher alle Hände voll zu tun, um den misshandelten Rasen wiederherzustellen.

Der Rasen des Trinity Colleges, nachdem er von Extinction Rebellion umgegraben wurde.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Congleton in Cheshire – Die Stadt der Bären

Über die Stadt Congleton in der Grafschaft Cheshire habe ich in meinem Blog noch nichts geschrieben, was sich heute aber ändern soll. Die rund 26 000 Einwohner zählende Stadt liegt etwas westlich vom Peak District und wird Beartown genannt.

Wie es zu dem Namen kam, ist schnell erzählt: Im 17. Jahrhundert waren Tanzbären sehr beliebt, die bei Volksfesten ihre Künste zeigen mussten. Der Tanzbär von Congleton siechte damals bei einem anstehenden Fest vor sich hin und starb schließlich, ein Desaster für die Veranstalter, denn viele Besucher kamen extra wegen des Bären…und ohne Bär keine Umsätze. Also musste ein neuer her, aber es war kein Geld dafür in der Stadtkasse. Da kam einer der Stadtoberen auf die Idee, das Geld, das eigentlich für den Ankauf einer neuen Bibel gedacht war, für den Bärenkauf zu verwenden und anschließend, wenn der Bär bei dem Fest genügend Geld eingebracht hatte, es wieder für den eigentlichen Zweck zu verwenden. Diese Geschichte, ob sie nun stimmt oder nicht, ist so eng mit Congleton verwoben, dass die Stadt bis heute Beartown genannt wird. Es gibt auch ein Lied, das die Geschichte beinhaltet, „Congleton Bear„, hier zu hören.

Nach wie vor hat man in Congleton ein Herz für Bären, denn vor einigen Jahren hatte man in der Stadt Geld für eines dieser Tiere gesammelt, das in Ostasien in einer „bear bile farm“ gefangen gehalten war. In diesen „Farmen“ wird Bären Gallenflüssigkeit entnommen, die in der Medizin Verwendung findet, eine sehr schmerzhafte und grausame Prozedur. Bosley hieß das Tier, das durch die Spenden aus der Stadt in Cheshire wieder aufgepäppelt werden und ein zufriedenes Leben führen konnte.

Im Jahr 2011 feierte man in Congleton The Year of the Bear und stellte 76 1,50 hohe Bären im ganzen Stadtgebiet auf (hier ist ein Film darüber).

Es gibt hier eine Beartown Brewery, deren Biere Namen tragen wie Bluebeary, Peach Melbear und Kodiak, ferner Pubs, die Beartown Tap und Beartown Cock heißen und in der Market Street wartet das Bear Grills Café auf Gäste.

Der Spitzname des Congleton Football Clubs ist The Bears und im Logo des Vereins findet man einen Tanzbären.

The Beartown Cock.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Am Astbury Mere Country Park.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

…und noch ein Bär, im Ortsteil Buglawton.
Photo © Brian Deegan (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Derek Jarmans Prospect Cottage in der Romney Marsh (Kent)

Am südlichen Zipfel der Romney Marsh, einer flachen Marschlandschaft in der Grafschaft Kent, liegt Dungeness, beherrscht von den Türmen des Kernkraftwerks gleichen Namens; eine ziemlich einsame Gegend, die mich immer wieder fasziniert. Vor einigen Jahren habe ich mich mit meinem Auto in den Kieseln festgefahren, die diese Region beherrschen (freundliche Helfer haben mich da wieder herausgezogen; siehe dazu meinen Blogeintrag).

Den Filmregisseur Derek Jarman (1942-1994) zog es in den letzten Jahren seines Lebens hierher. Er kaufte sich 1986 das kleine Prospect Cottage, eine ehemalige Fischerhütte, in der Nähe des Strandes und versuchte, dort einen kleinen Garten anzulegen. Eigentlich hatte er davon keine Ahnung und auch wenig Hoffnung, dass auf dem Boden etwas gedeihen würde. Einige Freunde halfen ihm bei der Anlage; man sammelte Steine, angeschwemmtes Holz, alte Gartengeräte und bastelte damit einen ganz besonderen Garten, der von keinem Zaun umgrenzt wurde und der allmählich zu einem Gesamtkunstwerk heranwuchs. Derek Jarman lebte in Prospect Cottage bis zu seinem Tod. Danach kümmerte sich sein Freund Keith Collins um das Haus, der 2018 verstarb. Danach war das Schicksal des Hauses und des Gartens ungewiss.
Mit einer großen Kraftanstrengung in Form von Spendenaufrufen und Crowdfunding, initiiert von der Schauspielerin Tilda Swinton und anderen Künstlern, kamen Anfang April diesen Jahres in kurzer Zeit etwa £3.6 Millionen zusammen, so dass die Zukunft von Prospect Cottage gesichert ist. Die Organisation Creative Folkestone wird sich um das Haus und den Garten kümmern. Nach vorheriger Absprach wird man Prospect Cottage auch besichtigen können. Es soll aber auch als vorübergehende Residenz für Künstler, Filmschaffende und Gärtner dienen, die sich hier in der Einsamkeit der Romney Marsh für neue Werke inspirieren lassen können.

Derek Jarman veröffentlichte  zusammen mit seinem Freund, dem Fotografen Howard Sooley, ein Buch über seinen Garten mit dem Titel „Derek Jarman’s Garden„, das 1995 bei Thames & Hudson veröffentlicht wurde, eine der letzten Arbeiten des Mannes, der am 19. Februar 1994 an AIDS starb und auf dem Friedhof der St. Clements Church in Old Romney, einige Kilometer nördlich seines geliebten Gartens, beigesetzt wurde.

1990 drehte Jarman einen Film mit dem Titel „The Garden (hier ist der Trailer)“, in dem sein Garten und die Gegend um Dungeness den Hintergrund bildeten für eine Geschichte, in der die Themen Homosexualität und Christentum im Mittelpunkt stehen. Ein Film, der fast ohne Dialoge auskommt.

Ein Gedicht an der Hauswand.
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Derek Jarmans Grab in Old Romney (Kent).
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

 

 

Whitby in North Yorkshire – Schauplatz des Musikvideos „Holding Back the Years“ von Simply Red

Simply Red, die englische Band um Leadsänger Mick Hucknall, veröffentlichte 1985 das Album „Picture Book„, aus dem die Single „Holding back the years“ ausgekoppelt  und zu ihrem größten Erfolg wurde. Der Song erreichte am 12. Juli 1986 Platz 1 der Billboard Hot 100 in den USA und kam bis auf Platz 2 der britischen Charts. Mick Hucknall schrieb das Lied schon im Alter von 17 Jahren.

Wer sich einigermaßen in North Yorkshire auskennt, erkennt im Musikvideo zu „Holding Back the Years“ sofort, dass es in Whitby aufgenommen wurde. Bei den Innenaufnahmen sieht man durch das Fenster den kleinen hübschen Hafen der Stadt und einige Szenen wurden oberhalb Whitbys auf dem Friedhof von St Mary’s und auf dem Gelände der ehemaligen Benediktiner-Abtei gedreht, von der nur noch die romantischen Ruinen stehen. Ich finde, dass Simply Red hier ein sehr stimmungsvolles Video aufgenommen haben. Die Lehrerin wird übrigens von Maggie O’Neill gespielt, die man aus zahlreichen (späteren) Fernsehauftritten kennt, so hat sie zum Beispiel bei den „EastEnders“, bei den „Midsomer Murders“ (in der Episode „The Straw Woman“, die in Deutschland unter dem Titel „Brennen sollst du!“ lief, als Agnes Waterhouse) und in der Serie „Murder in Mind“ mitgespielt.

Hier ist das Musikvideo von „Holding Back the Years“ zu sehen.

Whitby Abbey.
Eigenes Foto.

Zwischen den Grabsteinen auf dem Friedhof von St Mary’s oberhalb von Whitby wurden einige Szenen des Videos gedreht.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 9. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Radio UK“ – Eine tolle App für das Smartphone

Eigenes Foto.

Ich finde es immer wieder großartig, dass man über das Internet Radiosender aus aller Welt empfangen kann, und das auch noch in sehr guter Tonqualität. Ich höre mir gern Sender aus England an und habe eine entsprechende Kategorie in meinem Blog eingerichtet, in der ich hin und wieder Rundfunksender vorstelle.

Eine besonders empfehlenswerte App für das Smartphone ist „Radio UK„, die Hunderte von Sendern auflistet, die über das Internet Live zu hören sind und mit einem Klick direkt verbindet. Es gibt eine Suchfunktion, man kann die Seiten aber auch nach Nationalradio und nach Lokalradio durchblättern, letzteres ist wiederum nach Regionen unterteilt.

Nehmen wir als Beispiel die Region „Yorkshire and the Humber„, die 46 Sender beinhaltet. Dort finden wir BBC Radio Sheffield, Hull-Kingston Radio, Asian Fever aus Leeds und Redroad FM aus Rotherham.

Die App bietet aber nicht nur Radiosender, sondern auch Podcasts. Auch dafür einige Beispiele: Paranormal Mysteries, „a weekly show that covers all facets of unexplained phenomena“, The Infinite Monkey Cage, „witty, irreverent look at the world through scientists‘ eyes“ und The Peter Crouch Podcast, „guide to being a professional footballer“.

Ich finde die App wirklich gut (es gibt noch mehrere vergleichbare andere); man kann sie kostenlos aus dem Google Play Store bzw. aus dem Apple App Store herunterladen.

Published in: on 8. April 2020 at 02:00  Comments (1)  
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St Bride’s Church in der Londoner Fleet Street – Sir Christopher Wren, eine Hochzeitstorte und ein Blitzableiter

Welche Londoner Kirchen hat Sir Christopher Wren nach dem Großen Feuer von 1666 eigentlich nicht wieder erbaut? Er muss ein außerordentlich fleißiger Architekt gewesen sein. Auch die den Flammen zum Opfer gefallene Kirche St. Bride’s an der Londoner Fleet Street baute Wren wieder auf und diese wurde später, da sie im Zentrum der englischen Pressewelt lag, zum „spiritual home of the media„.

St.Bride’s ist mit 69 Meter Höhe eine der höchsten Londoner Kirchen und der Turm erinnert sehr stark an … ja, eine Hochzeitstorte. Der Konditor William Rich, der auf dem Ludgate Hill lebte und jeden Tag von seiner Küche aus auf den Turm von St. Bride’s blickte, hatte die Idee, eine in Auftrag gegebene Hochzeitstorte nach diesem (mehrschichtigen) Turm zu gestalten, mit großem Erfolg, denn noch heute zählt so eine Hochzeitstorte zu den Highlights jeder Feier.

Einen weiteren schwarzen Tag in ihrer Geschichte erlebte St. Bride’s am 29. Dezember 1940, als sie während des London Blitz schwer getroffen wurde. Dank des Einsatzes einiger Zeitungsmagnaten und zahlreicher Journalisten wurde die Kirche erneut aufgebaut, und sie wird nun hoffentlich lange unversehrt stehen bleiben (hier ist ein Film über die Neueröffnung 1957).

Die britische Gruppe Jethro Tull um den legendären Ian Anderson hat in der Kirche mehrere Konzerte gegeben, zum Beispiel zu Weihnachten 2008 und die CD „Christmas at St Bride’s 2008“ kann man im Shop der Kirche erwerben. Hier ist ein Auftritt aus dem Jahr 2012 zu sehen.

Was gibt es noch über die Kirche zu berichten? Samuel Pepys, der berühmte Tagebuchschreiber (und Bloggerkollege von mir…) wurde hier 1633 getauft.

1764 kam es zu einem Streit zwischen Benjamin Franklin und König Georg III über die Kirchturmspitze von St. Bride’s, die von einem Blitz getroffen und auf einmal 2,40m kürzer war. Es ging um den Blitzableiter, der dort jetzt installiert werden sollte. Benjamin Franklin wollte ihn spitz zulaufend haben, während der König ein stumpfes Ende haben wollte. Die Presse mokierte sich über den Streit mit der Schlagzeile „A sharp witted colonist against a good, honest, blunt King George“.

Hier ist ein Film über St Bride’s.

 

Published in: on 7. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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J.M.W Turners großartiges Gemälde „Stonehenge“

Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Im letzten Oktober fuhr ich wieder einmal auf der A303 an Stonehenge (siehe dazu auch meinen Blogeintrag) in Wiltshire vorbei. Von der Straße aus hat man einen guten Blick auf die prähistorischen Steine, die zum festen Besuchsprogramm jeder Südengland-Busreise gehören. Und auch an diesem Oktobertag war der Parkplatz voll belegt, und die Menschenmassen bewegten sich um die abgesperrten Steine herum. Ich war nur ein einziges Mal vor vielen Jahren dort, als die Besucher noch zwischen den monumentalen Felsbrocken umherlaufen konnten. Mir ist Stonehenge einfach zu überlaufen.

Der Maler J(oseph) M(allord) W(illiam) Turner (1775-1851) besuchte Stonehenge mehrere Male im Zeitraum von 1799 bis 1825 und war davon so beeindruckt, dass er 1827 ein Aquarell anfertigte, das die Steinformationen in einer außergewöhnlichen Situation zeigt. Ein gewaltiges Unwetter entlädt sich über Stonehenge, wobei Blitze aus einer großen Wolke heraus in das Monument einschlagen. In der Mitte scheint einer der Steine getroffen worden zu sein, denn er neigt sich schon zur Seite. Ein weiteres Drama spielt sich direkt davor ab: Eine Gruppe von Schafen, die sich hier zum Grasen zusammengefunden haben, ist vom Blitz erschlagen worden; einige liegen tot auf dem Boden, während einige überlebende Schafe nicht so recht wissen, was da mit ihnen passiert ist. Auch den Schäfer hat es erwischt, er liegt am rechten unteren Bildrand ausgestreckt, sein letztes Stündlein hat geschlagen. Sein getreuer Hund steht neben ihm und es sieht so aus, als ob das Tier das Ableben seines Herren laut beklagt.

Dieses, wie ich finde, großartige Gemälde ist Teil der Wessex Collection des Salisbury Museums. Das Museum liegt direkt gegenüber der Kathedrale.
Stonehenge ist vorübergehend wegen der Coronakrise bis zum 1. Mai geschlossen. Auch das Salisbury Museum ist seit dem 17. März bis auf weiteres nicht mehr zugänglich.

Grasende Schafe bei Stonehenge.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Na? Zieht hier ein Unwetter über Stonehenge herauf?
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. April 2020 at 02:00  Comments (3)  
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The Cloud Appreciation Society – Hier finden sich Wolkenliebhaber aus der ganzen Welt zusammen.

Eine gewaltige Wolke über Sandbanks in Dorset.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blog habe ich vor einigen Jahren schon einmal absonderliche „Appreciation Societies“ vorgestellt. Eine davon ist die Cloud Appreciation Society, die im Jahr 2005 von Gavin Pretor-Pinney gegründet wurde und die sich ausschließlich mit Wolken beschäftigt. Die Gesellschaft zählt heute 50 000 Mitglieder in 120 Ländern, ein Zeichen, dass Wolken überall in der Welt ihre Bewunderer haben.

In ihrem Manifest steht unter anderem:
We pledge to fight „Blue Sky Thinking“ wherever we find it. Life would be dull if we had to look up cloudless monotony day after day.

We seek to remind people that clouds are expressions of the atmosphere’s moods, and can be read like those of a person’s countenance.

Auf der Webseite gibt es auch einen Shop, in dem man zwar keine Wolken bestellen kann, aber beispielsweise Sweatshirts und Socken mit Wolkenmotiven, Wolkenkalender, Ohrringe, Regenschirme usw. usw.

Gavin Pretor-Pinney hat zu dem Thema auch Bücher geschrieben: „The Cloud Collector’s Handbook“ und „The Cloudspotter’s Guide“ (auf Deutsch „Wolkengucken“, 2006 im Heyne-Verlag erschienen) auf dessen Grundlage BBC 4 im Mai 2009 die Dokumentation „Cloudspotting“ produzierte (hier zu sehen).
Sein aktuelles Buch heißt „A Cloud a Day„, das im Herbst 2019 erschien, in dem 365 Fotos bzw. Gemälde von Wolken zusammengefasst sind, für jeden Tag eines.

Eine bedrohliche Wolkenformation über dem Hafen von Lowestoft (Suffolk).
Photo © John Goldsmith (cc-by-sa/2.0)

In den Cotswolds.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Englische Exzentriker – William Powell aus London, ein Mann, der auf ungewöhnliche Weise die Welt retten wollte

Der steile Highgate Hill.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

William Powell war ein Finanzbuchhalter in London, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte. Er war ein unauffälliger, sparsamer Mann, der zuverlässig tagein, tagaus seinem Beruf nachging. All das änderte sich, als er in der Lotterie einen Gewinn von £500 erzielte, was zu jener Zeit sehr viel Geld war. Von da an vernachlässigte er seine Arbeit, wurde aufsässig und gab sein gewonnenes Geld mit vollen Händen aus. Das Resultat: Ihm wurde gekündigt und bald war auch der Lotteriegewinn wie Schnee in der Sonne geschmolzen.

William Powell zog in ein Armenhaus in der Sloane Street und hatte plötzlich eine konfuse Idee. Jeden Tag machte er sich von der Sloane Street, heute im Stadtteil Kensington and Chelsea, zum Highgate Hill im Norden der Stadt auf. Dort angekommen, besann er sich einen Augenblick, reckte die Arme in den Himmel und rannte ohne Unterbrechung den Hügel hinauf. Wenn er es in einem Zug schaffte, war er zufrieden und konnte beruhigt in die Sloane Street zurückkehren. Wurde er jedoch auf dem Weg angesprochen oder sein Lauf auf irgendeine andere Weise unterbrochen, ging er wieder zum Ausgangspunkt zurück und begann seinen Lauf erneut. Was steckte hinter diesem merkwürdigen Ritual, das William Powell bei Wind und Wetter jeden Tag ausübte? Nach seiner Meinung würde die Welt in dem Moment aufhören zu existieren, wenn er es nicht den Highgate Hill in einem Rutsch hinauf schaffen sollte. Er war also täglich nur zum Wohle der Menschheit im Londoner Norden unterwegs. An einem schönen Frühlingstag des Jahre 1798 erlitt William Powell bei einem seiner Läufe eine Herzattacke und starb auf dem Highgate Hill. Glücklicherweise für uns alle blieb die Welt nicht stehen.

Die Straße Highgate Hill, die B519, ist heute eine vielbefahrene Route, die sich von der Archway Road, der A1, entlang des Highgate Cemeteries, zur Highgate High Street hinaufführt.

Zu William Powells Zeiten sah es hier ganz anders aus.
Photo © Martin Addison (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Edward Parnell: Ghostland – In Search of a Haunted Country

Foto meines Exemplares.

Hier haben wir es mit einem ganz besonderen Buch zu tun, das ich mit großem Interesse gelesen habe: „Ghostland – In Search of a Haunted Country“ von Edward Parnell, im Oktober vorigen Jahres erschienen. Der Autor ist 2014 bereits einmal auf dem Buchmarkt durch sein Buch „The Listeners“ in Erscheinung getreten, das mit dem Escalator Award des National Centre of Writing in Norwich (Norfolk) ausgezeichnet wurde. Parnell lebt auch in Norfolk, er ist sehr an der Vogelwelt seines Landes interessiert, was man beim Lesen von „Ghostland“ immer wieder feststellt.

Edward Parnells Buch ist eine literarische Spurensuche, die ihn quer durch England, Schottland und Wales führt. Es sind die Spuren britischer Schriftsteller, die sich in ihren Werken schwerpunktmäßig mit dem Übernatürlichen beschäftigt haben, wie es im Untertitel des Buches ja anklingt. Einige Beispiele:
Wir treffen bei der Lektüre immer wieder auf M(ontague) R(hodes) James (1862-1936), einen Altertumsforscher, der bis heute durch seine Sammlungen von „ghost stories“ bekannt geblieben ist (ich stellte in meinem Blog seine Geschichte „Whistle and I’ll Come to You“ vor). Weiterhin beschäftigt sich Parnell mit Algernon Blackwood (1869-1951), dessen Kurzgeschichte „The Willows“ (dt. „Die Weiden“) für mich eine der beeindruckendsten Geistergeschichten überhaupt ist. Wir treffen auf Arthur Machen (1863-1947), bekannt geworden durch seine fantastischen Geschichten und seinen Roman „The Great God Pan“ (von Stephen King hoch geschätzt). In einem Kapitel des Buches steht der Deutsche W.G. Sebald (1944-2001) im Mittelpunkt, der an der University of East Anglia in Norwich lehrte und insgeheim für den Literatur-Nobelpreis gehandelt wurde, aber leider auf tragische Weise ums Leben kam; siehe dazu meinen Blogeintrag. Sebald hat sich zwar keinen Namen durch das Schreiben von Geistergeschichten gemacht, aber er hat es auf großartige Weise verstanden, die spezielle Atmosphäre East Anglias einzufangen.

„Ghostland“ ist auch ein sehr emotionales Buch, denn Edward Parnell flicht in seine Reisebeschreibungen immer wieder tragische Erlebnisse ein, mit denen er in seinem Leben konfrontiert worden ist wie das allmähliche krankheitsbedingte Sterben seiner Eltern und seines Bruders.

Ein wunderbares, atmosphärisch sehr dichtes Buch!

Hier ist der Autor in einem kurzen Fernsehauftritt zu sehen.

Edward Parnell: Ghostland – In Search of a Haunted Country. William Collins 2019. 468 Seiten. ISBN 978-0-00-827195-4.

 

Published in: on 3. April 2020 at 02:00  Comments (1)  

St Bertoline’s und das Barthomley Massacre im Jahr 1643

Auf diesen Turm von St Bertoline’s hatten sich die Parlamentarier geflüchtet.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Saint Bertoline ist einer jener obskuren Heiligen, die heute kaum noch jemand kennt. Er soll im 8. Jahrhundert gelebt haben, etwa dort, wo heute die Stadt Stafford steht. Wer sich für ihn interessiert, der findet seinen Schrein und seine sterblichen Überreste in der Church of the Holy Cross in Ilam in Staffordshire.

Die Dorfkirche in Barthomley, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Cheshire, ist nach dem Heiligen benannt worden (da hatte mal jemand Fantasie gehabt und wollte die Kirche nicht schon wieder St Mary, St Peter oder All Saints nennen). Der Ort liegt ganz in der Nähe der Autobahn M6, südöstlich von Crewe. Direkt neben der Kirche ist ein sehr attraktiver Pub namens The White Lion.

Den Weihnachtsabend des Jahres 1643 hatten sich die Bewohner von Barthomley eigentlich anders vorgestellt: Es war mitten im Bürgerkrieg, als sich die Royalisten und die Parlamentarier gegenseitig die Schädel einschlugen. Es hatte sich unter den Royalisten in Cheshire herumgesprochen, dass in dem Dörfchen Barthomley Parlamentarier wohnten und denen wollte man baldmöglichst auf den Pelz rücken. Unter dem Kommando von Lord Byron (nicht der Dichter) zogen sie nach Barthomley, wo sich die 20 Cromwell-Anhänger auf den Turm von St Bertoline’s geflüchtet hatten, in der Hoffnung, dort oben halbwegs sicher zu sein. Sie hatten sich darin aber getäuscht, denn die Königstreuen entzündeten in der Kirche ein Feuer, um die Rebellen auszuräuchern. Das gelang ihnen auch; hustend hasteten die Männer vom Turm herunter und wurden von den mordgierigen Royalisten in Empfang genommen. Zwölf wurden auf der Stelle exekutiert, die anderen acht schwer verwundet. Unklar geblieben ist, ob den Parlamentariern auf dem Turm freies Geleit versprochen worden ist, wenn sie sich ergeben würden, und diese darauf nicht eingegangen sind. Wie auch immer, sie wollten dort oben auf St Bertoline’s nicht gegrillt werden und so kamen sie vom Regen in die Traufe.
Einer der Königstreuen, der mit seinem Schwert mehrere Männer umgebracht haben soll, John Connaught, wurde elf Jahre später vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Man hängte ihn am Ortsrand von Chester auf.

Seit jenem verhängnisvollen Tag zur Weihnachtszeit von 1643 ist bis heute wieder Ruhe in Barthomley eingekehrt. St Bertoline’s gibt es noch immer, doch leider hat der Coronavirus auch hier dafür gesorgt, dass die Gottesdienste bis auf weiteres ausfallen und die Kirchentore geschlossen bleiben.

Der Schriftsteller Alan Garner hat die Geschichte von dem Massaker in seinen Roman „Red Shift“ (dt. „Rotverschiebung) eingebaut, der 1973 erschien und auch unter dem selben Titel verfilmt wurde (hier ist der Trailer).

Dieser Film zeigt Barthomley, die Kirche und die Umgebung des Dorfes.

St Bertoline’s.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Der hübsche White Lion direkt neben der Dorfkirche.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Warminster in Wiltshire – Eines der britischen UFO-Zentren

Auf dem Cradle Hill, nördlich von Warminster.
Photo © Maurice Pullin (cc-by-sa/2.0)

Warminster ist eine Stadt im westlichen Wiltshire, geprägt von den vielen militärischen Einrichtungen in der Umgebung. Es ist aber auch der Ort in England mit den meisten UFO-Sichtungen. Ich las kürzlich Arthur Shuttlewoods Buch „The Warminster Mystery: Eyewitness accounts of dramatic UFO sightings in England“ (Tandem 1973), in dem sich der Autor, Journalist beim Warminster Journal, mit den Phänomenen auseinandersetzt.

Das ganze begann in den frühen 1960er Jahren, erreichte um 1965 seinen Höhepunkt und setzte sich auch in den nächsten Jahrzehnten fort. Besonders auf dem Cradle Hill und dem Cley Hill sollen viele UFOs gesichtet worden sein und dort treffen sich nachts auch immer wieder die Skywatcher, in der Hoffnung Flugkörper aus anderen Welten zu sehen. Auch Robbie Williams soll hier in der Vergangenheit auf dem Cradle Hill zu sehen gewesen sein. Er interessiert sich sehr für das Thema UFOs.

Die militärische Präsenz auf der Salisbury Plain mag vielleicht Ursache mancher merkwürdiger Sichtungen sein, da dort neue Waffen getestet werden. Es ist eine sehr eigenartige Gegend, die ich zuletzt Ende Oktober 2019 durchquerte; überall wird man auf den Straßen mit Hinweisschildern konfrontiert, die vor Panzern warnen. Die Atmosphäre des Ministry of Defence-Geländes erinnert etwas an Nevadas Area 51.

Weitere Bücher beschäftigen sich mit dem Phänomen der UFO Sichtungen, das vor allem Mitte der 1960er Jahre die kleine Stadt Warminster in Atem hielt, zum Beispiel „In Alien Heat: The Warminster Mytery Revisited“ (Anomalist Books 2005) von Steve Dewey und John Ries und „UFO Warminster: Cradle of Contact“ (Fortean Words 2012) von Kevin Goodman und Steve Dewey.

Dieser Film zeigt einige Augenzeugen des Phänomens.

Der Cley Hill, westlich von Warminster.
Photo © Phil Williams (cc-by-sa/2.0)

Am Market Place in Warminster.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

 

Foto meines Exemplares.

 

Published in: on 1. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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