St Bertoline’s und das Barthomley Massacre im Jahr 1643

Auf diesen Turm von St Bertoline’s hatten sich die Parlamentarier geflüchtet.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Saint Bertoline ist einer jener obskuren Heiligen, die heute kaum noch jemand kennt. Er soll im 8. Jahrhundert gelebt haben, etwa dort, wo heute die Stadt Stafford steht. Wer sich für ihn interessiert, der findet seinen Schrein und seine sterblichen Überreste in der Church of the Holy Cross in Ilam in Staffordshire.

Die Dorfkirche in Barthomley, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Cheshire, ist nach dem Heiligen benannt worden (da hatte mal jemand Fantasie gehabt und wollte die Kirche nicht schon wieder St Mary, St Peter oder All Saints nennen). Der Ort liegt ganz in der Nähe der Autobahn M6, südöstlich von Crewe. Direkt neben der Kirche ist ein sehr attraktiver Pub namens The White Lion.

Den Weihnachtsabend des Jahres 1643 hatten sich die Bewohner von Barthomley eigentlich anders vorgestellt: Es war mitten im Bürgerkrieg, als sich die Royalisten und die Parlamentarier gegenseitig die Schädel einschlugen. Es hatte sich unter den Royalisten in Cheshire herumgesprochen, dass in dem Dörfchen Barthomley Parlamentarier wohnten und denen wollte man baldmöglichst auf den Pelz rücken. Unter dem Kommando von Lord Byron (nicht der Dichter) zogen sie nach Barthomley, wo sich die 20 Cromwell-Anhänger auf den Turm von St Bertoline’s geflüchtet hatten, in der Hoffnung, dort oben halbwegs sicher zu sein. Sie hatten sich darin aber getäuscht, denn die Königstreuen entzündeten in der Kirche ein Feuer, um die Rebellen auszuräuchern. Das gelang ihnen auch; hustend hasteten die Männer vom Turm herunter und wurden von den mordgierigen Royalisten in Empfang genommen. Zwölf wurden auf der Stelle exekutiert, die anderen acht schwer verwundet. Unklar geblieben ist, ob den Parlamentariern auf dem Turm freies Geleit versprochen worden ist, wenn sie sich ergeben würden, und diese darauf nicht eingegangen sind. Wie auch immer, sie wollten dort oben auf St Bertoline’s nicht gegrillt werden und so kamen sie vom Regen in die Traufe.
Einer der Königstreuen, der mit seinem Schwert mehrere Männer umgebracht haben soll, John Connaught, wurde elf Jahre später vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Man hängte ihn am Ortsrand von Chester auf.

Seit jenem verhängnisvollen Tag zur Weihnachtszeit von 1643 ist bis heute wieder Ruhe in Barthomley eingekehrt. St Bertoline’s gibt es noch immer, doch leider hat der Coronavirus auch hier dafür gesorgt, dass die Gottesdienste bis auf weiteres ausfallen und die Kirchentore geschlossen bleiben.

Der Schriftsteller Alan Garner hat die Geschichte von dem Massaker in seinen Roman „Red Shift“ (dt. „Rotverschiebung) eingebaut, der 1973 erschien und auch unter dem selben Titel verfilmt wurde (hier ist der Trailer).

Dieser Film zeigt Barthomley, die Kirche und die Umgebung des Dorfes.

St Bertoline’s.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Der hübsche White Lion direkt neben der Dorfkirche.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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