Mein Buchtipp – Edward Parnell: Ghostland – In Search of a Haunted Country

Foto meines Exemplares.

Hier haben wir es mit einem ganz besonderen Buch zu tun, das ich mit großem Interesse gelesen habe: „Ghostland – In Search of a Haunted Country“ von Edward Parnell, im Oktober vorigen Jahres erschienen. Der Autor ist 2014 bereits einmal auf dem Buchmarkt durch sein Buch „The Listeners“ in Erscheinung getreten, das mit dem Escalator Award des National Centre of Writing in Norwich (Norfolk) ausgezeichnet wurde. Parnell lebt auch in Norfolk, er ist sehr an der Vogelwelt seines Landes interessiert, was man beim Lesen von „Ghostland“ immer wieder feststellt.

Edward Parnells Buch ist eine literarische Spurensuche, die ihn quer durch England, Schottland und Wales führt. Es sind die Spuren britischer Schriftsteller, die sich in ihren Werken schwerpunktmäßig mit dem Übernatürlichen beschäftigt haben, wie es im Untertitel des Buches ja anklingt. Einige Beispiele:
Wir treffen bei der Lektüre immer wieder auf M(ontague) R(hodes) James (1862-1936), einen Altertumsforscher, der bis heute durch seine Sammlungen von „ghost stories“ bekannt geblieben ist (ich stellte in meinem Blog seine Geschichte „Whistle and I’ll Come to You“ vor). Weiterhin beschäftigt sich Parnell mit Algernon Blackwood (1869-1951), dessen Kurzgeschichte „The Willows“ (dt. „Die Weiden“) für mich eine der beeindruckendsten Geistergeschichten überhaupt ist. Wir treffen auf Arthur Machen (1863-1947), bekannt geworden durch seine fantastischen Geschichten und seinen Roman „The Great God Pan“ (von Stephen King hoch geschätzt). In einem Kapitel des Buches steht der Deutsche W.G. Sebald (1944-2001) im Mittelpunkt, der an der University of East Anglia in Norwich lehrte und insgeheim für den Literatur-Nobelpreis gehandelt wurde, aber leider auf tragische Weise ums Leben kam; siehe dazu meinen Blogeintrag. Sebald hat sich zwar keinen Namen durch das Schreiben von Geistergeschichten gemacht, aber er hat es auf großartige Weise verstanden, die spezielle Atmosphäre East Anglias einzufangen.

„Ghostland“ ist auch ein sehr emotionales Buch, denn Edward Parnell flicht in seine Reisebeschreibungen immer wieder tragische Erlebnisse ein, mit denen er in seinem Leben konfrontiert worden ist wie das allmähliche krankheitsbedingte Sterben seiner Eltern und seines Bruders.

Ein wunderbares, atmosphärisch sehr dichtes Buch!

Hier ist der Autor in einem kurzen Fernsehauftritt zu sehen.

Edward Parnell: Ghostland – In Search of a Haunted Country. William Collins 2019. 468 Seiten. ISBN 978-0-00-827195-4.

 

Published in: on 3. April 2020 at 02:00  Comments (1)