Englische Exzentriker – William Powell aus London, ein Mann, der auf ungewöhnliche Weise die Welt retten wollte

Der steile Highgate Hill.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

William Powell war ein Finanzbuchhalter in London, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte. Er war ein unauffälliger, sparsamer Mann, der zuverlässig tagein, tagaus seinem Beruf nachging. All das änderte sich, als er in der Lotterie einen Gewinn von £500 erzielte, was zu jener Zeit sehr viel Geld war. Von da an vernachlässigte er seine Arbeit, wurde aufsässig und gab sein gewonnenes Geld mit vollen Händen aus. Das Resultat: Ihm wurde gekündigt und bald war auch der Lotteriegewinn wie Schnee in der Sonne geschmolzen.

William Powell zog in ein Armenhaus in der Sloane Street und hatte plötzlich eine konfuse Idee. Jeden Tag machte er sich von der Sloane Street, heute im Stadtteil Kensington and Chelsea, zum Highgate Hill im Norden der Stadt auf. Dort angekommen, besann er sich einen Augenblick, reckte die Arme in den Himmel und rannte ohne Unterbrechung den Hügel hinauf. Wenn er es in einem Zug schaffte, war er zufrieden und konnte beruhigt in die Sloane Street zurückkehren. Wurde er jedoch auf dem Weg angesprochen oder sein Lauf auf irgendeine andere Weise unterbrochen, ging er wieder zum Ausgangspunkt zurück und begann seinen Lauf erneut. Was steckte hinter diesem merkwürdigen Ritual, das William Powell bei Wind und Wetter jeden Tag ausübte? Nach seiner Meinung würde die Welt in dem Moment aufhören zu existieren, wenn er es nicht den Highgate Hill in einem Rutsch hinauf schaffen sollte. Er war also täglich nur zum Wohle der Menschheit im Londoner Norden unterwegs. An einem schönen Frühlingstag des Jahre 1798 erlitt William Powell bei einem seiner Läufe eine Herzattacke und starb auf dem Highgate Hill. Glücklicherweise für uns alle blieb die Welt nicht stehen.

Die Straße Highgate Hill, die B519, ist heute eine vielbefahrene Route, die sich von der Archway Road, der A1, entlang des Highgate Cemeteries, zur Highgate High Street hinaufführt.

Zu William Powells Zeiten sah es hier ganz anders aus.
Photo © Martin Addison (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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