Der heilige Rasen der Colleges in Cambridge…und wie einer von ihnen kürzlich misshandelt wurde

Eine makellose Rasenfläche wie sie sein soll; hier im Christ’s College.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Wenn man einmal ein College in Cambridge besichtigen will, kann es dem Besucher unterlaufen, einen großen Fehler zu machen: Never ever walk on the lawn!! Das Betreten des gepflegten heiligen Rasens innerhalb der Colleges ist nämlich strengstens untersagt…es sei denn, man ist ein Fellow, also ein Mitglied des Lehrerkollegiums. Wird man beim Rasenbetreten erwischt, so ist sicher immer jemand zur Stelle, der den Bösewicht sofort zurückpfeift. Manche Colleges geben bestimmte Rasenflächen frei, so dass sich die Studenten im Sommer dort hinlegen können.

Ab und zu kommt es vor, dass diese Regel durchbrochen wird, so geschehen beispielsweise vor einiger Zeit im Selwyn College, als es sich dort ein Mann auf dem Old Court Lawn bequem machte und ein Nickerchen hielt. Nur der Master, die Fellows und der Collegehund dürfen diesen Rasen betreten, und so wurde die Polizei herbeigerufen, um den Mann zu entfernen, was dieser aber nach einer Stunde von selbst tat.

Sehr viel Schlimmeres widerfuhr dem Trinity College in diesem Jahr im Februar. Da zog eine Abordnung der Organisation Extinction Rebellion, eine radikale Umweltschutzbewegung, mit Schaufeln bewaffnet in die Lehranstalt und begann den Rasen umzugraben (hier ist eine Film über die Aktion). Warum gerade traf es das Trinity College? Die Klimaaktivisten warfen dem altehrwürdigen College vor, über eine Rekordsumme von mehr als £9 Millionen in Öl- und Gasfirmen investiert zu haben. Ein weiterer Grund für die Protestaktion war der geplante Verkauf der collegeeigenen Innocence Farm bei Felixstowe in Suffolk, damit auf dem Gelände ein riesiger LKW-Parkplatz angelegt werden soll, als Teil eines großen Business Parks des Port of Felixstowe (aus diesem Plan wurde übrigens nichts, auch ein Verdienst der Umweltaktivisten).

Trinity College was not amused nach diesem Zwischenfall und schloss daraufhin für eine Zeit seine Pforten für sämtliche Besucher. Der Collegegärtner hatte sicher alle Hände voll zu tun, um den misshandelten Rasen wiederherzustellen.

Der Rasen des Trinity Colleges, nachdem er von Extinction Rebellion umgegraben wurde.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. April 2020 at 02:00  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. England hat zwei Rasengesichter: auf Friedhöfen herscht oft gezügelter Wildwuchs, der Insekten, Bienen und Schmetterlingen und wohl auch den meisten Besuchern gefällt. Von den verstorbenen fehlen bisher Meinungsäusserungen. Andererseits gibt es die clean lawns an Unis und auf Golfplätzen…würden hier ein paar Hektar Blumenwiesen bewirtschaftet, könnten so manche Bienenvölker und somit die Natur als ganzes ein Stück unterstützt werden…sage ich mal so als Imker.

    • Sehe ich ebenso; ich ziehe auch den Wildwuchs auf Friedhöfen vor.


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