Mein Buchtipp – Mike Carter: All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England

Foto meines Exemplares.

Der Titel von Mike Carters Buch „All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England“ nimmt Bezug auf einen Song der Band The Farm aus dem Jahr 1991.
Im Mai 1981 standen 300 arbeitslose Menschen zusammen, als sie sich zu Fuß auf den Weg von Liverpool nach London machten, um dadurch gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu demonstrieren. Nach einem Monat erreichte der People’s March for Jobs die Hauptstadt, wo die Teilnehmer eine Petition mit 250 000 Unterschriften an die Regierung überreichten, in der sie die Wiederherstellung von verlorenen Arbeitsplätzen forderten. Die Regierungschefin Margaret Thatcher weigerte sich, die Menschen aus dem Norden Englands zu empfangen.

Mike Carters Vater Pete hatte an dem Marsch teilgenommen, und der war damals beeindruckt von der Unterstützung der Marschierenden durch die Bevölkerung in den Städten, die sich mit ihnen solidarisierte. 35 Jahre später folgt Mike Carter noch einmal ganz allein dem Weg, den der People’s March for Jobs genommen hatte. Von der St George’s Hall in Liverpool  geht es über Manchester, Wolverhampton, Birmingham, Coventry und Bedford bis zum Endpunkt, dem Londoner Trafalgar Square.

Der Autor erwähnt in seinem Buch die Besonderheiten der Städte am Wegesrand, kommt immer wieder auf die Problematik in seiner Beziehung zu seinem Vater zu sprechen und trifft viele Menschen, die ihm von den gesellschaftlichen Problemen Englands erzählen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird ständig größer, immer mehr Menschen rutschen in die Armut ab; durch die Privatisierung ganzer Bereiche, die eigentlich in die öffentliche Hand gehören, ist dem Neoliberalismus Tür und Tor geöffnet. In manchen Städten müssen die Menschen bis zur Hälfte ihres Einkommens an Miete bezahlen, in der Londoner Innenstadt gibt es Viertel, in denen kaum noch jemand wohnt, da die superteueren Wohnungen von Geldanlegern aus dem Ausland aufgekauft worden sind und überwiegend leer stehen.

Mike Carter findet auf seinem Weg High Streets, die fast nur noch aus Charity Shops, Wettbüros und Payday Loan Companies bestehen (die Kurzzeitkredite zu sehr hohen Zinsen vergeben).

Mike Carters Buch hat mich sehr beeindruckt und bei mir einen pessimistischen Ausblick auf die Zukunft des Landes hinterlassen. Einer Regierung unter Führung von Boris Johnson wird es wohl kaum gelingen, dieser Entwicklung Einhalt zu bieten (wenn sie es denn überhaupt will).
Ich kann dieses Buch allen sehr empfehlen, denen dieses Land am Herzen liegt!!

Mike Carter: All Together Now? – One Man’s Walk in Search of His Father and a Lost England. Guardian Faber 2019. 391 Seiten. ISBN 978-1-78335-156-5.

Siehe auch diesen Blogeintrag zu einem anderen Buch des Autors.

Der Ausgangspunkt des Marsches: St George’s Hall in Liverpool.
Photo © roger geach (cc-by-sa/2.0)

Das Ziel: Der Londoner Trafalgar Square.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 19. April 2020 at 02:00  Kommentar verfassen