Rund um den Pudding

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In Norddeutschland gibt es den Schnack, „um den Pudding gehen„, was soviel heißt wie einen kleinen Spaziergang in der Nähe des Wohnhauses machen. Das Thema „Pudding“ soll heute im Mittelpunkt meines Blogeintrages stehen. In Deutschland ist das „der umgangssprachliche Ausdruck für eine Süßspeise, die mit Speisestärke angedickt wird“ (so die Wikipedia); gern essen wir einen Vanillepudding oder einen Schokoladenpudding.
In England wird der Begriff sehr viel weiter gefasst und kann auch andere Süßspeisen umfassen wie ein Stück Apfelkuchen oder den traditionellen Christmas Pudding. Dann gibt es noch andere nicht-süße Speisen, die Pudding genannt werden. Beispiele: Der Black Pudding, den wir mehr oder weniger gern beim Full English Breakfast verzehren, der Yorkshire Pudding, der zu einem Sunday Roast gehört und der Rag Pudding, der aus Hackfleisch, Zwiebeln und Rindernierenfett besteht.

Wie in Kate Fox‘ Buch „Watching the English“ zu lesen ist, wird der Begriff „pudding“ im klassenbewussten England überwiegend von der Oberschicht und der oberen Mittelschicht verwendet. Alternative Bezeichnungen für den Nachtisch wie „dessert“ oder „sweet“ sind in diesen Gesellschaftsschichten verpönt. Fragt jemand am Ende eines Essens, ob noch ein „sweet“ gewünscht wird, deklassiert sich der/diejenige und wird automatisch zur mittleren Mittelschicht oder sogar noch darunter eingestuft.

In meinem Blog habe ich mich mit dem Thema „pudding“ schon einige Male befasst, so mit den World Black Pudding Throwing Championships in Ramsbottom (Greater Manchester), den World Dock Pudding Championships in Mytholmroyd in West Yorkshire, der Stadt der Puddings Bakewell in Derbyshire und dem Pudding Club in Mickleton (Gloucestershire).

Im Pudding Lane in London begann im Jahr 1666 der Große Brand, der weite Teile der Stadt in Schutt und Asche legte und hin und wieder sieht man in England Straßen, die ebenfalls den Namen Pudding Lane tragen.

Manchmal findet man auf dem Gelände von Herrenhäusern sogenannte „pudding houses„; dahin zogen sich die Hausgäste zurück, um nach einer Mahlzeit ihren Pudding zu essen. In der Zwischenzeit räumten die Bediensteten den Speisesaal auf und bereiteten ihn für die anschließende Abendunterhaltung vor.

Es gibt eine Gesteinsart namens „puddingstone„, die eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Pudding hat und beispielsweise in Hertfordshire und Yorkshire gefunden wird und sich nicht zum Verzehr eignet.

Das soll für heute genügen und den Spaziergang „rund um den Pudding“ beenden.

Der Londoner Pudding Lane.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Eine Straße in der Nähe von Birch in Essex.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Ein Pudding House auf dem Gelände des Montacute House in Somerset.
Photo © Les Mildon (cc-by-sa/2.0)

Puddingstones an der Küste von Yorkshire.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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