Sir John Tavener (1944-2013) und sein Monumentalwerk „The Veil of the Temple“

Die Londoner Temple Church.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Es war an einem Juniabend im Jahr 2003 als einige Hundert Menschen zu einer ungewohnten Zeit die Temple Church in der Londoner City aufsuchten. Die alte Kirche überstand den Großen Brand von London im Jahr 1666 nahezu unversehrt, wurde dafür aber im Zweiten Weltkrieg durch Bomben stark zerstört. Die sowohl von außen als auch von innen eindrucksvolle Kirche diente in jener Nacht als Ort der Uraufführung eines wahrhaft monumentalen Musikwerkes, das von Sir John Tavener (1944-2013) komponiert worden war und den Titel „The Veil of the Temple“ trug. Die Zuhörer, die für die Eintrittskarten  £125 bezahlen mussten, hatten sich auf eine lange Nacht eingerichtet; die Aufführung begann um 22 Uhr und endete um 5 Uhr morgens.

„The Veil of the Temple“ war ein Auftragswerk, das Tavener für Stephen Layton komponiert hatte, dem Organisten und Musikdirektor der Temple Church. Tavener, der erstmals 1968 durch sein Werk „The Whale“ für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, entschied sich „The Veil“ als „Nachtstück“ zu schreiben, während dessen die Menschen zusammen kommen sollten, um gemeinsam Gott zu huldigen. Beteiligt an der Uraufführung waren die Holst Singers, das English Chamber Orchestra und der Knabenchor der Temple Church.

Jedermann konnte während der sieben Stunden kommen und gehen wie er wollte, vor der Kirche stand ein Imbisswagen, an dem sich die nächtliche Gemeinde eine Erfrischung holen konnte.

Der Komponist war während der gesamten Aufführung anwesend. Es muss für die Ausführenden ein harter Job gewesen sein, sieben Stunden lang wach und konzentriert zu bleiben (was sicher auch für die Zuhörer gegolten hat).

Wer sich für die Hintergründe des Werkes interessiert, kann dies hier nachlesen und hier ist ein kleiner Ausschnitt aus „The Veil of the Temple“ zu hören, „Mother of God, here I stand„.

Das Innere der Temple Church.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)