The British Social Attitudes Survey – Wie verändert sich das Verhalten der Briten im Laufe der Jahre?

Traurig: Eine Kirche, die nicht mehr benötigt wird: St Peter’s in Asterby (Lincolnshire).
Photo © Brian Westlake (cc-by-sa/2.0)

Das in London ansässige National Centre for Social Research ist Großbritanniens größtes Sozialforschungsinstitut, das seit 1983 regelmäßig die British Social Attitudes Survey (BSA) veröffentlicht. Dieser sehr interessante Bericht fokussiert sich auf das Verhalten der Bevölkerung hinsichtlich unterschiedlicher Themen wie Religion, Sexualität, Arbeitswelt, politische Einstellung usw.

Im Mittelpunkt des 35. Berichts stand das Thema Brexit im Vordergrund. „The country seems divided in new ways and ill at ease with itself“ heißt es da, was sicher nicht überrascht; im aktuellen, dem 36. Report, steht das Thema „Wie halten es die Briten mit der Religion?“ im Fokus, und da setzt sich ein Trend fort, der schon vor vielen Jahren begonnen hat: Immer weniger Menschen interessieren sich für Religion und die Church of England. Als die erste Survey 1983 erschien, bezeichneten sich zwei Drittel aller Briten als Christen, heute sind es nur noch ein Drittel. Heute glauben 25% der Bevölkerung nicht mehr an Gott, gegenüber 10% noch im Jahr 1998. Für die allermeisten gilt, dass sie nur noch bei Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen Berührungspunkte zur Kirche haben, aber auch diese finden immer mehr außerhalb der Church of England statt.
In dem Maße wie das Vertrauen in die Institution Kirche sinkt, steigt das Vertrauen in die Wissenschaften. So glauben drei Viertel der Bevölkerung, dass Wissenschaft und Technologie das Leben lebenswerter macht.

Eine weitere Veränderung im Verhalten der britischen Bevölkerung ist ihre Einstellung zu moralischen, speziell sexuellen Themen, was sicher Hand in Hand mit der Abwendung von der Kirche geht. Zwei Drittel haben heute keine Probleme mehr mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen; das sah Mitte der 1980er Jahre ganz anders aus, da sprachen sich zeitweise nur 10% dafür aus.
Auch die Geschlechterrollen haben sich stark verändert: Waren in den 1980er Jahren fast 50% der Meinung, Frauen gehören an den Herd, Männer verdienen das Geld, so sind es heute nur noch unter 10%.

Zusammengefasst stellt die Studie fest: „Today we may be a more secular, liberal and scientifically-minded society than we were in 1983 when BSA began, but this is by no stretch of the imagination all that we are„.

Es dürfte sehr interessant sein, was die Studie für das Jahr 2020 ergeben wird. Inwieweit wird die Corona-Epidemie das Verhalten der britischen Bevölkerung beeinflussen?

Published in: on 10. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
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