Der Londoner Chiswick Flyover und seine Eröffnung durch einen amerikanischen Filmstar im Jahr 1959

Chiswick Flyover und davor der Kreisverkehr.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

Wenn heute irgendwo in London eine neue Straße oder Straßenbrücke in Betrieb genommen werden sollte, dann dürfte das im allgemeinen nicht auf allzu große Aufmerksamkeit stoßen. In den 1950er Jahren war das etwas anders. Im Westen Londons wurde im Herbst 1959 eine neue 600 Meter lange Hochbrücke eröffnet, der sogenannte Chiswick Flyover. Sie diente dazu, den sehr starken Verkehr in diesem Teil der Stadt zu entlasten, der bis dahin durch einen chronisch verstopften Kreisverkehr verteilt worden war. Um die 40 000 Fahrzeuge täglich nutzten dieses Nadelöhr, wo sich die North und die South Circular Roads trafen. So waren die £6 Millionen für den Flyover von Chiswick gut angebracht.

Nach Fertigstellung der Brücke wollten die Baufirma Alderton’s Construction und ihr Boss J. E. Dayton eine spektakuläre Eröffnungsfeier und suchten dafür eine prominente Persönlichkeit. Nachdem die beiden Rennfahrer Donald Campbell und Stirling Moss kein Interesse gezeigt hatten, fiel Mr. Dayton etwas viel Besseres ein. Zur Zeit hielt sich gerade der Hollywoodstar Jayne Mansfield in London auf, um in den Studios von Borehamwood den Film „Too Hot To Handle“ (dt. „Zu heiß zum Anfassen“) zu drehen. Jayne Mansfield, „The Blonde Bombshell“, willigte ein, die Eröffnung des Chiswick Flyover vorzunehmen; sie wurde in einem Ford Zephyr Mk2 Convertible nach Chiswick gefahren, wo sie dann am 30. September zur Schere griff, um das Absperrungsband durchzuschneiden. Sie lächelte sexy in die Runde der Anwesenden, warf einen kurzen Blick auf die Brücke, die sie als „sweet“ bezeichnete und war dann bald wieder weg. Mr. Dayton und seine Baufirma hatten die Publicity erhalten, die sie gern haben wollten und waren zufrieden. Es gab auch einige Kritiker der Aktion, die der Meinung waren, dass es auch in Großbritannien attraktive Schauspielerinnen gab, und dass man nicht eine Amerikanerin dafür hätte nehmen müssen. Hier ist ein Film von der Eröffnung der Brücke.

Kurze Zeit nach der Brückeneröffnung kam das Gerücht auf, dass in den Fundamenten der Chiswick Flyover nicht nur Beton verbaut worden ist, sondern, dass darin auch mehrere Leichen für immer ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, Opfer der berühmt-berüchtigten Kray Twins, der Londoner Verbrecherkönige Ronnie und Reggie Kray. Zuzutrauen ist es den beiden Gangstern schon, die in den 1950er und 1960er Jahren die Stadt in Atem gehalten hatten.

Heute ist der Chiswick Flyover ein Teil der Autobahn M4, die London mit Bristol und Süd-Wales verbindet. Anlässlich des 50. Brückengeburtstages im Jahr 2009 wurde eine Plakette an ihr angebracht und für diese Zeremonie wählt man dieses Mal eine englische Schauspielerin, Imogen Stubbs, die die Plakette enthüllte.

Ruhen hier die Opfer der Kray Twins?
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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