Von problematischen Nachbarschaften in London, Lancashire und im County Durham

Im allgemeinen hält man in England gern Abstand zu seinen Nachbarn, und der Spruch „My home is my castle“ gilt auch heute noch. Manchmal kommt es aber zu Problemen mit der lieben Nachbarschaft, und da möchte ich heute drei Beispiele anführen.

Dieses auffällig gestrichene Haus im Londoner Stadtteil Kensington stand einmal im Mittelpunkt eines Nachbarschaftsstreits. Der Besitzer wollte das Haus abreißen und durch ein neues, moderneres ersetzen lassen. Diese neue Gebäude sollte zwei unterirdische Stockwerke erhalten, ein sogenanntes „iceberg home“, sehr beliebt bei den Londoner Superreichen, die auf diese Weise deutlich mehr Platz erzielen.
Die Nachbarn wehrten sich gegen diese Pläne, und da auch der Kensington and Chelsea Council nicht mitmachen wollte, wurde das Haus eben, um die Nachbarn zu ärgern, in dieser auffälligen und provozierenden Weise gestrichen. Aber auch da schritt der Council ein und erteilte die Auflage, das Gebäude in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. was dann so aussah:

 

Dieses Haus in der Stankelt Road in Silverdale (Lancashire) steht vor einer sogenannten „spite wall„, die 1880 errichtet wurde und zwar von dem Besitzer des Hauses auf der gegenüberliegenden Seite. Dessen Haus stand zuerst da und hatte einen schönen Blick auf die Landschaft…bis das Haus gegenüber gebaut wurde, das ihm die Sicht nahm und auch die „privacy“. Erzürnt ließ der Nachbar diese „spite wall“ am äußersten Ende seines Grundstücks errichten; nun hatte er wenigstens seine Privatheit wieder und sein Gegenüber blickte aus seinen Fenstern auf eine graue Mauer.

Joseph Edlestone war 41 Jahre lang Vikar an der St Mary’s Church in Gainford (County Durham) gewesen. Als er 1895 in seinem Haus in Cambridge starb, wollten seine Kinder gern ein Denkmal für ihren Vater auf dem Kirchhof von St Mary’s errichten lassen, was die Kirche aber ablehnte, mit dem Hinweis, der Kirchhof sei bereits voll und es gäbe keinen Platz mehr. Aber: Wenn die Famile Edlestone, die das angrenzende Grundstück besaß, einen Teil davon an sie abtreten würde, könnte sie das Monument ja dorthin stellen. Das passte Joseph Edlestones Kindern aber überhaupt nicht, und so bauten sie auf ihrem Grund und Boden ein großes Haus, das Edlestone Spite House, und errichteten direkt an der Grenze zum Kirchhof eine zwölf Meter hohe Säule, die oben im Bild zu sehen ist. Der Vikar von St Mary’s war sicher „not amused“.

Das Buch zum Artikel:
Emily Cockayne: Cheek by Jowl – A History of Neighbours. Bodley Head 2012. 288 Seiten. 978-1847921345.

 

Published in: on 1. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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