Die Statue des Edward Colston in Bristol und ihr Ende am 7. Juni 2020

Wer hätte gedacht, dass der brutale Einsatz eines Polizeibeamten in Minneapolis in den USA dazu führen konnte, dass im einige tausend Kilometer entfernten Bristol in England eine Statue von ihrem Podest entfernt und im Hafenbecken der Stadt versenkt wurde? Von den weltweiten Anti-Rassismus-Kundgebungen fanden auch einige in Großbritannien statt, darunter in Bristol. Am letzten Sonntag zogen dort Demonstranten in die Colston Avenue, wo seit 1895 eine über fünf Meter hohe Statue des Mannes steht, der auch Namensgeber der Straße ist: Edward Colston. Vor allem der schwarzen Bevölkerung Bristols war diese Figur ein Dorn im Auge, denn Colston, der von 1636 bis 1712 lebte, war ein Sklavenhändler und dafür verantwortlich, dass über 80 000 Menschen aus britischen Kolonien in Westafrika in die Plantagen der Karibik verschleppt wurden, wodurch sich die Schatulle Colstons gut füllte. Ein paar Jahre war er als Parlamentsmitglied für Bristol tätig. Sein Reichtum verwendete er aber auch für gute Zwecke, so ließ er 1691 in der King Street und auf dem St Michaels Hill in Bristol Armenhäuser erbauen, förderte Schulen und Krankenhäuser und war so ein Wohltäter für die Stadt im Westen Englands. Als er 1712 starb, wurde er in der All Saints‘ Church in Bristol beigesetzt.

Für seine Verdienste um die Stadt setzte man ihm ein Denkmal, das der Bildhauer John Cassidy entwarf und das am 13. November 1895 in Anwesenheit des Bürgermeisters und des Bischofs von Bristol eingeweiht wurde. „Erected by citizens of Bristol as a memorial of one of the most virtuous and wise sons of their city AD 1895“ steht auf dem Denkmal zu lesen, das 1977 als Grade II eingestuft wurde (besonders bedeutende Bauwerke von allgemeinem Interesse).

An Edward Colstons Statue schieden sich die Geister, die einen sahen in ihm den Wohltäter, die anderen den Sklavenhändler und plädierten dafür, das Denkmal zu entfernen. Am vorigen Sonntag nahmen die Demonstranten die Angelegenheit in ihre eigenen Hände und warfen die Statue kurzerhand in das Hafenbecken von Bristol. Die Londoner Politiker reagierten mehrheitlich empört auf die Aktion, sprachen von Vandalismus und meinten, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Hier ist ein Film über die Aktion.

Ob wohl jetzt die Colston Avenue (die A38) und das Hochhaus Colston Tower umbenannt werden?

Colstons Almshouses (St Michael’s Hill).
Photo © Richard Hoare (cc-by-sa/2.0)

Colston Avenue.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Der Colston Tower.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 10. Juni 2020 at 02:00  Comments (4)  
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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. in Belgien haben wir das problem mit den statuen von könig leopold II, der den Kongo ausbeuten ließ. Aber irgendwie gehört er zur geschichte. Manche verändern die statuen dann, um auf seinen rassismus einzugehen,indem sie den statuen arme absägen oder sie blutrot anmalen…die botschaft ist so vielleicht klarer, als wenn man die statuen in hafenbecken wirft
    All die Kriegshelden, die, wie Karl der Große, Menschen zwangschristianisieren oder auf schlachtfelder sterben ließen…Wäre man da konsequent, gäbe es unmengen an „Würfe in hafenbecken“…

  2. Meinem schreibenden Vorgänger kann ich nicht widersprechen – die Greueltaten der Weissen in Diensten des belgischen Königs Leopold II. in dessen „privater“ Kolonie Belgisch-Kongo Ende des 19. Jahrhunderts sind dafür ein sprechendes Beispiel. Was mich aber derzeit in Bristol und anderswo erschreckt, ist die Gewalt und die Energie der Zerstörung durch Leute, die mit Geschichte etc. womöglich gar nichts am Hut haben, sondern einfach mitmachen und mitdreschen. Es gibt nichts Schlimmeres, als die Dynamik des Mob!

    • Dieser Meinung kann ich mich voll und ganz anschließen!!


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