Osea Island – Eine abgelegene Insel im Mündungstrichter des River Blackwater in Essex

Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)

Es ist nicht ganz leicht, sich Zutritt zu Osea Island im Mündungstrichter des River Blackwater in Essex zu verschaffen. Sie ist in Privatbesitz und da wird der Zugang reglementiert. Ein schmaler Fahrdamm führt zur Insel und da muss man sich vorher anmelden, um diesen Damm bei Niedrigwasser auch befahren zu dürfen. Dieser Film zeigt wie man auf Osea Island gelangt.

Diese Abgeschiedenheit wurde im Laufe der Jahrzehnte für verschiedene Zwecke genutzt, für die Diskretion und Ruhe erforderlich waren. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts eröffnete Frederick Charrington hier eine Alkoholentzugsklinik für wohlhabende Londoner; nicht ganz ohne Witz, denn er gehörte der Familie an, die die Charrington Brewery betrieb. Rund hundert Jahre später kümmerte man sich auf Osea Island um Drogenabhängige und Menschen mit mentalen Problemen, zu denen auch die Sängerin Amy Winehouse gehörte. Diese im Manor House untergebrachte Klinik schloss 2010 ihre Pforten.

Osea Island wird heute für andere Zwecke genutzt wie für Musikaufnahmen, denn die Insel ist im Besitz des Produzenten Nigel Frieda, der zum Beispiel mit den Rolling Stones zusammengearbeitet und die Girlgroup Sugababes gegründet hat. So finden sich hier immer mal wieder Stars aus dem Showbusiness ein, es werden Parties gefeiert und Firmen laden zu speziellen Events ein wie vor einigen Jahren die Champagnerfirma Krug.

Osea Island ist aber nicht nur eine Partyinsel, auf der gern auch Hochzeiten gefeiert werden; mehrere Cottages stehen zur Miete zur Verfügung, so dass nicht nur die Londoner High Society in den Genuss eines Aufenthaltes hier kommen und die Ruhe genießen kann, sondern auch der Normalbürger.

Hier ist ein Drohnenflug über die Insel zu sehen.

Der Zufahrtsweg zur Insel.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Das Manor House.
Photo © Glyn Baker (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Pubschilder – Divers Arms in Herne Bay (Kent)

Über den kleinen Badeort Herne Bay an der Nordküste von Kent schrieb ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit seiner Pier. An der Central Parade, nur wenige Schritte vom Strand entfernt, steht ein Pub, der sich durch sein ungewöhnliches Schild auszeichnet: Divers Arms. Dort, wo andere Pubs in der Regel durch ein gemaltes Schild auf sich aufmerksam machen, hat dieses Gasthaus einen Taucherhelm; eine weitere Kuriosität finden wir direkt unter dem Schild, wo ein Eisbär und eine Robbe zu sehen sind, mit dem hilfreichen Vermerk: „Did You Realise? Follow this sign & ‚tis only 2675 miles to the North Pole„. Wer jetzt nicht das Bedürfnis verspürt, diesem Wegweiser zu folgen und den Originaltieren dort oben im hohen Norden einen Besuch abzustatten, der macht sich stattdessen vielleicht Gedanken, warum an der Stelle, an der üblicherweise Bilder von Royal Oaks oder Red Lions zu finden sind, ein Taucherhelm angebracht ist.

Im Nachbarort Whitstable, berühmt für seine Austern, lebte Anfang des 19. Jahrhunderts ein Mann namens John Deane und der entwickelte damals den ersten Taucherhelm und Taucheranzug. Bei einem Feuer in einem Pferdestall hatte John Deane die großartige Idee, sich den Helm von einer Rüstung zu schnappen und sich dort Luft hineinpumpen zu lassen. Auf diese Weise konnte er trotz des Rauches in den Stall vordringen und die dort eingeschlossenen Pferde retten. Er ließ sich den Helm patentieren unter dem Titel Apparatus or Machines to be worn by Persons entering Rooms or other places filled with Smoke of other Vapour, for the purpose of extinguishing Fire, or extricating Persons or Property therein„. Es dauerte nicht lange bis John Dean auf die Idee kam, diesen Helm auch für Tauchgänge zu verwenden und schon war der Taucherhelm geboren. Der Mann machte sich auch einen Namen dadurch, dass er zum Wrack der Mary Rose hinuntertauchte und von dort unten allerhand Gegenstände ans Tageslicht beförderte.

Divers Arms gehört zur Brauerei Shepherd Neame in Faversham („Britain’s oldest brewer since 1698“), und wenn man dort einkehrt, sollte man vielleicht bei einem Pint Spitfire Golden Ale auf John Deane und seine Erfindung anstoßen.

  Divers Arms
66 Central Parade
Herne Bay, Kent
CT6 5JQ

Das Buch zum Artikel:
John Bevan: The Infernal Diver – Lives of John and Charles Dean, Their Invention of the Diving Helmet And Its First Application  To Salvage, Treasure Hunting. Submex 1996. 327 Seiten. 978-0950824215.

 

Published in: on 30. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Aira Force – Ein romantischer Wasserfall im Lake District (Cumbria)

Zuerst zwei Erläuterungen zum Titel meines heutigen Blogeintrags: Mit der britischen Luftwaffe hat Aira Force nichts zu tun, es ist also kein Tippfehler von mir. Zweitens muss ich leider das „romantisch“ relativieren, denn in der Hauptsaison kann es hier sehr voll werden (wofür ein großer Parkplatz an der A592 spricht).

Also: Der Aira Force ist ein Wasserfall in der Nähe des Lake Ullswater im Lake District, eine der touristischen Hochburgen Englands. Er ist nicht sonderlich spektakulär, aber er ist eben sehr hübsch anzusehen. Das Flüsschen Aira Beck stürzt etwa 20 Meter über Felsen in die Tiefe. Oben befindet sich eine „pack horse bridge“, eine steinere Brücke, über die früher Packpferde geführt worden sind, auch die Brücke am Fuß des Wasserfalls ist aus Steinen erbaut. Aira Force ist schon seit über hundert Jahren im Besitz des National Trusts.

In den 1780er Jahren legte die Familie Howard (mit dem Duke of Norfolk als Familienoberhaupt), die hier eine Jagdhütte besaß und im nicht weit entfernten Greystoke Castle wohnte, ein Wäldchen unterhalb des Wasserfalls an, das aus Zedern, Tannen, Fichten und Kiefern besteht.

Wenn man über den Lake District spricht, schaut über kurz oder lang auch der Dichter William Wordsworth um die Ecke. Er besuchte den Wasserfall damals in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig, und so ist es nicht verwunderlich, dass er in seinen Gedichten mehrfach erwähnt wird, beispielsweise in „The Somnambulist“ (dt. „Die Schlafwandlerin“).

Dieser Film zeigt Aira Force in voller Aktion.

Die obere Brücke, die packhorse bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die untere Brücke.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

So sieht es leider zur Hochsaison aus: Der National Trust-Parkplatz für Aira Falls.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Iggy der Saurier und das Stadtwappen von Maidstone in Kent

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Wappentiere sind meistens Löwen, Adler, Bären, Pferde, Einhörner, Hirsche usw. Auf dem Wappen der Stadt Maidstone finden wir auch zwei Bären, einen Pferdekopf und…einen Saurier, was meiner Meinung nach weltweit einmalig ist. Dieser Saurier hat sogar einen Namen, er heißt Iggy, denn er gehört zur Gattung der Iguanodons, die vor langer, langer Zeit hier in Kent durch die Gegend gestapft sind. Fünf Meter hoch und acht Meter lang konnten diese Tierchen werden, die aber anderen Zeitgenossen nichts taten, denn sie waren Vegetarier.

Iggy wurde im Jahr 1834 bei Sprengarbeiten in einem Kalksteinbruch an der heutigen Queen Street bei Maidstone gefunden. Der Eigentümer des Steinbruchs bemerkte einen merkwürdigen Steinbrocken, auf dem sich Skelettteile befanden. Vorsichtig legte er die gefundenen Teile beiseite und kontaktierte Gideon Mantell, der damals als Autorität in Sachen Saurier galt. Schnell machte sich Mr. Mantell auf den Weg nach Maidstone und war hocherfreut, nachdem er die Knochen sorgfältig begutachtet hatte, einen Iguanodon vor sich zu haben. Durch den Fund in Maidstone machte die Paläontologie wieder einen Schritt vorwärts, denn es ergaben sich neue Erkenntnisse. Das Originalskelett brachte man nach London in das National History Museum, machte aber einen Abdruck davon, der im Maidstone Museum zu sehen ist, so dass die Einwohner der Stadt auch etwas von dem denkwürdigen Fund haben.

1946 beantragte der Maidstone Borough Council die Aufnahme des liebevoll Iggy genannten Sauriers in das Stadtwappen, was von dem zuständigen Wappenamt auch genehmigt wurde.

In diesem Jahr erfuhr Iggy noch eine weitere Ehre, denn er wurde von der Royal Mint auf der Rückseite einer 50 Pence-Münze porträtiert.

Der Gesteinsbrocken, der in Maidstone gefunden wurde.
 This work is in the public domain.

Ein Iguanodon im Londoner Natural History Museum.
Author: Ballista.
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Published in: on 28. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Rowland Atkinson: Alpha City – How London Was Captured By The Super-Rich

Foto meines Exemplares.

In meinem Blogeintrag vom 21. Juni diesen Jahren erwähnte ich am Ende das Buch „Alpha City – How London Was Captured By The Super-Rich„, das Ende Juni erscheinen sollte und das ich mir gleich zugelegt und gelesen habe. Autor ist Rowland Atkinson (nicht zu verwechseln mit Rowan „Mr. Bean“ Atkinson) von der Universität von Sheffield.

Das Thema des Buches ist der Einfluss der Superreichen, die sich in London niedergelassen bzw. dort Eigentum erworben haben, auf die Infrastruktur und Gesellschaft der Stadt. Milliarden, oft aus dubiosen Quellen, sind in den letzten Jahren in die Stadt geflossen, die teuersten Immobilien, die oft den größten Teil des Jahres leer stehen, sind gekauft worden. Viele dieser russischen Oligarchen, arabischen Fürsten und chinesischen Neureichen leben in einem luxuriösen Ghetto, bewacht von Sicherheitsfirmen, ohne besonderen Kontakt zur Stadt zu haben. Als Käufer der superteueren Immobilien treten oft Offshore-Firmen mit Sitz auf kleinen Karibikinseln auf, hinter denen sich die eigentlichen Eigentümer der Objekte befinden, die es vorziehen, im Dunkeln zu bleiben. London gilt als eines der größten Geldwäschezentren der Welt.

Die Immobilienmakler frohlocken über diesen Boom und für sie spielt es keine Rolle, wo dieses viele Geld herkommt. Die Dokumentation „From Russia With Cash“ zeigt mit versteckter Kamera wie es hinter den Kulissen zugeht.

Nirgendwo auf der Welt gibt es im Dunstkreis der von Milliardären und Millionären bevorzugten Wohnviertel mehr 5*-Hotels als in London; zur Zeit sind es 75, mit steigender Tendenz.

Leidtragende dieser Entwicklung ist, laut Atkinson, die „normale“ Bevölkerung der Stadt, die sich die ständig wachsenden Immobilienpreise bzw. Mieten nicht mehr leisten kann und immer mehr an den Rand Londons und weit darüber hinaus verdrängt wird. Marode Sozialwohnungen werden abgerissen und durch neue Gebäude mit erheblich höheren Mietpreisen ersetzt.

Ein hoch interessantes Buch; sehr zu empfehlen!!

Rowland Atkinson: Alpha City – How London Was Captured By The Super-Rich. Verso 2020. 247 Seiten. ISBN 978-1-78873-797-5.

Kensington Palace Gardens: Eine der teuersten Straßen Londons.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 27. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  

Die HMS Implacable und ihr trauriges Ende 1949 vor der Isle of Wight

Die Heckverzierung der HMS Implacable im National Maritime Museum.
Copyright: Geni
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Von den Schiffen, die am 21. Oktober 1805 an der Schlacht von Trafalgar teilgenommen haben, kennt man heute in erster Linie noch die HMS Victory, Lord Horation Nelsons Schiff, auf dem er an diesem Tag tödlich von der Kugel eines französischen Schützen getroffen wurde und an Bord starb.
Es gab ja auch noch zahlreiche andere Schiffe, von denen aber kaum jemand später sprach. Da war ein französisches Schiff namens Duguay-Trouin, benannt nach einem Marineoffizier, das im Jahr 1800 seine Taufe in Rochefort erlebte und fünf Jahr darauf an der berühmten Schlacht teilnahm. Wenige Tage später wurde das Schiff bei einem Scharmützel, bei dem der französische Kapitän starb, von den Engländern überwältigt und in den Hafen von Plymouth gebracht, wo es unter dem Namen HMS Implacable in die britische Marine integriert wurde.

Das abenteuerliche Leben des Schiffes ging weiter: Drei Jahre nach der Trafalgar-Schlacht setzte die Marine es in der Ostsee im Anglo-Russian War ein, dann wurde es in das Mittelmeer verlegt, wo es unter anderem an der Blockade von Alexandria teilnahm. 1842 lief das Schiff in den Hafen von Devonport ein, wo es seine aktive Zeit beendete und unter dem Namen Lion als Schulschiff verwendet wurde. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erhielt es den Namen HMS Implacable zurück.

Im Laufe der Jahrzehnte setzte man das Schiff für unterschiedliche Zwecke ein, aber so richtig wusste man nachher auch nicht, was man mit ihm anfangen sollte. Halbherzige Restaurierungsversuche wurden unternommen, aber nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entschied die Admiralität, einen Schlussstrich zu ziehen und die HMS Implacable zu versenken.

Nachdem die Galionsfigur und die Heckverzierungen abgebaut und in das National Maritime Museum nach Greenwich verfrachtet worden waren, brachte man das jetzt traurig aussehende Schiff vor die Küste der Isle of Wight, wo es am 2. Dezember 1949 gesprengt wurde. Die britische und die französische Flagge zierten die HMS Implacable, als sie sich schweren Herzens auf den Weg in die Tiefe machte, doch das Schiff kämpfte noch bis zuletzt gegen sein Ende an, denn die Werftarbeiter hatten damals in Rochefort gute Arbeit geleistet. Eine Gruppe von Seeleuten sahen sich das Drama des Untergangs an, das sich drei Stunden lang hinzog, und ich glaube, in diesem Film die eine oder andere unterdrückte Träne gesehen zu haben.

Die verbliebene Galionsfigur der HMS Implacable im National Maritime Museum.
Copyright: Cristian Bortes.
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Published in: on 26. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Borough Market – Einer der berühmtesten Straßenmärkte Londons

Als die London Lifestyle Awards erstmals im Jahr 2010 vergeben wurden, war der Sieger in der Kategorie London Food Market of the Year  der Borough Market, der im Stadtteil Southwark in den Hallen unterhalb der verlängerten London Bridge angesiedelt ist.

Der Borough Market ist „posh“, das heißt, hier kaufen auch die Londoner Feinschmecker ein, die Köche der großen Restaurants und die vermögenden Bewohner der Metropole, für die die gehobenen Preise des Marktes keine Rolle spielen.

Der täglich außer sonntags geöffnete Markt bietet eine riesige Auswahl an einheimischen und internationalen Produkten an. Ursprünglich war der Borough Market ein reiner Obst- und Gemüsemarkt; mittlerweile gibt es aber auch viele andere Dinge hier zu kaufen.

Die „Wine Pantry“ zum Beispiel hat sich auf den Verkauf englischer Weine und Sekte spezialisiert und soll die größte Weinhandlung dieser Art in ganz Großbritannien sein.
The Sausage Man“ bietet Wurst und Schinken aus dem Schwarzwald an.
Une Normande à Londres“ hat eine riesengroße Auswahl an französischem Käse.
Der Stand von „Utobeer“ an der Middle Row hat sich auf Biere aus der ganzen Welt spezialisiert.
The Rabot Estate“ an der Stoney Street importiert edle Kakao-Produkte von der Karibikinsel St. Lucia.

Das ist nur eine kleine Auswahl aus dem riesigen Angebot, das man auf dem Borough Market findet. Hier kann man wirklich einen ganzen Tag zubringen, ohne dass es langweilig wird.

In einigen britischen Filmen wurden Szenen auf dem Borough Market gedreht, so zum Beispiel in „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ (dt. „Bube, Dame, König, grAS“) und „Bridget Jones’s Diary“ (dt. „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“).

Hier ist ein Film über den Borough Market zu sehen.

 

 
 

 

Published in: on 25. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Temple Works in Leeds (West Yorkshire) – Von der Leinenweberei zur Zweigstelle der British Library

In meinen 3550 Blogeinträgen habe ich bisher noch nie über die Stadt Leeds in West Yorkshire geschrieben (Sorry Leeds!!), was ich mit meinem heutigen Blogpost ändern möchte.

Leeds war im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Textilindustrie, und so wurde im Jahr 1836 ein Fabrikgebäude von dem Unternehmer John Marshall in Auftrag gegeben, der hier Leinengewebe produzieren ließ. Die Fassade sollte etwas Besonderes werden, und John Marshall entschied sich für den Neuägyptischen Stil mit vielen Säulen, wobei er sich an den ägyptischen Tempelanlagen von Antaeopolis und Horus orientierte. Eine Besonderheit war das Dach des Gebäudes, auf dem eine Grasfläche installiert wurde, wo Schafe grasten und Rasenmäher spielten.

Temple Works beherbergte damals den größten überdachten Raum der Welt, so groß wie zwei Fußballfelder. Jahrelang schufteten Frauen und Männer in der Fabrik, manchmal bis zu 16 Stunden am Tag. Ab 1870 ließ die Nachfrage nach Leinen aus Leeds nach, die Firma hielt sich noch einige Jahre, musste dann aber 1886 verkauft werden. Nach mehreren Besitzerwechseln zog in den 1950er Jahren die Firma Kays in das Gebäude, die es als Lagerhalle für seinen national operierenden Versandhandel nutzte. 2004 schloss das Unternehmen in Leeds seine Pforten, und Temple Works verfiel nach und nach. Eine der Säulen brach ab, Mauerteile fielen herab, es musste also etwas getan werden. „Abreißen!“ riefen einige, „Nein, unbedingt erhalten und restaurieren!“ meinten andere. Eine Zeit lang überlegte die Firma Burberry, ob sie nicht einen Teil ihrer Produktion hier nach Leeds verlegen sollte, aber auch daraus wurde nichts. Schließlich übernahm die Investmentfirma CEG Temple Works für den symbolischen Preis von einem Pfund. Die Firma baut in diesem Teil von Leeds, unter Einbeziehung auch älterer Gebäude, einen neuen Distrikt namens Temple.

Die aktuellen Planungen sehen vor, dass das alte Fabrikgebäude als Zweigstelle der British Library genutzt werden soll, eine Depotbibliothek, die die British Library in Boston Spa, nordöstlich von Leeds, entlastet, denn die platzt aus allen Nähten bei einem derzeitigen Bestand von mehr als 100 Millionen Büchern, Medien und Dokumenten. Jahr für Jahr kommen auf Grund des Pflichtexemplargesetzes rund drei Millionen Medien dazu. Das wäre doch eine optimale Nutzung für dieses historischen Gebäude!

Hier ist ein Film über Temple Works.

Hier wird sich bald einiges ändern.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Lilliput Lane – Eine Firma, die ein Stückchen heile Welt produzierte und die es nicht mehr gibt.

Es war einmal: So sah das Besucherzentrum in Skirsgill aus.
Photo © D Williams (cc-by-sa/2.0)

Zugegeben: Ich liebe heile Welt. Ich liebe die Bilderbuchdörfchen in England mit dem Pub, der vielleicht The Royal Oak heißt, dem kleinen Postamt daneben und The Old Rectory, in dem der Vikar des Ortes in seiner Bibliothek die Sonntagspredigt vorbereitet.
So ein Miniaturdorf  kann man sich in seinem Wohnzimmer mit Hilfe der Firma Lilliput Lane selbst zusammenbauen, denn hier bekommt man alles, was man dafür braucht.
Seitdem David Tate 1982 in Skirsgill (Cumbria) mit einigen Gleichgesinnten begann, das architektonische Erbe Englands in Miniaturform festzuhalten, und seine kleine Firma Lilliput Lane nannte, begann die Erfolgsstory. Die kleinen Miniaturen wurden weltweit verkauft und entwickelten sich zu Sammlerobjekten. Das Schönste an der Sache: Lilliput Lane produzierte in England, im Lake District, wo die kleinen Gebäude von Hand bemalt wurden. Wo gab es das noch? Nicht Li und Ming aus Shangsi stellten die Produkte am Fließband her, sondern George und Ann aus Skirsgill.

Leider gibt es das alles nicht mehr, denn bereits 2009 schloss die Firma ihre Tore in Cumbria und verlegte die Produktion nach Langholm in Schottland. Die Firma Enesco hatte sie übernommen und stellte die Produktion 2016 ganz ein. David Tate starb im Januar 2017. Was für ein trauriges Ende von Lilliput Lane!

Die Häuser und Kirchen von Lilliput Lane wurden überwiegend nach echten Vorbildern angefertigt, so gibt es zum Beispiel „The Old Schoolhouse in Bishopsbourne“, „The Cockington Forge“ oder das „Mow Cop Castle“ zu kaufen, alles nicht ganz billig, aber wenn man bedenkt, dass alles handgefertigt wurde, stimmten die Preise schon, die bei rund 20 Euro begannen und durchaus in dreistellige Regionen vordrangen. Man bekommt die Miniaturen noch zu kaufen, zum Beispiel bei Ebay oder bei Amazon

Lilliput Lane war Miss-Marple-Country in Reinform; hier stimmte noch alles. Weit und breit keine Hoodies aus Liverpool oder Chavs aus Manchester. This was a Neighbourhood Watch Area!
Hier
ist ein Film.

Die echte Cockington Forge in Devon.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Association of Leading Visitor Attractions und die 10 meistbesuchten Attraktionen des Jahres 2019

Nach wie vor auf Platz 1: The British Museum.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Am 17. Dezember 2011 beschäftigte ich mich in meinem Blog erstmals mit dem Thema „Welches sind die beliebtesten Besucherattraktionen in Großbritannien?“ und wiederholte die Übersicht noch einmal für das Jahr 2016. Auskunft darüber gibt jährlich die Association of Leading Visitor Attractions (ALVA). Wie sieht es nun für das Jahr 2019 aus? Was hat sich in der Statistik verändert?

Im Vergleich zu 2016 hat sich im Jahr 2019 in der Reihenfolge einiges verschoben; es gibt aber keine Neuzugänge in den Top Ten. Im Jahr 2020 werden die Besucherzahlen auf Grund der Coronakrise drastisch sinken. US-Amerikaner werden nur in geringen Zahlen aus touristischen Gründen in das Königreich kommen, und auch der Reiseverkehr von Europa nach Großbritannien dürfte stark einbrechen.

Sehen wir uns die „Charts“ für das Jahr 2019 an. Die Top Ten liegen alle in London.

  1. British Museum (6,239,983) keine Veränderung in der Reihenfolge, aber mehr Besucher
  2. Tate Modern (6,098,340) 2016 Platz 3, mehr Besucher
  3. The National Gallery (6,011,007) 2016 Platz 2, etwas weniger Besucher
  4. National History Museum (5,423,932) keine Veränderung, aber mehr Besucher
  5. Southbank Centre (4,360,255) keine Veränderung, mehr Besucher
  6. Victoria & Albert Museum (3,992,198) 2016 Platz 8, mehr Besucher
  7. Science Museum (3,301,975) keine Veränderung, mehr Besucher
  8. Tower of London (2,984,499) 2016 Platz 9, mehr Besucher
  9. Royal Museums Greenwich (2,906,000) 2016 Platz 10, mehr Besucher
  10. Somerset House (2,841,772) 2016 Platz 6, weniger Besucher

Die erste Touristenattraktion, die nicht in London ist, finden wir auf Rang 12, das National Museum of Scotland, in England ist es der Chester Zoo auf Rang 14.

Platz 2: Tate Modern.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Platz 3: The National Gallery am Trafalgar Square.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Shropshire Blue – Einer meiner Lieblingskäse aus England

Eigenes Foto.

Der Shropshire Blue ist ein Blauschimmelkäse aus England, der zu meinen Lieblingskäsesorten zählt. Man bekommt ihn bei gut sortierten Käsehändlern auch in Deutschland (zum Beispiel bei diesem großartigen, sehr empfehlenswerten Händler in Wolfenbüttel); er ist aber bei uns nicht so bekannt wie der Stilton oder der Cheddar.

Über die Herkunft und über den „Erfinder“ des Shropshire Blue gibt es unterschiedliche Darstellungen. In der Wikipedia steht zu lesen, dass der Käse erstmals in den 1970er Jahren von Andy Williamson im schottischen Inverness hergestellt wurde und den Namen Invernessshire Blue trug, aus marketingtechnischen Gründen aber in Shropshire Blue umbenannt wurde.

Nachdem die Produktion in Schottland eingestellt worden war, nahmen Käsereien aus Leicestershire und Nottinghamshire den Shropshire Blue in ihr Programm auf.

Anlässlich eines Nachrufes für Dennis Biggins im Shropshire Star aus dem Jahr 2016 wird dieser als Schöpfer des Blauschimmelkäses genannt. Mitte der 1970er Jahre soll er in seiner Firma in Whitchurch (Shropshire) den ersten Shropshire Blue hergestellt haben. Mr Biggins übernahm später den Käsehersteller Westry Roberts & Co in Chester und den Käsehändler J. H. Warham aus Nantwich und siedelte beide Firmen in Whitchurch an.

Ein weiterer Hersteller dieses speziellen Käse ist die Shropshire Cheese Company auf der Abertanat Farm im englisch-walisischen Grenzgebiet. Hier wird die Milch für den Käse von glücklichen Kühen gewonnen, die auf den weitläufigen Weiden freien Auslauf haben. Die Firma unterhält auch einen Dorfladen in Longden, südwestlich von Shrewsbury, in dem man die Produkte der Abertanat Farm, aber auch anderes aus der Region kaufen kann.

Dieser Film zeigt einen Geschmackstest des Shropshire Blue.

Die Kühe der Abertanat Farm haben eine eigene Verkehrsampel, wenn sie sich einmal auf der anderen Straßenseite am Gras gütlich tun wollen.
Photo © Colin Pyle (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Juli 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Songs about London – „Wot Cher! Knocked ‚em in the Old Kent Road“

The Old Kent Road.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

Albert Onésime Britannicus Gwathveoyd Louis Chevalier, was für ein bombastischer Name! Allerdings nutzte der ihn wenig, und so war der Mann vor allem als Albert Chevalier bekannt, nicht verwandt oder verschwägert mit dem großen Maurice Chevalier. Beide hatten aber eines gemeinsam, die Liebe zum Chanson und zur Bühne.

Albert Chevalier (1861-1923), „Der singende Gemüsehändler“, schrieb 1891 zusammen mit seinem Bruder Charles Ingle ein Lied, das damals sehr beliebt war und den Titel „Wot Cher! Knocked ‚em in the Old Kent Road“ trug. Es wurde mit Vorliebe in Music Halls vorgetragen und erlangte 48 Jahre später noch einmal Popularität, als es von Shirley Temple und Arthur Treacher in dem Film „The Little Princess“ (dt. „Die kleine Prinzessin“) gesungen wurde.

In dem Titel des Liedes wird die Londoner Old Kent Road (die A2) erwähnt, eine Ausfallstraße in Richtung Südosten, die ich früher immer gefahren bin, um von London aus die Fähre von Sheerness nach Vlissingen zu erreichen. Supermärkte, Tankstellen, Pizzabuden reihen sich an der Straße aneinander, und auch zu der Zeit als der Song entstand, sah es an der Old Kent Road und den Nebenstraßen nicht viel besser aus. Viele arme Menschen waren hier zuhause und mit diesen Menschen beschäftigt sich auch Albert Chevaliers Lied.
Es geht darum, dass eines Tages eine Familie von einem auf den ersten Blick vornehm erscheinenden Mann aufgesucht wird, der der Dame des Hauses mitteilt, dass ihr Onkel Tom aus Camberwell ins Gras gebissen und ihr eine kleine Kutsche samt (störrischem) Esel vermacht hätte. In der Nachbarschaft der Old Kent Road war das damals eine große Sache und stolz wie Oskar fuhr das Ehepaar mit der Eselskutsche durch die Gassen und tat so, als ob es mit einem Vierspänner unterwegs wäre. Der Songtext ist mit Cockneywörtern gespickt, und der Titel kann frei übersetzt werden mit „Tachchen! Was für eine Überraschung in der Old Kent Road“.

Hier ist eine aktuelle Version des Liedes von James Walton Ingham mit Bildern von der Old Kent Road und hier Marlene Dietrichs Interpretation.

The History of the Old Kent Road, ein Wandgemälde von Adam Kossowski an der Ecke Peckham Park Road/Old Kent Road.
Photo © Martin Speck (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Balliol Heart Shrine in der Kirche St Mary the Virgin in Brabourne (Kent)

The Balliol Heart Shrine in St Mary’s.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Um das Jahr 1263 wurde in Oxford das Balliol College (an dem der derzeitige Premierminister Boris Johnson studiert hat) gegründet, das wir noch heute an der Broad Street finden. Benannt wurde es nach seinem Gründer John de Balliol, der von 1208 bis 1268 lebte. Balliol wurde durch das Erbe seiner Frau, Dervorguilla de Balliol, Lady of Galloway, zu einem reichen Mann, der es sich leisten konnte, das College in Oxford zu stiften.

Doch darum geht es in meinem Blog nicht, sondern um eine Kuriosität. Seine Frau muss ihn wohl sehr geliebt haben, denn nach seinem Tod am 27. Oktober 1268 gründete Dervorguilla fünf Jahre später zum Andenken an ihren Mann eine Abtei in der Nähe der schottischen Stadt Dumfries, der sie den schönen Namen Sweetheart Abbey gab. Dorthin wurden die sterblichen Überreste John de Balliols gebracht und beigesetzt…bis auf sein Herz, das nämlich trug die trauernde Witwe bis zu ihrem Tod in einer kleinen Dose aus Silber und Elfenbein um ihren Hals, Tag und Nacht. Auch sie, samt dem Herz ihres Mannes, wurde in der Sweetheart Abbey beigesetzt.

Der jüngste Sohn der beiden, den sie auch John genannt hatten, wurde für eine kurze Zeit König von Schottland. In einem Krieg mit dem englischen König Edward I. zog John den Kürzeren und wurde besiegt, die schöne Sweetheart Abbey geplündert. John de Balliol zog eine Zeit lang nach Kent, wo er in dem Ort Brabourne, zwischen Ashford und Folkestone, wohnte. Aus der schottischen Abtei hatte er das einbalsamierte Herz seines Vaters mitgenommen und errichtete in der örtlichen Kirche St Mary the Virgin einen Schrein, dessen Mittelpunkt das Herz war.

Den Schrein gibt es noch heute, doch das Herz ist weg. Wo es abgeblieben ist, weiß niemand…aber ich habe da eine Theorie: Wer meine Blogeinträge über den Schriftsteller Thomas Hardy (und was mit dessen Herz passiert sein soll) und über Kirchenkatzen gelesen hat, der braucht nur eins und eins zusammenzählen und schon bietet sich eine Lösung an…

St Mary the Virgin in Brabourne.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Die Sweetheart Abbey.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

Das Balliol College in Oxford.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Ringlestone Inn bei Harrietsham in Kent – Heimgesucht von Straßenräubern, Bikern und Geistern

The Ringlestone Inn ist einer jener entlegenen Pubs, an denen man nicht zufällig vorbeikommt, sondern die man gezielt aufsuchen muss. Erreichbar ist der Inn nur über die einspurige Ringlestone Road, und das Mini-Dörfchen Ringlestone besteht nur aus einer Handvoll Häusern. Wir befinden uns in der Grafschaft Kent, nördlich der A20 und M20, nicht weit vom Leeds Castle entfernt.

Die Anfänge des Gebäudes reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück, im Inneren hat sich Vieles in den letzten dreihundert Jahren kaum verändert. Über die Geschichte des Hauses könnte man ein ganzes Buch schreiben. Bevor es zum Gasthof wurde, diente es als Hospiz für Mönche, dann siedelte sich ein Küfer hier an und es wurde Bier gebraut. Nachdem The Ringlestone Inn seine Pforten eröffnete, wurde das abgelegene Haus zum Treffpunkt von Straßenräubern und Schmugglern.
Auch im 20. Jahrhundert ging es hier manchmal hoch her, so zum Beispiel an einem Bank Holiday-Abend des Jahres 1963, als sich Dutzende von rauhbeinigen Motorradfahrern einfanden. Damals waren Florence und Dora Gasking, Mutter und Tochter, die Gastwirte des Ringlestones Inns. Als die Bikers es zu toll trieben und eine Fensterscheibe zu Bruch ging, riss Florence Gasking der Geduldsfaden. Sie holte eine Schrotflinte hervor (die allerdings nur mit Platzpatronen geladen war), und schoss über die Köpfe der randalierenden Biker hinweg. Von da ab war Ruhe im Karton. Der Inn blieb trotzdem Treffpunkt für Motorradfahrer, aber die Wirtin hatte sich Respekt verschafft und ähnliche Szenen sollten sich hier nicht mehr abspielen.

In einem so alten Gasthof muss es natürlich spuken und das tut es im Ringlestone Inn auch. Sowohl die Bewohner des Hauses als auch Gäste erzählen immer wieder von merkwürdigen Begebenheiten. Renovierungsarbeiten sind zum Beispiel bei Geistern äußerst unbeliebt, weil sie sich dadurch in ihrer Ruhe gestört fühlen, und das lassen sie die Gastwirte deutlich durch ihre Aktivitäten spüren. Geisterkinder sollen mehrfach gesichtet worden sein, sowie ein älteres Ehepaar, das am Kamin einen Drink zu sich nimmt. In diesem Film wird von einigen dieser Ereignisse erzählt.

Nach einem Umbau ist The Ringlestone Inn im vorigen Jahr wieder neu eröffnet worden, und die Besitzer legen jetzt verstärkt Wert auf ihr Restaurant, in dem man beispielsweise ein siebengängiges Menü zu sich nehmen kann.

The Ringlestone Inn 
Ringlestone Road
Harrietsham
Kent, ME17 1NX

Das ehemalige Rolling Stones-Mitglied Brian Jones und seine Heimatstadt Cheltenham in Gloucestershire

Die Eldorado Road, in der Brian Jones seine ersten Lebensjahre verbrachte.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Ich bin nur ein einziges Mal in Cheltenham in der Grafschaft Gloucestershire gewesen und habe die Stadt als sehr angenehm in Erinnerung, ein freundlicher Kurort mit einer gewissen Ausstrahlung.

Hier erblickte am 28. Februar 1942 Brian Jones das Licht der Welt, der einige Jahre lang einen Ruhm als Gründungsmitglied der Rolling Stones haben sollte. Am 3. Juli 1969 kam er auf tragische Weise auf der Cotchford Farm bei Hartfield in East Sussex ums Leben, kurz nachdem sich die anderen Rolling Stones-Mitglieder von ihm wegen Unzuverlässigkeit getrennt hatten. Brian Jones ertrank im Swimming Pool der Cotchford Farm, die er 1968 gekauft hatte.

Geboren wurde Brian Jones im Park Nursing Home in Cheltenham. Von 1942 bis 1950 wohnte er in der Eldorado Road Nummer 17, in einem Haus namens Rosemead. Dort ist ein blaue Plakette der Cheltenham Civic Society angebracht, die auf den früheren Bewohner hinweist. 335 Hatherley Road war eine weitere Adresse in Cheltenham, wo Brian Jones wohnte. Zur Schule ging er in die Dean Close Junior School, die noch heute in der Shelburne Road existiert. Die nächste Station seiner schulischen Ausbildung war die Cheltenham Grammar School, die heute Pate’s Grammar School heißt und an der Oldbury Road zu finden ist.

Nachdem er seine Geburtsstadt Anfang der 1960er Jahre verlassen hatte, kehrte er nach seinem Tod wieder nach Cheltenham zurück. Am 10. Juli 1969 fanden die Begräbnisfeierlichkeiten in der St Mary’s Parish Church statt. Brian Jones‘ Grab liegt auf dem Cheltenham Cemetery im Ortsteil Prestbury am Bouncers Lane.

Am 15. November 2005 ehrte Cheltenham Brian Jones mit einer Büste, die im Beechwood Shopping Centre aufgestellt wurde. Geschaffen hat sie der Bildhauer Maurice Juggins (1934-2014).

Hier sind einige Bilder aus Brian Jones‘ Leben.

Die Hatherley Road.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Die Dean Close School.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

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Brian Jones‘ Büste im Beechwood Shopping Centre.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Rush of Green – Eine Skulptur des Bildhauers Jacob Epstein neben One Hyde Park in Kensington

Nachdem ich gestern in meinem Blog über One Hyde Park geschrieben habe, bleibe ich heute noch einmal in Kensington und stelle die Skulptur The Rush of Green des amerikanisch-britischen Bildhauers Jacob Epstein (1880-1959) vor. Wir begegneten Jacob Epstein schon einmal in meinem Blogeintrag vom 25. April 2018, als ich seine umstrittenen Skulpturen am Londoner Zimbabwe House vorstellte.

The Rush of Green, die auch Pan Statue genannt wird, war Epsteins letztes Werk, bevor er, ganz in der Nähe in Kensington, 1959 starb. Posthum wurde es in Bronze gegossen und 1961 am Bowater House aufgestellt. Hier blieb die Skulptur bis zum Abriss des Bürogebäudes im Jahr 2006 stehen, wo anschließend One Hyde Park errichtet wurde. Nachdem sie vier Jahre lang während der Bauarbeiten entfernt worden war, fand die Pan Statue ihr neues Zuhause neben dem Luxus-Wohnkomplex wieder.

The Rush of Green zeigt eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Kind und Hund, die in Richtung Hyde Park flüchtet (vielleicht verabscheuen sie das neue Gebäude), verfolgt vom flötespielenden Gott Pan. Epstein soll sogar an seinem Todestag noch letzte Hand an das Ensemble gelegt haben.

Die Meinung der Kunstkritiker über die Familiengruppe Epsteins ging weit auseinander. Von „An embarrassing decline from his works of a few years before“ (Buildings of England) bis zu „“the almost reckless sense of energy that Epstein may have guessed would be his last“ (Richard Cork).

Published in: on 16. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  
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One Hyde Park in Kensington – Einer der teuersten Wohnkomplexe der Welt

Wer sich in One Hyde Park ein Apartment oder sogar ein Penthouse leisten kann, der gehört zu den absolut Superreichen Londons. Die Lage des Gebäudekomplexes mit über achtzig Wohneinheiten in Knightsbridge ist ideal: Der Hyde Park liegt direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite, Harrod’s und Harvey Nichols sind schnell zu Fuß erreichbar (wenn denn die Bewohner des Hauses überhaupt zu Fuß gehen). Es sollen angeblich nur zwei Briten in One Hyde Park wohnen, die anderen kommen aus Russland, Katar, Taiwan und vielen anderen Ländern.

Das einfachste Apartment hier kostet etwa £4 Millionen (manche sprechen auch von £20 Millionen), das teuerste Penthouse liegt bei £140 Millionen. Ein Duplex-Penthouse soll sogar für £270 Millionen verkauft worden sein. Ob das alles so stimmt, sei dahingestellt, denn man liest da sehr Unterschiedliches.

Die Candy Brothers, Christian und Nick Candy, die sich auf das Errichten von Luxusprojekten spezialisiert haben, ließen One Hyde Park auf dem Gelände des ehemaligen Bürokomplexes Bowater House bauen, der im Jahr 2006 abgerissen wurde. Mit finanzieller Unterstützung aus Katar kauften sie das Areal und engagierten den Londoner Stararchitekten Richard Rogers, der das aus vier Glasgebäuden bestehende One Hyde Park entwarf; um die Inneneinrichtung kümmerten sich die beiden Brüder selbst. Damit die Bewohner auf die Serviceleistungen des benachbarten Mandarin Oriental Hotels zugreifen können, wurde eine unterirdische Verbindung zu dem Hotel geschaffen. Jeder Wunsch der in One Hyde Park wohnenden wird von extra abgestelltem Personal des 5*-Hotels erfüllt. So kann man sich problemlos ein Menü des Sternekochs Heston Blumenthal aus dessen Restaurant Dinner by Heston Blumenthal in sein Apartment bringen lassen.

Anfang 2011 wurde das Refugium der Superreichen eröffnet und damit diese auch noch die Möglichkeit hatten, ein wenig Geld auszugeben, ohne ihr Haus zu verlassen, siedelten sich die Firmen Rolex und McLaren in One Hyde Park an, um ihre Uhren bzw. Sportwagen feilzubieten.

Wie ich schon an anderer Stelle in meinem Blog schrieb, sind auch hier am Hyde Park viele Apartments und Penthouses nicht ganzjährig bewohnt, sondern stehen oft über einen längeren Zeitraum leer. Hinein kommt der neugierige Londonbesucher nicht, es sei denn, er kennt jemanden von den Bewohnern. Sicherheitspersonal fängt alle Neugierigen bereits an der Eingangstür ab.

Published in: on 15. Juli 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Die Sikhs in Gravesend (Kent) und ihr Guru Nanak Darbar Gurdwara-Tempel

Der Guru Nanak Darbar Gurdwara-Tempel.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Die Sikh-Religion ist die fünftgrößte Religion der Welt mit über 20 Millionen Mitgliedern weltweit. Gegründet wurde sie vor mehr als 500 Jahren von Guru Nanak, nach dem ein Tempel in der Stadt Gravesend in Kent benannt wurde, denn hier befindet sich eine der größten Sikh-Gemeinden Großbritanniens. Der Guru Nanak Darbar Gurdwara, so der exakte Name des Tempels, ist eine der größten Andachtsstätten der Sikhs außerhalb Indiens.

In den 1950er Jahren kamen viele Sikhs nach Großbritannien, um der Armut in ihrem Land zu entfliehen. Sie übernahmen Arbeiten, die von der einheimischen Bevölkerung nicht so gern gemacht wurden wie Arbeiten in den Docks und in Fabriken. Mittlerweile leben in Gravesend Sikhs der zweiten und dritten Generation, und sie fühlen sich hier wohl, weil sie relativ gut integriert sind. Sie stellen rund 15% der Bevölkerung der Stadt dar.

Der für £16 Millionen erbaute Tempel in der Saddington Street wurde 2011 eingeweiht und bildet den Mittelpunkt der Sikh-Gemeinde. Er wurde dem Golden Temple in Amritsar, der Millionenstadt im indischen Bundesstaat Punjab, nachgebildet und ist ein beeindruckendes Gebäude, in dem 1200 Gläubige Platz finden. Es finden geführte Touren statt, wobei bestimmte Vorschriften beachtet werden müssen. Der Kopf muss bedeckt sein, am besten mit einem Schal (nicht mit Hüten oder Kappen), die Schuhe müssen beim Betreten des Tempels ausgezogen werden. Alkohol, Tabak und Drogen sind ein absolutes Tabu auf dem Tempelgelände, und es wird von den Besuchern ein respektvolles Verhalten gegenüber der Sikh-Religion erwartet. Die Führungen finden in der Regel am Wochenende statt.

Dieser Film zeigt den Tempel von außen und von innen.

Der Eingang zum Tempel.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der kleinste Nachtclub der Welt in Kingsbridge (Devon)

Ein K6 telephone kiosk, aus dem man so allerhand machen kann.
Photo © David Wright (cc-by-sa/2.0)

Ich habe schon seit langem niemanden mehr in einer öffentlichen Telefonzelle telefonieren gesehen. Der Verbreitungsgrad von Mobiltelefonen nähert sich allmählich der 100%-Grenze. Wohin nun mit den noch verbliebenen Telefonzellen? Diese Frage stellt man sich schon seit Jahren auch in England. Der Betreiber, die British Telecom, hat schon viele von ihnen abgebaut, verschrottet, verkauft, sie zur Adoption angeboten oder sie anderen Zwecken zugeführt. Den Modellen K7 und K8 trauert niemand mehr hinterher, aber die K6, von der seit 1936 60 000 Stück gebaut worden sind, gehört irgendwie zum Straßenbild dazu, und von der trennt man sich nicht so leicht.

Der Rat der Stadt Kingsbridge in Devon musste vor zwei Jahren entscheiden, was mit der Telefonzelle in der Fore Street, direkt am Polizeigebäude, geschehen sollte, da sie nur ungenutzt herumstand. „Man könnte ja Blumen hineinstellen“ meinte jemand. „Wie langweilig“ entgegnete ein Ratsherr und kam plötzlich auf eine Idee: „Man könnte daraus ja einen Mini-Nachtclub machen“. Diese Idee musste erst einmal verdaut werden, doch bald erwärmten sich die meisten dafür. Gesagt, getan. Die K6 wurde für £1 erworben,  aufgehübscht, und da sie die 5000. adoptierte Telefonzelle war, half die British Telecom dabei, im Inneren eine Musikanlage, eine Discokugel und eine ansprechende Beleuchtung zu installieren. Damit auch jeder weiß, womit er/sie es zu tun hat, erhielt die Telefonzelle über der Tür auch noch den Schriftzug „Nightclub„.

Maximal zwei Personen dürfen gleichzeitig den Nachtclub betreten und können sich darin amüsieren, indem sie für jeweils £1 ein Musikstück auswählen und dazu tanzen, obwohl es dafür ziemlich eng wird, abhängig von der Leibesfülle der Besucher. Passend zum Ambiente werden beispielsweise die Musikstücke „Hanging on the Telephone“ von Blondie und „Telephone Line“ vom Electric Light Orchestra angeboten. Alkohol ist übrigens im Inneren  strikt verboten. Der Erlös des Etablissements kommt wohltätigen Zwecke zugute.

So kann sich Kingsbridge damit brüsten, den kleinsten Nachtclub weltweit zu besitzen, und es dürfte schwierig sein, diesen Rekord zu unterbieten. Dieser Film zeigt den K6-Nightclub in Aktion.

Published in: on 13. Juli 2020 at 02:00  Comments (2)  
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1 Logan Place in Kensington (London) – Hier lebte und starb Freddie Mercury

Garden Lodge in Kensington mit bekritzelter Tür.
Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)

Die Straße Logan Place ist eine Oase der Ruhe im vornehmen Londoner Stadtteil Kensington. Nur wenige Schritte weiter pulsiert das Leben der Großstadt auf der A4, der West Cromwell Road. In die Hausnummer 1 des Logan Place hatte sich 1985 einer der ganz großen Stars der britischen Rockszene zurückgezogen, Freddie Mercury, Sänger der Band Queen. Garden Lodge heißt das Anwesen hinter einer großen Mauer, das von der Straße aus nicht einsehbar ist. Mit Mary Austin, seiner Partnerin, zog er hier ein, und es wurden damals wilde Parties gefeiert. In einem angeschlossenen Aufnahmestudio entstanden Songs der Rockgruppe Queen. Am 24. November 1991 starb der Sänger in der Garden Lodge. Das Haus und einige Millionen Pfund Sterling hinterließ er Mary Austin, die noch heute hier wohnt.

Freddie Mercury war eine Kultfigur in der Rockszene, und seine Fans aus der ganzen Welt pilgerten zu der Straße Logan Place, um an den Mauern, die die Garden Lodge umgab, dem Sänger ihren Tribut zu zollen. Unzählige Briefe und Zettel befestigten die Fans an der Mauer und bekritzelten sie und die Tür mit Inschriften. 1 Logan Place erinnerte an das Grab des Sängers Jim Morrison auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise, das zeitweise eher einer Müllkippe gleicht. Mary Austin und die Nachbarn waren „not amused“ über die Verunstaltung ihrer Straße, und so ließ die Bewohnerin kurzerhand „London’s biggest rock’n’roll shrine“ komplett entfernen. Überwachungskameras wurden angebracht und ein Schild weist daraufhin, dass Graffiti ein strafbares Vergehen ist. Die Fans waren fuchsteufelswild und beklagten sich in den sozialen Netzwerken.

Noch einige Worte zu dem Haus Garden Lodge. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut. Die ersten Bewohner waren das Künstlerpaar Cecil Rae und Constance Halford, über beide ist heute kaum noch etwas bekannt. Die beiden lebten hier bis zu ihrem Tod 1935 bzw. 1938. Die nächsten Bewohner waren ein gewisser Tomas Harris, der für den Geheimdienst MI6 arbeitete, und Peter Wilson, Chairman des Auktionshauses Sotheby’s. Freddie Mercury erwarb das Anwesen in den frühen 1980er Jahren und bezahlte dafür £500,000. Heute wird Garden Lodge auf etwa £20 Millionen geschätzt.

Hier sind einige Fotos des Sängers in der Garden Lodge.

Published in: on 12. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Tiptree Strawberry Race – Auf der Suche nach dem schnellsten Erdbeerpflücker in Essex

Goldhanger in Essex und sein Dorfschild.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Bounds Farm in Goldhanger (Essex) ist der Austragungsort des jährlich stattfindenden Tiptree Strawberry Race, in dem es darum geht, in einer Stunde so viele Erdbeeren wie möglich auf den Feldern einzusammeln…und das (wir sind ja in England) in „fancy dress“, also in Verkleidung. Goldhanger ist ein kleines Dorf dicht an dem Mündungstrichter des River Blackwater. Bei den Erdbeeren handelt es sich um die Sorte Little Scarlet, die Scharlacherdbeere, das sind kleine, besonders süß und intensiv schmeckende Früchte, die die Firma Wilkin & Sons in Tiptree (Essex) zu einer wohlschmeckenden Marmelade verarbeitet. Die Firma ist die einzige weltweit, die diese Erdbeersorte kommerziell anbaut. In Ian Flemings James Bond-Roman „From Russia With Love“ (dt. „Liebesgrüße aus Moskau“) erfahren die Leser, dass dies die Lieblings-Marmeladensorte des Agenten ist.

Da das Erdbeerpflücken eine anstrengende Knochenarbeit ist, die in der Beliebtheitsskala der Engländer nicht ganz weit oben angesiedelt ist, arbeiten vorwiegend Männer und Frauen aus Osteuropa auf den Feldern der Firma Wilkin & Sons. Beim Strawberry Race werfen auch sie sich in Kostüme. Das Motto wechselt von Jahr zu Jahr; so war es 2017 „Hollywoodstars“, und da konnte man zum Beispiel Grace Kelly und Bing Crosby und den Blues Brothers beim Pflücken zusehen. Die „strawberry pickers“ schaffen an die vier bis fünf Kilogramm in der Stunde, wenn sie sich so richtig zusammenreißen. Nicht nur die schnellsten Pflückerinnen und Pflücker werden ausgezeichnet, auch die schönsten Kostüme werden prämiert.

In jedem Jahr werden beim Tiptree Strawberry Race Spenden gesammelt, die von der Firma und ihren Mitarbeitern aufgebracht und einem guten Zweck zugeführt werden. Hier sind einige Bilder von den Feldern der Bounds Farm zu sehen.

Siehe auch meinen Blogartikel über die Firma Wilkin & Sons in Tiptree.

Bounds Farm in Goldhanger.
Photo © Trevor Harris (cc-by-sa/2.0)

Tiptrees Village Sign.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Das FA Cup Final des Jahres 1988 – Liverpool F.C. gegen Wimbledon F.C.

Das Wembley Stadion, in dem das Cup Final stattfand. Es wurde 2003 abgerissen.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, heißt es in Deutschland; will sagen: manchmal schaffen es auch kleine, wenig bekannte Fußballmannschaften in den DFB-Pokalspielen größere Mannschaften aus der Bundesliga zu schlagen. So etwas gibt es auch in England wie beim Cup Final 1988, als der übermächtige Goliath Liverpool F.C. auf den David Wimbledon F.C. stieß. Der Fußballverein aus dem Londoner Stadtteil Wimbledon, der sportlich vor allem durch seine Tennisturniere bekannt war, entstand bereits 1889. In den 1980er Jahren stieg er in kurzer Zeit von der vierten Division in die erste Divison auf, Vorgänger der heutigen Premier League. Der „nickname“ der Mannschaft war „The Crazy Gang“ weil die Spieler berüchtigt für ihre Streiche waren, die sie sich untereinander, aber auch gegenüber der Vereinsführung spielten und die manchmal etwas zu weit gegangen sind. Die Gegner des Wimbledon F.C. kamen ungern in das Stadion an der Plough Lane, weil der Spielstil der Londoner sehr gewöhnungsbedürftig, hart, um nicht zu sagen häufig brutal war. So versuchten die Gastmannschaften, die Spiele mehr oder weniger ohne Verletzungen zu überstehen, und waren froh, wieder in ihrem Mannschaftsbus nach Hause fahren zu können. Im Vertrag der Wimbledonspieler gab es einen Passus, der sagte, sollte die Mannschaft mit vier oder mehr Toren Unterschied in einem Match verlieren, mussten sie eine Opernaufführung besuchen, was zur damaligen Zeit offensichtlich eine ziemlich schlimme Strafe war.

Zurück zum Cup Final 1988. Wimbledon hatte auf dem Weg dorthin West Bromwich Albion, Mansfield Town, Newcastle United, Watford F.C. und Luton Town aus dem Weg geräumt. Am 14. Mai kam es im Londoner Wembley Stadium zum Showdown der beiden Fußballclubs, wobei den Männern aus Liverpool die deutlich besseren Chancen eingeräumt wurden. Aber es kam ganz anders: Durch einen Kopfball von Lawrie Sanchez (er trainierte später einige Jahre lang die Nationalmannschaft Nord-Irlands) erzielte Wimbledon bereits in der ersten Hälfte ein Tor, das auch das letzte des gesamten Spiels bleiben sollte. Selbst ein Elfmeter, den Wimbledons Torwart Dave Beasant hielt, konnte den Sieg der Londoner Mannschaft nicht mehr gefährden. Vor dem ausverkauften Stadion mit mehr als 90 000 Zuschauern musste sich der große Club aus Liverpool geschlagen gegeben (unter Trainer Jürgen Klopp wäre das sicher nicht passiert).

Wimbledon F.C. wurde im Jahr 2002 aufgelöst und entstand neu als die Milton Keynes Dons in Buckinghamshire.

Hier sind Ausschnitte aus dem Spiel zu sehen.

Plough Lane, das frühere Stadion des Wimbledon F.C.; 2002 abgerissen.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die GoGo Hares von Norwich (Norfolk) – Bunte Hasen, die die Stadt im Sommer 2018 bevölkerten

George the Watchmaker.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Es ist jetzt zwei Jahre her, dass eine Invasion von bunten Hasen die Stadt Norwich in der Grafschaft Norfolk heimsuchte. Elf Wochen lang, im Sommer 2018, standen an strategischen Punkten der Stadt fünfzig große Hasenskulpturen, die der Stadt einen freundlichen Anstrich verliehen. Leider wurden sie nach der Aktion wieder entfernt und bei einer Auktion versteigert. Neben diesen Stadthasen gab es auch noch „county hares“ und 164 „leverets“, also Häschen, die alle für einen guten Zweck eingesetzt wurden, nämlich zur finanziellen Unterstützung von Norfolks Break, einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich um benachteiligte Kinder kümmert und sieben Kinderheime in Norfolk und Cambridgeshire unterhält.

Die GoGo Hares, wie die Hasen genannt wurden, brachten eine Menge Geld ein; £409.600 waren es, die bei der Auktion zusammen kamen. Die Hasen wurden überwiegend von lokalen und regionalen Firmen und Organisationen gesponsert und von Künstlern bemalt.

Hier ist der offizielle „Hoppy-Film“. Einige der schönsten Exemplare habe ich im Folgenden zusammengestellt.

Etwas Ähnliches fand in Stockport (Greater Manchester) statt, dort waren es allerdings Frösche (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Professor Hare and his Magic Library.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Lewis the Timely Hare.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Hare LeQuin.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Wonderland Hare.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Juli 2020 at 02:00  Comments (7)  
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St Nicholas in Barfreston in Kent – Die Kirche mit dem „Glockenbaum“

Am 16. April 2014 schrieb ich in meinem Blog über die Kirche St Augustine in Brookland in Kent, deren Besonderheit der „Weihnachtsbaum-Glockenturm“ ist. Einen ebenso ungewöhnlichen „Glockenturm“ hat die Kirche St Nicholas in Barfreston, ebenfalls in Kent. Barfreston (man findet auch die Schreibweise Barfrestone) ist ein Weiler östlich der A2 und nördlich von Dover. Die Verantwortlichen für die Namensgebung der Straßen in dem Dorf zeichneten sich nicht durch besondere Fantasie aus; die Kirche liegt an der Barfreston Road, die auf den Barfreston Lane endet. Aber irgendwann hatte jemand doch einen Geistesblitz und benannte die dritte Straße des Ortes nicht etwa Barfreston Way sondern Pie Factory Road.

St Nicholas ist eine uralte normannische Kirche, die um das Jahr 1180 herum erbaut wurde und die zwei Besonderheiten hat. Da sind einmal die zahlreichen, sehr kunstvollen Steinschnitzereien, die sowohl in der Kirche als auch außerhalb zu sehen sind. Besonders ins Auge fallen die Verzierungen über der Südtür; da tummeln sich Menschen, Löwen und allerlei ungewöhnliche Wesen. Die zugemauerte Nordtür ist nicht ganz so fantasievoll ausgestattet, vielleicht hatten die Steinmetze da keine Lust mehr oder ihnen fiel nichts mehr ein. Im Inneren ist der Taufstein sehr gut gelungen.

Die zweite Besonderheit von St Nicholas ist, dass die Kirche über keinen richtigen Glockenturm verfügt. Was wäre aber eine Kirche ohne Glocken? Zuerst war das durchaus vorhandene Glöckchen in einem Türmchen an der Westseite untergebracht. Um das Jahr 1900 herum zog die kleine Glocke um und zwar auf einen Eibenbaum, der direkt neben der Kirche steht. Im Geäst ist sie befestigt und wird durch ein System von Seilen von der Kirche aus geläutet. Im Gegensatz zu den Straßennamengebern bewies man hier also durchaus Kreativität.

Hier ist ein kurzer Film über St Nicholas.

Wem es nach der Besichtigung der Kirche dürstet, der kann in wenigen Minuten den Dorfpub erreichen, der in der Pie Factory liegt, und den schönen Namen The Wrong Turn trägt.

Die Südtür von St Nicholas.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der Taufstein.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfpub mit dem schönen Namen.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 8. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Saltwood Castle in Saltwood bei Hythe in Kent

Wenn Mauern reden könnten…dann hätten die Mauern des Saltwood Castles so einiges zu erzählen. Die alte Burg liegt in Kent und zwar in Saltwood, einem Dorf, das so gut wie nahtlos in die Stadt Hythe an der Südküste übergeht. Die Ursprünge der Burg reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück, aber ich möchte nur auf einige Details in der Geschichte eingehen.

Im Jahr 1170 sollen sich hier die vier Ritter getroffen haben, die am Mord des Erzbischofs von Canterbury, Thomas Beckett (1118-1170), beteiligt waren: Reginald Fitzurse, Hugh de Morville, William de Tracy und Richard Brito. Vom Saltwood Castle machten sich die vier Ritter auf den Weg nach Canterbury, wo sie am 29. Dezember 1170 in die Kathedrale eindrangen und Thomas Beckett erschlugen. Etwas über zwei Jahre später wurde der Geistliche heilig gesprochen. Noch heute pilgern viele Menschen in die Kathedrale, um sich den Stein anzusehen, der den Schauplatz des Mordes markiert.

Saltwood Castle war damals im Besitz der Kirche, ging unter Heinrich VIII. in das Eigentum der Krone über und im 19. Jahrhundert war die Burg wieder Residenz für den Erzbischof von Canterbury.

Im Zweiten Weltkrieg ereignete sich etwas Seltsames in Hythe, das heißt, eigentlich ereignete sich gar nichts, denn die deutschen Bomber ließen die kleine Stadt links liegen. Keine Bombe fiel auf den Ort…weil Hermann Göring das so angeordnet hatte. Der Hintergrund: Der Reichsmarschall plante, nach einer erfolgreichen Invasion, sich in Saltwood Castle niederzulassen. Er soll früher einmal einige Wochen in Hythe zugebracht und sich in die Burg verliebt haben. Glück für die Bewohner von Hythe, dass sie nicht bombardiert wurden und glücklicherweise kam es nie zu einer Invasion, so dass Saltwood Castle niemals einen deutschen Burgherrn bekam.

1955 kaufte der Kunsthistoriker und Kunstsammler Kenneth Clark (1903-1983) die Burg, die nach seinem Tod in den Besitz seines Sohnes Alan Clark (1928-1999) überging, der auch auf der Burg starb. Alan Clark hatte unter der Regierung Margaret Thatcher mehrere Ministerämter inne und war Parlamentsmitglied erst für Plymouth Sutton in Devon und später für Kensington and Chelsea. Bekannt als Buchautor wurde Alan Clark vor allem durch seine dreibändigen Tagebuchaufzeichnungen „Diaries“. Er war eine umstrittene Persönlichkeit, machte keinen Hehl aus seinen außerehelichen Eskapaden und war in der Wortwahl anderen Politikern gegenüber nicht zimperlich. Er liebte seine Hunde, einen nannte er Eva Braun, nach Hitlers Geliebten. Sein Grab ist auf dem Gelände des Saltwood Castles zu finden.

Die Burg ist nach wie vor in Privatbesitz. Jane Clark, die Witwe Alan Clarks, ist die Hausherrin. Zweimal im Jahr öffnet sie die Burggärten für die Öffentlichkeit.

Die königliche Eiche auf dem Gelände des Boscobel House in Staffordshire, die König Charles II. einmal als Zuflucht diente

The Royal Oak in Boscobel, entstanden aus einem Samenkorn der echten Eiche.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Es gibt in England sehr viele Pubs, die den Namen Royal Oak führen. Das geht auf die Flucht Charles II. im Jahre 1651 zurück, nachdem er die Schlacht von Worcester am 3. September verloren hatte. Im Laufe dieser Flucht kam er nach Boscobel House im Grenzbereich von Shropshire und Staffordshire, wo ihm geholfen wurde. Als die feindlichen Truppen auf der Suche nach dem König nach Boscobel kamen, versteckte der sich zusammen mit William Carless, einem der letzten überlebenden Royalisten der Schlacht von Worcester, einen Tag lang auf einer großen Eiche des Anwesens, die von da ab The Royal Oak genannt wurde. Charles II. wurde nicht im Blätterwerk entdeckt, trotzdem versteckte er sich am nächsten Tag (die Eiche war dann doch zu unbequem) in einem der sogenannten Priest Holes in Boscobel House, das waren schwer zu findende Verstecke für Priester, die man in manchen großen Häusern angelegt hatte. In diesem Film wird die Geschichte vom König in der Eiche noch einmal nacherzählt.

Die königliche Eiche wurde später von vielen Menschen aufgesucht, die sich gern als Souvenir ein Stück davon abbrachen, was letztlich zum Tode des Baumes führte.

Bei meinem Besuch im Boscobel House konnte ich im angeschlossenen Shop feststellen, dass man mit der königlichen Eiche auch heute noch Geschäfte machen kann, denn viele Souvenirs, die dort zum Verkauf stehen, sind mit der Royal Oak versehen.

Boscobel House, das dem English Heritage gehört, bleibt wegen umfangreicher Umbauarbeiten bis voraussichtlich Frühjahr 2021 geschlossen.

Boscobel House
Brewood
Bishop’s Wood
Shropshire ST19 9AR

Eines der vielen Pubschilder, die den König auf der Eiche zeigen; hier in Wootton Rivers in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Boscobel House.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 6. Juli 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Brimham Rocks – Felsformationen in North Yorkshire

The Sphinx, The Watchdog, The Camel, The Turtle, The Dancing Bear oder The Blacksmith’s Anvil heißen die eigenartigen Felsformationen, die auf dem Brimham Moor in North Yorkshire zu sehen sind. Diese Brimham Rocks (hier ist ein Film über die Felsen) gehören dem National Trust und man findet sie etwa 15 Km westlich von Harrogate zwischen den Straßen B6165 und B6265 im Nidderdale.

Man kann sich diese eindrucksvolle Felsenlandschaft das ganze Jahr über ansehen und der National Trust verlangt auch keinen Eintritt dafür. Lediglich eine Parkplatzgebühr ist zu entrichten, wenn man kein National Trust-Mitglied ist.

Entstanden sind diese merkwürdigen Felsen hauptsächlich durch Erosion vor ca 300 Millionen Jahren. Wer sich diese Region ansehen möchte, sollte vorher erst einmal das Visitor Centre aufsuchen; es ist allerdings nur zu bestimmten Zeiten geöffnet; Auskunft darüber gibt die National Trust-Webseite.

Es liegt natürlich auf der Hand, dass so eine Felsenlandschaft Film- und Fernsehproduktionen  anzieht. So wurde hier zum Beispiel die ITV-Kinder-Serie Roger and the Rottentrolls (1996-2000) gedreht, die Bee Gees produzierten in den Brimham Rocks einige Teile ihres „You win again„-Videos und Orchestral Manoeuvres in the Dark filmten in den Felsen für „The Maid of Orleans„.

The Dancing Bear.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

The Turtle.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

The Druid’s Writing Desk.
Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

 
 

 

Published in: on 5. Juli 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Das Konsulat des Königreichs von Redonda findet man im Pub The Wellington Arms in Southampton

Das Rauchverbot in englischen Pubs traf viele „Regulars“, die gern mal zur Zigarette griffen, schwer. Das Bier so ganz ohne zu trinken, schmeckte ihnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht. Aber was sollten sie schon gegen das Gesetz ausrichten? So mancher Wirt überlegte, ob es nicht vielleicht doch einen Ausweg aus dieser Situation geben könnte und Bob Beech, der Publican des The Wellington Arms in Southampton hatte da eine Idee. Wenn sein Pub nicht auf britischem Boden stehen würde, gälten dann ja auch die britischen Gesetze dort nicht…

Die Idee: Bob Beech erklärte seinen Pub kurzerhand zum Konsulat des Königreichs von Redonda. Nie davon gehört? Es gibt wohl auch nur wenige Menschen auf der Welt, die schon von diesem Königreich gehört haben. Redonda ist eine winzige Insel in der Karibik, nicht weit von Antigua entfernt, auf der kein Mensch wohnt. 1865 soll sich hier ein gewisser Matthew Dowdy Shiell von der nahe gelegenen Insel Montserrat zum König von Redonda ausgerufen haben und dieser Titel wurde bis in die heutige Zeit  immer weitergereicht. Näheres ist auf der Homepage des Pubs nachzulesen. Da ist natürlich viel britischer Humor dabei und dem Konsul Redondas, besagtem Wirt Sir Robert Beech, gelang es auch nicht, die britischen Behörden davon zu überzeugen, dass die Rauchverbotsbestimmungen in seinem Pub nicht gelten, aber einen Versuch war es immerhin wert…

Die Raucher des Wellington Arms müssen sich also weiterhin nach draußen begeben, um sich eine Zigarette zu genehmigen; für sie hat Sir Robert aber eine überdachte Raucherzone gebaut.

Ab heute hat der Pub nach den Corona-Einschränkungen wieder geöffnet. Good luck!

The Wellington Arms
56 Park Road
Southampton SO15 3DE

 

The Kingdom of Redonda.
Author: Invertzoo.
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Mein Buchtipp – Tom Bolton: Low Country – Brexit on the Essex Coast

Foto meines Exemplares.

Am 22. Mai diesen Jahres stellte ich an dieser Stelle Justin Hoppers Buch „The Old Weird Albion“ vor, das in dem Londoner Verlag Penned in the Margins erschienen ist und von den Wanderungen des Autors durch Hampshire und Sussex erzählt. Im gleichen Verlag erschien ein ähnlich gelagertes Buch mit dem Titel „Low Country – Brexit on the Essex Coast“ von Tom Bolton. Bolton und seine Partnerin berichten darin von ihren Wanderungen entlang der Küste der Grafschaft Essex.

Die Reise beginnt dort, wo Greater London auf Essex trifft, eine nicht sehr attraktive Region, die von Industriebauten und riesigen Lagerhallen beherrscht wird. Amazon hat dort in Tilbury sein größtes Warenlager in Europa errichtet. Weiter geht die Reise über die Halbinsel Canvey Island und Southend-on-Sea zu der höchst merkwürdigen Foulness Island, die dem britischen Verteidigungsministerium gehört und die häufig mit der amerikanischen Area 51 in Nevada verglichen wird (ich berichtete in meinem Blog über die Insel). Weitere Stationen sind die Dengie-Halbinsel, Northey Island und Osea Island im Mündungstrichter des River Blackwater und die Mersea Island. Bei Manningtree an der Grenze zu Suffolk geht die Reise zu Ende.

Wir erleben die Grafschaft Essex wie sie die die meisten Touristen nicht zu sehen bekommen. Von den unansehnlichen Industriegebieten im Westen zu den gering besiedelten Marschlandschaften im Osten, wo Land und See manchmal fließend ineinander übergehen. Tom Bolton schreibt außerordentlich fesselnd; man erfährt ständig Interessantes und Merkwürdiges, das Buch wird nie langweilig. Außerdem ist der Autor ein entschiedener Gegner des Brexits, was ihn mir noch sympathischer macht.

Absolut empfehlenswert!!

Tom Bolton: Low Country – Brexit on the Essex Coast. Penned in the Margins 2018. 292 Seiten. ISBN 978-1-908058-59-1.

Die weniger schöne Seite von Essex: Öltanks an der Küste.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Und das andere Essex: Mersea Island.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 3. Juli 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Ufford (Suffolk) und einer der schönsten Taufsteine in Großbritannien in St Mary of the Assumption

Wenn ich mir eine englische Kirche ansehe, bin ich immer gespannt wie der Taufstein („font“ im Englischen) aussehen wird. Man hatte vor Hunderten von Jahren, als man diese Steine schuf, sehr viel Wert auf die Gestaltung gelegt, und viele von ihnen sind noch heute erhalten und nun ja, steinalt. Über besonders schöne Exemplare in der Grafschaft Buckinghamshire habe ich in meinem Blog vor einiger Zeit geschrieben.

Ein ganz besonderes Taufbecken, genauer gesagt der Deckel dazu, ist in der Kirche St Mary of the Assumption (hier sind die Glocken zu hören) in der kleinen Gemeinde Ufford, nordöstlich von Ipswich, in der Grafschaft Suffolk zu bestaunen. Der „font cover“ ist sage und schreibe sechs Meter hoch und wird nur noch von dem in der St Edmund’s Church in Southwold (ebenfalls in Suffolk) übertroffen, der acht Meter hoch ist.

Errichtet wurde die Taufsteinabdeckung im 15. Jahrhundert, und ich gebe hier die Kurzbeschreibung auf der Webseite „suffolkchurches.co.uk“ wieder: „The cover is telescopic, and crocketting and arcading dances around it like waterfalls and forests. There are tiny niches, filled today with 19th century statues. At the top is a gilt pelican, plucking its breast„. Besser kann man dieses kunstvolle Gebilde nicht beschreiben. Der „font cover“ wirkt schon fast etwas überladen, trotzdem finde ich ihn grandios. Immer wieder wird er als der schönste der Welt bezeichnet.

Es grenzt an ein Wunder, dass die Kirche in Ufford die Metzeleien des William „Basher“ Dowsing überstanden hat (ich berichtete über ihn in meinem Blog), der hier am 21. August 1644 weiteres Unheil anrichten wollte, aber selbst er war von dem Taufbecken so angetan, dass er es verschonte.

In St Mary of the Assumption gibt es noch mehr höchst interessante und beeindruckende Dinge zu sehen, zum Beispiel die großartigen Holzschnitzereien wie die Margaret and Catherine Bench direkt vor dem Taufstein.

Ein Umweg zu dieser Kirche lohnt sich; sie ist leicht über die A12, die von Ipswich nach Lowestoft führt, zu erreichen.

„The pelican plucking its breast“ an der Spitze des „font covers“.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Margaret and Catherine Bench.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s of the Assumption.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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