Temple Works in Leeds (West Yorkshire) – Von der Leinenweberei zur Zweigstelle der British Library

In meinen 3550 Blogeinträgen habe ich bisher noch nie über die Stadt Leeds in West Yorkshire geschrieben (Sorry Leeds!!), was ich mit meinem heutigen Blogpost ändern möchte.

Leeds war im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Textilindustrie, und so wurde im Jahr 1836 ein Fabrikgebäude von dem Unternehmer John Marshall in Auftrag gegeben, der hier Leinengewebe produzieren ließ. Die Fassade sollte etwas Besonderes werden, und John Marshall entschied sich für den Neuägyptischen Stil mit vielen Säulen, wobei er sich an den ägyptischen Tempelanlagen von Antaeopolis und Horus orientierte. Eine Besonderheit war das Dach des Gebäudes, auf dem eine Grasfläche installiert wurde, wo Schafe grasten und Rasenmäher spielten.

Temple Works beherbergte damals den größten überdachten Raum der Welt, so groß wie zwei Fußballfelder. Jahrelang schufteten Frauen und Männer in der Fabrik, manchmal bis zu 16 Stunden am Tag. Ab 1870 ließ die Nachfrage nach Leinen aus Leeds nach, die Firma hielt sich noch einige Jahre, musste dann aber 1886 verkauft werden. Nach mehreren Besitzerwechseln zog in den 1950er Jahren die Firma Kays in das Gebäude, die es als Lagerhalle für seinen national operierenden Versandhandel nutzte. 2004 schloss das Unternehmen in Leeds seine Pforten, und Temple Works verfiel nach und nach. Eine der Säulen brach ab, Mauerteile fielen herab, es musste also etwas getan werden. „Abreißen!“ riefen einige, „Nein, unbedingt erhalten und restaurieren!“ meinten andere. Eine Zeit lang überlegte die Firma Burberry, ob sie nicht einen Teil ihrer Produktion hier nach Leeds verlegen sollte, aber auch daraus wurde nichts. Schließlich übernahm die Investmentfirma CEG Temple Works für den symbolischen Preis von einem Pfund. Die Firma baut in diesem Teil von Leeds, unter Einbeziehung auch älterer Gebäude, einen neuen Distrikt namens Temple.

Die aktuellen Planungen sehen vor, dass das alte Fabrikgebäude als Zweigstelle der British Library genutzt werden soll, eine Depotbibliothek, die die British Library in Boston Spa, nordöstlich von Leeds, entlastet, denn die platzt aus allen Nähten bei einem derzeitigen Bestand von mehr als 100 Millionen Büchern, Medien und Dokumenten. Jahr für Jahr kommen auf Grund des Pflichtexemplargesetzes rund drei Millionen Medien dazu. Das wäre doch eine optimale Nutzung für dieses historischen Gebäude!

Hier ist ein Film über Temple Works.

Hier wird sich bald einiges ändern.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. na ja, Leeds ist nicht unbedingt eine schönheit und ziemlich autogerecht mit autobahnen quer durch die stadt…eigentlich eher die zufahrt richtung yorkshire dales, sorry Leeds

  2. Richtig, Leeds ist – wie Sheffield – wohl kaum die Stadt, die man gesehen haben muss. Trotzdem ist diese Stadt für die Industriegeschichte Englands von höchster Bedeutung und viele Überbleibsel aus jenen Jahren sind heute in ihrem Bestand gefährdet. Die Temple Works – seit Jahren unter Beobachtung von namhaften Körperschaften, wie der „Association of Industrial Archaeology“ – ist ein grandioses Gebäude und ich bin, wie alle Architektur-Freaks, von seiner Fassade und den gigantischen Dimensionen seiner Halle begeistert. Hoffen wir, dass es erhalten bleibt. Aber der Schnurrbart von Jonathan Straight (im Film!) ist schlicht „amazing“!


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