LCY2 – Amazons Fulfilment Centre in Tilbury (Essex)

Im Jahr 2017 eröffnete Amazon in einem Gewerbegebiet in Tilbury (Essex) ein weiteres riesiges sogenanntes Fulfilment Centre, das 13. in Großbritannien. Es ist das größte Warenlager Amazons im Königreich und sogar das zweitgrößte weltweit; nur ein Centre in den USA ist noch größer. Das Tilbury Lagerhaus umfasst eine Fläche von 28 Fußballfeldern und bietet 4000 Menschen einen Arbeitsplatz. Die Lage ist optimal, direkt vor den Toren von London, die Autobahn M25 ist schnell zu erreichen. Das Tilbury Fulfilment Centre trägt den Code LCY2. Bekommt man ein Päckchen oder Paket von der Firma, so kann man auf dem aufgeklebten Code erkennen, woher die Warenlieferung stammt. Die Codebuchstaben richten sich immer nach dem nächstgelegenen Flughafen, in diesem Falle ist LCY2 der Code vom London City Airport (LTN1 steht für  Amazon Milton Keynes, nahe des Flughafens von Luton, MAN2 für Amazon Warrington nahe des Flughafens von Manchester).

In den Lagerhallen in Tilbury hat man sich auf kleinere Artikel spezialisiert, die von State-of-the-art-Robotern bewegt werden. Größere Artikel sind zum Beispiel im Fulfilment Centre in Doncaster (LBA3) gelagert. In Tilbury wird rund um die Uhr gearbeitet; selbst bei einem regionalen Zusammenbruch der Stromversorgung kann weiter gearbeitet werden, da LCY2 über eigene Generatoren und über Solaranlagen auf dem Dach verfügt.

Tilbury gehört zu den schnellsten Auslieferungslagern von Amazon in Großbritannien. Von dem Moment, wenn jemand seine Bestellung online aufgibt bis zur Versandbereitstellung soll es nur zwischen 15 Minuten und einer Stunde dauern.

Hier ist ein Film über Amazons LCY2.

Siehe auch meinen Blogeintrag über das Warenlager in Ridgmont (Bedfordshire).

Published in: on 31. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Leicester – Ein Hotspot der Corona-Pandemie

Leicester im Lockdown.
Author: Chris Hoare
Creative Commons 2.0

In den letzten Jahren ist die Stadt Leicester in Leicestershire vor allem durch zwei Ereignisse in den Vordergrund getreten: Durch das Auffinden der Gebeine König Richards III. unter einem Parkplatz in der Innenstadt und durch den unerwarteten Gewinn der Meisterschaft in der Premier League in der Saison 2015/16 durch den örtlichen Fußballverein Leicester City.

Leider kommt in diesem Jahr eine weitere Besonderheit hinzu, die man sich in der Stadt gern erspart hätte: Leicester ist einer der Hotspots in der Corona-Pandemie. Vor einigen Tagen lag die Zahl der Gesamtinfektionen bei 5329 bei einer Einwohnerzahl von etwa 355 000. Auch im Umland von Leicester in den Orten Charnwood, Blaby und Hinckley lagen die Infektionszahlen vergleichsweise hoch.

Warum hat es nun Leicester so schwer getroffen? Während in Deutschland es in einigen Regionen die fleischverarbeitende Industrie war, die für viele Infektionen sorgte, ist es in Leicester die Textilindustrie (ja, die gibt es dort noch, nicht alles ist nach Fernost verlagert worden), die zu einem beträchtlichen Teil für positive Tests verantwortlich war. Die Arbeitsverhältnisse sind in diesem Wirtschaftszweig skandalös; beschäftigt sind meist Menschen aus Osteuropa und Asien, darunter viele illegal. Gearbeitet wurde ohne Mindestabstand, ohne Masken in schlecht belüfteten Räumen. Trotz des Lockdowns wurde in einigen Betrieben weiter gearbeitet, auch mit Mitarbeitern, die positiv getestet worden waren. Ein Skandal, der nun durch Corona ans Tageslicht gekommen ist; hoffentlich sorgt die britische Regierung dafür, dass die Zustände wesentlich verbessert werden. Hier ist ein Film zum Thema.

Neben Leicester hat die Corona-Pandemie besonders in den Midlands zugeschlagen. Die Stadt Oldham beispielsweise weist mehr als 100 Fälle pro 100 000 Einwohner auf, in Blackpool haben die positiv Getesteten stark zugenommen. Die Region Greater Manchester ist mindestens noch bis zum 2. September im Lockdown. Im Süden ist es zur Zeit die Stadt Swindon in Wiltshire, die die größten Probleme mit Neuinfektionen hat. Es wird also noch eine ganze Weile dauern, bis in England Entwarnung gegeben werden kann.

 

Published in: on 30. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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The Ukulele Orchestra of Great Britain

 

Das Zupfinstrument Ukulele verbindet man eigentlich eher mit Hawaii als mit Großbritannien, aber genau dort hat die Ukulele eine Art Neugeburt erfahren mit der Gründung des Ukulele Orchestra of Great Britain.

Vor 25 Jahren fand man sich, mehr aus Spaß, zusammen und inzwischen ist das „Orchester“ zu einer Weltberühmtheit geworden, dass pausenlos auf Tournee durch die ganze Welt unterwegs ist.

Das achtköpfige Orchester besteht zurzeit aus:
Jonty Bankes
Peter Brooke-Turner
Hester Goodman
Will Grove-White
George Hinchliffe
Leisa Rea
Ewan Wardrop
David Suich
Richie Williams

Das UOGB besteht aus Briten, also spielt der Humor bei den Auftritten auch eine Rolle, die dadurch nie langweilig werden. Die perfekte Selbstdarstellung findet sich auf ihrer Webseite, der eigentlich nichts hinzuzufügen ist:

A concert by the Ukulele Orchestra is a funny, virtuosic, twanging, awesome, foot-stomping obituary of rock-n-roll and melodious light entertainment featuring only the “bonsai guitar” and a menagerie of voices in a collision of post-punk performance and toe-tapping oldies. There are no drums, pianos, backing tracks or banjos, no pitch shifters or electronic trickery.

Sie sind häufig Gast in Deutschland und traten auch mehrmals in Fernsehsendungen auf. Zuletzt waren sie im Februar 2020 auf Deutschland-Tournee. Weitere Aktivitäten sind zur Zeit wegen Corona nicht möglich. Aber man kann sich ihre Musik natürlich auf youtube ansehen wie beispielsweise ihre Version von „The Good, the Bad and the Ugly„.

Siehe auch meinen Blogeintrag über den wohl bekanntesten Ukulelespieler Großbritanniens: George Formby.

Published in: on 29. August 2020 at 02:00  Comments (3)  
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TOWIE – Eine populäre Reality Soap in Großbritannien

Brentwood High Street.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Der Begriff Essex Girls „applies to a woman viewed as promiscuous and unintelligent, characteristics jocularly attributed to women from Essex“, so die Wikipedia. Diese jungen Damen aus der Grafschaft Essex vor den Toren Londons begeben sich gern aufgebrezelt an den Wochenenden in die Hauptstadt, um dort etwas zu erleben, was das auch immer sein soll. Ihre Attribute sind unter anderem (meist) blonde Haare, hochhackige Schuhe, Miniröcke und Sonnenbankbräune. Die Essex Girls sind wesentlicher Bestandteil der populären Reality Soap TOWIE, aufgelöst The Only Way Is Essex, die erstmals 2010 von der ITV ausgestrahlt wurde und mittlerweile 26 Staffeln umfasst. Die Serie spielt überwiegend in der (realen) Stadt Brentwood in Essex. Hier ist ein Trailer und hier ein Ausschnitt aus der Show.

In TOWIE wird gezickt, was das Zeug hält; den Essex Girls stehen die Essex Boys gegenüber, meist gut gebaute, tätowierte junge Männer. Die Stars der Serie heißen zum Beispiel Chloe Sims, Gemma Collins, Lauren Pope, James Bennewith, Bobby Cole Norris und James Lock. Hin und wieder verlassen die Darsteller die Stadt Brentwood, und es wird außerhalb des Landes in Party Locations wie Marbella und Mallorca gedreht. Eigentlich sollte jetzt auf den Kanarischen Inseln gedreht werden, doch Corona hat auch das verhindert.

Die TV-Serie stößt bei einigen Bewohnern der Grafschaft Essex auf Kritik, denn die fühlen sich durch das Treiben der Boys and Girls falsch repräsentiert. Doch die Realityshow kommt vor allem beim jüngeren Publikum ganz gut an, mehr als eine Million Zuschauer haben  durchschnittlich seit Beginn der Serie pro Staffel ihre Fernseher eingeschaltet.

Die Stadt Brentwood hat von der TV-Show profitiert, denn Fans aus dem ganzen Land kommen hierher, um sich die Schauplätze anzusehen. Rundfahrten auf den Spuren der Stars werden angeboten wie John’s TOWIE Taxis und für Fans gibt es eine TowiepediaHier ist ein virtueller TOWIE-Rundgang.

Published in: on 28. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Meine Erfahrungen mit indischen Restaurants in England

The Sultan of Lancaster in Lancaster (Lancashire), in einer ehemaligen Kirche untergebracht.
Photo © Karl and Ali (cc-by-sa/2.0)

Wenn meine Frau und ich früher im Wohnmobil unterwegs waren oder Cottages gemietet hatten, suchten wir uns zum Abendessen immer ein Restaurant in der Nähe aus, darunter auch hin und wieder ein indisches.

Unsere allererste Begegnung mit der indischen Küche war in Warwick, wo wir unser Wohnmobil an der Rennbahn abgestellt hatten. Nicht weit entfernt entlang der High Street gab es ein kleines indisches Restaurant, das wir betraten und dort keine weiteren Gäste vorfanden. Ein total verschniefter Kellner brachte uns die Karte und nachdem wir gewählt hatten, fragte er, ob wir unser Essen „hot“ haben wollten. Wir guckten uns an und nickten, natürlich sollte unser heiß sein, was für eine Frage. Offensichtlich durchschaute der Kellner unsere Unwissenheit und klärte uns auf, dass „hot“ auf Englisch auch „scharf“ bedeutet. Okay, wieder etwas gelernt, aber, wie gesagt, das ist schon sehr lange her.

Unsere zweite Begegnung mit der indischen Küche war in Thatcham in Berkshire, wo wir gern ein Tandoori-Gericht gehabt hätten, aber leider warf man in diesem Etablissement den Tandoori-Ofen erst abends an, so dass wir mit etwas anderem Vorlieb nehmen mussten.

Ich esse sehr gern scharf, aber die Variante „Vindaloo“ liegt so am Rande des Erträglichen, was ich in einem indischen Restaurant in Margate (Kent) zu spüren bekam. Mein Lamm-Vindaloo war wirklich extrem scharf, und meine Frau wunderte sich wie man so etwas überhaupt essen kann.

In York gab  es direkt an der Ouse ein nettes kleines Restaurant mit indischer Küche, das Taj Mahal, das wir mehrere Male aufsuchten, das aber das Problem hatte, bei Hochwasser der Ouse nicht mehr zugänglich zu sein. Inzwischen gibt es das Restaurant nicht mehr. Einen „Edel-Inder“ findet man in York in der Straße Fossgate, die sehr empfehlenswerte Mumbai Lodge, die auch Gerichte aus Bangladesh anbietet. Dieses Restaurant war bei unserem Besuch gut gefüllt, während in fast allen indischen Restaurants, die wir im Lauf der Jahre besuchten, kaum jemand außer uns saß. Das kann natürlich Zufall sein.
Chicken Tikka Masala ist eines der populärsten Gerichte in Großbritannien und macht sogar den Fish and Chips Konkurrenz.

Die Indian Lounge in Newbury (West Berkshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

The Cherry Tree Indian Restaurant in Wheathampstead (Hertfordshire).
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Das Nawab in Tiverton (Devon).
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. August 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Stand-up Comedians – Dave Spikey

Der 1951 in Lancashire geborene Dave Spikey begann seine Karriere als Comedian im Jahr 1990. Die erste seiner vielen noch folgenden Auszeichnungen war „North West Comedian of the Year„. Das Zusammentreffen mit dem Comedian Peter Kay erwies sich als sehr fruchtbar und beide formten eine Partnerschaft, die  viele Erfolge einbrachte wie die Shows „That Peter Kay Thing“ und „Phoenix Nights“ auf Channel 4 für die er den British Comedy Award erhielt.

Im Jahr 2003 ging er erstmals auf Tournee mit seiner Show „Overnight Success Tour“ und trat in ausverkauften Häusern auf. Die DVD zu der Show wurde ebenfalls ausgezeichnet und verkaufte sich 75 000 mal. In diesem Jahr will er (wenn Corona es zulässt“ mit „A Funny Thing Happened“ auf Tournee gehen. Start am 2. Oktober in Barnsley (South Yorkshire).

Zwei Jahre lang war Spikey in der populären Comedy-Gameshow „8 Out of 10 Cats“ zu sehen und der bisherige Höhepunkt seiner Karriere war ein Auftritt vor der englischen Königin.

Dave Spikey hat zwei Bücher geschrieben: „He Took My Kidney, Then Broke My Heart“ und „Under The Microscope: My Life„.

Der Stand-up Comedian ist auch nach 30 Jahren noch sehr aktiv und gehört zu den populärsten „Witzbolden“ in Großbritannien. Hier ist ein Ausschnitt aus seiner „Juggling on a Motorbike„-Tour aus dem Jahr 2018.

Published in: on 26. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Simon Marsden (1948-2012) – Der Fotograf des Unheimlichen

Simon Marsden (links).
Author: Sgerbic
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Der 1948 in Lincoln geborene Simon Marsden, 4th Baronet of Grimsby (1948-2012), ist durch seine unheimlichen Schwarz-Weiß-Fotografien in aller Welt berühmt geworden. Er erzielte diese unheimlichen Effekte mit Hilfe der Infrarottechnik. Als Motiv suchte sich Simon Marsden in England und in anderen europäischen Ländern Spukhäuser, verfallene Ruinen und Friedhöfe, die er dann in seiner unnachahmlichen Weise porträtierte. Leider ist er schon sehr früh 2012 in Lincolnshire gestorben
Einige seiner Bücher sind auch ins Deutsche übersetzt worden wie beispielsweise:
The Haunted Realm –> „Spuk und Gespenster“
Phantoms of the Isles –> „Im Reich der Geister“
Beyond the Wall –> „Zeugen in Stein“

Besonders fasziniert hat mich immer sein Foto von Allerton Castle (in dem kleinen Film am Ende des Beitrages auch zu sehen) in Yorkshire zwischen Wetherby und Boroughbridge, ein Haus an dem ich früher häufig vorbeifuhr und das mir schon am Tage sehr unheimlich vorkam. Das Foto ist in Marsdens „Phantoms of the Isles“ zu finden, in dem auch das grandiose Toddington Manor in Gloucestershire abgebildet ist. Ich stand einmal vor den Toren dieses Hauses, das seit 2005 dem englischen Künstler Damien Hirst gehört.

Marsdens Fotografien werden heute in berühmten Museen ausgestellt, so zum Beispiel im Londoner Victoria & Albert Museum, im John Paul Getty Museum in Los Angeles, und auch die Pariser Bibliothèque Nationale besitzt einige seiner Werke.

Hier ist ein Film über Simon Marsden.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 25. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Von Halbmonden und Zirkussen – Bath und seine städtebauliche Architektur im 18. Jahrhundert

The Royal Crescent.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

John Wood the Elder (1704-1754) und John Wood the Younger (1728-1782) waren zwei Architekten, die die Stadt Bath architektonisch maßgeblich gestalteten. Bei meiner letzten Englandreise stattete ich Bath wieder einmal einen Besuch ab und kam dabei am imposanten Royal Crescent vorbei, der zu den sehenswertesten Gebäudekomplexen der Stadt gehört, das Werk von John Wood the Younger. Der Grundstein wurde am 19. Mai 1767 gelegt und acht Jahre später war der „Halbmond“, der Crescent, fertig, der erste seiner Art. John Wood junior hätte es sicher gefreut, wenn er damals gewusst hätte, dass sein Bauwerk dazu beitragen sollte, dass Bath 1987 als UNESCO Welterbe anerkannt wurde. Erst hieß das Gebäude The Crescent, nach einem Besuch von Prince Frederick Augustus, Duke of York and Albany Ende des 18. Jahrhunderts durfte der Zusatz „Royal“ davorgesetzt werden. Heute ist dort ein Luxushotel untergebracht, das The Royal Crescent Hotel & Spa, das Museum No.1 Royal Crescent und viele Privatwohnungen. Später übernahmen mehrere andere Städte im Land die Idee mit dem halbmondförmigen Gebäude.

John Wood der Ältere hatte sich schon vor seinem Sohn etwas Ähnliches wie den Crescent ausgedacht, nämlich den Circus, also einen kreisförmigen Gebäudekomplex. Leider verstarb der Architekt schon drei Monate nach der Grundsteinlegung, so dass sein Sohn die Zügel übernehmen musste und den Circus zu Ende baute, 1768 war das der Fall. Die Gebäude des ursprünglich The Kings Circus genannten Komplexes sind außerordentlich reich verziert mit klassischen Säulen und 525 Emblemen und Symbolen. Drei Zugänge führen zu dem inneren Platz, der von einer Grünfläche mit hohen Platanen eingenommen wird. Schon bald nach seiner Errichtung war The Circus eine der besten Adressen der Stadt; der Staatsmann William Pitt the Elder zog hier ein (Nummer 7), sowie der Maler Thomas Gainsborough (Nummer 8)  und der Schriftsteller William Makepeace Thackeray (Nummer 17).

Und weil man in Bath nicht genug bekommen konnte von Crescents und Circuses entwarf der Architekt John Palmer (1738-1817) 1789 auch noch den Lansdown Crescent, der 1793 fertig gestellt wurde.

Hier ist ein Film über die genannten Gebäude.

The Bath Circus.
Photo © Roger Beale (cc-by-sa/2.0)

Der Lansdown Crescent.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Hexham Old Gaol in Northumberland – Englands ältestes Gefängnis

Die Kleinstadt Hexham im äußersten Norden Englands in der Grafschaft Northumberland kann sich dreier Dinge rühmen. Erstens ist Hexham Geburtsort von Pete Doherty, dem Sänger der Gruppe Babyshambles und Ex-Freund von Supermodel Kate Moss, der mehrheitlich durch seine Drogenexzesse von sich reden machte. Ob man sich dieses Sohnes der Stadt aber wirklich rühmen kann, sei dahingestellt.

Zweitens findet sich hier eine sehr imposante Kirche, die Hexham Abbey.

Und drittens steht in Hexham Englands ältestes Gefängnis, das heißt, es gibt noch ältere, aber dieses Gebäude wurde von Anfang an als Gefängnis konzipiert. Im Jahr 1330 wurde Hexham Old Gaol gebaut, und es erwies sich im Laufe der Jahrhunderte als nicht besonders sicher, da es immer wieder Gefangenen gelang, aus dem Gemäuer zu flüchten; manchmal auch mit Unterstützung des Aufsichtspersonals, das dafür gern einmal die Hand aufhielt.

Bis in die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts war das Gefängnis in Betrieb, dann wurde es für gänzlich andere Dinge benutzt, als Bank, als Anwaltsbüro, als Billardhalle. Dann verfiel das Gebäude immer mehr, bis es von Grund auf renoviert wurde und seit 1980 als Museum und Touristenbüro fungiert.

Im Museum gibt es viel über die Geschichte des Gefängnisses zu sehen: Interaktive Displays stehen zur Verfügung und ein gläserner Fahrstuhl führt durch die Stockwerke des Hauses. Es gibt immer wieder im Laufe des Jahres besondere Events; also dies ist wirklich kein langweiliges, sondern ein sehr aktives Museum.

Hexham Old Gaol
Hall Gate
Hexham
Northumberland NE46 1XD

Published in: on 23. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Imagination“ – Ein X-rated Musikvideo von Belouis Some

Eigentlich heißt Belouis Some mit richtigem Namen Neville Keighley. Der 1959 geborene Brite gehörte zur New Wave-Szene und war in den 80er Jahren tätig, konnte sich aber nie aus dem Schatten der Popgrößen seiner Zeit lösen. Auf dem Soundtrack-Album des Films „Pretty in Pink“ war er zu hören, und sein größter Erfolg war ein Platz 17 in den britischen Charts mit seinem Titel „Imagination“ aus dem Jahr 1985, der aus dem Album „Some People“ ausgekoppelt wurde.

Das achtminütige Musikvideo zu „Imagination“ sorgte seiner Zeit für viel Aufregung, weil es viele erotische Szenen enthielt. Bei „youtube“ durfte eine Zeit lang nur die zensierte Version gezeigt werden. Auch sonst dürfte es heute kaum noch im Fernsehen zu sehen sein. Wer sagt denn, dass die Engländer so prüde sind?
Hier ist die vollständige unzensierte Version. Wer Probleme mit „Nudity“ hat, sollte sich das Video besser nicht ansehen.

Published in: on 22. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Conishead Priory – Ein grandioses, in neugotischem Stil gebautes Haus in Cumbria

There is no house in England like Conishead“ schreibt Simon Jenkins in seinem Standardwerk „England’s Thousand Best Houses„, und er muss es eigentlich wissen, der Mann, der tausend historische Häuser im ganzen Land besucht und detailliert beschrieben hat. Conishead Priory liegt drei Kilometer von Ulverston entfernt, dicht an der Morecambe Bay. Auf den ersten Blick erinnert dieses im neugotischen Stil erbaute Gebäude an eine Kirche, ist es aber nicht; es ist ein Fantasiehaus, das Colonel Thomas Richmond-Gale-Braddyll (1776–1862) 1821 bei dem Architekten Philip Wyatt in Auftrag gegeben hatte. Der begann mit dem Bau, wurde aber bald ins Gefängnis geworfen, weil sein Schuldenberg zu groß geworden war. Für ihn sprang ein anderer Architekt ein, George Webster aus Kendal, der es vollendete, was zwanzig Jahre dauerte und  £140,000 kostete, eine Nummer zu groß für den Colonel, der sich auch noch verspekuliert hatte und es gleich wieder verkaufen musste.

Dann begann eine Odyssee für Conishead Priory, denn es wechselte vielfach den Besitzer, wurde als Spa Hotel geführt, das über ein eigenes Orchester verfügte und viele Jahre sehr populär war. In den 1920er Jahren wurde das imposante Gebäude zu einem Erholungheim für Bergleute aus den Minen Nordenglands. Im Zweiten Weltkrieg brachte man hier verwundete Soldaten unter, anschließend zogen wieder erholungssuchende Bergleute ein. Als die Betreiber des Heims Conishead Priory verkauften, wurstelten sich noch zwei neue Besitzer damit durch, bis endlich die Erlösung kam, die bis heute andauert: Das baufällige Haus wurde von einer tibetischen, buddhistischen Gemeinschaft, dem Manjushri Institute übernommen, das zur Restaurierung des Gebäudes vom Heritage Lottery Fund eine stattliche Summe von etwa £1 Million erhielt. Das Institut wurde später, nach seiner Auflösung, an das Manjushri Kadampa Meditation Centre übertragen. Neben dem Hauptgebäude hat die Gemeinschaft den Kadampa Temple for World Peace errichtet, der allerdings, meiner Meinung nach, nicht in das Gesamtbild von Conishead Priory passt. Das Meditationszentrum steht jedermann zur Verfügung, der sich für die Thematik interessiert.

Hier ist ein Film über Conishead Priory und das Meditationszentrum.

Conishead Priory
Ulverston
Cumbria, LA12 9QQ

Der Kadampa Buddhist Temple.
Photo © Norman Caesar (cc-by-sa/2.0)

Statue im Tempel.
Photo © Stephen Middlemiss (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – David Ramshaw: The Little Book of Cumbria

Foto meines Exemplares.

Für alle, die ihren Urlaub im Lake District im Nordwesten Englands verbringen wollen (vom Kontinent werden es in diesem Jahr sicher nur wenige sein), bietet sich David RamshawsThe Little Book of Cumbria“ als idealer Reisebegleiter an. Der Autor (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Maler) ist Experte für diese Region und hat schon viele Bücher darüber geschrieben. Für dieses „Little Book“ hat er im vorigen Jahr den Striding Edge Prize for Guides and Places erhalten (siehe dazu auch meinen Blogeintrag „The Lakeland Book of the Year Awards„).

Kleine Zeichnungen und Schwarz-Weiß-Fotos illustrieren diesen hübschen Band aus der Reihe, die im Verlag The History Press erschienen ist.

Einige wenige Beispiele für die Kurzartikel, die in dem Buch enthalten sind: Die Überflutung der Stadt Workington im November 2009, die Einstellung des ersten schwarzen Polizisten in Carlisle 1837, das Theatre by the Lake am Ufer des Derwentwater, die Hilltop Farm und Beatrix Potter und der Castlerigg Stone Circle.
David Ramshaw deckt also ein weites Feld an Themen ab. Wem der Lake District in diesem Jahr wegen Corona verschlossen bleibt, kann dieses Buch auch als „armchair traveller“ zuhause lesen.

David Ramshaw: The Little Book of Cumbria. The Histoty Press 2018. 191 Seiten. ISBN 978-0-7509-8479-9.

 

Published in: on 20. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Ein kleiner Spaziergang durch Thame in Oxfordshire

Die Town Hall.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Wer sich regelmäßig die Episoden der TV-Serie „Inspector Barnaby“ angeschaut hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit, bewusst oder unbewusst, die Marktstadt Thame in der Grafschaft Oxfordshire gesehen haben, denn sehr viele Folgen sind hier gedreht worden. Ich bin einige Male in Thame gewesen und fand die Stadt sehr schön. Ein Problem stellt sich dem Besucher gleich, nämlich einen Parkplatz zu finden. Die zentralen Parkplätze an der High Street sind meistens überfüllt, man muss also etwas Geduld aufbringen, bis man sein Auto irgendwo abgestellt hat.

Es gibt einiges in dem Ort zu sehen und ein Spaziergang lohnt sich. Nur rund 12 000 Einwohner zählt Thame, das Verkehrsaufkommen spiegelt das nicht wider. Mitten im Zentrum liegt die Town Hall, die 1887 zu Ehren Königin Victorias goldenem Thronjubiläum erbaut wurde. Nur ein paar Schritte entfernt, ist das Hampden House zu finden, in dem der Politiker John Hampden 1643 starb. Das Market House aus dem 18. Jahrhundert wurde schon als Bäckerei, als Pub und als methodistische Kapelle verwendet. Sehr schön anzusehen, ist The Birdcage, ein uralter Pub aus dem 14. Jahrhundert. Gegenüber liegt das Hotel The Spread Eagle, das mit einem riesigen Schild auf sich aufmerksam macht. Weiter die High Street entlang, finden wir ein sehr schönes Fachwerkhaus, in dem ein Restaurant und Pub untergebracht ist: The Thatch. Im November 2007 eröffnete das Restaurant, das der Hauptpreis in der TV-Serie „The Restaurant“ war und das von dem berühmten Raymond Blanc vom nahe gelegenen Le Manoir aux Quat‘ Saisons finanziell gefördert wurde.

Neben The Thatch steht das Cuttle Brook House, in dem der irische Dichter und Nobelpreisträger William Butler Yeats lebte und in dem sein Sohn Michael Butler Yeats 1921 geboren wurde. Eine blaue Plakette am Haus erinnert daran; eine weitere blaue Plaketten ist am Pub The James Figg angebracht, den der gleichnamige Preisboxer frequentierte und der 1684 in Thame geboren wurde. Auch den Geiger Alfredo Campoli hat man in der North Street 39 mit so einer Plakette geehrt, der die letzten zehn Jahre seines Lebens bis 1991 hier gelebt hatte.

Musikfans werden bei einem Besuch in Thame auf gar keinen Fall das Grab Robin Gibbs von den Bee Gees auslassen, das auf dem Kirchhof von St Mary’s zu finden ist. Gegenüber im Prebendal House hatte er viele Jahre bis zu seinem Tod am 20. Mai 2012 gewohnt.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was es in Thame zu sehen gibt. Ein Besuch in der Stadt, rund 20 Kilometer östlich von Oxford,  lohnt sich auf jeden Fall. Hier sind noch einige weitere Bilder im Film.

The Birdcage.
Eigenes Foto.

The Spread Eagle.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

The Prebendal, wo Robin Gibb wohnte.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Die Hugenottenkapelle in der Kathedrale von Canterbury

Nachdem ich gestern in meinem Blog über die Kathedrale von Canterbury geschrieben habe, bleiben wir heute noch einmal in der Kirche. Dort spielt sich jeden Sonntag ab 15 Uhr ein kleines Ritual ab. Durch eine Seitentür der Kathedrale finden sich nach und nach Menschen ein, die einem französischsprachigen Gottesdienst beiwohnen, der in der sogenannten Hugenottenkapelle stattfindet.

Protestanten aus Frankreich und Belgien, die im 17. Jahrhundert auf Grund ihres Glaubens verfolgt wurden, flohen in andere Länder, viele auch nach England. Allein um das Jahr 1685 herum waren es 45 000 Menschen, die den Kanal überquerten, um in England eine neue Heimat zu finden. Die meisten von ihnen siedelten sich in London und in Canterbury an, wo sie sich bald assimilierten. Viele schlossen sich der anglikanischen Kirche an, viele blieben aber ihrer ursprünglichen Kirche treu. Für diese Gläubigen gab es eigene Gotteshäuser, die aber im Laufe der Zeit nach und nach geschlossen wurden, da es immer weniger Besucher gab. Heute existiert nur noch eine protestantische französische Kirche in England, die French Protestant Church of London am Soho Square.

Auch die kleine Gemeinde, die sich am Sonntagnachmittag in der Hugenottenkapelle in der Kathedrale von Canterbury trifft, wird immer weniger. Sie hat einen sehenswerten Andachtsraum, der vor allem durch seine Gewölbekappen außergewöhnlich ist, auch ein „Green Man“ blickt von der Decke herunter.

Hier ist ein Film der BBC über die französische Gemeinde in Canterbury.

Die Gewölbekappen (bosses) in der Hugenottenkapelle.
Copyright: Amanda Slater.
Creative Commons 2.0

L’Eglise Protestante Francaises de Londres am Soho Square.
Copyright: Edenpictures.
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 18. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Edward White Bensons Hochgrab in der Kathedrale von Canterbury

Es macht schon was her, das Hochgrab von Edward White Benson (1829-1896) in der Kathedrale von Canterbury, deren Chef er von 1883 bis 1896 war. Entworfen hat das Grab der namhafte Architekt Sir Thomas Graham Jackson, die liegende Statue wurde von Sir Thomas Brock angefertigt, also alles vom Feinsten. Die Grabinschrift lautet übersetzt (sie ist im Original lateinisch) „Have mercy on me O Christ our God, Through Thy Cross and Passion, deliver thou me“. Das Antlitz des Erzbischofs von Canterbury soll nach seiner Totenmaske gestaltet worden sein.

Wer war nun dieser Edward White Bensons? Er hatte am Trinity College in Cambridge studiert, war Lehrer an der Rugby School und am Wellington College, das er auch leitete (Benson soll bei seinen Schülern sehr unbeliebt gewesen sein, weil er sehr schnell mit dem Rohrstock bei der Hand war). Später war er Chancellor an der Kathedrale von Lincoln, Bischof von Truro in Cornwall, bis er sich dann zum Erzbischof von Canterbury hocharbeitete.

Verheiratet war er mit Mary Sidgwick, der er schon, als sie noch 12 Jahre alt war, mitteilte, dass er sie einmal heiraten würde (Benson war damals 24 Jahre alt). Als Mary 18 Jahre alt geworden war, ging er tatsächlich mit ihr vor den Traualtar; als sehr glücklich erwies sich die Ehe nicht, denn Edward White war und blieb ein nicht sehr liebenswerter Mensch. Das Paar hatte (trotzdem) sechs Kinder, von denen Edward Frederic Bekanntheit als Schriftsteller erlangte und Arthur Christopher als Verfasser des Textes von Elgins „Land of Hope and Glory“.

Edward White Benson starb am 11. Oktober 1896 während eines Gottesdienstes in der St Deiniol’s Church in Hawarden, einem Dorf an der englisch-walisischen Grenze, heute in Flintshire, wo er den ehemaligen Premierminister William Gladstone besucht hatte.

Zu Bensons Beerdigung kam alles was Rang und Namen in der anglikanischen Kirche hatte; beigesetzt wurde er in der St Augustines Chapel in der Kathedrale von Canterbury.

Der ehemalige Erzbischof von Canterbury. Porträt von Hubert von Herkomer.
This work is in the public domain.

St Deiniol’s in Hawarden (Flintshire), wo Benson während des Gottesdienstes verstarb.
Photo © Eirian Evans (cc-by-sa/2.0)

 

The Crown Inn in Sarre (Kent) – The Cherry Brandy House

Charles Dickens war schon hier zu Gast (wo eigentlich nicht?), ebenso Rudyard Kipling, Ellen Terry und viele andere namhafte Persönlichkeiten. Das steht so geschrieben auf zwei großen Tafeln am The Crown Inn in Sarre in der Grafschaft Kent. Fall jemand nicht weiß, wo dieses Sarre liegt: Auf halbem Weg zwischen Canterbury und Margate, dort, wo die A28 und die A253 zusammenstoßen.

Bevor man den Pub betritt, kann man, neben den beiden genannten Tafeln, noch so einiges an der Außenwand lesen. „Old Established Halfway House – Est. 1500 AD„, „Shepherd Neame 1698“ und „This is The Famous Cherry Brandy House„. Der Gasthof ist also über 500 Jahre alt, gehört zur Shepherd Neame Brauerei (in Faversham ansässig), die 1698 gegründet wurde, und hat eine Besonderheit, die es sonst nirgendwo in der britischen Pubwelt gibt: Hier wird ein ganz besonderer Cherry Brandy angeboten, den man nur in diesem Gasthaus bekommt.

Merkwürdigerweise findet man in der Wikipedia, weder in der englischen noch in der deutschen Ausgabe, einen eigenen Eintrag über Cherry Brandy. Das Getränk ist wohl etwas aus der Mode gekommen. Der Likör besteht aus Weinbrand und Kirschen (die Firma Bols verwendet dafür Maraska-Kirschen und zerdrückte Kirschkerne) und wird gern für Cocktails verwendet (zum Beispiel für Kiss in the Dark).

The Crown Inn stellt seinen Cherry Brandy nach einem Geheimrezept her, das die Hugenotten seinerzeit auf der Flucht von Frankreich nach England mitgebracht haben sollen. Die Kirschen dafür wachsen in der näheren Umgebung; Kent wir gern The Garden of England genannt.

Wer möchte, kann in The Crown auch übernachten, es gibt sogar eine Honeymoon Suite mit Himmelbett.

The Crown Inn
Ramsgate Road
Sarre
Birchington
Kent
CT7 0LF

Published in: on 16. August 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Tony Cherry & Meg Wise: Thornbury Through Time

Foto meines Exemplares.

Über 500 000 Exemplare hat der Verlag Amberley Publishing in Stroud (Gloucestershire) bereits von seiner historischen „Through Time„-Serie verkauft, eine Buchreihe, die einzelne Städte Großbritanniens porträtiert, indem sie historische Fotos neben heutige stellt.

Tony Cherry und Meg Wise habe ich erst kürzlich in meinem Blog mit ihrem gemeinsamen Buch über das Thornbury Castle vorgestellt. Beide haben auch schon in der „Through Time“-Serie die Stadt Thornbury in South Gloucestershire selbst porträtiert. Die Kleinstadt hat rund 12 000 Einwohner und liegt 12 Kilometer nördlich von Bristol. Ich bin ein paar dutzend Mal durch den Ort gelaufen, und ich mag ihn sehr. Das Zenrum ist dort, wo die High Street, die Castle Street und die Straße The Plain aufeinander treffen; dort steht eine alte Wasserpumpe, The Pump, hübsch bepflanzt und mit einem Gitter umgeben.

Die Fotos des Buches zeigen markante Stellen des Ortes in historischen Fotos aus den letzten 130 Jahren, viele gegenübergestellt mit Fotos von heute, aus der gleichen Perspektive aufgenommen, so dass man sehr schön erkennen kann, was sich in der Zwischenzeit alles verändert hat. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Gebäude auf der High Street, wo die meisten Geschäfte und Pubs des Ortes zu finden sind.

Ein sehr interessantes Buch für diejenigen, die schon einmal in der Stadt gewesen sind.

Tony Cherry & Meg Wise: Thornbury Through Time. Amberley Publishing 2015. 94 Seiten. ISBN 978-1-4456-5247-4.

The Pump.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The White Lion auf der High Street.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Die High Street.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

 

 

Jonathan Swifts Roman „Gulliver’s Travels“ und wie der Autor auf die Idee mit den Liliputanern kam

Blick auf die Mole des Hafens von Whitehaven, so wie ihn wahrscheinlich der kleine Jonathan gehabt hatte.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Als Kind besaß ich ein Exemplar des Buches „Gullivers Reisen„, das 1726 von Jonathan Swift veröffentlicht worden war. Das Buch war recht dünn und beinhaltete lediglich die Geschichte von Gulliver und den Liliputanern; dass es noch drei weitere Teile gab, wusste ich damals nicht. „Travels into Several Remote Nations of the World in Four Parts By Lemuel Gulliver, first a Surgeon, and then a Captain of Several Ships“, so der sperrige Name des ganzen Buches, war eine Gesellschaftssatire und nicht als Kinderbuch konzipiert. Bis heute ist aber der erste Teil, der mit den Liliputaner, der bekannteste geblieben; Gullivers Reisen nach Brobdingnag, Laputa, Glubbdubdrip und wie die anderen Fantasiereiche heißen, sind dagegen den meisten nicht so geläufig.

Wie kam nun Jonathan Swift, der von 1667 bis 1745 lebte, auf die Idee mit den kleinen Menschen im Reich Liliput, die den großen Gulliver mit Schnüren an den Boden gefesselt haben? Es soll sich folgendermaßen zugetragen haben: Als der kleine Jonathan gerade einmal ein Jahr alt war, wurde er von seinem Kindermädchen, ohne dass die Mutter es wusste, von Dublin nach Whitehaven (Cumbria) mitgenommen, um dort Erbschaftsangelegenheiten zu regeln. Die Nanny liebte den kleinen Jungen sehr und mochte sich nicht von ihm trennen, heute würde es heißen, sie hätte Klein-Jonathan entführt. Nachdem die beiden in Whitehaven angekommen waren, schrieb das Kindermädchen gleich einen Brief an die Mutter, entschuldigte sich und bat um Verständnis. Mrs Swift wollte nicht, dass sich ihr kleiner Sohn gleich noch einmal auf die gefährliche Überfahrt zurück nach Dublin machen sollte, und gestattete dem Kindermädchen es so lange zu behalten, bis er größer war.

Jonathan wohnte mit seiner „neuen Mutter“ oberhalb des Hafens von Whitehaven in einem Haus namens Bowling Green House, aus dem später der Red Flag Inn wurde. Jonathans Abwesenheit von seiner richtigen Mutter schien dem Kind nicht geschadet zu haben, denn es begann dort oben über dem Hafen schon früh lesen zu lernen, und es konnte bereits mit vier Jahren die Bibel lesen. Wenn Jonathan von seinem Haus aus auf den Hafen und die Stadt hinunterschaute, sah er aus der Entfernung all die kleinen Menschen ihren Verrichtungen nachgehen, und diese Bilder sollten sich derart in ihm einprägen, dass daraus über fünfzig Jahre später sein Roman, in dem kleinwüchsige Menschen eine Rolle spielten, entstand und der in die Weltliteratur Einzug hielt.

Das Haus oberhalb des Hafens steht noch heute und wird Jonathan Swift House genannt.

Über die Küstenstadt Whitehaven habe ich in meinem Blog schon zweimal geschrieben, einmal in Zusammenhang mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und einmal über die Rum Story.

Luftbildaufnahme von Whitehaven.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Wallaw – Ein J.D. Wetherspoon-Pub in Blyth (Northumberland)

Der Name The Wallaw ist in der englischen Publandschaft einmalig. Schaut man in einem Wörterbuch nach, wird man keine Eintragung dafür finden, denn es ist ein Kunstwort, das sich aus dem Namen Walter Lawson zusammensetzt. Dieser Mann eröffnete im November 1937 in Blyth in Northumberland ein Kino mit diesem Namen. Ganz schön mutig, in einer Kleinstadt mit (heute) rund 37 000 Einwohnern ein Kino mit 1400 Sitzen zu betreiben, das sich tatsächlich bis zum Jahr 2004 halten konnte. Der letzte Film der hier gezeigt wurde, war “The Passion of the Christ”.
Danach stand das Art Déco-Gebäude, das vor allem durch seine Innenarchitektur ins Auge sticht, neun Jahre lang leer. Schließlich erbarmte sich die Pubkette J.D. Wetherspoon des Wallaw und baute es entsprechend um, bezog aber große Teile der Kinoeinrichtung mit ein. So ist ein außergewöhnlicher Pub entstanden, in dem noch ein Filmprojektor zu sehen ist, ein großartiges Foyer mit Treppen, die in den ersten Stock führen, ein wunderschöner Bartresen und ein atemberaubender Gastraum. Wie das in vielen anderen Wetherspoon-Pubs auch der Fall ist, hängen an den Wänden Bilder und Tafeln, die auf die Geschichte des Hauses eingehen.
Hier sind einige Bilder vom The Wallaw zu sehen.

Die Pubkette bietet seit einiger Zeit die Wetherspoon-App an, mit der man von seinem Tisch aus Bestellungen aufgeben kann, die dann vom Personal gebracht werden. Egal ob Drinks oder Essen, alles kommt direkt an den Tisch; kein Anstellen am Tresen mehr, kein mühseliges Schleppen von randvollen, überschwappenden Biergläsern. Bezahlt wird nicht bar, sondern mit Apple Pay, Google Pay oder PayPal gleich bei der Bestellung; das hat durchaus seine Vorteile.

Published in: on 13. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Oxfords Seufzerbrücke – Erinnerungen an Venedig werden wach

Es macht einfach Spaß durch Oxfords Straßen zu spazieren und all die alten Bauten anzusehen. Ein College reiht sich an das andere, und man fragt sich, welche berühmten Persönlichkeiten hier wohl schon lang gelaufen sind. Biegt der Flaneur von der Catte Street in den schmalen New College Lane ein, wird er plötzlich von einer Brücke überrascht, die die Straße von einem Gebäude in ein anderes überquert. Erinnerungen werden wach an die venezianische Seufzerbrücke und die Rialto-Brücke, als hätte der Architekt, Sir Thomas Jackson, der am Wadham College studiert hatte, sich beide als Vorbild genommen und, aus zwei mach eins, daraus eine neue Brücke designt. Doch Venedig soll nicht Pate gewesen sein. Oxfords Bridge of Sighs, bzw. Hertford Bridge wie sie offiziell heißt, ist gar nicht so alt wie sie aussieht. 1914 wurde sie fertiggestellt, und ich finde, sie fügt sich hervorragend in die Gebäudekomplexe ein, die sie verbindet und die beide zum Hertford College gehören. Die Studenten des Colleges freuen sich sicher über diesen Übergang, den sie trockenen Fußes bei Regen nutzen können.

Beim Bau der Hertford Bridge gab es anfangs Probleme, denn die Stadt Oxford wollte nicht, dass das College eine öffentliche Straße überbaut. Es kam zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, bei der das Hertford College uralte Dokumente vorlegte, die bewiesen, dass das College durchaus befugt war, hier eine Brücke zu errichten. Sieger: Hertford College.
Auch das benachbarte New College mochte sich mit der Bridge of Sighs nicht anfreunden, denn die Brücke verbaute die Sicht auf den Glockenturm des Colleges, was durchaus stimmt, aber auch hier: Sieger das Hertford College. Hier ist die Brücke im Film zu sehen..

Übrigens: Auch die Konkurrenz, Cambridge, besitzt eine Bridge of Sighs, die schon 1831 errichtet wurde, und die den River Cam überspannt. Offiziell heißt sie St John’s College New Bridge.

Der New College Bell Tower, von hier unter der Brücke gut zu sehen, von der Catte Street aus aber nicht (mehr).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Die Bridge of Sighs in Cambridge.
Photo © Ian Rob (cc-by-sa/2.0)

The Letter Box Study Group – Die Briefkastenspezialisten

Eine Pillarbox aus der Zeit Edwards VII. in Church Stretton (Shropshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

1976 fand sich in England eine Handvoll Menschen zusammen, die ein gemeinsames Hobby hatten: Briefkästen. Sie hätten sich damals nicht träumen lassen, dass ihre Letter Box Study Group   einmal so viele Mitglieder im In-und Ausland haben sollte, die sich für dieses „Straßenmöbel“ interessieren.

Das Ziel der Briefkastenfreunde: „to encourage research, preservation, restoration and awareness of letter boxes and the definitive description and documentation of their types and locations“.

Was ist nun das Besondere an britischen Briefkästen? Da gibt es zum Beispiel unterschiedliche Formen wie die Pillar Boxes (freistehend, oft vor Postämtern zu finden), Wall Boxes (in Mauern eingebaut, nur die Front ist zu sehen) oder Lamp Boxes (in ländlichen Gegenden zu finden, oft an Laternenpfählen angebracht). Hier ein Film über die verschiedenen Formen.

Die offiziellen Briefkästen kommen in verschiedenen Farben daher; am bekanntesten ist aber sicher das „pillar-box red„. Die sogenannten „ciphers“ geben Auskunft, aus welcher Zeit sie stammen. Das „E II R“ heißt beispielsweise, dieser Briefkasten wurde zur Zeit Königin Elizabeths der Zweiten errichtet.

Die Letter Box Study Group gilt als die Autorität in Sachen Briefkästen, und sie baut eine Datenbank auf, in der jeder Briefkasten in ganz Großbritannien verzeichnet und beschrieben werden soll; eine gewaltige Aufgabe, denn es gibt rund 115 500 Exemplare. In einem vierteljährlich erscheinenden Newsletter werden die Mitglieder ständig auf dem aktuellen Stand gehalten. Der jährliche Mitgliedsbeitrag ist £29.

Eine „letterbox“ aus der Zeit Georgs V. in Great Malvern (Worcestershire).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ein einsamer Briefkasten an einer Straße in Surrey. Wer mag wohl hier Briefe einwerfen?
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Der Londoner Tulpenturm – Kommt er oder kommt er nicht?

Ob wohl The Gherkin den Tulip Tower als neuen Nachbarn bekommen wird?
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

In London gibt es immer mehr eigenartige Hochhäuser. Da sieht man den Cheesegrater und den Walkie Talkie, The Razor und The Gherkin. Alle sind ungewöhnlich gestaltet und prägen den Charakter der Innenstadt. Auf Kosten der historischen Gebäude?
Der Tulip Tower, der Tulpenturm, sollte an und für sich direkt neben The Gherkin gebaut und mit 305 Metern Höhe das zweithöchste Gebäude Londons nach The Shard werden. Eigentlich war im vorigen Jahr alles schon in trockenen Tüchern, und das berühmte Architektenbüro Foster + Partners wollte in diesem Jahr mit dem Bau beginnen und 2025 fertig sein. The Tulip sollte eine neue Besucherattraktion werden, mit einer tulpenförmigen Spitze, einer gläsernen Aussichtsterrasse und rotierenden Glasgondeln. Foster + Partners zeichneten übrigens auch für The Gherkin verantwortlich. Die Londoner Planungskommission gab im April 2019 ihr Okay zu dem Bau…und dann schritt Bürgermeister Sadiq Khan ein und untersagte den Bau der kühnen Konstruktion. The Tulip Tower würde die Sichtachsen auf den (richtigen historischen) Tower an der Themse stören, wie es schon der Walkie Talkie getan hatte. Unterstützt wurde Khan dabei von Historic England und Historic Royal Palaces, beides Organisationen, die sich für die Erhaltung der historischen Stätten des Landes einsetzen.

Was nun? So schnell lässt sich der Architekt Norman Foster nicht einschüchtern, und so legte er Einspruch gegen das bürgermeisterliche Veto ein. Coronabedingt hat sich bisher noch nichts getan, eine für den Juni geplante öffentliche Untersuchung ist auf den November verschoben worden; anschließend wird das zuständige Ministerium über die Zukunft des Tulpenturms entscheiden.

Wer wird letztendlich auf dem Siegertreppchen stehen: Sadiq Khan oder Norman Foster?

Dieser Film zeigt wie der Tulip Tower aussehen würde, wenn er denn gebaut wird.

Sadiq Khan plant übrigens aus dem ebenfalls von Foster + Partners erbauten Rathaus an der Themse auszuziehen (das die Stadt für schätzungsweise £11.1 Millionen jährlich gemietet hat) und es in das Crystal Building in den Docklands zu verlegen.

Published in: on 10. August 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Der Headington Shark – Ein skurriles Kunstwerk in einem Vorort von Oxford

Wenn man an der Adresse 2 New High Street in Headington, einem Vorort von Oxford, vorbei kommt, glaubt man seinen Augen nicht zu trauen. Im Dach des Hauses steckt ein riesiger Hai, der aussieht, als hätte man ihn vom Meer aus mit einem gewaltigen Katapult in Richtung Oxford abgeschossen und zufällig ist er hier in Headington eingeschlagen.

Natürlich war das ganz anders. Bill Heine, der Hausbesitzer, und Moderator bei BBC Radio Oxford, beauftragte den Bildhauer John Buckley, dieses Monstrum zu schaffen, und seit dem 9. August 1986, also heute vor 34 Jahren, ziert nun der Hai das Hausdach. Der Grund? Das Datum war der 41. Jahrestag des Abwurfs der Atombombe auf Nagasaki. Bill Heine (er starb im vergangenen Jahr) war entschiedener Gegner von Atomwaffen und Atomkraft und so begründete er die Anwesenheit des Hais: „The shark was to express someone feeling totally impotent and ripping a hole in their roof out of a sense of impotence and anger and desperation… It is saying something about CND, nuclear power, Chernobyl and Nagasaki“ (Quelle: Wikipedia).

Untitled 1986“ nannte John Buckley sein Werk, das natürlich auch auf Widerstand stieß. Der Stadtrat von Oxford wollte das Meerestier entfernen lassen, da für die Errichtung auch keine Baugenehmigung vorlag, aber die Öffentlichkeit fand die Skulptur gut und so wurde schließlich von höchster Stelle beschlossen, dass der Hai bleiben konnte.
2007 wurde der Headington Shark, an dem der Zahn der Zeit genagt hatte, gründlich gesäubert und restauriert und seitdem sieht er wieder aus wie neu.
Ehe ich es vergesse: Die Skulptur ist 7,60 Meter lang, wiegt vier Zentner und besteht aus Fiberglas.

Hier ist ein Film über den Hai.

Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. August 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Songs about London – Barry Manilow: London

Barry Manilow erinnert sich gern an die Glockenschläge des Big Ben.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich wollte der US-amerikanische Sänger Barry Manilow in diesem Mai eine Tournee durch Großbritannien starten, aber Corona machte ihm und seinen Fans einen Strich durch die Rechnung. Seine neuen geplanten Auftritte werden jetzt vom 26. Mai (Birmingham) bis zum 4. Juni (Manchester) 2021 stattfinden. In der Londoner O2-Arena wird Barry Manilow am 31. Mai zu sehen sein.

Ich verbinde den Sänger immer automatisch mit seinem sicher berühmtesten Song „Mandy“ mit dem seine Karriere 1974 begann. 1980 erschien sein Album „Barry„, auf dem an vorletzter Stelle der Tracks eine Hommage an London zu finden ist und die auch einfach nur „London“ heißt.

Der Song beginnt an einem kalten Dezembertag in New York, schwenkt aber schnell auf London um, und Barry Manilow erinnert sich an eine schöne Zeit, die er in der Stadt hatte, zusammen mit seiner damaligen Geliebten. Da waren samstägliche Picknicks, bei denen er die Times las, Teetrinken in einem Park an der Themse, die Glocke des Big Ben, und auch die Londoner Pubs sind ihm in guter Erinnerung geblieben. Natürlich fehlt der unvermeidliche Londoner Regen nicht („Dodging the rain with broken umbrellas“). Das ist alles sehr gefühlvoll vorgetragen, und ich mag diesen Song sehr.
Hier ist er zu hören.

 

 

Picknick im Park (The Pic-Nic by Thomas Cole).
Photo by Billy Hathorn.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.

 

Tee an der Themse.
Photo: Chumsdock.
Creative Commons 2.0

Ein Londoner Pub.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

London in the rain.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Castlemorton Common Festival 1992 oder Wie ein Dorf in Worcestershire plötzlich von einer Horde von Ravern überrannt wurde

Das idyllische Castlemorton in Worcestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Castlemorton ist ein kleines Dorf in den Malvern Hills im Süden der Grafschaft Worcestershire. Hier ging und geht es noch immer ruhig zu. Es ist ein landwirtschaftliches genutztes Gebiet, es gibt eine Kirche und eine Schule und das war es auch schon. Diese Idylle wurde am 22. Mai 1992 jäh unterbrochen, als sich Tausende von Ravern und New Age-Anhängern auf den Weg nach Castlemorton machten, um auf dem Common, den Wiesen am Rand des Dorfes, die bis nach Welland reichen, eine Woche lang Party zu machen.
Die Begeisterung der Dorfbewohner kann man sich vorstellen. Wie viele Menschen sich hier breit machten, konnte man nie verifizieren; die Schätzungen liegen zwischen 20 000 und 40 000. Da es Raver gern laut haben, wurden die Lautsprecher der mobilen Diskotheken auf das Maximum eingestellt, so dass an Schlaf im Dorf nicht zu denken war.
Farmer fanden tote Schafe, die von den Hunden der Raver gerissen worden waren, Drogenbestecke lagen in Vorgärten, die Fahrzeuge der Partybesucher verursachten große Schäden auf dem Wiesengelände, im benachbarten Welland wurde im Dorfladen geklaut, es herrschte das totale Chaos. Die alarmierte Polizei war angesichts der Menschenmenge hoffnungslos überfordert. Rund ein Dutzend Raver wurden verhaftet, überwiegend Mitglieder der Gruppe Spiral Tribe.

Es war die größte illegale Rave Party, die jemals in Großbritannien stattgefunden hatte. Landesweit berichteten die Medien über das, was sich auf dem Castlemorton Common abspielte, was andere New Ager und Raver veranlasste, sich auch noch auf den Weg nach Worcestershire zu machen.

Nach einer Woche war die Spuk vorbei. Die Zelte wurden abgebaut, die zahllosen Transporter, Busse, Wohnmobile verließen das Gelände, auf dem vorher Schafe friedlich gegrast hatten, und das nicht mehr wiederzuerkennen war. Die Dorfbewohner, die das Rave Festival psychisch stark mitgenommen hatte, atmeten tief durch.

Die Folge dieser Maiwoche: Die Politik hatte sich eingeschaltet und zwei Jahre später den Criminal Justice and Public Order Act 1994 verabschiedet, der unter vielem anderem auch regelte wie in Zukunft mit illegalen Rave Parties und dem dadurch verbundenen unerlaubtem Betreten fremden Bodens umzugehen sei.

Dieser Film zeigt die Ereignisse vom Mai 1992.

Castlemorton Common,
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Augustus Welby Northmore Pugin – Der berühmte Architekt und Ramsgate in Kent

Pugins Wohnhaus The Grange an der St Augustine’s Road in Ramsgate.
Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

Wenn nach dem Tode eines Menschen sich eine Gesellschaft formiert, um diesem zu gedenken, dann muss man schon etwas in seinem Leben zustande gebracht haben. Die Pugin Society, 1995 gegründet, hat den Architekten Augustus Welby Northmore Pugin (1812-1852) in den Mittelpunkt ihres Handelns gestellt, der schon sehr früh gestorben ist, aber eine unglaubliche Menge an Gebäuden gestaltet bzw. umgebaut hat; das waren zum Beispiel Kirchen, Landsitze, Colleges und Privathäuser. In einem dieser Pugin-Häuser, dem Horsted Place Country House Hotel, im Gothic Revival-Stil erbaut, habe ich einmal gewohnt. Berühmt geworden ist er am Ende seines Lebens durch die Mitarbeit an der Gestaltung der Londoner Parlamentsgebäude und dem Design des Elizabeth Towers, besser bekannt als Big Ben.

Pugin hatte eine sehr enge Verbindung zu der Stadt Ramsgate in Kent, in der lange wohnte und auch (in geistiger Umnachtung) starb. 1843/44 baute er für sich ein Haus in Ramsgate, wieder im Gothic Revival-Stil, das er The Grange nannte. 1997 stand es kurz vor dem Abriss, aber glücklicherweise sprang der Landmark Trust ein, übernahm das Haus und gestaltete es so wie es zu Pugins Zeiten ausgesehen hatte (hier ist ein Film darüber). Seit 2006 kann man sich hier einmieten und die Atmosphäre genießen. Direkt neben The Grange steht die römisch-katholische St Augustine’s Church, die ebenfalls von Pugin erbaut und in der er beigesetzt wurde. Sein imposantes Grabmal zeigt den Architekten auf seinem Sarg liegend.

Erstaunlicherweise hat die Stadt Ramsgate dem Architekten keine Statue gewidmet, das widerfuhr erst seinem Sohn Edward Welby Pugin (1834-1875), der in die Fußstapfen seines Vaters trat und ebenfalls Architekt war.

Hier ist der letzte Teil einer vierteiligen BBC-Dokumentation über den Architekten, in dem Ramsgate im Mittelpunkt steht.

Das Buch zum Artikel:
Rosemary Hill: God’s Architect – Pugin and the Building of Romantic Britain. Penguin 2008. 624 Seiten. ISBN 978-0140280999.

Die St Augustine’s Church und der Kirchhof, links The Grange.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Pugins Grabmal in der von ihm erbauten St Augustine’s Church.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Die Statue von Augustus Pugins Sohn Edward Welby in Ramsgate.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. August 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Die Glocken von St Michael’s in Bowness-on-Solway (Cumbria)

Die gestohlenen Glocken neben dem Taufstein in St Michael’s.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Bowness-on-Solway (nicht zu verwechseln mit Bowness-on-Windermere) ist ein Ort im Norden der Grafschaft Cumbria, dicht an der schottischen Grenze. Wenige Kilometer entfernt, auf der schottischen Seite, liegt das Städtchen Annan, und dort spielt sich hin und wieder eine merkwürdige Prozedur ab, denn immer wenn ein Vikar sein Amt neu antritt, stellt er einen Antrag in Bowness, mit der Bitte um Herausgabe der beiden Glocken, die im Jahr 1626 von den englischen Dorfbewohnern in Schottland gestohlen worden waren…und jedesmal wird dieser Antrag abgelehnt. Schotten und Engländer mögen sich nun mal nicht so besonders. Doch was war der Grund für den Glockendiebstahl 1626?

Vorausgegangen war der Diebstahl der Glocken der Kirche St Michael’s in Bowness durch maraudierende Schotten, die per Boot über den Solway Firth gekommen waren. Als das von den Engländern bemerkt wurde, machten sich diese auf eine wilde Verfolgungsjagd. Die Schotten merkten, dass sie durch die schweren Glocken nur langsam mit ihrem Ruderboot vorwärts kamen und bald eingeholt würden. Also kippten sie die Glocken ins Wasser und entkamen ihren Verfolgern. In Bowness sann man auf Rache, ein Stoßtrupp wurde über die Grenze geschickt und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion stahl man zwei Glocken aus einer schottischen Kirche, die als Ersatz für die vorher gestohlenen nach St Michael’s gebracht wurden. Dort hingen sie bis zum Jahr 1905 als ein neues Paar ihren Platz einnahm. Die ehemaligen  schottischen Glocken sind jetzt in der Kirche neben dem Taufstein aufgestellt, und man denkt in Bowness nicht daran, sie wieder zurückzugeben, auch wenn zukünftige Vikare aus Annan noch so viele Bittschriften über die Grenze schicken.

St Michael’s in Bowness-on-Solway mit den „neuen“ Glocken aus dem Jahr 1906.
Photo © The Carlisle Kid (cc-by-sa/2.0)

St Margaret’s Bay und The Duck Inn in Pett Bottom (Kent), James Bond und Ian Fleming

Ian Flemings Haus in St Margaret’s Bay „Summer’s Lease“.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Ian Fleming (1908-1964) hatte Zeit seines Lebens eine besondere Schwäche für die Grafschaft Kent. 1952 kaufte er sich dort sogar ein Haus, in St Margaret’s Bay bei Dover, das er Summer’s Lease nannte und in dem vorher ein anderer Thrillerautor wohnte, nämlich Eric Ambler. In seinem Roman „Moonraker“ (dt. „Mondblitz“, später auch „Moonraker“), in dem viele Passagen in dem nördlich gelegenen Deal spielen, erwähnt Fleming mehrere Male St Margaret’s Bay.

Damals gab es eine Buslinie in Kent, die Canterbury mit den Küstenorten verband und die Bezeichnung 007 hatte. Diese Zahlenkombination soll sich so in Flemings Hirn eingebrannt haben, dass er seinem späteren Serienheld James Bond diese Agentennummer verpasste. Heute bedient die Linie 007 der Firma National Express die Linie Dover – London Victoria, über Folkestone und Canterbury, und benötigt dafür drei Stunden und zwanzig Minuten.

Wie in einem fiktiven Nachruf auf James Bond in der Times zu lesen war, lebte James Bond, nachdem seine Eltern in den französischen Alpen beim Bergsteigen ums Leben gekommen waren, als Zwölfjähriger eine Zeit lang bei seiner Tante Charmian Bond in einem Cottage in dem winzigen Dorf Pett Bottom. Auch James Bonds Schöpfer Ian Fleming hatte eine Beziehung zu dem kleinen Dorf, denn er wohnte einmal im Gasthof The Duck Inn und schrieb dort große Teile seines 007-Romans „You only live twice„, der 1964 erschien (und zwei Jahre später unter dem Titel „James Bond reitet den Tiger“ in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurde). An dem Pub ist eine blaue Plakette angebracht, die darauf hinweist.
Wer hätte das gedacht, dass man in diesem entlegenen Teil von Kent auf den weltberühmten Agenten und seinen geistigen Vater trifft?

The Duck Inn in Pett Bottom (Kent).
Photo © Chris Morgan (cc-by-sa/2.0)

 

„Attachment“ – Ein Gemälde von Sir Edwin Landseer und seine Hintergrundgeschichte

This work is in the public domain.

In meinem Blogeintrag vom 14. September 2016 berichtete ich über Tip, den treuen Schäferhund, der im Winter 1953/54 im Peak District mehrere Wochen nicht von der Seite seines toten Herrchens wich, der dort in einer unwirtlichen Gegend gestorben war.
Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Frühjahr 1805 im Lake District: John Gough aus Manchester wollte oben in den Bergen mit seinem Hund von Patterdale nach Wythburn laufen, als er plötzlich von starkem Schneefall überrascht wurde. Er konnte den Weg nicht mehr erkennen und stürzte einen Hang hinunter. Er prallte auf Felsen auf und starb. John Goughs Hund, ein Foxterrier, lief sofort zu seinem toten Herrchen und legte sich neben ihn. Dort blieb er, bis ein Schäfer die beiden drei Monate später fand. Wie der Hund in den Bergen des Lake Districts überleben konnte, blieb ein Rätsel. Wahrscheinlich ernährte er sich die ganze Zeit von Gras. Der Foxterrier war übrigens eine „Sie“, denn sie gebar bei der dreimonatigen Totenwache zwei Welpen, die allerdings nicht überlebten.

1899 wurde auf dem Gipfel des Helvellyn ein Gedenkstein errichtet, der an diese rührende Geschichte erinnert. Sir Walter Scott hat in seinem Gedicht „Helvellyn“ davon erzählt, ebenso William Wordsworth in „Fidelity„.

Der Maler und Bildhauer Sir Edwin Landseer (1802-1873), berühmt geworden durch seine Trafalgar Square-Löwen, hat die Geschichte in einem Gemälde (101.3 x 83.5 cm) festgehalten, das er „Attachment“ nannte und das 1829 entstand. Es hängt heute im Saint Louis Art Museum in den USA.

Siehe auch meinen Blogeintrag über ein anderes Gemälde mit einem Hund von Sir Edwin.

Hier am Helvellyn ereignete sich die Geschichte von John Gough und seinem treuen Hund.
Photo © Simon Ledingham (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Tony Cherry and Meg Wise: Thornbury Castle Revisited

Foto meines Exemplares.

Wenn mich jemand fragt, ob ich in England einen Lieblingsplatz habe, dann muss ich nicht lange überlegen: Mein absoluter Favorit ist das Thornbury Castle in South Gloucestershire, nördlich von Bristol. Ich habe mehrere Male in meinem Blog über meine neun Besuche in diesem wunderschönen Castle Hotel geschrieben, das für mich eine außergewöhnliche Atmosphäre hat und die ich am liebsten im Winter genieße. Diesen kurzen Film habe ich vor einigen Jahren im Tudor Garten zwischen dem Hotel und der Kirche St Mary’s mit meinem Handy gemacht, und vielleicht gibt der ein wenig von dieser speziellen Atmosphäre wieder (obwohl er zugegebenermaßen nicht oscarwürdig ist!).

Tony Cherry und Meg Wise vom Thornbury & District Museum haben 2019 ein Buch veröffentlicht, in dem sie sich mit der Geschichte des Thornbury Castles beschäftigen, das Anfang des 16. Jahrhunderts von Edward Stafford, dem dritten Duke of Buckingham, erbaut wurde. Nach dessen Hinrichtung gelangte die Burg in die Hände Heinrichs VIII., der aber hier nur einmal für wenige Tage zusammen mit Anne Boleyn weilte. Ich will hier nicht näher auf die einzelnen Stationen in der Geschichte der Burg eingehen, aber noch einiges über die letzten fünfzig Jahre berichten.

1966 kaufte Kenneth Bell Thornbury Castle und richtete darin ein Restaurant ein, das sich zu den besten Großbritanniens entwickeln sollte. 1972 legte er wieder einen Weingarten an, der noch heute existiert und dessen Erträge auf Flaschen aufgezogen werden. Man kann den Wein im Restaurant des Hotels zum Essen bestellen (ich habe ihn einmal probiert). Nach Kenneth Bell, der bereits einige Räume der Burg in Hotelzimmer umgewandelt hatte, war ab 1986 Maurice Taylor, der Baron of Porthlethen, der neue Besitzer, der Thornbury Castle jetzt zu einem  richtigen Hotel machte. 1999 benannte das renommierte Condé Nast Traveller Magazin Thornbury Castle zum zweitbesten Hotel der Welt (die Nummer 1 war das Windsor Court Hotel in New Orleans). Bei meinen ersten Aufenthalten hier habe ich den Baron noch kennengelernt, der 2017 starb und dessen Asche in dem kleinen Castle Cemetery beigesetzt ist.

Als Maurice Taylor sein Hotel im Jahr 2000 verkaufte, ging es in den Besitz der Von Essen Hotelgruppe über, die 2011 Konkurs anmeldete (ich war wenige Tage nach dem 11. September 2001 zu Gast, als sämtliche Buchungen aus den USA storniert worden waren, und meine Frau und ich fast die einzigen Hotelgäste waren, ein ganz besonderes Erlebnis, die Burg beinahe für sich ganz allein zu haben!). Die Zukunft der Burg war damals im Jahr 2011 ungewiss, bis eine andere Hotelgruppe, Luxury Family Hotels, Thornbury Castle übernahm.

Bei meinem letzten Besuch im Oktober 2019 sagte mir der General Manager, dass das Haus jetzt einer arabischen Investmentgruppe gehört, die es komplett umgestalten will. Zur Zeit ist das Hotel geschlossen, einmal wegen der Corona-Krise und einmal wegen der noch laufenden Bauarbeiten. Ich hoffe nur, dass Thornbury Castle, das mir so ans Herz gewachsen ist, behutsam umgebaut wird und dass ich es, wenn es wiedereröffnet wird, noch wiedererkennen werde!!

Ich habe Tony Cherrys und Meg Wises Buch mit großem Genuss gelesen und bin dadurch dem Castle noch ein Stück nähergerückt. Meg Wise habe ich im Museum von Thornbury persönlich kennen gelernt.

Tony Cherry and Meg Wise: Thornbury Castle Revisited. Redcliffe Press 2019. 138 Seiten. 

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Die Lounge, mein Lieblingsplatz im Hotel.
Eigenes Foto.