The Rocky Horror Picture Show – Ein Kultfilm aus dem Jahr 1975 und ein Kino in Portland (Oregon)

Oakley Court bei Nacht.
Eigenes Foto.

Ich bin der Meinung, dass das Wort „Kult“ heute zu oft verwendet wird, aber auf „The Rocky Horror Picture Show“ (hier ist der Trailer) trifft das Wort „Kultfilm“ allemal zu. 1975 wurde er gedreht und noch nach 45 Jahren hat der Film weltweit eine große Fangemeinde. Über den Inhalt will ich in meinem heutigen Blogeintrag nicht weiter eingehen, der dürfte bekannt sein. Dafür möchte ich einige andere Dinge im Zusammenhang mit dem Film ansprechen.

Gedreht wurde „Rocky“ in den Bray Studios an der Themse gegenüber von Maidenhead. Hier waren die Hammer Film Productions zuhause, die einen Horrorfilm nach dem anderen produzierten. Ich berichtete schon einmal in meinem Blog über die Studios. Der Nachbar der Bray Studios war Oakley Court, ein vor allem bei Nacht sehr gruselig aussehendes Gebäude, das heute als Hotel geführt wird (über meine Aufenthalte dort siehe hier und hier). Sehr gern nutzte man das Äußere und das Innere des burgähnlichen Gebäudes für Dreharbeiten, so auch für „The Rocky Horror Picture Show“. Dieser Film zeigt detailliert, wo überall in Oakley Court gedreht wurde. An den Wänden des Ganges von der Eingangshalle zum Restaurant hängen viele Filmplakate, die auf die hier produzierten Filme hinweisen.

Jetzt begeben wir uns viele Tausend Kilometer weiter an die Westküste der USA, nach Portland im US-Bundesstaat Oregon, einer Stadt, die vor einigen Wochen auf Grund der dort stattgefundenen Unruhen durch die Medien ging. Dort gibt es in der 2522 SE Clinton Street ein kleines Kino, das Clinton Street Theater, das seit 42 Jahren, das heißt seit 1978, einmal pro Woche „The Rocky Horror Picture Show“ zeigt  und das ohne Unterbrechung. Immer am Samstag um Mitternacht geht es los, an manchen Abenden gibt das Clinton Street Cabaret eine Live-Pre-Show, bei der es ganz schön wild zugehen kann („Think South Park without anything bleeped out“). Die Corona-Pandemie wollte auch dem Kino den Garaus machen, doch der Betreiber, Nathan Williams, ist eisern. Trotz angeordneter Schließung lässt er den Film am späten Samstagabend weiter laufen, aber eben nur für sich allein und für ein paar Freunde, ohne zahlendes Publikum. Die Tradition soll nicht unterbrochen werden. Hoffen wir, dass Nathan Williams‘ Kino die Pandemie übersteht!

Der Gang von der Halle zum Restaurant im Oakley Court Hotel mit den Filmplakaten.
Eigenes Foto.

Das Clinton Street Theater in Portland (Oregon).
Author: GreenIsTheNewRed.com
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Published in: on 31. Oktober 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Rampside Hall bei Barrow-in-Furness (Cumbria) und die 12 Apostel

Heute begeben wir uns in eine ziemlich abgelegene Region Englands, auf die Furness Peninsula, eine Halbinsel in der Grafschaft Cumbria, ganz in der Nähe des Ortes Barrow-in-Furness. Dort steht in dem Dorf Rampside ein eigenartiges Haus, Rampside Hall, das sofort ins Auge fällt und zwar durch seine vielen Schornsteine auf dem Dach. Die 12 Apostel werden sie genannt. Die Hall wurde im 16. Jahrhundert gebaut, und sie erlitt am 15. Februar 1865 einen Schaden, als sich hier ein Erdbeben ereignete, ein seltenes Naturereignis in dieser Region. Drei der Apostel stürzten vom Dach herunter und auch einige Hauswände wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die drei Schornsteine wurden bald darauf wieder ersetzt. Warum hat man denn überhaupt diese zwölf Apostel dort oben angebracht? Da gibt es eine Legende, die das erklärt:

Im 16. Jahrhundert wollte ein junger Mann seine Angebetete heiraten und wurde deswegen bei ihrem Vater vorstellig, um ihn um die Hand seiner Tochter zu bitten. Der zögerte etwas und kam auf die etwas absonderliche Idee, ihm die Einwilligung nur zu geben, wenn sein Schwiegersohn in spe ein Haus mit zwölf Schornsteinen auf dem Dach bauen würde (warum auch immer). Die Liebe des jungen Mannes muss sehr groß gewesen sein, denn er machte sich sofort daran, in Rampside ein solches Haus zu errichten. Er muss auch Wert auf Qualität gelegt haben, sonst würde Rampside Hall nicht noch im 21. Jahrhundert als Wohnhaus dienen. Es war früher Brauch, am Weihnachtsmorgen alle Kamine im Haus zu befeuern, so dass die Schornsteine gleichzeitig qualmten, sicher ein schöner Anblick.

So bleibt zu hoffen, dass nicht wieder ein Erdbeben diese Region erschüttert, und die zwölf Apostel ungestört weiterhin das Dach der Rampside Hall zieren können.

Published in: on 30. Oktober 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Marlow Bottom’s 1st Annual Scarecrow Festival

Nicola Metcalfes Festivalbeitrag.

In einigen Orten Englands gibt es jedes Jahr Vogelscheuchen-Festivals wie beispielsweise in Kettlewell in North Yorkshire. Besonders schöne Exemplare habe ich auch in diesem Blogeintrag zusammengestellt.

Erstmals findet in diesem Jahr in Marlow in Buckinghamshire ein Scarecrow Festival statt, genauer gesagt in dem nördlichen Ortsteil Marlow Bottom. Am letzten Samstag ging das Festival los und dauert noch bis kommenden Sonntag. Jeder darf daran teilnehmen und seine herausgeputzte Vogelscheuche vor seinem Haus aufstellen. Organisatoren sind die Friends of Burford, eine Lehrer-Eltern-Vereinigung der Burford School in Marlow Bottom. Um einen Preis zu gewinnen, muss man ein Selfie von sich und seiner Lieblings-Vogelscheune machen. Da eine sehr gute Freundin von mir, Nicola Metcalfe, über deren künstlerische Arbeiten ich in meinem Blog berichtete, in Marlow Bottom wohnt, bekam ich heute von ihr einige Fotos zugeschickt, die ich meinen Blogfreunden nicht vorenthalten möchte. Ich finde, dass die „scarecrows“ alle sehr gelungen sind!!!

Published in: on 29. Oktober 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Gail Simmons: The Country of Larks

Foto meines Exemplares.

In seinem Buch „Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot„ berichtet der Autor Tom Jeffreys von seiner Wanderung von London nach Birmingham, entlang der geplanten Trasse des Hochgeschwindigkeitszuges HS2. Gail Simmons, die an den Universitäten von Cambridge und Bath Spa „travel writing“ lehrt, hat eine ähnliche Wanderung unternommen, die sie von High Wycombe in Buckinghamshire nach Tring in Hertfordshire führt. Sie hat darüber in ihrem Buch „The Country of Larks: In the Footsteps of Robert Louis Stevenson and the Footprint of HS2“ geschrieben. Die Autorin möchte herausfinden wie sich die wunderschöne Landschaft der Chiltern Hills verändert hat seit Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“, „Der seltsame Fall des Dr Jekyll und Mr Hyde“) im Herbst 1874 dieselbe Strecke gelaufen ist und darüber in seinem Reisebericht „In the Beechwoods“ geschrieben hat. Außerdem möchte Gail Simmons in Erfahrung bringen welche Auswirkungen HS2 auf die Chilterns und die Menschen die dort leben, haben wird. Es ist sicher keine Überraschung, dass der größte Teil der Bewohner dort, sich deutlich gegen HS2 aussprechen, da die Bahnstrecke nur Negatives für sie bringt und überhaupt keine Vorteile. Viele sprechen von dem Projekt von einem Weißen Elefanten, der mehr Ärger macht als dass er Nutzen bringt.
Die Chilterns haben sich seit Stevensons Reise verändert, aber es gibt auch Landstriche, die fast gleich geblieben sind und die jetzt durch die Bahnlinie, auf der Züge eines Tages mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde entlang donnern, stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Gail Simmons spricht vom „The Chiltern Chainsaw Massacre„.

Gail Simmons‘ Buch über ihre dreitägige Wanderung ist sehr anschaulich und atmosphärisch dicht geschrieben. Sie hat ihre Kindheit in den Chilterns verbracht (in Ashley Green an der Grenze von Buckinghamshire zu Hertfordshire) und ist natürlich nach wie vor sehr an der Zukunft dieser Region interessiert. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Gail Simmons: The Country of Larks – In the Footsteps of Robert Louis Stevenson and the Footprint of HS2. Bradt Travel Guides 2019. 181 Seiten. ISBN 978-1-78477-080-8.

Protest gegen HS2, weil dieser Pub in Hyde Heath (Buckinghamshire) wegen geplanter Bauarbeiten (die dann doch nicht an dieser Stelle stattfanden) geschlossen werden musste.
Author: R-P-M
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Bürgerproteste in Great Missenden (Buckinghamshire) gegen HS2.
Author: djim
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Mantles Wood in den Chilterns. Noch herrscht hier Ruhe, aber nicht mehr lange, denn hier soll der Eingang zu dem geplanten Tunnelbau liegen.
Author: djim
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Published in: on 28. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Mein DVD-Tipp – “ A Confession“

Selten hat mich eine britische TV-Serie derart beeindruckt wie ITVs “ A Confession„, die jetzt bei Edel Motion in deutscher Synchronisation auf zwei DVDs erschienen ist. Die sechsteilige Miniserie beruht auf zwei wahren Mordfällen, die sich in Swindon in der Grafschaft Wiltshire (die Partnerstadt meines Wohnortes) ereignet haben. Im März 2011 verschwand die 22jährige Sian Emma O’Callaghan nach einem Besuch in einem Nachtclub in Swindon. Der mit dem Vermisstenfall beauftragte Detective Superintendent Stephen Fulcher ist überzeugt, dass der Taxifahrer Christopher Halliwell darin verwickelt ist. Tatsächlich gelingt es ihm, dass der Verdächtige die Polizei zu der Ablegestelle der Leiche der jungen Frau bringt, in der Nähe des Dorfes Uffington (dort, wo das Weiße Pferd zu sehen ist). Danach zeigt der Mörder der Polizei das Grab eines weiteren Opfers, das der jungen Becky Godden-Edwards, die acht Jahre zuvor spurlos verschwunden war. Doch kurz darauf widerruft der Taxifahrer sein Geständnis, und sein Verteidiger macht auf ein Fehlverhalten des Detective Superintendent aufmerksam, der gegen die Richtlinien des Police and Criminal Evidence Acts verstoßen hatte (hätte er anders gehandelt, wäre Beckys Leiche nie gefunden worden). Stephen Fulcher bekommt keine Rückendeckung von seinen Vorgesetzten und erhält eine strenge Abmahnung. Er verlässt den Polizeidienst, seine Karriere ist beendet. Halliwell wird wegen Mordes an Sian Emma O’Callaghans zu 25 Jahren Haft verurteilt, im Fall Becky Godden-Edwards kommt es zu keiner Anklage.

Beckys Mutter, die von der Schuld Halliwells überzeugt ist, kämpft wie eine Löwin, dass es auch in diesem Fall zu einem Prozess kommt, und dass der Mörder seine gerechte Strafe erhält, was ihr auch am Ende gelingt.

Die Darsteller der TV-Serie sind schlichtweg großartig!! Allen voran Martin Freeman, der den Detective Superintendent Fulcher verkörpert, Imelda Staunton, die Beckys Mutter spielt und Siobhan Finneran (wir kennen sie als Mrs Sarah O’Brien in „Downton Abbey“) als Mutter von Sian. Gedreht wurde „A Confession“ vor Ort in Swindon und Umgebung, darunter auch in Uffington.

Das Drehbuch basiert auf dem Buch „Catching a Serial Killer: My hunt for murderer Christopher Halliwell„, das der Polizeibeamte Stephen Fulcher 2007 veröffentlichte.

In Deutschland wurde die TV-Serie im Februar diesen Jahres bei Magenta TV gesendet. Gut, dass es jetzt die DVD (plus 42 Minuten Bonusmaterial) gibt, so dass auch die Nicht-Abonnenten des Senders sich diese Produktion ansehen können, die zum Besten gehört, was in den letzten Jahren in Großbritannien gedreht wurde! Hier ist der Trailer.

Detective Superintendent Stephen Fulcher und Taxifahrer Christopher Halliwell.
Copyright: Edel Motion

Hier in der Nähe des Uffington White Horse wurde die Leiche von Sian gefunden
Photo © Phil Champion (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Oktober 2020 at 02:00  Comments (6)  
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Barrington Court in Somerset – Eines der ältesten Besitztümer des National Trusts

Man liest hin und wieder, dass Barrington Court das erste Haus war, das der National Trust (NT) nach seiner Gründung im Jahr 1895 erworben hatte, was aber nicht stimmt, denn das trifft auf das Alfriston Clergy House in East Sussex zu (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Barrington Court ist ein stattliches Manor House im Dorf Barrington, nordöstlich von Ilminster in der Grafschaft Somerset. Es ist, wie viele andere Häuser aus der elisabethanischen Zeit auch in E-Form gebaut (E wie Elizabeth). Als der NT das Haus 1907 übernahm, musste er sehr viel Geld in die Reparaturen und in die Instandhaltung investieren, mehr als man ursprünglich gedacht hatte. Damals verfügte der Trust noch nicht über so viel Geld wie heute (zur Zeit zählt er 5,6 Millionen Mitglieder weltweit, die Jahresgebühr beträgt £72 für Erwachsene).

Den Garten von Barrington Court hat übrigens die legendäre Landschaftsgestalterin Gertrud Jekyll (nicht verwandt oder verschwägert mit Mr Jekyll und Mr Hyde) kreiert, da konnte man sicher sein, dass da etwas Gutes entstehen würde. Wie es bei vielen anderen Manor Houses auch der Fall war, ging das Anwesen im Lauf der Jahrhunderte durch viele Hände, unter anderem auch durch die von Abram Arthur Lyle vom Zuckerimperium Tate & Lyle, der Barrington Court in den 1920er Jahren vom NT pachtete.

Im Augenblick ist während der Coronakrise das Haus nicht zugänglich, die Gärten aber sind geöffnet, wobei man vorab buchen sollte, da der Zugang begrenzt ist.

Barrington Court war einer vielen Drehorte der TV-Serie „Wolf Hall“ (dt. „Wölfe“ bei ARTE) und stellte York Place dar.

Hier ist ein Besuch in Barrington Court im Film zu sehen.

Barrington Court
Barrington
Ilminster TA19 0NQ

Published in: on 26. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„From Amersham to Missenden, to Wendover to the Vale of Aylesbury“ – Die A413 in einem Song von John Otway

From Amersham to Missenden, to Wendover to the Vale of Aylesbury“ so lautet der Refrain des Songs „A413 revisited“ von John Otway. Die Straße führt von Gerard’s Cross in Buckinghamshire nach Towcester in Northamptonshire. Ich bin sie viele Male gefahren, habe aber aber nicht nur gute Erinnerungen an sie, da ich an ihr in Höhe von Little Missenden mit meinem Auto einmal liegen geblieben bin (siehe dazu meinen Blogeintrag) und mich mit viel Mühe noch nach Aylesbury schleppen konnte. Die A413 führt mitten durch Aylesbury hindurch, und in John Otways Songtext stoßen wir auf einige Orte in der Stadt, die er besingt:

There’s a reunion at the Grange County Secondary School„, das ist eine Schule in Aylesbury am Wendover Way, wo der Sänger zur Schule gegangen ist und die einmal ganz kurz landesweit für Schlagzeilen sorgte, als sich dort 1964 beim Great Train Robbery-Prozess die Geschworenen zur Beratung zurückgezogen hatten. Eine der ehemaligen Schülerinnen der Grange School, Samantha Lewthwaite, gehört zu den „most wanted women in the world“; sie war mit dem London Bomber Germain Lindsay verheiratet und wird wegen terroristischer Anschläge in Kenia gesucht.

Die nächste Station in „A413 Revisited“ ist ein Pub in Aylesbury The Bell Hotelat the bottom of the market square„. Dies ist ein J.D. Wetherspoon-Pub, über den ich in meinem Blog vor einigen Jahren geschrieben habe und der direkt neben der Old County Hall steht, wo 1964 die Eisenbahnräuber (siehe oben) vom Aylesbury Crown Court verurteilt worden sind.

The Bucks Herald is the local paper“ heißt es zum Schluss von John Otways Song. The Bucks Herald ist eine wöchentlich erscheinende Zeitung, die schon seit 1832 existiert und die über Alles in Aylesbury und Umgebung berichtet. Die Redaktion befindet sich in einem Gewerbegebiet an der Edison Road am westlichen Stadtrand.

Die A413, hier die Amersham Road, bei Chalfont St Peter in Buckinghamshire.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Aylesburys The Grange School.
Author: Roleplayer
This work is in the public domain.

The Bell am Market Square in Aylesbury.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 25. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Shepherds huts – Schäferhütten, die sehr im Trend liegen

Eine alte, aber noch ganz gut erhaltene Schäferhütte auf einer Farm bei Cholderton in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Ex-Premierminister David Cameron hat sich eine in seinen Garten in seinem Anwesen in den Cotswolds gestellt, eine shepherd’s hut, eine Schäferhütte, wie sie vor allem im 19. Jahrhundert auf den Weideflächen Großbritanniens häufig anzutreffen war. Dort lebten und nächtigten die Schäfer für eine gewisse Zeit und hatten die ihnen anvertraute Schafherde immer im Blick. Die Hütten waren meist aus Wellblech oder auch aus Holz angefertigt und standen auf Metallrädern, so dass man sie überall hinziehen konnte. Die Inneneinrichtung war natürlich sehr einfach gehalten, beinhaltete aber alles, was ein Schäfer in der Einsamkeit alles so benötigte. Im 20. Jahrhundert wurden die Hütten immer seltener verwendet, da es durch die fortschreitende Agrartechnik andere Möglichkeiten gab, diese Schäfertätigkeiten durchzuführen.

In den letzten Jahren liegen die shepherds huts wieder voll im Trend, nicht die alten, primitiven von anno dazumal, sondern neu gebaute Luxushütten, die ihren Siegeszug beim Glamping angetreten haben. Mehrere Firmen haben sich auf die Anfertigung dieser alternativen Übernachtungsmöglichkeiten spezialisiert wie zum Beispiel The English Shepherds Hut Co. in Norwich (Norfolk), Blackdown Shepherd Huts bei Ilminster in Somerset oder Red Sky Shepherd’s Huts in North Leigh (Oxfordshire), wo David Camerons Hütte herkommt. Diese Hütten sind natürlich sehr viel komfortabler als sie früher einmal waren, kosten dafür auch eine ganze Menge Geld, die meisten der „luxury huts“ liegen deutlich über £20 000.

Wer sich nicht gleich eine Hütte selber kaufen möchte, kann das Übernachtungsgefühl auf einem der zahlreichen Glampingplätze ausprobieren wie beispielsweise auf denen von Canopy&Stars, die über ganz Großbritannien verteilt sind.

Hier ist ein Film der Firma Blackdown Shepherd Huts über ihre Hütten.

Glamping-Schäferhütten bei Norwich in Norfolk.
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Eine moderne, komfortable Schäferhütte.
Author: Anguskirk
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Published in: on 24. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„McDonald&Dodds“ – Eine neue TV-Krimiserie, die in Bath angesiedelt ist

Bath – Schauplatz der neuen TV-Serie.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Am kommenden Sonntag, dem 25. Oktober, sendet das ZDF um 22.15 Uhr die erste Episode der neuen TV-Krimireihe „McDonald&Dodds„. ITV war mit der Produktion dieser Reihe erst einmal vorsichtig und drehte nur zwei Episoden; da sie aber beim britischen Publikum gut ankam, hat man eine zweite Staffel in Auftrag gegeben, die aus drei Teilen bestehen wird.

Die beiden Protagonisten Detective Chief Inspector Lauren McDonald und Detective Sergeant Jason Dodds könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie ist eine farbige, energische junge Frau, die von der Metropolitan Police aus London nach Bath in Somerset kommt und in der britischen Hauptstadt eine ganz andere Verbrechenslage kennen gelernt hat. Ihr „side-kick“ Jason Dodds dagegen wirkt ein wenig umständlich, ist mit modernen Ermittlungsmethoden nicht so ganz vertraut, kennt aber die Stadt Bath in- und auswendig und zeigt, dass er eine „feine Nase“ bei der Aufklärung von Verbrechen besitzt. Sind es in den „Midsomer Murders“-Fällen die vermeintlich friedlichen Dörfer, hinter deren Fassaden sich Tragödien abspielen, so ist es bei „McDonald&Dodds“ die 86 000 Einwohner zählende Stadt Bath mit ihren schönen alten Häusern.

DCI Lauren McDonald wird von Tala Gouveia gespielt, die schon in vielen TV-Serien mitgespielt und hier ihre erste große  Rolle übernommen hat. Die Rolle des Sergeant Jason Dodds spielt Jason Watkins, bekannt aus der TV-Serie „The Crown“, in der er Harold Wilson verkörpert (er war auch in einer „Inspector Barnaby“-Folge zu sehen, in „Send in the Clowns“, Episode 122, die in Deutschland unter dem Titel „Ein Mords-Zirkus“ lief).

Auch diese TV-Serie lebt zu einem großen Teil vom Lokalkolorit der Stadt Bath. Zu sehen sind unter vielen anderen touristischen Hotspots die Pulteney Bridge, der Lansdown Crescent und der Royal Crescent.

Die Titel der beiden ersten Episoden: „The Fall of the House of Crockett“ = „Der Tote nahm den Hut“ und „A Wilderness of Mirrors“ = „Die Leiche hing am Wasserrohr“ (am 8.11. um 22.15 Uhr im ZDF).

Hier ist der Trailer zu der TV-Serie.

Nachtrag vom 10.09.2021: Am 22.10.2021 erscheint die erste Staffel plus Bonusmaterial bei Edel Motion in Deutschland auch auf DVD, sowohl deutsch synchronisiert als auch im Original.

Die Pulteney Bridge.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Der Lansdowne Crescent.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Der Royal Crescent.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Phene – Ein Pub in Chelsea, der nach einem exzentrischen Architekten benannt worden ist

In der Oakley Street im Londoner Stadtteil Chelsea haben einige prominente Leute gewohnt wie der Polarforscher Robert F. Scott und der Reggae-Sänger Bob Marley. Oscar Wildes Mutter Jane hatte sich hier niedergelassen wie auch ein Architekt namens John Samuel Phene (1822-1912), der in der Nummer 32 wohnte. Phene war ein Exzentriker, der durch seine höchst merkwürdige „Lebkuchenburg“, das Gingerbread Castle, damals auf sich aufmerksam machte, ein fünfstöckiges Haus an der Ecke Oakley Street/Upper Cheyne Row, das niemals fertiggestellt worden war, in dem Phene nie wohnte und das im Jahr 1912 wieder abgerissen wurde. Der Architekt legte hier in Chelsea auch die nach ihm benannte Straße Phene Street (die von der Oakley Street abzweigt) und den Pub The Phene an, der in der ruhigen Sackgasse steht und der vor einigen Jahren um ein Haar in eine Luxuswohnung umgewandelt worden wäre, wenn sich nicht erheblicher Widerstand in der Bevölkerung aufgetan hätte. Unterstützt wurde der Widerstand unter anderem auch durch den Schauspieler Hugh Grant und den ehemaligen Fußballspieler Sol Campbell, der einmal für Arsenal und Tottenham im Einsatz war. Sein Kollege, der berühmte, 2005 verstorbene George Best ging im The Phene ein und aus.

The Phene wurde an die City Pub Company verkauft, die im Süden des Landes 48 Pubs ihr eigen nennt, auch ganz in der Nähe in Chelseas King’s Road „The Lost Hours“. The Phene ist glücklicherweise das geblieben, wofür John Samuel Phene ihn in den 1850er Jahren gebaut hatte, als Begegnungsort für die Bewohner der umliegenden Straßen, in dem man in Ruhe sein gepflegtes Pint trinken und dazu etwas Nettes essen kann. Wie dieser Film zeigt, gehört The Phene zu den „posh“ Pubs, in dem man gern auch ein Flasche Champagner ordert.

The Phene
9 Phene Street
Chelsea
London SW3 5NY

Die Oakley Street in Chelsea.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Little Chef – Das Ende einer Restaurantkette

Es war einmal…Friedlich (?) vereint mit der Konkurrenz. Hier an der A64 bei Bilbrough in North Yorkshire.
Photo © Margaret Clough (cc-by-sa/2.0)

Vielleicht kennt noch jemand die Restaurantkette Little Chef, deren Filialen an britischen Autobahnen und Schnellstraßen zu finden waren. Hier konnte man sich für relativ wenig Geld satt essen. Die Qualität der Speisen war nicht gerade berauschend; ich habe nur ein einziges Mal in einem dieser Schnellrestaurants Rast gemacht, und ich meine mich zu erinnern, dass ich dieses Little Chef in die Abteilung „greasy spoon“ verfrachtet hatte. Es gab einmal einen Versuch, eines dieser Lokale aufzupeppen, mit Hilfe des Starkochs Heston Blumenthal. Ich berichtete darüber vor über zehn Jahren in meinem Blog. Es war das Little Chef in Popham (Hampshire) an der A303. Blumenthal verpasste dem Restaurant eine total andere Speisekarte, die Medien im ganzen Land berichteten darüber und eine Zeit lang war es hier richtig voll. Doch dann verflüchtigte sich das Interesse der Reisenden; die meisten wollten statt Ochsenbäckchen und Lammkeulen lieber ihre gewohnten fettigen Sattmacher essen, so wurden nach einiger Zeit die Blumenthal-Kreationen von der Karte genommen. Im Jahr 2017 wurde Pophams Little Chef geschlossen und von Starbucks übernommen.

Den anderen Little Chefs im Land ging es nicht anders. Im Lauf des Jahres 2018 war keines mehr übrig geblieben. Immer wieder neue Übernahmen durch insgesamt sechs Unternehmen zeitigten seit Mitte der 1980er Jahre keine nennenswerten Erfolge. Die Konkurrenz durch die großen US-Ketten wie McDonald’s, Burger King und KFC war übermächtig.

Ähnlich wie der Little Chef-Kette ging es den Happy Eater-Restaurants, die von 1973 bis 1997 existierten. Sie wurden teils in Little Chefs umgewandelt oder gleich geschlossen. An Autobahnen und Durchgangsstraßen finden sich heute überwiegend, neben McD, BK und KFC, Filialen von Starbucks, Greggs, Subway, Costa und Leon.

Wie traurig…ein geschlossenes Little Chef an der A21 bei Kilndown in Kent.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

…und ein noch trostloserer Anblick: Ein Little Chef nach der Schließung an der A1 bei Wansford in Cambridgeshire.
Photo © Trevor Alder (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Oktober 2020 at 02:00  Comments (5)  
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„The Secret Garden“ 2020 – Die Drehorte der Neuverfilmung des Buches von Frances Hodgson Burnett

Duncombe Park in North Yorkshire.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Vor wenigen Tagen kam der Spielfilm „The Secret Garden“ (dt. „Der geheime Garten“) in die Kinos Deutschlands, eine weitere Verfilmung des gleichnamigen Romans von Frances Hodgson Burnett (1849-1924), der 1911 veröffentlicht wurde und zusammen mit „Little Lord Fauntleroy“ (dt. „Der kleine Lord“) zu ihren populärsten Werken zählt.

„The Secret Garden“ wurde  mehrfach verfilmt; die Version von 1993 stellte ich in meinem Blog schon einmal vor, für mich ist sie die bisher beste. Die TV-Version von 1987 (die bei youtube in voller Länge zu sehen ist) fand ich auch gut gelungen. Als Misselthwaite Manor diente hier das Highclere Castle, das wir alle aus „Downton Abbey“ kennen (in der Filmversion von 1993 war das Allerton Castle in North Yorkshire).

Kommen wir zu den Drehorten des aktuellen Films. Da wurde in zwei verschiedenen Häusern gedreht, die jedes für sich großartig sind, und für das Misselthwaite Manor stehen. Da ist einmal Duncombe Park bei Helmsley in North Yorkshire, das ich vor einigen Jahren besuchte, als dort gerade die Country Fair stattfand. Es wurde 1713 für Thomas Duncombe gebaut und 1843 von dem berühmten Architekten Sir Charles Barry umgestaltet. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1895 baute es der schottische Architekt William Young wieder auf. Das Haus, das noch immer der Duncombe Familie gehört, ist nicht zu besichtigen, dafür aber die Gärten, die im Film auch zu sehen sind.

Als Misselthwaite Manor diente im Film ebenfalls das für mich vielleicht faszinierendste und unheimlichste Gebäude im ganzen Königreich: Harlaxton Manor bei Grantham in Lincolnshire. Das Manor House, das der US-amerikanischen Universität von Evansville in Indiana gehört, konnte ich mir leider nur von außen ansehen, eine Besichtigung ist nicht gestattet. Ich schrieb über das Harlaxton Manor in meinem Blog.

Ein großer Teil der Gartenszenen wurden im Iford Manor in Wiltshire in der Nähe von Bradford-on-Avon gedreht. Die Gärten sind für die Öffentlichkeit von April bis September zugänglich. Das Anwesen ist in Privatbesitz und gehört der Cartwright-Hignett Familie.

Weitere Drehorte des Films waren zum Beispiel noch der National Trust Bodnant Garden bei Conwy in Wales und die Ruinen der Fountains Abbey in North Yorkshire (die ebenfalls dem National Trust gehören). Hier ist der Trailer zu sehen.

Harlaxton Manor in Lincolnshire.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Die Iford Manor Gardens in Wiltshire.
Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp und mein persönliches Buch des Jahres – Gareth Rees: Unofficial Britain – Journeys Through Unexpected Places

Foto meines Exemplares.

Das Jahr 2020 hat zwar noch mehr als zwei Monate, aber mein persönliches Buch des Jahres steht schon fest. Es ist Gareth Rees‚ „Unofficial Britain – Journeys Through Unexpected Places„. Das Buch „Car Park Life: A Portrait of Britain’s Unexplored Urban Wilderness“ des Autors stellte ich in meinem Blog am 24. November 2019 vor.

Am 17. September diesen Jahres erschien Gareth Rees‘ aktuelles Werk, das uns zu Schauplätzen führt, die zum täglichen Leben gehören wie Parkhäuser, Autobahnen, Strommasten, über die sich die meisten Menschen keine großen Gedanken machen. Doch Gareth Rees geht ganz dicht ran an diese Orte und blickt auch dorthin, wo man im Allgemeinen nicht hinguckt wie unter Autobahnüberführungen, leer stehende Fabrikgebäude, in die sterilen Gänge von Krankenhäusern usw. „Unofficial Britain“ ist ein faszinierendes, fesselnd geschriebenes Buch, “ a personal journey along the edges of an urban landscape brimming with mystery, folklore and myth„.

Um nur einige wenige Beispiele zu nennen:
Gareth Rees schreibt von englischen Parkhäusern, die durch ihre meist offene Bauweise zu einem Anziehungspunkt für Menschen geworden sind, die sich das Leben nehmen wollen. Er berichtet von zwei Nachtwächtern, die in dem mehrgeschossigen Parkhaus an der Nelson Street in Bristol unheimliche Erlebnisse hatten. In dem Kapitel „In Worship of the Hum“ schreibt er über die Anziehungskraft und Faszination von Strommasten. Da ist von mysteriösen Menschen die Rede, die im Schatten der Gesellschaft in industriellen Brachlandschaften leben wie dem Catman im schottischen Greenock. In dem Kapitel „Memory Motorways“ unternimmt Gareth Rees eine Fahrt auf der Autobahn M6, die über 373 Kilometer bis an die schottische Grenze führt. Dabei besucht er Rasthöfe wie die Hilton Park Services und Lancaster (Forton) Services , letzterer mit dem lange ausgemustertem und leer stehendem Aussichtsrestaurant Pennine Tower, das einem UFO ähnelt.

Das Buch ist großartig und dürfte jeden interessieren, der neugierig genug ist, einmal einen Blick auf „unexpected places“ zu werfen. Es gibt auch eine Webseite namens „Unofficial Britain„, die das Thema noch vertieft.

Gareth Rees: Unofficial Britain – Journeys Through Unexpected Places. Elliott&Thompson 2020. 268 Seiten. ISBN 978-1-78396-514-4.

Ein multi-storey carpark, immer häufiger von Selbstmördern aufgesucht.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Der Pennine Tower auf dem Gelände der Lancaster (Forton) Services 
Author: itmpa
Creative Commons 2.0

Published in: on 19. Oktober 2020 at 02:00  Comments (2)  

The Birnbeck Pier in Weston-super-Mare (Somerset) – Eine allmählich verfallende Seebrücke

Die Birnbeck Pier in dem Badeort Weston-super-Mare an der Küste von Somerset sieht bemitleidenswert aus. Schon seit Jahrzehnten vergnügt man sich nicht mehr auf der Seebrücke, sie ist vernachlässigt worden, Stürme haben ein Übriges getan, es ist lebensgefährlich sie in dem heutigen Zustand zu betreten. Doch die Pier hat Fürsprecher in Form des Birnbeck Regeneration Trusts, der nicht müde wird, sich für das verfallende Bauwerk einzusetzen und das schon seit sechzehn Jahren.

Die Birnbeck Pier ist die einzige Seebrücke Englands, die das Festland mit einer Mini-Insel verbindet, der Birnbeck Island. 350 Meter lang ist die Pier und wurde am 5. Juni 1867 eröffnet. Was war da nicht alles los in den folgenden Jahrzehnten! Es war ein richtiger Rummelplatz mit allen möglichen Attraktionen vorn an der Spitze der Pier. Viele Besucher kamen per Schiff, denn es gab dort eine eigene Anlegestelle. Manche gingen gar nicht in die Stadt, sondern vergnügten sich ausschließlich auf der Pier, auf der Wasserrutsche und auf den Karussells.

Im Zweiten Weltkrieg war erst einmal Schluss mit lustig, denn statt vergnügungssüchtiger Touristen besetzte das Marineministerium die Seebrücke, das hier neue Waffen erprobte. Nach Kriegsende ging es weiter mit den Amusement Arcades, aber der Andrang hatte nachgelassen, weil die andere Pier von Weston-super-Mare, die Grand Pier, immer mehr Menschen anzog. Als dann in den 1980er Jahren die Brücke Schaden nahm und Stürme ihr zusetzten, wurde sie 1994 aus Sicherheitsgründen geschlossen; auch Schiffe legten dort nicht mehr an.

Dann begann die Zeit des Pläneschmiedens. Was sollte man mit der immer mehr verfallenden Pier machen? Ideen gab es viele, doch umgesetzt wurde keine. Die jeweiligen Eigentümer des Bauwerks zeigten keine besondere Lust, Geld in seinen Unterhalt zu stecken. Die aktuelle Entwicklung sieht so aus, dass die Stadt Weston-super-Mare die Birnbeck Pier unter allen Umständen kaufen will, notfalls auch durch Enteignungsmaßnahmen, um darauf eine Station der RNLI, der britischen Lebensrettungsgesellschaft, zu installieren, Die momentanen Eigner sträuben sich dagegen und haben eigene Pläne zur Revitalisierung der Seebrücke vorgelegt. Es scheint sich also irgendetwas zu tun.

Hier ist ein ein Flug mit einer Drohne über die Pier zu sehen.

Published in: on 18. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
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John Elwes (1714-1789) – König der Londoner Geizhälse

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John Elwes wurde 1714 in eine Familie hineingeboren, die schon damals in Londoner Kreisen als extrem geizig galt, obwohl die Bankkonten gut gefüllt waren.
Seine wohlhabende Mutter soll an Unterernährung gestorben sein und sein ebenfalls gut betuchter Onkel sass oft abends vor dem Kamin, in dem lediglich ein Stückchen Holz brannte, und er ging dann im Dunkeln in sein Schlafgemach, um die Kosten für eine Kerze zu sparen.

Kein Wunder also, dass auch John Elwes auf diese Linie einschwenkte und sparte, was das Zeug hielt. Hier einige Beispiele:

– Er weigerte sich, dass seine Söhne eine gute Ausbildung erhielten, weil die ja dann auf die Idee hätten kommen können, Geld auszugeben, statt es zu behalten.

– Selbst bei scheußlichstem Wetter ging Elwes von einem Ende Londons zum anderen, damit er nicht ein paar Pennies für eine Kutsche ausgeben musste.

– Er soll angeblich eine Perücke getragen haben, die ein Bettler weggeworfen hatte und einen Mantel, der schon vor lauter Abnutzung schimmelgrün geworden war und den früher einmal ein Angehöriger dazu verwendet hatte, um ein Loch in der Wand zu stopfen.

– Wenn er London einmal verließ, nahm er immer ein oder zwei gekochte Eier mit, um nicht einkehren zu müssen, und er schlief dann immer im Freien unter einer Hecke. In einem Gasthof zu übernachten, kam für John Elwes nicht in Frage. Sein Pferd ließ er immer auf dem Gras neben der Straße laufen, damit die Hufeisen nicht so schnell abgenutzt wurden.

– John Elwes besaß mehrere Häuser in London und auch ein Anwesen in Suffolk, die er aber nicht möblierte; stattdessen nahm er immer ein paar Kleinmöbel mit, wenn er die Häuser aufsuchte.
Man könnte diese Liste seiner exzentrischen Handlungen noch lange fortführen. Zum Abschluss sei noch gesagt, dass als Elwes auf dem Sterbebett lag und er zusammen mit seinem Anwalt sein Testament aufsetzte, auch noch gespart wurde, denn der Anwalt durfte das Schriftstück nicht bei Kerzenschein aufsetzen, sondern musste sich mit dem schwachen Licht, das das Kaminfeuer warf, zufriedengeben.

Zehn Jahre war der Londoner Exzentriker und Ober-Geizhals Mitglied des Parlaments für Berkshire, und als er 1789 starb, hinterließ er seinen beiden unehelichen Söhnen und seinem Neffen £800,000, was einem heutigen Wert von £28,000,000 entspricht. Elwes kam mit rund £50 jährlich aus. Ich kann mir vorstellen, dass die Erben nachträglich keine Probleme mit dem Lebenswandel des lieben John hatten.

Als Charles Dickens 1843 „A Christmas Carol“ schrieb, soll John Elwes Pate für die Figur des Ebenezer Scrooge gestanden haben.

Das Buch zum Artikel:
Edward Topham & James Ridgway: The Life of the Late John Elwes, Esquire; Member in Three Successive Parliaments for Berkshire. BiblioBazaar 2010. 116 Seiten. ISBN 978-1140596066.

Hier in St John the Baptist in Stoke by Clare (Suffolk) liegt John Elwes begraben
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Oktober 2020 at 02:00  Comments (5)  
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Norman Pilcher – Ein Londoner Polizeibeamter, der es in den Swinging Sixties auf Rockstars abgesehen hatte

34 Montague Square in London.
Author: Spudgun67
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Vor wenigen Tagen erschien ein Buch mit dem Titel „Bent Coppers: The Story of the Man Who Arrested John Lennon, George Harrison and Brian Jones“ (Clink Street Publishing), geschrieben von Norman Pilcher (meines Wissens nicht verwandt oder verschwägert mit Rosemary Pilcher). Wer ist dieser Mann, der sich da mit korrupten Polizisten beschäftigt?

Norman Pilcher, 1935 geboren, war Beamter der Londoner Polizei, und sein Einsatzgebiet war die Drogenfahndung. In den Swinging Sixties waren Drogen sehr angesagt, und die Stars der Musikszene in der damaligen Zeit waren keine Drogenverächter. Einer der sich mit Wonne auf die Spur der prominenten Konsumenten machte, war jener Norman „Nobby“ Pilcher. Ihm muss es ein Vergnügen gewesen sein, jene Männer zu jagen, denen scharenweise kreischwütige junge Mädchen zu Füßen lagen: Die Beatles, die Rolling Stones und viele andere Rockstars. Die Mittel, die er dazu anwandte, schienen bedenklich gewesen zu sein. Immer wieder wurde Norman Pilcher unterstellt, dass er seinen Opfern Drogen unterschob, um sie verhaften zu können, wogegen er sich natürlich wehrte, aber was die Beschuldigten stets behaupteten.

Durch die Medien ging Norman Pilchers Auftritt im Oktober 1968 als er an der Haustür von Montague Square Nummer 34 klingelte, dort wo John Lennon und Yoko Ono (und vor ihnen Ringo Starr und Jimi Hendrix) wohnten. Der Polizist gab sich als Briefträger aus, und als die Tür von der nackten Yoko Ono geöffnet wurde, John Lennon hatte ebenfalls nichts an, stellte Pilcher die (dumme) Frage, ob sie Drogen in ihrem Besitz hätten, worauf er selbstverständlich als Antwort ein „Nein“ der beiden Unbekleideten erhielt. Pilcher zeigte ihnen seinen Durchsuchungsbefehl, und es dauerte nicht lange bis er Cannabis in der Wohnung entdeckte. Also musste Mr Lennon mit auf die Wache, wo er den Besitz von Drogen zugab. Er erhielt eine Geldstrafe und alle waren zufrieden.

Weitere Rockstars, die Norman Pilcher zur Strecke brachte, waren Mick Jagger, Keith Richards und Brian Jones von den Rolling Stones, Beatle George Harrison, Dusty Springfield und um ein Haar Eric Clapton, der sich nur durch die Flucht durch den Hintereingang des Nachtclubs The Pheasantry in der Londoner King’s Road retten konnte.

1973 wurde der Polizeibeamte wegen Meineids und Justizbehinderung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt; schon vorher hatte er seinen Dienst quittiert. Jetzt, im Alter von 84 Jahren, schildert Norman Pilcher in seinem Buch sein Leben und seine Karriere bei der Londoner Polizei aus eigener Sicht.

Die US-Band Primus nahm 2003 einen Song auf, in dem Norman Pilcher im Mittelpunkt steht und der „Pilcher’s Squad“ heißt. Im Text geht die Band auch auf den Lennon/Ono-Zwischenfall am Montague Square ein, und da heißt es „When Pilcher arrived and made his inspection The hashish magically appeared“.

The Pheasantry, 152 King’s Road, London. Hier entkam Eric Clapton den Fängen Norman Pilchers.
Author: Spudgun 67
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Published in: on 16. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Knollys Rose Ceremony – Eine alte Londoner Zeremonie bei der eine Rose im Mittelpunkt steht

Wohl in keinem anderen Land der Welt gibt es so viele traditionelle Bräuche, die oft Jahrhunderte alt sind, wie in England. In meiner Rubrik „Englische Traditionen“ habe ich in den vergangenen 11 Jahre einige vorgestellt. Heute widme ich mich der Londoner Knolly’s Rose Ceremony, die bis ins Jahr 1381 zurückreicht, und die mit Unterbrechungen noch heute einmal jährlich durchgeführt wird, meistens im Juni, doch das Datum hängt von einigen Faktoren ab

Lady Constance Knollys war damals im 14. Jahrhundert die Ehefrau des angesehenen und einflussreichen Ritters Sir Robert Knollys (1325-1407), der häufig in Kriegsdingen über längere Zeit unterwegs war. Als das wieder einmal der Fall war, kaufte Lady Constance ein Grundstück gegenüber ihres Hauses (dort, wo heute der Seething Lane verläuft) auf der anderen Straßenseite und wandelte dieses in einen Rosengarten um. Da in dieser Zeit die Straßen nicht alle gepflastert waren und der Weg zwischen Haus und Garten häufig schmutzig und schlammig war, ließ die Dame eine Brücke darüber bauen, so dass sie trockenen Fußes ihren schönen Rosengarten erreichen konnte. Allerdings tat sie das, ohne die zuständigen Behörden um eine Baugenehmigung zu fragen. Was tun, fragte sich der Mayor of London und seine Ratsherren? Sie wollten sich nicht mit dem mächtigen Ehemann anlegen und sprachen eine milde Strafe für Lady Constance aus: Jedes Jahr am Johannistag sollte eine Rose aus ihrem Garten zum Bürgermeister gebracht werden; damit konnte die Dame gut leben, ihre Brücke musste sie auch nicht wieder einreißen.

Dieser schöne Brauch wurde 1924 von dem Pfarrer der Kirche All Hallows-by-the-Tower wiederbelebt, die nur ein paar Schritte vom Seething Lane entfernt ist. Die Company of Watermen and Lighters ist heute für den Ablauf der Zeremonie zuständig. Sie beginnt in der besagten Kirche, setzt sich gegenüber im Seething Lane Garden fort, wo eine Rose geschnitten und auf ein Kissen gebettet wird. Dann marschieren die Teilnehmer der Knollys Rose Ceremony in das Mansion House, den offiziellen Amtssitz des Lord Mayor of London, wo ihm die Rose übergeben wird. In diesem Jahr ist diese schöne Zeremonie ausgefallen. Warum wohl? Natürlich wegen Corona.

In diesem Film kann man sich Knollys Rose Ceremony in einem Schnelldurchlauf ansehen.

All Hallows by-the-Tower, vom Seething Lane aus gesehen.
Author: Images George Rex
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Published in: on 15. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Redcliffe Flyover in Bristol – Ein Provisorium, das über 30 Jahre lang seinen Dienst tat

In der Innenstadt von Bristol herrschte schon in den 1960er Jahren starker Verkehr. Gerade im Bereich der Region Temple Way /St Mary Redcliffe kam es immer wieder zu Staus. Da kamen die Stadtplaner von Bristol auf die Idee, eine behelfsmäßige Entlastung in Form des Redcliffe Flyovers zu installieren, der 1967 in Betrieb genommen wurde. Diese Hochstraße war 300 Meter lang, stand 5,5 Meter über dem Boden und war 3,40 Meter breit, ruhte auf 16 Stahlsäulen und kostete £120 000. Bristols Bürger mochten das Monstrum anfangs gar nicht und bezeichneten es als Schandfleck in der Stadtlandschaft…aber der Flyover zeigte Wirkung, denn die ständig verstopfte Kreuzung, die er entlastete, war nicht mehr ganz so problematisch. Wer gar nicht über den Redcliffe Flyover erfreut war, das waren die Gäste des Grosvenor Hotels, an dessen Fenster der Verkehr ziemlich dicht vorbeiflutete. Nachdem sich die Bristolians allmählich an die Hochstraße gewöhnt hatten, machte es vielen sogar Spaß, die enge kurvige Behelfsstraße zu befahren, die ein wenig Achterbahngefühl vermittelte.

Den Stadtplanern von Bristol fiel im Laufe der Jahrzehnte (!) einfach nichts Besseres ein wie man das Verkehrsproblem auf andere Weise lösen konnte, und so blieb das Provisorium über 30 Jahre lang stehen. In dem Film „Radio On“ des Regisseurs Chris Petit aus dem Jahr 1979 taucht der Flyover immer wieder auf wie diese Szene daraus zeigt, als ein Auto am Grosvenor Hotel vorbeifährt.

Schließlich ging es dem Redcliffe Flyover doch an den Kragen, er sollte 1998 abgerissen und durch einen großen Kreisverkehr, das Temple Meads gyratory system, ersetzt werden, Viele waren darüber sehr traurig und kamen kurz vor Abriss noch einmal zu einer letzten Abschiedsfahrt hierher. Am 13. Juni 1998 wurde die Hochstraße geschlossen, und die Abbrucharbeiten begannen. Eine Ikone Bristols hatte ihr Ende gefunden.
Wer heute hier mit dem Auto unterwegs ist und sich nicht auskennt, braucht starke Nerven, denn der Verkehr ist zu Spitzenzeiten mörderisch und die Orientierung ist nicht leicht. Temple Gate heißt jetzt die nagelneue Verkehrsführung, die das Temple Meads gyratory system ersetzt hat.

Published in: on 14. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Harry Mount: A Lust For Window Sills

Foto meines Exemplares.

Den Londoner Journalisten Harry Mount stellte ich schon einmal vor in meinem Buchtipp „How England Made the English„. Heute möchte ich auf sein Buch „A Lust For Window Sills: a lover’s guide to British buildings from portcullis to pebble-dash“ hinweisen, das für alle gedacht ist, die sich mit den Baustilen in Großbritannien vertraut machen möchten, aber keine trockenen Abhandlungen lesen wollen. Harry Mounts Buch ist, wie der Titel schon andeutet, in lockerem Stil geschrieben und Clive Aslet fasst es sehr gut in einem Satz zusammen: „I felt I was at a dinner party, being entertained by an unusually well-informed and amusing guest„.

Gothic Revival, Perpendicular Gothic, Palladian houses, Georgian terraces – das sind alles Begriffe aus der Architekturgeschichte, die Harry Mount in seinem Buch näher erläutert und mit vielen Beispielen untermauert. „The Empire Style strikes back“, „Ginger Rogers goes to Arsenal“, so lauten zwei der Kapitelüberschriften, die Lust darauf machen, sich nicht nur mit „window sills“ näher zu beschäftigen. Das Buch endet mit Spaziergängen durch die architektonische Geschichte Londons, einer Fahrt auf der Autobahn M4, auf der der Autor auf architektonische Sehenswürdigkeiten links und rechts der Straße hinweist und mit einer Zugfahrt von London nach Edinburgh, bei der man an vielen interessanten Bauten vorbeikommt und auf der man sein Wissen, das man in dem Buch gelernt hat, gleich anwenden kann.

Sehr empfehlenswert!

Harry Mount: A Lust For Window Sills – a lover’s guide to British buildings from portcullis to pebble-dash. Abacus 2011. 374 Seiten. ISBN 978-0-349-12106-2.

Ein „portcullis„, ein Fallgitter, hier im Leeds Castle in Kent.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Pebble-dash“ = Kieselrauputz. Hier ein entsprechend verputztes Haus am Stadtrand von Leicester (Leicestershire).
Photo © Roger Templeman (cc-by-sa/2.0)

…und zu guter Letzt: Ein „window sill„, ein Fensterbrett. Hier ein Beispiel aus Rosebush in Pembrokeshire.
Photo © ceridwen (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 13. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Wetherspoon Carpets – Teppichböden der besonderen Art

The Ledger Building, ein Pub in den Londoner Docklands.
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

Es gibt „trainspotters„, die auf Bahnsteigen oder überall da, wo Züge vorbeifahren, fein säuberlich Zugnummern, Standorte und Tageszeiten notieren, „planespotters„, die Ähnliches mit Flugzeugen veranstalten, „Eddie Stobart truckspotters„, die auf der Jagd nach Lastzügen der Speditionsfirma sind und deren weibliche Vornamen in ihr Notizbuch schreiben…und es gibt „Spoon’s carpetspotters„, die landauf, landab Pubs der J.D. Wetherspoon’s-Kette aufsuchen, um deren Teppichböden zu fotografieren. Da Wetherspoon’s um und bei 900 Pubs besitzt, haben diese Menschen ganz schön viel zu tun.

Warum sind die Teppichböden der Pubkette so besonders, dass manche Leute lange Fahrstrecken zurücklegen, um sich diese anzuschauen? Das Besondere ist, dass diese Teppichböden jeweils Unikate sind, die von Designern der Firma entworfen werden. Sie sind in der Regel nicht maschinell angefertigt, so dass so ein Teppichboden, je nach Größe des Pubs, bis zu £30,000 kosten kann. Hergestellt werden sie meist von der renommierten Firma Axminster Carpets, die in Axminster in Devon ansässig ist. Die Muster der Teppichböden stehen jeweils in einer Beziehung zu dem Ort, in dem der Pub steht. Vielleicht dienen der Farbreichtum und die vielen verschlungenen Muster auch dazu, dass man auf dem Teppichboden die Flecken von verschüttetem Bier und anderen mehr oder weniger appetitlichen Dingen nicht so sieht.

Kit Caless ist jemand, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, ein Buch darüber geschrieben hat: „Spoon’s Carpets„, 2006 erschienen, und einen Blog führt. Siehe auch diese Webseite zum Thema.

The Montague Pyke an Londons Charing Cross Road.
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

Midsummer Boulevard in Milton Keynes (Buckinghamshire).
Author: Matt From London
Creative Commons 2.0

The Regal in Cambridge.
Author: Matt From London
Creative Commmons 2.0

Published in: on 12. Oktober 2020 at 02:00  Comments (6)  
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The Angel in Hetton (North Yorkshire) – César Winner im The Good Hotel Guide 2021

Nördlich von Skipton und südlich von Grassington in North Yorkshire liegt in dem Dorf HettonThe Angel„, der zu den ersten sogenannten Gastro-Pubs in England gehört. Denis Watkins („The Godfather of the Gastropub)“, 2004 verstorben, übernahm den Gasthof 1983, verbannte den typischen „Pub Grub“ aus seiner Küche und machte den „Angel“ zu einem der besten Gasthäuser Englands, wofür er mehrfach ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2014 wurde The Angel von der Times und der Sunday Times zu den besten Country Pubs Englands gewählt. Die Automobile Association verlieh dem Restaurant drei Rosetten. Im gerade veröffentlichten The Good Hotel Guide 2021 erhielt das Haus einen der zehn Césars, die jedes Jahr für die besten Hotels, Inns und B&Bs Großbritanniens vergeben werden.

Ein Teil des Gebäudes stammt aus dem 15. Jahrhundert, mit Anbauten aus dem 18. Jahrhundert. Die Räume sind voller Atmosphäre und sehr gemütlich eingerichtet. Es stehen auch neun sehr komfortable Suiten und Studios zum Übernachten in einer umgebauten Scheune zur Verfügung.

Meine Erfahrungen mit diesem Yorkshire-Pub sind sehr positiv. Wir genossen dort einen angenehmen Lunch und werden dort sicher wieder einkehren. Ich war dort, als noch Bruce Ellsworth als Küchenchef das Kommando hatte. 2018 übernahm Michael Wignall The Angel, der von sich behaupten kann, dass er in jedem Restaurant in dem er arbeitete, einen Michelinstern bekommen hat. Er war unter anderem tätig in Waldo’s Restaurant im Cliveden Hotel in Berkshire, im The Burlington Restaurant im The Devonshire Arms in den Yorkshire Dales und im Latymer Restaurant in Pennyhill Park (Surrey), wo er sogar zwei Michelinsterne erkochte. Seine letzte Station war das renommierte Gidleigh Park in Devon, das ebenfalls zwei Sterne hat.

In Michael Wignalls Gastro-Pub (mit bisher einem Michelinstern ausgezeichnet) gibt es beispielsweise ein fünfgängiges Tasting Menu für £60. Die Karte ist recht klein, wobei die Preise für die Hauptgänge zwischen £27 und £32 liegen.

The Angel Inn
Hetton, near Skipton
North Yorkshire BD23 6LT

Published in: on 11. Oktober 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Der Black Cat Roundabout an der A1 bei Chawston in Bedfordshire

Die Great North Road, die A1, trifft in der Grafschaft Bedfordshire nahe des Dorfes Chawston auf die A421; die Verteilung des Verkehrs regelt der Black Cat Roundabout. Wer sich von der stark befahrenen A1 ein wenig erholen möchte, kann hier am Kreisverkehr tanken, rasten, in einem Subway oder bei Greggs (früher ein Little Chef-Restaurant) essen und sogar in einem Travelodge-Hotel übernachten. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden diese Service-Einrichtungen aber im nächsten Jahr komplett abgerissen, denn der Black Cat Roundabout soll erheblich vergrößert werden, da der Verkehr kontinuierlich angestiegen ist.

Die schwarze Katze im Inneren des Kreisverkehrs, nach der der Roundabout benannt ist, wird hoffentlich stehen bleiben. In den 1920er Jahren befand sich hier an der Straßenkreuzung eine Autowerkstatt, die sich Black Cat Garage nannte und die als Logo eine schwarze Katze hatte. An der Stelle der Werkstatt steht heute die Shell-Tankstelle.

Die metallene schwarze Katze im Kreisverkehr muss bei einigen Menschen das Bedürfnis ausgelöst haben, sie zu stehlen oder sie zu beschädigen. Drei verschiedene Katzen haben bisher ihr gefährliches Leben auf der Grasfläche führen müssen. Katze Nummer 1, die hier im Jahr 2004 aufgestellt worden war, wurde bei Erweiterungsarbeiten des Kreisverkehrs von der Baufirma entfernt und in deren Büro als Maskottchen aufgestellt. Katze Nummer 2, etwas größer als die erste, fand nach Abschluss der Bauarbeiten ihr Domizil inmitten des Roundabouts, wurde aber im Juni 2007 gestohlen. Zwei Jahre später tauchte sie auf einem anderen Kreisverkehr ein Stückchen weiter nördlich wieder auf, wurde erneut  an ihren Ursprungsort zurückgebracht und verschwand bald wieder. Katze Nummer 3 wurde von Vandalen ein paar Jahre später beschädigt und von ihrer Halterung abgebrochen. Jetzt steht die reparierte Black Cat auf dem Black Cat Roundabout und hofft, in Zukunft in Ruhe gelassen zu werden; das heißt von Ruhe kann man hier eigentlich nicht sprechen, denn der Verkehr braust ununterbrochen an ihr vorbei wie dieser Film zeigt.

 

 

 

Published in: on 10. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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30 East Drive in Pontefract (West Yorkshire) – PLEASE DON’T GO THERE!!

Pontefract ist eine etwas mehr als 30 000 Einwohner zählende Stadt in West Yorkshire. Am East Drive, einer ruhigen Wohnstraße, liegt eines der „most haunted houses“ im ganzen Königreich. In der Hausnummer 30 spielten sich Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre gruselige Szenen ab, die die Familie Pritchard (Vater, Mutter, Tochter, Sohn) an den Rand der Verzweiflung brachte. Unerklärliche Wassereinbrüche, zerbrochenes Geschirr, Klopfgeräusche aus der Wand, plötzliche Temperaturschwankungen im Haus, merkwürdige Gerüche; die Pritchards waren mit ihren Nerven am Ende. Als schließlich die Tochter von einem unsichtbaren Wesen am Hals die Treppe hinaufgezerrt und die Eltern in ihrem Schlafzimmer von einer finsteren Gestalt in einer schwarzen Kutte konfrontiert wurden, reichte es ihnen und sie holten einen Mann mit paranormalen Fähigkeiten ins Haus. Der stellte nach seinen Ermittlungen fest, dass es sich bei dem Störenfried um einen Mönch aus dem 17. Jahrhundert handelte, der wegen der Vergewaltigung und des Mordes an einem Mädchen gehängt worden war. Der Galgen stand damals ganz in der Nähe des Hauses in der East Street…und direkt unter dem Haus der Pritchards befand sich ein Brunnen, in den man die Leiche des Mönchs geworfen hatte.

Die Ereignisse aus 30 East Street wurden 2012 in dem Horrorfilm „When the Lights Went Out“ nachgespielt, dessen Regisseur der Neffe der Pritchards war und dessen Produzent das Geisterhaus kaufte, es so möblierte wie es in den 1970er Jahren ausgesehen hatte, und es als Gästehaus anbot. Der Eigentümer wohnt selbst nicht in dem Haus und, marketingtechnisch völlig absurd, warnt potentielle Gäste davor, hier zu übernachten, und wenn doch, dann täten sie es auf eigenes Risiko. Vielleicht ist die Warnung ja gar keine schlechte Idee, denn wenn Menschen etwas nicht tun sollen, gibt es einige, die dann ganz scharf darauf sind, es trotzdem zu tun. Auf jeden Fall ist “ Britain’s spookiest B&B“ bei Geisterjägern sehr angesagt und es wird gut gebucht. Auf Tripadvisor kann man nachlesen, was die Übernachtungsgäste erlebt bzw. nicht erlebt haben.
Das Team der TV-Serie „Most Haunted“ war auch schon hier und hat so allerhand erlebt. Hier ist die Episode zu sehen.

Wer sich intensiver mit der Geschichte befassen möchte, sei auf das Buch „The Black Monk of Pontefract: The World’s Most Violent and Relentless Poltergeist“ von Richard Estep und Bil Bungay hingewiesen, das im vorigen Jahr erschienen ist. Bil Bungay ist der Besitzer des Hauses in der East Street von Pontefract.

Published in: on 9. Oktober 2020 at 02:00  Comments (3)  
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The Queen’s Lane Coffee House und The Grand Café – Zwei Kaffeehäuser in der High Street von Oxford

Eines meiner Lieblings-Restaurants in Paris ist Le Grand Café Capucines am Boulevard des Capucines, nahe der Oper, ein wunderschönes Jugendstil-Restaurant. Auch in Oxford, an der High Street, findet sich ein Etablissement mit dem Namen The Grand Café, das allerdings optisch mit dem Pariser Pendant nicht mithalten kann. Wie schön, dass sich neben den unzähligen Starbucks- und Costa Coffee-Filialen in Großbritannien noch einige individuelle Kaffeehäuser erhalten haben. Das Oxforder Kaffeehaus an der High Street, das älteste seiner Art in England, wurde schon in den Tagebüchern des Samuel Pepys erwähnt und das im Jahr 1650. Es war aber nicht durchgehend ein Kaffeehaus; ursprünglich war es in The Angel untergebracht, ein Gasthof, der bis 1866 existierte und den dann der „Oxford Marmalade Man“ Frank Cooper bis 1919 übernahm. Anschließend waren an dieser Stelle unter anderem ein Co-Op-Laden, ein Postamt und ein Teddybär-Geschäft untergebracht, bis sich dann 1990 The Grand Café etablierte. Es ist also nicht das älteste Kaffeehaus, sondern es steht an der Stelle, an der das älteste einmal ins Leben gerufen wurde. Es wird hier auch weit mehr als nur Kaffee angeboten. Hier ist ein kurzer Videofilm.

Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite der High Street, Ecke Queen’s Lane, steht das Queen’s Lane Coffee House, das 1654 eröffnet wurde und damit das älteste kontinuierlich geöffnete Kaffeehaus in ganz Europa sein soll. Ein gewisser Cirques Jobson begann damals in seinem Etablissement, das exotische Getränk anzubieten, das bald viele Freunde fand. In dem Café trafen sich die Studenten der umliegenden Colleges, was noch heute der Fall ist, gemixt mit Touristen aus aller Welt. Da das Lokal in türkischer Hand ist, stehen viele türkische Gerichte auf der Speisekarte, auch türkischer Kaffee wird angeboten. Auch hier ist ein Film über das Lokal.

The Grand Café
84 High Street
Oxford
OX1 4BG

Queen’s Lane Coffee House
40 High Street
Oxford
OX1 4AP

Le Grand Café Capucines in Paris.
Author: voces
Creative Commons 2.0

 

 

Published in: on 8. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Peter Ross: A Tomb With a View – The stories & glories of graveyards

Foto meines Exemplares.

Peter Ross ist ein preisgekrönter, schottischer Journalist, der regelmäßig für den Guardian und die Times schreibt. Er hat eine spezielle Vorliebe für Friedhöfe, die Gegenstand seines am 3. September diesen Jahres erschienen Buches „A Tomb With a View : The stories & glories of graveyards“ sind. Der Autor wandert gern auf den Friedhöfen Großbritanniens, liest die Inschriften auf alten, verwitterten Grabsteinen und versucht sich vorzustellen, wer die dort beerdigten Menschen wohl einmal gewesen sind.

Der Londoner Friedhof Highgate nimmt ein ganzes Kapitel ein, denn es gibt da unheimlich viel zu sehen, wobei das Wort „unheimlich“ absichtlich von mir gewählt worden ist, wenn man da an den Highgate Vampire denkt… Das am meisten besuchte Grab dürfte das von Karl Marx sein, der noch heute Fans in aller Welt hat.

Weitere Spaziergänge führen uns zu den Grabstätten dreier Verfasser von Geistergeschichten, nämlich Joseph Sheridan Le Fanu, Montague Rhodes James und Amelia B. Edwards. Peter Ross nimmt uns mit zu einem Besuch der Kirchen St Leonard’s in Hythe (Kent) und Holy Trinity in Rothwell (Northamptonshire), die beide durch ihre Ossuarien bekannt geworden sind. Wir statten dem Grab Peter the Wild Boy in Northchurch (Hertfordshire) einen Besuch ab und beobachten die Arbeit des ältesten britischen Bestattungsunternehmens für Muslims in Whitechapel (London), Haji Taslim Funerals.

Das Buch ist außergewöhnlich interessant und hat meine volle Empfehlung!

Peter Ross: A Tomb With a View: The stories & glories of graveyards. Headline Publishing 2020. 351 Seiten. ISBN 978-1-4722-6779-5.

Das Grab Karl Marx‘ auf dem Highgate Cemetery.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

Das Ossuarium in St Leonard’s in Hythe (Kent).
Photo © Clive Thompson (cc-by-sa/2.0)

Peter The Wild Boy in Northchurch (Hertfordshire).
Author: Gareth Bellamy.
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 7. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der (einstmals singende) Hubert Fountain im Victoria Park in Ashford (Kent)

George Harper (1841-1912) liebte seine Heimatstadt Ashford in Kent. Er wohnte und arbeitete dort in der Castle Street, wo er eine Möbeltischlerei und Polsterei betrieb. Später war er als Immobilienmakler und Auktionator tätig, seine große Liebe aber gehörte den Antiquitäten, die er sammelte. Ein Jahr vor seinem Tod wollte er Ashford etwas Gutes tun und der Stadt einen Brunnen für den Victoria Park schenken. Dieser sogenannte Hubert Fountain stand zum Verkauf, denn das Herrenhaus, wo der Brunnen bisher sein Domizil hatte, Olantigh Towers im nahegelegenen Wye (Kent), war 1903 abgebrannt. George Harper kaufte den Brunnen, übernahm auch die Transportkosten, und so konnte der Hubert Fountain am 24. Juli 1912 im Victoria Park eingeweiht werden. Eine Bedingung stellte Mr Harper damals: An seinem Geburtstag, dem 23. Juli, sollte der Brunnen jedes Jahr angestellt und „gespielt“ werden, denn der Hubert Fountain verfügte über 64 installierte Pfeifen, die durch einen Mechanismus zum Singen gebracht werden konnten, sobald Wasser hindurch floss. Leider funktioniert das heute nicht mehr, da die Pfeifen alle verrottet sind. Der Brunnen wurde mehrere Male restauriert, die Musikanlage aber nicht. Drei Wochen nach der Einweihung starb George Harper auf tragische Weise: Er wurde von einem Zug überrollt.

Gebaut wurde der Hubert Fountain 1862 von der Fonderie d’art du Val d’Osne im Département Haute-Marne in Frankreich, einer renommierte Gießerei, die bis 1986 in Betrieb war. Der Brunnen wurde in den Londoner Royal Horticultural Society’s Gardens anlässlich der Second International Exhibition 1862 aufgestellt und gelangte anschließend in die Gärten des oben genannten Olantigh Towers.

Der rund zwölf Meter hohe und 45 Tonnen schwere Brunnen war früher noch mit lebensgroßen gusseisernen Hirschen verziert, die aber abgebaut worden sind. Er ist Grade II listed, steht also unter Denkmalschutz.

Dieser Film zeigt die Geburtstagsfeierlichkeiten für George Harper am Brunnen aus dem Jahr 2015.

Das Window Museum in Ipswich (Suffolk) – Ein Museum, das niemals schließt

Die Ausstellung „Knots and Ropework“ im Window Museum.
Author: zoer
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Ein Museum, das niemals schließt, das rund um die Uhr geöffnet hat und das an 365 Tagen im Jahr, gibt es so etwas? Ja, das gibt es und zwar in Ipswich, der Hauptstadt der Grafschaft Suffolk. Es ist das Ipswich Maritime Trust Window Museum, so genannt, weil es nur aus einem Schaufenster besteht und vom Ipswich Maritime Trust betrieben wird. Der 1982 gegründete Trust hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die sich in stetigem Niedergang befindende Waterfront der Stadt wieder herzurichten, was ihm auch gelungen ist. Im Zuge dieser Regeneration wurde auch das Window Museum ins Leben gerufen, das sich mit der maritimen Vergangenheit von Ipswich beschäftigt.

Zweimal im Jahr werden die Exponate gewechselt, und ein neues maritimes Thema findet im Schaufenster Platz. Im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung, die auf Grund der Corona-Epidemie von April auf den September verschoben worden ist, steht das Ipswich Wet Dock am River Orwell, 1842 gebaut und damals das größte seiner Art in Großbritannien.

Die erste Ausstellung begann am 13. September 2009 mit dem Thema „Barges and Sailmakers„. Es folgten unter anderem „Leisure on the Orwell„, „Historic Vessels Through the Ages“ und „Knots and Ropework„. Jede Ausstellung wird liebevoll von ehrenamtlichen Helfern zusammengestellt; es gibt Überlegungen des Ipswich Maritime Trusts, die Ausstellungsfläche durch weitere Schaufenster zu vergrößern.

Wer sich das niemals schließende Museum einmal ansehen möchte: Es liegt am Albion Quay, zwischen der Stoke Bridge und dem Old Custom House, neben dem La Tour Cycle Café.

Published in: on 5. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Gasometer – Ein Stück verschwindender Industriearchitektur

Ein Gasometer wird abgebaut. Hier: Liverpool’s Garston Gas holder.
Author: tcees
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Die Bezeichnung Gasometer wurde zum ersten Mal von dessen Erfinder, dem französischen Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier, verwendet. Ihm gelang 1789 die Entwicklung eines Behälters, der zur Speicherung von Gasen geeignet ist„, so steht es in der Wikipedia zu lesen. So lange gibt es diese merkwürdigen Gebilde schon, die aber immer seltener zu sehen sind. In England gab es hunderte von ihnen, die dort auch als gas holder bezeichnet werden. Ein Stück Industriearchitektur verschwindet. Ich empfand Gasometer immer als hässlich, aber es gibt auch Menschen, die diesen Monstern nachtrauern und die sich dafür einsetzen, dass sie stehenbleiben und anderen Zwecken zugefügt werden, was aber nicht so ganz einfach ist. English Heritage hat bereits einige von ihnen unter Denkmalschutz gestellt.

Gasholder No.8 in King’s Cross in London, 1880 von der Imperial Gas Light and Coke Company gebaut, der schon lange nicht mehr benötigt wurde, hat eine Wiederauferstehung erfahren. Nachdem er im Jahr 2011 sorgfältig auseinandergebaut und von einer Spezialfirma in Yorkshire auf Vordermann gebracht worden war, begann er sein zweites Leben zwei Jahre später ganz in der Nähe am Regent’s Canal. Der sogenannte Gasholder Park dient jetzt tagsüber als Freizeitanlage, abends finden hier Veranstaltungen statt.

Architektenbüros haben sich über Verwendungsmöglichkeiten Gedanken gemacht und herausgekommen sind Vorschläge so unterschiedlicher Art wie Umbau in Wohnhäuser, in Sportzentren und in Krematorien. Bauunternehmer würden am liebsten alle Gasometer abreißen, denn auf den dann frei werdenden Grundstücken könnte man wunderbar neue Gebäude hochziehen und viel Geld verdienen.

Die Fotos zeigen einige Beispiel für ein nach und nach verschwindendes Stück Industriearchitektur.

Schön? Hässlich? Drei Gasometer in Birmingham.
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Der Oval Gas Holder am Londoner Oval Cricket Stadium.
Author: sarflondondunc
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Gas Holder No 8 in King’s Cross, London, vor dem Abbau.
Author: stephenegg
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Gas Holder No 8 wiederauferstanden.
Author: tcees
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Published in: on 4. Oktober 2020 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Martin Latham: Kent’s Strangest Tales

Foto meines Exemplares

Die meisten Englandbesucher reisen per Fähre oder per Eurotunnel über die Grafschaft Kent auf die Insel ein und bekommen gleich einen positiven Eindruck über das Land, seien es die Kreidefelsen bei Dover auf dem Seeweg oder das hübsche weiße Pferd  an der Tunnelausfahrt bei Folkestone. Der Garten Englands, wie Kent auch genannt wird, ist einer der schönsten Teile des Landes.

Martin Latham beschäftigt sich mit der Grafschaft in seinem Buch „Kent’s Strangest Tales: Extraordinary but true stories from a very curious county„, indem er einen „fascinating treasure trove of stories“ öffnet. Martin Latham ist Manager der Waterstones Buchhandlung in Canterbury, hat sich einen Doktortitel in Geschichte an der London University erworben, und sein Buch „The Bookseller’s Tale“ ist gerade Anfang September diesen Jahres erschienen.

Der Autor kennt sich also gut in Kent aus, wo er schon seit Jahrzehnten wohnt. Es macht Spaß dieses hoch interessante Buch zu lesen, das ich hiermit jedem empfehlen kann der sich für diesen wunderschönen Landstrich Englands interessiert.

Latham geht in seiner Geschichtensammlung chronologisch vor. Er beginnt 600 000 Jahre vor Christus als England noch mit dem Kontinent verbunden war und endet im Jahr 2015 mit einer Geschichte über Peter Benjamin aus Tonbridge, der letzte verbliebene Tunbridge Ware Maker, das ist eine besondere Kunst der Holzverarbeitung mit Einlegearbeiten (Tonbridge und Royal Tunbridge Wells sind benachbarte Städte in Kent).

Das Buch gehört in die „Strangest„-Serie, in der es unter anderen die Bände „Golf’s Strangest Rounds“, „Law’s Strangest Cases“ und „Medicine’s Strangest Cases“ gibt.

Martin Latham: Kent’s Strangest Tales: Extraordinary but true stories from a very curious county. Portico 2019. 256 Seiten. ISBN 978-1-910232-97-2.

Published in: on 3. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
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The Society of Nobody’s Friends – Ein einflussreicher, privater Londoner Dining Club

Wie traurig, eine Gesellschaft, in der sich Menschen zusammengefunden haben, die keine Freunde ihr eigen nennen können? Nein, stimmt nicht! Bei der Society of Nobody’s Friends handelt es sich um einen Dining Club, der sich mehrere Male pro Jahr zu einem Abendessen zusammenfindet, doch über welche Themen vor, während und nach dem Dinner gesprochen wird, das bleibt hinter verschlossenen Türen, denn die Gesellschaft aus einflussreichen und gut vernetzten Männern (ob auch Frauen dazugehören, weiß man nicht so genau) lässt sich nicht in die Karten schauen.

Um das Rätsel mit „Nobody’s Friends“ zu lösen, muss man bis in das Jahr 1800 zurückblicken, als sich die Gesellschaft am 21. Juni erstmals in der  Crown and Anchor Tavern am Londoner Strand traf (Strand=Straße). Gegründet wurde die Society zu Ehren eines gewissen William Stevens (1732-1807). Stevens war eigentlich Strumpfwarenhändler, aber sein eigentliches Interesse galt theologischen Fragen, und so veröffentlichte er mehrere Schriften religiösen Inhalts, einige unter dem Pseudonym „Nobody„. Die ursprünglich dreizehn Männer, die sich in der Gesellschaft zusammenfanden, identifizierten sich mit Stevens‘ Thesen. Mitglieder waren hauptsächlich ranghohe Kirchenmänner, aber auch wichtige Personen aus dem säkularen Bereich wie Richter und Parlamentsabgeordnete wurden aufgenommen.

Der aus fünfzig Mitgliedern bestehende Dining Club setzt sich heute je zur Hälfte aus kirchlichen und weltlichen Männern zusammen. Treffpunkt für ihre gemeinschaftlichen Abendessen ist der Lambeth Palace, der offiziellen Londoner Residenz des Erzbischofs von Canterbury am südlichen Themseufer im Stadtteil Lambeth.

Published in: on 2. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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