The Society of Nobody’s Friends – Ein einflussreicher, privater Londoner Dining Club

Wie traurig, eine Gesellschaft, in der sich Menschen zusammengefunden haben, die keine Freunde ihr eigen nennen können? Nein, stimmt nicht! Bei der Society of Nobody’s Friends handelt es sich um einen Dining Club, der sich mehrere Male pro Jahr zu einem Abendessen zusammenfindet, doch über welche Themen vor, während und nach dem Dinner gesprochen wird, das bleibt hinter verschlossenen Türen, denn die Gesellschaft aus einflussreichen und gut vernetzten Männern (ob auch Frauen dazugehören, weiß man nicht so genau) lässt sich nicht in die Karten schauen.

Um das Rätsel mit „Nobody’s Friends“ zu lösen, muss man bis in das Jahr 1800 zurückblicken, als sich die Gesellschaft am 21. Juni erstmals in der  Crown and Anchor Tavern am Londoner Strand traf (Strand=Straße). Gegründet wurde die Society zu Ehren eines gewissen William Stevens (1732-1807). Stevens war eigentlich Strumpfwarenhändler, aber sein eigentliches Interesse galt theologischen Fragen, und so veröffentlichte er mehrere Schriften religiösen Inhalts, einige unter dem Pseudonym „Nobody„. Die ursprünglich dreizehn Männer, die sich in der Gesellschaft zusammenfanden, identifizierten sich mit Stevens‘ Thesen. Mitglieder waren hauptsächlich ranghohe Kirchenmänner, aber auch wichtige Personen aus dem säkularen Bereich wie Richter und Parlamentsabgeordnete wurden aufgenommen.

Der aus fünfzig Mitgliedern bestehende Dining Club setzt sich heute je zur Hälfte aus kirchlichen und weltlichen Männern zusammen. Treffpunkt für ihre gemeinschaftlichen Abendessen ist der Lambeth Palace, der offiziellen Londoner Residenz des Erzbischofs von Canterbury am südlichen Themseufer im Stadtteil Lambeth.

Published in: on 2. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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