Thomas More (1478-1535), sein Kopf und die St Dunstan’s Church in Canterbury (Kent)

Die Grabplatte in St Dunstan’s in Canterbury.
Author: bobba_dwj
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Es kann sehr problematisch sein, wenn man sich im Dunstkreis von egozentrischen Machthabern aufhält. Sagt man zu allem Ja und Amen, mag man ein angenehmes Leben haben, aber wehe man äußert eine gegensätzliche Meinung, dann kann es einem den Kragen kosten. Das gilt heute noch, wenn man an Donald Trump denkt, der einen Großteil seines Stabes mit einem aus „The Apprentice“ gewohnten „You’re fired“ verabschiedet hat.
Heinrich VIII. weist da einige Parallelen mit dem Noch-US-Präsidenten auf, und ich denke da speziell an den Fall des Lordkanzlers Thomas More (1478-1535), der solange am Hofe wohlgelitten war, als er dem Herrscher nicht widersprach. Der Scheidung des Königs von Catherine of Aragon jedoch konnte er nicht zustimmen, und als sich Heinrich VIII. auch noch zum  Oberhaupt der Church of England ausrief, war das Band zwischen den beiden endgültig zerrissen. „You’re fired“ mag der König damals auch zu Thomas More gesagt haben, aber, im Gegensatz zu Donald Trump, ließ er es dabei nicht bewenden, sondern ließ ihn am 6. Juli 1535 auf dem Tower Hill enthaupten.

Thomas Mores Kopf wurde einige Wochen lang auf einer Stange auf der London Bridge zur Schau gestellt, und als sich alle Passanten an dem schaurigen Anblick satt gesehen hatten, bereitete Mores Tochter Margaret Roper dem Spektakel ein Ende, indem sie, mit Hilfe eines Bestechungsgeldes, den Kopf ihres Vaters an sich nahm. Sie konservierte den Kopf mit einer speziellen Gewürzmischung und bewahrte ihn in ihrem Haus in der St Dunstan’s Street in Canterbury (Kent) auf, gegenüber der St Dunstan’s Church. Nach Margaret Ropers Tod wurde Thomas Mores Kopf, gemeinsam mit seiner Tochter in der Familiengruft der Ropers in der St Dunstan’s Church beigesetzt. Eine in den Boden eingelassene Grabplatte weist darauf hin. Es gibt auch Historiker, die anderer Meinung sind, und den Kopf in der Chelsea Old Church in London vermuten.

Die kopflose Leiche des Lordkanzlers soll auf dem Tower Hill in der Kapelle St. Peter ad Vincula beigesetzt worden sein, wo genau ist aber nicht bekannt.

Dieser Trickfilm zeigt einen kurzen Abriss von Thomas Mores Leben:

St Dunstan’s in Canterbury.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Ein Thomas More gewidmetes Kirchenfenster in St Dunstan’s. Margaret Roper ist rechts zu sehen.
Author: chrisjohnbeckett
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Chelsea Old Church in London. Oder liegt hier Thomas Mores Kopf begraben?
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

St Peter ad Vincula auf dem Tower Hill.
Author: Richard Nevell
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Published in: on 30. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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St Winwaloe auf der Lizard Peninsula in Cornwall – The Church of the Storms

Auf der Lizard Peninsula im Süden Cornwalls, nicht nach der Eidechse benannt, sondern aus dem kornischen „Lys Ardh“ entstanden, was „High court“ bedeutet, liegt eine Kirche, die nach dem wenig bekannten Heiligen Winwaloe benannt worden ist, der im 5. und 6. Jahrhundert in der Bretagne lebte. Es gibt nur eine Handvoll Kirchen, die seinen Namen tragen, die alle in Cornwall und Devon liegen.

St Winwaloe am Gunwalloe Church Cove Beach hat eine großartige Lage, nur wenige Meter vom Strand entfernt, umgeben von Dünen und einer Felsküste. Aufmerksame Zuschauer der TV-Serie „Poldark“ werden die Kirche vielleicht wiedererkennen, denn sie war schon einmal Schauplatz von Dreharbeiten. Auf Grund der exponierten Lage wird die Kirche auch The Church of Storms genannt.

Wann genau sie gebaut worden ist, kann nicht eindeutig gesagt werden. Teile von ihr weisen bis ins 13. Jahrhundert zurück, die drei „church halls“ sollen aus dem 15. Jahrhundert stammen. Und da sind wir schon bei einer Besonderheit von St Winwaloe’s, denn dass eine Kirche aus drei parallel angeordneten, durch drei Dächer verbundenen, circa 18 Meter langen Segmenten besteht, ist selten anzutreffen. Der Lettner soll angeblich aus Holz gemacht worden sein, das von dem Wrack eines portugiesischen Schiffes namens „St Anthony of Lisbon“ stammt, das am 19. Januar 1527 vor der Küste auf Grund lief.

Der Glockenturm von St Winwaloe’s steht neben der Kirche und wurde aus mehreren Steinarten gebaut. In ihm hängen drei Glocken, die 1926 neu gegossen worden sind. Hier sind sehr stimmungsvolle Bilder von der Kirche zu sehen.

Published in: on 29. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Hexen vom Belvoir Castle – Eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert

Belvoir Castle.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Der Film „Der kleine Lord“ (im Original „Little Lord Fauntleroy“) wird jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit von der ARD ausgestrahlt. Für viele Menschen (mich eingeschlossen) gehört die rührende Geschichte einfach dazu. Gedreht wurde der Film 1980 in dem wunderschönen Belvoir Castle in der Grafschaft Leicestershire, Stammsitz der Dukes of Rutland und das schon seit vielen Jahrhunderten. David Manners ist heute der elfte Duke of Rutland, und die Geschichte, die ich heute erzählen möchte, spielte sich zur Zeit seines Vorfahren Francis Manners ab, seinerzeit der sechste Earl of Rutland (1578-1632).

Der Earl brauchte zusätzliches Personal in seinem Schloss, da sich hoher Besuch angesagt hatte; König James I. wollte Belvoir Castle einen Besuch abstatten. Also wurden Joan, Margaret and Philippa Flowers aus dem benachbarten Bottesford  eingestellt, eine Mutter (Joan) und ihre beiden Töchter, offensichtlich keine gute Wahl, denn die drei Frauen waren beim Stammpersonal unbeliebt und man unterstellte ihnen Diebstähle und andere Unregelmäßigkeiten. Daher wurden die drei bald wieder entlassen, was ihnen gar nicht gefiel, und jetzt begannen schwere Zeiten für das Belvoir Castle und seine Bewohner. Wurden sie von den drei Frauen verhext?

Zuerst traf es den Earl und seine Frau, die plötzlich und unerklärlicherweise erkrankten. Dann kam es noch schlimmer, denn ihr kleiner Sohn Henry starb, sieben Jahre später sein Bruder Francis, damit waren keine männlichen Erben auf den Titel mehr vorhanden (ihre Schwester Katherine durfte als Frau den Titel nicht übernehmen). Der Fluch der Witches of Belvoir, wie Joan, Margaret and Philippa Flowers genannt wurden, schien zu wirken.

Zu der damaligen Zeit ging es sehr schnell, dass Frauen in den Ruf kamen, Hexen zu sein, und so wurden die drei auch bald der Hexerei angeklagt. Ihr merkwürdiges Verhalten trug dazu bei, denn sie beschuldigten sich gegenseitig. Die Mutter Joan beschwor ihre Unschuld und wollte sie beweisen. Man sollte ihr ein Stück Brot bringen, und wenn sie einen Hexe wäre, würde sie daran ersticken. Sie erstickte daran…

Margaret und Philippa wurden in Lincoln vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und im März 1619 aufgehängt.

Die Rutlands hatten damals ihre Familiengruft in der Kirche St Mary’s in Bottesford (Leicestershire) und da finden wir auch das Grabmal von Francis Manners, dem sechsten Earl, sowie Skulpturen seiner beiden so früh verstorbenen Söhne Henry und Francis.

Hier ist ein Film über das Thema.

Das Buch zum Artikel: 
Tracy Borman: Witches – A Tale of Sorcery, Scandal and Seduction. Jonathan Cape 2013. 320 Seiten. ISBN  978-0224090568.

Das Grabmal des sechsten Earl of Rutland.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Die beiden (verhexten) Söhne Henry (vorn) und Francis in St Mary’s in Bottesford.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“ und einige seiner Drehorte

The Lanesborough Hotel in London.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Ich bin ein Fan der Filme von Stanley Kubrick (1928-1999); meine Lieblingsfilme sind „The Shining“ und „Eyes Wide Shut„. Über den ersten habe ich in meinem Blog schon geschrieben, über einige Drehorte des zweiten möchte ich heute berichten. 1999 kam „Eyes Wide Shut“ (hier einige Szenen) , der deutsche Titel lautet genauso, in die Kinos mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen. Das Drehbuch basiert auf Arthur Schnitzlers Roman „Die Traumnovelle“ (1926 in Buchform erschienen). Schauplatz des Romans ist Wien, die Protagonisten sind der Arzt Fridolin und seine Frau Albertine. Im Film ist der Schauplatz New York und im Mittelpunkt stehen der Arzt Dr William Harford (Tom Cruise)  und seine Frau Alice (Nicole Kidman). Da der Regisseur Stanley Kubrick nicht so gern mit dem Flugzeug unterwegs war, wurde der größte Teil  der Filmaufnahmen in England gedreht, so konnte er in seinem Haus Childwickbury Manor bei St Albans in Hertfordshire wohnen bleiben.

Die New Yorker Straßenszenen wurden überwiegend in London gedreht, auch das Treffen von Dr Harford und seinem Freund Victor Ziegler, gespielt von Sydney Pollack, am Ende des Films, drehte man in London, in der Royal Suite des Lanesborough Hotels, einem der vielen 5*-Hotels der Stadt. Doch interessanter finde ich die Schauplätze auf dem Land, die Stanley Kubrick ausgesucht hat.

Für die Party in Victor Zieglers Haus, gleich am Anfang des Films, diente das Luton Hoo Hotel bei Luton in Bedfordshire, ein beeindruckendes Gebäude, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

Genauso großartig finde ich das nächste Landhaus, das für die Eingangsszenen der Orgienparty verwendet wurde: Mentmore Towers in Buckinghamshire (siehe auch hierzu meinen Blogeintrag), das Mitte des 19. Jahrhunderts für die Familie Rothschild errichtet wurde. Dr Harford wird mit dem Taxi hier abgesetzt und nach Bekanntgabe des Passwortes für den Abend („Fidelio“) vom Tor zum Eingang des Hauses gefahren. Mentmore Towers ist in Privatbesitz und es gibt Pläne, daraus ein Luxushotel zu machen, aber soviel ich weiß, passiert da nichts.
Es gibt hier zwar auch eine Grand Hall, Kubrick zog aber die von Elveden Hall bei Thetford in Suffolk vor. Hier drehte er die Szenen der satanischen Zeremonie mit dem Hohepriester (?), den vielen geladenen Gästen, die sich hinter venezianischen Masken verstecken, und den fast nackten jungen Frauen. Diese Szenen werden mit einer unheimlichen Musik untermalt, die von der englischen Komponistin Jocelyn Pook geschrieben wurde und „Masked Ball“ heißt (hier in voller Länge zu hören). Elveden Hall gehört heute Arthur Edward Rory Guinness, 4th Earl of Iveagh.

Die Orgie, bei der es jetzt wirklich zur Sache geht, setzt sich in anderen Räumen fort, wozu das Highclere Castle in Hampshire ausgewählt wurde, weltweit als „Downton Abbey“ bekannt (siehe hierzu meinen Blogeintrag). Dr Harford geht durch die wunderschönen Räumlichkeiten, in denen sich viele Paare der Lust hingeben. Stanley Kubrick hat mit „Eyes Wide Shut“ einen wirklich sehr erotischen Film geschaffen!

Wer nach dem Betrachten des Films Lust bekommen hat, so eine Party selbst mitzuerleben, der kann das tun, denn die Firma Castle Events organisiert „Eyes Wide Shut“-Maskenbälle in ganz Europa, hier ist ein kleiner Vorgeschmack.

Luton Hoo Hotel in Bedfordshire.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

Mentmore Towers in Buckinghamshire.
Author: Peter O’Connor
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Highclere Castle in Hampshire.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Red Lion Hotel in Wendover (Buckinghamshire) und Dolly Saville (†) „the oldest barmaid in the world“

Die A413 führt direkt an der hübschen, kleinen Stadt Wendover in der Grafschaft Buckinghamshire vorbei. An der High Street steht unübersehbar ein besonders schönes Fachwerkgebäude, das das Red Lion Hotel beherbergt, ein historisches Haus aus dem 16. Jahrhundert, das viele Jahre lang als Kutschenstation diente. Oliver Cromwell soll hier einmal übernachtet und eine Ansprache an seine Truppen von einem der Fenster aus gehalten haben.

Das Red Lion Hotel geriet am 19. April 2014 in die nationalen Schlagzeilen, als Dolly Saville ihren 100. Geburtstag feierte und damit „the oldest barmaid in the world“ war. Dolly, die leider im Jahr darauf im Februar verstarb, war 76 Jahre lang im Hotel beschäftigt und muss in dieser Zeit wohl zehntausende von Pints gezapft haben. Am 19. April 1914 wurde sie geboren, und sie wirkte mit hundert Jahren immer noch geistig und körperlich agil wie der obige Film zeigt. Sie bewirtete schon einmal die Fußballlegende Sir Stanley Matthews, die Tänzerin Dame Margot Fonteyne, den ehemaligen Premierminister Sir Edward Heath und den Rennfahrer Sir Jackie Stewart, der drei Kilometer entfernt in Ellesborough wohnt, und der zu Dollys Geburtstagsfeier erschien und eine kurze Rede hielt. Es schien an dem Ehrentag Dollys die ganze Stadt Wendover auf den Beinen zu sein, eine Abordnung der benachbarten Royal Air Force-Station Halton kam vorbei und zollte ihr Tribut. Sie erhielt ein Schreiben vom Premierminister David Cameron, und die Queen gratulierte ihr ebenfalls zum 100.

Der Film oben zeigt ein Stück sympathisches „small town England“-Leben, und ich kann nur empfehlen, ihn sich in ganzer Länge anzusehen.

Hier ist noch ein Interview mit Dolly Saville zu sehen.

Ich bin vor einigen Jahre durch Wendover gefahren, bin auch am Red Lion Hotel vorbeigekommen, habe dort aber leider nicht Station gemacht, was ich jetzt im nachhinein bedauere.

Published in: on 26. November 2020 at 02:00  Comments (2)  

Fancy Free Walks – Eine großartige Webseite mit Hunderten von Wandervorschlägen

Bledlow Ridge in Buckinghamshire.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Den Tipp zu der Webseite „Fancy Free Walks“ erhielt ich von Roz Morris, deren Buch „Not Quite Lost: Travels Without a Sense of Direction; a Diary“ ich in meinem Blog am 15. Januar 2019 vorgestellt habe.

Knapp 500 Spaziergänge und Wanderungen im Südosten und Süden Englands werden hier aufgelistet, “ to exercise the mind and body in the pleasantest way„, wie schön formuliert. Seit Anfang 2010 gibt es diese Webseite schon, die seitdem permanent ausgebaut, verfeinert und korrigiert wird. Fancy Free Walks ist eine Organisation, die nicht profitorientiert ist, sondern die die Schönheiten der englischen Landschaften vermitteln möchte. Jeder kann sich die vorgeschlagenen Routen herunterladen oder ausdrucken, selbstverständlich kostenlos wie der Name der Webseite ja schon sagt. Es wird Wert darauf gelegt, dass die angegebenen Wege alle „legal“ sind, das heißt sie führen nicht über privates Gelände.
Zu jeder der Wanderungen werden folgende Informationen genannt: Länge der Strecke, Schwierigkeitsgrad, Einkehrmöglichkeiten, Anfahrten per Auto und per Zug, Parkplätze. Eine detaillierte Karte zeigt den Wanderern den Weg, der dazu auch noch minutiös beschrieben wird. Hilfreich dürften die Hinweise auf WCs sein, vor allem wenn man gerade im Pub ein Pint getrunken hat. Es fehlen auch nicht die Hinweise auf Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, jederzeit ein Feedback zu geben, wenn man auf den Strecken Veränderungen oder Probleme festgestellt hat, so dass die Routenbeschreibungen immer auf dem aktuellsten Stand sind.

Als Beispiel nenne ich hier einmal den 2½ km langen Royal Standard of England Pub Walk in Forty Green in Buckinghamshire, eine Gegend, die ich ganz gut kenne und die ich sehr empfehlen kann, vor allem den Pub selbst (siehe dazu meinen Blogeintrag)

Eine sehr gut gemachte Webseite!! (Thank you, Roz!)

Eigenes Foto.

Published in: on 25. November 2020 at 02:00  Comments (2)  

Vergessene Krimiautoren – John Oxenham (1852-1941) und seine Kurzgeschichte „A Mystery of the Underground“

Die U-Bahnstation Charing Cross, wo Oxenhams Roman beginnt.
Author: Qsimple
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John Oxenham hieß gar nicht John Oxenham, sondern William Arthur Dunkerley (1852-1941). Unter dem Pseudonym (nach einer Figur in Charles Kingsleys Roman „Westward Ho!“) veröffentlichte er zahlreiche Bücher, darunter einige Lyrikbände; auf sein Erstlingswerk „A Mystery of the Underground“ möchte ich heute etwas näher eingehen, das er 1897 in dem Wochenmagazin „To-Day“ in Serienform veröffentlichte. Dunkerley/Oxenham lebte von 1852 bis 1941; sein Name findet sich seltsamerweise in keiner der umfangreichen Krimi-Enzyklopädien, die ich in meinem Besitz habe, dabei hatte sein Kurzkrimi Ende des 19. Jahrhunderts, wenn auch nur für einige Wochen, Auswirkungen auf das Londoner Leben.

„A Mystery of the Underground“ spielt wie der Titel schon vermuten lässt, in der Londoner U-Bahn, genauer gesagt auf der Linie District Line. Die Geschichte beginnt an einem Dienstagabend im Bahnhof Charing Cross, als dort in einem der Waggons ein Toter gefunden wird, der offensichtlich erschossen wurde. Man bringt ihn per U-Bahn nach Westminster, wo Scotland Yard übernimmt. Detective-Sergeant Doane und der Reporter Charles Lester machen sich an die Aufklärung des Falles, der weitere nach sich zieht. Immer Dienstagabends wird auf der U-Bahnlinie ein unschuldiger Pendler ermordet. In den Krimi eingebunden sind Zeitungsartikel, die so authentisch wirken, dass tatsächlich die District Line an Dienstagabenden deutlich leerer ist als sonst. Viele Londoner haben Angst, dass sie selbst Opfer des mysteriösen Serienkillers werden könnten. Die U-Bahnbetreiber wandten sich an der Herausgeber des „To-Day“-Magazins (der übrigens Jerome K. Jerome war, Autor des Buches „Three Men in a Boat“) und beschwerten sich, dass die Geschichte über den Serienkiller geschäftsschädigend wäre. Wie die Geschichte letztendlich ausgeht, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Am 26.11.1997 sendete die BBC das Hörspiel „Death on the District Line„, das auf Oxenhams Krimi basierte, als dritter Teil der Miniserie „Mysteries of the London Underground“ (die beiden anderen Hörspiele beruhten auf Romanen von Baroness Orczy und Michael Gilbert).

Soweit ich ermitteln konnte, ist das Buch nie ins Deutsche übersetzt worden. Der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek weist lediglich eine Übersetzung der Werke John Oxenhams nach und das ist „Der endlose Weg“ im Jahr 1917 (wahrscheinlich „The Long Road“ im Original).

Im Alter von siebzig Jahren verließ William Arthur Dunkerley London und zog an die Südküste nach Worthing in West Sussex, wo er den Posten des Bürgermeisters übernahm und wo er auch 1941 starb.

 

 

Published in: on 24. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Dartford in Kent und Straßen, die nach Rolling Stones-Songs benannt wurden

Hätte es den Bahnhof von Dartford in Kent nicht gegeben, wäre die berühmteste Rockband der Welt vielleicht nie entstanden. 1961 trafen sich Mick Jagger und Keith Richards hier auf einem Bahnsteig und fuhren regelmäßig gemeinsam nach London. Die Geburtsstunde der Rolling Stones hatte geschlagen. Die Stadt Dartford ehrte Mick Jagger, indem sie ein Veranstaltungszentrum nach ihm benannte (siehe dazu meinen Blogeintrag). Der Dartford Borough Council ließ auf dem Bahnhof eine Plakette anbringen, auf der es heißt, das sich Mick Jagger und Keith Richards am 17. Oktober 1961 auf Bahnsteig 2 trafen und eine der berühmtesten Bands der Welt gründeten.

Als man vor etwa mehr als zehn Jahren ein neues Wohngebiet im Norden Dartfords ins Leben rief, überlegte sich der Council, welche Straßennamen dafür verwenden werden sollten. Die neue Siedlung hieß The Bridge, nach der Queen Elizabeth II Bridge, die ganz in der Nähe die Themse überquert. Da besann man sich erneut an die beiden großen Söhne der Stadt und benannte einige Straßen nach den Songs der Rolling Stones.

Da gibt es zum Beispiel den Ruby Tuesday Drive. Der Song „Ruby Tuesday“ wurde Ende 1966 aufgenommen und 1967 veröffentlicht; im Mittelpunkt des Textes steht die damalige Freundin Keith Richards, Linda Keith. Die Straße geht von der Binnie Road ab und endet auch wieder auf ihr.
Auch die Straße Stones Avenue geht von der Binnie Road ab. Die Stones Avenue wiederum wird geschnitten von der Straße Sympathy Vale, benannt nach dem Song „Sympathy for the Devil“ aus dem Jahr 1968, veröffentlicht auf dem Album „Beggar’s Banquet“.

Von Sympathy Vale geht eine Sackgasse ab, die den Namen Angie Mews trägt; „Angie“ entstand 1973, „Goats Head Soup“ hieß das dazu gehörige Album.

Von der Stones Avenue geht der Lady Jane Place ab, der an den Song „Lady Jane“ erinnert, der 1966 auf dem Stones-Album „Aftermath“ veröffentlicht wurde, ebenso der Rambler Lane, nach dem Song „Midnight Rambler“ aus dem Jahr 1969 benannt (LP „Let it Bleed“), und die Tumbling Dice Mews. „Tumbling Dice“ erschien 1972 auf dem Album „Exile on Main Street“.

Es gibt noch einige weitere Straßen im Bridge Estate, die nach Songs der Rolling Stones benannt sind, aber ich glaube, das ist erst einmal genug.

Siehe zum Thema noch meinen Blogeintrag über das Rolling Stones Museum in Lüchow.

Published in: on 23. November 2020 at 02:00  Comments (8)  
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Die Squeeze-ee-Belly Alley in Port Isaac (Cornwall) – Eine der engsten Straßen der Welt

Wodurch kennt man Port Isaac an der Nordküste von Cornwall vor allem? Ja, als Drehort der populären TV-Serie „Doc Martin“ und als Heimat des Shantychors Fisherman’s Friends, der durch den gleichnamigen Film im vorigen Jahr auch international bekannt wurde. Es gibt noch eine weitere Besonderheit in Port Isaac, die vielleicht nicht ganz so bekannt ist. Von der Dolphin Street geht zwischen den beiden Häusern Honey Cottage und Temple Cottage eine extrem schmale Straße in Richtung Fore Street ab, Temple Bar genannt. Ein Mindestabstand einzuhalten, ist hier in Coronazeiten absolut unmöglich. An der schmalsten Stelle ist das Sträßchen gerade einmal 45 cm breit, daher hat man es auch Squeeze-ee-Belly Alley bezeichnet (als einmal eine umfangreiche Dame diesen Weg nehmen wollte, riet man ihr, den Bauch einzuziehen, damit sie nicht stecken bliebe). Das Guinness Book of Records verzeichnete Temple Bar in der Ausgabe von 1978 sogar als schmalste, öffentliche Durchgangsstraße der Welt. Aber, sorry Port Isaac, Deutschland kann es noch schmaler, denn die  Spreuerhofstraße in Reutlingen ist an der engsten Stelle nur 31 cm breit.

Der Name Temple Bar kommt von dem ehemaligen Besitzer des Temple Cottage, der … Temple hieß, und manchmal machte der Herr einen Balken (=bar) vor den Zugang, damit dort niemand hindurchlief, was wahrscheinlich bei den Anwohnern nicht so gut ankam.

Ein Besuch in Port Isaac lohnt sich allemal; etwas umfangreich geratene Zeitgenossen müssen ja nicht unbedingt die Squeeze-ee-Belly Alley nehmen (hier ist ein kurzer Film).

Der Konkurrent in Reutlingen: Die Spreuerhofstraße.
Author: Bloutiouf
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Published in: on 22. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Paul Sullivan: The Secret History of Oxford

 

Foto meines Exemplares.

Frogley, Cockhead & Crutch: A Celebration of Humorous Names From Oxfordshire’s History“ heißt das Buch Paul Sullivans, das ich im August letzten Jahres in meiner „Buchtipp“-Serie vorstellte. Sullivan ist Spezialist für alles, was mit der Stadt Oxford und der Grafschaft Oxfordshire zusammenhängt. Schon 2013 (2019 reprinted) erschien sein „The Secret History of Oxford“ im Verlag The History Press, eine „off the beaten track tour of the city’s landmarks and streets„.

Gemeinsam mit Paul Sullivan blicken wir hinter die Kulissen der Universitätsstadt und werden mit Interessantem, Kuriosem und Amüsantem konfrontiert. In jeweils einzelnen Kapiteln behandelt der Autor unter anderem die Colleges, die Gebäude, die Denkmäler und die Museen. Wir begegnen Persönlichkeiten wie John Radcliffe (1650-1714; nach ihm sind die Radcliffe Camera und das Radcliffe Hospital benannt worden), Walter Savage Landor (1775-1864), einem Studenten, der vom Trinity College verwiesen wurde, weil er auf einen der Fellows geschossen hatte und William Buckland (1784-1856), der behauptete, so gut wie jedes Lebewesen einmal gegessen zu haben, wobei der Maulwurf und die Schmeißfliege in seinen Top 100 ganz unten gestanden haben (siehe dazu meinen Blogeintrag vom 8. Februar 2015).

Das Buch eignet sich nicht so gut dafür, es in einem Rutsch zu lesen, da man von den unzähligen Fakten und Geschichten beinahe erschlagen wird; es ist mehr dazu da, in ihm genüsslich blättern und zu schmökern.

Paul Sullivan: The Secret History of Oxford. The History Press 2019. 256 Seiten. ISBN 978-0-7524-9956-7.

Oxford aus der Luft gesehen, mit der Radcliffe Camera in der Mitte des Bildes.
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Pubnamen – The Saracens Head

In Highworth (Wiltshire).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Immer mal wieder findet man auf Reisen durch England Pubs, die den Namen „The Saracens Head“ (manchmal auch mit Apostroph geschrieben) tragen mit dem dazu passenden Pubschild, das den Kopf eines fremdländischen Mannes zeigt. Sarazenen war die Bezeichnung für Araber im Mittelalter, speziell zu den Zeiten der Kreuzzüge. Wie kam/kommt es nun dazu, dass Pubs nach ihnen benannt wurden/werden?

Da gibt es eine Theorie, die in „The Wordsworth Dictionary of Pub Names“ (Wordsworth Classics 2006) zu finden ist. Adelsfamilien, deren Mitglieder an den Kreuzzügen teilgenommen hatten, integrierten den Kopf eines Sarazenen in ihr Wappen und von da aus gelangte der Name und der Kopf auf die Wirtshausschilder.
Eine andere Variante bietet Tom Quinn in seinem Buch „London’s Truly Strangest Tales“ (Portico 2017; das Buch werde ich in der nächsten Zeit in meinem Blog vorstellen) an. Demnach sollen Soldaten, die von misslungenen Kreuzzügen wieder in ihr Heimatland zurückkehrten und keine neue Arbeit fanden, sich als Gastwirte niedergelassen haben. Und da es ihnen irgendwie peinlich war, dass sie gegen die Sarazenen nichts ausrichten konnten, ließen sie ihre Pubschilder mit furchteinflößenden Köpfen von Vertretern dieses Volkes verzieren, nach dem Motto, wer kann gegen diese Monster schon gewinnen? Ob das die Daheimgebliebenen wohl glaubten? Hätte es damals schon das Internet gegeben, eher nicht; so aber konnten die Ex-Crusader im nachhinein ihre Niederlage der heimischen Bevölkerung verständlich machen.

Variante 3: Manche Kreuzzügler brachten als „Souvenir“ den abgeschlagenen Kopf eines Sarazeners mit nach Hause, den sie ausstellten und jedermann zeigten, der sich daran ergötzen wollte. Um dabei noch etwas Geld zu verdienen, boten die geschäftstüchtigen Rückkehrer Erfrischungen an, und das Haus wurde dann folglich „Saracen’s Head“ genannt.

Einen Pub namens Saracens Head, den in Wolterton in Norfolk, habe ich in meinem Blog schon vorgestellt; dessen Pubschild ist allerdings eher untypisch. Hier sind weitere Beispiele:

In Hogsthorpe (Lincolnshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

In Halsall (Lancashire)
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

In Bath (Somerset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

In Saracen’s Head in Lincolnshire (ja, diesen Ortsnamen gibt es tatsächlich).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. November 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Die M20 und die möglichen Probleme nach dem endgültigen Brexit

Die Autobahn M20 ist nur etwas über 80 Kilometer lang, ist aber die wichtige Verbindung von Londons Ringautobahn M25 in Richtung Kanalfähren und Eurotunnel. Ich habe vor einigen Jahren einmal einen gewaltigen Stau von PKWs und LKWs miterlebt, da der Tunnel wegen eines technischen Defekts für einige Stunden gesperrt war. Ein Vorgeschmack für das, was uns da möglicherweise ab dem 1. Januar 2021 bevor steht, wenn es zu einem harten Brexit kommt? Hier ist ein Film.

Schon seit Monaten ist die britische Regierung dabei, Vorkehrungen zu treffen, um riesige LKW-Rückstaus zu managen, die sich nach Meinung von Experten bis in den Londoner Großraum bilden könnten. So ist man dabei, LKW-Großparkplätze in Kent zu schaffen, unter anderem im Raum Ashford, wo bei Sevington ein Areal für 2000 Trucks entsteht („Farage’s Folly“ oder auch „Farage’s Garage“ genannt, nach Nigel Farage, der den Brexit maßgeblich mit vorangetrieben hat), auf dem auch Inlands-Zollkontrollen vorgenommen werden können. Dass die Anlieger dort nicht sehr glücklich sind, liegt auf der Hand. Lärm und Umweltverschmutzung sind vorprogrammiert, und es ist die Frage, ob die hygienischen Einrichtungen wie Toiletten für so viele LKW-Fahrer ausreichen. Schon jetzt ist die M20 vermüllt, denn was machen Trucker, wenn sie stundenlang im Stau stehen und sie ein menschliches Bedürfnis rührt? Sie schlagen sich seitwärts in die Büsche, und wenn so etwas tausendfach passiert, kann man sich vorstellen (oder besser nicht) wie es dann dort aussieht. Auch mobile Toilettenhäuschen dürften da kaum Besserung bringen. Da ist schon die Rede davon, dass sich Kent, der Garten Englands, langsam in die Toilette Englands verwandelt.

Ein ähnliches Bild könnte sich auf der anderen Kanalseite eröffnen, wenn Lastwagen nach Großbritannien übersetzen wollen. Es existieren Horrorszenarien, dass ab Januar Versorgungsengpässe auf der Insel auftreten werden, wenn Lebensmittel, medizinische Artikel und Ersatzteile nicht rechtzeitig eintreffen. Haben das die Brexitanhänger alles überdacht, als sie sich an der Wahlurne gegen den Verbleib in der EU entschieden haben?

Published in: on 19. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Garrick’s Temple to Shakespeare am Ufer der Themse in Hampton (Greater London)

David Garrick war einer der bedeutendsten Schauspieler des 18. Jahrhunderts. Er lebte von 1717 bis 1779, und ihm wurde die Ehre zuteil, in der Poet’s Corner in der Westminster Abbey beigesetzt zu werden. Sein Durchbruch gelang ihm mit der Verkörperung Richards III. im gleichnamigen Schauspiel von William Shakespeare, und dem Barden von Stratford-upon-Avon blieb Garrick sein Leben lang verbunden. Der Schauspieler vergötterte ihn und setzte ihm ein Ehrenmal an der Themse in Hampton (Greater London), nur unweit vom Hampton Court Palace entfernt. 1754 hatte sich David Garrick hier in einem Haus niedergelassen (Garrick’s Villa steht noch heute an der Hampton Court Road, ist aber in Wohnungen aufgeteilt worden), eine tolle Lage mit wunderschönem Blick auf den Fluss. Die Gärten am Ufer gehörten zum Grundstück, waren aber zu Garricks Ärger durch eine Straße von seiner Villa getrennt; also ließ er einen Tunnel bauen, durch den er zum Themseufer gelangen konnte. Und an diesem Standort entstand der Garrick’s Temple to Shakespeare genannte attraktive Bau mit Kuppel und ionischen Säulen vor dem Eingang, die den Portikus stützen. Der Temple besteht nur aus einem Raum, in dem David Garrick Erinnerungsstücke an Shakespeare aufbewahrte. Im Mittelpunkt stand eine Statue des Barden, die der französischen Bildhauer Louis-François Roubiliac im Auftrag von Garrick angefertigt hatte. Nach dem Tod des Schauspielers wurde diese Statue in das British Museum überführt, wo sie noch heute in der King’s Library zu sehen ist. Als Ersatz ließ das Museum eine Kopie anfertigen und in Garrick’s Temple aufstellen.

Das schöne Gebäude am Themseufer, in dem Garrick auch arbeitete und Freunde empfing, ging nach dem Tod des Schauspielers durch mehrere Hände. In den 1970er Jahren und auch später stand es vernachlässigt da, Ziel von Vandalen und Dieben, die Bausubstanz war stark in Mitleidenschaft gezogen. Es hätte nicht viel gefehlt und Garrick’s Temple wäre abgerissen worden, doch glücklicherweise wurde er in den 1990er Jahren gerettet, der Lottery Heritage Fund steuerte Geld zur Restaurierung bei, und namhafte britische Schauspieler wie Sir John Gielgud und Dame Judi Dench setzten sich mit Spenden für den Erhalt des Tempels ein.

Garrick’s Temple to Shakespeare ist öffentlich zugänglich, allerdings nur an Sonntagnachmittagen von April bis Oktober. Zu sehen ist im Inneren eine Ausstellung über David Garrick. In diesem Film sind Bilder des ansprechenden Baues zu sehen.

Christian the Lion – Die erstaunliche Geschichte eines Löwen aus Ilfracombe in Devon

Hier auf dem Friedhof der Fetter Lane Moravian Church durfte Christian eine Zeit lang spielen.
Author: Matt from London
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Als ich gestern das Foto von der Lion Lodge im Charborough Park in meinen Blog einbaute, fiel mir wieder die erstaunliche Geschichte eines Löwen ein, die sich in den 1970er Jahren ereignete und vielleicht in Vergessenheit geraten ist, darum möchte ich sie heute noch einmal aufnehmen.

Es begann am 12. August 1969 als im Zoo der Küstenstadt Ilfracombe in Devon ein Löwe geboren wurde. Der Zoo existiert nicht mehr, er wurde 1973 geschlossen. Das Londoner Kaufhaus Harrod’s übernahm das Löwenbaby und bot es in seiner Tierabteilung zum Verkauf an. Das Schicksal wollte es, dass zwei junge Australier, John Rendall und Anthony Bourke, die sich gerade in London niedergelassen hatten, dem Kaufhaus einen Besuch abstatteten und dabei den kleinen Löwen sahen, in den sie sich auf der Stelle verliebten. Sie kauften ihn und nahmen ihn mit in ihre Wohnung, wo sich der Christian getaufte Löwe eine Zeit lang recht wohl fühlte. Doch Löwen pflegen nun einmal ziemlich schnell größer zu werden und Auslauf zu brauchen. Also siedelten die beiden Australier ihren hübschen Gefährten, den sie gern auf Spritztouren in ihrem Auto mitnahmen, in ihr kleines Möbelgeschäft Sophistocat um, wo Christian mehr Platz hatte. Der Pfarrer der Fetter Lane Moravian Church hatte offensichtlich auch ein Herz für Löwen, denn er stellte den beiden Australiern den Friedhof der Kirchengemeinde zur Verfügung, damit sie dort mit Christian herumtollen konnten.

Doch John Rendall und Anthony Bourke wussten, dass es nicht ewig so weitergehen konnte; Christian wurde immer größer und war einfach nicht mehr in einer Großstadt zu halten. Also machten sie sich schweren Herzens Gedanken über die Zukunft ihres Schützlings. Als einmal die beiden Schauspieler Virginia McKenna und Bill Travers in dem Möbelladen vorbeischauten und dabei auf Christian trafen, machten sie den beiden Männern den Vorschlag, sich mit dem Löwenkenner George Adamson in Kenia in Verbindung zu setzen, den die beiden von den Dreharbeiten des Films „Born Free“ (dt. „Frei geboren – Königin der Wildnis“) kannten, in dem sie das Ehepaar George und Joy Adamson verkörperten. Die Verbindung kam zustande, George Adamson wollte Christian in Kenia unter seine Fittiche nehmen, und so siedelte der Löwe in die Heimat seiner Vorfahren nach Afrika um, wo ein neuer Lebensabschnitt für ihn begann.

1971 reisten Rendall und Bourke nach Kenia, um ihren geliebten Christian noch einmal zu sehen, und da geschah das Erstaunliche: Christian erkannte die beiden tatsächlich wieder und fiel ihnen im wahrsten Sinne des Wortes begeistert um den Hals, Bilder, die um die ganze Welt gingen. Zwei Jahre später verliefen sich die Spuren des Löwen aus Ilfracombe, über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Hier ist die Geschichte von Christian in Kurzfassung im Film und hier ist die Langfassung.

Das Buch zum Artikel:
Anthony Bourke and John Rendall: A Lion Called Christian. Bantam 2010. 240 Seiten. ISBN 978-0553820607.

Published in: on 17. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Die Charborough Wall in Dorset – Eine der längsten Mauern im Königreich

Mein heutiger Blogeintrag schließt an den vom 9. Dezember 2017 an, als ich den Charborough Tower, einen Folly auf dem Gelände des Charborough Parks in Dorset, vorstellte. Haus und Park gehören dem Parlamentsabgeordneten für South Dorset namens Richard Plunkett-Ernle-Erle-Drax, dessen Familie schon seit Jahrhunderten hier in Dorset ansässig ist.

Eine Besonderheit von Charborough Park ist die Mauer, die sich schier endlos entlang der A31 erstreckt und eine der längsten Backsteinmauern in ganz Großbritannien ist. Erbaut wurde sie 1841/42 von John Samuel Wanley Sawbridge-Erle-Drax, einem Exzentriker, der ebenfalls Parlamentsmitglied war. Wie dem Blog Richard Drax‘ zu entnehmen ist, zeichnete sich sein Vorfahre im Parlament dadurch aus, dass er sich in 32 Jahren nur ein einziges Mal zu Wort meldete und das war als er den Speaker bat, das Fenster zu öffnen. Nicht schlecht war auch seine Idee, an seinem Mausoleum einen Briefkastenschlitz einzubauen, so dass er nach seinem Tod jeden Tag die druckfrische Times erhalten konnte.

Nachdem also John Samuel Wanley Sawbridge-Erle-Drax den Charborough Tower nach einem Blitzeinschlag wieder hat restaurieren lassen, machte er sich an den Mauerbau. Rund fünf Kilometer lang ist „The Wall“ und etwa zwei Millionen Steine wurden darin verbaut. Und da lange Mauern auf Dauer langweilig sind, hat man zur Auflockerung das Stag Gate und die Lion Lodge integriert. Der Hirsch steht auf einem großen Torbogen und viele, die am Stag Gate vorbeigefahren sind, haben sich gefragt, warum denn der Hirsch fünf Beine hat. Schaut man genauer hin, so handelt sich hier um einen ganz normalen vierbeinigen Hirsch, dem der Bildhauer lediglich aus Stabilitätsgründen einen kleinen Baumstamm spendiert hat, der wie ein fünftes Bein wirkt. Der Kollege des Hirschen, der Löwe auf der Lion Lodge, dagegen kommt ohne so ein Hilfsmittel aus und turnt oben auf dem Torbogen vierpfötig herum.

Wie es hinter der Mauer ausschaut, zeigt dieser Film.

Ooops…wer war das?
Author: John Palmer
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Published in: on 16. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Mary Wollstonecrafts umstrittene Statue im Londoner Park Newington Green

Newington Green im Norden Londons spielte eine große Rolle im Leben der Mary Wollstonecraft (1759-1797), einer der größten Frauenrechtlerinnen in der Geschichte Englands (und Mutter Mary Shelleys, Schöpferin des Romans „Frankenstein“). Hier begann sie ihre schriftstellerische Karriere mit Kinderbüchern, Übersetzungen und Rezensionen, bevor sie 1792 mit „A Vindication of the Rights of Woman“ international auf sich aufmerksam machte. Hier etablierte Mary Wollstonecraft, zusammen mit ihrer Schwester Eliza, im Jahr 1784 auch eine Schule nur für Mädchen.

Was hätte Mary wohl damals Ende des 18. Jahrhunderts dazu gesagt, wenn sie gewusst hätte, dass sie einmal im Park von Newington Green mit einer nackten Statue verehrt werden würde? Ich glaube nicht, dass sie das positiv aufgenommen hätte.

Am 10. November 2020 war es soweit: Die Enthüllung der Statue wurde vollzogen, nach einer neun Jahre dauernden Kampagne der Mary on the Green-Gruppe, die sich dafür einsetzte, der Frauenrechtlerin endlich ein Denkmal zu setzen. „Over 90% of London’s statues commemorate men leaving many incredible women uncelebrated and ignored like Mary Wollstonecraft“ heißt es auf der Webseite der Gruppe; das hat nun ein Ende, denn nach der Sammlung von Spenden in Höhe von £143,300 konnte die Statue in Auftrag gegeben und jetzt vor wenigen Tagen enthüllt werden.

Doch kaum war sie für die Öffentlichkeit sichtbar, entstand ein Streit darüber. Warum musste Mary denn unbedingt nackt dargestellt werden, fragten sich die einen, während andere damit kein Problem hatten. Die Bildhauerin Maggi Hambling (die ich in meinem Blog schon einmal mit der Skulptur „A Conversation With Oscar Wilde“ in der Londoner Adelaide Street vorstellte) ist die Schöpferin des Kunstwerks, und sie begründet die nackte Darstellung so: Hätte sie Mary in zeitgenössischer Kleidung gezeigt, so wäre sie ein Teil der Vergangenheit gewesen, durch die Nacktheit ist sie aber ein Stück Gegenwart, und das auszudrücken, war für sie sehr wichtig. Das Denkmal trägt die Inschrift “I do not wish women to have power over men, but over themselves”, ein Satz aus der Feder Mary Wollstonecrafts. Hier ist ein Film über das Denkmal.

Die Parkanlage befindet sich an der A105, der Newington Green Road.

Plakette an der Newington Green Primary School.
Author: OpenPlaques
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Ship Money oder Warum drei Kommunen in Kent und Essex jedes Jahr Geld an den Bürgermeister von Sandwich abliefern (oder auch nicht)

Die Guildhall in Sandwich (Kent).
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Die Cinque Ports, also die fünf Häfen, an der englischen Südküste spielten vor langer Zeit einmal eine wichtige sowohl militärische als auch wirtschaftliche Rolle. Es waren Dover, Hastings, Hythe, Romney und Sandwich; es kamen dann noch Rye und Winchelsea hinzu, so dass das Bündnis eigentlich Sept Ports heißen müsste. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts ließ die Bedeutung der Hafenstädte nach, auch auf Grund der Tatsache, dass einige Häfen im Laufe der Zeit versandeten und dort keine Schiffe mehr anlegen konnten.

Da England ein Land ist, das sehr an Traditionen fest hält und geschichtsbewusst ist, gibt es die Cinque Ports noch immer, und der „Boss“ dieser Orte ist der Lord Warden, der seinen Amtssitz im Walmer Castle in Kent hat (ich berichtete in meinem Blog über ihn).

Jedes Jahr im Juli  spielt sich im Courtroom der Guildhall von Sandwich in Kent eine recht bizarre Zeremonie ab, bei der sich die „limbs“ einzufinden haben. Da die Cinque Ports damals verpflichtet waren, dem König Schiffe und Mannschaften zur Verfügung zu stellen, halfen die „limbs“ dabei mit; das waren Orte, die mit jeweils einer Hafenstadt assoziiert waren. Die „limbs“ von Sandwich sind heute noch Brightlingsea, das in Essex liegt, und die beiden kentischen Fordwich und Sarre. Da die drei nun keine Schiffe oder Mannschaften zur Verfügung stellen können bzw. brauchen, beteiligen sie sich mit einem finanziellen Beitrag, Ship Money genannt, der dem Stadtsäckel von Sandwich zugute kommt und den der Bürgermeister der Stadt entgegen nimmt. Dieses Ship Money belastet das Budget der drei Kommunen aber nicht allzu sehr: Der Mayor Deputy of Brightlingsea bringt zehn Shilling mit, was fünfzig Pence entspricht, der Mayor Deputy of Fordwich bezahlt drei Shilling und vier Pence, entsprechend siebzehn Pence, und der Mayor Deputy of Sarre…bringt überhaupt nichts mit und bittet um Verständnis, weil sein Dorf so klein und so arm ist, was Jahr für Jahr akzeptiert wird (siehe meinen Blogeintrag über das Cherry Brandy House in Sarre). Es geht doch nichts über Traditionen!

Fordwich Town Hall in Kent.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Brightlingsea in Essex
Author: John D. Fielding
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Gesehen in Sarre in Kent…
Author: cherryphilip
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Published in: on 14. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Mercury Fountain des Christ Church College in Oxford

Das altehrwürdige Christ Church College in Oxford kann sich rühmen, den größten Innenhof, Quad, von allen Colleges der Stadt zu besitzen. Die Anlage des rund 80×80 Meter großen Quads begann bereits in den Jahren 1525 bis 1529 unter Kardinal Wolsey, und auch heute noch ist er ein imposanter Anblick. Der Tom Tower (siehe dazu meinen Blogeintrag) überragt das College, und daher wird das Geviert auch Tom Quad benannt.

Eine Besonderheit des Christ Church College Quads ist der Mercury Fountain, ein Springbrunnen auf der Rasenfläche, der dem römischen Gott Merkur gewidmet ist, dem Gott der Händler und Diebe, aber vor allem als Götterbote bekannt. In dem Brunnen schwimmt ein großer Koi-Karpfen, den die Kaiserin von Japan im Jahr 2007 dem College schenkte. Glücklicherweise gab es den Koi noch nicht, als im College ein merkwürdiger Brauch ausgeübt wurde (der allerdings vor dem Zweiten Weltkrieg eingestellt wurde), bei dem die Studenten, die sich besonders sportlich hervortaten, die Kollegen, die eher intellektueller Natur waren, in den Mercury Fountain warfen. So etwas wäre sicher ganz nach dem Geschmack Boris Johnsons gewesen, der war aber im Balliol College.

Der bronzene Merkur, der heute den Brunnen bewacht, ist nicht der ursprüngliche, 1695 aufgestellte und dem College von dem berühmten Arzt John Radcliffe geschenkte Götterbote. Der wurde 1817 nämlich von dem 14. Earl of Derby, dem späteren Premierminister, als Studentenstreich von seinem Sockel geholt. Merkurs Kopf wird in der College-Bibliothek aufbewahrt. Über hundert Jahre stand der Brunnen „gottlos“ auf dem Rasen des Tom Squads bis schließlich 1928 ein neuer Merkur den Platz des früheren einnahm, das Geschenk eines wohlmeinenden Gönners. Diese Figur ist die Kopie einer Merkurstatue des Giovanni da Bologna, der sich im 16. Jahrhundert mit seinen Skulpturen und Brunnenfiguren in Italien einen Namen gemacht hatte.

1951 gelang dem Kapitän der Golfmannschaft des Christ Church College, P.F. Gardiner Hill, ein einmaliger Schlag, der nie wiederholt werden konnte. Vom Peckwater Building aus schlug er den Golfball über das Dach der Bibliothek direkt in den Merkurbrunnen auf dem Tom Squad, ein Hole-in-One wie es besser nicht sein kann.

Der Tom Quad mit dem Brunnen in der Mitte.
Author: roger4336
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Luton in Bedfordshire – Die Stadt der Hüte

Es gibt Städte, die man sofort mit einem bestimmten Begriff verbindet. Bei der Stadt Luton in Bedfordshire sind es automatisch die Hüte, vielleicht auch noch der Entlastungsflughafen London Luton Airport. Heutzutage spielt die Hutindustrie nicht mehr die Rolle wie es früher einmal der Fall war.

Eigentlich hat Luton den Aufstieg der Hutproduktion Napoleon zu verdanken, der Anfang des 19. Jahrhunderts durch seine Blockade die Lieferung französischer Hüte nach Großbritannien unterbunden hatte. Da keine Hüte mehr für die Damenwelt und auch für die Herren ins Land kamen, baute man in der Stadt in Bedfordshire die bereits vorhandene eigene Industrie aus, und das in einem Maße, dass Luton davon gewaltig profitierte, expandierte und die Bevölkerungszahl zunahm, eine Entwicklung, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts anhielt. Waren es anfangs die Strohhüte, die im Mittelpunkt standen, waren es später, nach dem Ersten Weltkrieg, die Filzhüte, die besonders gefragt waren. Auch heute werden in Luton noch Hüte angefertigt wie die der Firma Olney Headware, die seit über hundert Jahren hier ansässig ist.

Wer sich für das Thema interessiert, der kann in Luton auf zwei Hat Trails die wichtigsten Stationen der ansässigen Hutindustrie besuchen. Beide führen an den ehemaligen Fabriken und Werkstätten entlang und sind zu Fuß in kurzer Zeit zu absolvieren. Trail 1 ist circa 600 Meter lang, Trail 2 ist doppelt so lang. Beide Wege beginnen und enden in der Bute Street an der Hat Factory, einem 2004 eröffneten Kulturzentrum. Man kann sich ein Trail Leaflet herunterladen und damit die beiden Touren unternehmen.

Es versteht sich von selbst, dass die örtliche Fußballmannschaft Luton Town F.C. einen Spitznamen trägt, der auf die stolze Vergangenheit verweist: The Hatters.

Das Buch zum Thema:
Alex Askaroff: The Luton Hat Trade, a Brief History. Independently published 2019. 52 Seiten. ISBN  978-1677086986.

Beispiele für in Luton angefertigte Hüte im Wardown Park Museum.
Author: diamond geezer
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Published in: on 12. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Ritz in Wallsend (Tyne and Wear) – Ein J.D. Wetherspoon-Pub in einem ehemaligen Kino

Wallsend ist eine Stadt im Nordosten Englands in der Grafschaft Tyne and Wear, zwischen Newcastle upon Tyne and South Shields. Welche Mauer endete hier? Natürlich die römische Hadrian’s Wall, die von Kaiser Hadrian, einer Art Donald Trump des 2. Jahrhunderts, angelegt wurde, um unter anderem auch „die unkontrollierte Migration schottischer und irischer Stämme in das Gebiet der Provinz Britannia inferior zu verhindern“ (so die Wikipedia).

In Wallsend stand an der High Street von 2011 bis 2015 eine ehemalige Bingohalle leer, die in einem hübschen Art Déco-Gebäude untergebracht war, bis sich die Pubgruppe J.D. Wetherspoon ihrer erbarmte und einen attraktiven Pub daraus machte, dem der Name The Ritz gegeben wurde. Ursprünglich handelt es sich hier um ein 1939 von Percy L. Browne entworfenes Kino, das 1939 in Betrieb ging und als ersten Film „Gangster’s Boy“ zeigte. Am 8. September 1962 war dann leider Schluss, und das Kino wurde in eine Bingohalle umgewandelt.

J.D. Wetherspoon steckte eine Menge Geld in das Ritz (auch einer der berühmten Wetherspoon-Teppichböden wurde verlegt). Wie bei der Pubkette üblich hängen an den Wänden gerahmte Bilder und Fotos aus der Vergangenheit der jeweiligen Stadt. So findet man im Ritz zum Beispiel ein Foto des Sängers Sting, der am 2. Oktober 1951 in Wallsend geboren wurde und hier seine Kindheit verbrachte. Ein weiteres Foto zeigt die Dreharbeiten des Films „Get Carter“ (in Deutschland:“ Get Carter – Die Wahrheit tut weh“) aus dem Jahr 1970, die in Wallsend stattfanden.

In meinem Blog stellte ich bereits zwei weitere Kinoumbauten vor, die zu einem Wetherspoon-Pub wurden: The Wallaw in Blyth (Northumberland) und The Opera House in Tunbridge Wells (Kent).

Die ehemalige Bingohalle an der High Street von Wallsend.
Photo © Mac McCarron (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Swan Hotel in Lavenham (Suffolk)

Lavenham in Suffolk, eine Kleinstadt mit zahlreichen Tudorhäusern, beherbergt ein Hotel, das so recht nach dem Herzen vieler europäischer und amerikanischer Touristen ist, denn so stellt man sich einfach eine urige englische Herberge vor.
Seit dem 15. Jahrhundert schon steht „The Swan Hotel“ mitten im Herzen von  Lavenham und bietet äußerlich eine attraktive Fachwerkfassade und im Inneren finden wir Eichenbalken, Kaminfeuer und vertäfelte Wände, alles, um sich hier so richtig wohl zu fühlen.

Die Zimmerpreise bewegen sich in etwa zwischen €135 für ein Standard-Doppelzimmer und €250 für eine Suite, wobei das Frühstück inbegriffen ist.

Für das Abendessen empfiehlt sich das Fine Dining „Gallery Restaurant„, für das Chefkoch Justin Kett zuständig ist, der früher im Castle Hotel in Taunton (Somerset) tätig war. Das Restaurant im Swan Hotel wurde von der Automobile Association (AA) mit zwei Rosetten ausgezeichnet (das Hotel mit 4 Sternen). Es gibt auch noch eine Brasserie, die einfachere Speisen serviert.

Nach dem Abendessen kann man noch einen Drink in der „Airmen’s Bar“ zu sich nehmen, benannt nach den amerikanischen Soldaten der Air Force im Zweiten Weltkrieg, die in der Nähe von Lavenham stationiert waren. Einige Erinnerungsstücke an diese Zeit sind in der Bar ausgestellt.

„The Swan Hotel“, das zu der „Pride of Britain„-Hotelgruppe gehört, bietet sich als Standort an, wenn man diesen Teil von Suffolk einmal näher kennenlernen möchte.

Dieser Film zeigt die Annehmlichkeiten des „Schwanenhotels“ auf.

Siehe auch diesen Blogeintrag über Lavenham.

The Swan Hotel
High Street
Lavenham, Suffolk CO10 9QA

The Gallery Restaurant.
Author: john bugg photography
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Published in: on 10. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Whitstable Grotters – Kleine Kunstwerke aus Austernschalen

Der Küstenort Whitstable in Kent ist vor allem für seine Austern bekannt, die in jedem Jahr mit dem dem Oyster Festival gefeiert werden; leider nicht in diesem Jahr, denn das Coronavirus hat auch dieser Festlichkeit den Garaus gemacht, aber man hofft, dass es im Jahr 2021 wieder möglich sein wird. Siehe meinen früheren Blogeintrag über Whitstable.

Zum Oyster Festival, das im Juli stattfindet, gehören die sogenannten Whitstable Grotters, das sind kleine Grotten, die aus Austernschalen gebaut werden. Eigentlich war diese Tradition in den 1960er Jahren schon ausgestorben, wurde aber 1988 wieder anlässlich des Oyster Festivals wieder ins Leben gerufen und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit bei Erwachsenen und bei Kindern. An Austernschalen herrscht hier kein Mangel, und so werden die „grotters“ aus diesen gebaut, aufeinandergestapelt, verziert und als Höhepunkt im Inneren mit einer Kerze versehen, so dass diese kleinen Kunstwerke im Dunkeln illuminiert werden. Das Ganze findet am Reeves Beach statt, dem Strand, der der Stadt vorgelagert ist.

Whitstable war der Wohnort des Schauspielers Peter Cushing, der allen Freunden von Horrorfilmen bekannt sein dürfte. Ich habe in meinem Blog über ihn geschrieben. Vielleicht war er ja ein begeisterter Austernesser und hat sich aus diesem Grund Whitstable ausgesucht.

 

Published in: on 9. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Queen Anne’s Alcove im Londoner Hyde Park

Es sieht so aus wie ein überdimensioniertes Wartehäuschen an einer Bushaltestelle (Sorry, Sir Christopher!), der Queen Anne’s Alcove im Londoner Hyde Park. Im Inneren gibt es eine Bank und man ist vor Regen geschützt, aber es wird nie ein Bus hier halten. Man findet Queen Anne’s Alcove am Ende des Serpentine Lake in Richtung Bayswater Road..

Entworfen hatte das Gebäude der berühmte Sir Christopher Wren (ja, er konnte nicht nur Kirchen bauen) im Jahr 1705, da stand es aber noch am Kensington Palace, am Dial Walk. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Stimmen laut, das Haus abzureißen, da vielen das Publikum, das sich dort einfand, nicht gefiel. Prostituierte gingen hier auf Kundenfang und das wollte man so dicht am vornehmen Kensington Palace nicht haben. Als ein Londoner Bauunternehmer von den Vernichtungsplänen hörte, war er außer sich, denn er mochte das Gebäude im Hyde Park sehr, und ein „brainchild“ von Sir Christopher Wren abreißen, das ging ja nun gar nicht, also griff der Mann tief in seine Privatschatulle und ließ Queen Anne’s Alcove im Jahr 1867 an die jetzige Stelle versetzen. Ob Queen Anne, die 1714 im Kensington Palace verstarb, jemals in dem ihr gewidmeten Alcove gesessen hat, kann ich leider nicht sagen.

Wer beim Besuch der Italian Gardens, die direkt vor dem Alcove liegen, von einem Regenschauer überrascht wird und keinen Schirm dabei hat, kann hier schnell Zuflucht finden (oder in das benachbarte Italian Gardens Café einkehren).

Chambercombe Manor in Devon – Ein Spukhaus par excellence

Nach meinen beiden Blogeinträgen in dieser Woche über Westward Ho! und die Saunton Sands bleiben wir auch heute noch einmal im Norden der Grafschaft Devon und begeben uns in das Chambercombe Manor bei Ilfracombe.

Wenn es eine Association of Owners of Haunted Houses gäbe und der Vorsitzende bei der Jahrestagung die Anwesenden fragen würde, wer denn das „most haunted house“ in Großbritannien besäße, gingen wahrscheinlich ganz viele Arme nach oben (immer wieder lese ich von gruseligen Spukhäusern, die von sich behaupten, die „Charts“ anzuführen), darunter der Besitzer des Chambercombe Manors, das im Ruf steht, UK’s Number 1 zu sein. Zustimmen würde sicher auch Yvette Fielding, langjährige Moderatorin der TV-Gruselshow „Most Haunted„, die sie alle gesehen und die auch mit ihrem Team das Chambercombe Manor besucht und darin eine Nacht verbracht hat. Hier ist die komplette Episode zu sehen.

Äußerlich wirkt das weiß gestrichene Haus, deren Wurzeln tief in die Vergangenheit reichen, gar nicht unheimlich. Einer der vielen Besitzer war der Duke of Suffolk, der Vater Lady Jane Greys (1536/37-1554), die auch Nine Days‘ Queen genannt wurde, da das arme Mädchen nur neun Tage lang Königin von England spielen durfte und am 12. Februar 1554 im Tower of London enthauptet wurde. Sie hielt sich natürlich auch im Hause ihres Vaters auf und einer der Räume ist nach ihr benannt. Direkt neben Lady Jane Grey’s Room fand man ein verborgenes, bis dato unzugängliches Zimmer, in dem die Leiche einer Frau lag. Diese Frau soll eine Schiffbrüchige gewesen sein, die man in das Manor geholt hatte und wo sie dann verstarb. Erst dann merkten die Bewohner, dass es ihre eigene Tochter war, die da unter ihrem Dach gestorben war. Die junge Dame hatte viel Geld und Schmuck bei sich, mit dem ihre Eltern das Manor, das sie nur gemietet hatten, kaufen konnten. Voller Gram schotteten sie das Zimmer mit der toten Tochter von der Außenwelt ab.

Es gibt also jede Menge Gründe dafür, dass das Chambercombe Manor „very haunted“ ist. Es ist zu besichtigen, aber zur Zeit hat das Coronavirus erst einmal bis Jahresende ein Stop davor gesetzt. Hier ist ein Film über das Manor House.

Auf dem Gelände gibt es einige Cottages, die vermietet werden und so kann, wer will, ganz dicht an Englands  „most haunted house“ nächtigen.

 

Chambercombe Manor Trust
Chambercombe Lane
Ilfracombe
Devon EX34 9RJ

 

 

 

Published in: on 7. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Pylon Appreciation Society – Von der Schönheit der Strommasten

Ein Strommast bei Lower Penn in Staffordshire
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

Die meisten Menschen halten die Strommasten, die quer durch Wald und Feld verlaufen, für hässlich und wollen die Hochspannungsleitungen lieber unter der Erde verlegt sehen. Es gibt aber auch Fans von diesen großen Pylonen und die haben sich in England in der Pylon Appreciation Society zusammengetan, die es seit dem Jahr 2005 gibt. 
Die treibende Kraft dieser Gesellschaft war und ist Flash Wilson Bristow, der auf seiner Website The Gorge Hunderte von Strommasten-Fotos aus vielen Ländern zusammengetragen hat. Wer sich genauer über diese stählernen Giganten informieren möchte, kann das zum Beispiel auf Bristows FAQ tun.

Ähnlich wie „train spotter“ gibt es auch „pylon spotter„, die im „Urban Dictionary“ so beschrieben werden:
One who engages in the hobby of electricity pylon number collecting, aka pylon spotting. Can be seen walking under pylons with a pen, notebook, binoculars, and wearing an anorak„.

Es gibt  sogar einen Spielfilm, in dem die hohen Masten eine Rolle spielen, nämlich „Among Giants – Zwischen Himmel und Erde„, der 1998 in die englischen Kinos kam (in Deutschland ein Jahr später),  in dem der 2011 verstorbene Peter Postlethwaite der Hauptdarsteller ist.
Hier der Trailer zum Film.

Auf der Webseite „Pylon of the Month“ („All about electricity pylons and electricity supply“) wird jeden Monat ein besonders ansehnlicher Strommast vorgestellt und näher beschrieben.

Hier ist ein Film (nur für Schwindelfreie) aus dem Jahr 1966; die Technik des Strommastenbaus dürfte sich inzwischen verändert haben.

Schlank und rank…Ein schönes Exemplar bei King’s Lynn in Norfolk
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Saunton Sands und Pink Floyds Albumcover von „A Momentary Lapse of Reason“

Saunton Sands ist einer der schönsten Strände Englands. Er erstreckt sich über mehrere Kilometer westlich der Stadt Braunton an der Nordküste der Grafschaft Devon. Surfer lieben den Strand, Sonnenbadende ebenfalls, aber auch Produktionsfirmen von Filmen und Musikvideos kommen immer wieder hierher, um den Strand in ihre Filme einzubauen. So sind die Saunton Sands beispielsweise in Robbie Williams‘ Video „Angels“ zu sehen und auch in dem sehr ähnlichen Musikvideo „Hand on Heart“ von Olly Murs. In dem Spielfilm „Edge of Tomorrow“ aus dem Jahr 1914 wurden hier einige Szenen gedreht.

Als die britische Band Pink Floyd ihr Album „A Momentary Lapse of Reason veröffentlichte (das zum großen Teil auf dem an der Themse liegenden Hausboot „Astoria“ aufgenommen worden waren, siehe dazu meinen Blogeintrag) zierte das Albumcover ein merkwürdiges Foto: Auf einem Strand sind Hunderte von metallenen Krankenhausbetten zu sehen, auf einem der Betten sitzt ein Mann, ein Zimmermädchen hält Bettlaken in der Hand, ein paar Hunde haben sich etwas weiter entfernt am Strand niedergelassen und über der ganzen Szenerie schwebt ein Ultraleichtflugzeug. Das Foto hatte der für die Albumcovergestaltung zuständige Grafikdesigner Storm Thorgerson aufgenommen, basierend auf einer Zeichnung von Pink Floyds David Gilmour. Die eigenartige Szene spielt auf einige Textzeilen der auf dem Album enthaltenen Songs an.

Inszeniert werden sollte das Foto eigentlich an einem kalifornischen Strand, da das Wetter dort deutlich zuverlässiger ist als hier in Devon, aber man bekam in Kalifornien keine 700 Betten zusammen. Also wählte Thorgerson  Saunton Sands für sein Fotoshooting aus, denn Devon konnte die gewünschte Bettenzahl liefern. Mit Lastwagen wurden die Betten hierher gekarrt, mit Hilfe von vielen Freiwilligen an den Strand getragen und nach einem vorgegebenen Muster aufgestellt…und dann fing es an zu regnen. Der Fotograf benötigte für sein Foto aber einen blauen Himmel und so schleppten die armen Mitarbeiter alle Betten wieder zurück zu den Lastwagen. Zwei Wochen später wurde die Aktion wiederholt, dieses Mal mit Erfolg. Das Wetter war schön, alles wurde wieder genauso wie beim ersten Mal aufgestellt, und das Foto war im Kasten. Nun zierte es das Albumcover und ließ viele rätseln, was es wohl bedeuten sollte. Hier ist ein kurzer Film über das Fotoshooting.

Westward Ho! – Ein Ort an der Nordküste von Devon mit einem ganz besonderen Namen

Wandmalerei an einem Parkplatz.
Author: Chris Dymond
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Wie kommt wohl der Badeort an der Küste Nord-Devons zu dem merkwürdigen Namen? „Schuld“ daran ist der auch aus Devon stammende Schriftsteller Charles Kingsley (1819-1875), der schrieb nämlich 1855 den historischen Roman „Westward Ho!“, der zur Zeit Elizabeth I spielt und der von den Abenteuern des jungen Amyas Leigh erzählt. Kingsleys Roman beginnt in dem fiktiven Hafenstädtchen Bideford Quay, das etwa da angesiedelt ist, wo das heutige Westward Ho! liegt.

Der Ort ist der einzige in ganz Großbritannien, der nach einem Roman benannt ist und der ein Ausrufezeichen in seinem Namen trägt, und darauf ist man sicher in Westward Ho! auch sehr stolz. 1865, also 10 Jahre nachdem der Roman veröffentlicht wurde, begann man den Badeort zu erbauen. Damals hatten die Viktorianer ein ausgeprägtes Bedürfnis, ihre Ferien an der See zu verbringen.

Heute ist Westward Ho! vor allem durch seine langen Sandstrände bekannt und beliebt und britische Golfer kennen alle den ältesten Golfplatz der Insel, der 1864 errichtet wurde und dem Royal North Devon Golf Club gehört. Man nennt ihn auch „St. Andrews des Südens„. Für Nicht-Golfer: St. Andrews ist der berühmte Golfplatz in Schottland.

Hier ist ein Film über den Ort.

Published in: on 4. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Famous Graves – Bruce Reynolds‘ Grab auf dem Londoner Highgate Cemetery

In den 1960er Jahren gab  es im deutschen Fernsehen immer wieder sogenannte Straßenfeger, meist mehrteilige Fernsehspiele, bei denen so viele Zuschauer abends vor ihren TV-Geräten saßen, dass die Straßen Deutschlands wie leer gefegt wirkten. Das gibt es heute alles nicht mehr. Einer dieser Straßenfeger war „Die Gentlemen bitten zur Kasse„, in dem der berühmte Überfall auf den Postzug von Glasgow nach London am 8. August 1963 nachgespielt wurde. Mehr als £2.6 Millionen erbeuteten die Täter, die unter dem Kommando des „Superhirns“ Bruce Reynolds standen, damals sehr gut von Horst Tappert verkörpert, der im Film allerdings Michael Donegan hieß. Reynolds floh für einige Jahre ins Ausland, wurde aber am 9. November 1968 in Torquay in Devon festgenommen, wo er sich unter einem falschen Namen angesiedelt hatte. Reynolds wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt, kam aber schon zehn Jahre später wieder auf freien Fuß. 1995 erschien sein Buch „The Autobiography of a Thief„, am 28. Februar 2013 starb er im Alter von 81 Jahren.

Seine letzte Ruhestätte bezog Bruce Reynolds am 8. August 2013 auf dem Londoner Highgate Cemetery, auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Postzugraub, in Anwesenheit seines Ex-Räuberkollegen Ronnie Biggs. Für das Grabmal sorgte Bruce Reynolds‘ Sohn Nick Reynolds, ein Musiker und Bildhauer, der sofort nach dem Tod seines Vaters ihm seine Totenmaske abnahm. Diese Totenmaskenskulptur, umgeben von einem torartigen Stein, bildet den Mittelpunkt des Grabsteins. Auf der einen Seite des Steins sind die Worte “This is it” eingemeißelt, die Reynolds am 8. August 1963 aussprach als sich der Postzug näherte, auf der anderen Seite „C’est la vie„, was er schicksalsergeben bei seiner Verhaftung sagte.

Nick Reynolds hat sich auf die Anfertigung von Totenmasken spezialisiert. Auf dem Highgate Cemetery finden wir auch seine Bronzeskulpturen von Malcolm McLaren (siehe dazu meinen Blogeintrag), auch diese kurz nach dessen Tod erstellt, und die des iranischen Oppositionellen und Arztes Dr Manuchehr Sabetian.

 

Published in: on 3. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Westminster School Pancake Greaze – Eine kuriose Tradition am Faschingsdienstag

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Während im Norden der Grafschaft Buckinghamshire, in Olney, am Faschingsdienstag, dem Shrove Tuesday, ein Pfannkuchenrennen stattfindet, das berühmte Olney Pancake Race (mehr darüber in meinem Blogeintrag), steht auch in der renommierten Westminster School im Zentrum Londons ein Pfannkuchen im Mittelpunkt einer traditionellen Veranstaltung, dem Westminster School Pancake Greaze. Dieser Wettbewerb findet seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts in der Schule statt, denn der Pancake Greaze wurde schon von dem Philosophen Jeremy Bentham (1748-1832) erwähnt, der hier den Unterricht besuchte.

Folgendes spielt sich am Shrove Tuesday in der Westminster School ab: Schüler aus jeweils unterschiedlichen Klassen stellen sich unter einer ca sechs Meter hohen Eisenstange auf. Dann kommt der Schulkoch, der einen sehr großen Pfannkuchen gebacken hat, und wirft diesen über die Stange. Die Schüler stürzen sich darauf und versuchen, ein möglichst großes Stück davon zu ergattern. Dabei geht es natürlich drunter und drüber, manchmal sieht man Szenen wie man sie von Rugbyspielen kennt. Der Sieger dieses für Raufbolde sehr geeigneten Wettbewerbs ist der, der das größte Stück Pfannkuchen erkämpft hat. Aus der Hand des Rektors der Schule erhält dieser Schüler einen Geldpreis. Ich bin mir nicht sicher, ob das, was von dem zerfetzten Pfannkuchen noch übrig geblieben ist, von den Wettkampfteilnehmern aufgegessen wird.

Hier ist ein Film über den ruppigen Wettbewerb.

Published in: on 2. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein DVD-Tipp: Poldark – Die komplette Serie

Weihnachten rückt langsam näher, und da macht sich der eine oder andere vielleicht schon Gedanken über Weihnachtsgeschenke. Für die Fans der englischen BBC-TV-Serie „Poldark“ wüsste ich da was: Am 27. November kommt in Deutschland eine Gesamtbox auf den Markt, die das Herz eines jeden „Poldarkianers“ höher schlagen lässt. Die Box beinhaltet jede der 43 Folgen, die in fünf Staffeln von 2015 bis 2019 in Großbritannien gesendet wurden. In Deutschland war „Poldark“ bisher nur im Pay TV zu sehen (die fünfte und letzte Staffel stellte ich in meinem Blog im Februar diesen Jahres als DVD vor).

Also, was bietet die Gesamtbox alles? 17 DVDs mit einer Laufzeit von 41 Stunden und 22 Minuten, die sich nur XXL-Hardcore-Fans in einem Rutsch ansehen werden. Dazu kommen noch sage und schreibe 6 Stunden und 40 Minuten Bonusmaterial; das sind zum Beispiel Featurettes, also kurze Dokumentationen, die Einblicke in die Dreharbeiten geben, Interviews, Making-ofs usw. Eine CD mit dem Soundtrack zur Serie liegt bei, sowie ein Booklet mit weiterführenden Informationen. Selbstverständlich ist „Poldark“ synchronisiert, man kann sie sich aber auch im Originalton anhören. Die Blue-ray-Version besteht aus 11 DVDs plus der Soundtrack-CD. Die Preise für die beiden Boxen liegen bei knapp unter €90.

Vielleicht eignet sich die Box auch als ein Geschenk für Damen, schließlich wurde der Hauptdarsteller, Aidan Turner, im Jahr 2016 zum „Sexiest Man in the World“ gewählt, oder für Freunde der Grafschaft Cornwall, vor deren Kulisse die meisten „Poldark“-Szenen gedreht wurden. Die Zielgruppe ist also breit gefächert.

Published in: on 1. November 2020 at 02:00  Comments (2)  
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