Die M20 und die möglichen Probleme nach dem endgültigen Brexit

Die Autobahn M20 ist nur etwas über 80 Kilometer lang, ist aber die wichtige Verbindung von Londons Ringautobahn M25 in Richtung Kanalfähren und Eurotunnel. Ich habe vor einigen Jahren einmal einen gewaltigen Stau von PKWs und LKWs miterlebt, da der Tunnel wegen eines technischen Defekts für einige Stunden gesperrt war. Ein Vorgeschmack für das, was uns da möglicherweise ab dem 1. Januar 2021 bevor steht, wenn es zu einem harten Brexit kommt? Hier ist ein Film.

Schon seit Monaten ist die britische Regierung dabei, Vorkehrungen zu treffen, um riesige LKW-Rückstaus zu managen, die sich nach Meinung von Experten bis in den Londoner Großraum bilden könnten. So ist man dabei, LKW-Großparkplätze in Kent zu schaffen, unter anderem im Raum Ashford, wo bei Sevington ein Areal für 2000 Trucks entsteht („Farage’s Folly“ oder auch „Farage’s Garage“ genannt, nach Nigel Farage, der den Brexit maßgeblich mit vorangetrieben hat), auf dem auch Inlands-Zollkontrollen vorgenommen werden können. Dass die Anlieger dort nicht sehr glücklich sind, liegt auf der Hand. Lärm und Umweltverschmutzung sind vorprogrammiert, und es ist die Frage, ob die hygienischen Einrichtungen wie Toiletten für so viele LKW-Fahrer ausreichen. Schon jetzt ist die M20 vermüllt, denn was machen Trucker, wenn sie stundenlang im Stau stehen und sie ein menschliches Bedürfnis rührt? Sie schlagen sich seitwärts in die Büsche, und wenn so etwas tausendfach passiert, kann man sich vorstellen (oder besser nicht) wie es dann dort aussieht. Auch mobile Toilettenhäuschen dürften da kaum Besserung bringen. Da ist schon die Rede davon, dass sich Kent, der Garten Englands, langsam in die Toilette Englands verwandelt.

Ein ähnliches Bild könnte sich auf der anderen Kanalseite eröffnen, wenn Lastwagen nach Großbritannien übersetzen wollen. Es existieren Horrorszenarien, dass ab Januar Versorgungsengpässe auf der Insel auftreten werden, wenn Lebensmittel, medizinische Artikel und Ersatzteile nicht rechtzeitig eintreffen. Haben das die Brexitanhänger alles überdacht, als sie sich an der Wahlurne gegen den Verbleib in der EU entschieden haben?

Published in: on 19. November 2020 at 02:00  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. So ist das, wenn Entscheidungen ruckzuck mit dem Bauch statt dem Kopf gemacht werden.

  2. Egal was passiert – schuldig für jedwedes Dilemma ist ganz sicher Brüssel.
    Während Johnson einfach nur alle Rosinen will, legt die EU plötzlich einen Revolver auf den Tisch (14.09.2020).
    Da muss man einfach ein Gesetz auf den Weg bringen, das den ausgehandelten Brexit-Deal mit der Europäischen Union in Teilen aushebelt.
    Es muss doch endlich losgehen, mit den wöchentlichen 350 Millionen Pfund für das NHS und all‘ den schönen Dingen, die versprochen wurden.
    Schauen wir mal, welcher Souffleur jetzt auf Dominic Cummings folgt und verfolgen weiter mit Spannung das Possenspiel.


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