Die Hexen vom Belvoir Castle – Eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert

Belvoir Castle.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Der Film „Der kleine Lord“ (im Original „Little Lord Fauntleroy“) wird jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit von der ARD ausgestrahlt. Für viele Menschen (mich eingeschlossen) gehört die rührende Geschichte einfach dazu. Gedreht wurde der Film 1980 in dem wunderschönen Belvoir Castle in der Grafschaft Leicestershire, Stammsitz der Dukes of Rutland und das schon seit vielen Jahrhunderten. David Manners ist heute der elfte Duke of Rutland, und die Geschichte, die ich heute erzählen möchte, spielte sich zur Zeit seines Vorfahren Francis Manners ab, seinerzeit der sechste Earl of Rutland (1578-1632).

Der Earl brauchte zusätzliches Personal in seinem Schloss, da sich hoher Besuch angesagt hatte; König James I. wollte Belvoir Castle einen Besuch abstatten. Also wurden Joan, Margaret and Philippa Flowers aus dem benachbarten Bottesford  eingestellt, eine Mutter (Joan) und ihre beiden Töchter, offensichtlich keine gute Wahl, denn die drei Frauen waren beim Stammpersonal unbeliebt und man unterstellte ihnen Diebstähle und andere Unregelmäßigkeiten. Daher wurden die drei bald wieder entlassen, was ihnen gar nicht gefiel, und jetzt begannen schwere Zeiten für das Belvoir Castle und seine Bewohner. Wurden sie von den drei Frauen verhext?

Zuerst traf es den Earl und seine Frau, die plötzlich und unerklärlicherweise erkrankten. Dann kam es noch schlimmer, denn ihr kleiner Sohn Henry starb, sieben Jahre später sein Bruder Francis, damit waren keine männlichen Erben auf den Titel mehr vorhanden (ihre Schwester Katherine durfte als Frau den Titel nicht übernehmen). Der Fluch der Witches of Belvoir, wie Joan, Margaret and Philippa Flowers genannt wurden, schien zu wirken.

Zu der damaligen Zeit ging es sehr schnell, dass Frauen in den Ruf kamen, Hexen zu sein, und so wurden die drei auch bald der Hexerei angeklagt. Ihr merkwürdiges Verhalten trug dazu bei, denn sie beschuldigten sich gegenseitig. Die Mutter Joan beschwor ihre Unschuld und wollte sie beweisen. Man sollte ihr ein Stück Brot bringen, und wenn sie einen Hexe wäre, würde sie daran ersticken. Sie erstickte daran…

Margaret und Philippa wurden in Lincoln vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und im März 1619 aufgehängt.

Die Rutlands hatten damals ihre Familiengruft in der Kirche St Mary’s in Bottesford (Leicestershire) und da finden wir auch das Grabmal von Francis Manners, dem sechsten Earl, sowie Skulpturen seiner beiden so früh verstorbenen Söhne Henry und Francis.

Hier ist ein Film über das Thema.

Das Buch zum Artikel: 
Tracy Borman: Witches – A Tale of Sorcery, Scandal and Seduction. Jonathan Cape 2013. 320 Seiten. ISBN  978-0224090568.

Das Grabmal des sechsten Earl of Rutland.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Die beiden (verhexten) Söhne Henry (vorn) und Francis in St Mary’s in Bottesford.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. November 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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