The Countess of Evesham – Ein Restaurantschiff in Stratford-upon-Avon (Warwickshire)

Ich mag Dinner Cruises an Bord eines Ausflugsschiffes. Im vorigen Jahr habe ich meinen Geburtstag auf einem solchen Schiff auf der Seine in Paris gefeiert. Zweieinhalb Stunden langsamer Fahrt mit einem mehrgängigen Menu, zwei Flaschen Wein (für zwei Personen), Sonnenuntergang und dann das beleuchtete Paris links und rechts von dem verglasten Schiff: Wunderbar!

In Stratford-upon-Avon in der Grafschaft Warwickshire kann man ebenfalls Lunch beziehungsweise Dinner Cruises unternehmen, obwohl es dabei nicht so viel zu sehen gibt wie in der französischen Hauptstadt. Die Countess of Evesham steht dafür bereit und erwartet ihre Gäste an der Anlegestelle Bancroft Gardens, direkt gegenüber vom Royal Shakespeare Theatre. 44 Personen passen an Bord, zur Zeit werden aber nur jeweils 18 Gäste aufgenommen, wofür die Coronakrise sorgt. Die Cruises dauern je nach Wochentag zwischen 90 Minuten und zweieinhalb Stunden und kosten von £23.50 (Lunch von Montag bis Freitag) bis £39.50 (Samstagabend). Inbegriffen ist die Fahrt und ein Menu; die Getränke sind extra zu bezahlen. Von den Bancroft Gardens geht es den River Avon entlang, wobei Schleusen passiert werden, bis nach Luddington, einem Dorf ohne Pub und Läden, wo ich einmal mit meinem Narrowboat gestrandet bin, weil die dortige Brückendurchfahrt wegen Hochwasser gesperrt war. Hier wendet die Countess of Evesham und bringt ihre mittlerweile nicht mehr ganz so hungrigen, dafür aber angeheiterten Gäste wieder zurück nach Stratford-upon-Avon, wo sie von einer Statue William Shakespeares, zwischen Anlegestelle und Theater, begrüßt werden.

Hier ist ein kurzer Film, der anlässlich der Burns Night aufgenommen wurde.

 

 

Published in: on 31. Dezember 2020 at 02:00  Comments (16)  
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Möbelschreiner in North Yorkshire Teil 2: Der Thirsk Furniture Trail

Coxwold Cabinet Makers in Coxwold (North Yorkshire)
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

Woran denkt man zuerst, wenn man den Ortsnamen Thirsk in North Yorkshire hört? Genau, an den Tierarzt James Herriot, der hier seine Praxis hatte und der weltweite Berühmtheit durch seine Bücher erlangte, die in der beliebten TV-Serie „All Creatures Great and Small“ (dt. „Der Doktor und das liebe Vieh“) verfilmt wurden. Siehe dazu meinen Blogeintrag.

Was vielleicht bei den Yorkshire-Touristen nicht so  bekannt ist: Es gibt in Thirsk und Umgebung zahlreiche Möbelschreiner, die Auftragsarbeiten aus dem ganzen Land annehmen. Wer also individuelle Möbel angefertigt haben möchte, der ist in diesem Teil von North Yorkshire richtig.

Um auf sich aufmerksam zu machen, haben sich zur Zeit sieben dieser kleinen, spezialisierten Handwerksbetriebe zusammengeschlossen und den Thirsk Furniture Trail entwickelt, auf dem man den Schreinern bei der Arbeit zusehen und sich die dort hergestellten Möbel in Ausstellungsräumen ansehen kann. Einige der teilnehmenden Betriebe möchte ich kurz vorstellen.

In dem wunderschönen Dorf Coxwold, literarisch Interessierten sicher durch den Schriftsteller Laurence Sterne bekannt (siehe mehr hier) gibt es die kleine Firma Coxwold Cabinet Makers, die 1987 gegründet wurde und Möbel jeder Art herstellt, besonders aber Küchenmöbel. Das Markenzeichen der Firma ist das Einhorn, das man häufig auf ihren Möbeln findet.

Was dem einen das Einhorn ist dem anderen das Eichhörnchen. Dieses Tier findet man an Möbeln, die die 1957 gegründete Firma Squirrel Woodcarvers in Husthwaite herstellt, die sich auf die Verwendung von Eichenholz spezialisiert hat.

Einen großen Ausstellungsraum unterhält die Firma Treske Furniture in Thirsk, in dem man deren Schreinerkunstwerke bestaunen kann. Hier baut man Möbel für jeden Zweck, unter anderem hat man Pubs eingerichtet wie das Restaurant des Black Swans in Oldstead (North Yorkshire).

Wer sich für Möbel interessiert, der ist auf dem Thirsk Furniture Trail gut aufgehoben; wie es in so einer Möbelschreinerei zugeht, zeigt dieser Film.

Published in: on 30. Dezember 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Möbelschreiner in North Yorkshire Teil 1: Robert „The Mouseman“ Thompson in Kilburn

Die Firma Robert Thompson in Kilburn.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Nicht weit von der A19 gelegen, in der Nähe der Stadt Thirsk in North Yorkshire, findet sich der kleine Ort Kilburn, Sitz der Firma Robert Thompson’s Craftsmen Ltd, die sich auf die Herstellung von Möbeln aus Eiche spezialisiert hat.
Robert Thompson, der von 1876 bis 1955 hier in Kilburn lebte, war ein Möbelschreiner, dessen Markenzeichen eine geschnitzte Maus war, die sich auf fast allen seinen Möbeln fand. Auch auf Kirchenbänken und anderen Einrichtungsgegenständen für Kirchen war diese Maus zu finden, daher sein Namenszusatz „The Mouseman„.
1919 soll sich Thompson einmal mit einem seiner Arbeitskollegen über den Spruch „Arm wie eine Kirchenmaus“ unterhalten haben, woraus dann die Idee mit der Maus entstanden ist.

Noch heute gibt es hier in Kilburn die Firma  Robert Thompson’s Craftsmen Ltd, die von Nachfahren des „Mouseman“ betrieben wird und die klassische Möbel aus Eiche herstellt, natürlich mit der geschnitzten Maus, die zum Beispiel an einem Tischbein oder seitlich an einem Schrank angebracht ist.

Die Firma betreibt auch ein Besucherzentrum, in dem man sich über den „Mouseman of Kilburn“ informieren kann, das T Café für die Erfrischung zwischendurch und einen Gift Shop, in dem man kleinere Holzarbeiten erwerben kann.

Auf Arbeiten des „Mouseman“ stieß ich unter anderem in der Mouse Bar des Green Dragon Inns in Cowley in Gloucestershire.

Hier ist ein Film über die Firma.

Siehe auch meinen Blogeintrag über The White Horse of Kilburn.

Robert Thompson’s Craftsmen Ltd.
Kilburn
York, North Yorkshire.

YO61 4AH   

Das Buch zum Artikel:
Patricia Lennon: Mouseman – The Legacy of Robert Thompson of Kilburn. Great Northern Books 2012. 160 Seiten. ISBN 978-1905080076.

Eine Thompson-Maus in der St Andrew’s Church in Newcastle-upon-Tyne.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Eine weitere, schon etwas in die Jahre gekommene Maus in der Church of St Michael and All Angels in Mottram in Longdendale (Greater Manchester).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

…und eine verwitterte Thompson-Freiluftmaus vor St. Michael and St. George in Castleton (North Yorkshire).
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Ellen Sadler – The Sleeping Girl of Turville

Das Sleepy Cottage.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich gibt es in dem winzigen Dorf Turville in den Chilterns in Buckinghamshire nicht viel zu sehen, trotzdem wird es immer mal wieder von Film- und TV-Produktionsfirmen aufgesucht, um hier Dreharbeiten vorzunehmen. Ich schrieb bereits mehrere Male in meinem Blog über meine Besuche in dem hübschen Dörfchen. Es ist einfach nett anzusehen mit seinen Cottages, der Kirche St Mary the Virgin und dem Pub The Bull and Butcher, der immer noch ein wenig von den „Inspector Barnaby„-Dreharbeiten zehrt, die allerdings schon eine ganze Zeit zurückliegen.

Erst im November letzten Jahres stattete ich Turville erneut einen Besuch ab. Direkt neben dem Türchen des Eingangs zum Kirchvorplatz steht ein Haus, das heute den Namen Sleepy Cottage trägt, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für einige Jahre im Mittelpunkt des Interesses für viele Menschen stand. Hier wohnten Ann und William Sadler mit einer ganzen Heerschar von Kindern, deren jüngstes Ellen hieß. Sie wurde am 15. Mai 1859 geboren und führte ein mehr oder wenig normales Leben in einer Familie mit sehr wenig Geld. Am 29. März  1871 ging Ellen abends zu Bett… und wachte erst knapp zehn Jahre später wieder auf. Das elfjährige Mädchen war in einen Dornröschenschlaf gefallen und niemand wusste warum. Ellen hatte vorher schon erhebliche Probleme mit ihrer Gesundheit gehabt, litt unter Bewusstseinsstörungen und war wochenlang in einem Krankenhaus in Reading untergebracht; aber auch dort fand man für das kranke Mädchen keine Lösung.

Ja, da lag Ellen nun in dem Haus in der School Lane und schlief und schlief. Schnell verbreitete sich die Geschichte von dem Dornröschenschlaf-Mädchen in Turville im ganzen Land und es zog neben Journalisten und Medizinern auch neugierige Menschen an, die einmal einen Blick auf Ellen werfen wollten (auch der zukünftige König Edward VII. soll auf einen Sprung vorbeigekommen sein). Das Mädchen brachte ihrer Familie zum Beispiel durch Spenden einiges an Geld ein, so keimte allmählich der Verdacht im Dorf auf, dass Ellen gar nicht in einem Tiefschlaf lag, sondern ihre Geschichte nur dazu diente, um Geld einzunehmen. Das Kind lebte übrigens von einer Art Zwangsernährung, die zum Beispiel aus Milch und Portwein bestand.

Im Mai 1880 starb Ellens Mutter, so stellte sich die Frage, wer sich um Ellen kümmern sollte, was dann zwei ihrer Schwestern übernahmen, die auch in Turville wohnten. Und dann geschah es: Am Neujahrstag 1880 schlug Ellen wieder die Augen auf und war erwacht. Sie konnte sich an nichts in den vergangenen Jahren erinnern und musste sich nach und nach wieder in ihr neues Leben eingewöhnen, denn sie war ja auf dem Stand eines elfjährigen Mädchens stehen geblieben.
Einige Jahre später heiratete Ellen einen Farmer aus Reading und zog von Turville fort. Was genau die Ursache des langen Schlafs gewesen sein mag, hat man nie herausgefunden; der Verdacht eines Schwindels ist auch nie ausgeräumt worden.

Das jetzt Sleepy Cottage genannte Haus ist häufig in der TV-Comedy-Serie „The Vicar of Dibley“ zu sehen, die in Turville gedreht wurde. Auch in dem Spielfilm „Goodnight, Mr. Tom“ mit John Thaw spielt das Haus eine Rolle.

School Lane, rechts das Sleepy Cottage.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 28. Dezember 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Alexander Walterowitsch Litwinenko auf dem Londoner Highgate Cemetery

Als der russische Oppositionelle Alexei Anatoljewitsch Nawalny am 20. August diesen Jahres Ziel eines Giftanschlages wurde, kamen Erinnerungen hoch an ähnliche gelagerte Fälle in England; in Salisbury am 4. März 2018 und am 1. November 2006 in London. In Salisbury waren der russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Ziele des Giftanschlags (siehe dazu meinen Blogeintrag) und in London der ehemalige russische Geheimdienstler und Putinkritiker Alexander Walterowitsch Litwinenko. War in den Fällen Nawalny und Skripal der Chemiekampfstoff Nowitschok im Spiel, so war es  im Fall Litwinenko der radioaktive Stoff Polonium. Rücksichtslos hinterließen die Attentäter Spuren der Gifte in der unbeteiligten Öffentlichkeit.

Litwinenko wurde am 1. November 2006 in der Pine Bar des Londoner Millennium-Hotels in Mayfair vergiftet, als ihm zwei russische Geheimdienstagenten Polonium in seinen Tee taten. Am 23. November erlag er dem Giftanschlag. Im Millennium Hotel wurden sieben Hotelangestellte durch das Gift in Mitleidenschaft gezogen, was allerdings glimpflich ausging.

Alexander Walterowitsch Litwinenko war kurz vor seinem Tod zum islamischen Glauben übergetreten. So fand auch seine Beisetzung am 7. Dezember auf dem Londoner Friedhof Highgate nach muslimischen Ritualen statt. Es nahmen einige Exil-Russen wie der Milliardär Boris Beresowski an der Feier teil (letzterer starb unter mysteriösen Umständen am 23. März 2013 in seinem Haus in Ascot).

Litwinenko wurde in einem strahlensicheren Spezialsarg beigesetzt, denn die in seinem Körper enthaltene Strahlung wird noch mehr als zwanzig Jahre lang vorhalten. Nicht weit von der Grabstelle entfernt, befindet sich das meistbesuchte Grab auf dem Highgate Cemetery, das von Karl Marx.

P.S. Das Londoner Millennium Hotel am Grosvenor Square heißt jetzt, nach einer kompletten Renovierung, The Biltmore Mayfair.

Hier ist eine Dokumentation des Falles Litwinenko:

Schauplatz des Anschlags: Das Millennium Hotel , jetzt The Biltmore Mayfair.
Photo © P Fletcher (cc-by-sa/2.0)

 

Pratt’s – Ein Londoner Gentlemen’s Club mit einer ungewöhnlichen Tradition

Author: CPrideaux
This work is in the public domain.

Park Place ist eine kleine, ruhige Nebenstraße, die von der St James’s Street abzweigt. Gleich am Anfang der Straße auf der linken Seite ist liegt einer der Gentlemen’s Clubs Londons, der Pratt’s Club, von außen nicht als solcher zu erkennen. Wie bei einem Gentlemen’s Club nicht anders zu erwarten, sind Frauen als Mitglieder tabu. Sie dürfen lediglich auf Einladung eines Clubmitglieds zum Mittagessen die heiligen Hallen betreten.

Pratt’s geht auf einen gewissen William Nathaniel Pratt zurück, der in dem Haus von 1841 bis 1860 wohnte und als Verwalter des Dukes of Beaufort tätig war. Der Duke und sein Freundeskreis gingen bei Pratt ein und aus, und nachdem der Verwalter gestorben war, führten seine Frau und ihr Sohn Pratt’s als Club weiter. Heute hat der Club um die 600 Mitglieder, die sich aber niemals alle gleichzeitig in Park Place treffen können, dafür sind die Räumlichkeiten viel zu klein. Es gibt einen Speiseraum, an dessen Tisch gerade einmal 14 Personen Platz finden können, und einen kleinen Aufenthaltsraum, alles also sehr überschaubar und elitär.

Einige der prominenten Mitglieder waren die Politiker Harold McMillan, Randolph Churchill und  Duncan Sandys. Da 14 Park Place unter Denkmalschutz steht, dürfen keine größeren Veränderungen am und im Haus vorgenommen werden. Es gibt hier keinen Aufzug und eine Klimaanlage ist auch nicht vorhanden.

Eine ungewöhnliche Tradition hat sich im Pratt’s eingebürgert: Alle männlichen Angestellten werden mit dem Namen „George“ angesprochen, egal welchen Vornamen sie tatsächlich tragen. Das soll darauf zurückgehen, dass die Mitglieder früher (?) sehr den alkoholischen Getränken der Club-Bar zusprachen und sich irgendwann nicht mehr an die Namen der Bediensteten erinnern konnten, so dass man einfach den Vornamen „George“ für alle verwendete. Bei weiblichen Angestellten gilt der entsprechende Vorname „Georgina„, was bisher aber nur einmal vorkam.

Wenn man die Straße Park Place bis fast ans Ende weitergeht, findet man dort ein wunderschönes rotes Gebäude, in dem ein 5*-Hotel untergebracht ist, das St James’s Hotel, das zu der deutschen Hotelgruppe Althoff Collection gehört.

Das St James’s Hotel in der Straße Park Place Nummer 7/8.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Londoner Elizabeth Tower und wie man ihn besichtigen kann

Nicht sehr schön anzusehen: Der in Gerüsten gekleidete Elizabeth Tower.
Author: oatsy40
Creative Commons 2.0

Seit dem Jahr 2017 ist der Londoner Elizabeth Tower, neben dem Parlamentsgebäude gelegen, und von den meisten Touristen Big Ben genannt, in Gerüste gehüllt. Er wird renoviert und soll 2021 wieder fertig gestellt sein. Eine lange Zeit war von dem Wahrzeichen Londons nicht viel zu sehen und von der berühmten Glocke The Great Bell nichts zu hören, aber das wird sich wohl bald ändern.

Der Glockenturm ist zu besichtigen, ABER: Das ist gar nicht so leicht zu bewerkstelligen und für viele Londonbesucher unmöglich, denn er ist nur für „UK residents“ zugänglich, alle Besucher aus anderen Ländern sind außen vor… und das auch schon in den Vor-Brexitzeiten. Aber auch wer „UK resident“ ist, kann da nicht so einfach in den Turm hineinspazieren, denn man braucht dafür die Einladung bzw. Genehmigung eines Parlamentsabgeordneten oder eines Mitglieds des House of Lords.

Haben die Turmbesucher in spe diese Hürde genommen, kann es sein, dass sie auf weitere stoßen, die sie von einem Gang in die luftigen Höhen abhalten. Da ist einmal das Alter; wer unter elf Jahren ist, kann gleich draußen bleiben. Menschen mit Herzproblemen haben ebenfalls keinen Zutritt, was auch für Schwangere gilt, deren Schwangerschaft schon weit fortgeschritten ist. Schließlich möchte man nicht, dass neben der Great Bell plötzlich einen Geburt stattfindet.

Wer gebrechlich aussieht, dürfte schlechte Karten für eine Turmbesteigung haben, denn es sind 334 Stufen zu bewältigen und einen Aufzug gibt es nicht. Rollatorfahrer und Menschen mit Gehhilfen: Forget it! Kommen Besucherinnen beispielsweise zum Besteigungstermin (das Wort klingt irgendwie komisch) in High Heels, können sie gleich wieder umdrehen und nach Hause fahren, denn entsprechendes Schuhwerk ist vorgeschrieben.

Ach ja, eines braucht man auf jeden Fall, wenn man den Elizabeth Tower besuchen möchte, nämlich Geduld. Die Nachfrage ist so groß, dass man so um  die sechs Monate warten muss, bis wieder ein Termin frei wird.

Besonders Wagemutige können den Turm auch auf diese Weise besteigen. Den Abstieg kann ich allerdings nicht so empfehlen.

So wird der Turm hoffentlich bald wieder aussehen, wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 25. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Weihnachten in Buckinghamshire…in Bildern

 

Das Waddesdon Manor.
Author: Peter J Dean
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In Chalfont St Giles.
Author: timo_w2s
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Die Chilterns am Weihnachtsmorgen.
Author: Peter J Dean
Creative Commons 2.0

Die High Street von Aylesbury.
Author: dlanor smada
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Am Dunsmore Hill
Author: Peter J Dean
Creative Commons 2.0

Und zum Schluss noch einmal das Waddesdon Manor, das zur Weihnachtszeit besonders schön anzuschauen ist.
Author: Amateur with a Camera.
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Published in: on 24. Dezember 2020 at 02:00  Comments (10)  
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„Abide with me“ – Ein Kirchenlied, das in Brixham in Devon geschrieben wurde

 

Henry Francis Lyte.
This work is in the public domain.

Brixham in Devon ist eine ausgesprochen hübsche Küstenstadt am südlichen Rand der sogenannten Englischen Riviera. Hier hatte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Reverend Henry Francis Lyte (1793-1847) niedergelassen, ein anglikanischer Pfarrer, dessen Kirche die All Saints Church war. Er war sehr beliebt in Brixham, denn er kümmerte sich sehr um die Fischer und die Seeleute, die in dem Ort ansässig waren. Seine Kirche war sonntags oft gut mit Gläubigen gefüllt. Lyte wohnte im Berry Head House auf der Landzunge namens Berry Head, das heute ein Hotel ist. Im Jahr 1847 ging es mit ihm zu Ende, er litt an Tuberkulose, und er wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Eines Abends, als er in seinem Garten saß und auf die Bucht herunter sah, kam plötzlich der Text von einem der beliebtesten Kirchenlieder aller Zeiten über ihn, „Abide with me„, dessen erste Strophe lautet:

Abide with me, fast falls the eventide
The darkness deepens Lord, with me abide
When other helpers fail and comforts flee
Help of the helpless, oh, abide with me

Henry Francis Lyte hätte sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, zu welcher Popularität es das Lied einmal bringen würde. Er schrieb auch eine Melodie zu seiner Hymne, doch die wurde in späterer Zeit nicht mehr verwendet, sondern eine andere, die William H. Monk 1861 geschrieben hatte.

„Abide with me“ wird gern bei Beerdigungen gesungen, zum Beispiel bei denen der Könige George V. und George VI. Die Krankenschwester Edith Cavell,  die im Ersten Weltkrieg vielen Soldaten zur Flucht verhalf und Freund und Feind durch ihren Einsatz das Leben rettete, soll das Lied bei ihrer Erschießung durch ein deutsches Exekutionskommando gesungen haben.

Es gibt unzählige Versionen von „Abide with me“; als Beispiel habe ich den Chor des King’s College aus Cambridge, den Military Wives Choir und … Doris Day herausgesucht.

Zu Brixham siehe auch diesen Blogeintrag.

Die All Saints Church in Brixham.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

 

The Berry Head Hotel.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die vier Corona-Zonen in England – Von „Medium Alert“ bis „Stay at Home“

Die wegen Corona leergefegte High Street von Melton Mowbray in Leicestershire.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Großbritannien ist seit wenigen Tagen erneut in die Schlagzeilen geraten, was die Corona-Infektionszahlen angeht. Eine neue Corona-Mutation macht sich vor allem in London und im Südosten breit, die deutlich ansteckender ist. Bisher gab es drei Corona-Zonen („tiers„), jetzt ist eine weitere dazugekommen. Betroffen von der Zone 4 („Stay at Home“) sind ganz London, Kent, Berkshire, Buckinghamshire, Hertfordshire, Essex und einige Gebiete außerhalb. Hier ist eine Übersicht, was man in den jeweiligen Zonen beachten muss:

Tier 1 („Medium Alert“)
In diese Zone gehören nur wenige Gebiete wie die Isle of Wight, Cornwall und die Isles of Scilly und Herefordshire, also alles Randgebiete.
Hier darf man ohne Einschränkungen reisen, Übernachtungen außerhalb der eigenen Wohnung sind erlaubt, alle Läden sind geöffnet, Restaurants und Pubs dürfen bis 23 Uhr Gäste empfangen.

Tier 2 („High Alert“)
In diese Zone fallen beispielsweise Norfolk, Suffolk und Cambridgeshire, Shropshire und Worcestershire, Dorset und Devon.
Auch hier darf man noch reisen, aber man sollte sich nur auf das Notwendige beschränken, die Läden sind geöffnet, Restaurants ebenfalls, Pubs nur, wenn sie auch Mahlzeiten anbieten. Um 23 Uhr müssen diese Etablissements geschlossen werden.

Tier 3 („Very High Alert“)
Hierzu gehören unter anderen Derbyshire, Lincolnshire und Nottinghamshire, Yorkshire, außer North Yorkshire und der Stadt York, die in Tier 2 sind, und South Gloucestershire.
In diesen stärker von Corona betroffenen Regionen sollte man auf Reisen verzichten, darf aber in Läden, zur Arbeitsstätte und in geöffnete Restaurants und Pubs fahren. Treffen mit haushaltsfremden Personen sind in der eigenen Wohnung beschränkt, ebenso Übernachtungen außerhalb der eigenen Region, Homeoffice wird dringend empfohlen. Alle Läden dürfen öffnen, Restaurants und Pubs dagegen nur noch Speisen außer Haus und Lieferservice anbieten. Friseure, Nagel- und Schönheitssalons  können Kund*innen empfangen.

Tier 4 („Stay at Home“)
Die betroffenen Regionen habe ich oben genannt.
Treffen mit anderen Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sind noch stärker beschränkt, Reisen außerhalb der eigenen Region und ins Ausland sind untersagt, Hotels sind in der Regel geschlossen, Läden sind geschlossen mit Ausnahme von Supermärkten und denen, die lebensnotwendige Güter anbieten. Restaurants und Pubs bleiben geschlossen mit den in Tier 3 genannten Ausnahmen. Auch die Friseure und Schönheitssalons müssen jetzt schließen. Bibliotheken dürfen ihre Pforten nicht mehr öffnen.

Dies ist natürlich nur eine Momentaufnahme mit dem Stand 21.12.2020. Jederzeit können Verschiebungen stattfinden, vor allem, wenn sich das mutierte Virus weiter verbreitet.

 

Published in: on 22. Dezember 2020 at 02:00  Comments (1)  
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„Mind the Gap“ – Ein Warnhinweis in der Londoner U-Bahn, der Einzug in die Umgangssprache gefunden hat

Auf vielen Bahnsteigen in der Londoner U-Bahn besteht eine Gefahrenquelle darin, dass zwischen dem stehenden Zug und dem Bahnsteig eine Lücke klafft. Darauf wird auf mehrfache Weise hingewiesen: An der Bahnsteigkante steht in großen Buchstaben „Mind the Gap“ geschrieben, in den Zügen selbst weist eine Laufschrift auf die Gefahr hin und per Lautsprecherdurchsage werden die Reisenden immer wieder mit „Mind the Gap“ gewarnt. Mittlerweile hat sich der kurze Satz in der Alltagssprache etabliert und wird auch für andere Situationen angewendet.

Seit 1968 gibt es das Lautsprecherwarnsystem, das von dem Tontechniker Peter Lodge eingeführt wurde. Er engagierte einen Schauspieler, der die Sätze „Mind the gap“ und „Stand clear of the doors please“ auf Band sprach, doch da dieser darauf bestand, jedes Mal wenn seine Sätze in der U-Bahn abgespielt wurden, dafür Tantiemen zu bekommen, wurde nichts daraus, so dass Lodge letztendlich die Sätze selber sprach, und diese wurden dann auch für lange Zeit verwendet (hier zu hören). Auf manchen U-Bahnlinien wurden andere Sprecher bzw. Sprecherinnen verwendet wie Tim Bentinck, Julie Berry und Emma Clarke (hier zu hören), die bei ihrem Arbeitgeber aber in Ungnade fiel, weil sie sich angeblich despektierlich über die Londoner U-Bahn geäußert haben soll. Auch Oswald Laurence war einer der Sprecher des berühmten Satzes, dessen Band aber kaum mehr abgespielt wurde. Nachdem er 2007 gestorben war, ging seine Witwe  häufig zur U-Bahnstation Embankment, um dort noch die Stimme ihres Mannes zu hören. Transport for London überspielte die Ansage auf eine CD und schenkte sie der Witwe (hier zu hören).

„Mind the Gap“ findet man auf vielen Souvenirs aus der britischen Hauptstadt, auf T-Shirts, Socken, Slips, Kaffeebechern, Schlüsselanhängern usw. usw.

 

Ein Mitbringsel aus London für den Daheimgebliebenen
Author: Annie Mole
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…und für die Daheimgebliebene.
Author: Annie Mole
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 21. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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„This Old Man“ – Ein englisches Kinderlied und einer der berühmtesten TV-Detektive der Welt

Es gibt Melodien, die sich nach mehrmaligem Hören derart ins Gedächtnis eingraben, dass man sie sobald nicht mehr los wird. Dazu gehört ein englisches Kinderlied, das den Titel „This Old Man“ trägt, und das um 1906 herum erstmals veröffentlicht wurde, dessen Ursprünge aber ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Die erste Strophe lautet:

This old man, he played one,
He played knick-knack on my thumb/drum;
With a knick-knack paddywhack,
Give a dog a bone,
This old man came rolling home.

Das geht immer so weiter bis zu Strophe 10, in der es dann heißt:

This old man, he played ten,
He played knick-knack once again;
With a knick-knack paddywhack,
Give a dog a bone,
This old man came rolling home.

Es handelt sich hier also auch um ein Zähllied für Kinder. Hören wir es uns einmal an:

Was soll das nun alles bedeuten? Die vorherrschende Meinung ist, dass sich das Lied ursprünglich auf irische Bettler bezieht, die nach der Hungersnot in Irland nach England kamen, um dort an den Haustüren „knick knacks„, also Schnickschnack, zu verkaufen, beziehungsweise eine Melodie namens „nick nack“ mit Löffeln zu spielen, um dafür ein wenig Geld zu bekommen. „Paddy whack“ bedeutet so viel wie „einen Iren verprügeln“. „This old man came rolling home“ könnte heißen, dass er sich von dem erbettelten Geld einen hinter die Binde gegossen hat. Wie auch immer, es gibt mehrere Interpretationen für das Lied.

Wer meine absolute TV-Lieblingsserie „Columbo“ genauer verfolgt hat, erinnert sich vielleicht daran, dass Lieutenant Columbo vom Los Angeles Police Department hin und wieder ein Liedchen pfeift, meist dann, wenn er der Lösung des Falles näher gekommen ist… und das ist „This Old Man“, erstmals in der Episode „Any Old Port in a Storm“ (dt. „Wein ist dicker als Blut“) aus dem Jahr 1973. Dieses gepfiffene Lied zieht sich durch die gesamte Serie als kleiner Gag wie auch die nie zu sehende Mrs Columbo, der Regenmantel und der uralte Peugeot des Inspektors. Hier sind noch einmal einige Bilder mit dem großartigen Peter Falk als Columbo, untermalt mit „This Old Man“.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die einzige Columbo-Episode, die in England gedreht wurde.

Published in: on 20. Dezember 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Wer war eigentlich … Downing, nach dem die Downing Street in London benannt wurde?

Sir George Downing (1623-1684). – This image is in the public domain because its copyright has expired.

Die Adresse „Number 10 Downing Street“ kennt wohl jedes Kind als Sitz des britischen Premierministers. Nach wem wurde die kurze Straße im Londoner Zentrum nun eigentlich benannt? Gab es jemanden, der Downing hieß?

Ja, den gab es, und zwar war der Namensgeber der bekanntesten Straße im ganzen Königreich Sir George Downing, der von 1623 – 1684 lebte, ein Diplomat und Staatsmann, der seinerzeit als Treasury Secretary, Finanzminister, für einige weit reichende Reformen im öffentlichen Finanzwesen verantwortlich war. Außerdem spielte Downing bei der Erwerbung der Stadt New York von den Holländern eine wesentliche Rolle.
Im Laufe seines Lebens schaffte Downing auch eine ganze Menge Geld für sich beiseite und war der größte Landbesitzer in ganz Cambridgeshire. Er galt zwar als geschickter Diplomat und ausgezeichneter Finanzjongleur, sein Ruf war aber nicht so ganz ungetrübt, denn er schien ein richtiger Geizkragen gewesen zu sein (aber als Finanzminister muss man das wohl sein).

Man hatte seinerzeit den Straßennamen gut gewählt, denn in der Downing Street, der Nummer 11, residiert auch der britische Schatzkanzler, der für die Finanzen des Staates verantwortlich ist, das ist seit dem 13. Februar 2020 Rishi Sunak von der Konservativen Partei.

Im Jahr 2014 kam der Actionthriller „He who dares: Downing Street Siege“ (dt. „Downing Street Down“) in die Kinos, in dem die Straße eine bedeutende Rolle spielt.

In anderen Städten Englands gibt es auch Straßen mit dem Namen Downing Street, zum Beispiel in Farnham in Surrey. In der dortigen Nummer 10 ist ein Tattoo-Studio untergebracht.

Schwer bewacht, die Londoner Downing Street.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

 

Die bekannteste Tür in Großbritannien?
Author: UK Prime Minister
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Downing Street No. 10 1/4, ein „Dinky Doors“ Street Art Projekt in Cambridge.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Susan McGowan: The A-Z of Curious Kent

Foto meines Exemplares.

Der Verlag The History Press ist außerordentlich produktiv und hat ein Programm, das jedem, der an England interessiert ist, etwas bietet. Nach dreißig Jahren in Stroud in Gloucestershire zog der Verlag 2019 nach Cheltenham, ebenfalls in Gloucestershire gelegen.

Aus dem Programm für das Jahr 2020 habe ich mir unter anderem auch das Buch „The A-Z of Curious Kent: Strange Stories of Mysteries, Crimes and Eccentrics“ von Susan McGowan zugelegt. Die Grafschaft Kent hat einiges an Mysteriösem und Kuriosem zu bieten wie bereits die beiden Bücher „Kent’s Strangest Tales“ von Martin Latham und „Kent Urban Legends“ von Neil Arnold gezeigt haben.

Susan McGowan listet die ungewöhnlichen Dinge und Ereignisse in ihrem Buch, das von Colin McGowan sehr hübsch illustriert ist, in alphabetischer Reihenfolge auf und beginnt ihre Kuriositätensammlung mit einem kurzen Artikel über „Alluvia„, dem Kunstwerk von Jason deCaire, das im River Stour in Canterbury liegt (siehe dazu meinen Blogeintrag) und beendet das Buch mit „The Zombie Apocalypse: Hollywood Comes to East Kent„; darin schreibt sie, dass der Zombie-Film „World War Z“ (dt. „World War Z“) mit Brad Pitt in der Hauptrolle in Teilen in den ehemaligen Laboratorien der amerikanischen Pharmaziefirma Pfizer in Sandwich gedreht wurden (die hier unter anderem das Potenzmittel Viagra produzierten).

„The A-Z of Curious Kent“ takes you off the beaten track, to a world of daddlums and hufflers, gavelkind and grotters“ heißt es in dem Buch, das ich sehr als Ergänzung zu einem Standardreiseführer empfehlen kann (daddlum=ein Pubspiel, huffler=der Beruf eines Transporteurs an der Küste Kents, gavelkind=Lehnsbesitz, der beim Tode des Inhabers den ehelichen Abkömmlingen zu gleichen Teilen zufällt, so das Langenscheidts Wörterbuch, grotter=kleine Grotten, die aus Austernschalen gebaut werden).

Susan McGowan: The A-Z of Curious Kent – Strange Stories of Mysteries, Crimes and Eccentrics. The History Press 2020. 158 Seiten. ISBN 978-0-7509-9126-1.

Published in: on 18. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Pangbourne in Berkshire – Einige Anmerkungen

Wie Perlen an einer Schnur aufgereiht, liegen die Autohändler von Nobelmarken wie Lamborghini, Bentley und Aston Martin an der Station Road in Pangbourne in der Grafschaft Berkshire. Ein Zeichen, dass in dieser Region westlich von London einige wohlhabende Menschen wohnen. Die A329 führt durch den hübschen Ort an der Themse hindurch. Gegenüber von dem Lamborghini-Händler an der Station Road steht das Village Sign von Pangbourne, das wie immer Aufschluss darüber gibt, was es mit dem Ort auf sich hat. Es zeigt, das Schild beherrschend, einen König mit Krone auf dem Haupt und Schwert in der Hand. Es handelt sich dabei um Paega, einen sächsischen Stammesfürsten aus dem 9. Jahrhundert, von dem sich der Name Pangbourne ableitet (= „Paega’s People’s Stream“). Über dem Ortsnamen zeigt das Dorfschild ein Wikingerschiff, darunter ist ein aufgeschlagenes Buch zu sehen, „The Wind in the Willows“ von Kenneth Grahame (1859-1932), das diesem Autor Tribut zollt, der von 1924 bis zu seinem Tod im Jahr 1932 im Church Cottage in Pangbourne wohnte. „The Wind in the Willows“ ist ein absoluter Kinderbuchklassiker, der in deutscher Übersetzung „Der Wind in den Weiden“ heißt und der im englischen Original 1908 erschienen ist. Das Restaurant des George Hotels in Pangbourne ist nach der Überschrift des fünften Kapitels des Buches benannt: Dulce Domum („Sweetly at home“).

Wer Jerome K. Jeromes wunderbares Buch „Three Men in a Boat“ (dt. „Drei Mann in einem Boot“) gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass die Themsefahrt für die drei Männer und ihrem Hund hier in Pangbourne ein Ende genommen hat und zwar am The Swan, den ich in meinem Blog schon in einem separaten Artikel beschrieben habe.

The Boathouse an der Themse spielt in der britischen Rockgeschichte eine Rolle, denn in diesem Haus, das ein gewisser Jimmy Page 1967 für £6,000 gekauft hatte, wurde die Geburtsstunde der legendären Rockband Led Zeppelin eingeläutet, als Robert Plant dazu stieß und die beiden Musiker sich bei Tee und Schallplattenhören anfreundeten. The Boathouse liegt an der Straße Shooters Hill (Nummer 4).

Auf der anderen Seite des Flusses liegt schon die Grafschaft Oxfordshire und der Ort Whitchurch-on-Thames, verbunden durch die gebürenpflichtige Whitchurch Bridge (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Themse bei Pangbourne.
Photo © Ruth Sharville (cc-by-sa/2.0)

Die Eisenbahnbrücke über die Station Road.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Squidbeak – Yorkshire’s Independent Restaurant Guide

Eines meiner Lieblingsrestaurants in York: The Blue Bicycle.  Seit 2019 heißt es The Blue Barbakan.
Eigenes Foto

Was fällt einem spontan zu Yorkshires Kulinarik ein? Äh…Yorkshire pudding? Käse aus dem Wensleydale? Ersteres genießt in Gourmetkreisen kein allzu hohes Ansehen, der Käse, na ja schon eher. Dabei gibt es in den vier Teilen Yorkshires durchaus einiges Erwähnenswerte, vor allem im Bereich der Restaurants und Pubs. Einige davon, die ich selbst ausprobiert habe, sind in meinem Blog zu finden. Ich nenne einige Beispiele: The General Tarleton in Ferrensby (dem Corona leider kürzlich den Garaus gemacht hat), The Angel in Hetton und The Crab & Lobster in Asenby.

Ein hervorragender Leitfaden für alles Kulinarische in ganz Yorkshire ist die Webseite „www.squidbeak.co.uk„, die Jill Turton (Mitglied der Guild of Food Writers) und Mandy Wragg ins Leben gerufen haben. Beide sind erfahrene Restaurantkritikerinnen, die schon für namhafte Zeitungen und Zeitschriften tätig waren; sie stammen aus dem Norden Englands und kennen sich in der Restaurantszene dort besonders gut aus.

Die Suchmöglichkeiten auf den Webseiten sind sehr gut; allerdings sind manche Rezensionen schon recht alt und entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand.

Zu den Favoriten der beiden kenntnisreichen Kritikerinnen gehören zum Beispiel der Black Swan in Oldstead, The Pipe and Glass in South Dalton und natürlich The Star Inn in Harome, eines der besten Restaurants im Norden Englands.

Wer sich für die kulinarische Seite Yorkshires interessiert, ist mit Squidbeak gut bedient!

 

Published in: on 16. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – James Ball: Should I Stay or Should I Go

Foto meines Exemplares.

Was für ein herrlich amüsantes Buch von Ball, J! Es ist gewöhnungsbedürftig, dass der Autor von „Should I Stay or Should I Go and 87 Other Serious Answers to Questions in Songs“ von den Rocksängerinnen- und -sängern in seinem Buch nicht von Mick Jagger oder Freddie Mercury spricht, sondern von Jagger, M und Mercury F, aber nach und nach findet man sich damit ab.

Worum geht es in dem Buch? Der Autor nimmt 88 Rocksongs überwiegend britischer und US-amerikanischer Provenienz unter die Lupe und beschäftigt sich mit Fragen, die in diesen Songs aufgeworfen werden.

Nehmen wir ein Beispiel:
Die Girlgroup Labelle nahm 1974 den Song „Voulez-vous coucher avec moi ce soir?“ auf. Dieser bedeutsamen Frage geht Ball, J nach und bezieht sich auf eine wissenschaftliche Untersuchung zweier amerikanischer Psychologen, die Studentinnen und Studenten auf einem Collegecampus losgeschickt haben, und die jeweils unbekannte junge Männer bzw. junge Frauen des anderen Geschlechts die Fragen gestellt haben: „Würdest Du heute Abend mit mir ausgehen?„, „Würdest Du mit mir in mein Apartment kommen?“ und „Würdest Du mit mir schlafen?„. Die Antworten wurden von den Psychologen ausgewertet und es ergab sich: 50% sagten bei Frage 1 „Ja“; bei Frage 2 lehnten fast alle Frauen ab, 69% der gefragten Männer sagten zu und bei Frage 3? Alle Frauen sagten „Nein“, aber 75% der Männer sagten „Ja, gerne“. In einer anderen Umfrage aus dem Jahr 2005 wurde nach der Häufigkeit von Sex gefragt, und da ergab sich, dass Griechinnen und Griechen die höchste Sexrate mit 138mal pro Jahr hatten. Fazit: Wer die größte Erfolgsquote bei der anfangs gestellten Frage haben möchte, sollte sie an eine Griechin oder einen Griechen stellen.

Ein zweites Beispiel:
Im Jahr 2000 fragten die Baha Men in ihrem Song “ Who Let the Dogs Out? „, wer denn verdammt noch mal die Hunde freigelassen hat. Die mögliche Antwort:  Es waren Tierschutzaktivisten, die die Hunde, die für Tierversuche vorgesehen waren, aus ihren Käfigen ließen, um sie vor Quälereien zu schützen.

Mein Favorit: „What Does the Fox Say?“ von Ylvis aus dem Jahr 2013. Da geht der Buchautor mit den norwegischen Interpreten hart ins Gericht und lehnt alle Vorschläge im Song wie „ring-ding-ding“ oder fraka-kaka“ kategorisch ab und verweist auf die spitzen Schreie der Füchsinnen in der Paarungszeit im Januar.

Weitere Fragen, denen Ball, J nachgeht, lauten „Are Friends Electric?“ (Gary Numan), „Are We Out of the Woods Yet?“ (Taylor Swift) und „Where Have All the Flowers Gone?“ (Peter, Paul and Mary).

Ich habe sehr viel Vergnügen an dem Buch gehabt und kann es nur weiter empfehlen!

James Ball: Should I Stay or Should I Go and 87 Other Serious Answers to Questions in Songs. Boxtree 2018. 183 Seiten. ISBN 978-0-7522-6652-7.

 

Published in: on 15. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

M.P. Micky Mouse oder Wie das britische Parlament mit einer Mäuseplage zu kämpfen hat

Der Westminster Palast, der das britische Ober- und Unterhaus beherbergt, liegt majestätisch am Themseufer und gehört zu einem der Highlights einer jeden Londoner Stadtrundfahrt. Am 27. April 1840 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Palastes, der am 16. Oktober 1834 einem Feuer zum Opfer gefallen war. Charles Barry war damals der maßgebende Architekt, der zusammen mit Augustus Pugin, das riesige Gebäude erstehen ließ, in dem noch heute die Parlamentarier ein und aus gehen und in dem, gerade in der letzten Zeit, hitzige Debatten geführt wurden.

Doch sieht man einmal hinter die Kulissen des Palace of Westminster entdeckt man immer mehr Probleme, die wohl auch in Zukunft zunehmen werden. Vieles ist marode, in den Kellergewölben ziehen sich brüchige Versorgungsleitungen und -kabel entlang, die nicht mehr heutigen Standards entsprechen. In den Büros kommt es schon mal vor, dass es von der Decke heruntertropft. Außerdem ist das Parlamentsgebäude zum Lieblingsaufenthaltsort Londoner Mäuse geworden. Über eine halbe Million Nager sollen hier ihre Zelte aufgeschlagen haben und den Palast unsicher machen. Da es in dem Gebäude zwischen den Wänden und unter den Fußböden unzählige Nischen, Lücken und Aushöhlungen gibt, sind das für Mickey Maus und seine Freunde paradiesische Zustände, und die lustige Bande wird immer frecher und wagt sich zunehmend aus ihren Verstecken hinaus, um sich dort umzuschauen, wo britische Politik gemacht wird. Kaum einer der Parlamentsmitglieder, der noch keine Begegnung mit einem der Nager hatte. Besonders beliebt sind die Kantinen und Restaurants, wo es immer Leckereien zu finden gibt, und da laufen die possierlichen Tierchen auch schon über die Füße der Essenden, um an ihre Nahrung zu gelangen.

Alle bisherigen Maßnahmen, der Mäusegesellschaft Herr zu werden, haben nichts genützt. Hunderttausende Pfund sind schon ausgegeben worden, ohne nennenswerten Erfolg. Es gibt sogar Statistiken über die monatlichen Mäusesichtungen. Der Ruf nach Katzen wird immer lauter, die den Parlamentariern helfen sollen, aber bei der riesigen Menge an Mäusen, wäre das eine Herkulesaufgabe für sie. Vielleicht könnte Boris Johnson seinen Downing Street 10-Kater Larry ausleihen, der für eine mäusefreie Residenz des Premierministers sorgt.

Dummerweise haben Mäuse auch eine Vorliebe, an Stromkabeln zu nagen (aus Ärger, dass man sie in den Restaurants und Bars des Hauses nicht willkommen heißt), was wiederum zu gefährlichen Situationen führen kann. Brände könnten sich entwickeln und der Westminster Palace abgefackelt werden. Was Guy Fawkes am 5. November 1605 nicht schaffte, könnte den kleinen Nagern heute gelingen.

Wie man es auch dreht und wendet, das Parlamentsgebäude muss von Grund auf saniert werden… und das wird sehr, sehr teuer. Ob das nach dem Brexit am 1. Januar 2021 finanziell noch möglich sein wird?

Larry, the Downing Street Cat. 
Author: UK Prime Minister
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Published in: on 14. Dezember 2020 at 02:00  Comments (2)  
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Der Happy at Home Index der Internetplattform „Rightmove“

St Ives in Cornwall.
Photo © Kurseong Carl (cc-by-sa/2.0)

In welchen Orten war man im Jahr 2020 in Großbritannien am glücklichsten? Dieser Frage geht der sogenannte „Happy at Home Index“ der Immobilien-Internetplattform Rightmove nach. Anhand von zehn Kriterien wird dieser Index jetzt bereits seit neun Jahren erstellt, darunter zählen beispielsweise:

– Wie stark ist der Gemeinschaftssinn in der Kommune ausgeprägt?

– Wie freundlich und höflich sind meine Mitbürger?

– Gibt es genügend kulturelle Angebote?

– Wie sieht es mit der Natur und den Grünflächen aus?

– Wie ist die Infrastruktur? Gibt es genügend Schulen, Ärzte, Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte?

In diesem Jahr nimmt St Ives in Cornwall den Spitzenplatz ein, eigentlich keine große Überraschung, denn schon seit vielen Jahrzehnten zieht es Menschen an diesen Ort an der Nordküste Cornwalls. Künstler behaupten, dass es hier, wie an der Côte d’Azur in Frankreich, ein ganz besonderes Licht gibt. Mittlerweile sind die Immobilienpreise in St Ives derart gestiegen, dass es nicht mehr allzu viele Künstler gibt, die es sich leisten können, in der Stadt ein Atelier zu unterhalten. Über £400 000 liegt der Durchschnittspreis einer Immobilie.

Deutlich niedriger liegen da die Preise in Skipton in North Yorkshire, einer Kleinstadt im Norden des Landes, die den zweiten Platz einnimmt, nämlich bei £226 000. Die „Stadt der Schafe“ am River Aire mit seiner alten Burganlage habe ich immer als sehr angenehm empfunden, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass es sich gut leben lässt.

Auf Platz 3 in diesem Jahr liegt Leamington Spa (oder auch Royal Leamington Spa genannt) in Warwickshire. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um einen Kurort am River Leam, der durch einen Besuch von Queen Victoria im Jahr 1838 mit dem Zusatz „Royal“ geadelt wurde. Nach und nach wächst Leamington Spa mit der Nachbarstadt Warwick zusammen, die auch einiges zu bieten hat wie das Warwick Castle.

Auf den folgenden Plätzen des „Happy at Home Inex“ stehen:

Platz 4: Llandrindod Wells in Wales

Platz 5: Perth in Schottland

Platz 6: Kendal in Cumbria

Platz 7: Stratford-upon-Avon in Warwickshire

Platz 8: Dorchester in Dorset

Platz 9: Harrogate in North Yorkshire

Platz 10: Richmond-upon-Thames in London

Skipton in North Yorkshire.
Photo © Lakeland Ramblers (cc-by-sa/2.0)

Die Royal Pump Rooms in Leamington Spa in Warwickshire.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Die Jacka Bakery in Plymouth (Devon) – Die älteste Bäckerei in Großbritannien

6. September 1620. Im Hafen der Stadt Plymouth lag das Segelschiff Mayflower, das 102 Passagiere und 31 Mann Besatzung von Devon nach Amerika bringen sollte. Wie mag es wohl den Pilgervätern zumute gewesen sein, als sie sich auf diese lange Reise begaben, über einen riesigen Ozean voller Gefahren? Vielleicht haben sie die Snacks ein wenig aufgemuntert, die sie sich von einer nahe gelegenen Bäckerei mit an Bord genommen hatten, der Jacka Bakery in der Southside Street, mitten in der heutigen Touristenhochburg The Barbican. Southside ist auch die Straße, in der sich die berühmte Plymouth Gin Distillery befindet, die allerdings erst 1793 in Betrieb genommen wurde. Eigentlich schade, denn die Pilgerväter hätten einige Flaschen Gin auf der Reise gut gebrauchen können (oder durften die keinen Alkohol trinken?).

Die Jacka Bakery existiert noch heute in der Southside Street Nummer 38 und ist damit die älteste Bäckerei im Königreich. Die Besitzer erfreuen sich eines hervorragenden Rufes, denn sie bieten eine breite Palette an Brotsorten an (sie beliefern auch eine ganze Reihe von Restaurants in der Stadt), legen Wert auf erstklassigen Kaffee, den man vor Ort verkosten kann und haben kleine Speisen im Angebot.

Die Familie Laughton hat die historische Bäckerei im Jahr 2015 übernommen und ist schon nach kurzer Zeit beim Tripadvisor zur besten „bakery“ in der Grafschaft Devon ernannt worden.

Die Jacka Bakery findet man in der schmalen Southside Street zwischen einem kleinen Schmuckladen und dem Restaurant Le Monde. Von hier aus ist es nur einen Katzensprung bis zum Hafen und dem Mayflower Steps Memorial, von wo aus die Pilgerväter mit Keksen aus der Jacka Bakery gen Amerika zogen.

Das Mayflower Steps Memorial im Hafen von Plymouth
Author: barryskeates
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Published in: on 12. Dezember 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Kedgeree – Ein Reisgericht mit Fisch, das man auch zum Frühstück essen kann

In jedem Hotel in England, in dem ich bisher gewohnt habe, gibt es auf der Menükarte am Frühstückstisch mindestens zwei Fischgerichte, den Kipper und oft auch den „smoked haddock„. Räucherlachs kann man sich meist zum Rührei bestellen, und dann gibt es noch hin und wieder das Kedgeree, was aber nach meiner Erfahrung nicht so oft vorkommt. Meine erste Begegnung mit Kedgeree fand im Madeley Court Hotel in Telford in der Grafschaft Shropshire statt. Dort sah ich auf der Frühstückskarte das mir bis dahin unbekannte Gericht und orderte es. Ich fand es so wohlschmeckend, dass Kedgeree seitdem auch bei uns zuhause auf den Tisch kommt, allerdings nicht zum Frühstück, sondern mittags oder abends als Hauptgericht.

In der Regel besteht Kedgeree aus Reis, gekochten Eiern, indischen Gewürzen und Fisch; wir nehmen immer in Milch erwärmten, geräucherten Heilbutt, der sich meiner Meinung nach am besten dafür eignet. Der Fisch wird nach dem Erwärmen in kleine Stücke gezupft, fertig!

Wie der Name schon vermuten lässt, ist Kedgeree ein Gericht der britisch-indischen Küche, das Arthur-Robert Kenney-Herbert (1805–1884), ein hochrangiger Kolonialoffizier, in seinem Heimatland populär machte. Er diente nicht nur in der Armee, sondern schrieb auch Kochbücher. Während seiner Zeit in Indien veröffentlichte er seine Rezepte in Tageszeitungen des Subkontinents, meist unter dem Pseudonym Wyvern. Vielleicht war es ihm ein wenig unangenehm, seinen richtigen Namen mit dem Thema „Kochen“ in Zusammenhang zu bringen, denn Soldatentum und Kochen passte in der damaligen Zeit nicht so recht zusammen. Als Kenney-Herbert wieder zuhause in England war, erschienen einige seiner Kochbücher, darunter auch „Fifty breakfasts„, in dem er das Kedgeree propagierte.

Wer gern Fisch ist, dem kann ich dieses Gericht empfehlen, das in diesem Film von Nigella Lawson zubereitet wird, die dafür Lachs verwendet; es gibt also viele alternative Zubereitungsmöglichkeiten.

Published in: on 11. Dezember 2020 at 02:00  Comments (8)  
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The Amersham Fair Organ Museum in Buckinghamshire

Mit der Metropolitan Line ist man in nur 42 Minuten von London aus in Amersham in Buckinghamshire, einem zweigeteilten Ort, der aus dem hübscheren Old Amersham und dem moderneren Amersham-on-the-Hill besteht. Old Amersham ist „posh“ mit schicken Restaurants (Gilbeys’s, The Artichoke), historischen Hotels (The Crown, The King’s Arms) und kleinen Boutiquen.

In Amersham-on-the-Hill gibt es etwas zu sehen, was vor allem Nostalgiker sehr ansprechen dürfte: The Amersham Fair Organ Museum. „Amersham’s best kept secret“ hat sich auf das Sammeln von alten Jahrmarktsorgeln spezialisiert. Etwas abgelegen in einer Seitenstraße der Plantation Road findet man dieses Museum, in dem man so richtig schön in vergangene Zeiten abtauchen und der Kirmesmusik lauschen kann. In über fünfzig Jahren sind hier Instrumente der Hersteller Gavioli, Marenghi und Hooghuys,  zusammengetragen worden. Auch die beiden deutschen Firmen Gebrüder Weber und Wilhelm Bruder Söhne, früher beide in Waldkirch im Schwarzwald ansässig, sind mit Jahrmarktsorgeln vertreten. 

Dieser Film gibt einen ersten Eindruck vom Amersham Fair Ground Museum und wer von dieser nostalgischen Musik nicht genug bekommen kann, der kommt hier auf seine Kosten.

The Amersham Fair Organ Museum
28 Plantation Road
Amersham
Buckinghamshire
HP6 6HJ

Published in: on 10. Dezember 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Wer war eigentlich… Der Gründer von Debenhams?

Das wird ein trauriges Weihnachten bei Debenhams in diesem Jahr (hier in der Londoner Oxford Street).
Photo © Martin Addison (cc-by-sa/2.0)

Debenhams gehört zu den größten Einzelhandelsketten Großbritanniens mit etwa 160 Filialen. Auch im europäischen und asiatischen Ausland sind viele Department Stores zu finden, die der Firma gehören.
Doch wer war nun eigentlich „Debenhams“? Der Name geht auf den Gründer William Debenham zurück, der von 1794 bis 1863 lebte und aus Suffolk stammte. Zusammen mit einem gewissen Thomas Clark führte er 1813 in der Londoner Wigmore Street einen Stoffladen; ein zweiter wurde einige Jahre später in Cheltenham eröffnet. Ab 1905 firmierten die Geschäfte unter dem Namen Debenhams Limited.

So richtig begann die Firma dann unter dem Enkel Ernest Debenham zu florieren, der in ganz Großbritannien Kaufhäuser übernahm, die noch eine Zeit lang unter ihrem alten Namen geführt wurden, bis sie dann alle unter das Dach mit dem Namen „Debenhams“ kamen.
Als sich Ernest Debenham zur Ruhe setzte, verkaufte er seine Anteile an der Firma, so dass von da ab niemand mehr von der namensgebenden Familie im Unternehmen saß. 1931 erhielt er den neu geschaffenen Titel Baronet of Bladen. Der 1971 geborene Sir Thomas Adam Debenham ist zurzeit der 4. Baronet of Bladen.

Ja, und nun ist das Aus für die Kaufhauskette  gekommen. Corona und der Onlinehandel im Internet haben Debenhams das Lebenslicht ausgeblasen. Tausende von Jobs werden wegfallen, die 124 Filialen werden schließen, ein Käufer konnte nicht gefunden werden. Jetzt werden die Läden abgewickelt, das heißt, die Restbestände werden verkauft und dann ist Schluss. Eine traurige Nachricht für viele Shopper, für die Debenhams immer ein wichtiger Teil ihrer High Street war.

 

Published in: on 9. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Red Herring Awards der Crime Writers‘ Association

Die ehemalige Londoner Buchhandlung Murder One des Red Herring-Preisträgers Maxim Jakubowski.
Author: Literary Tourist
Creative Commons 2.0

Die Crime Writers‘ Association  (CWA) ist der wichtigste Zusammenschluss aller britischen Kriminalroman-Schriftsteller. Der Höhepunkt im Leben der CWA ist die jährliche Vergabe der Preise an die besten Krimis bzw. die besten Autoren. Den Gold Dagger bekommt der beste Roman des Jahres, der in diesem Jahr „Good Girl, Bad Girl“ (dt. „Schweige still“) heißt und vom Michael Robotham geschrieben wurde. Robotham ist ein australischer Autor, dessen Werke so gut wie alle ins Deutsche übersetzt worden sind.

Neben dem Gold Dagger gibt es noch viele weitere jährliche Auszeichnungen der CWA, ich möchte heute aber nur auf einen, den Red Herring Award, näher eingehen. Ein „roter Hering“ ist ein Bestandteil sehr vieler Krimis, durch den die Leser auf eine falsche Spur gelockt werden sollen. Der Preis wurde erstmals 1959 vergeben und zwar an Menschen, die sich durch ihre Arbeit besondere Verdienste um die CWA und die britische Kriminalliteratur erworben haben. Die ersten beiden Preisträger waren Roy Vickers und Janet Green. Vickers (1888-1965) machte sich in den 1940er Jahren einen Namen durch seine „Department of Dead Ends“-Kurzgeschichten, ist heute aber weitgehend vergessen. Janet Green (1908-1993) war eine Drehbuchautorin in den 1950er und 1960er Jahren.

Zu den namhaftesten Red Herring Award-Empfängern gehören unter anderen Julian Symons (1966), Reginald Hill (2001), Peter Walker (2007) und Maxim Jakubowski (2010). Letzteren habe ich vor vielen Jahren in seiner legendären Londoner Krimibuchhandlung Murder One in der Charing Cross Road kennengelernt, die er von 1988 bis 2009 betrieb.

Die Awards werden nicht jedes Jahr verliehen, 2020 zum Beispiel  nicht.

 

Published in: on 8. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Nick Hayes: The Book of Trespass – Crossing the Lines That Divide Us

Foto meines Exemplares.

Guy Shrubsole hat sich in seinem Buch „Who Owns England? – How We Lost Our Green & Pleasant Land & How to Take It Back“ (siehe dazu meinen Blogeintrag) die Frage gestellt, wem Englands Grund und Boden eigentlich gehört und ist dabei zu ernüchternden Ergebnissen gekommen. Nick Hayes geht noch einen Schritt weiter und begibt sich dahin, wo Schilder ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Betreten der Ländereien verboten ist. In seinem Buch „The Book of Trespass: Crossing the Lines That Divide Us“ macht er darauf aufmerksam, dass man 92% des Landes nicht so einfach betreten darf, und, was vielleicht noch weniger bekannt ist, dass 97% aller Flussläufe ebenfalls nicht ohne Genehmigung befahren werden dürfen. Das Wasser in den Flüssen gehört der Krone, die Ufer bis zur Flussmitte gehören den jeweiligen Landbesitzern, das heißt von den 42 700 Meilen Flussläufen sind lediglich 1400 Meilen bzw. 3% frei zugänglich.

Nick Hayes setzt sich, entweder allein oder mit Freunden, über die „No Trespassing„-Schilder der großen Landsitze hinweg und verbringt  eine Nacht auf verbotenem Gelände, zum Beispiel im Highclere Castle, im Arundel Castle und im Belvoir Castle. Erwischt wird er dabei nicht.

Selbst die großen Moorflächen im Norden Englands sind oft in privater Hand und werden gern von den Besitzern und dessen Freunden zum Moorhuhnschießen benutzt, einige wenige Male im Jahr, sonst liegt das Gelände brach und niemand darf es betreten.

The vast majority of our country is entirely unknown to us because we are banned from setting foot on it“ heißt es im Buch und „„The Book of Trespass“ will transform the way you see the land„.

Ein hoch interessantes Buch, ideale Ergänzung zu Guy Shrubsoles oben erwähnter Untersuchung und zu Rowland AtkinsonsAlpha City – How London Was Captured By The Super-Rich„, das sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, nur auf London bezogen (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Nick Hayes: The Book of Trespass – Crossing the Lines That Divide Us. Bloomsbury Circus 2020. 443 S. ISBN 978-1-5266-0469-9.

Ist das nicht ziemlich überzogen? Gesehen in Tennessee in den USA.
Author: Brian Stansberry
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Published in: on 7. Dezember 2020 at 02:00  Comments (2)  

Die riesigen Gummistiefel in den Breezy Knees Gardens bei Warthill in North Yorkshire

Wenn man in England auf dem Land wohnt, gehören Wellington boots, also Gummistiefel,  in jeden Haushalt, vor allem wenn man mit dem Hund mehrmals täglich unterwegs ist. Ein besonders auffälliges Paar ist in den Breezy Knees Gardens, was für ein schöner Name, in North Yorkshire zu finden. Die Wellington Boot Sculpture ist etwa 3,50 Meter hoch und wurde von dem Bildhauer Pete Doney erschaffen, der seine Werkstatt am Ostrand der Stadt York hat. Die Riesenstiefel sind eine Auftragsarbeit für die Gärten, bestehen aus Glasfiber und sind mit Bronzepulver imprägniert.

Wesentlich größer sind die Stiefel, die es in das Guinness Book of Records geschafft haben. Sie stehen vor dem Eingang der North Star Mall in San Antonio in Texas. Die Cowboystiefel sind 10,74 Meter hoch und wurden von dem Künstler Bob Wade hergestellt.

Wer sich die Yorkshire-Stiefel und die Breezy Knees Gardens einmal ansehen möchte: Man findet sie etwa acht Kilometer östlich von York, nördlich des Dörfchens Warthill am Common Lane. Die Gartenanlage ist eine der größten im Norden Englands; sie umfasst Tausende von Pflanzen, einen See und ein Arboretum. Geöffnet sind die Gärten in der Regel von Mai bis Anfang Oktober.

Hier ist ein sehr schöner Film über die Breezy Knees Gardens zu sehen, der auch die Wellington Boots zeigt.

Die Breezy Knees Gardens.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Die größten Stiefel der Welt in San Antonio, Texas.
Author: BrianMoranHDR
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Published in: on 6. Dezember 2020 at 02:00  Comments (3)  
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Hannah Dadds (1941-2011), die erste weibliche Fahrzeugführerin der Londoner U-Bahn

Am 10. Januar 1863 fuhr der erste Zug der neugebauten Londoner U-Bahn; damals war das Streckennetz überschaubar und man benötigte nicht allzu viele Fahrzeugführer. „Traindriver“ war ein reiner Männerberuf und es sollte bis zum Jahr 1978 dauern, bis es eine Frau schaffte, in diese Männerwelt einzudringen. Hannah Dadds (1941-2011) war ihr Name, und sie wurde damals von ihren männlichen Kollegen misstrauisch beobachtet, ob sie wohl in der Lage war, einen Zug durch die unterirdische Welt Londons zu lenken. Sie konnte!

Hannah Dadds war eine waschechte Londonerin, 1941 im Borough of Newham im Osten der Stadt geboren. Im Alter von 28 Jahren, nachdem sie in einer Streichholz- und einer Zigarettenfabrik gearbeitet hatte, schaute sie sich nach etwas anderem um und fand eine Anstellung bei der Londoner U-Bahn. Ihr erster Arbeitsplatz war ein „Heimspiel“, sie arbeitete in der U-Bahnstation Upton Park im Newham-Bezirk. Von 1969 bis 1978 versah Hannah Dadds mehrere Jobs für die „tube“ und kam dann auf die Idee, Fahrzeugführerin zu werden. 1975 war der Sex Discrimination Act in Kraft getreten, der Frauen half, bisher nur von Männern ausgeübte Tätigkeiten zu übernehmen. Hannah machte einen siebenwöchigen Lehrgang mit und war anschließend berechtigt und in der Lage, einen U-Bahnzug zu lenken. Eingesetzt wurde sie zuerst auf der District Line, die von Upminster im Osten nach Earl’s Court im Westen der Stadt führte. Später bearbeitete sie die Bakerloo und Jubilee Lines. Hannah holte auch ihre Schwester Edna mit an Bord, die zeitweise als Kontrolleurin im Einsatz war.

14 Jahre lang fuhr Hannah Dadds unfallfrei kreuz und quer durch London, dann nahm sie ihren vorzeitigen Abschied. Sie hatte sich bei ihren männlichen Kollegen einen guten Ruf erworben und war sozusagen die Eisbrecherin für viele künftige weibliche „traindriver“ gewesen.

2011 starb Hannah Dadds; acht Jahre später wurde sie mit einer Plakette in der U-Bahnstation Upton Park geehrt, dort, wo ihre Karriere begann. Auf der Plakette ist Hannah zu sehen wie sie gerade einen Zug besteigt; der Text daneben beschreibt kurz das Leben der Frau.

Upton Park tube station.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St John the Baptist in Little Missenden, eine gestohlene Statue und das Grab eines kleinen Mädchens

St John the Baptist.
Eigenes Foto.

Die Kirche St John the Baptist in Little Missenden (Buckinghamshire) stellte ich in meinem Blog in Zusammenhang mit dem dort jährlich stattfindenden Musikfestival vor. Ich mag diese hübsche Kirche am Ortsrand des Bilderbuchdorfes, das viele Male für Dreharbeiten der TV-Serie „Midsomer Murders“ verwendet wurde. Vor allem das Manor House, nur wenige Schritte von der Kirche entfernt, und der Dorfpub The Red Lion sahen Inspector Barnaby als mehr oder weniger willkommenen Besucher.

Leider wurde St John the Baptist mehrmals von Dieben heimgesucht und zweimal erwischte es die hölzerne Statue der Heiligen Katharina. Da sprang ein berühmter Mann ein, der im benachbarten Great Missenden wohnte, der Schriftsteller Roald Dahl, und spendierte der Kirche eine Replika der gestohlenen Heiligen. Und auch diese Figur holten sich Langfinger aus St John the Baptist. Es ist ein grundsätzliches Problem mit dem Kirchen in England konfrontiert sind: Lasse ich sie den ganzen Tag geöffnet, so dass möglichst viele Menschen die Möglichkeit bekommen, sie sich anzusehen, oder schließe ich sie ab, damit nichts gestohlen werden kann. Die Dahlsche Katharinenstatue ist inzwischen erneut  durch eine Replika ersetzt worden, angefertigt von der Tochter eines Gemeindemitglieds.

Hier ist ein Film aus St John the Baptist zu sehen, der eine Taufe zur Zeit der Coronakrise zeigt.

Es gibt einen Grund, warum sich Roald Dahl  für die Kirche im Nachbarort einsetzte: Auf dem Kirchhof von St John the Baptist  liegt seine kleine Tochter Olivia begraben, die am 17. November 1962 im Alter von nur sieben Jahren verstarb. Sie starb an einer Gehirnentzündung, verursacht durch eine Masernerkrankung. Roald Dahl konnte diesen Schicksalsschlag viele Jahre lang nicht wegstecken; der Tod seiner geliebten Tochter hatte ihn zutiefst erschüttert. Ihr Vater legte einen kleinen Steingarten an ihrem Grab an, das nur wenige Meter von der angrenzenden Church of England Infant School entfernt ist. Roald Dahls eigene Grabstelle ist in Great Missenden zu finden, siehe hierzu  meinen Blogeintrag.

Die Spaß-Fahrzeuge des Edd China

The fastest sofa in the world.
Author: peter_hastings
Creative Commons 2.0

Beim Kop Hill Climb bei Princes Risborough in Buckinghamshire, der einmal jährlich stattfindet (wenn nicht irgendein doofes Virus das verhindert), kommen immer jede Menge Oldtimer-Fahrzeuge zusammen, die den Hügel erklimmen. Schon im Jahr 1910 begann dieser Wettbewerb, wurde fünfzehn Jahre später verboten und feierte 1999 seine Wiederauferstehung. Die Fahrzeuge müssen dabei Steigungen bis zu maximal 25% überwinden, da kommen die Vehikel ganz schön aus der Puste. Doch nicht nur Oldtimer treffen sich hier am Kop Hill, so manches Fun Car ist auch zu bestaunen. 2017 präsentierte Edd China einige seiner Spaß-Fahrzeuge, die auf großes Interesse der Zuschauer stießen. In Deutschland kennt man den TV-Moderator und Kfz-Mechaniker aus der Fernsehserie „Die Gebrauchtwagen-Profis“ des Senders DMAX (ein Sender, der nicht auf meiner Top 10-Liste steht).

Einzug in das „Guinness Buch der Rekorde“ erlangte Edd China mit dem schnellsten Sofa der Welt, dem Casual Lofa, das es bis auf 140 km/h bringt. Das Lenkrad des verrückten Dreisitzer-Sofas besteht aus einem Pizzateller, der Hebel der Handbremse aus einem Mars-Riegel und eine Tischlampe verziert das Gefährt, das eine Straßenzulassung besitzt. Ob das wohl auch in Deutschland möglich wäre?

Edd China ist auch der Schöpfer des schnellsten Badezimmers der Welt,“Bog Standard“, mit Badewanne, Waschschüssel und Schmutzwäschetruhe; etwa 70 km/h schnell bewegt sich dieses Vehikel, das ebenfalls im „Guinness Book of Records“ verzeichnet ist.

Edd Chinas Fantasie scheint grenzenlos zu sein, denn er entwickelte auch noch den „Street Sleeper“, das mit über 100 km/h schnellste Bett der Welt, und, seine neueste Kuriosität, „the world’s fastest electric ice cream van„, der es in diesem Jahr in das „Buch der Rekorde“ schaffte.

In diesem Film über den Kop Hill Climb 2017 sind einige von Edds Fahrzeugen zu sehen.

…und noch einmal das Hochgeschwindigkeits-Sofa, weil es so schön ist.
Author: Graham O Siodhachain
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Wie eine Margaret Thatcher-Statue einmal in der Londoner Guildhall enthauptet wurde

Baroness Margaret Thatcher in der Londoner Guildhall Art Gallery.
Author: The wub
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£150 000 kostete die Statue der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, die in der Londoner Guildhall Art Gallery aufgestellt ist. Das Speaker’s Advisory Committee hatte das Kunstwerk 1998 in Auftrag gegeben, das der renommierte Londoner Bildhauer Neil Simmons entwarf und fertig stellte (er kreierte auch das Princess Diana Memorial in Althrop House). 2,40 Meter hoch ist Baroness Thatcher geworden, und jeder, der ihr ins Gesicht sehen möchte, muss zu ihr aufsehen, was der Lady durchaus recht gewesen sein mag. Im Jahr 2002 enthüllte die Politikerin ihre Statue selbst in der Guildhall Art Gallery, und sie war sicher sehr stolz darauf. Ihre Heimatstadt Grantham in Lincolnshire hatte sich immer wieder dagegen gesträubt, ihrer berühmten Tochter ein Denkmal zu setzen, was sich voraussichtlich im nächsten Jahr ändern wird, denn der Bildhauer Douglas Jennings hat eine riesige Bronzestatue von ihr geschaffen. “She was never very fond of Grantham, and so Grantham was never very fond of her,” schrieb Thatchers Biograf John Campbell. Nun hat man sich in Grantham also doch umentschlossen,  befürchtet aber gleichzeitig, dass das Denkmal Ziel von Vandalen werden könnte, da die Baroness in weiten Teilen der Bevölkerung sehr unbeliebt war (siehe dazu meinen Blogeintrag) …was Neil Simmons‘ Statue in London einige Monate nach ihrer Einweihung zu spüren bekam.

Eines Tages wanderte ein Mann in die Guildhall Art Gallery, der in einem Hosenbein einen Cricketschläger versteckt hatte. Mit dem Schläger hieb er auf die Statue ein und schlug ihr den Kopf ab. Er machte sich danach nicht aus dem Staub, sondern wartete bis die Polizei kam. „Ich glaube, jetzt sieht sie besser aus“, meinte der Mann und war mit seinem Werk zufrieden. Als er sich später vor Gericht für seine Tat verantworten musste, sagte er zu seiner Verteidigung, dass es sich bei der Aktion um eine künstlerische Ausdrucksform gehandelt habe und dass es sein Recht sei, „to interact with this broken world.” Nun, der Richter ließ  sich von diesen Worten nicht überzeugen und verurteilte den Vandalen zu drei Monaten Gefängnis.
Margaret Thatcher steht natürlich inzwischen wieder mit Kopf in der Art Gallery, allerdings hat man sie  aus der Schusslinie genommen und sie etwas versteckt in einer Ecke aufgestellt.

Published in: on 2. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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