M.P. Micky Mouse oder Wie das britische Parlament mit einer Mäuseplage zu kämpfen hat

Der Westminster Palast, der das britische Ober- und Unterhaus beherbergt, liegt majestätisch am Themseufer und gehört zu einem der Highlights einer jeden Londoner Stadtrundfahrt. Am 27. April 1840 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Palastes, der am 16. Oktober 1834 einem Feuer zum Opfer gefallen war. Charles Barry war damals der maßgebende Architekt, der zusammen mit Augustus Pugin, das riesige Gebäude erstehen ließ, in dem noch heute die Parlamentarier ein und aus gehen und in dem, gerade in der letzten Zeit, hitzige Debatten geführt wurden.

Doch sieht man einmal hinter die Kulissen des Palace of Westminster entdeckt man immer mehr Probleme, die wohl auch in Zukunft zunehmen werden. Vieles ist marode, in den Kellergewölben ziehen sich brüchige Versorgungsleitungen und -kabel entlang, die nicht mehr heutigen Standards entsprechen. In den Büros kommt es schon mal vor, dass es von der Decke heruntertropft. Außerdem ist das Parlamentsgebäude zum Lieblingsaufenthaltsort Londoner Mäuse geworden. Über eine halbe Million Nager sollen hier ihre Zelte aufgeschlagen haben und den Palast unsicher machen. Da es in dem Gebäude zwischen den Wänden und unter den Fußböden unzählige Nischen, Lücken und Aushöhlungen gibt, sind das für Mickey Maus und seine Freunde paradiesische Zustände, und die lustige Bande wird immer frecher und wagt sich zunehmend aus ihren Verstecken hinaus, um sich dort umzuschauen, wo britische Politik gemacht wird. Kaum einer der Parlamentsmitglieder, der noch keine Begegnung mit einem der Nager hatte. Besonders beliebt sind die Kantinen und Restaurants, wo es immer Leckereien zu finden gibt, und da laufen die possierlichen Tierchen auch schon über die Füße der Essenden, um an ihre Nahrung zu gelangen.

Alle bisherigen Maßnahmen, der Mäusegesellschaft Herr zu werden, haben nichts genützt. Hunderttausende Pfund sind schon ausgegeben worden, ohne nennenswerten Erfolg. Es gibt sogar Statistiken über die monatlichen Mäusesichtungen. Der Ruf nach Katzen wird immer lauter, die den Parlamentariern helfen sollen, aber bei der riesigen Menge an Mäusen, wäre das eine Herkulesaufgabe für sie. Vielleicht könnte Boris Johnson seinen Downing Street 10-Kater Larry ausleihen, der für eine mäusefreie Residenz des Premierministers sorgt.

Dummerweise haben Mäuse auch eine Vorliebe, an Stromkabeln zu nagen (aus Ärger, dass man sie in den Restaurants und Bars des Hauses nicht willkommen heißt), was wiederum zu gefährlichen Situationen führen kann. Brände könnten sich entwickeln und der Westminster Palace abgefackelt werden. Was Guy Fawkes am 5. November 1605 nicht schaffte, könnte den kleinen Nagern heute gelingen.

Wie man es auch dreht und wendet, das Parlamentsgebäude muss von Grund auf saniert werden… und das wird sehr, sehr teuer. Ob das nach dem Brexit am 1. Januar 2021 finanziell noch möglich sein wird?

Larry, the Downing Street Cat. 
Author: UK Prime Minister
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Published in: on 14. Dezember 2020 at 02:00  Comments (2)  
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