Tombstoning an der Durdle Door in Dorset

Es ist immer wieder erstaunlich in welche Gefahr sich Menschen bringen, nur um für eine kurze Zeit einen Nervenkitzel zu erleben.  Ob das jetzt Freeclimbing an Felswänden, Volcano Boarding, Highlining, Wingsuit Flying oder Tombstoning ist, bei jeder dieser „Sportarten“ kann man sich das Genick brechen und zu Tode  kommen.

Tombstoning ist an den Küsten Englands beliebt. Die Wikipedia erklärt das so: „act of jumping in a straight, upright vertical posture into the sea or other body of water from a high jumping platform, such as a cliff, bridge or harbour edge„. Es gibt vor allem an der Südküste Englands genug Felsen und Klippen, von denen aus Waghalsige ins Meer springen. Besonders beliebt bei „Tombstonern“ ist die Felsformation Durdle Door an der Küste von Dorset bei West Lulworth. Dieser sehenswerte Felsen ist in Privatbesitz, aber Zäune und Warnschilder werden von den Felsenspringern missachtet, und sie stürzen sich von rund 60 Metern Höhe in das Meer. Das ist zwar ganz schön mutig aber extrem leichtsinnig, denn die Wasserhöhe unterhalb der Durdle Door variiert und auch die Strömungsverhältnisse ändern sich. Ende Mai letzten Jahres kam es zu mehreren Zwischenfällen bei denen drei Menschen schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Nur durch das beherzte Eingreifen eines Badegastes konnte einer von ihnen gerade noch rechtzeitig vom Meeresboden nach oben geholt werden, eine junge Frau leitete sofort Wiederbelebungsmaßnahmen ein, bis ein Hubschrauber der Küstenwacht den Mann abtransportierte. Hier ist ein Bericht und ein Film über den Fall. Kurz nachdem die drei Schwerverletzten in Krankenhäuser gebracht worden waren, erschienen die nächsten Springer auf dem Felsen. In diesem Film sind einige Springer zu sehen.

Tombstoning ist besonders dann populär, wenn an warmen Sommertagen die Strände voll sind, und die Felsenspringer ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen wollen. Das Risiko, dass sie nach einem missglückten Sprung möglicherweise bis zu ihrem Lebensende im Rollstuhl landen, nehmen sie dabei auf sich.

Published in: on 28. Februar 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Der Satiriker und Playboy William Donaldson (1935-2005) und seine Kunstfigur Henry Root

William Donaldson, der von 1935 bis 2005 lebte, führte ein sehr abwechslungsreiches Liebesleben, um es einmal so zu formulieren. Er war dreimal verheiratet und hatte zahllose Affären, darunter mit der Schauspielerin Sarah Miles und der Sängerin Carly Simon (berühmt geworden durch ihren Nummer-Eins-Hit „You’re so vain„). Zu manchen Zeiten schwamm er in Geld, dann war er wieder eine Zeit lang pleite; er nahm Rauschgift, lebte in den Zeiten, in dem es ihm finanziell nicht so gut ging, in einem Bordell. Er wuchs in dem Prominentenort Sunningdale in Berkshire auf, ging in das Winchester College und konnte schon als Schüler seine wohlhabenden Eltern dazu überreden, ihn in die Pariser Revueshow der Folies Bergères mitzunehmen. Als in den 1950er Jahren Williams Mutter bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam und sein Vater starb, war er plötzlich in jungen Jahren ein reicher Mann. Er versuchte, in der Theaterbranche Fuß zu fassen und schrieb 1975 seinen ersten Roman „Both the Ladies and the Gentlemen„.

Richtig bekannt wurde William Donaldson aber als er die fiktive Figur des Briefeschreibers Henry Root erfand und dessen Briefe in den 1980er Jahren in Buchform veröffentlichte. Henry Root war Fischhändler und schrieb Briefe an prominente Menschen der 80er Jahre; er war “ the crackpot alter-ego of William Donaldson“ wie die Times es formulierte. An die Labour-Politikerin Harriet Harman schrieb er beispielsweise, sie solle doch ihr hübsches Köpfchen nicht mit so komplizierten Dingen wie Politik vollstopfen, sondern lieber auf die Bühne gehen oder Nachrichtensprecherin werden. Er legte eine Pfundnote in den Brief, damit sie sich ein hübsches Kleid kaufen konnte.

An den Senior Treasury Counsel des Gerichtshofs Old Bailey in London bot sich Henry Root als Geschworener an, speziell für Fälle in denen Pornografen oder Gotteslästerer auf der Anklagebank säßen. Mit ihm hätte der Kläger schon einmal eine Stimme in der Tasche. Er legte wieder eine Pfundnote anbei, damit Henry Root an die Spitze der Auswahlliste der Geschworenen gesetzt werden könnte. Die Pfundnote wurde wieder zurückgeschickt.

Auch die damalige Premierministerin Margaret Thatcher stand auf Henry Roots Adressenliste, die die Pfundnote allerdings behielt und der Parteikasse zur Verfügung stellte.
An die Queen schrieb Henry Root, sie würde doch so viele Dinge eröffnen wie Krankenhäuser, Schulen, Theater usw., sie solle doch auch mal etwas schließen wie den National Liberal Club, BBC2, den „New Statesman“ oder Massagesalons. Er beendete den Brief mit „Royalists demand the return of the rope!“
Als Absenderadresse stand auf allen Briefen 139 Elm Park Mansions on Park Walk, London SW10, Donaldsons richtige Adresse.

Die Briefsammlungen des Henry Root alias William Donaldson wurden Verkaufserfolge, die die Taschen des Satirikers wieder füllten.

Auf Basis der Henry Root-Bücher erschien 1992 eine fünfteilige TV-Comedyserie „Root Into Europe„, in der George Cole den Fischhändler spielte. Hier ist Episode 1 zu sehen.

Published in: on 27. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Gothic Temple im Park von Stowe (Buckinghamshire)

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Blog schon einige der Landmark Trust-Häuser vorgestellt, in denen man wohnen kann. Eines der Prunkstücke im Portfolio der 1965 gegründeten Organisation, die historische Häuser übernommen und restauriert hat und als Ferienunterkunft zur Verfügung stellt, ist der Gothic Temple in einer der schönsten Parkanlagen Großbritanniens, Stowe in Buckinghamshire.

Westlich von Milton Keynes, und beinahe in Hörweite des berühmten Formel1-Kurses von Silverstone gelegen, liegt der von Lancelot „Capability“ Brown (1716-1783) in seiner heutigen Form kreierte Park, die Stowe Landscape Gardens. Mehrere Tempel sind auf dem großen, seit 1986 dem National Trust gehörenden Gelände aufgestellt wie der Queen’s Temple, der Temple of Ancient Virtue, der Temple of British Worthies und eben der großartige, 1741 erbaute Gothic Temple, gestaltet von James Gibbs, einem der Architekten von Stowe. Das Gebäude wurde nicht geschaffen, damit jemand darin wohnt, vielmehr wurde es wegen seiner wunderbaren Aussicht von der Turmspitze genutzt.

Ich möchte heute nicht näher auf die Historie des Gothic Temples eingehen, sondern auf die einmalige Gelegenheit, darin zu wohnen, dank des Landmark Trusts. Wenn alle Besucher den Park verlassen haben beziehungsweise bevor die Tore geöffnet werden, haben die Bewohner des Tempels die Landscape Gardens ganz für sich allein.

Da im Tempel steile Treppen verbaut worden sind, eignet sich die Unterkunft nicht für gehbehinderte Menschen. Im Erdgeschoss befindet sich der Wohnbereich, im ersten Stock sind zwei Schlafzimmer untergebracht. Es gibt eine vollständig ausgestattete Rundküche und ein Badezimmer, beides im Erdgeschoss. Eines der Highlights des Gothic Temples ist sicher die Besteigung des Turmes, der für die Mieter zugänglich ist.
Vier Personen können hier gleichzeitig wohnen; die Übernachtungspreise beginnen bei £641 für vier Nächte in der günstigsten Jahreszeit. Die Nachfrage ist verständlicherweise sehr groß; in Coronazeiten ist man im Gothic Temple weit ab vom Schuss, so ist das Haus in diesem Jahr schon bis September komplett ausgebucht, nur im Oktober sind noch fast alle Termine zu haben. Sein Auto darf man übrigens zum Tempel mitnehmen.

Hier ist ein Film, der den Gothic Temple von innen und von außen zeigt.

Author: Daderot
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The Ark in Hammersmith – Ein interessantes, aber trauriges Gebäude

Ich glaube nicht, dass weiland der biblische Noah auf seine Arche auch ein Paar weißer Elefanten eingeladen hat; von der Hammersmith Ark, also der Arche von Hammersmith, sprach und spricht man immer wieder von einem white elephant, ein Begriff, den man in der deutschen Sprache mit Investitionsruine übersetzen kann.

The Ark steht ganz dicht am Hammersmith Flyover, einer Hochstraße, mit der Adresse 201 Talgarth Road. Im Jahr 1992 wurde das zehnstöckige Gebäude fertiggestellt, das der britische, damals in Schweden lebende und arbeitende Architekt Ralph Erskine (1914-2005) entworfen hatte. Das Gebäude ist 76 m hoch und umfasst 15 600 qm Fläche, drei Jahre dauerte der Bau. Als es dann fertig war, interessierte sich niemand so richtig dafür. Vier Jahre stand es leer, bis sich dann die weltbekannte Getränkefirma Seagram der Arche erbarmte und das Bürogebäude übernahm; aber die Firma fühlte sich offensichtlich hier am Hammersmith Flyover nicht ganz wohl und zog nach wenigen Jahren wieder aus. Der französische Medienkonzern Vivendi übernahm im Jahr 2000, aber auch der wollte sich nicht lange an den weißen Elefanten binden und zog wieder aus. Die Londoner Immobilienfirma Landid kaufte The Ark und baute das Gebäude derart um, dass es auch für mehrere Mieter gleichzeitig für Interesse sein könnte. Ergebnis: Zero; die Hammersmith Ark blieb weiterhin leer. 2013 kaufte sie die Citibank, im Auftrag eines unbekannten Investors. Das letzte was man von der „Investitionsruine“ hörte, war, dass ein großer Zeitungskonzern in den nächsten Jahren eventuell dort einziehen möchte.

Die Situation der Londoner Bürogebäude hat sich durch die Corona-Pandemie geändert. Immer mehr Menschen arbeiten im Home Office vor den Toren der Metropole, was bedeuten könnte, dass sich diese Situation in Zukunft verfestigen wird, mit der Konsequenz, dass weniger Bürofläche im Zentrum der Stadt benötigt wird und Leerstände an der Tagesordnung sein könnten. Schlechte Aussichten für die Hammersmith Ark?

Published in: on 25. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Erinnerungsstätten an die Opfer des Untergangs der Titanic in Southampton (Hampshire) in Bildern

The Titanic Memorial
Author: Reading Tom
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Die Titanic startete ihre Fahrt ins Unglück in Southampton und aus dieser Stadt stammten auch die meisten Opfer, als das Schiff am 15. April 1912 im Nordatlantik unterging. 539 Crewmitglieder aus Southampton starben in dieser Nacht in den kalten Fluten des Meeres. Gräber, in denen niemand liegt, findet man überall auf den Friedhöfen der Stadt, mit verwitterten Inschriften, auf denen die Namen der Ertrunkenen stehen. Vor allem auf dem Old Cemetery stehen viel Grabsteine. Es gibt mehrere Gedenkstätten in Southampton, auch einen Pub mit dem Namen „The Titanic„, der an der Simnel Street steht. Ich habe hier einige Bilder von diesen Gedenkstätten zusammengestellt.

The Titanic Engineers‘ Memorial. Hier ist ein Film dazu.
Author: andyoakley
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The Titanic Musicians‘ Memorial am Cumberland Place.
Author: R-P-M
Creative Commons 2.0

Titanic Crew Memorial.
Author: R-P-M
Creative Commons 2.0

Grabstein von Arthur Veale, der im Alter von 34 Jahren mit der Titanic unterging.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Roedean School in East Sussex – Eines der renommiertesten Mädcheninternate in Großbritannien

Wenn ich das Wort Mädchenschule hören, fallen mir als erstes die chaotischen sexy Teenage Girls aus den beiden Spielfilmen „The Girls of St Trinian’s“ ein, bei denen das Lernen auf ihrer Prioritätenliste ganz weit unten angesiedelt war, und sie lieber jede Menge Unfug anstellten. Ganz anders sieht das Leben in der Roedean School aus, die zu den Top-Mädchenschulen Großbritanniens zählt. Die Eltern der jungen Damen müssen schon etwas tiefer in die Tasche greifen, wenn sie ihren Töchtern eine vorzügliche Ausbildung angedeihen lassen wollen, denn die Kosten pro Trimester beginnen bei £10,990 für die jüngsten Mädchen und enden bei £13,305 für die ältesten; da ist die Vollverpflegung mit eingeschlossen. Die Schülerinnenzahl liegt bei etwa 620, davon sind etwas über die Hälfte Internatsschülerinnen, der Ausländeranteil liegt bei rund 40%.

Die Schule hat eine einzigartige Lage, sie liegt in Sichtweite des Ärmelkanals, neben dem Ort Roedean (East Sussex) und ist nur wenige Meter vom Seebad Brighton entfernt. Auch die Schulgebäude sind sehr imposant; sie wurden 1898 von dem Architekten Sir John William Simpson entworfen, der auch das Londoner Wembley Stadion und noch weitere Schulen erbaut hat. Die Schwestern Penelope, Millicent und Dorothy Lawrence hatten die Schule schon 1885 gegründet, die dann 1898 auf das Gelände nahe des Ortes Roedean zog. Seitdem ist die Mädchenschule in Betrieb, nur unterbrochen während des Zweiten Weltkriegs als die Kinder in das sicherere Keswick (jetzt in Cumbria) gebracht und die Gebäude in Roedean vom Militär genutzt wurden.

Wer die Schule besuchen möchte, muss erst einmal einige Hürden nehmen in Form von Prüfungen und Interviews, denn die Roedean School  stellt hohe Ansprüche; dafür haben die Schülerinnen nach Bestehen ihrer Abschlussprüfungen gute Chancen für ihre berufliche Zukunft.

Eine ganze Reihe von Schauspielerinnen absolvierten die Rodean School wie die beiden Schwestern Perdita und Honeysuckle Weeks, Sarah Miles und Rebecca Hall; auch Roald Dahl schickte seine Tochter Tessa nach East Sussex.

Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über das Schulgelände und hier kann man sich einen Eindruck vom Leben in der Schule verschaffen.

Roedean School
Roedean Way
Brighton
BN2 5RQ

Ein Blick auf die Schule von der Brighton Marina aus.
Author: Dominic’s Pics
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Published in: on 23. Februar 2021 at 02:00  Comments (1)  

Englische Exzentriker – Sebastian Horsley (1962-2010), der Mann der sich kreuzigen ließ

When mother found out she was pregnant with me, she took an overdose…The overdose didn’t work. Had she known I would turn out like this she would have taken cyanide„, so beginnt die Autobiografie von Sebastian Horsley (1962-2010) „Dandy in the Underworld“ (dt. „Dandy in der Unterwelt“). Der Start ins Leben begann für den kleinen Sebastian als unerwünschtes Kind alles andere als gut. Er bezeichnete sich selbst als Dandy, arbeitete als Performancekünstler und Journalist für mehrere namhafte Tageszeitungen für die er regelmäßig Kolumnen schrieb.

Sebastian Horsley führte ein unstetes Leben; für Aufmerksamkeit sorgte sein Selbstversuch, sich wie Jesus kreuzigen zu lassen. Da so eine  Aktion in Großbritannien nicht möglich war, flog er auf die Philippinen, wo er Menschen fand, die ihn tatsächlich an ein Kreuz nagelten. Wer sich das ansehen möchte, es gibt einen Film davon, der nichts für schwache Nerven und hier zu sehen ist.

Horsley lebte überwiegend in London und hielt sich gern in Soho auf, wo er Prostituierte besuchte und auch selbst in dieser Branche arbeitete. Er äußerte sich einmal, das man Prostitution nicht legalisieren solle, weil dann der ganze Thrill  verloren gehen würde. In diesem Film spricht er über seine Einstellung zum Sex.
Drogen gehörten zu Sebastian Horsleys Leben und führten zu seinem Tod.  Er starb am 1. Juli 2010 in seiner Wohnung in der Londoner Meard Street Nummer 7 in Soho an einer Überdosis von Heroin und Kokain. Noch Jahre nach seinem Tod war ein Schild an der Eingangstür angebracht mit dem Text „This is not a brothel. There are no prostitutes at this address„, irgendwann ist das Schild abhanden gekommen.

Trotz seines ungewöhnlichen Lebenswandels hatte der oft in auffälliger Kleidung durch London spazierende Dandy viele Freunde, auch in Prominentenkreisen. Bei seiner Trauerfeier folgten Hunderte von Menschen dem Leichenwagen, der von schwarzen Pferden gezogen wurde. Der Trauerzug begann in der Meard Street und führte in die Kirche St James in Piccadilly. Stephen Fry hielt eine Rede auf seinen Freund, anwesend waren auch der Sänger Marc Almond und der Schriftsteller Will Self. Als der Sarg aus der Kirche getragen wurde, erklang der Song „20th Century Boy“ von Marc Bolan, dessen Musik Sebastian Horsley besonders mochte. Hier sind Bilder vom Trauerzug.

Die Meard Street im Londoner Stadtteil Soho.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Das Schild an der Meard Street Nummer 7 in Soho.
Author: Tom Coates from London
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St James in Piccadilly.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 22. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein DVD-Tipp – „Bodyguard“ Staffel 1

Im August 2018 sendete BBC One eine Thrillerserie mit dem Titel „Bodyguard„, die in Deutschland unter dem selben Titel erst bei Netflix und im Februar vom ZDF gezeigt wurde. Seit dem 19. Februar liegt die TV-Serie auch als DVD beziehungsweise Blue-ray  bei Edel Motion vor.

360 Minuten Hochspannung erwartet die Zuschauer. Im Mittelpunkt steht David Budd, ein traumatisierter Afghanistan-Rückkehrer, der bei der Londoner Polizei arbeitet. Die Serie beginnt gleich sehr spannend als David Budd die Muslimin Nadia Ali in einem U-Bahnzug dazu überreden kann, ihren umgeschnallten Sprengstoffgürtel nicht zu zünden. Nach dieser dramatischen Aktion wird David Budd befördert und der Innenministerin Julia Montague als Leibwächter zur Seite gestellt. Beide haben zwar sehr unterschiedliche politische Auffassungen, kommen sich aber näher und landen sogar im Bett. Zweimal wird ein Attentat auf die Ministerin verübt, das zweite überlebt sie nicht. Wer steckt hinter den Anschlägen? Die Sicherheitsbehörden kooperieren nicht miteinander, es gibt ein Kompetenzgerangel; kommen der oder die Attentäter etwa aus den eigenen Reihen? David Budd versucht auf eigene Faust zu ermitteln, verstrickt sich aber in einer Gemengelage aus Polizei, Geheimdienst und organisiertem Verbrechen. Die Serie endet ähnlich wie der Beginn, wieder spielt ein Sprengstoffgürtel eine Rolle, dieses Mal ist es aber David Budd, der ihn trägt.

Richard Madden spielt die Rolle des Bodyguards, wofür er mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Golden Globe und dem National Television Award. Der Schotte wurde vor allem durch die TV-Serie „Game of Thrones“ bekannt, in der er die Rolle des Robb Stark spielte.

Die Innenministerin Julia Montague wird von Keeley Hawes verkörpert, vielleicht noch bekannt als Lindsay Denton in der TV-Serie „Line of Duty„.

David Budds von ihm getrennt lebende Frau Vicky spielt Sophie Rundle. Wer die Serie „Gentleman Jack“ gesehen hat, kennt sie von dort als Ann Walker.

In den letzten Jahren gab es kaum eine TV-Serie, die mit so vielen Auszeichnungen versehen wurde beziehungsweise so viele Nominierungen für Preise erhielt.

Auf der DVD steht unter dem Titel der Serie „Staffel 1“, also müsste es doch auch mindestens eine Staffel 2 geben. Drehbuchautor Jed Mercurio hat bereits angedeutet, dass es weitergehen wird, mindestens mit einer zweiten Staffel; doch die Corona-Pandemie hat auch hier ihre Hände im Spiel und verhindert momentan die Dreharbeiten. Fraglich ist auch, ob Richard Madden weitermachen wird, denn er wird nach seinem überzeugenden Auftritt als Personenschützer als neuer James Bond gehandelt.

Hier ist der Trailer zu der sehr zu empfehlenden Serie.

 

Published in: on 21. Februar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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The Word – National Centre for the Written Word in South Shields (Tyne and Wear)

Nur wenige Schritte vom Tyne River entfernt, am Market Place, steht in South Shields (Tyne and Wear) ein Gebäude, das sofort ins Auge fällt, es ist The Word – The National Centre for the Written Word. Ein vielleicht etwa hochgestochener Name für ein Kulturzentrum mit Bibliothek, aber es ist schon etwas Besonderes, was hier in der Stadt im Nordosten Englands entstanden ist. Angesichts der immer problematischer werdenden Situation der Öffentlichen Bibliotheken in England wollte der South Tyneside Council ein Zeichen setzen, dass Bibliotheken im 21. Jahrhundert durchaus eine Rolle spielen und ließ im Jahr 2016 dieses Gebäude errichten. „My dream library“ nennt die Krimiautorin Ann Cleeves die Bibliothek in South Shields. Das Innenleben von The Word wurde so flexibel gestaltet, dass das Haus jederzeit in der Zukunft auf neue Entwicklungen reagieren kann. Es ist ein Begegnungszentrum für Jung und Alt entstanden, mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Schriftstellerlesungen usw. Die Bibliothek beinhaltet 70 000 Bücher, für Kinder gibt es die Storyworld, „a magical world of fun, fantasy and adventure“, das FabLab bietet angehenden jungen Designern alle Möglichkeiten, mit 3D-Druckern und anderen neuen technischen Geräten ihre Ideen umzusetzen, und im Café kann man an sieben Tagen in der Woche frühstücken oder ein Mittagessen zu sich nehmen.

Wie gut The Word gleich zu Beginn bei den Bürgern von South Shields und Umgebung angenommen wurde, zeigt, dass bereits in der ersten Woche 24 494 Besucher gezählt wurden, in den ersten fünf Monaten waren es über 220 000. Die Gesamtfläche des Gebäudes beträgt übrigens 4 115 qm.

Der Entwurf von The Word wurde von dem Architektenbüro FaulknerBrowns aus Newcastle-upon-Tyne konzipiert, das eine Fülle von Auszeichnungen dafür erhielt wie den renommierten RIBA National Award, den Award for Excellence in Architectural Technology und Social Infrastructure Project of the Year, um nur einige zu nennen.

Dieser kurze Film verschafft einen kleinen Einblick in The Word.

Hotel De Vere Horsley Estate in East Horsley (Surrey)

Auf halber Strecke zwischen Guildford und Leatherhead liegt East Horsley in der Grafschaft Surrey und dort befindet sich auch das Hotel De Vere Horsley Estate. Sehr beliebt ist das Haus bei Hochzeitspaaren; es gibt viel Platz, auch für große Gesellschaften, und das Gebäude Horsley Towers macht ganz schön Eindruck (Dieser Film macht künftigen Brautpaaren vielleicht Appetit, hier zu feiern).  Das zur Gruppe der De Vere Hotels gehörende Haus besteht zum einen aus dem Haupthaus und zum anderen aus einem Anbau, in dem sowohl weitere Gästezimmer als auch ein Tagungsbereich untergebracht sind.

Am interessantesten ist natürlich das Haupthaus, Horsley Towers, das von dem renommierten Architekten Sir Charles Barry, dem Erbauer des britischen Parlaments in London, entworfen und gebaut worden ist. Es war eine Auftragsarbeit von Sir William Currie (1756-1829), einem wohlhabenden Bankier und Parlamentsmitglied. Nach Curries Tod kaufte William King-Noel, 1st Earl of Lovelace das Haus und das Grundstück. Er war der Ehemann von Lord Byrons Tochter Ada, die in die Geschichte der Datenverarbeitung als erste Computer-Programmiererin eingegangen und nach der die Programmiersprache Ada benannt worden ist.

Der nächste Besitzer von Horsley Towers war der Geschäftsmann und Luftfahrtpionier Sir Thomas Octave Murdoch Sopwith, der das Haus 1919 übernahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog ein Management-Trainingscenter ein und nun wird das Horsley Estate dreigleisig als Hotel, Tagungsort und „Wedding Venue“ geführt.

Das Haus ist ein 3-Sterne-Hotel wie die meisten anderen der De Vere-Gruppe auch, so dass man hier schon ab circa 80 Euro übernachten kann, was für englische Landhaushotels sehr wenig ist.

Meines Wissens wurde in Horsley Towers bisher nur ein Film gedreht und zwar der Horrorfilm „The Stone Tape“ nach dem Drehbuch von Nigel Kneale, den die BBC 1972 ausstrahlte.

De Vere Horsley Estate
Ockham Rd S
East Horsley
Leatherhead KT24 6DT

Published in: on 19. Februar 2021 at 02:00  Comments (5)  
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The UK Pet Detectives – Auf der Suche nach verschwundenen und gestohlenen Hunden und Katzen

Corona bewirkt schon merkwürdige Dinge. So ist die Nachfrage nach Hunden, speziell Welpen, in den letzten Monaten so groß geworden, dass der „Markt“ so gut wie leergefegt ist. Offensichtlich fühlen sich viele Menschen mit den Ausgangsbeschränkungen beziehungsweise reduzierten Treffen mit anderen Menschen einsam und wollen das mit dem Kauf von Vierbeinern ausgleichen. Die Preise für Hunde sind daraufhin explosionsartig gestiegen, und wo mit irgendetwas Geld zu machen ist, sind kriminelle Elemente nicht weit. Bei Hundezüchtern ist schon mehrfach eingebrochen und Welpen gestohlen worden, selbst Hundebesitzer wurden schon beim Gassigang überfallen und ihrer Hunde beraubt. Für die Polizei stehen verschwundene oder gestohlene „pets“ nicht weit oben auf ihrer Prioritätenliste; was soll man also tun, um seine geliebten Hausgenossen wiederzufinden?

Da können die UK Pet Detectives helfen, die einzige private Detektei in Großbritannien, die sich auf die Suche nach vermissten und gestohlenen Haustieren spezialisiert hat. An ihrer Spitze steht ein ehemaliger Polizeibeamter, der bei der Surrey Police gearbeitet hatte. Detective Inspector Colin Butcher hatte sich bei der Polizeibehörde in Surrey einen Ruf als fähiger und erfolgreicher Ermittler erworben, so dass er seine Berufserfahrung sehr gut in die UK Pet Detectives einbringen konnte. Auf den Webseiten der Agentur kann man einige der aufgeklärten Fälle nachlesen. Jeder, der möchte, kann sich der Community anschließen und entweder selbst bei der Suche nach Hunden und Katzen mithelfen oder sich als Sponsor zur Verfügung stellen.

Colin Butcher und sein Team haben einmal eine Liste der Hunde aufgestellt, die am häufigsten gestohlen werden und da ist der Cocker Spaniel auf Platz 1, gefolgt vom Springer Spaniel, dem Labrador, dem Staffordshire Terrier, dem Chihuhua und der Französischen Bulldogge.

Zum Team der Pet Detectives gehört auch ein ganz außergewöhnlicher Hund: Molly the Tracker Dog, der einzige Hund auf der Welt, der darauf trainiert wurde, Katzen wiederzufinden und seine Erfolgsquote ist hoch. Ausgebildet wurde Molly von den Medical Detection Dogs in Great Horwood bei Milton Keynes in Buckinghamshire (siehe dazu meinen Blogeintrag). In diesem Film ist Molly bei der Arbeit zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Colin Butcher: Molly and Me – An extraordinary tale of second chances and how a dog and her owner became the ultimate pet-detective duo. Michael Joseph 2019. 384 Seiten. ISBN 978-0241371763.

Published in: on 18. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Wigginton in Oxfordshire, Unity Mitford und Adolf Hitler

St Giles am School Lane in Wigginton.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Ich hatte einmal für kurze Zeit in dem kleinen Dorf Shutford in Oxfordshire gewohnt (siehe dazu meinen Blogeintrag), etwa sieben Kilometer westlich von Banbury. Von Shutford aus sind es nur wenige Kilometer bis zu einem anderen kleinen Dorf, Wigginton (Oxfordshire). Die etwa 200 Einwohner von Wigginton führen ein ruhiges Leben; im Dorf gibt es eine Kirche, Saint Giles, und einen Pub, The White Swan, der zur Hook Norton Brauerei gehört.

Doch darum geht es heute nicht; wir begeben uns in den School Lane, vorbei an der Village Hall, bis zu einem Haus, das Hillview Cottage heißt. In diesem Haus war in den 1940er Jahren ein Entbindungsheim untergebracht, in dem vor allem ledige Mütter ihre Kinder zur Welt bringen konnten. 1940 wurde eine junge Frau in das Hillview Cottage gebracht, die Unity Mitford hieß, eine der Schwestern aus der Mitford-Familie, die in Swinbrook (Oxfordshire) ansässig war. Es waren sechs Schwestern und ein Bruder, die alle im Licht der Öffentlichkeit standen. Unity war so etwas wie das schwarze Schaf in der Familie, denn sie war eine glühende Anhängerin von Adolf Hitler, eine Art Groupie, die eine Zeit lang dem Führer nicht von der Seite wich. Unity war auf Hitlers Berghof in Obersalzberg zu Gast, sympathisierte mit dem nationalsozialistischen Gedankengut und erhielt aus Hitlers Hand das goldene Parteiabzeichen. Hat sie auch mit Adolf Hitler geschlafen, fragte man sich damals?

Als Unity erfuhr, dass Deutschland und England Krieg führen würden, versuchte sie sich das Leben zu nehmen, indem sie sich in den Kopf schoss. Der Suizidversuch misslang, die Kugel blieb in ihrem Kopf stecken, und sie sollte für den Rest ihres Lebens darunter leiden (sie starb 1948).

Um zu dem Aufenthalt in Wigginton zurückzukehren: Warum wurde Unity ausgerechnet in einem Entbindungsheim untergebracht? Dieser Frage ging der Journalist Martin Bright im Zuge der Recherchen für seine TV-Dokumentation „Hitler’s British Girl“ nach. Er nahm zu einer Frau Kontakt auf, die behauptete, ihre Tante hätte im Krieg in Wigginton im Hillview Cottage als Hebamme gearbeitet und dort Unity bei der Geburt ihres Kindes geholfen. Der Vater des Kindes: Adolf Hitler. Stimmte das? Das Kind soll anschließend zur Adoption freigegeben worden sein. Bright setzte alle Hebel in Bewegung, um irgendeinen Beweis dafür zu bekommen, was ihm aber nicht gelang. In den standesamtlichen Unterlagen war nichts von einer Geburt zu finden, was damals aber nicht ungewöhnlich war. Eine andere Stimme aus Wigginton meinte, Unity wäre lediglich in das Hillview Cottage gebracht worden, um dort einen Nervenzusammenbruch auszukurieren. Die Dokumentation sorgte für Aufsehen in Großbritannien; sollte tatsächlich ein Nachkomme Adolf Hitlers im Land leben beziehungsweise gelebt haben? Die Antwort auf diese Frage wird möglicherweise nie beantwortet werden. In dem Dörfchen in Oxfordshire ist nach der Ausstrahlung des Films bald wieder Ruhe eingekehrt. Hillview Cottage soll im letzten Jahr für £530,000 verkauft worden sein.

Unitys Grab liegt auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Swinbrook zwischen denen ihrer Schwestern Nancy und Diana.

Unitys Grab auf dem Kirchhof St Mary the Virgin in Swinbrook
Photo © Martin Loader (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Februar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – George Mahood: Not Tonight Josephine – A Road Trip Through Small-Town America

Foto meines Exemplares.

George Mahood ist zur Zeit mein absoluter Lieblingsautor. Schon sein Buch „Free Country: A Penniless Adventure the Length of Britain„, in dem er von seiner Fahrradtour von Land’s End nach John O’Groats berichtete, die er nur mit Unterhose bekleidet, ohne einen Penny und ohne Fahrrad, an der äußersten Westspitze Cornwalls zusammen mit seinem Freund Ben begann, war wunderbar zu lesen. George Mahood  hat einen Humor, der seinesgleichen sucht.
Das gilt auch für sein Buch „Not Tonight Josephine – A Road Trip Through Small-Town America„; darin erzählt er von seiner Reise quer durch die USA und wieder zurück. In diesem Fall legt er die Tausenden von Kilometern nicht mit dem Fahrrad zurück, sondern mit einem klapprigen, im Bundesstaat New York für $850 gekauften Minivan Dodge Caravan, der den Namen Josephine trägt. Natürlich bleibt das Auto bald mit einem ziemlich großen Schaden liegen, der Georges knapp bemessene Kasse stark belastet. Er ist mit seinem Freund Mark unterwegs, und die beiden übernachten meistens in ihrer Josephine, um Geld zu sparen. Ihr Ziel ist Petaluma, nördlich von San Francisco, wo George die Ranch seines Onkels eine Zeit lang hüten soll. Der Weg der beiden führt über die Südroute  der USA, unter anderem über Tennessee, Louisiana, Texas bis nach Kalifornien.

Als Mark von San Francisco wieder nach Hause fliegen muss, kommt Georges Freundin Rachel aus England nach Kalifornien, und beide fahren über die Nordroute nach New York zurück, wo sie Josephine wieder für eine Handvoll Dollars verkaufen.

Das Buch ist nicht nur humorvoll geschrieben, man erfährt auch sehr viel über die unendliche Weite der USA, über die Welt von „small-town America“, aus der Sicht eines Engländers.

Auf Seite 360 zieht George Mahood ein Resumé seiner monatelangen Reise quer durch die USA, und da skizziert er in wenigen Sätzen auf großartige Weise das Wesen der US-Amerikaner. Ein wunderbares Buch, das jeden, der schon einmal in den USA war, begeistern, und die, die noch nie dort waren, zum Nachdenken bringen wird, das Land einmal zu erkunden. Absolut empfehlenswert!!!
Zur musikalischen Untermalung passt perfekt dieser Song von Granger Smith: „Tailgate town„; das Musikvideo wurde westlich von Dallas in Texas gedreht.

Ich lese gerade ein weiteres Buch des Autors, „Everyday is a Holiday„, bei dem ich unentwegt schmunzeln muss, und das ich demnächst in meinem Blog vorstellen werde.

George Mahood: Not Tonight Josephine – A Road Trip Through Small-Town America. CreateSpace Independent Publishing Platform 2016. 368 Seiten.  978-1539342991 (wenn man das Buch bei amazon.de bestellt, wird es extra in Polen gedruckt).

In so einem Dodge Caravan, Baujahr 1989, fuhren George und Ben bzw. Rachel quer durch die USA und zuück.
This work is released into the public domain.

 

 

Published in: on 16. Februar 2021 at 02:00  Comments (4)  

Von Phonebox Libraries und Book Exchanges

In Cargreen (Cornwall).
Author: oatsy40
Creative Commons 2.0

Um die Zukunft englischer Öffentlicher Bibliotheken sieht es nicht sehr rosig aus. Im Laufe der Jahre wurden immer mehr von ihnen geschlossen, meist aus Geldmangel der Kommunen. Die Zahl der Entleihungen und der aktiven Benutzer ging zurück; das Internet hat sich fest in den Waden der Bibliotheken verbissen, um es einmal bildlich auszudrücken. „Video killed the radio star“ hieß es 1979 in einem Song der Buggles, ersetzt man „Video“ durch „Internet“ und „Radio star“ durch „Bibliotheken“ hat man in etwa die Situation, die wir heute in England, aber nicht nur dort, haben.

Da Menschen aber immer wieder erfinderisch sind, kam man in kleineren Orten auf die Idee, einen Ersatz zu finden, indem man Micro Libraries oder Telephone Box Libraries aufstellte. Zwar haben diese nur ein Minimalangebot an Büchern, CDs und DVDs, dafür haben sie rund um die Uhr geöffnet, kosten nichts, man muss sie nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückbringen, braucht keine Mahngebühren zu bezahlen und kann die ausgeliehenen Bücher auch notfalls behalten, indem man andere aus seinem Besitz dafür hinbringt.

Ausgemusterte Telefonzellen der British Telecom sind ja schon für alle möglichen und unmöglichen Zwecke verwendet worden, zum Beispiel als Defibrillatorenstation, als Nachtclub, als Museum, als Konzerthalle, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Warum also nicht auch als Bibliothek? Und da für viele Menschen die roten Häuschen in ihrem Ort aus traditionellen Gründen unverzichtbar sind, obwohl dort so gut wie niemand mehr telefoniert, passte das sehr gut zusammen. Die erste Telefonzellenbibliothek wurde schon 2009 aufgestellt und wenn die Zahlen noch stimmen, gibt es in der Grafschaft Somerset die meisten von ihnen. Eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Micro Library, steht in Westbury-sub-Mendip in Somerset, initiiert durch die Dorfbewohner, als die Fahrbibliothek den Ort nicht mehr aufsuchte.

Egal wie man diese Miniaturbibliotheken nennt (community kiosk, swap box, book exchange, swap shop), ich finde diese Idee gut. Sie sind natürlich keine echte Konkurrenz für professionell geleitete Bibliotheken, die hoffentlich noch lange bestehen bleiben, aber sie tun dem Gemeinschaftsgeist der Dörfer gut. Außerdem: Die eigenen, ausgelesenen Bücher verstopfen nicht mehr die Regale, man kann sie der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, die sich darüber freut, dass sie zum Nulltarif Lesestoff bekommt…was wiederum die Buchhändler nicht freuen dürfte. Auch Kinder freuen sich über Bücher, die sie sich in den Minibibliotheken aussuchen können wie dieser Film zeigt.

Das Buch zum Artikel:
Rachael Lucas: The Telephone Box Library. Pan 2020. 400 Seiten. ISBN 978-1509882779.

In Impington (Cambridgeshire).
Author: Michael Dales
Creative Commons 2.0

In Brinkworth (Wiltshire).
Author: Anguskirk
Creative Commons 2.0

Published in: on 15. Februar 2021 at 02:00  Comments (4)  
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Der St Alban’s Tower in der Londoner Wood Street – Ein Kirchturm, verloren zwischen Hochhäusern

Es gibt zwei Ereignisse in der Geschichte Londons, die den Kirchen der Stadt besonders großen Schaden zugefügt haben: Der Große Brand von London im Jahr 1666 und die Luftangriffe der deutschen Luftwaffe, The Blitz, 1941/42. Jedes Mal wurden zahlreiche Kirchen in Schutt und Asche gelegt, einige riss man komplett ab, einige baute man wieder auf.

Die Kirche St Alban’s in der Wood Street in der City of London, benannt nach dem Heiligen Alban, dem ersten christlichen Märtyrer auf der Insel, ereilte beide Schicksale. Sie fiel dem Großen Brand zum Opfer und wurde von niemand anderem als dem Stararchitekten seiner Zeit, Sir Christopher Wren, wieder aufgebaut und zwar in dem sogenannten Perpendicular Gothic-Stil. 1685 war die Kirche fertig gestellt und nahm ihren Dienst wieder auf. Ein weiterer Stararchitekt, Sir George Gilbert Scott, nahm sie sich 1858/59 noch einmal vor und restaurierte sie. Und dann ereilte St Alban’s der zweite Schicksalsschlag, als sie am 29. Dezember 1940 von einer Bombe getroffen wurde, die ein deutsches Flugzeug über London abgeworfen hatte. Dieses Mal lohnte ein Wiederaufbau nicht, da alles in Trümmern lag…bis auf den Kirchturm, der  auf wundersame Weise stehengeblieben war. In den 1960er Jahren räumte man die Reste der Kirche ab, die Glocken sind auch längst abgehängt worden und in den 1980er Jahren entstand aus dem alten Turm ein privates Wohngebäude. Das Ungewöhnliche daran ist, dass der St Alban’s Tower mitten auf einer Verkehrsinsel steht und der Verkehr auf beiden Seiten um das alte Gemäuer herumgeleitet wird.  Um den Turm herum sind im Laufe der Jahre Hochhäuser entstanden, wodurch er etwas verloren wirkt, ein Relikt aus einer früheren Zeit.

Der St Alban’s Tower diente in dem 2009 erschienen Spielfilm „St Trinian’s 2: The Legend of Fritton’s Gold“ (dt. „Die Girls von St Trinian 2: Auf Schatzsuche“), den ich ziemlich albern fand, als Hauptquartier der Geheimgesellschaft AD1. Die Außenaufnahmen wurden hier in der Wood Street gedreht.

Der musikalische Elefant im Waddesdon Manor in Buckinghamshire

Author: National Trust, Waddesdon Manor / Mike Fear
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Als der Schah von Persien, Nāser ad-Din Schāh, im Jahr 1889 das Waddesdon Manor in Buckinghamshire besuchte, das sein Besitzer Baron Ferdinand de Rothschild gerade hatte fertigstellen lassen, kam der Mann auf seiner Besichtigungstour durch das Haus auch in die East Gallery und da entdeckte er etwas, was er noch nie gesehen hatte und das sein Herz höher schlagen ließ. Es war ein Musikautomat in Form eines Elefanten, den der französische Uhrmacher Hubert Martinet etwa um das Jahr 1770 geschaffen hatte. Martinet arbeitete sowohl in Paris als auch in London, war für seine fantasievollen Kunstwerke bekannt, dieser Elefant aber gehört zu seinen absoluten Meisterwerken. Wo der musikalische Elefant überall war, bevor er in den Besitz des Barons kam, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Wenn er einen Mann wie den Schah, der in seinem Leben schon viel gesehen hatte, aber dermaßen faszinierte, dass er alles um sich herum vergaß und nur noch Augen für den Elefanten hatte, dann haben wir es hier wirklich mit etwas Einzigartigem zu tun.

Hubert Martinet hatte das „automaton„, wie es im Englischen heißt, aus Bronze gebaut. Zwei Schlüssel benötigt man, um den Elefanten zum Leben zu erwecken und die Musik erklingen zu lassen. Einer wird in den Bauch des Tieres gesteckt, der andere in die Plattform, auf der es steht. Jetzt beginnen sich die Ohren, die Augen, der Rüssel und der Schwanz zu bewegen, die vielen Figuren auf und neben dem Elefanten drehen sich und es gibt noch so manches andere zu bestaunen wie den orientalischen Herrscher, der zusammen mit seiner Frau auf einer Howdah steht wie man einen Elefantensitz in Indien bezeichnet. In diesem Film kann man sich das alles einmal ansehen.

Vier verschiedene Melodien kann man dem Kunstwerk entlocken, das allerdings selten in Aktion im Waddesdon Manor gezeigt wird, da es doch recht alt und empfindlich ist.

Ich finde das Waddesdon Manor wunderschön; es gehört für mich zu den eindrucksvollsten Bauwerken in England. Baron Ferdinand de Rothschild hat in seinem Haus eine Fülle von Kunstwerken zusammengetragen, aber der Elefant ist für viele Besucher die Nummer Eins.

The Romantic Novelists‘ Association – Eine Vereinigung britischer Liebesroman-Autorinnen

Was für  die Autoren von Kriminalromanen in Großbritannien die Crime Writers‘ Association ist, ist für die britischen Schriftstellerinnen, die Liebesromane schreiben, die Romantic Novelists‘ Association (RNA). Diese Art von Romanen sind fast ausschließlich bei Frauen sehr beliebt und sie erreichen oft hohe Verkaufszahlen. So ist auf den Webseiten der RNA zu lesen, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2017 alle zwei Sekunden ein Liebesroman verkauft wurde. In Deutschland zieren die Liebesromane bestimmter Verlage oft Bilder von hübschen jungen Damen mit tiefem Dekolleté, die mit schmachtenden Blicken in den Armen muskelbepackter Männer mit nacktem Oberkörper liegen. Ähnliches gibt es auch in Großbritannien zu sehen, zum Beispiel bei Produkten aus dem Verlag Mills & Boon.

Gegründet wurde die RNA im Jahr 1960 und zwar von den namhaftesten Autorinnen dieser Zeit, von Barbara Cartland, Catherine Cookson, Rosamunde Pilcher und Elizabeth Goudge, um nur einige zu nennen. Alle diese Damen erzielten mit ihren Büchern Millionenauflagen. Ziel der RNA war, das Genre Liebesroman aus einer Ecke herauszuholen, das von der Literaturkritik meist von oben herab betrachtet beziehungsweise gar nicht wahr genommen wurde.

Rund 1000 Autorinnen sind in der RNA zusammengefasst, die jedes Jahr eine Fülle von Veranstaltungen, Workshops und dergleichen organisieren. Höhepunkt ist immer die Vergabe der vielen Auszeichnungen und davon gibt es einige, zum Beispiel den The Goldsboro Books Contemporary Romantic Novel Award und den The Goldsboro Books Historical Romantic Novel Award. Dann gibt es weiterhin den The Katie Fforde Debut Romantic Novel Award für den besten Erstlingsroman und den The Jackie Collins Romantic Thriller Award, für Bücher in denen es neben romantischen Szenen auch schon einmal etwas rauer zugehen kann.

Der Verlag des Jahres 2020 war wieder einmal Mills & Boon, die Bibliothekarin des Jahres, die sich besonders für das Genre eingesetzt hat, war Liz Gardner von der Burton Library in Staffordshire, und die Buchhandlung des Jahres 2020 war „The Ripped Bodice, A Romantic Bookstore“ in Culver City in Kalifornien, die selbst auch einen Award for Excellence in Romantic Fiction vergibt.

Zum Thema siehe auch meine beiden Blogeinträge „Der National Trust und die Liebesromane“ und „Die M6 Toll Road – Gebaut mit Herz-Schmerz-Romanen„.

Published in: on 12. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Rosedale Chimney Bank in North Yorkshire – Eine der steilsten Straßen Großbritanniens

Chimney Bank – Dangerous hill – Engage low gear now – Cyclists please dismount„, so lautet die beunruhigende Aufschrift auf einem der Hinweisschilder im North York Moors National Park in North Yorkshire. Ob es sich dabei wirklich um die steilste Straße im ganzen Land handelt, sei dahingestellt, auf jeden Fall hat die Rosedale Chimney Bank eine Steigung bzw. Gefälle von 1:3. Allenfalls der Hardknott Pass in Cumbria und vielleicht auch noch Sutton Bank, ebenfalls in North Yorkshire gelegen, bieten ähnliche Steigungen wie die Rosedale Chimney Bank.

Die enge Straße verläuft in zahlreichen steilen, unübersichtlichen Kurven, die die ganze Aufmerksamkeit der Autofahrer verlangen; Radfahrer sollen bergabwärts absteigen, aber was so ein richtiger „biker“ ist, der denkt gar nicht daran (in Radfahrerkreisen wird die Straße auch The Chain Breaker genannt). 1 470 Meter ist der Straßenabschnitt nur lang, dafür hat er aber einiges zu bieten. Im Winter bei Eis und Schnee wird es richtig problematisch, sie zu befahren, darum warnt ein zusätzliches Schild „Avoid route in wintry conditions„. Die Fahrzeugbremsen sollten schon in Ordnung sein, wenn man die Rosedale Chimney Bank hinunterfährt, denn „runaway lanes“ gibt es nicht. Für LKWs und Wohnwagengespanne ist die Straße nicht geeignet. Es gab hier auch schon einmal Oldtimerrennen und da ging dem einen oder anderen der betagten Vehikel schon einmal die Puste aus.

Am Beginn der Rosedale Chimney Bank steht ein Pub aus dem 16. Jahrhundert, der White Horse Farm Inn, in dem sich die Radfahrer, die die Straße bezwingen wollen, sich ein wenig Mut antrinken können.

Dieser Film zeigt die Straße, von einer Drohne aus gefilmt, und dieser einen Radfahrer beim Bezwingen der Strecke.

The White Horse Farm Inn.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. Februar 2021 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Ed Glinert: The London Compendium

Foto meines Exemplares.

Es gibt einige sehr interessante Nachschlagewerke über London, von denen ich im Laufe der Jahre mehrere vorgestellt habe. Ich denke da an das großartige „Curiocity“ von Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose, das Mammutwerk „The London Enyclopedia„, Christopher Winns „I Never Knew That About London“ oder Ed Glinerts „Literary London„, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Ed Glinert hat dazu noch einen Parallelband veröffentlicht, mit dem Titel „Literary London: A street-by-street exploration of the hidden metropolis„, ursprünglich 2003 erschienen; ich habe die New Expanded Edition aus dem Jahr 2012. Das Buch ist mittlerweile schon neun Jahre alt, man muss bei der Aktualität also einige Abstriche machen, trotzdem ist es zum aller größten Teil nicht veraltet.

Der Autor ist gebürtiger Londoner, arbeitet als Journalist für große Tageszeitungen und kennt sich auch in Liverpool und Manchester sehr gut aus; über Manchester hat Glinert ebenfalls ein „Compendium“ geschrieben.

In dem heute vorgestellten Buch nimmt sich der Autor die einzelnen Londoner Stadtteile und ihre Straßen vor, die er näher beschreibt hinsichtlich Architektur, Literatur, Kriminalität, Skandale, Politik usw. usw. Wer wohnte in welchem Haus? Historische Persönlichkeiten oder Rockstars, Komponisten oder Maler, Schriftsteller oder Verbrecher – zwischen den 523 Seiten des Buches treffen wir sie alle an. Die Paläste und Hotels, die Pubs und Kaufhäuser, die Elendsviertel und die Straßen, in denen die Superreichen wohnen, alles schildert Ed Glinert detailliert auf seinen Spaziergängen durch die britische Metropole.
Jeder, der sich für London interessiert, wird an diesem Buch Gefallen finden!

Ed Glinert: The London Compendium: A street-by-street exploration of the hidden metropolis, Penguin 2012. 523 Seiten. ISBN 978-0-718-19204-4.

 

Published in: on 10. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Blackawton International Festival of Wormcharming

Wäre ich ein Regenwurm und würde in der Nähe des Dorfes Blackawton in der Grafschaft Devon leben, so würde ich Anfang Mai das tun, was man im Englischen „keep a low profile“ nennt. Erfahrene Regenwürmer bleiben dann nämlich in ihren unterirdischen Löchern und sie treibt es nicht ans Tageslicht, wenn sie plötzlich „regenartige“ Geräusche hören. „Fake news!“ und „Stay where you are!“ rufen sie vielleicht den jüngeren Würmern zu, die es, neugierig geworden, an die Oberfläche treibt und die dann ruckzuck in einem Eimer, einer Büchse oder einer Schüssel landen.
Was ist da oberhalb der Grassoden passiert? Die armen Tiere sind mitten im Blackawton International Festival of Wormcharming gelandet, einem Wettbewerb, in dem es darum geht, innerhalb eines begrenzten Zeitraums soviel Würmer wie möglich an die Erdoberfläche zu locken. Graben darf man dabei nicht, sondern muss sich andere „worm charming“-Ideen ausdenken, um die Würmer davon zu überzeugen, dass es regnet. Dass kann man zum Beispiel erreichen, indem man durch Klopfen auf den Boden entsprechende Signale nach unten aussendet oder indem man Wasser auf die Grasfläche gießt.

Im Dorfleben von Blackawton, westlich von Dartmouth gelegen, ist das Festival der Höhepunkt des Jahres. Im vorigen Jahr wurden die Regenwürmer verschont, denn Corona hatte dem Treiben ein Ende gesetzt. „International Festival“ klingt vielleicht ein ganz klein wenig übertrieben, aber es gab auch schon Sieger, die aus Neuseeland angereist waren. Die Teams nennen sich Fat Worms, Worm Wranglers oder Super Worm M.A.S.H. Unit. Es gibt zwei Kategorien, die Erwachsenen und die unter 11-jährigen.

Als „Europe’s Most Unmissable Festival“ wurde der Wettbewerb in Blackawton bezeichnet; darauf kann man sich schon einmal etwas einbilden. Wo genau das Worm Charming ausgetragen wird, erfahren die Teilnehmer erst kurz vor Beginn des Wettbewerbs, denn man kann ja nie wissen…

Die entfernten Brüder und  Schwestern der Regenwürmer aus Blackawton, die in Willaston in Cheshire leben, kennen ein ähnliches Spektakel, das sich The World Worm Charming Championships nennt, über das ich am 25. Dezember 2015 in meinem Blog berichtet habe.

Dieser Film zeigt einige „Worm charming“-Methoden:

Der bunte Sand der Alum Bay auf der Isle of Wight

Die Alum Bay.
Author: Auntie P.
Creative Commons 2.0

An der äußersten Westspitze der Isle of Wight findet man die Alum Bay mit der sehenswerten Felsformation The Needles, auf deren Ende ein Leuchtturm steht, The Needles Lighthouse. Um zur Alum Bay hinterzukommen wurde ein Sessellift installiert, es existiert aber auch ein Fußweg hinunter. Oberhalb der Alum Bay wartet ein Vergnügungspark auf die Besucher mit den zu erwartenden Amusements wie Karussels und Souvenirläden.

Das Besondere an der Bucht sind aber die einzigartigen Felsformationen mit ihren bunten Sandsteinschichten, die man am besten von einer der Bootstouren aus sehen kann, die dort angeboten werden. Schon im 19. Jahrhundert nahmen sich die Besucher kleine Glasfläschchen mit nach Hause, in die sie den mehrfarbigen Sand gefüllt hatten. Auch Queen Victoria freute sich über diese mit Sand gefüllten Glasgefäße. Sand von der Alum Bay ist heute noch das beliebteste Souvenir der Gäste, die sich den Sand allerdings nicht mehr selbst direkt vom Strand aufsammeln dürfen, denn dann wäre er bald verschwunden. Doch da springen die Souvenirshops ein, die den Touristen zwei Möglichkeiten anbieten. Entweder man kauft bereits abgefüllte Gläser, die die Sandexperten vor Ort kunstvoll gestaltet haben, oder man lässt seiner Fantasie freien Lauf, indem man aus 21 verschiedenfarbigen Kästen mit Sand sich selbst sein persönliches Souvenir abfüllt, was besonders für Kinder immer wieder interessant ist. Hier ist ein Film über den speziellen Sand der Alum Bay.

Ein kleines  Monument erinnert oberhalb der Alum Bay an Guglielmo Marconi, der von hier oben aus Ende des 19. Jahrhunderts seine Telekommunikationsversuche unternahm.

Es gibt also viel zu sehen in der Alum Bay auf der Isle of Wight.

Die farbigen Sandsteinschichten.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

 

Individuelles Sandabfüllen.
Author: skuds
Creative Commons 2.0

The Needles und der Leuchtturm.
Photo © Fleur Piercy (cc-by-sa/2.0)

Der Sessellift hinunter zur Bucht.
Author: Carl Ayling
Creative Commons 2.0

Published in: on 8. Februar 2021 at 02:00  Comments (3)  
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Der Solent Flyer und der Island Flyer – Die Letzten ihrer Art

Christopher Cockerell (1910-1999) war ein Ingenieur, dessen bekannteste Erfindung das Hovercraft war, ein Vehikel, das sich sowohl über Land als auch über Wasser fortbewegen konnte, und das auf einem Luftkissen. Eigentlich eine geniale Erfindung, heute trifft man diese Luftkissenfahrzeuge nur noch selten an. Eine Zeit lang bedienten große Exemplare dieser Fahrzeuge die Strecke über den Ärmelkanal  von Dover nach Calais. Ich bin einmal damit die umgekehrte Strecke gefahren; ein ungewöhnliches Erlebnis.

In ganz Großbritannien gibt es heute nur noch eine Mini-Strecke, die von zwei Hovercrafts befahren wird: Von Southsea an der Küste von Hampshire nach Ryde auf der Isle of Wight. Gerade einmal zehn Minuten brauchen die beiden Luftkissenfahrzeuge Solent Flyer und Island Flyer dafür, die tagaus, tagein hin und her pendeln. Im Jahr 2016 wurden beide in Dienst gestellt, sie tragen die Typenbezeichnung Griffin 12 000TD, gebaut von der Firma Griffon Hoverwork, die die Fabrikation der Fahrzeuge im benachbarten Southampton tätigt. In Lee-on-the-Solent befindet sich auch das einzige Hovercraft Museum der Welt (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Fährverbindung Southsea – Ryde, von der Firma Hovertravel betrieben, dient nur zur Personenbeförderung, im Gegensatz zur damaligen Ärmelkanalfähre, die auch Fahrzeuge mitnehmen konnte. Die Hin- und Rückfahrt kostet £24.60.

Die Luftkissenfahrzeuge gelten als sehr sicher; nur einmal gab es auf der Strecke Southsea-Ryde ein Unglück, am 4. März 1972, als nur wenige hundert Meter von der Landestelle in Southsea entfernt, die Fähre von einer ungewöhnlich großen Welle erfasst wurde und kenterte. Fünf Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben.

Dieser Film zeigt den Solenty Flyer bei der Anlandung und bei der Abfahrt.

Published in: on 7. Februar 2021 at 02:00  Comments (6)  
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Mein Buchtipp – Iain Spragg: London Underground’s Strangest Tales

Foto meines Exemplares.

Der Londoner Journalist Iain Spragg ist vor allem durch seine Sportbücher bekannt geworden wie Biografien über die Fußballspieler Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé und Gareth Bale. Für die „Strangest Tales„-Serie des Verlages Portico Books hat er ebenfalls einige Bände verfasst wie „Cycling’s Strangest Tales“ oder „Running’s Strangest Tales“ und das Buch, das ich heute vorstellen möchte: „London Underground’s Strangest Tales: Extraordinary But True Stories„.

Iain Spragg kennt sich also nicht nur bei Sportthemen gut aus, sondern auch in der Londoner U-Bahn. In seinem Buch hat er einige Dutzend Geschichten versammelt, die kurios, skurril oder einfach nur interessant sind. Wer hätte schon gewusst, dass mehr als die Hälfte der 249 Meilen U-Bahnstrecke gar nicht unterirdisch verläuft oder dass die Rolltreppe in der Station Angel mit 60 Metern die drittlängste in ganz Europa ist? Während des Zweiten Weltkriegs diente ein Tunnelabschnitt zur Produktion von Ausrüstungsgegenständen für die Armee; 2000 Menschen arbeiteten dort. Iain Spragg schreibt von der Arbeit der „fluffer“, die nachts das Schienenbett von dem Unrat säubern müssen, der sich dort tagsüber angesammelt hat (weist aber gleichzeitig darauf hin, dass sich diese Arbeit sehr von der der „fluffer“ in der Pornoindustrie unterscheidet).

Der Autor nennt die Horrorfilme, die in der „tube“ gedreht worden sind (siehe dazu meinen Blogeintrag), schreibt von den Tauben, die mit der U-Bahn durch London reisen (vielleicht weil sie zu faul geworden sind zu fliegen). Wir hören von dem einbeinigen Bumper Harris, der bei der Ersteinführung der Rolltreppen eingestellt worden sein soll, den ganzen Tag abwärts und aufwärts zu fahren, um den Leuten zu zeigen wie ungefährlich das ist (warum man dafür einen Einbeinigen ausgewählt hat, ist rätselhaft; die U-Bahnpassagiere hätten sich ja fragen können, wodurch der Mann sein Bein verloren hat…). In der letzten Geschichte des Buches kommt Iain Spragg noch einmal auf das Thema Rolltreppe zurück und berichtet von dem japanischen Geschäftsmann, der, wahrscheinlich nach einem Drink  zuviel, eine Rolltreppe unbedingt in der verkehrten Richtung bewältigen wollte wie dieser Film zeigt:

Iain Spragg: London Underground’s Strangest Tales. Portico 2013. 173 Seiten. ISBN 978-1-907554-97-1.

Published in: on 6. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Ebrington Arms in Ebrington (Gloucestershire) – Einer der schönsten Pubs in den Cotswolds… und ganz Großbritanniens

Ebrington ist ein hübsches kleines Dorf in den Cotswolds, das nicht so bekannt ist wie die Touristenhochburgen Broadway, Stow-on-the-Wold oder Chipping Camden. Drei Kilometer nordöstlich von letzterem Ort liegt Ebrington in der Grafschaft Gloucestershire und es darf sich zurecht damit schmücken, einen der schönsten Pubs in den Cotswolds zu besitzen; nach Ansicht der Times ist es sogar der schönste im  ganzen Königreich. Der im allgemeinen zuverlässige Good Pub Guide zeichnet The Ebrington Arms gleich mit mehreren Awards aus, mit dem Beer Award, dem Food Award, Wine Award und Stay Award (es stehen hier auch fünf Zimmer zur Verfügung). Da die Besitzer des Pubs auch eine eigene Brauerei haben, die Yubberton Brewery, kann der durstige Pubbesucher Produkte dieser Brauerei probieren, die Yubby, Yawny und Goldie heißen. Nicht-Biertrinker können den Wein des Little Oak Vineyards verkosten, der etwa zwei Kilometer entfernt angebaut wird.

Der Dorfpub soll hier schon seit dem Jahr 1640 stehen und dafür gesorgt haben, dass die Ebringtoner nie durstig zu Bett gehen mussten. Der Pub verfügt über all die Dinge, die man sich von einem englischen Gasthaus wünscht: Offene Kaminfeuer im Winter und eine Terrasse mit Biergarten im Sommer, Hunde sind willkommen, einige Tische in der Bar sind extra für Hunde und deren Begleiter vorgesehen, es gibt eine fantasievolle, bodenständige Küche und auch einige Pubspiele werden bereit gehalten.

Creaking with atmosphere“ schwärmt der Daily Telegraph und spricht von einem „hidden treasure set in a gloriously unspoilt village„.

The Ebrington Arms hat noch einen Schwester-Pub, The Killingworth Castle in Wootton bei Woodstock in Oxfordshire.

Hier ist ein Film über dieses Schmuckstück in den Cotswolds.

The Ebrington Arms
Ebrington
Chipping Campden
Gloucestershire
GL55 6NH

 

Der Schwester-Pub: The Killingworth Castle in Wootton bei Woodstock in Oxfordshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Februar 2021 at 02:00  Comments (5)  
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Die Brieftauben von Skinningrove (North Yorkshire)

Die Riesenbrieftaube wartet darauf, beim Skinningrove Bonfire verbrannt zu werden.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Skinningrove, ein kleines Dorf an der Ostküste North Yorkshires, habe ich in meinem Blog bisher nur einmal  kurz erwähnt, allerdings mit negativem Vorzeichen. Der ehemalige Bergarbeiterort gilt als „tough village“, kein Wunder, wenn durch die Schließung der Bergwerke den Menschen plötzlich die Lebensgrundlage entzogen wurde.

Eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung der Bergarbeiter war das „pigeon fancying„, die Beschäftigung mit Brieftauben und sie ist es bis heute geblieben. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts dienten Brieftauben als Kommunikationsträger, sie waren so etwas wie Telefon, Telefax und E-Mail „rolled into one“.Die Erfindung der Telegrafie machte den Einsatz der Tiere bald überflüssig, doch die Arbeiter dort oben im Nordosten Englands nahmen sich der arbeitslosen Tauben an und machten sie zu ihrem Hobby.

Die Taubenzüchter taten sich in Vereinen zusammen wie zum Beispiel in der Skinningrove & District Homing Society und trugen Wettkämpfe mit ihren Brieftauben aus. Im gesellschaftlichen Leben der Dörfer in der Region spielte das eine wesentliche Rolle. Im Jahr 2017 wurde das Skinningrove Bonfire veranstaltet, bei dem eine riesige hölzerne Taube gebaut wurde, die dann leider wie geplant den Flammen zum Opfer fallen musste. In diesem Film ist die Fertigstellung zu sehen.

Vor dem Vereinshaus der Skinningrove Homing Society ist 2011 eine Holzskulptur aufgestellt worden, die einen Mann zeigt, der eine Brieftaube in der Hand hält; die daran angebrachte Plakette trägt die Aufschrift “ Dedicated to Skinningrove Pigeon fanciers, past and present.“ Geschaffen hat die Figur Steve Iredale, der sein Studio in Staithes ganz in der Nähe hat. Der Verein in Skinningrove ist stolz darauf, schon viele hochrangige Brieftaubenrennen gewonnen zu haben.

Dieser Film porträtiert einen Brieftaubenzüchter aus Skinningrove.

Steve Iredales Holzskulptur vor dem Vereinshaus der Skinningrove Homing Society
Photo © Bill Henderson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Shipden Hall in West Yorkshire und die Abenteurerin Anne Lister (1791-1840)

Shibden Hall.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Vor zwei Jahren wurden im britischen Fernsehen eine achtteilige Serie gesendet, die den Titel „Gentleman Jack“ trug und die so gut bei den Zuschauern ankam, dass in diesem Jahr eine zweite Staffel gezeigt werden soll. Die TV-Serie basiert auf dem ungewöhnlichen Leben einer Frau, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte und die Anne Lister (1791-1840) hieß. Nur sehr wenige Frauen in der damaligen Zeit besaßen den Mut kreuz und quer durch die Welt zu ziehen und aus ihrer sexuellen Orientierung, sie war lesbisch, kein allzu großes Geheimnis zu machen. „Gentleman Jack“ war der Name mit dem sie von den Bewohnern der Stadt Halifax in West Yorkshire bezeichnet wurde, dort wo sie geboren wurde und wo sie ihren Landsitz Shibden Hall besaß.

Anne Lister führte ein sehr ausführliches Tagebuch, das insgesamt mehr als fünf Millionen Wörter umfasste, ein Teil davon in Geheimschrift geschrieben und zwar die Passagen, in denen es um ihre amourösen Beziehungen zu anderen Damen ging. Erst sehr viel später gelang es, diese Passagen zu entziffern. 1836 erbte Anne Shibden Hall, wo sie aber schon eine Weile gelebt hatte, von ihrer Tante. Zwei Jahre vorher ging sie zusammen am Ostersonntag mit ihrer Geliebten Ann Walker in die Holy Trinity Church in Yorks Godramgate zur Kommunion und von da an betrachteten sie sich anschließend als verheiratet, ohne dass die Beziehung legalisiert war. Eine Plakette an der Kirche erinnert an die „Eheschließung“.

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alle Reisen der Anne Lister aufzuführen; nur so viel, dass sie in viele europäische Länder reiste, den höchsten Berg in den französischen Pyrenäen bestieg und sich gern in Paris aufhielt. Ihre letzte Reise, die sie zusammen mit Ann Walker unternahm, führte die beiden Damen nach Osteuropa, nach Moskau und in den Kaukasus. Sie starb am 22. September 1840 in Georgien. Ihre Lebensgefährtin Ann brachte sie nach England zurück, wo sie im Halifax Minster beigesetzt wurde. Das ausgefüllte Leben der „first modern lesbian“ gäbe so viel Stoff her, das „Gentleman Jack“ noch viele weitere Staffeln erleben könnte.

Shibden Hall war dreihundert Jahre lang der Stammsitz der Familie Lister; er ging für einige Jahre in den Besitz von Ann Walker über, die 1854 starb. 1933 bekam die Halifax Corporation das Anwesen geschenkt, die in der Hall ein Museum einrichtete. Der Park und die Hall sind öffentlich zugänglich. Nach der Ausstrahlung von „Gentleman Jack“, das auch in Shibden Hall gedreht wurde, nahm der Besucherandrang deutlich zu.

Wer die Tagebücher einmal lesen möchte, bitte schön:
The Secret Diaries of Miss Anne Lister Vol. 1 and 2. Virago 2010. 448 Seiten und 352 Seiten. ISBN 978-1844087198 und 978-0349013336.

Hier „heirateten“ Anne Lister und Ann Walker: Die Holy Trinity Church in Yorks Goodramgate.
Eigenes Foto.

Published in: on 3. Februar 2021 at 02:00  Comments (1)  
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Der Stanza Stones Poetry Trail in West Yorkshire

The Snow Stone.
Photo © John Illingworth (cc-by-sa/2.0)

Das Ilkley Literature Festival besitzt in der britischen Literaturwelt einen ausgezeichneten Ruf. Namhafte Schriftsteller treffen sich jedes Jahr in der kleinen Stadt Ilkley in West Yorkshire. Beim Festival des Jahres 2010 entschied man sich dafür, ein Projekt in Angriff zu nehmen, das den Namen Stanza Stones Poetry Trail erhalten sollte.  Die künstlerischen Partner des Projekts waren Simon Armitage, ein Dichter und Schriftsteller aus der Region, seit 2019 Nachfolger von Dame Carol Ann Duffy als Poet Laureate, Pip Hall, eine Steinmetzin und Tom Lonsdale, ein Landschaftsarchitekt.

Geschaffen wurde der über 70 Kilometer lange Poetry Trail in den Pennines, der von Marsden (wo Simon Armitage aufwuchs) nach Ilkley führt. Sechs Stationen in Form von Steinen sind auf dem Weg zu besuchen, auf denen Gedichte eingemeißelt sind, die Simon Armitage speziell für das Projekt geschrieben hat und die kunstvoll von Pip Hall auf die Steine übertragen worden sind. Das Thema der Gedichte lautet „Natur„. An besonders atmosphärischen Orten hier oben auf der Wasserscheide des Pennine-Gebirges hat das Team die Steine ausgesucht, die die Namen Snow Stone, Rain Stone, Mist Stone, Dew Stone, Puddle Stone und Beck Stone tragen. Es dauerte achtzehn Monate bis das Projekt abgeschlossen war.

Beginnt man die Wanderung von Marsden aus trifft man zuerst auf dem Pule Hill auf den Snow Stone, in den Simon Armitages folgendes Gedicht eingemeißelt ist:

The sky has delivered its blank missive. The moor in coma. Snow, like water asleep, a coded muteness to baffle all noise, to stall movement, still time.
What can it mean that colourless water can dream such depth of white? We should make the most of the light. Stars snag on its crystal points. The odd, unnatural pheasant struts and slides. Snow, snow, snow is how the snow speaks, is how its clean page reads.
Then it wakes, and thaws, and weeps„.

Nicht jeder wird den kompletten Trail zurücklegen wollen und so gibt es Einstiege, die zu den einzelnen Steinen führen. Einen sehr guten Trail Guide zum Herunterladen gibt es hier.

In diesem Film stellt Simon Armitage sein Projekt vor.

The Dew Stone.
Photo © John H Darch (cc-by-sa/2.0)

The Puddle Stone.
Photo © John Illingworth (cc-by-sa/2.0)

Simon Armitage.
Author: Alexander Williamson
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Das Mill Theatre in Sonning (Berkshire)

Schauplatz meines heutigen Blogeintrages ist wieder einmal Sonning an der Themse in der Grafschaft Berkshire. Ich habe den Ort bereits zweimal behandelt, in Zusammenhang mit dem French Horn Hotel und als Drehort der Inspector Barnaby-Folge 93 „Written in the Stars“ (dt. „Sonne, Mond und Sterne“).

Fährt man vom French Horn in Richtung Innenstadt so hat man die Wahl: Entweder stattet man dem Schauspieler George Clooney und seiner Frau, der Anwältin Amal Clooney, einen Besuch in ihrem Haus The Mill ab oder man entscheidet sich für einen Besuch in einem Dinner Theatre, das auch The Mill heißt und neben dem Grundstück der Clooneys liegt.

Leider ist auch The Mill at Sonning zur Zeit geschlossen, aber man macht sich Hoffnungen, im März wieder öffnen zu können. Das Gebäude war ursprünglich eine Wassermühle an einem Seitenarm der Themse, die Mehl herstellte, das zum großen Teil nach Reading für die berühmte Keksfirma Huntley and Palmer geliefert wurde. 1969 stellte man den Betrieb der Mühle ein, da eine neue, weit größere Mühle in Tilbury in Essex günstigere Preise anbieten konnte und die Keksfirma ihre Produkte nicht mehr in Reading herstellen ließ. Am 22. Juni 1982 erwachte die mehrere Jahre leerstehende Mühle aus ihrem Dornröschenschlaf und erstrahlte in neuem Glanz als The Mill at Sonning Dinner Theatre. Der Erfolg stellte sich bald ein und gipfelte bisher darin, dreimal hintereinander den UK Theatre Award for the UK’s Most Welcoming Theatre erhalten zu haben, von 2016 bis 2018.

Das Theater an der Themse hat in der Regel wochentags abends und am Wochenende auch mittags geöffnet. Bevor die Vorstellung beginnt, wird im Restaurant ein Dinner bzw. Lunch eingenommen. Die Waterwheel Bar steht für Drinks und Snacks zur Verfügung.

Was wird auf der Bühne geboten? Ein Mix aus Comedy, Musikshow und Theater. In diesem Jahr ist die Aufführung „Busman’s Honeymoon“ geplant, nach Dorothy Sayers gleichnamigem Roman. Regie wird Brian Blessed führen, seit Jahrzehnten britischen Kinogängern und Fernsehzuschauern als Schauspieler bekannt. Beliebt sind Revival Shows mit Oldies wie The Rod Stewart Experience und The Johnny Cash Roadshow.

Hoffen wir, dass das Coronavirus mit all seinen Mutationen bald besiegt sein wird, und The Mill at Sonning wieder seine Pforten zu Restaurant und Bühne öffnen kann.

Dieser Film zeigt zwei begeisterte junge Herren, die das Bühnenstück „Towards Zero“ im Theater nach einem Agatha Christie-Roman gesehen haben (dt. „Kurz vor Mitternacht“).

 

 

Published in: on 1. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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