Wigginton in Oxfordshire, Unity Mitford und Adolf Hitler

St Giles am School Lane in Wigginton.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Ich hatte einmal für kurze Zeit in dem kleinen Dorf Shutford in Oxfordshire gewohnt (siehe dazu meinen Blogeintrag), etwa sieben Kilometer westlich von Banbury. Von Shutford aus sind es nur wenige Kilometer bis zu einem anderen kleinen Dorf, Wigginton (Oxfordshire). Die etwa 200 Einwohner von Wigginton führen ein ruhiges Leben; im Dorf gibt es eine Kirche, Saint Giles, und einen Pub, The White Swan, der zur Hook Norton Brauerei gehört.

Doch darum geht es heute nicht; wir begeben uns in den School Lane, vorbei an der Village Hall, bis zu einem Haus, das Hillview Cottage heißt. In diesem Haus war in den 1940er Jahren ein Entbindungsheim untergebracht, in dem vor allem ledige Mütter ihre Kinder zur Welt bringen konnten. 1940 wurde eine junge Frau in das Hillview Cottage gebracht, die Unity Mitford hieß, eine der Schwestern aus der Mitford-Familie, die in Swinbrook (Oxfordshire) ansässig war. Es waren sechs Schwestern und ein Bruder, die alle im Licht der Öffentlichkeit standen. Unity war so etwas wie das schwarze Schaf in der Familie, denn sie war eine glühende Anhängerin von Adolf Hitler, eine Art Groupie, die eine Zeit lang dem Führer nicht von der Seite wich. Unity war auf Hitlers Berghof in Obersalzberg zu Gast, sympathisierte mit dem nationalsozialistischen Gedankengut und erhielt aus Hitlers Hand das goldene Parteiabzeichen. Hat sie auch mit Adolf Hitler geschlafen, fragte man sich damals?

Als Unity erfuhr, dass Deutschland und England Krieg führen würden, versuchte sie sich das Leben zu nehmen, indem sie sich in den Kopf schoss. Der Suizidversuch misslang, die Kugel blieb in ihrem Kopf stecken, und sie sollte für den Rest ihres Lebens darunter leiden (sie starb 1948).

Um zu dem Aufenthalt in Wigginton zurückzukehren: Warum wurde Unity ausgerechnet in einem Entbindungsheim untergebracht? Dieser Frage ging der Journalist Martin Bright im Zuge der Recherchen für seine TV-Dokumentation „Hitler’s British Girl“ nach. Er nahm zu einer Frau Kontakt auf, die behauptete, ihre Tante hätte im Krieg in Wigginton im Hillview Cottage als Hebamme gearbeitet und dort Unity bei der Geburt ihres Kindes geholfen. Der Vater des Kindes: Adolf Hitler. Stimmte das? Das Kind soll anschließend zur Adoption freigegeben worden sein. Bright setzte alle Hebel in Bewegung, um irgendeinen Beweis dafür zu bekommen, was ihm aber nicht gelang. In den standesamtlichen Unterlagen war nichts von einer Geburt zu finden, was damals aber nicht ungewöhnlich war. Eine andere Stimme aus Wigginton meinte, Unity wäre lediglich in das Hillview Cottage gebracht worden, um dort einen Nervenzusammenbruch auszukurieren. Die Dokumentation sorgte für Aufsehen in Großbritannien; sollte tatsächlich ein Nachkomme Adolf Hitlers im Land leben beziehungsweise gelebt haben? Die Antwort auf diese Frage wird möglicherweise nie beantwortet werden. In dem Dörfchen in Oxfordshire ist nach der Ausstrahlung des Films bald wieder Ruhe eingekehrt. Hillview Cottage soll im letzten Jahr für £530,000 verkauft worden sein.

Unitys Grab liegt auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin in Swinbrook zwischen denen ihrer Schwestern Nancy und Diana.

Unitys Grab auf dem Kirchhof St Mary the Virgin in Swinbrook
Photo © Martin Loader (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Februar 2021 at 02:00  Comments (3)  
Tags: ,