Witney in Oxfordshire Teil 1: Die Wychwood Brewery, die das „Kobold-Bier“ herstellt

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In der Stadt Witney in Oxfordshire wird schon seit Jahrhunderten Bier gebraut. 1983 kaufte hier ein gewisser Paddy Glenny die ehemalige Clinch’s Brewery und benannte sie The Eagle Brewery; hier braute Glenny, der die Bierherstellung in Deutschland gelernt hatte, nun sein eigenes Bier. 1990 wechselte er den Namen seiner Firma, die von jetzt ab Wychwood Brewery hieß, nach dem Wald in der Nähe von Witney.

Chris Moss, der Partner von Paddy Glenny, erhielt 1988 den Auftrag, für eine Hochzeit ein spezielles Bier zu brauen; das wurde später das berühmteste Bier der Wychwood Brewery, das „Hobgoblin„. Dieses Bier besitzt 4,5% Alkohol (die Flaschenabfüllung 5,2%) und wird von der Brauerei so beschrieben: „full bodied and well balanced with a chocolate toffee malt flavour, moderate bitterness and a distinctive fruity character with a ruby red glow.“
Die Wychwood-Biere zeichnen sich auch durch ihre Etiketten aus, auf denen die Mythen und Legenden des Wychwood Forests abgebildet werden. Hobgoblin ist der englische Begriff für Kobold.

Neben dem legendären Hobgoblin gibt es weitere Biere, die ganzjährig im Programm sind: King Goblin, Wych Craft, Scarecrow und Goliath. Darüber hinaus stellt die Brauerei aber auch noch monatlich wechselnde Biere her wie Elderwych oder Gingerbeard.

Am Wochenende werden in der Wychwood-Brauerei  Führungen angeboten, auf denen der Brauprozess vorgeführt wird und anschließend die Biere probiert werden können.
Sehenswert ist übrigens die toll gemachte Homepage der Brauerei!
Hier ist ein Film über eine Bierprobe des Hobgoblins.

Wychwood Brewery
Eagle Maltings
The Crofts
Witney
Oxfordshire
OX28 4DP


Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)
Eigenes Foto
Published in: on 31. März 2021 at 02:00  Comments (2)  

The White Horse Inn in Stourpaine (Dorset) – Pub, Postamt und Dorfladen in einem

Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Prince Charles hatte seine helle Freude am White Horse Inn in Stourpaine in der Grafschaft Dorset, setzte man dort doch haargenau das um, was der Prinz mit seiner Aktion „The Pub is the Hub“ (ich berichtete darüber in meinem Blog) erreichen wollte: Die Integration von im Dorf verlorengegangenen Institutionen wie Postamt und Village Store in das örtliche Gasthaus.
Stourpaine hatte beides verloren; im Jahr 2010 waren sowohl das Postamt als auch der Dorfladen geschlossen worden. Gut, der nächste größere Ort, Blandford Forum, war nicht allzu weit entfernt, doch ist es doch bequemer, gerade für die älteren Bewohner, alles gleich in Stourpaine erledigen zu können. So nahm The White Horse Inn Postamt und Laden unter seine Fittiche, was von den Menschen vor Ort sehr positiv aufgenommen wurde.
Der Village Store hat jetzt sieben Tage in der Woche geöffnet, selbst am Sonntag kann man hier von 7.30 Uhr bis 12 Uhr einkaufen. Das Postamt hat zweimal pro Woche, jeweils dienstags und donnerstags am Vormittag geöffnet.

Weiterhin gibt es im Pub den Prescription Collection Service, ein Rezeptabholservice aus Arztpraxen in Blandford Forum und Child Okeford. Der Pub dient auch als Community Centre, das zum Beispiel eine Buchtauschbörse unterhält und einen Senior Citizen Lunch Club ins Leben gerufen hat. Ach ja, ein Defibrillator wurde vor einigen Jahren ebenfalls installiert.

The White Horse Inn bietet ein umfangreiches Unterhaltungsangebot mit Auftritten von Bands. Jedes Jahr kommt die Londoner Shooting Stars Theatre Company vorbei und führt ein Theaterstück auf; in diesem Jahr soll es Noel Cowards „Private Lives“ sein, am 4. und 5. August.

Der Prince of Wales und seine Gattin besuchten The White Horse Inn am 27. Mai 2011 und zeigten damit ihre Wertschätzung für die Aktivitäten in Stourpaine.

The White Horse Inn
Stourpaine
Blandford Forum
Dorset DT11 8TA

Published in: on 30. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die älteste Apotheke Englands steht in Burford in Oxfordshire

Author: ekenitr
Creative Commons 2.0

Bis zum Jahr 1998 hieß die älteste Apotheke Englands Ye Oldest Chymist Shoppe, und sie stand in Knaresborough in North Yorkshire. Dann wurde sie geschlossen und in das alte Haus zog ein Souvenirgeschäft ein. Seitdem steht die älteste Apotheke jetzt in Burford (Oxfordshire) in den Cotswolds und sie heißt Reavley, an der Ecke High Street/Sheep Street.

1734 schon wurde diese Apotheke von Nicholas Willet gegründet und noch heute versorgt sie Burford und Umgebung mit Medikamenten. Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm sie im Jahr 1918 der Apotheker Robert Reavley, nachdem sie bis heute benannt ist. Mehrere Generationen Reavleys folgten als Eigentümer der Apotheke in dem alten Eckhaus; der letzte war Cedric Reavley, der gegen die Konkurrenz der englischen High Street Chemists ankämpfte und dabei von seiner treuen Kundschaft unterstützt wurde.
Als sich Cedric Reavley im Februar 2019 in de Ruhestand begab, übernahm die Tuffour-Familie die älteste Apotheke im Land. Ben und Ivy Tuffour stehen jetzt hinter dem Tresen und beraten die Bewohner von Burford.

Dort wo das Haus an der Ecke High Street/Sheep Street steht, war früher einmal ein Pub, The Crown Inn, der im Bürgerkrieg für General Eyres als Hauptquartier diente.

Burford ist eine kleine, lebhafte Stadt, die ich mehrfach besucht habe, wenn ich denn einen Parkplatz gefunden habe. Sie gilt als „posh“, denn in der Umgebung leben viele wohlhabende Menschen.

Ye Oldest Chymist Shoppe in Knaresborough (North Yorkshire)
Photo © Steve McShane (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Malton in North Yorkshire – Yorkshire’s Food Capital

Beim Food Lovers Festival auf dem Market Place.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Die Marktstadt Malton in North Yorkshire liegt an der vielbefahrenen A64, die von Leeds zur Küste führt. Ich erinnere mich noch an einen gewaltigen Stau in der Innenstadt auf der B2157, einer Art „Business Loop“, während dem ich Zeit hatte, mir den Ort vom mehr oder weniger stehenden Auto anzusehen.
Der italienische, in London lebende Starkoch Antonio Carluccio (1937-2017) war bei einem Besuch in Malton im Jahr 2011 von dem kulinarischen Angebot der Stadt dermaßen angetan, dass er Malton als „Yorkshire’s food capital“ bezeichnete, worauf man hier natürlich sehr stolz war. Nicht die großen Metropolen Yorkshires wie Leeds, Sheffield oder York, sondern das kleine Malton wurde von Carluccio so ausgezeichnet.

Was hat Malton denn nun in kulinarischer Hinsicht zu bieten? Es gibt einen monatlich stattfindenden „Food Market“ auf dem Marktplatz vor der St Michael’s Church, wo Händler aus der Region ihre Waren anbieten. Hier findet man alles, was das Herz eines Gourmets höher schlagen lässt. Einmal im Jahr findet das dreitägige Malton Food Lovers Festival statt, in diesem Jahr geplant für den 28. bis 30. August, auch  „Yorkshire Foodie Glastonbury“ genannt. Dann gibt es den Marathon du Malton, eine zehn Kilometer lange Strecke auf der die Teilnehmer alle möglichen Köstlichkeiten probieren können wie Hummer, Roastbeef, Bier und Gin aus der Region usw.
Die gastronomische Malton Food Tour (£45) führt durch Geschäfte und Läden der Stadt, auf der man hinter die Kulissen der Erzeuger blicken und natürlich auch alles probieren kann.

Und dann gibt es noch zahlreiche Restaurants in der Stadt wie das The New Malton, das Chapter One Bistro und das Stew & Oyster am Market Place, um nur einige zu nennen. Die Brass Castle Brewery stellt veganes und glutenfreies Bier her, die Rare Bird Distillery produziert Gin (darunter auch einen Rhabarber-Gin). Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen kulinarischen Angebot der Stadt.

Einer, der maßgeblich an dem guten Ruf von Malton beteiligt ist, ist Tom Naylor-Leyland, der im Hintergrund die Strippen zieht. Er hat im Jahr 2018 das „Malton in Mayfair“ initialisiert, ein Abendessen im Londoner Luxushotel Claridge’s, bei dem Spezialitäten aus Malton und Umgebung zelebriert und kräftig die Werbetrommel für die Stadt gerührt wurden.

Ganz in der Nähe von Malton liegen die nördlichsten Weingüter Englands, der Malton Vineyard, der erst im vorigen Jahr gegründet wurde, und die Ryedale Vineyards (2006 gegründet). Die Weinanbaugrenze verschiebt sich allmählich immer mehr gen Norden.

Hier ist ein Film über Yorkshire’s Food Capital.

Rare Bird Gin.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Auch in Yorkshire wird Cider produziert und in Malton angeboten.
Author: alh1
Creative Commons 2.0

Published in: on 28. März 2021 at 03:00  Comments (1)  
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Das Westonbirt Arboretum in Gloucestershire – Eine der größten Baumsammlungen weltweit

Das Westonbirt Arboretum an der A 433 bei Tetbury in Gloucestershire hat einen berühmten Nachbarn: Es grenzt an Prince Charles‘ Highgrove Estate, dessen Garten ebenfalls sehr sehenswert, aber für Besucher nur sehr schwer zugänglich ist.

Das Arboretum ist dagegen täglich geöffnet und stellt eine der weltgrößten Sammlungen von Bäumen und Sträuchern dar, die besonders im Herbst bei der Laubfärbung ein besonderes Schauspiel bietet.

Robert Holford legte das Arboretum 1829 an und heute wachsen etwa 18 000 Baum- und Gehölzexemplare auf dem riesigen Areal, auf dem man stundenlang spazierengehen kann.
Ein besonderes Highlight im Herbst ist der Colour Circle; das ist eine Lichtung mit Bäumen, die speziell nach ihrer Herbstfärbung ausgesucht wurden.

Die meisten Besucher gehen in den alten Teil, das „Old Arboretum„, das spektakulärer ist; den anderen Teil dagegen, den „Silk Wood„, suchen nur wenige auf. Hier finden sich aber auch sehr schöne Exemplare von Eichen, Kiefern, Pappeln und Ahornen, um nur einige Baumarten zu nennen.

Ebenfalls in Gloucestershire liegt das Batsford Arboretum, das ich in meinem Blog auch schon vorstellte.

Hier sind Impressionen aus dem Arboretum zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Sarah Howard: A Year in the Life of Westonbirt. Frances Lincoln 2009. 112 Seiten. ISBN: 978-0711230255

Westonbirt Arboretum
Tetbury
Gloucestershire,  GL8 8QS

Published in: on 27. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – George Mahood: Operation Ironman

Foto meines Exemplares.

…und noch einmal George Mahood. Ich stellte bereits seine anderen Bücher über den LEJOG (Land’s End to John O’Groats-Trip), seine Reise durch die USA, sein Jahr der „schrägen Feiertage“ und seine Erfahrungen als Hochzeitsfotograf vor…und ich kann sie alle empfehlen!

Heute geht es in seinem Buch „Operation Ironman: One Man’s Four Month Journey from Hospital Bed to Ironman Triathlon“ um eine ursprünglich ernste Angelegenheit. George Mahood hat einen Tumor im Rücken, der operativ entfernt werden muss, keine einfache Operation. Als er in seinem Krankenhausbett liegt und sich in den ersten Tagen kaum bewegen kann, kommt er plötzlich auf die Idee, sobald als möglich an einem Ironman Triathlon teilzunehmen. Seine Frau und seine Familie erklären ihn für verrückt, so schnell nach einer schweren Operation an einer der anstrengendsten Sportveranstaltungen überhaupt teilzunehmen. Ironman bedeutet, an einem Tag hintereinander 3,8 Kilometer zu schwimmen, 180 Kilometer radzufahren und zum Schluss einen Marathon über 42 Kilometer zu laufen. Dabei kann George nur schlecht schwimmen (eine Strecke im Schwimmbad), mit dem Fahrrad fährt er nur hin und wieder kurze Strecken und gelaufen ist er in den letzten 18 Monaten nicht mehr als 10 Kilometer am Stück. Kann das gutgehen?

Da alle Ironman-Veranstaltungen in Großbritannien bereits ausgebucht sind, meldet sich George in Vichy in Zentralfrankreich an, wo in vier Monaten ein Ironman stattfinden wird. Langsam nimmt er das Training auf, wobei er mit dem Schwimmen die größten Probleme hat, er fährt immer längere Stecken mit dem Fahrrad und beginnt das Lauftraining. Kurz vor dem Ironman-Start in Vichy fühlt er sich soweit fit, hat aber auch noch immer etwas Angst vor seiner eigenen Courage. Er muss die Gesamtstrecke innerhalb von sechzehn Stunden zurücklegen, und das bei 40 Grad Hitze. George Mahood schafft den Ironman tatsächlich in knapp vierzehn Stunden.

Wieder ist das Buch mit viel Humor gewürzt, und die Familie Mahood mit George, seiner Frau Rachel und den Kindern Layla. Leo und Kitty sind mir richtig ans Herz gewachsen. Wer einmal das Thema Corona für einige Stunden ausblenden und sich amüsieren möchte, dem kann ich alle Bücher des Autors sehr empfehlen!!

George Mahood: Operation Ironman: One Man’s Four Month Journey from Hospital Bed to Ironman Triathlon. Self-published 2015. 315 Seiten. ISBN  978-1522884217.

 

Published in: on 26. März 2021 at 02:00  Comments (1)  
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Blandford Forum in Dorset und die Bastard Brothers

Blandford Forum Town Hal..
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Blandford Forum ist eine Kleinstadt in der Grafschaft Dorset, ganz in der Nähe, in dem Dörfchen Pimperne, habe ich einmal eine kurze Zeit gewohnt (siehe dazu meinen Blogeintrag). Ich fand die Stadt damals tatsächlich ein wenig „bland“, also etwas langweilig, und daher orientierte ich mich mehr nach Salisbury und Dorchester, die nicht weit entfernt liegen. Vielleicht tat ich aber auch Blandford Forum unrecht, so dass ich es wieder gut machen will und heute über den Ort berichte.

Was für London der Große Brand von 1666 war, der Teile der Stadt in Schutt und Asche legte, war für Blandford Forum der Große Brand vom 4. Juni 1731, der die kleine Marktstadt fast völlig zerstörte. Kaum jemand von den Bewohnern kam ungeschoren davon, auch die Kirche St Peter and St Paul erlitt große Schäden. Also machte man sich an den Wiederaufbau der Stadt, unterstützt durch staatliche Mittel und auch der König, Georg II., gab sein Scherflein mit dazu.

Geleitet wurden die Arbeiten durch zwei örtliche Architekten, die den unglücklichen Nachnamen Bastard trugen, John und William. Als erstes nahmen sich die Brüder die Town Hall vor, die sie binnen drei Jahren hochzogen. Die Kirche St Peter and St Paul wurde nach den Plänen der Bastard Brothers von 1732 bis 1739 neu erbaut. Der Marktplatz entstand in neuem Glanz mit seinen umliegenden Privathäusern. Auch das abgebrannte Haus der Bastard-Brüder in der East Street, gegenüber der Kirche, wurde neu gebaut; es trägt eine blaue Plakette, die daran erinnert, wer hier einmal gewohnt hat. Heute ist im Erdgeschoss einer der vielen Charity Shops der Stadt untergebracht.

Als im Jahr 1760 die Bauarbeiten überwiegend abgeschlossen waren, errichteten John und William Bastard zur Erinnerung an den Großen Brand noch das Pump House Fire Monument, direkt neben der Kirche. Es trägt die Inschrift „In grateful Acknowledgement of the DIVINE MERCY which has since raised this Town, like the Phoenix from its Ashes, to its present beautiful and flourishing State“.

Dieser Film zeigt Bilder aus Blandford Forum.

St Peter and St Paul.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Das ehemalige Haus der Bastard Brothers.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Das Fire Monument
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Peter Anthony Allen und Gwynne Owen Evans – Die letzten Männer, die in Großbritannien hingerichtet wurden

Das Walton Prison in Liverpool.
Photo © Sue Adair (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blogeintrag vom 16. Juli 2012 berichtete ich über Ruth Ellis, die am 13. Juli 1955 als letzte Frau Großbritanniens  im Londoner Holloway Prison per Strang hingerichtet worden war, weil sie ihren Liebhaber David Blakeley vor dem Magdala Pub (der heute nicht mehr existiert) in Hampstead erschossen hatte.

Wer war nun der letzte Mann, der im Lande das gleiche Schicksal wie Ruth Ellis erlitt? Es waren zwei Männer, die zeitgleich am 13. August 1964 um 8 Uhr morgens gehängt wurden: Peter Anthony Allen in Liverpools Walton Prison, Gwynne Owen Evans in Manchesters Strangeways Prison. Allen war 21 Jahre alt, Evans 24 Jahre. Beide Männer wohnten im Nordwesten Englands, in Preston (Lancashire).

Was war der Grund für die Hinrichtung? Beide Männer waren Kleinkriminelle, die der Polizei durch Diebstähle, Fahren ohne Führerschein und ähnliche Delikte aufgefallen waren. Am 6. April 1964 nahmen sich Allen und Evans ein Haus in der Kings Avenue Nummer 28 in Seaton (damals Cumberland, heute Cumbria) vor, um dort einzubrechen. In dem Haus am Ende einer Sackgasse wohnte der 53jährige Wäschereiangestellte John West, der aufwachte als er im Erdgeschoss Geräusche gehört hatte. Er stand auf und traf auf die beiden Einbrecher, die West mit einer Eisenstange und einem Messer attackierten, wobei West getötet wurde. Allen und Evans flohen aus dem Haus, dabei ließ Evans seinen Regenmantel zurück, in dessen Tasche ein Medaillon mit seinem Namen darauf steckte. Die Polizei hatte leichtes Spiel und fasste die beiden Täter binnen 48 Stunden.

Die beiden Männer wurden in Manchester vor Gericht gestellt, wo sie sich gegenseitig beschuldigten, John West getötet zu haben. Die Geschworenen fanden beide für schuldig, und so verhängte das Gericht die Todesstrafe. Da in der letzten Zeit in Großbritannien die Todesstrafe nur noch selten ausgeführt und häufig in lebenslänglich umgewandelt wurde, vermutete man, dass dies auch bei Allen und Evans geschehen würde, doch das zuständige Innenministerium sah keine Veranlassung, eine Begnadigung vorzunehmen. So sind Peter Anthony Allen und Gwynne Owen Evans in die britische Justizgeschichte als die letzten Männer eingegangen, die durch den Strick zu Tode gekommen sind. Die beiden Henker Harry Allen in Manchester und Robert Leslie Stewart in Liverpool sind arbeitslos geworden. Der Murder (Abolition of Death Penalty) Act aus dem Jahr 1965 schaffte die Todesstrafe ab; nur in Nordirland konnte sie noch bis 1973 verhängt werden.
Hier ist ein Film, der den Fall noch einmal nacherzählt.

Manchesters Strangeways Prison.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Royal Albert Bridge, die Cornwall mit Devon verbindet

Am 2. Mai 1859 wurde eine Brücke feierlich eröffnet, die von Saltash in Cornwall nach Plymouth in Devon führt und die nach Prinz Albert, dem Ehemann Königin Victorias benannt wurde, die Royal Albert Bridge. Leider war der Konstrukteur der Brücke, das Technikgenie Isambard Kingdom Brunel (1806-1859) nicht anwesend, da er erkrankt war und noch im selben Jahr, am 15. September, starb. Mit den Worten „I.K. BRUNEL ENGINEER 1859„, die an den Brückenenden angebracht wurden, ehrte man den Schöpfer der Albert Bridge. Anwesend bei der Brückeneröffnung war aber Prinz Albert selbst.

Die Royal Albert Bridge ist eine Eisenbahnbrücke über den River Tamar mit einer Länge von 670 Metern und einer Höhe von 52 Metern. Da ich noch nie in England mit der Eisenbahn unterwegs gewesen bin, kann ich nicht schildern wie es sich anfühlt, über die Brücke den Tamar zu überqueren, aber dieser Film macht das deutlich.

1952 wurde die Brücke unter Denkmalschutz gestellt und zu ihrem 150. Geburtstag  veranstaltete man auf ihr ein großartiges Feuerwerk  (hier zu sehen). Im Laufe der Lebenszeit der Royal Albert Bridge wurden immer wieder Verbesserungen und Veränderungen vorgenommen, zuletzt von 2011 bis 2014 eine Komplettrenovierung für £10 Millionen bei der 50 000 Nuten und viele Stahlteile ersetzt wurden. Dieser Film informiert über die Entstehung der Brücke.

Damit sich die Royal Albert Bridge nicht so allein fühlte, hat man direkt neben sie eine Straßenbrücke gestellt, die Tamar Bridge, über die die A38 geleitet wird. Eröffnung dieser neuen Brücke: 26. April 1962. Es handelt sich hier um eine „halbe“ Toll Bridge, das heißt die Befahrung für PKWs von Cornwall nach Devon kostet £2, in die Gegenrichtung braucht man nichts bezahlen.

Die Schwesterbrücke, die Tamar Bridge.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

In trauter Gemeinsamkeit.
Photo © Tom Jolliffe (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 23. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der älteste, noch aktive Briefkasten Großbritanniens in Holwell (Dorset)

Die Firma John M. Butt & Co in Gloucester stellte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Kingsholm Foundry alle möglichen Gegenstände aus Metall her wie Poller, Kanaldeckel, Dachrinnen und Briefkästen. Aus dieser Gießerei stammt auch der rote Briefkasten, der vor dem Barnes Cross Cottage an der Straße Cornford Hill außerhalb des Dorfes Holwell in der Grafschaft Dorset steht. Im Jahr 1853 wurde der Briefkasten produziert, der damit die älteste noch aktive „letterbox“ in ganz Großbritannien ist. Man findet darauf die Initialen „VR“ für Victoria Regina, also für Queen Victoria. Besonderheiten sind der vertikale Briefeinwurfschlitz und die vieleckige Form des Kastens. Am 16. September 1987 wurde er unter Denkmalschutz gestellt. Der Briefkasten wird regelmäßig geleert, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass viele Briefe darin zu finden sind, denn er steht ziemlich einsam vor dem Cottage in dieser dünn besiedelten Region.

Es gibt noch drei weitere Briefkästen der Firma John M. Butt & Co., die überlebt haben, allerdings anders aussehen: Einer ist im Londoner National Postal Museum zu finden, einer im Museum der Stadt Haverfordwest in der Grafschaft Pembrokeshire in Wales und einer im ehemaligen Stonehouse Hospital in Plymouth (Devon).

Die Kingsholm Foundry in Gloucester existiert schon lange nicht mehr; dort, wo sie einmal stand, ist heute die Kingsholm Church of England Primary School.
Holwell mit seinem alten Briefkasten liegt acht Kilometer südöstlich von Sherborne, der nächst größeren Stadt (knapp 10 000 Einwohner).

Ein weiterer Blogeintrag zum Thema „Briefkästen“ ist hier zu finden.

 

Published in: on 22. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Plumber Manor – Ein Country House Hotel in Dorset

Im frühen 17. Jahrhundert wurde das Plumber Manor erbaut und ist seitdem im Besitz der Familie Prideaux-Brune geblieben, das findet man nicht allzu oft. Seit mehr als vierzig Jahren wird das Haus als Hotel betrieben. Es liegt in Thomas Hardys „Vale of little dairies“, das man aus seinem Roman „Tess of the d’Urbervilles“ kennt (es gibt darin auch ein „Vale of the great dairies“, das ist das Frome Valley), außerhalb von Sturminster Newton (wo Hardy eine Zeit lang lebte).
Richard Prideaux-Brune und seine Familie leiten das Haus, das von mehreren Hotelführern empfohlen wird (Good Hotel Guide, Good Food Guide usw.). Auch das Restaurant genießt einen guten Ruf, in dessen Küche Louis Haskell die Regie führt. Er bekocht die Hotelgäste schon seit zwölf Jahren.

Das Plumber Manor verfügt über sechzehn Zimmer, davon liegen sechs im Haupthaus und zehn im Courtyard. Die Übernachtungspreise beginnen bei £170 für ein kleines Doppelzimmer und enden bei £250 für die Superior Doppelzimmer, Frühstück jeweils inklusive. Das Hotel ist sehr hundefreundlich und so gibt es mehrere Zimmer im Erdgeschoss mit direktem Zugang zum Garten, ideal für die Vierbeiner und deren Besitzer.

Das Hotel wird gern für Hochzeiten gebucht, dann aber wahrscheinlich komplett; als Einzelgast fühlt man sich zwischen den vielen Feiernden nicht so ganz wohl (wie ich es einige Male in englischen Hotels erlebt habe).

Plumber Manor Country House Hotel
Sturminster Newton
Dorset
DT10 2AF

Published in: on 21. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Babycham – Ein Kultgetränk der 1950er und 1960er Jahre aus Shepton Mallet (Somerset)

Ich kann mich noch dunkel an Werbespots im Radio erinnern (Radio Luxembourg!), in denen für ein Getränk namens Babycham geworben wurde mit dem Spruch „I’d love a Babycham„. Ich hatte damals keine Ahnung was das war, denn Babycham konnte man meines Wissens in Deutschland nicht kaufen.

Die Geburtsstunde für das alkoholhaltige Getränk (6%) aus Birnen schlug in der Stadt Shepton Mallet in Somerset, wo der kreative Bierbrauer Frances Showering sich das ausdachte. Äpfel und Birnen gab es in Somerset in Hülle und Fülle, und so brachte er 1953 dieses Getränk auf den Markt, das sich in erster Linie an die Damenwelt richtete. Babycham war das erste alkoholische Produkt für das im britischen Fernsehen geworben wurde; hier ist ein Werbespot aus den frühen 1960er Jahren.

Frances Showering lag mit seiner Kreation genau richtig, denn Babycham entwickelte sich schnell zu einem Kultgetränk in den 1950er und 1960er Jahren. Zu kaufen gab es den Birnensekt in kleinen Flaschen, meist im Viererpack, getrunken wurde er in Sektschalen oder in Sektflöten. Vintage Babychamgläser kann man noch heute kaufen, sie sind auch oft in englischen Charity Shops zu finden. Die Originalgläser tragen das Bild des Maskottchens, einer kleinen Gämse, die oft in Werbespots auftrat. Ein lebensgroßes Exemplar steht noch heute auf einer kleinen Wiese vor dem Fabrikgelände in Shepton Mallet, Ecke Garston Street/Kilver Street.

Ärger gab es mit der französischen Champagnerindustrie, die es nicht mochte, dass sich Babycham als „champagne perry“ (perry ist das Gegenstück zu cider, aber eben auf Birnenbasis) bezeichnete, und so zog die Champagnerfirma Bollinger vor Gericht, die dort allerdings mit ihrer Klage scheiterte. Das Gericht war der Meinung, dass keine Verwechslungsgefahr vorlag.

In den 1980er und 1990er Jahren nahm die Beliebtheit des Getränks rapide ab; es galt als altmodisch Babycham zu trinken. Doch in der jetzigen Zeit, in der viele Dinge von anno dazumal im Zuge der Nostalgiewelle wieder an Beliebtheit gewinnen, könnte Babycham erneut eine Liebhabergemeinde gewinnen.

 

Das Babycham-Makottchen in Shepton Mallet.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. März 2021 at 02:00  Comments (9)  
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Mells Park in Somerset – Ein Haus, in dem Weltgeschichte geschrieben wurde

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Im Jahr 1917 brannte in Somerset der Landsitz der Horner-Familie, Mells Park, ab. Eigentlich wollten die Besitzer das Haus nicht mehr aufbauen, aber nach langen Überredungsversuchen des Stararchitekten Sir Edwin Lutyens (1869-1944) erklärte sich die Familie bereit, einem Neubau zuzustimmen, der von dem ehemaligen Innen- und Finanzminister Reginald McKenna vorgenommen wurde, der in die Familie eingeheiratet hatte. Also machte sich Lutyens ans Werk und errichtete Mells Park neu, im Stil des Neoklassizismus. In den 1930er Jahren zog McKenna aus und die Horners verkauften ihr Anwesen.

In den 1980er Jahren gehörte Mells Park der britischen Firma Consolidated Gold Fields, die Goldminen in Australien, den USA und Südafrika besaß. Und hier, in der tiefen Provinz der Grafschaft Somerset, geschah etwas, das tiefe Spuren in der Geschichte Südafrikas hinterlassen sollte. Unter absoluter Geheimhaltung trafen sich in Mells Park Vertreter der südafrikanischen Regierung mit Vertretern der ANC, der African National Congress Partei, unter Führung von Thabo Mbeki, der später Präsident Südafrikas werden sollte. Die Verhandlungen zogen sich von 1987 bis 1990 hin und endeten mit der Freilassung Nelson Mandelas. Vermittelt hatte die Gespräche Michael Young, ein ehemaliger Berater von Ministerpräsident Edward Heath und Angestellter von Consolidated Gold Fields. Was hier in Mells Park erreicht wurde, war die Abschaffung der Apartheid. Kaum jemand wusste damals von den geheimen Verhandlungen, die Abgeschiedenheit von Mells Park trug mit dazu bei.
Die Verhandlungspartner lebten eine Zeit lang zusammen, aßen zusammen und machten gemeinsam Spaziergänge im Park, auf diese Weise lernten sie sich besser kennen, und das Ergebnis der Gespräche war entsprechend positiv.

Die Vorgänge in Mells Park bildeten den Stoff für den Spielfilm „Endgame“ (dt. „Endgame“), der 2009 in die Kinos kam. Gedreht wurde nicht in Mells Park, sondern in der Umgebung von Reading in Berkshire. Hier ist der Trailer.

Mells Park ist in Privatbesitz und liegt wenige Kilometer westlich von Frome am Mells River.

Die Hythe Pier Railway – Die älteste Pier-Eisenbahn der Welt

Es gibt schon ganz schön lange Piers in England. Der Southend Pier in der Grafschaft Essex ist mit 2,16 Kilometern der längste im ganzen Land, und da der Weg bis zum Kopf des Piers vielen Besuchern zu lang ist, hat man dort Schienen verlegt und eine Eisenbahn darauf gesetzt, so dass man bequem hin und her fahren kann, ohne seine Beine benutzen zu müssen. Siehe dazu auch meinen Blogeintrag.

Den ältesten Pier Train der Welt findet man in der Kleinstadt Hythe in der Grafschaft Hampshire (nicht zu verwechseln mit Hythe in Kent)  und der hat es ins Guinness Buch der Rekorde geschafft (ein Rekord, den ihm niemand streitig machen kann!). Der Hythe Pier wurde 1881 eröffnet und ist mit 640 Metern der siebtlängste im Königreich. Eigentlich könnte man die ganze Strecke auch problemlos zu Fuß zurücklegen, doch trotzdem wurden 1909 Gleise verlegt, auf der eine per Hand betriebene Bahn verkehrte. 1922 schließlich nahmen Elektrolokomotiven ihren Betrieb auf, die davor im Ersten Weltkrieg in einer Senfgasfabrik in Avonmouth eingesetzt waren.

Die ziemlich hässlichen Loks und Waggons verkehren ständig zwischen der Landstation und der Kopfstation der Pier, was für die Lokführer eine extrem langweilige Arbeit sein muss, den ganzen Tag 640 Meter hin und wieder zurück zu gondeln.

Der Pier Train ist aber nicht nur für lauffaule Touristen gedacht, sondern er wird auch von Pendlern genutzt, die mit der Hythe Ferry vom Pierkopf aus zum Town Quay nach Southampton fahren, um in der Stadt ihrer Arbeit nachzugehen. Jede halbe Stunde fährt die Hythe Pier Railway zum Ende der Pier, immer dann wenn die Fähre anlegt.

Im vorigen Jahr erhielt die Hythe Pier Heritage Association eine Spende über £10,000 von der Beaulieu Beaufort Foundation, um die Waggons wieder in einen vernünftigen Zustand zu versetzen, denn sie haben in diesen fast hundert Jahren ganz schön gelitten.

Mit diesem Film kann man sich einen guten Eindruck von Pier, Zug und Fähre verschaffen.

Published in: on 18. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Songs about London – Saint Etienne: London belongs to me

In meiner losen Reihe über Songs, in denen die Stadt London im Mittelpunkt steht, möchte ich heute „London belongs to me“ von der Band Saint Etienne vorstellen, die 1990, ebenfalls in London, gegründet wurde. Eigentlich lässt der Name der Band nicht gerade vermuten, dass sie aus England kommt, aber Sarah Cracknell, Bob Stanley und Pete Wiggs, alle im Königreich geboren, haben sich aus einer Laune heraus nach dem französischen Fußballverein AS Saint-Etienne benannt.

Das Lied mit dem besitzergreifenden Titel „London belongs to me“ (hier zu hören) stammt aus dem ersten Album von Saint Etienne „Foxbase Alpha„. Es wird von der wunderschönen Stimme Sarah Cracknells getragen und beginnt mit den Worten

„Took a tube to Camden Town,
Walked down Parkway, and settled down
In the shade of a willow tree,
Someone hovering over me“

Da fährt also jemand mit der U-Bahn in den Londoner Stadtteil Camden Town, steigt dort an der Haltestelle Camden Town Station aus und geht die Straße Parkway entlang, die auch die A4201 ist. Der Parkway ist eine lebhafte Geschäftsstraße mit vielen kleinen Läden. Sie wird von einigen schattenspendenden Bäumen gesäumt; unter einem von ihnen lässt sich die im Song genannte Person nieder, vielleicht unter dem vor dem Spread Eagle?

Der Parkway in Camden Town.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

The Spread Eagle am Parkway.
Author: Kake
Creative Commons 2.0

Published in: on 17. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Independents for Frome oder Wie der Stadtrat von Frome in Somerset bei Kommunalwahlen komplett ausgewechselt wurde

Der Market Place.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Ich war nur einmal kurz in der 26 000-Einwohner beherbergenden Stadt Frome in Somerset, als ich dort eine Kfz-Werkstatt aufsuchen musste, so konnte ich mir keinen richtigen Eindruck von dem Ort verschaffen.

Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2015 geschah hier etwas Ungewöhnliches: Alle Stadträte des Frome Town Councils, die einer der etablierten Parteien angehörten, wurden nicht mehr wiedergewählt, dafür übernahmen die Independents for Frome (IfF) alle 17 Stadtverordnetensitze, eine kleine Revolution. Bereits 2011 wurde die IfF gegründet, sie trat bei den Kommunalwahlen an und errang schon eine ganze Menge Stimmen, der Durchbruch kam vier Jahre später und auch bei den Wahlen 2019 blieben wieder alle 17 Sitze in der Hand der IfF.

Die Independents sind hier in Somerset so erfolgreich, weil sie bürgernäher als die parteiabhängigen Kommunalpolitiker sein wollten und konnten, die zu sehr in Parteizwängen gebunden waren. Der Gründer der Bewegung, Peter Macfadyen, der seit über dreißig Jahren in Frome wohnt, spricht von flatpack democracy („Revolutionising democracy, by empowering people to take control of their own councils“) und hat darüber ein Buch geschrieben „Flatpack Democracy: A DIY Guide to Creating Independent Politics„, das 2017 erschien, in dem er seine Gedanken über diese neue Form der Politik zum Ausdruck bringt. In diesem Film ist Peter Macfadyen zu sehen und zu hören.

Die Bürger von Frome sind ganz offensichtlich damit zufrieden, was ihre 17 IfF-Stadtverordneten bisher auf die Beine gestellt haben. So haben sie das Veranstaltungszentrum The Cheese and Grain neu organisiert, so dass es sich jetzt selbst finanziert und keine Zuschüsse mehr benötigt. Mit dem Neighbourhood Plan soll die Innenstadt von Frome neu belebt werden, die Stelle des Energy and Recycling Officers wurde geschaffen, damit Frome so grün wie nur möglich werden kann und auf die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern wird sehr viel mehr Augenmerk gelegt als bisher. Die Kommunikation mit den Bürgern ist stärker in den Mittelpunkt gerückt, die öffentlichen Sitzungen des Town Councils sind sehr gut besucht, weil sich hier jeder zu jedem Thema äußern kann.

Das Image der Stadt Frome hat sich sehr verbessert, seitdem die IfF die Fäden der Kommunalpolitik in die Hände genommen hat; das nationale Interesse an dem, was sich da in Frome tut, hat zugenommen. Nachahmer sind herzlich willkommen.

The Cheese and Grain.
Author: Sheep“R“Us
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Das geheime Leben der Cynthia Watson (1928-2000) aus Midgham (Berkshire)

Midgham in West Berkshire.
Author: andrewdavidlong
Creative Commons 2.0

Cynthia Watson lebte zurückgezogen in Midgham, einem kleinen Dorf in West Berkshire, nur ein paar hundert Meter von der A4, der Bath Road, entfernt. Bevor sie hierherzog, hatte sie als Schiffszimmermann bei der Handelsmarine und als Gaucho auf einer Ranch in Argentinien gearbeitet, seltsame Berufe für eine Frau.

Cynthia war in Midgham sehr beliebt, ihre handwerklichen Fähigkeiten stellte sie gern im Dorf zur Verfügung und auch finanziell erwies sie sich immer wieder als großzügig. Sie war in Midgham sehr beliebt. Ihr Bungalow sah ein wenig schäbig aus, es hätte einen neuen Anstrich gebrauchen können, aber die Bewohnerin legte darauf keinen Wert. Sie war eine altmodische Dame, die man immer nur in Röcken sah, selbst wenn sie Zimmermannsarbeiten im Dorf ausführte.

Im Jahr 2000 starb Cynthia Watson im Alter von 72 Jahren, und nach ihrem Ableben kamen zwei ganz erstaunliche Dinge ans Tageslicht, die die Einwohner von Midgham wie ein Blitz trafen: Ihre Nachbarin war eine sehr vermögende Dame gewesen, die mehrere Millionen Pfund auf ihrem Bankkonto hatte. Woher das viele Geld kam, blieb ein Rätsel, aber man munkelte im Ort, dass sie an der Börse mit Erfolg spekuliert hatte. Ein Teil des Geldes vermachte sie der Royal National Lifeboat Institution, damit davon ein neues Rettungsboot gekauft werden konnte. Die RNLI war äußerst dankbar dafür und nannte das Boot „The Witch of Osier„, in Erinnerung an Cynthia Watson, die früher eine Zeit lang auf Osier Island in Wyre Piddle in Worcestershire gelebt hatte, einer Mini-Insel im River Avon.

Die zweite, noch größere Überraschung aber war, dass Cynthia gar keine Frau gewesen war, sondern ein Mann mit dem richtigen Namen Peter Acke, obwohl einige im Dorf behaupteten, sie hätten das schon immer vermutet. Warum aus Peter Acke Cynthia Watson geworden ist, konnte man nie richtig ermitteln.

Published in: on 15. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Hailes Abbey bei Winchcombe in Gloucestershire – Einst eine Pilgerstätte mit einer ganz besonderen Reliquie

Ruinen von alten Bauwerken haben oft etwas Romantisches an sich, das gilt auch für die Ruinen der Hailes Abbey nahe der Kleinstadt Winchcombe in der Grafschaft Gloucestershire. Heinrich VIII löste auch diese ehemalige Zisterzienser Abtei im Jahre 1539 auf. Die dem National Trust gehörende Ruine beherbergt heute ein Museum, in dem Überbleibsel aus der Abtei zu sehen sind wie dieser Film zeigt.

Die Hailes Abbey war viele Jahre lang das Ziel wahrer Pilgerscharen, die einen Schatz sehen wollten, den es wohl nur hier gab: Das Blut von Jesus Christus, aufgefangen als er am Kreuz hing. Am 14. September 1270 ging diese Reliquie in den Besitz der Abtei über, und da sie etwas ganz besonderes war, ergänzte man die Kirche mit einem eigenen Anbau speziell für das Heilige Blut. Es sprach sich schnell unter den Gläubigen des Landes herum, dass die Reliquie Wunder vollbringen könnte wie zum Beispiel Kranke heilen oder sogar Tote wieder ins Leben zurückbringen. Die Zisterzienser freuten sich sehr über die Pilgermassen, trugen sie doch dazu bei, den Unterhalt für die Abtei zu gewährleisten. Gar nicht gut fanden es die Mönche, wenn manche Priester im Lande Zweifel an der Echtheit des Blutes äußerten, und so wurden Geschichten in die Welt gesetzt wie es diesen Zweiflern erging. Bei dem einen soll während der Messe der Messwein angefangen haben zu kochen, bei einem anderen blutete sein Gebetbuch. Man tat alles dafür, dass die Pilgerbewegung nicht abriss.

Dann, zu Zeiten Heinrichs VIII, ging es der Reliquie an den Kragen. Beauftragte des Königs untersuchten sie und kamen zu dem Schluss, dass sie nur eine klebrige Masse enthielt, aber kein Blut. Sie nahmen die Reliquie mit nach London, wo der Bischof von Rochester behauptete, der Inhalt bestünde aus Honig vermischt mit Saffran. Ein anderer hoher Würdenträger hielt den Inhalt für Entenblut. Letztendlich offenbarte der Abt von Hailes, dass es sich wirklich um einen Schwindel gehandelt hatte, die Reliquie war nicht echt, man brauchte die Pilger, um die Abtei am Leben zu erhalten. Zu Weihnachten des Jahres 1539 wurde die Hailes Abbey aufgelöst. Die Kirche wurde abgerissen, andere Teile als Wohnungen verwendet. Doch nach und nach verfiel die Anlage und Unkraut überwucherte die Mauerreste. 1937 nahm sich der National Trust der ehemaligen Abtei an, und der English Heritage kümmert sich um den Erhalt.

Informationen über die Öffnungszeiten und die Eintrittspreise sind hier zu finden.

Der Computerpionier Charles Babbage (1791-1871) und seine extreme Abneigung gegen Londoner Straßenmusiker

Eine Plakette an der Walworth Clinic im Londoner Stadtteil Southwark.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

Zusammen mit Ada Lovelace zählt Charles Babbage (1791-1871) zu den bedeutendsten Computerpionieren. Die von ihm entworfene Rechenmaschine Analytical Engine gilt als Urahn unserer heutigen Computer.
Doch um dieses Thema soll es in meinem heutigen Blog nicht gehen. Es geht um das Thema Lärm, genauer gesagt, um den Lärm, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in London von den Straßenmusikern aus ging. Charles Babbage hasste sie alle, die „busker“, die Krachmacher, die vor seinem Haus sangen, trommelten und auf allen möglichen Instrumenten „Musik“ machten. Er hatte nichts gegen Musik an sich, aber diese ging ihm gewaltig auf die Nerven. Er schätzte, dass dadurch 25% seiner Arbeits- und Geisteskraft zerstört worden sind. Babbage schrieb wütende Leserbriefe an die Times und beklagte sich darin bitterlich über diese Art der Umweltverschmutzung. 1864 veröffentlichte er seine „Observations of Street Nuisances„, und er wandte sich an Parlamentsmitglieder, damit der Musikantenlärm auf Londons Straßen gesetzlich verboten werden sollte, was in dem sogenannten „Babbage’s Act“ resultierte, ein Gesetz, das sich aber nicht durchführen ließ. Babbage erreichte mit seinen Aktionen das Gegenteil: Straßenmusiker versammelten sich vor seinem Haus in der Dorset Street im Stadtteil Marylebone (eine Plakette erinnert heute an ihn), um ihn zu ärgern und um sich zu rächen. Einmal spielte eine Blaskapelle fast fünf Stunden lang vor seiner Haustür, Musiker mit quietschenden Fiedeln traten auf, jemand aus der Nachbarschaft blies mehrere Monate lang jeden Tag eine halbe Stunde lang in eine schrill klingende Tin Whistle.

Wenn Charles Babbage sein Haus verließ, wurde er von einer Horde Kinder verfolgt, man machte ihm das Leben zur Hölle. Selbst als er in seinem Haus auf dem Totenbett lag, soll noch ein Leierkastenmann auf der Straße gespielt haben.

Charles Babbages Gehirnhälften sind übrigens noch vorhanden; eine ist im Hunterian Museum des Royal College of Surgeons in London zu besichtigen, die andere im Londoner Science Museum.

 

Published in: on 13. März 2021 at 02:00  Comments (1)  
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Bookbarn International – England’s Largest Used Book Warehouse in Hallatrow (Somerset)

In der internationalen Bücherscheune, der Bookbarn International,  im Gewerbegebiet von Hallatrow (Somerset) an der A37 südwestlich von Bath stehen ständig so um und bei 1,5 Millionen gebrauchte Bücher, wobei sie die größte ihrer Art in England ist und sogar zu den größten weltweit zählt. Ohne die Online-Plattformen des Internets wäre so etwas gar nicht möglich, denn die Bookbarn verkauft den größten Teil des Lagers nicht vor Ort, sondern national und international.

Etwa 40 000 Bücher kommen pro Woche hier in der tiefen Provinz in Somerset an, werden online katalogisiert und auf mehreren Verkaufsplattformen wie Amazon Marketplace ins Internet gestellt, und tausende Bestellungen gehen täglich ein und werden weltweit versendet. Die internationalen Hauptabnehmer sind unter anderem die USA, Australien, Japan und Deutschland.

Viele der Bücher, die in Hallatrow angeliefert werden, kommen aus ausgemusterten Bibliotheksbeständen, Schulen oder von Leuten, die zuhause einfach keinen Platz mehr haben. Ein Teil der Bücher landet gleich in der £1-Abteilung, es gibt aber auch einen Sektor in der Bookbarn, in der seltene antiquarische Bücher stehen, und zwar im Darwin Room. Warum der Name Darwin Room? William Pryor, der Chairman von Bookbarn International, ist der Ur-Ur-Urenkel von Charles Darwin (ich hoffe, dass ich das mit den „Urs“ richtig hinbekommen habe). In dieser Abteilung stehen denn auch höherpreisige Bücher wie zum Beispiel „The Farmers Companion“ aus dem Jahr 1813, das für €538 angeboten wird.

Die Bookbarn verkauft auch Bücher nach laufendem Meter, das heißt, wenn beispielsweise Filmproduktionsgesellschaften oder Möbelhäuser zu Dekorationszwecken Bücher brauchen, bei denen es egal ist, um welche Titel es sich handelt, werden die hier in Somerset fündig.

Hier ist ein Film über die Bookbarn.

Bookbarn International
1 Hallatrow Business Park
Wells Road
Hallatrow
Bristol BS39 6EX

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Published in: on 12. März 2021 at 02:00  Comments (4)  
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The Malt Shovel in Oswaldkirk (North Yorkshire)

Dort in der Grafschaft North Yorkshire, wo die North York Moors an die Howardian Hills grenzen, findet man das kleine Dorf Oswaldkirk, in dem es, wie es der Name auch verrät, eine dem heiligen Oswald gewidmete Kirche gibt. An derselben Straße liegt, wie sich das für ein englisches Dorf gehört,  der Pub, der hier The Malt Shovel heißt, ein denkmalgeschütztes Haus, das im 17. Jahrhundert erbaut worden ist. Der Pub gehört in das Portfolio der Samuel Smith Brewery, die in Tadcaster, ebenfalls North Yorkshire, ansässig ist. Leider ist The Malt Shovel schon seit geraumer Zeit geschlossen (nicht wegen Corona), weil der Pub in großem Stil umgebaut werden soll.

Das Haus gehört zu den „haunted pubs„, von denen es in England unzählige gibt. Geister scheinen ihre Atmosphäre zu schätzen wissen. In der Malt Shovel soll es sich um den Geist des fünfjährigen Thomas Bamber handeln, der hier vor über hundert Jahren starb. Seine Mutter soll das Kind wochenlang in seinem Sterbezimmer gelassen haben, bevor sie es zur Beerdigung freigab. Sie konnte sich nicht damit abfinden, dass ihr geliebtes Kind nicht mehr lebte.

In Oswaldkirk weiß jeder, dass es in der Malt Shovel spukt, der örtliche Pfarrer hat das Haus sogar schon einmal exorziert. Die Dorfbewohner werden sicher froh sein, wenn ihr Pub wieder geöffnet haben wird; solange müssen sie auf andere Pubs in der Umgebung ausweichen wie den White Swan und den White Horse Inn im nahegelegenen Ampleforth oder The Fairfax Arms in Gilling.

Wenn man schon einmal in Oswaldkirk ist, sollte man der hübschen kleinen Dorfkirche einen Besuch abstatten von deren Kirchhof man einen weiten Blick in das Ryedale hat.

Der Biergarten der Malt Shovel.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Die dem heiligen Oswald gewidmete Dorfkirche.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

Der Timeball Tower in Deal (Kent)

 

Auf halber Strecke zwischen Dover und Ramsgate in der Grafschaft Kent liegt direkt an der Küste die Ortschaft Deal, und dort an der Ecke Beach Street/Sondes Road steht ein weißer Turm auf dem ein schwarzer Ball ruht, der sogenannte Timeball Tower. Ursprünglich diente der Turm als optischer Telegraf zur Kommunikation mit Schiffen, die an Deal vorbeifuhren. Im Jahr 1855 wurde anstelle der Semaphoren ein schwarzer Zeitball auf dem Dach installiert, der zu einer bestimmten Stunde, in diesem Fall um 13 Uhr, fallen gelassen wurde, um es den Seeleuten zu ermöglichen, ihre Schiffschronometer exakt auf die Greenwich Mean Time zu synchronisieren. Der Deal Timeball Tower war mit dem Royal Observatory in Greenwich verbunden und bekam von dort ein elektrisches Signal, das den Ball auf die Sekunde genau hinunterfallen ließ. Das spielt sich auch heute noch auf dem Turm ab, die Zeit ist einprogrammiert. In den Sommermonaten wird der Zeitball zusätzlich jeweils zur vollen Stunde von 9 Uhr bis 17 Uhr herabgesenkt. Auch zur Jahreswende am 31. Dezember um 0 Uhr geschieht das. Da der Mast an dem der Zeitball befestigt ist, stark korrodiert ist und repariert werden muss, ist die ganze Anlage seit Anfang 2020 außer Betrieb. Hier ist der Zeitball in Aktion zu sehen.

Im Turm ist das Time Ball Tower Museum untergebracht, das auf vier Stockwerken über historische Kommunikationsformen wie Semaphoren, Signalanlagen usw. informiert.

Published in: on 10. März 2021 at 02:00  Comments (2)  
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Der Gold Hill in Shaftesbury (Dorset) – Eine der romantischsten Straßen Englands

In wie vielen Kalendern mag es wohl schon Fotos vom Gold Hill in Shaftesbury (Dorset) gegeben haben? Ähnlich wie das kleine Dorf Castle Combe in Wiltshire oder die Mermaid Street in Rye (Kent) ist der Gold Hill eine der am meisten fotografierten Straßen im Land. Nachdem Ridley Scott hier 1973 seinen berühmten Werbespot für die Brotfirma Hovis gedreht hatte, kannte jedes Kind in Großbritannien diese steile, gepflasterte Straße (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Shaftesbury ist eine Kleinstadt mit etwas mehr als 7000 Einwohnern oberhalb des Blackmore Vales an der Grenze zu Wiltshire. Viele der Touristen kommen gezielt hierher, um sich die Straße Gold Hill anzusehen, an die viele hübsche alte Häuser grenzen. Auf der anderen Seite der Straße sind noch die Mauern der ehemaligen Abtei zu sehen, die im Jahr 888 von Alfred dem Großen gegründet worden war. Hier ist also so einiges zusammengefasst, was das Touristenherz höher schlagen lässt. Wer sich ausführlicher mit Shaftesbury und dem Gold Hill beschäftigen möchte, der sollte das Gold Hill Museum oben auf dem Hügel aufsuchen, das in zwei historischen Häusern untergebracht ist, wovon man einen sehr schönen Blick auf das Blackmore Vale hat. Leider ist auch dieses Museum zur Zeit geschlossen; man hofft auf eine Wiedereröffnung im Mai.

Einmal im Jahr findet im Juli die Gold Hill Fair statt; in diesem Jahr soll es der 4. Juli sein. Das für den 4. Mai geplante Shaftesbury Food and Drink Festival ist bereits abgesagt worden. Eines der Highlights dieses Festival ist immer der Gold Hill Cheese Race, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem ziemlich schweren Käselaib die steile Straße hinaufrennen müssen, was ihnen so einiges abverlangt wie in diesem Film zu sehen ist. Im Blackmore Vale wird Käse produziert, den man zum Beispiel im wahrscheinlich kleinsten Käseladen der Welt, dem Truckle Truck, in Shaftesbury kaufen kann. Der Laden ist in einem über 50 Jahre alten Citroen-Lieferwagen untergebracht, der jeden Donnerstag auf dem Shaftesbury Market steht.

Wer einmal eine Stunde lang „chillen“ möchte, kann sich diesen Film vom Gold Hill ansehen, in dem so gut wie nichts passiert.

Auch ein Hund genießt die schöne Aussicht auf das Blackmore Vale.
Photo © Mr Eugene Birchall (cc-by-sa/2.0)

Wintereinbruch am Gold Hill.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

 

Der Combe Down Tunnel bei Bath in Somerset und seine Klang-Licht-Installation

Als der Chef der britischen Staatsbahnen, Richard Beeching (1913-1985), in den 1960er Jahren seine berühmt-berüchtigte „Beeching axe“ anlegte, um das Streckennetz drastisch zu reduzieren (siehe dazu auch meinen Blogeintrag), traf es auch die Somerset & Dorset Joint Railway, die die Städte Bath und Bournemouth miteinander verband. 1966 wurde die Bahnlinie geschlossen, weil sie angeblich zu unrentabel war. Die Leute, die die Bahn regelmäßig nutzten, waren „not amused“.

Die Linie führte südlich von Bath durch zwei Tunnel, den Devonshire Tunnel und den Combe Down Tunnel; letzterer war mit 1672 Metern einer der längsten Eisenbahntunnel Großbritanniens. Der Combe Down Tunnel war für das Personal auf der Lok nicht ungefährlich, denn es gab im Tunnel keine Ventilationsschächte, so kann man sich gut vorstellen, was da für eine schlechte Luft geherrscht haben musste. Seit 1966 gammelte der unbenutzte Tunnel vor sich hin, bis man auf die Idee kam, ihn für Radfahrer und Fußgänger frei zu geben, was natürlich nicht ohne umfangreiche Renovierungsarbeiten möglich war. Sustrans, eine Organisation, die sich um das über 20 000 Kilometer lange britische National Cycle Network kümmert, nahm den Combe Down Tunnel, und auch den ebenfalls wiederhergestellten Devonshire Tunnel, unter ihre Fittiche und gliederte sie beide als Two Tunnels Greenway in ihre National Cycle Route 244 ein. Am 6. April 2013 war die Eröffnung und damit ist der Combe Down Tunnel der längste Fahrradtunnel auf der Insel.

Damit es den Radfahrern und Fußgängern darin nicht langweilig wird, hat Sustrans eine Klang-Licht-Installation namens „Passage“ darin anbringen lassen. United Visual Artists aus London bekam den Auftrag dafür. In den Nischen des Combe Down Tunnels, die damals für die Arbeiter vorgesehen waren, die während des Zugbetriebs Arbeiten im Tunnel vornahmen, sind jetzt Lichtinstallationen zu sehen, verbunden mit Lautsprecheranlagen über die Musik eingespielt wird, die extra für diesen Zweck von der Komponistin Mira Calix geschaffen wurde. Die Kunstinstallation reagiert auf Bewegungen und wird dadurch in Gang gesetzt. Hier ist ein Film über den Tunnel, den übrigens Fußgänger in etwa 25 Minuten, Radfahrer in 10 Minuten durchqueren.

Nachts muss es ein wenig unheimlich sein, durch diesen langen Tunnel zu laufen oder mit dem Rad zu befahren wie dieser „Ghost Train“-Film zeigt.

 

Mein Buchtipp – George Mahood: How Not to Get Married

Foto meines Exemplares.

Das ist jetzt schon mein vierter Buchtipp für ein Buch von George Mahood. Er schreibt einfach großartig und humorvoll! 2019 veröffentlichte er seine Erlebnisse als Hochzeitsfotograf „How Not o Get Married: A no-nonsense guide to weddings from a photographer who has seen it ALL„.

Mehr als zehn Jahre lang fotografierte George Mahood über 250 Hochzeiten in Northampton und Umgebung, und da weiß er wovon er spricht. Der Aufwand, der in England für Hochzeiten betrieben wird, scheint mir größer als in Deutschland zu sein. Wer über die nötigen Geldmittel verfügt, feiert gern in einem exklusiven Hotel oder auch in einem der vielen Herrenhäuser, die für Hochzeiten zur Verfügung stehen.

George Mahood geht in seinem Buch anhand der Hochzeit von Jen und Matt alle Stufen von der Planung bis zur Disco am Hochzeitsabend durch, natürlich auf seine witzige Weise. Was ist da nicht alles zu beachten: Die Auswahl des Hochzeitskleides, das Catering, die Auswahl der Brautjungfern und des „best man“, die Reden, die gehalten werden müssen, die abendliche Disco beziehungsweise die Live-Band…und natürlich die Anweisungen für den Fotografen. Manche Brautpaare möchten gern Sepia-Fotos haben, eine Braut wollte, dass sie nur von der linken Seite fotografiert werden sollte. Da ist von den Stag und Hen Parties die Rede, die Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede, die oft in anderen Ländern gefeiert werden und bei denen es schon ganz schön zur Sache gehen kann, worüber der „best man“ des Bräutigams in seiner Rede besser nicht ins Detail gehen sollte. Hier ist ein Beispiel für einen sehr originellen Auftritt eines „best man“, der vergessen hat, den Text für seine Rede zur Hochzeit mitzubringen.

George Mahood berichtet darüber wie es zu den traditionellen Abläufen bei Hochzeiten gekommen ist. Warum darf der Bräutigam am Morgen der Hochzeit seine Braut erst in der Kirche sehen? Warum mussten früher Braut und Bräutigam ihren „Vollzug der Ehe“ im Hochzeitsbett vor den Augen der Familie und der Freunde durchführen (was für eine merkwürdige Idee!!)?

Dieser Film zeigt eine traditionelle kirchliche Trauung.

Ich kann auch dieses Buch von George Mahood, der inzwischen kein Hochzeitsfotograf mehr ist, voll und ganz empfehlen!

George Mahood: How Not to Get Married. Self-published 2019. 234 Seiten. ISBN 979-8677469930.

Published in: on 7. März 2021 at 02:00  Comments (1)  

Dover in Kent und die Gedenkstätten für Ärmelkanalüberquerer

Die Louis Blériot-Gedenkstätte auf der Northfall Meadow.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Dover ist das Einfallstor für viele Besucher vom Kontinent, denn die Fähren vom gegenüberliegenden Calais in Frankreich benötigen für die Strecke nur circa 90 Minuten. Die Luftlinie zwischen den beiden Städten beträgt etwa 42 Kilometer (man scheint sich da nicht so ganz einig zu sein, denn man findet auch die Angabe 48 Kilometer). Für Kanalüberquerer bietet sich diese Strecke also an, auch für die, die auf unkonventionelle Art und Weise diese Strecke zurücklegen wollten/wollen.
Die Stadt Dover hat einige dieser Männer (sorry Ladies, es sind wirklich nur Männer) in Form von Denkmälern geehrt.

Da ist zuerst einmal Louis Charles Joseph Blériot (1872-1936), der als erster Mensch am 25. Juli 1909 den Ärmelkanal von Calais aus in einem Flugzeug überquerte, wofür er 37 Minuten benötigte. Das Flugzeug kann in Paris im Musée des arts et métiers besichtigt werden. Dort wo Monsieur Blériot in Dover landete, auf der Northfall Meadow, ist ein Gedenkstein in Form eines Flugzeugumrisses in den Boden eingelassen worden, mit einer Inschrift, die an das Landedatum erinnert. Die Gedenkstätte liegt etwas nördlich vom Dover Castle.

Knapp ein Jahr später, am 2. Juni 1910, überquerte ein gewisser Charles Stewart Rolls (1877-1910) in einem Flugzeug den Ärmelkanal nonstop hin und zurück; dafür benötigt er 95 Minuten. Tragischerweise starb er nur wenige Wochen später bei Bournemouth bei einem Flugzeugabsturz. Er war der Partner von Sir Frederick Henry Royce (1863-1933), deren Namen man noch heute mit Flugzeugtriebwerken und hochwertigen Automobilen in Verbindung bringt. Das Denkmal für Charles Stewart Rolls ist in Dover auf der Marine Parade zu finden.

Nur wenige Meter von dem Rolls-Denkmal entfernt, ebenfalls an der Marine Parade, steht ein weiteres, das an einen Mann erinnert, der den Ärmelkanal auf andere Weise überquert oder besser durchquert hat: Captain Matthew Webb (1848-1883). Am 24. August 1875 begann er vom Admiralty Pier in Dover aus als erster Mensch den Kanal in Richtung Calais zu durchschwimmen. Das gelang ihm in 21 Stunden und 45 Minuten. Näheres zu Mr Webb in meinem entsprechenden Blogeintrag.

Die Statuen von Charles Rolls und Matthew Webb wurden mehrfach versetzt, bis sie jetzt ihre hoffentlich endgültigen Positionen vor der riesigen Wohnanlage Gateway Flats gefunden haben.

Charles Stewart Rolls an der Marine Parade.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Das Matthew Webb Memorial an der Marine Parade.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Famous Graves – Edith Nesbits Grab auf dem Kirchhof von Saint Mary the Virgin in Saint Mary-in-the Marsh (Kent)

Author: barry.marsh1944
This work is marked as being in the public domain.

Die Schriftstellerin Edith Nesbit (1858-1924), deren Romane und Kinderbücher zum großen Teil auch ins Deutsche übersetzt worden sind, ist heute hauptsächlich noch durch ihre rührende Geschichte „The Railway Children“ (dt. „Die Eisenbahnkinder“) bekannt, und das wohl überwiegend durch die Verfilmungen des Stoffes. Ich besitze die BBC-Verfilmung mit Jenny Agutter in der Hauptrolle auf DVD und sehe sie mir immer wieder gern einmal an.

Edith Nesbit lebte viel Jahre am Stadtrand von London, in Eltham, zog aber nach dem Tod ihres Mannes in die Romney Marsh in Kent, für mich eine der eigenartigsten und faszinierendsten Landschaften Großbritanniens. Sie ließ sich in dem kleinen Ort St Mary’s Bay nieder, zusammen mit ihrem zweiten Mann, Tommy Tucker, wo beide zwei nebeneinander liegende Bungalows kauften und diese zu einem Haus zusammenfügten. Das Haus steht heute noch in einer schmalen Sackgasse, die nach der Schriftstellerin Nesbit Road genannt wurde.

Edith Nesbit starb am 4 Mai 1924 und wurde auf dem Kirchhof von Saint Mary the Virgin in dem Nachbarort von St Mary’s Bay, in Saint Mary-in-the-Marsh beigesetzt. Ihre Grabstelle ist leicht zu finden, denn hier steht kein Grabstein, sondern ein kleines Holzgestell, auf dem ihr Name E. Nesbit, und daneben die Nachnamen ihrer beiden Männer, Bland und Tucker, eingeritzt sind. „Poet Author“ steht darunter. Tommy Tucker hat diese ungewöhnliche Grabstelle selbst angefertigt; bei der heutigen handelt es sich um eine Replik, denn das Original war durch Wind und Wetter schon sehr stark mitgenommen worden.

In der Kirche Saint Mary the Virgin ist an einer Wand eine Gedenkplakette für die Schriftstellerin angebracht, auf der unter anderem steht „I will dwell among my children„, denn vor allem ihre Kinderbücher machten sie sehr beliebt.

Um das Andenken an die Schriftstellerin kümmert sich seit 1996 die Edith Nesbit Society.

Das Buch zum Artikel:
Eleanor Fitzsimons: The Life and Loves of E. Nesbit – Author of The Railway Children. Duckworth 2019. 352 Seiten. 978-0715651469.

Saint Mary the Virgin in Saint Mary-in-the-Marsh (Kent)
Author: barry.marsh1944
This work is marked as being in the public domain.

Die Lancing College Chapel in West Sussex – Die Kirche der Superlative

Während das Mädcheninternat Roedean, das ich vor einigen Tagen vorstellte, östlich von Brighton liegt, findet man das Lancing College wenige Kilometer westlich von Brighton an der A27. Es ist eine Boarding School für Jungen und Mädchen, die 1848 gegründet wurde. Zu den ehemaligen Schülern zählen unter anderem die Schriftsteller Tom Sharpe, Evelyn Waugh und Stuart Cloete, der Schauspieler George Baker, viele Bischöfe und hohe Militärs, der Archäologe (und Agatha Christie-Ehemann) Sir Max Mallowan und viele weitere mehr. Mädchen wurden erst ab 1970 zugelassen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler liegt bei etwas unter 600. Die Schulgebühren pro Trimester betragen £12 355. Dieser Film zeigt das Leben im College.

Das Lancing College verfügt über eine Kirche, die in England ihresgleichen sucht. Der Bau der grandiosen College Chapel begann im Jahr 1868, entworfen haben sie die beiden Architekten Richard Herbert Carpenter und William Slater im Gothic Revival-Stil. Entstanden ist die größte Schulkapelle weltweit. Das Kirchenschiff hat eine Höhe von 27 Metern und kann da mit den meisten englischen Kathedralen mithalten. Der ursprünglich geplante Turm sollte sogar 90 Meter hoch sein, wurde aber nicht gebaut. Gleich drei Orgeln sind in der Kirche installiert worden und dann gibt es noch ein weiteres Superlativ: Das Rosenfenster. Es ist mit etwa zehn Metern Durchmesser das größte Rosenfenster England, designt und 1977 fertiggestellt von Stephen Ernest Dykes Bower, dessen Werke in vielen englischen Kathedralen zu finden sind.

Das Lancing College war die optimale Kulisse für die Dreharbeiten des Films „Old Boys“ aus dem Jahr 2018. Hier ist der Trailer.

Das größte Rosenfenster Englands.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. März 2021 at 02:00  Comments (1)  
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The Longborough Festival Opera in den Cotswolds

Boris Johnsons Pläne sehen vor, dass am 21. Juni alle coronabedingten Beschränkungen aufgehoben werden, es sei denn, es passiert etwas Unerwartetes. Sollte das nicht der Fall sein, was bedeutet das für die geplanten Aufführungen der Longborough Festival Opera in der Grafschaft Gloucestershire in den Cotswolds? Die Saison soll am 1. Juni beginnen und bis zum 3. August dauern.

Doch erst einige Worte zu dem Opernhaus in der tiefen Provinz. Longborough ist nicht so bekannt wie Glyndebourne in East Sussex, doch die Festival Opera hat sich besonders bei Richard Wagner-Freunden einen Ruf erworben, da man sich hier auf Wagneropern spezialisiert hat. In diesem Jahr sind sieben Aufführungen der „Walküre“ geplant, alle im Juni.

Martin und Lizzie Graham sind die Initiatoren der Longborough Festival Opera, beide Richard Wagner-Fans, und die Ursprünge gehen bis 1991 zurück, als  die Grahams in kleinem Rahmen Konzerte veranstalteten. Als sie eine neben ihrem Wohnhaus stehende Scheune in ein richtiges Opernhaus umwandelten, dort aus dem Londoner Royal Opera House Covent Garden ausgemusterte Sitze installierten und dem Haus eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bayreuther Festspielhaus verschafften, begann die Erfolgskurve. So wie in Glyndebourne gibt es in der üppig bemessenen Pause die Möglichkeit ein Essen zu sich zu nehmen, entweder im hauseigenen Restaurant oder in Form eines Picknicks auf dem Gelände (es soll Besucher geben, denen dieser Teil wichtiger ist als die Aufführung selbst). Zu jedem Bühnenstück wird für £55 ein spezielles Menü angeboten. Alternativ kann man für £40 einen Picknickkorb vorbestellen.

In diesem Jahr stehen neben der „Walküre“ noch weitere Aufführungen auf dem Programm: Wolfgang Amadeus Mozarts „Cosi fan tutte„, Claudio Monteverdis „The Return of Ulysses“ (dt. „Die Heimkehr des Odysseus“) und Leos Janáčeks „The Cunning little vixen“ (dt. „Das schlaue Füchslein“). Die Regie bei der Janáček-Oper führt passenderweise eine Olivia Fuchs.

Die Ticketpreise für die „Walküre“ beginnen bei £70 und enden bei £210, die anderen Aufführungen liegen deutlich niedriger.

Hier ist ein kleiner filmischer Appetithappen.

Longborough Festival Opera
New Banks Fee
Longborough
Moreton-in-Marsh
Gloucestershire
GL56 0QF

Published in: on 3. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Stan Kelly-Bootle (1929-2014) – Der Mann aus Liverpool mit den vielen Gesichtern

Liverpool, die Stadt am River Mersey.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Gäbe es eine Liverpool Hall of Fame (ich meine nicht die des Liverpool Football Clubs), in der alle Liverpudlians versammelt wären, die in irgendeiner Form für die Stadt von Bedeutung waren, so dürfte Stan Kelly-Bootle (1929-2014) nicht fehlen. Er wurde in Liverpool geboren, besuchte die Liverpool Institute High School for Boys und studierte Computerwissenschaften in Cambridge. Er erwarb sich einen Ruf in der Branche und arbeitete sowohl in den USA als auch in England, unter anderem für IBM.

Die Karriere in der Computerbranche war aber nur eine Seite des Mannes mit den vielen Gesichtern. Eine andere Seite bestand aus seiner Vorliebe für Musik, Stan Kelly-Bootle betätigte sich auch als Singer-Songwriter. Sein sicher bekanntester Song aus seiner Feder war/ist „Liverpool Lullaby„, der 1964 erstmals aufgeführt wurde von dem heute in Vergessenheit geratenen Duo Jacqueline and Bridie (auf der EP „Hold Back the Dawn“) aus Liverpool. Ein Jahr später folgte eine Version der Three City Four, 1966 nahm Judy Collins den Song auf, aber richtig bekannt wurde er 1969 durch die Aufnahme von Cilla Black (1943-2015), die auch in Liverpool geboren wurde, produziert von George Martin, der den Beatles zum Erfolg verhalf. Hier ist ihre Version des Songs zu hören. In dem Song, den Stan Kelly-Bootle auf der Grundlage einer traditionellen Melodie komponierte, geht es um das traurige Leben einer Hausfrau in Liverpool, die einen Trinker zum Mann hat und die sich in dem Lied an ihren Sohn wendet

It’s quite a struggle every day
Livin‘ on yer father’s pay
The beggar drinks it all away
And leaves me without any

Ein weiterer Song aus der Feder Stan Kelly-Bootles, in dessen Mittelpunkt die Stadt am Mersey steht, heißt „I Wish I Were Back in Liverpool„, den die Dubliners 1968 aufnahmen.

Stan war selbstverständlich, wie es sich für einen echten Liverpudlian gehört, Fan des Fußballvereins Liverpool F.C. Er agierte eine Zeit lang sogar als Agent für einige Spieler des Vereins, darunter Kevin Keegan, den man in Deutschland noch von seiner Zeit beim HSV kennt.

Der vielseitige Computerspezialist/Singer-Songwriter/Fußballagent arbeitete auch an einigen Büchern mit, in denen es um Scouse, also die spezielle Sprache der Liverpudlians, geht wie „Learn Yourself Scouse“.

In diesem Film ist der sympathische Stan Kelly-Bootle zu sehen mit seiner eigenen Version von „Liverpool Lullaby“.

Stan starb am 16. April 2014, nicht in Liverpool, sondern in Oswestry in Shropshire, wo er bei seiner Tochter Michelle Coxon in der Albert Road wohnte. Kurz bevor er starb, trug er noch den Schal des Liverpool Football Clubs.

 
 
 
Published in: on 2. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen