Der Computerpionier Charles Babbage (1791-1871) und seine extreme Abneigung gegen Londoner Straßenmusiker

Eine Plakette an der Walworth Clinic im Londoner Stadtteil Southwark.
Photo © Robin Stott (cc-by-sa/2.0)

Zusammen mit Ada Lovelace zählt Charles Babbage (1791-1871) zu den bedeutendsten Computerpionieren. Die von ihm entworfene Rechenmaschine Analytical Engine gilt als Urahn unserer heutigen Computer.
Doch um dieses Thema soll es in meinem heutigen Blog nicht gehen. Es geht um das Thema Lärm, genauer gesagt, um den Lärm, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in London von den Straßenmusikern aus ging. Charles Babbage hasste sie alle, die „busker“, die Krachmacher, die vor seinem Haus sangen, trommelten und auf allen möglichen Instrumenten „Musik“ machten. Er hatte nichts gegen Musik an sich, aber diese ging ihm gewaltig auf die Nerven. Er schätzte, dass dadurch 25% seiner Arbeits- und Geisteskraft zerstört worden sind. Babbage schrieb wütende Leserbriefe an die Times und beklagte sich darin bitterlich über diese Art der Umweltverschmutzung. 1864 veröffentlichte er seine „Observations of Street Nuisances„, und er wandte sich an Parlamentsmitglieder, damit der Musikantenlärm auf Londons Straßen gesetzlich verboten werden sollte, was in dem sogenannten „Babbage’s Act“ resultierte, ein Gesetz, das sich aber nicht durchführen ließ. Babbage erreichte mit seinen Aktionen das Gegenteil: Straßenmusiker versammelten sich vor seinem Haus in der Dorset Street im Stadtteil Marylebone (eine Plakette erinnert heute an ihn), um ihn zu ärgern und um sich zu rächen. Einmal spielte eine Blaskapelle fast fünf Stunden lang vor seiner Haustür, Musiker mit quietschenden Fiedeln traten auf, jemand aus der Nachbarschaft blies mehrere Monate lang jeden Tag eine halbe Stunde lang in eine schrill klingende Tin Whistle.

Wenn Charles Babbage sein Haus verließ, wurde er von einer Horde Kinder verfolgt, man machte ihm das Leben zur Hölle. Selbst als er in seinem Haus auf dem Totenbett lag, soll noch ein Leierkastenmann auf der Straße gespielt haben.

Charles Babbages Gehirnhälften sind übrigens noch vorhanden; eine ist im Hunterian Museum des Royal College of Surgeons in London zu besichtigen, die andere im Londoner Science Museum.

 

Published in: on 13. März 2021 at 02:00  Comments (1)  
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