Babycham – Ein Kultgetränk der 1950er und 1960er Jahre aus Shepton Mallet (Somerset)

Ich kann mich noch dunkel an Werbespots im Radio erinnern (Radio Luxembourg!), in denen für ein Getränk namens Babycham geworben wurde mit dem Spruch „I’d love a Babycham„. Ich hatte damals keine Ahnung was das war, denn Babycham konnte man meines Wissens in Deutschland nicht kaufen.

Die Geburtsstunde für das alkoholhaltige Getränk (6%) aus Birnen schlug in der Stadt Shepton Mallet in Somerset, wo der kreative Bierbrauer Frances Showering sich das ausdachte. Äpfel und Birnen gab es in Somerset in Hülle und Fülle, und so brachte er 1953 dieses Getränk auf den Markt, das sich in erster Linie an die Damenwelt richtete. Babycham war das erste alkoholische Produkt für das im britischen Fernsehen geworben wurde; hier ist ein Werbespot aus den frühen 1960er Jahren.

Frances Showering lag mit seiner Kreation genau richtig, denn Babycham entwickelte sich schnell zu einem Kultgetränk in den 1950er und 1960er Jahren. Zu kaufen gab es den Birnensekt in kleinen Flaschen, meist im Viererpack, getrunken wurde er in Sektschalen oder in Sektflöten. Vintage Babychamgläser kann man noch heute kaufen, sie sind auch oft in englischen Charity Shops zu finden. Die Originalgläser tragen das Bild des Maskottchens, einer kleinen Gämse, die oft in Werbespots auftrat. Ein lebensgroßes Exemplar steht noch heute auf einer kleinen Wiese vor dem Fabrikgelände in Shepton Mallet, Ecke Garston Street/Kilver Street.

Ärger gab es mit der französischen Champagnerindustrie, die es nicht mochte, dass sich Babycham als „champagne perry“ (perry ist das Gegenstück zu cider, aber eben auf Birnenbasis) bezeichnete, und so zog die Champagnerfirma Bollinger vor Gericht, die dort allerdings mit ihrer Klage scheiterte. Das Gericht war der Meinung, dass keine Verwechslungsgefahr vorlag.

In den 1980er und 1990er Jahren nahm die Beliebtheit des Getränks rapide ab; es galt als altmodisch Babycham zu trinken. Doch in der jetzigen Zeit, in der viele Dinge von anno dazumal im Zuge der Nostalgiewelle wieder an Beliebtheit gewinnen, könnte Babycham erneut eine Liebhabergemeinde gewinnen.

 

Das Babycham-Makottchen in Shepton Mallet.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. März 2021 at 02:00  Comments (9)  
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9 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Radio Luxembourg: The Station of the Stars! Natürlich immer wieder intensiv gehört – bis das dänische Radio „die Jugend“ als Zielgruppe entdeckte und stets die heißesten, aktuellsten Songs brachte. Das konnte ich auf UKW empfangen und damit in einer wirklich guten Qualität.
    An die Babycham-Werbung erinnere ich mich erst durch diesen Blog-Beitrag wieder. Die war schon recht weit hinten in den Kammern des Gedächtnisses.
    Ohne WWW hatte man damals kaum eine Chance, herauszufinden, was da beworben wurde.

  2. Cheers. Ingo!

    • …and cheers to you, Roz! Do you like Babycham?

  3. Ich kannte das Getränk aus Call the Midwife, habe aber nie recherchiert, was das eigentlich ist. Danke für die Erklärung 🙂

    • Gibt es auch mit dem aufgedruckten Maskottchen als Coronamaske. Kostet allerdings stolze 18 Euro pro Stück.

  4. Von „Babycham“ habe ich zum ersten Mal in einem Hoerspiel gehoert, dass ich fuer den Unterricht angeschafft hatte. Damals brauchte ich selber die Erlaeuterungen, um zu lernen was das ist.
    LG,
    Pit


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