Faszinierendes York Teil 5: Mad Alices The Bloody Tour of York

Author: rawdonfox
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Mad Alice war eine mysteriöse Figur in der Geschichte der Stadt York, die 1825 aufgehängt wurde, weil sie angeblich ihren Mann vergiftet haben soll. Vielleicht war sie tatsächlich wahnsinnig, vielleicht auch nicht.

Mad Alice nennt sich auch die Stadtführerin, die die Bloody Tour of York anbietet, die an allen markanten Punkten der Stadt vorbeiführt, die mit der grausamen Seite Yorks zusammenhängen. Unsere Alice ist alles andere als „mad“, sie ist sehr redegewandt und kennt sich in der Geschichte ihrer Stadt bestens aus. Ihre etwa 90minütige abendliche Tour ist schon mehrfach ausgezeichnet worden, so zum Beispiel mit dem Tourism Award im vorigen Jahr.

Startpunkt ist das St William’s College in der College Street, eines der schönsten Häuser Yorks. Von dort geht es auf den Spuren von Mördern, Hexen, Highwaymen quer durch die Stadt. Man passiert die Stadttore, über die es so einiges zu berichten gibt und geht The Shambles entlang, wo im 16. Jahrhundert die Märtyrerin Margaret Clitherow wohnte, der man unterstellte, katholische Priester in ihrem Haus versteckt zu haben und die auf bestialische Weise getötet wurde, indem man sie mit ihrer eigenen Haustür zerquetschte. Die Tour führt über die Stadtmauern, von denen aus man eine besondere Perspektive auf York genießen kann.

Wer sich für die Geschichte Yorks interessiert, kommt mit Alices Tour voll auf seine Kosten. Die Teilnahme beträgt  £10; die Bloody Tour of York wird, außer montags, täglich um 18 Uhr durchgeführt, im Dezember und Januar nur samstags.

Armchair Traveller können die Tour, dank youtube, auch am heimischen Fernsehgerät oder PC mitmachen. Hier ist Teil 1 der vierteiligen Reihe.

Wer jetzt an Mad Alice Gefallen gefunden hat, der kann eine weitere Tour mit ihr buchen: The Bloody York Gin Tour. Hierbei geht es sowohl um die Geschichte Yorks als auch um das Thema Gin, denn es gibt in der Stadt eine renommierte Gin Destillerie, York Gin, deren Produkte mehrfach ausgezeichnet worden sind. Während dieser speziellen Führung werden drei Stopps in Bars oder Pubs eingelegt, in denen jeweils ein Gin Tonic serviert wird, wobei der Gin selbstverständlich aus dem Hause York Gin stammt („Guests are discouraged from drinking before the tour commences“!!). Mad Alice achtet sehr darauf, dass sich hier keiner der Tourteilnehmer daneben benimmt!!

Startpunkt der Tour: Das St William’s College.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
The Shambles mit dem Haus Margaret Clitherows (links).
Photo © Euan Nelson (cc-by-sa/2.0)
Die Adresse des Gin Shops: Pavement 12.
Author: Chippykev
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Published in: on 30. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Faszinierendes York Teil 4: Der Chocolate Trail

Author: SteHLiverpool
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Die Schokoladenproduktion hat in der Geschichte von York eine große Rolle gespielt. Rowntree war einer der größten Arbeitgeber der Stadt, dann übernahm der Nestlé-Konzern die Firma und circa 2000 Menschen arbeiten noch immer in diesem Industriezweig. Der Schokoriegel KitKat wird seit 1935 in York hergestellt, die Tagesproduktion beläuft sich auf etwa vier Millionen Stück. Weiterhin unterhält Nestlé in der Stadt ihr größtes Research and Development Centre.

Süßigkeiten spielen also weiterhin eine große Rolle in York und so gibt es für alle Interessierten einen Chocolate Trail, der an wichtigen Punkten vorbeiführt, die mit Schokolade zu tun haben. Da sind unter anderem am King’s Square York’s Chocolate Story, wo man sich sehr gut über Yorks Schokoladengeschichte informieren kann (hier ist ein Film). Geführte Touren werden angeboten, es gibt eine spezielle KitKat-Ausstellung und im Shop kann sich jeder mit Schokolade eindecken und diese auf dem Trail aufessen.

In dem Haus mit der Adresse 28 Pavement begann alles, denn hier richtete Joseph Rowntree im Jahr 1822 seinen ersten Laden ein, „Grocer and tea-dealer“, nannte er sich damals. Heute ist unter der Adresse York’s Yummy Chicken zu finden. Eine Plakette neben der Tür mit der Nummer 28 erinnert an J.R.

Sollte der vorher eingekaufte Schokoladenvorrat etwa schon verzehrt worden sein, kann man im York Cocoa House Nachschub kaufen. Hier wird die Schokolade von Hand selbst hergestellt. Die Adresse: 10 Castlegate.

Das Indigo Boutique Hotel, 88-96 Walmgate, hat Themenzimmer, in denen man sich zum Beispiel mit einem Milk Chocolate Package oder einem White Chocolate Package einbuchen kann.

Im Rowntree Park schließlich kann man seine restlichen Schokoladenvorräte verzehren, wenn sie nicht in der Zwischenzeit geschmolzen sind. Die Firma Rowntree hat diesen Park nach dem Ersten Weltkrieg angelegt, in Erinnerung an die Fabrikarbeiter, die im Krieg gefallen sind.

Wer möchte, kann sich die Broschüre mit dem Chocolate Trail in York’s Besucherzentrum abholen oder sie sich hier herunterladen.

28 Pavement (links)
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)
York Cocoa House.
Author: DGH Chocolatier
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Ein Zimmer im Indigo Hotel.
Author: David Jones
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Im Rowntree Park.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Faszinierendes York Teil 3: The Historic Toilet Tour

King’s Manor.
Eigenes Foto.

Zu einem festen Bestandteil eines Aufenthaltes in der Stadt York gehört für viele Besucher ein abendlicher Ghost Walk. Ich habe zwei dieser Touren mitgemacht, eine private und eine öffentliche, und darüber in meinem Blog geschrieben. Nach Möglichkeit sollte man in der dunklen Jahreszeit diese Ghost Walks unternehmen, denn im Sommer, wenn es bis in den späten Abend hinein noch hell ist, kommt da keine gruselige Stimmung über.

In York werden aber noch viel andere Themen-Rundgänge angeboten, die nicht so bekannt sind, zum Beispiel die Historic Toilet Tour. Klingt ein bisschen abgedreht, ist es auch, aber wir befinden uns eben in einer der exzentrischsten Orte in England.
Natürlich hatten schon die frühesten Bewohner von York menschliche Bedürfnisse, denen sie in irgendeiner Form nachkommen mussten. Heute besucht man eine öffentliche Toilette, wenn man denn eine auf die Schnelle findet, vor Jahrhunderten war das dann noch etwas schwieriger. Die Wikinger gruben ein Loch in den Boden, verrichteten ihr Geschäft, säuberten sich mit dem, was gerade greifbar war, mit Pflanzen oder Steinen, und machten das Loch wieder zu. Im Mittelalter war es nicht ratsam, sich direkt unterhalb der Stadtmauern aufzuhalten, denn man wusste nie, was da möglicherweise von oben herunterkam.
Die Historic Toilet Tour führt zum Beispiel zum unheimlich wirkenden King’s Manor (siehe dazu meinen Blogeintrag), wo sich Heinrich VIII., wenn er zu Besuch war und ihn ein menschliches Bedürfnis überkam, sich in die sogenannte „garderobe“ zurückzog, von wo aus es einen direkten Zugang zum Stadtgraben gab. Im Monk Bar, wo heute das Richard III. Museum untergebracht ist, kann man sich so eine „garderobe“ ansehen (aber nicht mehr benutzen!!!).

In diesen „bars“ genannten Eingangstoren von York waren eine Zeit lang Pissoirs für Männer eingerichtet (für die Damen war das alles sehr viel schwieriger), damit sie nicht die Mauern, Wände und Nischen der Stadt benutzten.

Wann diese Touren in der Nach-Coronazeit wieder aufgenommen werden, ist ungewiss. Das Visitor Information Centre in der Museum Street kann dann Auskunft geben.

Siehe auch meinen Blogeintrag über London Loo Tours.

Monk Bar
Author: tj.blackwell
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Published in: on 28. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Faszinierendes York Teil 2: The Purple Man in Stonegate

Author: hummingcrow
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Über Originale und Exzentriker, die sich auf Englands Straßen tummeln, habe ich vor einigen Jahren in meinem Blog geschrieben. Da gab es den Chicken Man in Worcester, den Shipley Dancer in West Yorkshire und den Norwich Puppet Man.
Auch in York gab es jahrelang ein Original, das vorzugsweise in der Straße Stonegate zu sehen war: The Purple Man. Wie es der Name vermuten lässt, war der Mann ganz in lila gekleidet, sein Gesicht war lila angemalt und sein Fahrrad, auf dem er meistens saß, hatte dieselbe Farbe. Der freundliche Mann in Stonegate war immer unterwegs, um Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. Er wurde sogar in Fernsehstudios eingeladen, um darüber zu berichten, so vor sechs Jahren, als er für Kinder in Syrien Geld für Stofftiere sammelte, die er ihnen im türkisch-syrischen Grenzgebiet selbst überreichte.

Nach dem verheerenden Brand im Londoner Grenfell Tower am 14. Juni 2017, bei dem 72 Menschen starben, brachte The Purple Man Grüße, Geld und Blumen aus York in die Hauptstadt, wo er mit offenen Armen empfangen wurde. Er wohnte früher einmal ganz in der Nähe des Wohnturms.

The Chronicles of Purple Man“ hieß ein Film, der über den Mann in Lila gedreht wurde, der am 20. Juni 2016 seine Uraufführung im City Screen-Kino in York erlebte (hier zu sehen), in Anwesenheit zahlloser Stofftiere.

Mittlerweile ist der liebenswerte Mann mit seinem lila Fahrrad aus dem Stadtbild von York verschwunden und wird von vielen Menschen vermisst.

Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. April 2021 at 02:00  Comments (2)  

Faszinierendes York Teil 1: The House of the Trembling Madness

48 Stonegate, York
Author: Adam Bruderer
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York gehört zu den englischen Städten, in denen ich am häufigsten zu Besuch war. Der Ort besitzt einfach eine einmalige Atmosphäre, vor allem am Abend, wenn die Straßen in dämmeriges Licht getaucht sind. Oft bin ich die Stonegate in Richtung Münster hinuntergeschlendert, entlang der vielen denkmalgeschützten Häuser, habe im Ye Olde Starre Inn ein Pint getrunken und mir die Auslagen der vielen sehr unterschiedlichen Geschäfte angesehen.

In meinen nächsten Blogeinträgen werde ich einen Schwerpunkt auf die Stadt in North Yorkshire legen.

Neben Betty’s Tea Room steht ein Haus in der Nummer 48 mit einem unheimlich klingenden Namen, das eigentlich nicht unbedingt zu einem Besuch einlädt: The House of the Trembling Madness. Aber es handelt sich hier nicht etwa um eine Nervenheilanstalt, sondern um eine der besten Craft Beer-Handlungen im ganzen Königreich. Man kann also unbesorgt eintreten und sich die große Auswahl an Biersorten ansehen. Das Haus ist uralt und steht dort, wo sich im 15. Jahrhundert einmal ein Augustinerkloster befand. Im Stockwerk über dem Laden kann man essen und trinken und die Biere unten aus dem Laden ausprobieren. Dabei sollte man aber Vorsicht walten lassen, denn der Name des Etablissements verheißt nichts Gutes (trembling madness = delirium tremens). Hier ist ein kurzer filmischer Blick in Laden und Pub.
Übrigens kann man hier auch wohnen; hinter dem Gebäude stehen zwei Appartements zur Verfügung: The Old Gallery und The Haunted Chamber. In letzterem, wir sind schließlich in Großbritanniens Geister-Hauptstadt, spukt es, wie es der Name schon verrät.

Unter der Adresse 14 Lendal gibt es in York noch ein weiteres House of the Trembling Madness mit einem vergleichbaren Angebot wie in der Stonegate, ein Craft Beer Mansion mit Verkauf im Erdgeschoss und Pub im ersten Stock. Das Gebäude entstand im 18. Jahrhundert, ist also für Yorksche Verhältnisse noch recht jung.

14 Lendal, York
Author: Malcolmxl5
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Published in: on 26. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Anna McNuff: Fifty Shades of the USA

Foto meines Exemplares.

Die Londonerin Anna McNuff ist eine Abenteuererin, die schon Erstaunliches geleistet hat. Mit ihrem Bürojob unzufrieden, erfüllt sie sich Träume, die sie schon in viele Länder der Welt geführt haben. In Neuseeland lief sie den 3000 Kilometer langen Te Araroa Trail, in Südamerika bereiste sie die mit dem Fahrrad die Anden, lief als römischer Soldat verkleidet, den Hadrian’s Wall entlang und im Dinosaurierkostüm die Jurassic Coast.

In ihrem Buch „Fifty Shades of the USA: One woman’s 11 000 mile cycling adventure through every state of America“ schreibt Anna von ihrer Fahrradtour durch die Vereinigten Staaten, die sie tatsächlich durch jeden der fünfzig Staaten führte, und das zum Teil unter außerordentlich widrigen Umständen.

Die Fahrradtour beginnt in Anchorage im Bundesstaat Alaska und endet am Vulkan Haleakala auf der Hawaii-Insel Maui. Ihr pinkfarbenes Fahrrad, dem sie den Namen Boudica gegeben hat, ist ihr ständiger, zuverlässiger Begleiter.

Anna McNuff versteht es, ihre Leserinnen und Leser in ihren Bann zu ziehen; man fiebert regelrecht mit, wenn sie von ihren Begegnungen mit Grizzlybären schreibt, von ihren stundenlangen Fahrten durch heiße, menschenleere Wüsten und schneebedeckte Pässe. Sie ist begeistert von den großartigen Landschaften mit denen sie konfrontiert wird und von den großartigen Menschen, die sie auf ihrer Reise trifft. Es sind hilfsbereite Menschen, die ihr ein Dach über dem Kopf anbieten und sie regelrecht von Freund zu Freund weiterreichen, so dass sich die junge Engländerin nur selten über ihr Übernachtungsquartier Sorgen machen muss.
Anna geht aber auch Risiken ein, die gefährlich sind und böse hätten enden können, doch sie hat Glück und sie schafft es immer wieder, Hindernisse zu meistern.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen, denn es gibt Einblicke in das US-amerikanische Leben, die man in Reiseführern nicht bekommt.

Annas letztes Abenteuer war ein Lauf über 2352 Meilen durch Großbritannien…barfuß.

Anna McNuff: Fifty Shades of the USA: One woman’s 11 000 mile cycling adventure through every state of America. Self-published 2018. 478 Seiten. ISBN 978-1-999765811.

Published in: on 25. April 2021 at 02:00  Comments (2)  

Der Christmas Shop in der High Street von Lechlade in Gloucestershire

Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Lechlade in der Grafschaft Gloucestershire am Rand der Cotswolds ist ein hübscher angenehmer Ort, über den ich in meinem Blog schon einige Male schrieb. Dabei standen meine Besuche bei Old Father Thames an der St John’s Schleuse und im Trout Inn an der St John’s Bridge im Mittelpunkt. Auch der Dichter Percy Bysshe Shelley wusste den Ort an der noch jungen Themse zu schätzen und schrieb dort auf dem Kirchhof von St Lawrence das Gedicht „Elegy Written in a Country Churchyard„ (hier ist der Link zu meinem Blogeintrag).

In der High Street von Lechlade steht ein Laden, der das ganze Jahr über Weihnachtsartikel anbietet und der seit kurzem Cotswold Christmas Shop heißt, übernommen von den drei Damen Sarah, Mandy & Gillian. Seit 1985 gibt es diesen Laden schon, womit er der älteste seiner Art in Großbritannien ist. Käthe Wohlfahrt, die Pionierin der ganzjährig geöffneten Weihnachtsgeschäfte, eröffnete im August 2016 eine Filiale in der Stonegate in York, den ich in meinem Blog vorstellte. Gut, nach York kommen Touristen aus aller Welt, die auch gern bei brütender Hitze im August Christbaumkugeln und Weihnachtsdeko kaufen, aber Lechlade? Immerhin existiert das Geschäft schon 36 Jahre lang, also muss es genügend Menschen geben, die auch außerhalb der Vorweihnachtszeit hier einkaufen gehen.

Der Christmas Shop führt auch viele Artikel aus Deutschland wie Nussknacker, Weihnachtspyramiden, Räuchermännchen, Baumbehang usw. Engel, Feen, Weihnachtsmänner und alle möglichen Gestalten, die in irgendeiner Form mit dem Weihnachtsfest zu tun haben (oder auch nicht wie Alligatoren, Lamas, Meerjungfrauen, um nur einige zu nennen) bevölkern das Geschäft in Lechlades High Street. Wem also der Sinn danach steht, auch im Sommer für kurze Zeit in den Weihnachtsmodus umzuschalten, der ist hier genau richtig.

THE CHRISTMAS SHOP
High Street
LECHLADE
Gloucestershire
GL7 3AD

Published in: on 24. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Tetbury Woolpack Races in Gloucestershire

Der Gumstool Hill in Tetbury.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Tetbury ist eine hübsche Marktstadt in Gloucestershire und Schauplatz eines alljährlich stattfindenden Rennens, der Tetbury Woolsack Races. Am Bank Holiday Monday im Frühjahr geht es los. Der Gumstool Hill ist eine Straße mit einem sehr starken Gefälle (25%) an dessen oberen Ende das Gebäude des ehemaligen The Crown Inn und am unteren Ende The Royal Oak stehen und zwischen diesen beiden Punkten wird das Rennen ausgetragen.
Circa 200 Meter müssen dabei zurückgelegt werden und zwar mit einem 60 Pfund schweren Wollsack (Frauen tragen „nur“ 35 Pfund) auf dem Rücken, da ist Kondition gefragt. Auch Kinder und Jugendliche dürfen mitmachen, die aber eine weit geringere Last den Berg hinaufschleppen müssen. Einen Staffellauf gibt es auch, bei dem ein Viererteam bergauf und bergab laufen muss, wobei es heißt, dass das Bergablaufen noch anstrengender sein soll.

Da an den Endpunkten der Woolsack Races Pubs stehen, liegt es auf der Hand, dass sich viele vor dem Rennen erst einmal mit dem einen oder anderen Pint stärken, was dazu führen kann, dass einige nicht auf dem geradesten Wege nach oben oder nach unten laufen, sondern schon einmal ins Schlingern geraten können.

Der zurzeit gültige Weltrekord steht bei 45.94 Sekunden bei den Männern und wird von Pete Roberts gehalten; bei den Frauen ist es Zoe Dixon, die 2009 innerhalb von 01:05.03 ihren Wollsack den Gumstool Hill hinaufgewuchtet hat.

Die Woolsack Races sind der Höhepunkt des Tetbury Woolsack Days, bei dem jede Menge „Volksbelustigung“ angeboten wird wie Straßenstände, eine Auktion für wohltätige Zwecke und die (unvermeidlichen) Morris-Tänzer.

Die nächsten Wollsackrennen finden erst wieder 2022 statt, für dieses Jahr wurden sie leider wegen Corona abgesagt.
Hier kann man sich das einmal alles ansehen.

Published in: on 23. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Der Cotswolds Water Park in Gloucestershire und Wiltshire

Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand im Grenzgebiet der beiden Grafschaften Gloucestershire und Wiltshire eine der größten Seenlandschaften des Landes und damit ein riesiges Erholungs-, Sport- und Naturschutzgebiet: Der Cotswolds Water Park. Ursprünglich wurde an dieser Stelle Sand und Kies abgebaut, der unter anderem für den Gleisbau und für den Bau der Autobahn M4, die nicht weit entfernt verläuft, verwendet.

Etwa 100 Quadratkilometer groß ist der Cotswold Water Park, der 180 Seen umfasst, von denen die meisten nummeriert sind, damit man sich überhaupt zurecht findet. Beim Erstbesuch sollte man das Gateway Information Centre aufsuchen, in dem man alle benötigten Infos erhält.

Der Wasserpark ist ein Eldorado für Naturfreunde, so kommen „birdwatcher“ hier voll auf ihre Kosten, denn es hat sich in der Vogelwelt herumgesprochen, dass es sich in diesem Park gut leben lässt. In mehr als siebzig Seen ist das Angeln erlaubt, in der Nähe des Gateway Centres befindet sich ein Golfplatz, es gibt gut ausgebaute Radwege, Wasserskifahrer und Wakeboarder können ihren Hobbies frönen und es stehen eine Menge Ruderboote, Kayaks und Kanus zur Miete bereit. Wer sich einfach nur an einen Strand legen möchte, dem steht im Cotswolds Country Park and Beach Großbritanniens längster Binnenlandstrand zur Verfügung.

Für Übernachtungsgäste bieten sich beispielsweise das De Vere Cotswolds Water Park Hotel an, das direkt an Lake 6 steht, aber auch zahlreiche Hütten und Cottages für Selbstverpfleger.

Hier ist ein Film über den Park.

Cotswolds Country Park and Beach.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)
Das De Vere Hotel.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Great Yarmouth in Norfolk – Heimat der Fischstäbchen

Author: isriya
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Es gab einmal eine Zeit, da war die Küstenstadt Great Yarmouth in der Grafschaft Norfolk der größte Anladeort für Heringe weltweit; das war Anfang des 20. Jahrhunderts. Was ist davon übriggeblieben? Außer dem dampfbetriebenen Fischerboot Lydia Eva (klingt wie einer der Trucks der Speditionsfirma Eddie Stobart) im Hafen so gut wie nichts mehr.

In Zusammenhang mit Fisch steht Great Yarmouth als Heimat der Lieblingsspeise vieler Kinder, des Fischstäbchens. Es war am 26. September im Jahr 1955 als hier das erste Fischstäbchen (fish finger im Englischen) produziert wurde, und der Siegeszug um die ganze Welt begann. Es war die Idee des amerikanischen Unternehmers und Biologen Clarence Birdseye (1886-1956), der auch als Erfinder der Tiefkühlkost gilt. Birdseye hatte schon im Jahr 1927 diese spezielle Art der Fischverarbeitung in Großbritannien zum Patent angemeldet und damit experimentiert. Bevor es in Great Yarmouth in der Birds Eye Fischfabrik richtig losging, hatte der Amerikaner erst in zwei Regionen getestet wie diese tiefgefrorenen Fischstäbchen beim Kunden ankamen, in Südwales und in Southampton. Sie kamen gut an, nur brauchte man noch einen Namen für sie. Ursprünglich sollten sie „Battered Cod Pieces“ heißen, doch der Name war nicht griffig genug. Also wurden die Frauen befragt, die in der Fischfabrik arbeiteten, und die entschieden sich für „fish finger“, eine gute Wahl, denn den Namen kennt noch heute jeder.

Die Werbefigur für die Fischstäbchen wurde Captain Birds Eye, verkörpert von John Hewer (1922-2008), der die Rolle von 1967 bis 1998 spielte (in Deutschland kennt man den Kapitän als Käpt’n Iglo). Ihm folgten bis heute noch mehrere andere Darsteller. Hier ist der erste Werbespot zu sehen. Meist war der „Fischstäbchenmann“ von einer Horde Kinder umgeben, die sich gierig auf die Teile stürzten; die Firma Birds Eye wusste, wer ihre wichtigste Klientel war. Als die Werbekampagne 1971 eingestellt wurde, erschien in der Times sogar ein Nachruf mit den Worten „Birds Eye, Captain. On June 7, 1971, after long exposure, life just slipped through his fingers„. Die Kundschaft der Fischstäbchen fand das gar nicht lustig, der Absatz ließ nach, der Käpt’n wurde vermisst, also holte ihn die Firma Birds Eye wieder aus der Versenkung und hauchte ihm neues Leben ein. Die Times vermeldete:  „Birds Eye, Captain. Now returned to these shores, a revitalised man. Wishes to deny premature reports of his demise previously recorded in these columns. Will shortly address the nation…„.

1986 wurde die Fischfabrik in Great Yarmouth geschlossen und die Produktion der Fischstäbchen nach Lowestoft verlegt. Heute werden die beliebten „fish finger“ nicht mehr in Großbritannien hergestellt.

Zum Thema siehe auch meinen Blogeintrag über die „herring lassies„.

Sie erinnert am Kai von Great Yarmouth an die große Zeit der Heringsfischerei: Die Lydia Eva.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Ralph Douglas Binney (1888-1944) und seine mutige Tat am 8. Dezember 1944 in Londons Birchin Lane

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Die Birchin Lane in der Londoner City ist eine schmale Straße, die die Lombard Street mit Cornhill verbindet, heute Fußgängerzone. Dort, wo der Bengal Court, eine noch viel engere Gasse, abzweigt, findet man an einer Wand eine Plakette, an der wahrscheinlich die meisten Passanten achtlos vorbeigehen. Sie erinnert einen tödlichen Zwischenfall, der sich hier am Abend des 8. Dezember 1944 ereignete. Damals war in der Hausnummer 22 ein Juweliergeschäft untergebracht (heute ist hier ein Sandwichladen, Il Mulino), das an diesem Tag überfallen wurde. Nachdem sich die Räuber ihre Taschen mit Schmuck vollgestopft hatten, versuchten sie mit einem Fluchtauto die Birchin Lane wieder zu verlassen. Doch da stellte sich ihnen ein Mann entgegen, der mit ausgebreiteten Armen den Weg blockierte. Es handelte sich dabei um einen Marineoffizier namens Ralph Douglas Binney, Träger des Ordens Order of the British Empire. Es war eine mutige Tat des Captains, die er mit seinem Leben bezahlen sollte, denn die Räuber hielten nicht an, sondern überfuhren ihn. Binney geriet unter das Fahrzeug, wo sich seine Kleidung verhakte, und er auf diese Weise mehrere Straßenzüge entlang mitgeschleift wurde. Erst in der Tooley Street, auf der anderen Seite der Themse, löste sich der schwer verletzte Mann von dem Auto, wo er bewusstlos liegen blieb. Man schaffte ihn sofort in das nahe gelegene Guy’s Hospital, in dem kurz darauf verstarb.

Nach einer intensiven Fahndung der Londoner Polizei konnten schließlich die beiden Täter Ronald Hedley und Thomas James Jenkins dingfest gemacht werden. Beide stritten ab, mit der Tat etwas zu tun gehabt zu haben, wurden im Old Bailey aber verurteilt. Hedley, der Fahrer, erhielt die Todesstrafe, die kurz vor der Ausführung in lebenslänglich umgewandelt wurde, während Jenkins für acht Jahre ins Gefängnis musste.

Die Plakette in der Birchin Lane wurde am 4. Dezember 1986 enthüllt, vom gerade verstorbenen Duke of Edinburgh. Zur Erinnerung an die mutige Tat des Marineoffiziers wurden die Binney Memorial Awards ins Leben gerufen, „to award a medal for the bravest action performed in each calendar year in support of law and order in the areas controlled by the Metropolitan Police and the City of London Police by any person who is not a police officer or on duty as a member of the force“. Später wurde die Beschränkung auf London aufgehoben, so dass die Binney Memorial Medal auch an Menschen in ganz Großbritannien vergeben werden kann.

Übrigens: Die Binney Street im Stadtteil Mayfair wurde nicht nach Captain Binney benannt, sondern nach dem Geistlichen Thomas Binney (1798–1874).

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
Die Tooley Street im Stadtteil Bermondsey.
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Bristol Britannia XM496 auf dem Cotswold Airport in Gloucestershire

This work has been released into the public domain by its author, Arpingstone

Es ist schon einige Jahre her, da schrieb ich in meinem Blog über meinen Besuch auf dem Cotswold Airport bei Kemble in Gloucestershire, dem „Friedhof der Jumbojets„. Irgendwie sahen die riesigen Flugzeuge traurig aus, die hier darauf warteten auseinandergenommen zu werden. Ich bin einige Male mit einer Boeing 747 von Frankfurt nach Los Angeles geflogen und habe daher eine gewisse Beziehung zu diesen Flugzeugen aufgebaut.

Auf dem Cotswold Airport steht auch ein Flugzeug, das nicht abgewrackt werden soll, im Gegenteil, es wurde liebevoll restauriert; dabei handelt es sich um eine Bristol Britannia, ein Turboprop-Flugzeug, das nach dem Zweiten Weltkrieg für die Langstrecke über den Atlantik in die USA und nach Kanada eingesetzt wurde. Dieses spezielle Exemplar auf dem Cotswold Airport ist das weltweit letzte erhaltene dieser Baureihe. Britannia Series 253 C.Mk1 XM496 ‘Regulus’ ist die exakte Bezeichnung dieser Maschine, die eigentlich verschrottet werden sollte, aber durch den engagierten Einsatz der Bristol Britannia XM496 Preservation Society gerettet werden konnte. “The Whispering Giant”, wie das Flugzeug auch genannt wurde, sieht im Vergleich zu den Jumbojets ziemlich klein aus, war damals in den 1950er Jahren aber eines der größten Langstreckenflugzeuge.
85 Exemplare dieses Typs wurden gebaut, das letzte 1997 außer Betrieb genommen. Die auf dem Cotswold Airport geparkte, in Belfast gebaute Bristol Britannia, die nicht mehr geflogen wird, wurde am 24 August 1960 in Betrieb genommen und stand 15 Jahre lang im Dienst der Royal Air Force. Anschließend war sie im Besitz mehrerer Fluggesellschaften, bis sie schließlich hier im ländlichen Gloucestershire ihre letzte Ruhestätte fand. Besucher können sie sich in der Regel jeden zweiten Sonntag ansehen; die genauen Termine sind der Webseite der Preservation Society zu entnehmen.

Published in: on 19. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der prähistorische Monolith auf dem Kirchhof von All Saints in Rudston in East Yorkshire

Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Die Gräber auf dem Kirchhof von All Saints in Rudston (East Yorkshire), einem kleinen Dorf zwischen Driffield und Bridlington, werden überragt von einem riesigen prähistorischen Monolithen. Er ist höher als die Steine in Stonehenge, zu denen die Menschenmassen täglich strömen, aber wesentlich unbekannter. So hat man meistens den mysteriösen Felsen ganz für sich allein. Der Rudston Monolith ist schätzungsweise 4000 Jahre alt, acht Meter hoch und vierzig Tonnen schwer. Es wird vermutet, dass der Fels mehrere Meter tief im Boden verankert ist. Er besteht aus Sandstein, was darauf hindeutet, dass sein Ursprung 15 Kilometer nördlich an der Cayton Bay zu finden ist, wo der gleiche Typ Sandstein existiert. Wie soll der große Brocken aber von dort hierher nach Rudston transportiert worden sein und warum? Großbritanniens höchster „standing stone“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach ursprünglich eine Kultstätte gewesen sein, die später weiter von den Christen übernommen wurde, indem man ein Kreuz an dem Felsen anbrachte. Bei Grabungsarbeiten im 18. Jahrhundert wurden an der Basis des Steins menschliche Schädel gefunden, was darauf hindeutet, dass hier in vorchristlicher Zeit Menschen geopfert worden sind.
Seit 1935 steht der Rudston Monolith unter Denkmalschutz. Hier ist ein Film über ihn.

Die All Saints Kirche ist im 14. Jahrhundert erbaut worden, an der Stelle an der schon einmal eine Kirche stand. Besonders stolz ist man hier auf den Taufstein, der aus normannischer Zeit stammt und kunstvoll verziert ist.

Die All Saints Church und der Monolith.
Photo © Stephen Horncastle (cc-by-sa/2.0)
Der Taufstein in der All Saints Church.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. April 2021 at 02:00  Comments (4)  

East Prawle in Devon und der Pigs Nose Inn

Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Es gibt einen Ort namens West Prawle in Devon und ein Dorf namens East Prawle. Der Unterschied? East Prawle ist der am südlichsten gelegene Ort in der ganzen Grafschaft und noch ein Stückchen südlicher liegt Prawle Point, dann kommt nur noch das Meer. Man gelangt auf schmalen Straßen hier herunter, und auch im Dorf selbst geht es sehr eng zu. Von hier aus kann man auf Wanderwegen zum Meer kommen, aber auch ein Fahrweg führt zu einem Parkplatz am Meer. Bei Gegenverkehr wird es etwas problematisch, denn ich schätze die Breite der Straße auf circa zwei Meter.

Was hat East Prawle zu bieten? Nicht allzu viel; es gibt hier einen kleinen Laden namens Piglet Stores and Café am Village Green, der die Einwohner mit dem nötigsten versorgt und auch die Touristen mit ihren Bedürfnissen nicht im Stich lässt. Angeschlossen ist ein Café mit einer Auswahl an Kuchen, Sandwiches und Snacks. Ich stelle mir vor wie das hier wohl im Winter aussehen mag, bei Sturm und Regen.

Das Highlight in East Prawle ist der Dorfpub, der Pigs Nose Inn; „relaxed and quirky three-room 16th century pub, lots of interesting bric-a-brac“, so die Kurzbeschreibung des Good Pub Guides. Die Besitzer sind sehr hundefreundlich, haben selbst welche und heißen „Gasthunde“ willkommen. Außerdem ist man hier sehr umweltbewusst und versucht, auf so viel Plastik wie möglich zu verzichten; die Essenszutaten kommen zum größten Teil aus der Region.
Der Pigs Nose Inn hat einen sehr guten Ruf, was das Unterhaltungsangebot angeht. Es traten schon viele namhafte Bands auf wie Atomic Kitten, die Boomtown Rats oder Wishbone Ash. Im September soll es wieder richtig los gehen.
Seit letztem Montag ist die Außengastronomie wieder geöffnet.

Sehenswert ist übrigens die exzentrische Inneneinrichtung des Pubs!

The Pigs Nose Inn
East Prawle
Kingsbridge
Devon TQ7 2BY

„Relaxed and quirky“: Im Inneren des Pigs Nose Inn
Author: dvcronan
Creative Commons 2.0
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)
Du kommst hier nicht raus! Am Prawle Point.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Großbritanniens größtes Geschäft für Scherzartikel in Hunstanton (Norfolk)

Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Mir haben meine Aufenthalte in Hunstanton an der Küste Norfolks gut gefallen. Ich hatte beide Male im Le Strange Arms Hotel in Old Hunstanton übernachtet (siehe dazu meinen Blogeintrag ). Im Sommer kann es in dem Seebad ganz schön voll werden, wenn alle Wohnwagenparks, von denen es hier einige gibt, ausgebucht sind. Viele Urlauber zieht es dann magisch in einen Laden mit der Adresse 2 St Edmunds Terrace, denn an dieser Stelle befindet sich Großbritanniens größtes Geschäft für Scherzartikel jeder Art, World of Fun. In Urlaubslaune wird hier alles gekauft, was man eigentlich nicht braucht und das schon seit 1978, gegründet von Paul Beal, der den „Joke Shop“ noch heute führt. Auf Grund seines großen Erfolges konnte der Inhaber seinen Laden ständig vergrößern, so dass er ein riesiges Sortiment anbieten kann.

In der World of Fun schlug die Geburtsstunde des weltberühmten Fart Sprays, das einen entsetzlichen Gestank verursacht und gern gekauft wird, um die Mitmenschen zu nerven. Es wird weltweit verkauft; in den USA empfiehlt es die Supermarktkette Walmart als „a suitable stocking stuffer during the holidays“. Zu den beliebtesten Scherzartikeln seit Gründung des Joke Shops in Hunstanton gehören Juck- und Niespulver, Whoopee Cushions, die man in Deutschland liebevoll Furzkissen nennt, und Joke Sweets. Letztere sind Süßigkeiten mit Nebeneffekten wie zum Beispiel Bonbons, die die Zunge blau färben.
Wer auf Perücken oder Gesichtsmasken (FFP2-Masken werden nicht angeboten) steht, wird in der World of Fun fündig, über 200 Exemplare stehen jeweils zur Auswahl.

In den Sommerferien hat das Geschäft sieben Tage in der Woche von 9 Uhr bis 20 Uhr geöffnet, in der restlichen Zeit täglich von 9 Uhr bis 17.30 Uhr.
Wem ich jetzt den Mund wässrig gemacht habe, bei dem nächsten Besuch in Hunstanton sich mit Nies- und Juckpulver oder vergleichbar lustigen Dingen einzudecken, der Joke Shop ist nur etwa zwei bis drei Gehminuten vom Meer und von der Strandpromenade entfernt.

Published in: on 16. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Paul Archer & Johno Ellison: It’s on the Meter

Foto meines Exemplares.

Die besten Ideen, oder besser gesagt die schrägsten, entwickeln sich immer wieder im Pub. Bei einem Besuch in einem Londoner Pub entstand die Idee von drei jungen Männern, Paul Archer, Johno Ellison und Leigh Purnell, die teuerste und längste Taxifahrt, die es jemals gegeben hat, zu unternehmen. Dazu benötigten die drei ein gebrauchtes Londoner Taxi, das sie bei Ebay auch fanden und für £1350 kauften. Es handelte sich dabei um das Modell Austin LTI FX4, Baujahr 1992, mit rund 300 000 Meilen auf dem Tacho. Mit diesem betagten Vehikel, das in seinem Leben nur die Straßen Londons kennen gelernt hatte und das sie Hannah nannten, wollten Paul, Johno und Leigh die Strecke London-Sydney zurücklegen, quer durch Europa und Asien, durch riskante Regionen wie Iran und Pakistan. Mutig, mutig. Um es gleich vorwegzunehmen: Sie haben es tatsächlich geschafft (in knapp 15 Monaten), und nicht nur bis Australien, sondern auch noch quer durch die USA, also eine komplette Weltumrundung. Sie haben über ihre abenteuerliche Reise ein Buch geschrieben mit dem Titel „It’s on the meter: One taxi, three mates and 43 000 miles of misadventures around the world„; es liegt auch in deutscher Übersetzung vor: „Drei Freunde, ein Taxi, kein Plan…, aber einmal um die Welt„, erschienen bei Dumont.

Hier sind einige interessante Zahlen:
Da das Taxameter ständig mitlief, konnten die entstandenen Taxikosten exakt berechnet werden; sie beliefen sich auf £ 79 006,80. Die zurückgelegte Gesamtstrecke in Kilometern: 69 716.
5 225 Meter musste Hannah einmal im Himalaya erklimmen, so hoch hatte es noch nie zuvor ein Taxi geschafft (Eintrag im Guinness Buch der Rekorde!).
Die höchste im Taxi gemessene Temperatur: 60,4° Celsius im Iran, die niedrigste: -19,4° Celsius in Finnland.
Insgesamt durchquerten die drei Männer zusammen mit Hannah 50 Länder; letztere verbrauchte dabei 8000 Liter Diesel. Wieviel Liter Bier die Insassen verbrauchten, ist nicht festgehalten worden.

Es ist ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen, und nicht nur das, man lernt auch gleichzeitig so einiges über die jeweiligen Länder. Hier ist ein Film, um die drei Männer und Hannah kennenzulernen.

Paul Archer & Johno Ellison: It’s on the meter: One taxi, three mates and 43 000 miles of misadventures arounf the world. Summerdale 206. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-825-1.

Vor der Golden Gate Bridge in San Francisco.
Author: Johno Ellison.
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Published in: on 15. April 2021 at 02:00  Comments (2)  

Der Sundial Trail im Londoner Horniman Museum

Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Frederick John Horniman (1835-1906) war ein wohlhabender Teehändler, der Ende des 19. Jahrhunderts die weltweit größte Teehandlung besaß. Sein Name ist noch heute ein Begriff, weil er 1901 das nach ihm benannte Horniman Museum in Londons Borough of Lewisham im Südosten der Stadt gründete. Das Museum umfasst das Gebäude selbst und eine großflächige Gartenanlage. Es wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder erweitert und enthält heute an die 350 000 Objekte aus den Bereichen Naturgeschichte, Anthropologie und Musikinstrumente.

Ich möchte heute aber nur auf den Sundial Trail eingehen, die wohl umfangreichste Sammlung von Sonnenuhren im Königreich, zusammengestellt von der  British Sundial Society, die ich in meinem Blog schon einmal vorstellte. Natürlich ist es am schönsten, diese Sammlung bei Sonnenschein zu besichtigen, um festzustellen, ob die Uhren auch wirklich genau gehen. Hier ist eine Auswahl der Sonnenuhren, die mir am besten gefallen:


Diese Sonnenuhr ist am Gewächshaus angebracht
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)
Die Schmetterlings-Sonnenuhr
Author: gnomonic
Creative Commons 2.0
The Double Polar Sundial
Author: gnomonic
Creative Commons 2.0
The Analemmatic Sundial.
Author: gnomonic
Creative Commons 2.0
The Roman Sundial.
Author: gnomonic
Creative Commons 2.0

Horniman Museum & Gardens
100 London Road
Forest Hill
London SE23 3PQ

Published in: on 14. April 2021 at 02:00  Comments (6)  

Die religiösen Straßennamen in der Londoner City zwischen St Paul’s und Old Bailey

Amen Court und die Mauerreste des ehemaligen Newgate Gefängnisses.
Copyright: London Remembers
Creative Commons 3.0

In Paris gibt es im vierten Arrondissement eine Straße, die rue de l’Ave-Maria heißt und deren Namen mich immer fasziniert hat, wobei ich nicht sagen kann warum. Sie ist 116 Meter lang und erhielt ihren Namen im Jahr 1867 nach dem Kloster, das einmal auf der heutigen Nummer 22 lag.

Auch in der Londoner City gibt es eine Straße namens Ave Maria Lane, die Verlängerung des Warwick Lanes in Richtung Ludgate Hill. Früher gab es die Tradition, dass Mönche am Fronleichnamsfest eine Prozession zur St Paul’s Cathedral veranstalteten. Immer wenn sie das Vaterunser mit einem Amen beendeten, bogen sie gerade in die Ave Maria Lane ein. Auch die Namen der benachbarten Straßen erinnern an diese Prozessionen: Amen Corner, Amen Court und Paternoster Row.

Der Amen Court ist eine kleine Privatstraße („“Not open to the public. Please respect the privacy of those who live here.“), in der noch die letzten Mauerreste des ehemaligen berüchtigten Newgate Prisons zu sehen sind. Dieses Gefängnis, in dem unzählige Menschen hingerichtet worden sind, wurde bereits im Jahr 1188 errichtet und erst 1902 geschlossen. Zwei Jahre später riss man es, bis auf die besagen Mauerreste ab, und baute auf dem frei gewordenen Gelände den Central Criminal Court, Londons berühmtestes Gerichtsgebäude, besser bekannt unter dem Namen Old Bailey. Der Amen Court gehört noch heute zur St Paul’s Cathedral. Am Ende der Sackgasse befindet sich eine weitere Mauer, hinter der zu Zeiten des Newgate Prisons der Deadman’s Walk entlang führte, der Weg zum Galgen, den die zum Tode Verurteilten nehmen mussten. Diese Mauer war (und soll noch immer) „haunted“ sein, heimgesucht vom Black Dog of Newgate, einem unheimlichen schwarzen Hund, der sich immer kurz vor einer Exekution manifestierte.

Die britische Rockband Amen Corner, die Ende der 1990er Jahre einige Erfolge verzeichnen konnte („If paradise is have as nice„) benannte sich übrigens nicht nach der Londoner Straße, sondern nach einer Veranstaltungsreihe im Victorian Ballroom in Cardiff in Wales.

Der Amen Court und die Mauer hinter der früher der Deadman’s Walk entlangführte.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Das Ende des Ave Maria Lanes.
Photo © Dominique MacNeill (cc-by-sa/2.0)
Author: erasmusa
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Published in: on 13. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die St Nicholas Church in Lower Oddington (Gloucestershire) und das Jüngste Gericht

Photo © AJD (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns mitten in die Cotswolds, nach Lower Oddington in die Grafschaft Gloucestershire. Zur Orientierung: Das kleine Dorf liegt östlich von Stow-on-the-Wold an der A436. Ein paar hundert Meter vom Ort entfernt, an der Church Road, findet man die St Nicholas Church, mit deren Bau man irgendwann im 12. Jahrhundert begonnen hatte. Diese ruhig gelegene Kirche hat sich vor allem durch ihre sogenannten „doom paintings“ einen Namen erworben, das sind Wandmalereien, die das Thema „Jüngstes Gericht“ darstellen. Die Malereien in St Nicholas stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurden zur Reformationszeit übermalt, doch 1969 wiederhergestellt. Zu sehen sind Jesus, flankiert von den Aposteln, darunter zwei Engel, die in Trompeten blasen, um die Toten aufzuerwecken. Darunter wiederum sieht man die aus den Gräbern wiederauferstandenen Toten, die auf das Jüngste Gericht warten. Die auf der linken Seite stehenden, dürfen sich auf den Himmel freuen, die auf der rechten Seite müssen leider in die Hölle, wo der Teufel schon auf sie wartet.

Seit 1852 finden keine regelmäßigen Gottesdienste mehr in St Nicholas statt; die Kirche ist unbeheizt und hat kein elektrisches Licht. Wenn zur Weihnachtszeit einmal Gottesdienste abgehalten werden, so geschieht das bei Kerzenschein.

Dieser Film zeigt einen Besuch der Kirche in Lower Oddington.

Das „doom painting“.
Author: UGArdener
Creative Commons 2.0
Ein Engel bläst zum Jüngsten Tag.
Author: michaelday_bath
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Published in: on 12. April 2021 at 02:00  Comments (3)  

Albert Einstein und sein kurzes Asyl bei Roughton in Norfolk im Jahr 1933

Plakette am New Inn in Roughton (Norfolk)
Author: sleepymyf
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Südlich von Cromer in der Grafschaft Norfolk gibt es ein kleines Dorf namens Roughton, das sich für kurze Zeit rühmen konnte, einem der größten Wissenschaftler aller Zeiten Asyl geboten zu haben. Sein Name: Albert Einstein. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahr 1933 wurde es für den jüdischen Wissenschaftler in Deutschland zu gefährlich, und so floh er nach Ostende in Belgien. Von dort wurde er in einer Gemeinschaftsaktion des belgischen Königs und englischer Verbindungsleute (möglicherweise war auch Winston Churchill beteiligt) nach Norfolk gebracht, wo sich der Parlamentsabgeordnete Oliver Locker-Lampson um Einstein kümmerte. Der MP wohnte damals in Cromer an der Küste Norfolks, und so brachte er Einstein in einer kleinen Holzhütte bei der Ortschaft Roughton unter, wo er selbst und zwei Sekretärinnen den Gast bewachten. Sie waren alle bewaffnet, denn die Gefahr bestand, dass man den Wissenschaftler kidnappte, weil ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt war. Auch während seines Asyls in der einsam gelegenen Hütte beschäftigte sich Einstein weiterhin mit seinen Studien und es heißt, dass er dort die Grundlagen für den Bau der ersten Atombombe entwickelte. Einstein war zwar Pazifist, aber er fürchtete, dass die Deutschen als erste eine Atombombe bauen würden, was er auf jeden Fall verhindern wollte, und so sollten seine Studien den Amerikanern zugute kommen. Albert Einstein blieb nur wenige Wochen in Norfolk, anschließend begab er sich in die USA. Vorher erhielt er aber noch Besuch von dem Künstler Jacob Epstein, der innerhalb von drei Tagen eine Büste von Einstein anfertigte.

Was heute noch an die kurze Episode erinnert, ist eine blaue Plakette am Pub The New Inn an der Norwich Road in Roughton.

Einsteins Kurzaufenthalt in Norfolk soll den amerikanischen Komponisten Philip Glass zu seiner Oper „Einstein on the Beach“ inspiriert haben, deren Uraufführung 1976 beim Festival von Avignon in Frankreich stattfand. Auch die US-Rockband Counting Crows haben 1994 einen Song aufgenommen, der den selben Titel wie die Oper trägt.

Das Ortsschild von Roughton.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das gastronomische Imperium des Andrew Pern in North Yorkshire

The Star Inn in Harome.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Im tiefen Süden Englands, von Padstow in Cornwall aus, betreibt der Starkoch Rick Stein ein gastronomisches Imperium, so dass man von dem Küstenort schon von „PadStein“ spricht (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Im hohen Norden, in der Grafschaft North Yorkshire, gibt es ebenfalls einen Koch, der in den letzten Jahren mehrere Restaurants eröffnet hat: Der Sternekoch Andrew Pern. Er ist seit 1996 Inhaber des The Star Inn in dem kleinen Bilderbuchort Harome in der Nähe von Helmsley, und wie es sich für ein Restaurant mit diesem Namen gehört, ist es schon seit vielen Jahren mit einem Michelinstern ausgezeichnet.

Andrew Pern, der vorher im Milburn Arms bei Pickering (North Yorkshire) gearbeitet hatte, übernahm den heruntergekommenen Pub und baute ihn zu einem der besten Gastropubs in ganz Großbritannien auf. Siehe hierzu meinen Blogeintrag vom vorigen Jahr.

The Star Inn ist in einem schönen, reetgedeckten Haus aus dem 14. Jahrhundert in der High Street untergebracht, in dem „modern Yorkshire food“ auf hohem Niveau serviert wird. In der Bar des Restaurants findet man übrigens Möbel, die von Robert Thompson, dem „Mouse Man of Kilburn“ gebaut worden sind (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Für Gäste des Restaurants, die gleich in Harome übernachten wollen, hat Andrew Pern gegenüber ein Boutique-Hotel eröffnet, Cross House Lodge, das 13 Zimmer hat. die alle individuell eingerichtet worden sind (die Übernachtungspreise liegen zwischen £120 und £280, Frühstück inklusive).

Andrew Pern hat sich noch weitere Restaurants zugelegt. Im Oktober 2013 eröffnete er in York an der Lendal Bridge am Ufer der Ouse sein The Star Inn The City, eine All Day Dining Brasserie im ehemaligen Engine House.
Ein anderes Lokal in York an der Low Petergate, Mr P’s Curious Tavern, im Juni 2016 eröffnet, wurde im letzten Sommer nach dem Lockdown nicht mehr wiedereröffnet und ist Corona zum Opfer gefallen.

In Whitby an der Küste von Yorkshire floriert Andrew Perns The Star Inn The Harbour, ein sehr hübsch eingerichtetes Restaurant am Hafen, das sich auf Meeresgetier spezialisiert hat (hier ist ein Film).

Andrew Pern ist auch Autor zweier Kochbücher mit den Titeln „Black Pudding and Foie Gras“ und „Loose Birds and Game„.

In Harome gibt noch ein weiteres Hotel mit einem anspruchsvollen Restaurant, das von Andrew Perns Frau Jacquie und von Peter Neville geführt wird: The Pheasant. Das kleine Dorf hat also in kulinarischer Hinsicht so einiges zu bieten.

The Star Inn the City in York.
Author: alh1
Creative Commons 2.0
The Pheasant Hotel in Harome.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Chatteris in Cambridgeshire – Ein Song und ein Weltrekord

„Downtown“ Chatteris.
 Author: rob enwiki
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Heute begeben wir uns wieder einmal in die Grafschaft Cambridgeshire und zwar in die kleine Stadt Chatteris, nördlich von Cambridge und südöstlich von Peterborough gelegen. Es handelt es sich hier um eine eher unauffällige Marktstadt mit etwas mehr als 10 000 Einwohnern, in der viele Pendler wohnen, die in den umliegenden größeren Städten arbeiten.

Ich bin durch zwei Dinge auf Chatteris gestoßen. Da ist zuerst einmal der Song „For what is Chatteris?“ der Band Half Man Half Biscuit, der der Stadt gewidmet ist. Die  Indie-Rock-Band aus Birkenhead (Merseyside) habe ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit den Stiperstones in Shropshire erwähnt.
Im Text des Songs werden die positiven Seiten der Stadt hervorgehoben: Die Pünktlichkeit der Busse, die sauberen Straßen, die niedrige Kriminalitätsrate, die Blaskapellen und der Spielplatz im Park, einige empfehlenswerte Metzger und eine erstklassige Konditorei; kurzum Chatteris ist „the envy of the Fens“. ABER: was spielt das alles für eine Rolle, wenn Du nicht da bist (so im Song zu hören), „A market town that lacks quintessence That’s Chatteris without your presence“. Schade, müssen sich die Bewohner der Stadt in Cambridgeshire gedacht haben, da wird von Half Man Half Biscuit so eine hohe Erwartungshaltung aufgebaut und dann durch den Refrain „What’s Chatteris if you’re not there?“ wieder zunichte gemacht. Und dann setzt am Ende des Textes die Band noch eins drauf: „I may as well be in Ely or St Ives…“.
In diesem Film kann man sich ein Bild von der Stadt machen.

Im Oktober 2001 geschah etwas Außergewöhnliches nördlich von Chatteris, dort, wo heute das North London Skydiving Centre zu finden ist. Der damals 46 Jahre alte Ian Ashpole aus Ross-on-Wye in Herefordshire stellte einen Weltrekord auf, mit dem er im Guinness Book of Records landete. Ashpole ließ sich von 600 mit Helium gefüllten Luftballons in eine Höhe von 11 000 Fuß bringen, was 3 352 Metern entspricht. Damit hatte er seinen eigenen Rekord um 1000 Fuß überboten, den er fünf Jahre zuvor aufgestellt hatte. Geplant waren eigentlich 15 000 Fuß, aber das war an dem Tag einfach nicht drin. Ian Ashpole schnitt sich dort oben von den Luftballons los und kam mittels eines Fallschirms zur Erde zurück. Inspiriert für diese Aktionen wurde er schon als Kind, als er den Film „The Red Balloon“ sah, eine französische Produktion aus dem Jahr 1956 (Originaltitel: Le Ballon Rouge, deutsch: Der rote Ballon).

Chatteris Airfield mit dem North London Skydiving Centre
Photo © Paul Vivash (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Mendip Hills und die Cheddar Gorge in Somerset – Einige persönliche Anmerkungen

Photo © Sarah Charlesworth (cc-by-sa/2.0)

Meine erste Begegnung mit den Mendip Hills in der südenglischen Grafschaft Somerset liegt schon einige Zeit zurück. Damals las ich in Peter Sagers DuMont-Kunstreiseführer „Südengland“ von dem Dörfchen Priddy und dem Pub The Miner’s Arms, in dem ein Champagnerbier serviert wurde. Dieses spezielle Gebräu musste ich einfach probieren, und so fand ich mich zur Mittagszeit dort ein und begleitete meinen Lunch mit einem Glas Champagnerbier, das man auch flaschenweise mitnehmen konnte. Ich habe keine genaue Erinnerung mehr, ob mir das Bier schmeckte, auf jeden Fall kam ich noch einmal in den Genuss, bevor der Pub leider geschlossen wurde.

Bei meinem letzten Englandbesuch Ende Oktober 2019 fuhr ich auf dem Weg von Glastonbury nach Wells noch einmal durch die Mendip Hills und die großartige Schlucht Cheddar Gorge. Diese Felsenlandschaft im Süden des Landes würde auch in dem raueren Norden Englands eine „Bella Figura“ machen. Den Besitz der Cheddar Gorge teilen sich der National Trust und der Longleat Charitable Trust des Marquess of Bath.

Die kurvenreiche Cliff Road zieht sich durch die Felsenlandschaft und zur Hauptsaison kann es hier richtig voll werden, daher sollte man nach Möglichkeit in den Sommermonaten diese Region meiden. Im Oktober ging es sehr ruhig zu. Eine der Hauptattraktionen der Cheddar Gorge sind die Höhlen, vor allem die Gough’s Cave, in der im Jahr 1903 das Skelett eines Menschen gefunden wurde, der vor mindestens 9000 Jahren gestorben war, der sogenannte Cheddar Man.

Ein beliebtes Touristenziel ist auch die Cheddar Gorge Cheese Company, die (erstaunlicherweise) Cheddarkäse produziert, der zum Teil in den Höhlen zum Reifen gebracht wird.

Südöstlich von Cheddar liegen die Wookey Hole Caves, ein weiteres, von Touristen überlaufenes Höhlengebiet. Hier ereignete sich im Jahr 2006 ein Zwischenfall, der landesweit für Gelächter, aber auch für Trauer sorgte, das Wookey Hole Cave Massacre. Verantwortlich für das Massaker war ein sechsjähriger Dobermann namens Barney, der als Wachhund eingestellt worden war. Was Barney absolut nicht leiden konnte, waren Teddybären, und da dort eine große wertvolle Teddybärensammlung untergebracht war, machte sich der Hund eines Tages in einem unbeobachteten Augenblick über die Plüschtiere her und zerfetzte sie in großem Stil. Über hundert Bären fielen dem Dobermann zum Opfer, darunter soll auch eine besonders wertvolle Leihgabe gewesen sein, nämlich Elvis Presleys Lieblingsteddy Mabel, dessen Wert mit $75,000 veranschlagt war. Ich könnte mir vorstellen, dass Barney an diesem Tag zur Strafe keinen Knochen bekam und hungrig in sein Körbchen gehen musste.

Da ich bei meinem letzten herbstlichen Besuch zur Mittagszeit einen Pub suchte und The Miner’s Arms nicht mehr zur Verfügung stand, suchte ich in Priddy den vom The Good Pub Guide empfohlenen Victoria Inn auf, mit dem ich sehr zufrieden war und über den ich in meinem Blog geschrieben habe.

Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Die Cliff Road zur Hauptsaison.
Photo © Chris McAuley (cc-by-sa/2.0)
Gough’s Cave
Photo © Nigel Davies (cc-by-sa/2.0)
Die Cheddar Gorge Cheese Company
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)
Diese Polizisten in Wookey Hole stehen nicht auf Cheddarkäse-Laiben. Sie achten darauf, dass Kinder sicher über die Straße gelangen und dass keine Dobermänner hineinkommen.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Richard Arnet (1674-1728) – Ein Henker, dem so manche Pannen unterlaufen sind

Author: J. Stephen Conn
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Die zuständigen Behörden, die anfangs des 18. Jahrhunderts die Henker ernannten, hatten nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl. Von 1715 bis 1717 war William Marvell dafür verantwortlich, Delinquenten, die Böses (oder auch weniger Böses) getan hatten, mittels Strick ins Jenseits zu befördern. Marvel tat das auch…bis er selbst am Galgen baumeln musste, denn er hatte ein schweres Verbrechen gegangen: Er hatte zehn seidene Taschentücher entwendet; eine Tat, die natürlich nur mit dem Tod des Diebes bestraft werden konnte.

Marvels Nachfolger war Richard Arnet (1674-1728), der sich als ziemlich dilettantisch herausstellen sollte. Schon sein erster Auftrag lief schief. Arnet sollte in London drei Männer aufknüpfen, verspätete sich aber beträchtlich. Die Menge, die das Schauspiel ansehen wollte, wurde ungeduldig, und als der Henker endlich erschien, wurde er von der Meute in einen nahe gelegenen Teich geworfen. Die drei zum Tode Verurteilten brachte man wieder zurück ins Newgate-Gefängnis.

Im Jahr darauf ereignete sich wieder ein Zwischenfall bei dem Richard Arnet alles andere als gut aussah (um es gelinde auszudrücken). Zwei Männer sollten hingerichtet werden; dieses Mal erschien der Henker pünktlich aber er hatte vorher mehrere Pints getrunken. Wie das nun einmal so ist, wenn man auf der Hinrichtungsplattform steht, und mit vier Männern konfrontiert wird, den beiden zum Tode Verurteilten plus ein katholischer Priester plus ein Geistlicher vom Newgate Prison, da kann man schon einmal durcheinander kommen, und so legte Mr Arnet den beiden Kirchenmännern den Strick um den Hals, wogegen diese lautstark protestierten. Als der Henker seinen Irrtum sah, nahm er ihnen den Strick wieder ab und dann passierte wieder etwas Unvorhergesehenes, es war eben nicht Richard Arnets Tag. Von den Auswirkungen des Alkohols beeinträchtigt, hatte Arnet vergessen, einen wichtigen Riegel, der das Hinrichtungsgerüst zusammenhielt, in die entsprechende Position zu schieben, mit dem Resultat, dass alles in sich zusammenstürzte. Hätte nur noch gefehlt, dass sich bei dem Durcheinander der Henker selbst gehängt hätte.

1728 starb Richard Arnet; sein Nachfolger wurde John Hooper, der in die Geschichte der britischen Henker als „The Laughing Hangman“ einging, weil er für seine Delinquenten immer ein paar Witze auf Lager hatte, die darüber wahrscheinlich nur gequält lachen konnten.

Wer von dem Thema „Henker“ nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich einen anderen Blogeintrag von mir, in dem es um Richard Arnets Berufskollegen Albert Pierrepoint und Harry Allen geht.

Published in: on 7. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die uralten steinernen „Asylsessel“ im Beverley Minster (East Riding of Yorkshire) und in der Hexham Abbey (Northumberland)

Der Sanctuary Chair im Beverley Minster
Photo © Mike Kirby (cc-by-sa/2.0)

Bevor Heinrich VIII. ein Schlussstrich unter die Möglichkeit zog, dass sich Menschen auf der Flucht vor den Strafvollzugsbehörden in Kirchen Asyl suchen konnten, boten Gotteshäuser solch einen Weg an, dem Gesetz zumindest eine Zeit lang zu entkommen.

Meines Wissens gibt es in England nur noch zwei Kirchen, die einen sogenannten „sanctuary chair„, auch Frith stool genannt, besitzen. Hatte man auf diesem steinernen „Asylsessel“ einmal Platz genommen, saß man unter dem Schutzschirm der jeweiligen Kirche.
Im Beverley Minster im Osten von Yorkshire, einer sehenswerten Kirche, die es mit vielen Kathedralen des Landes aufnehmen kann, steht ein derartiger „sanctuary chair“. Die Ursprünge des Beverley Minsters gehen auf John of Beverley zurück, der im 8. Jahrhundert lebte, und Bischof von Hexham in Northumberland und Bischof von York war.

Man schätzt, dass der steinerne Stuhl noch älter als das gegenwärtige Münster ist, dessen Bau nach dem großen Brand von 1188 begonnen wurde, der die bisherige Kirche komplett vernichtete. Der Stuhl steht auf der linken Seite des Hochaltars.
In den meisten Fällen galt das Kirchenasyl für vierzig Tage. Nach Ablauf dieser Zeit gab es zwei Möglichkeiten für den Geflüchteten: Entweder stellte er sich den Behörden oder er beichtete seine Straftat der Kirche und musste daraufhin auf dem schnellsten Wege das Land verlassen. Natürlich gab es auch einige, die die letztere Variante vorzogen, aber im Land blieben und sich wieder ihrer kriminellen Laufbahn widmeten. Wurden sie dann geschnappt, mussten sie mit sehr strengen Strafen rechnen.

Der zweite noch erhaltene „sanctuary chair“ ist in der Hexham Abbey in der Grafschaft Northumberland zu finden. Ursprünglich soll er als Sitz der Bischöfe gedient haben. Er ist nicht, wie in Beverley, neben dem Hochaltar zu finden, sondern mitten im Chor der Abteikirche.

Und der zweite Sanctuary Chair in der Hexham Abbey.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Land of Green Ginger – Eine alte Straße in Kingston-upon-Hull (East Riding of Yorkshire) und das kleinste Fenster Englands

Photo © Peter Church (cc-by-sa/2.0)

Kingston-upon-Hull (East Riding of Yorkshire) stand einmal auf Platz 1 der Liste der britischen Crap Towns (siehe hierzu meinen Blogeintrag), doch man tut hier sehr viel, um den schlechten Ruf der Stadt abzustreifen. Im Jahr 2017 war Kingston-upon-Hull sogar die UK City of Culture, was in großem Stil gefeiert wurde. Siehe auch meine Berichte über den Larkin Trail und die besonderen Telefonzellen der Stadt an der Mündung des River Humber.

In der Altstadt gibt es eine Straße mit einem sehr schönen Namen: Land of Green Ginger. Die enge und kurze Gasse gehört mit zu den ältesten Straßen der Stadt; früher hieß sie einmal Old Beverley Street. Nicht geklärt ist, wie es zu der Namensgebung kam. Möglicherweise wurde im Mittelalter in dieser Gegend Ingwer gelagert; es gibt auch die Theorie, dass der Name in Zusammenhang mit der Familie Lindegreen aus den Niederlanden steht, aus dem später aus irgendeinem Grund Lindegroen jonger wurde und daraus wiederum Land of Green Ginger. Egal, der Name ist einfach schön.

Viel gibt es in der Gasse nicht zu sehen, aber eine Besonderheit findet man doch: Englands kleinstes Fenster. Es ist direkt links neben dem Eingang des The George Hotels angebracht, eigentlich mehr Pub als Hotel. Von diesem Fensterschlitz aus beobachtete der Portier früher, als das Hotel als Postkutschenstation diente, herannahende Kutschen und informierte die Belegschaft, dass da Arbeit auf sie zukam.

Die heute nur noch wenig bekannte Schriftstellerin Winifred Holtby (1898-1935) veröffentlichte 1927 einen Roman mit dem Titel „The Land of Green Ginger„, in dem die Protagonistin Joanna Burton das Straßenschild mit dem Namen erblickt und davon träumt, einmal in die Länder zu fahren, in denen es diesen grünen Ingwer gibt.

Der Fensterschlitz ist rechts von der Plakette zu erkennen.
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)
Author: yellow book
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Published in: on 5. April 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Pagoden von Orford Ness in Suffolk und die „schöne“ Blaue Donau

Photo © Peter Norman (cc-by-sa/2.0)

Die Gegend von Orford Ness in der Grafschaft Suffolk erinnert mich immer wieder an Dungeness in Kent, wahrscheinlich wegen der endlos langen Kieselstrände. Die in Orford Ness gehören zu den längsten in Europa. Bevor diese Region zu einem Naturschutzgebiet wurde und jetzt dem National Trust gehört, war sie militärisches Sperrgebiet, in dem geheimnisvolle Dinge vor sich gingen. Heute erinnern noch merkwürdige pagodenartige Gebäude an die Zeit, zu der das britische Militär hier Forschungsarbeiten durchführte, die bereits im Jahr 1913 begannen. Während und nach dem Ersten Weltkrieg wurden hier waffentechnische Versuche vorgenommen, alles natürlich streng geheim.

Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg baute man die oben erwähnten Pagoden, die zu Tests mit der ersten britischen Atombombe dienten, der man den Namen Blue Danube, also Blaue Donau, gegeben hatte. Wie kam man wohl auf diese abstruse Idee, einer der schlimmsten Waffen der Menschheit so einen schönen Namen zu geben? Glücklicherweise wurden hier in Orford Ness keine Atombomben wirklich gezündet, aber ganz ungefährlich waren die Tests nicht. Es hieß damals, Nuklearmaterial würde bei den Tests nicht zum Einsatz kommen; die Bombe wurde aber nach allen Regeln der Kunst daraufhin untersucht wie sie vor der Detonation auf alle mögliche äußeren Einwirkungen reagieren würde wie Erschütterungen, extreme Temperaturen usw. Bei diesen Experimenten hätte durchaus etwas schief gehen können, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen.

Hier ist ein Film, der zeigt wie es heute in den verlassenen und verfallenen Anlagen aussieht.

Die Bewohner des Ortes Orford werden sicher aufgeatmet haben, als 1971 diese Arbeiten eingestellt wurden und 1993 der sehr viel friedlichere National Trust alles übernahm.
In meinem Blog schrieb ich schon einmal über einen ganz besonderen Dorfladen in Orford.

Das Buch zum Thema:
Paddy Heazell: Most Secret – The Hidden History of Orford Ness. The History Press 2013. 336 Seiten. ISBN 978-0752491592
.

Photo © Andy Parrett (cc-by-sa/2.0)
Author: amandabhslater
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Published in: on 4. April 2021 at 02:00  Comments (7)  

Mein Buchtipp – Lauren Juliff: How Not to Travel the World

Foto meines Exemplares.

Lauren Juliff ist eine junge Londonerin, die es in die weite Welt hinauszieht, deshalb arbeitet sie so lange, bis sie genug Geld zusammengespart hat, um diesen Schritt zu wagen. Lauren ist eine eher schüchterne, nicht sehr kommunikative junge Frau mit etwas seltsamen Essgewohnheiten (sie hat noch nie ein Ei oder Reis gegessen und auch Kaffee war ihr bislang ein fremdes Getränk). Sie neigt zu Panikattacken und ist sehr ängstlich; alles keine guten Voraussetzungen, um allein als Rucksacktouristin andere Kontinente zu besuchen.

Lauren setzt sich in London in ein Flugzeug nach Kroatien, wo der Start in ein neues, komplett anderes Leben beginnt. Von dort führt sie der Weg über die Ukraine nach China, Thailand, Laos und Kambodscha. In ihrem Buch „How Not to Travel the World: Adventures of a disaster-prone backpacker“ schreibt die Reisebloggerin von einer faszinierenden Welt, vor allem die in Südostasien. Lauren lernt über das Internet Dave kennen, einen Australier, der ebenfalls als Backpacker in dieser Region Asiens unterwegs ist. Sie treffen sich, verlieben sich ineinander und reisen von da an gemeinsam. Wie es in dem Untertitel des Buches gesagt wird: Lauren ist „disaster-prone„, das heißt, sie zieht, Katastrophen und Unfälle magisch an. Einige Beispiele:
In eine Hostel in Kiew wird sie von dem Besitzer sexuell belästigt, in Shanghai gelangt sie in die Fänge zweier Betrügerinnen, in Thailand gerät sie an eine unfähige Zahnärztin, in Pattaya steht sie Todesängste aus wegen eines vermeintlichen Tsunamis, in Laos leidet sie Höllenqualen wegen Sandflöhen, die sich ihren Körper als Angriffsziel ausgesucht haben, auf dem Mekong stirbt an Bord eines kleinen Schiffes eine Frau, deren Leiche unter ihrer Sitzbank gelagert wird. So geht es immer weiter, eine Katastrophe jagt die nächste, trotzdem genießt Lauren ihr neues Leben in vollen Zügen und mag nicht mehr nach London zurückkehren.

In ihrem Blog Neverending Footsteps, in dem Lauren von ihren Reisen berichtet, führt sie eine Rubrik „The Incidents„, in der sie alle ihre Desaster aufgelistet hat.
Mir hat das Buch viel Spaß gemacht, und Lauren tat mir immer wieder leid wie sie von einem Unglück ins nächste stolpert.

Lauren Juliff: How Not to Travel the World: Adventures of a disaster-prone backpacker. Summersdale 2015. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-727-8.

Published in: on 3. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Axbridge in Somerset und ein Flugzeugabsturz am 10. April 1973

Das Denkmal für die Opfer des Flugzeugabsturzes bei Hochwald in der Schweiz.
Author: Хрюша
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Es sollte ein schöner Tag werden dieser 10. April des Jahres 1973, ein Einkaufstrip nach Basel auf den sich viele Frauen aus Axbridge in Somerset schon seit langem gefreut hatten. Die Damen der Axbridge Ladies Guild hatten sich mit Damen der Cheddar Mums‘ Night Out Group und Kegelvereinen aus den umliegenden Dörfern Congresbury und Wrington zusammengetan, um diesen Tag gemeinsam in der Schweiz zu verleben. Am Flughafen von Bristol stiegen sie in eine Vickers Vanguard 952 der Invicta International Airlines (Flugnummer 435) und starteten um 7.19 Uhr. An Bord waren 139 Passagiere, überwiegend Frauen, und sechs Besatzungsmitglieder. Als sich das Flugzeug dem Flughafen von Basel näherte, geriet es in einen Schneesturm. Die Sicht war sehr schlecht, der erste Landeversuch missglückte, beim zweiten Versuch verloren die beiden Piloten die Orientierung, und das Flugzeug stürzte in ein Waldgebiet nahe des Ortes Herrenmatt. 108 Menschen starben, 37 konnten sich retten beziehungsweise wurden aus dem Wrack gerettet.

Als die Nachricht des Flugzeugabsturzes in Axbridge und den anderen Orten in Somerset eintraf, schien die Zeit stehen zu bleiben. Noch vor wenigen Stunden hatte man die Ehefrauen, Mütter und Töchter weggewinkt und jetzt waren die meisten von ihnen tot. Die Dörfer standen unter Schock. Nach und nach gab man die Namen derjenigen bekannt, die den Absturz überlebt hatten, die Angehörigen derjenigen, die nicht auf dieser Liste standen, versanken in Hoffnungslosigkeit. Auf einen Schlag hatten 55 Kinder ihre Mütter verloren, eine junge Frau verlor elf Familienmitglieder. Zur Identifizierung der Toten machten sich Angehörige auf den Weg in die Schweiz, eine extrem belastende Aufgabe.
Die 108 Opfer wurden wieder nach England zurückgebracht und auf den Friedhöfen ihrer Heimatorte beigesetzt. 13 der 16 Opfer aus Axbridge kamen in ein gemeinsames Grab auf dem Kirchhof von St John the Baptist.

In der Nähe der Absturzstelle in der Schweiz steht ein Denkmal, das an diesen schwarzen Tag im April 1973 erinnert. Dieser Film arbeitet die Geschehnisse von 1973 und der Zeit danach noch einmal auf.

St John the Baptist in Axbridge (Somerset).
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Witney in Oxfordshire Teil 2: The Witney Wool & Blanket Trail

Die High Street mit der Blanket Hall in der Mitte des Bildes
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

Über Hunderte von Jahren verband man in England den Namen der Stadt Witney in Oxfordshire mit Wolle verarbeitender Industrie, speziell mit der Herstellung von Wolldecken. Dieser Industriezweig sorgte in der Stadt lange Jahre für einen gewissen Wohlstand; aber in den 1970er Jahren war Schluss damit. Die Fabriken schlossen ihre Tore, in anderen Teilen der Welt wurden Decken billiger hergestellt.

In der High Street gibt es in der Nummer 103 noch ein Spezialgeschäft für Decken, die Firma R.N. Peace, die Wolldecken „Made in the UK“ anbietet.

Man hat aber in Witney diese Zeit nicht vergessen und für Interessierte den Wool & Blanket Trail geschaffen, der quer durch die Stadt führt, an allen Gebäuden vorbei, die mit der Wollindustrie in Verbindung standen. Da steht im Mittelpunkt die Witney Blanket Hall in der High Street, die 1721 von der Company of Blanket Makers erbaut wurde, und wo so etwas wie eine Endkontrolle der in der Stadt hergestellten Wolldecken stattfand. Heute stehen die Türen des Gebäudes für Besucher offen; man kann sich über die Vergangenheit der Wollindustrie informieren und im Pie Shop essen und trinken.
Der Trail führt in erster Linie die High Street entlang und hat eine Gesamtlänge von etwas mehr als vier Kilometern, den man natürlich auch abkürzen kann, je nach dem wie groß das Interesse an dem Thema ist.
Der Weg führt beispielsweise an der St Mary’s Church vorbei, in der viele der Wolldeckenproduzenten des 18. und 19. Jahrhunderts beigesetzt worden sind. Ehemalige Fabrikgebäude sind entlang des Trails zu sehen wie die West End Woollen Factory, die Captain’s Mill, die Witney Mill und die Bridge Street Mill.

Wer sich den Trail lieber von einem fachkundigen Führer der Witney Blanket Experience erklären lassen möchte, der kann sich einer Tour anschließen, die etwa drei bis vier Stunden dauert und den Lunch in der Blanket Hall beinhaltet. Die Standardtour kostet £40, die Luxusvariante £120, da ist eine Wolldecke inbegriffen.

St Mary
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Die Witney Mill.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen