Richard Arnet (1674-1728) – Ein Henker, dem so manche Pannen unterlaufen sind

Author: J. Stephen Conn
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Die zuständigen Behörden, die anfangs des 18. Jahrhunderts die Henker ernannten, hatten nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl. Von 1715 bis 1717 war William Marvell dafür verantwortlich, Delinquenten, die Böses (oder auch weniger Böses) getan hatten, mittels Strick ins Jenseits zu befördern. Marvel tat das auch…bis er selbst am Galgen baumeln musste, denn er hatte ein schweres Verbrechen gegangen: Er hatte zehn seidene Taschentücher entwendet; eine Tat, die natürlich nur mit dem Tod des Diebes bestraft werden konnte.

Marvels Nachfolger war Richard Arnet (1674-1728), der sich als ziemlich dilettantisch herausstellen sollte. Schon sein erster Auftrag lief schief. Arnet sollte in London drei Männer aufknüpfen, verspätete sich aber beträchtlich. Die Menge, die das Schauspiel ansehen wollte, wurde ungeduldig, und als der Henker endlich erschien, wurde er von der Meute in einen nahe gelegenen Teich geworfen. Die drei zum Tode Verurteilten brachte man wieder zurück ins Newgate-Gefängnis.

Im Jahr darauf ereignete sich wieder ein Zwischenfall bei dem Richard Arnet alles andere als gut aussah (um es gelinde auszudrücken). Zwei Männer sollten hingerichtet werden; dieses Mal erschien der Henker pünktlich aber er hatte vorher mehrere Pints getrunken. Wie das nun einmal so ist, wenn man auf der Hinrichtungsplattform steht, und mit vier Männern konfrontiert wird, den beiden zum Tode Verurteilten plus ein katholischer Priester plus ein Geistlicher vom Newgate Prison, da kann man schon einmal durcheinander kommen, und so legte Mr Arnet den beiden Kirchenmännern den Strick um den Hals, wogegen diese lautstark protestierten. Als der Henker seinen Irrtum sah, nahm er ihnen den Strick wieder ab und dann passierte wieder etwas Unvorhergesehenes, es war eben nicht Richard Arnets Tag. Von den Auswirkungen des Alkohols beeinträchtigt, hatte Arnet vergessen, einen wichtigen Riegel, der das Hinrichtungsgerüst zusammenhielt, in die entsprechende Position zu schieben, mit dem Resultat, dass alles in sich zusammenstürzte. Hätte nur noch gefehlt, dass sich bei dem Durcheinander der Henker selbst gehängt hätte.

1728 starb Richard Arnet; sein Nachfolger wurde John Hooper, der in die Geschichte der britischen Henker als „The Laughing Hangman“ einging, weil er für seine Delinquenten immer ein paar Witze auf Lager hatte, die darüber wahrscheinlich nur gequält lachen konnten.

Wer von dem Thema „Henker“ nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich einen anderen Blogeintrag von mir, in dem es um Richard Arnets Berufskollegen Albert Pierrepoint und Harry Allen geht.

Published in: on 7. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen