Great Yarmouth in Norfolk – Heimat der Fischstäbchen

Author: isriya
Creative Commons 2.0

Es gab einmal eine Zeit, da war die Küstenstadt Great Yarmouth in der Grafschaft Norfolk der größte Anladeort für Heringe weltweit; das war Anfang des 20. Jahrhunderts. Was ist davon übriggeblieben? Außer dem dampfbetriebenen Fischerboot Lydia Eva (klingt wie einer der Trucks der Speditionsfirma Eddie Stobart) im Hafen so gut wie nichts mehr.

In Zusammenhang mit Fisch steht Great Yarmouth als Heimat der Lieblingsspeise vieler Kinder, des Fischstäbchens. Es war am 26. September im Jahr 1955 als hier das erste Fischstäbchen (fish finger im Englischen) produziert wurde, und der Siegeszug um die ganze Welt begann. Es war die Idee des amerikanischen Unternehmers und Biologen Clarence Birdseye (1886-1956), der auch als Erfinder der Tiefkühlkost gilt. Birdseye hatte schon im Jahr 1927 diese spezielle Art der Fischverarbeitung in Großbritannien zum Patent angemeldet und damit experimentiert. Bevor es in Great Yarmouth in der Birds Eye Fischfabrik richtig losging, hatte der Amerikaner erst in zwei Regionen getestet wie diese tiefgefrorenen Fischstäbchen beim Kunden ankamen, in Südwales und in Southampton. Sie kamen gut an, nur brauchte man noch einen Namen für sie. Ursprünglich sollten sie „Battered Cod Pieces“ heißen, doch der Name war nicht griffig genug. Also wurden die Frauen befragt, die in der Fischfabrik arbeiteten, und die entschieden sich für „fish finger“, eine gute Wahl, denn den Namen kennt noch heute jeder.

Die Werbefigur für die Fischstäbchen wurde Captain Birds Eye, verkörpert von John Hewer (1922-2008), der die Rolle von 1967 bis 1998 spielte (in Deutschland kennt man den Kapitän als Käpt’n Iglo). Ihm folgten bis heute noch mehrere andere Darsteller. Hier ist der erste Werbespot zu sehen. Meist war der „Fischstäbchenmann“ von einer Horde Kinder umgeben, die sich gierig auf die Teile stürzten; die Firma Birds Eye wusste, wer ihre wichtigste Klientel war. Als die Werbekampagne 1971 eingestellt wurde, erschien in der Times sogar ein Nachruf mit den Worten „Birds Eye, Captain. On June 7, 1971, after long exposure, life just slipped through his fingers„. Die Kundschaft der Fischstäbchen fand das gar nicht lustig, der Absatz ließ nach, der Käpt’n wurde vermisst, also holte ihn die Firma Birds Eye wieder aus der Versenkung und hauchte ihm neues Leben ein. Die Times vermeldete:  „Birds Eye, Captain. Now returned to these shores, a revitalised man. Wishes to deny premature reports of his demise previously recorded in these columns. Will shortly address the nation…„.

1986 wurde die Fischfabrik in Great Yarmouth geschlossen und die Produktion der Fischstäbchen nach Lowestoft verlegt. Heute werden die beliebten „fish finger“ nicht mehr in Großbritannien hergestellt.

Zum Thema siehe auch meinen Blogeintrag über die „herring lassies„.

Sie erinnert am Kai von Great Yarmouth an die große Zeit der Heringsfischerei: Die Lydia Eva.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen