Englische Exzentriker – Bill Boaks (1921-1986)

In meiner Reihe über englische Exzentriker soll heute Bill Boaks (1921-1986) im Mittelpunkt stehen. Schon als Jugendlicher trat er in die Königliche Marine ein, bei der er es bis zum Oberstleutnant schaffte. Dreißig Jahre seines Lebens verbrachte er bei der Marine, doch als er seine erfolgreiche militärische Laufbahn beendet hatte, lief es nicht mehr so rund in Bill Boaks‘ Leben.

1951 strebte er einen Sitz im britischen Parlament an, wobei er kläglich scheiterte. Boaks war so ehrgeizig, bei Wahlen gegen den Premierminister Clement Attlee antreten zu wollen, der im Londoner Stadtteil Walthamstow kandidierte. Leider war der ehemalige Marineoffizier nicht sehr gut informiert, denn Attlee trat im Wahlbezirk Walthamstow West an, während sich Boaks in Walthamstow East registriert hatte. Klägliche 174 Stimmen, gleich 0,4%, erhielt er, was ihn aber nicht davon abhielt, es in den nächsten 31 Jahren immer wieder zu versuchen. Boaks war im ganzen Land unterwegs, von Bournemouth im Süden bis zur schottischen Metropole Glasgow, bei sämtlichen Wahlen und Nachwahlen fiel er durch. Am schlimmsten war es im Jahr 1982 als er bei Nachwahlen in Glasgow Hillhead ganze fünf Stimmen erhielt, gleich 0,0%.

Bill Boaks engagierte sich sehr für Frauenrechte und für Sicherheit im Straßenverkehr. Er propagierte, dass Fußgängern mehr Rechte als Autofahrern zugestanden werden sollten, indem alle Straßen als Zebrastreifen deklariert werden und Fußgänger immer Vorfahrt haben; der Frachtverkehr sollte auf Schienen verlagert werden. Alles Themen, die noch heute im 21. Jahrhundert aktuell sind und diskutiert werden. Doch Boaks machte sich bei seinen Mitmenschen durch die Methoden unbeliebt, mit denen er seine Ideen durchsetzen wollte. So ärgerte er Autofahrer tierisch, als er an Zebrastreifen eine Schubkarre voller Backsteine hin und her schob und damit den Verkehr erheblich störte. Dann setzte er sich mehrere Male in einen Liegestuhl auf die Überholspur des Westways in Kensington und las in aller Ruhe eine Zeitung, während der Verkehr um ihn herum brauste. Den größten Zorn zog sich Bill Boaks zu, als er einmal mit seinem Auto in Wembley kurz vor einem Fußballspiel England-Schottland an einem Zebrastreifen sämtliche Zuschauer vorüberziehen ließ (es sollen 100 000 gewesen sein) und dadurch einen Riesenstau verursachte.

Auch andere Aktionen des Exzentrikers fielen nicht auf fruchtbaren Boden. Als einmal Prinz Philip am Steuer seines Rovers, auf dem Beifahrersitz saß die Queen, einen Unfall verursachte, versuchte er die Königin wegen Beihilfe zur Tat vorladen zu lassen, was ihm natürlich nicht gelang.

Bei dem London to Paris Air Race der Daily Mail im Jahr 1959 nahm auch Bill Boaks teil…auf Rollschuhen, er kam allerdings nur bis zur Themse und gab dann auf (in diesem Film ist er ganz kurz zu sehen).

Auf der einen Seite vertrat Bill Boaks sehr vernünftige und vorausschauende Ideen, auf der anderen Seite gab er sich wiederum der Lächerlichkeit preis. So richtig liebgewonnen hatten ihn wohl nur wenige.

Published in: on 14. Juni 2021 at 02:00  Kommentar verfassen