Seaton Delaval Hall in Northumberland – Wilde Parties und ein tödlicher Tritt ins Gemächt

Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Seaton Delaval Hall in Northumberland, das seit 2009 dem National Trust gehört, ist ein weiteres Meisterwerk des Stararchitekten Sir John Vanbrugh (1664-1726), zu dessen berühmtesten Leistungen der Blenheim Palace in Oxfordshire und Castle Howard in North Yorkshire gehören.

Der Admiral George Delaval, dessen Familie schon seit ewigen Zeiten hier nördlich von Newcastle-upon-Tyne wohnte, erteilte dem Architekten im Jahr 1718 den Auftrag, an Stelle des bisherigen Landhauses ein neues zu bauen, das dann 1728 fertig gestellt wurde, leider erst zwei Jahre nach dem Tod des Admirals. Statt seiner setzte sich sein Neffe Captain Francis Blake Delaval in das gemachte Nest.

Die sogenannten Gay Delavals waren damals berühmt-berüchtigt für ihre wilden Parties, die sie in den Räumlichkeiten des Landhauses abhielten. Da fanden Kostümbälle statt und den Gästen wurden häufig Streiche gespielt, was die Gastgeber in vollen Zügen genossen (die Gäste vielleicht nicht in gleichem Maße). Da verschwanden plötzlich Trennwände in den Zimmern, Einrichtungsgegenstände standen nicht auf dem Boden, sondern waren an der Decke befestigt und Gäste fanden sich plötzlich in eiskaltem Wasser wieder. Ein wenig davon hat sich auch in das 21. Jahrhundert gerettet in Form der Carnival Capers („English eccentricity in stately surroundings…designed to reflect the 18th century Delaval family’s notorious reputation for parties and capers“).

Dass es in Seaton Delaval Hall nicht immer nur lustig zugehen konnte, musste der 19jährige Sohn von Sir John Delaval (1728-1808), der auch John hieß, 1775 am eigenen Leib erfahren. Er näherte sich einer Hausangestellten in unziemlicher Weise, die sich nicht anders zu helfen wusste, als ihm einen ordentlichen Tritt ins Gemächt zu versetzen. Der Tritt hatte verheerende Folgen, denn der junge Mann erholte sich nicht davon und starb einige Zeit später. Der Maler John Bell hatte ihn noch vor dem tödlichen Tritt porträtiert (hier ist das Bild zu sehen). Sir John ließ seinen Sohn in der St Peter’s Church in Doddington in Lincolnshire beisetzen (den Delavals gehörte auch das Doddington Estate). Dafür wurde die Kirche im Inneren pechschwarz gestrichen, was auch für mehrere Jahrzehnte so blieb.

Im Jahr 1822 ging ein großer Teil des Hauses in Flammen auf. Teile davon wurden später restauriert, und diese Arbeiten ziehen sich tatsächlich bis in die heutige Zeit hin. Über £7 Millionen kamen vor einiger Zeit in Form von Spenden und Unterstützung durch den National Lottery Heritage Fund zusammen, um das Gebäude für die Zukunft zu sichern.
Für £8.80 kann man sich Sir John Vanbrughs Meisterwerk heute ansehen.

Hier ist ein Film über Seaton Delaval Hall.

Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)
Die Great Hall.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)
St Peter’s Church in Doddington (Lincolnshire).
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen