Mein Buchtipp – Ralf Kramp: Noch ein Mord, Mylord – Lord Merridew ermittelt wieder

Foto meines Exemplares.

Ralf Kramps kauziger, exzentrischer Privatdetektiv Reginald Lord Merridew ist nach fünf Jahren Abwesenheit wieder da und ermittelt in fünf Kriminalfällen, bei denen die englische Polizei ziemlich alt aussieht. Nach „Ihr Mord, Mylord“ vom November 2016 ist jetzt der Nachfolgeband „Noch ein Mord, Mylord: Lord Merridew ermittelt wieder“ erschienen.

Lord Merridew, mit dem Erzähler, dem Londoner Rechtsanwalt Nigel Bates an seine Seite, ist keine besonders sympathische Figur; er ist fett, nicht sehr gut zu Fuß, isst und trinkt gern im Übermaß und verfügt über ein riesengroßes Ego. Er ist intellektuell seiner Umgebung haushoch überlegen und lässt diese das auch wissen. Aber er löst die Kriminalfälle alle bravourös.

Das Besondere an diesen fünf Erzählungen, wie schon im Vorgängerband, ist, dass wir mit Personen konfrontiert werden, die wir aus Filmen und Büchern kennen. Nehmen wir als Beispiel die Geschichte „Das Geheimnis des Bombay Saphirs„, der man auch den Untertitel „Lord Fauntleroy trifft Downton Abbey“ geben könnte. Ja, Lord Fauntleroy, den wir als „Der kleine Lord“ aus dem gleichnamigen Spielfilm kennen, nur dass dieser jetzt 89 Jahre alt ist und nach wie vor auf Schloss Dorincourt wohnt (das Belvoir Castle in Leicestershire, wo der Film gedreht worden ist, steht auch in dieser Erzählung Pate). Wir treffen zum Beispiel auf die Dogge Dougal, die wir aus dem Film kennen und aus der x-ten Nachfolgegeneration stammen muss. Wir werden mit einem gewissen Thomas Barrow konfrontiert (na, klickt da etwas?), ja, das war der Footman und spätere Butler in der TV-Serie „Downton Abbey„. Mehr möchte ich hier aber nicht verraten.

In „Das Rätsel der einsamen Leute“ steht der Text des Beatles-Songs Eleanor Rigby“ aus dem Album „Revolver“ im Mittelpunkt, um den Ralf Kramp eine Geschichte rankt.

Mein Favorit aber ist die letzte Kriminalerzählung „Das Geheimnis der dritten Schwester„, die in der Kleinstadt Rye in East Sussex spielt und in der die Protagonisten in The Mermaid Inn wohnen, der detailliert beschrieben wird und in dem der Autor auch schon selbst genächtigt hat. Die Atmosphäre des hübschen Städtchens ist sehr gut eingefangen.

Mir hat die Lektüre des Buches sehr viel Spaß gemacht; ich war immer wieder gespannt, welche bekannte Figur als nächstes um die Ecke kommen würde.

„Noch ein Mord, Mylord: Lord Merridew ermittelt wieder“ gibt es auch als Hörbuch, bei dem Ralf Kramp alle Rollen selber spricht; acht kurzweilige Stunden lang.

Ralf Kramp: Noch ein Mord, Mylord: Lord Merridew ermittelt wieder. KBV 2021. 350 Seiten. ISBN  978-3954415656.

Foto meiner MP3-CD
Belvoir Castle in Leicestershire (beziehungsweise Dorincourt).
Photo © Stephen Rogerson (cc-by-sa/2.0)
The Mermaid in Rye (East Sussex).
Eigenes Foto.
Ralf Kramp, Lord Merridews geistiger Vater.
Copyright Ralf Kramp.
Published in: on 31. August 2021 at 02:00  Comments (1)  

Pontefract in West Yorkshire – Die Lakritze-Hauptstadt Englands

Haribo in Pontefract.
Photo © Bill Henderson (cc-by-sa/2.0)

Lakritze (liquorice im Englischen), oder auch Süßholz, ist eine Pflanzenart, die in Europa überwiegend im Mittelmeeraum vorkommt, doch auch in England gibt es einige Stellen, in der die Pflanze wächst; der tiefe Sandboden in der Region Pontefract in West Yorkshire zum Beispiel war bis Anfang der 1970er Jahre ein idealer Standort für die Lakritze. Kein Wunder, dass sich in Pontefract auch die Süßwarenindustrie angesiedelt hat, die die Pflanze auf verschiedene Arten verarbeitet. Heute kommt die zu verarbeitende Lakritze überwiegend aus der Türkei und aus Italien.

Berühmt sind die sogenannten „Pontefract Cakes„, kleine runde Taler, die heute von dem deutschen Konzern Haribo nach wie vor in Pontefract hergestellt werden. Haribo hatte die ursprüngliche Firma Dunhill übernommen. Die zweite Firma, die hier noch produziert ist Tangerine. Alle anderen (es waren einmal 13) sind geschlossen worden.

Der englische Dichter Sir John Betjeman hat den Lakritzefeldern von Pontefract sogar einmal ein Gedicht gewidmet, hier zu hören.

Die Filmbranche hat in verschiedenen Spielfilmen Pontefract-Lakritze verwendet. In der berühmten Szene in dem Film „The Gold Rush“ verspeist Charlie Chaplin seinen Stiefel und seine Schnürbänder – alles aus Yorkshire-Lakritze hergestellt. In dem James Bond-Film „Moonraker“ mit Roger Moore beißt Jaws ein elektrisches Kabel durch – made in Pontefract.

Dass Lakritze nicht ganz ungefährlich ist, wenn man sie in größeren Mengen isst, zeigt das Beispiel einer Frau aus Yorkshire, die im Jahr 2004 an einer Überdosis Pontefract Cakes starb. Sie hatte über einen längeren Zeitraum hinweg täglich eine 200g-Packung gegessen.

Natürlich feiert die Stadt auch jährlich ein Festival, das der Lakritze gewidmet ist. Das nächste Pontefract Liquorice Festival wird erst wieder 2022 stattfinden; in diesem Jahr ist es coronabedingt ausgefallen.

Hier ist ein Film zum Thema.

Siehe auch diesen Blogeintrag über Pontefract.

Haribo Liquorice Pontefract Cakes.
Author: hddod.
Creative Commons 2.0
Ein Pub in Pontefract.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Der Liquorice Way in Pontefract.
Photo © Betty Longbottom (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. August 2021 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – Spencer Austin: Chasing the Eighties – The Ultimate North American Movie Location Roadtrip

Foto meines Exemplares.

In meinen Buchtipps habe ich schon mehrere Bücher empfohlen, die von jungen Engländern und Engländerinnen geschrieben worden sind, in denen sie von ihren USA-Reisen berichten, die unter einem besonderen Aspekt stattgefunden haben (und die Ideen dazu manchmal nach einigen Pints im Pub entstanden sind). Ich denke da an Anna McNuffs „Fifty Shades of the USA„, George Mahoods „Not Tonight Josephine“ und an George Millers „This Is The Way to Amarillo“.

Im selben Verlag wie George Millers Buch ist auch Spencer Austins: Chasing the Eighties – The Ultimate North American Movie Location Roadtrip“ erschienen (Know the Score Books in Studley, Warwickshire). Spencer Austin, Film- und TV-Produzent, macht sich zusammen mit seinen Freunden Tom Thostrup und Luke Dolan auf eine mehrere tausend Kilometer lange Reise in einem Mietwagen quer durch die USA, um die Drehorte ihrer Lieblingsfilme aus den 1980er Jahren aufzusuchen. Vor Ort treffen sie sich mit einigen ehemaligen Schauspielern dieser Filme beziehungsweise mit Menschen, die sich noch an die Dreharbeiten erinnern können. Die Reise beginnt in Toronto in Kanada, führt an die Westküste, nach Texas und Florida, nach Philadelphia und New York und zurück nach Toronto.

Einige der aufgesuchten „movie locations“:
Der Lake Britton im Norden Kaliforniens, wo Teile des Films „Stand by me„, nach dem Roman von Stephen King, gedreht wurden, wie die Szenen, in denen die Kinder über die wackelige Eisenbahnbrücke laufen und ihnen ein Zug entgegenkommt.

Astoria in Oregon, Schauplatz des Kultfilms „The Goonies“ aus dem Jahr 1985. Der Film zeigt eine Gruppe von Kindern, die in der Umgebung ihres Heimatortes Abenteuer erleben. Berühmt geworden ist die Szene, in der Chunk seinen Truffle Shuffle aufführt.

In San Diego in Kalifornien besuchen Spencer, Tom und Luke The Kansas City Barbeque, Drehort einiger Szenen des Films „Top Gun“ (1986), wovon das Lokal heute noch zehrt (hier zu sehen).

Ich selbst bin ein wenig „location mad“, interessiere mich oft mehr für die Drehorte eines Films als für die Handlung, so habe ich dieses Buch mit großem Vergnügen gelesen.

Spencer Austin: Chasing the Eighties – The Ultimate North American Movie Location Roadtrip. Know the Score Books 2008. 368 S. ISBN 978-1-84818-951-5.

Published in: on 29. August 2021 at 02:00  Comments (3)  

Famous Graves – Samuel Taylor Coleridge und sein Grab in der St Michael’s Church in Highgate (London)

Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Samuel Taylor Coleridge gehört neben William Wordsworth zu den großen englischen Dichtern der Romantik. Geboren wurde er 1772 in der Kleinstadt Ottery St Mary in Devon (siehe hierzu meinen Blogeintrag). Wer sich mit englischer Literaturgeschichte beschäftigt, wird immer wieder auf seinen Namen stoßen. Sein bekanntestes Werk ist sicher die Ballade „The Rime of the Ancient Mariner“ aus dem Jahr 1798, die der deutsche Dichter Ferdinand Freiligrath 1877 unter dem Titel „Der alte Matrose“ übersetzte.

Doch das literarische Werk soll in meinem heutigen Blogeintrag nicht im Mittelpunkt stehen, sondern seine Grabstätte. Samuel Taylor Coleridge starb am 25. Juli 1834 im Londoner Stadtteil Highgate, vermutlich auch an den Folgen seines übermäßigen Genusses der Droge Opium. Er wurde in der Old Highgate Chapel neben der Highgate School beigesetzt. Am 6. Juni 1961 wurde der Dichter umgebettet und zwar in die Krypta der St Michael’s Church am Rand des Highgate Cemeteries. Zusammen mit ihm zogen auch die sterblichen Überreste seiner Frau Sarah, seiner Tochter Sara und seines Neffen und Schwiegersohnes Henry Nelson Coleridge und deren Sohn Herbert mit um. Eine Grabplatte ist in der Kirche St Michael’s zu sehen.

Allmählich geriet in Vergessenheit, wo genau man Coleridges Sarg aufgestellt hatte, bis man ihn erst im Jahr 2018 wieder entdeckte und zwar in einem ehemaligen Weinkeller hinter einer Backsteinmauer, ganz am Rand der Krypta. Beim Bau der Kirche 1831 hatte man diesen Raum mit in die Kirche integriert, was aber niemand mehr wusste. Die Krypta ist nicht zugänglich, da dort zur Zeit umfangreiche Renovierungsarbeiten stattfinden.

Übrigens wohnte Samuel Taylor Coleridge die letzten Jahre seines Lebens direkt gegenüber von St Michael’s in der Straße The Grove (Nummer 3) im Hause seines Arztes Dr Gillman, ein Haus, das heute Kate Moss gehört. Eine Plakette an der Hauswand erinnert an den Dichter; eine weitere an den Schriftsteller J.B. Priestley, der ebenfalls hier wohnte.

St Michael’s in Highgate.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
3, The Grove in Highgate.
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)
Author: Spudgun 67.
Creative Commons 4.0

Die Gin Bar im Holborn Dining Room des Londoner Rosewood Hotels

The Rosewood, London.
Author: Can Pac Swire.
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252 High Holborn, London, so lautet die Adresse eines der vielen 5*-Hotels der britischen Hauptstadt, dem Rosewood. Das palastartige Gebäude ist ein restauriertes edwardianisches Herrenhaus, in dem die Zimmerpreise jenseits der 500 Euro beginnen.

Eines der Hotelrestaurants ist der Holborn Dining Room, ein im Brasserie-Stil gehaltener Raum, in dem die britische Küche vorherrscht (Fillet of Cornish pollock, Holborn beef burger). Auf der recht kleinen und überschaubaren Karte steht als Vorspeise auch Gin cured salmon, ein selten anzutreffendes Gericht. Und da kommen wir schon zum Thema „Gin„. In der Gin Bar des Holborn Dining Rooms findet der Gast die größte Auswahl dieses Getränks in ganz London. 500 verschiedene Gins warten darauf, probiert zu werden, und wer ihn am liebsten mit Tonic Water trinkt, hat die Wahl zwischen dreißig Sorten. G+T-Freunde kommen so auf rund 15 000 unterschiedliche Variationen. Angeboten werden die bekannten, großen Namen wie Bombay Sapphire oder Tanqueray, aber auch die kleineren Ginhersteller sind mit ihren Produkten vertreten. Es gibt einen speziellen Gin, der extra für das Restaurant, beziehungsweise die Bar, hergestellt wird, den Holborn Dining Room Gin, in Zusammenarbeit mit der Firma Tarquin’s in Cornwall. Die Besonderheit dieses Gins ist, dass dem Getränk Meerfenchel (samphire) zugefügt wird, der von Mitarbeitern der Bar an der Küste von Cornwall geerntet worden ist.

Wer also am 1. Januar eines Jahres beginnt, täglich einen anderen Gin in der Bar zu probieren, der dürfte im April/Mai des folgenden Jahres damit fertig sein.

Wer sich für das Thema Gin interessiert: Ich habe in meinem Blog mehrmals darüber geschrieben. Siehe dazu meine Gin-Trilogie Teil 1, Teil 2, Teil 3 und mein Blogeintrag über Gin im London des 18. Jahrhunderts.

Published in: on 27. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Wensleydale Cheese – Der Käse aus den Yorkshire Dales

Photo © John Firth (cc-by-sa/2.0)

Die kleine Stadt Hawes im Wensleydale ist die Heimat des englischen Hartkäses, der aus Kuhmilch hergestellt wird. Das Rezept für den Wensleydale Cheese soll bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen, als französische Zisterziensermönche sich in dem Tal in Yorkshire niederließen, die aus der Region von Roquefort kamen und sich mit der Käseherstellung auskannten.

Es gibt fünf verschiedene Sorten:
Real Yorkshire Wensleydale
Mature Wensleydale
Extra Mature Wensleydale
Blue Wensleydale
Oak Smoked Wensleydale

44% des Wensleydale-Käses wird noch direkt in Hawes hergestellt und zwar von der Firma Wensleydale Creamery. Alle anderen Käse, die sich so nennen, kommen nicht aus Yorkshire. Hier ein kurzer Werbespot der Firma.

In den 90er Jahren gab es Absatzprobleme und es bestand die Gefahr, dass die Käseproduktion komplett eingestellt werden könnte und da kam ein gewisser Wallace zu Hilfe, der den Wensleydale-Käse rettete und ihm sogar einen Absatzboom bescherte. Wallace & Gromit sind die Hauptfiguren in mehreren britischen Animationsfilmen von Nick Park und seiner Firma Aardman Animations. Wallace hat eine ausgeprägte Vorliebe für Cracker und Käse, insbesondere für Wensleydale-Käse.
Als die Käsemacher von Wallaces Vorliebe erfuhren, kontaktierten sie die Filmemacher und baten um die Genehmigung, eine besondere Sorte Käse herzustellen, den „Wallace and Gromit Wensleydale„, der zu einem großen Verkaufserfolg wurde. Nachdem der W&G-Film  „Curse of the Were-Rabbitin die Kinos kam, stieg der Absatz des Käses sogar um 23%.

Wer ins Wensleydale kommt, kann sich im Besucherzentrum der Firma Wensleydale Creamery in Hawes über die Herstellung des Käses informieren wie dieser Film zeigt.

Hier an der Käsetheke kann man die Käsesorten probieren.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. August 2021 at 02:00  Comments (3)  

Die Murmelbahnen im House of Marbles in Bovey Tracey (Devon)

Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Sollte das Wetter bei einem Besuch des Dartmoors mal wieder zu unwirtlich sein, und man einfach keine Lust haben, durch die nebelverhangenen Moore zu fahren, dann bietet sich als Alternative ein Abstecher ins House of Marbles in Bovey Tracey (Devon) an, einer Kleinstadt am Ostrand des Dartmoors. An der Pottery Road liegen große Backsteingebäude, in denen alle möglichen Spielwaren („From the ridiculous to the sublime“) und Geschenke produziert und angeboten werden. Puzzles und Spiele, Kerzen und Seifen, Porzellan und Beautyprodukte, hier geht wohl kein Besucher mit leeren Händen hinaus.

Eine Besonderheit möchte ich aber herausheben: Die Glasmurmeln. Neben dem Spielemuseum und dem Keramikmuseum gibt es hier auch ein Glas- und Murmelmuseum. Teign Valley Glass produziert in den Gebäuden edle Glaswaren und eben auch Murmeln in den unterschiedlichsten Formen. Im Laden kann man dafür Murmelbahnen („marble runs“) kaufen und die größten Murmelbahnen, die es überhaupt weltweit gibt, kann man im House of Marbles bestaunen. Vier Exemplare gibt es davon, die Alex Schmid entworfen hat. Die größte Bahn heißt Snooki 2000, und sie ist faszinierend anzuschauen. Hier ist sie im Film zu sehen und hier ist ein Rundgang durch das House of Marbles.

Diese Besucherattraktion ist täglich geöffnet, montags bis samstags von 9 Uhr bis 17 Uhr, sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr.

Noch eine Ergänzung für Besucher des Dartmoors: Das Dartmoor Magazine informiert über diese einzigartige Landschaft und gibt Tipps in Hülle und Fülle. Siehe hierzu meinen Blogeintrag.

The House of Marbles
The Old Pottery
Pottery Road
Bovey Tracy
Devon
TQ19 3DS

Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Author: ant.photos.
Creative Commons 2.0
Published in: on 25. August 2021 at 02:00  Comments (3)  

Ede & Ravenscroft – Londons ältester Schneider und Spezialist für Perücken

Das Hauptgeschäft in der Chancery Lane.
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

93 Chancery Lane lautet die Adresse der edlen Schneiderei Ede & Ravenscroft in London, die 1689 gegründet wurde und sich auf die Anfertigung juristischer, akademischer und klerikaler Kleidung spezialisiert hat. Richter und Anwälte kaufen hier ihre Roben und Perücken, denn auch diese werden von der Firma hergestellt. Drei bis vier Wochen dauert es, bis eine solche Perücke, die meist aus Pferdehaar besteht, in Handarbeit fertiggestellt ist. Etwa 1000 Anwaltsperücken und 120 Perücken für Richter verkauft die Firma pro Jahr.

Worauf Ede & Ravenscroft besonders stolz sind, ist die Tatsache, dass sie zwei Royal Warrants besitzen, dass heißt, sie sind königliche „robemaker“ für Königin Elizabeth II und für Prinz Charles. Die königliche Kleidung für besondere Anlässe wird also hier hergestellt, so z.B. die Roben für die Krönungsfeierlichkeiten 1952, aber auch schon vorher wie 1937 für König Georg VI oder 1902 für König Edward VII.

Man muss aber weder zur königlichen Familie gehören noch einen juristischen Beruf haben, um bei Ede & Ravenscroft einkaufen zu können; die Firma bietet auch „normale“ Kleidung für die Dame und den Herren an, selbstverständlich auch maßgeschneidert.

Neben dem Hauptgeschäft in der Chancery Lane unterhält die Firma noch einen Laden in der Savile Row, sowie Filialen in Oxford, Cambridge und Edinburgh.

Hier ist ein Film über einen Besuch in der Filiale in der Savile Row.

Ede & Ravenscroft Ltd
93 Chancery Lane
London
WC2A 1DU

Published in: on 24. August 2021 at 02:47  Kommentar verfassen  

Winsford (Somerset) im Exmoor und The Royal Oak

The Royal Oak in seiner ganzen Schönheit.
Photo © Jeff Gogarty (cc-by-sa/2.0)

Winsford in der Grafschaft Somerset, mitten im Exmoor gelegen, ist ein Bilderbuchdorf, das ich mir unbedingt einmal ansehen wollte. Es ist leicht von der A396 aus zu erreichen, hat nur wenige hundert Einwohner und ist in der Hauptreisezeit manchmal ganz schön überlaufen (ein kleines Touristenbüro ist vorhanden). Der berühmteste Sohn von Winsford ist Ernest Bevin (1881 – 1951), der hier geboren wurde. Bevin war ein Politiker der Labour-Partei, Gewerkschaftsführer, Außenminister und Arbeitsminister und Parlamentsmitglied für zwei Londoner Wahlkreise. Ernest Bevin verbrachte seine Kindheit in Winsford, sein Geburtshaus steht noch immer an der Edbrooke Road; eine Gedenktafel ist an der Hauswand angebracht.

Das Herz des Dorfes ist der Pub The Royal Oak, ein wunderschönes reetgedecktes Haus am Halse Lane, der kleine Bach Winn Brook schlängelt sich an ihm vorbei. Der Gasthof ist schon sehr alt, ursprünglich war er ein Bauernhof, und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer mal wieder umgebaut und erweitert.

Mark und Sally Bradley sind die Gastgeber des Pubs, in dem man auch wohnen kann. Zwölf Doppelzimmer stehen zur Verfügung (£130 pro Nacht inklusive Frühstück), und die Bradleys sind stolz darauf, ausschließlich Superior Rooms anzubieten und keine Standardzimmer. Die Automobile Association (AA) hat das Haus mit vier Sternen versehen.

The Royal Oak bietet sich als Standort an, um von hier aus die nähere Umgebung zu erkunden. Winsford ist nicht weit entfernt von der Küste, wo sich Porlock Weir für einen Besuch empfiehlt. Der hübsche Ort Dunster mit seiner Burg lohnt sich immer, und die Tarr Steps sind nur fünf Kilometer entfernt, eine Steinplattenbrücke über den River Barle.

Das Dorfzentrum.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)
Der Winn Brook.
Photo © Jeff Gogarty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. August 2021 at 02:00  Comments (2)  

Die Spaghetti Junction in Birmingham

Author: Highways Agency.
Creative Commons 2.0

Am 24. Mai 1972, also vor fast 50 Jahren, wurde der Gravelly Hill Interchange in Birmingham eröffnet. Dieser Autobahnverteiler mit riesigen Ausmaßen erinnert mich an den Four Level Interchange in Los Angeles, den ich einige Male befahren habe.
Aus dem Gravelly Hill Interchange wurde bald Spaghetti Junction, ein passender Begriff für dieses Straßenknäuel. Hier treffen mehrere Autobahnen und A-Straßen zusammen: Die M6, der Aston Expressway (A38M), die A38 und die A5127. Einige andere Straßen tummeln sich hier auch noch, dazu kommen zwei Eisenbahnlinien und drei Kanäle, die sich an an der sogenannten Salford Junction ein Stelldichein geben. In diesem Bereich von Birmingham ist also ganz schön was los.

Nach der Eröffnung der Spaghetti Junction befuhren ca 40 000 Fahrzeuge pro Tag diesen Verteiler; heute hat sich diese Zahl vervielfacht. Die Bauzeit dieses etwa 25 m hohen, auf über 550 Betonsäulen ruhenden Straßenmonsters betrug vier Jahre.

Reparaturarbeiten sind hier immer wieder fällig, was zum einen auf die hohe Belastung durch den Verkehr zurückzuführen ist, zum anderen durch die Tonnen von Salz und Streumaterial, die im Winter auf die Straßen gekippt werden.

Die Baukosten betrugen damals £10.8 Millionen und um den Verteiler zu bauen, mussten 160 Häuser, eine Fabrik, ein Pub und ein Bankgebäude abgerissen werden. Kurz vor der Eröffnung lagen den Zeitungen herausnehmbare Straßenpläne bei, denn man befürchtete, dass sich einige Autofahrer bei diesen vielen Auf- und Abfahrten verirren könnten. Trotzdem war die Neugier an dem Gravelly Hill Interchange damals so groß, dass sich die Autos schon Stunden vor der Eröffnungsfeier an den Zufahrten stauten. Jeder wollte einmal ausprobieren, ob er die Spaghetti Junction bewältigen konnte, ohne sich zu verfahren.

Hier ist ein Film über die Spaghetti Junction, aus der Luft gesehen.

Author: ell brown.
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Published in: on 22. August 2021 at 02:02  Comments (9)  
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Poundland – Eine Kette von Billigwarenläden in englischen High Streets

In Stroud (Gloucestershire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Wie „Heinrich“ in seinem Kommentar zu meinem Blogpost über Chipping Sodbury vor einigen Tagen schon schrieb, wird das Bild englischer Highstreets nicht nur von Charity Shops, sondern auch in zunehmendem Maße von anderen Billigwarenläden geprägt wie Poundstretcher oder Poundland.

Poundland wurde 1990 von Dave Dodd und Steven Smith und dessen Vater Keith gegründet. Die Idee: Jeder Artikel in ihren Geschäften sollte £1 kosten. Ihren ersten Shop eröffneten sie in Burton upon Trent in Staffordshire. Offensichtlich trafen sie mit dieser Idee genau in das Herz der überwiegend weiblichen Shopper, denn der Laden florierte, weitere wurden gegründet und heute gibt es über 900 Poundlands, die einen Umsatz von weit über einer £1 Milliarde erwirtschaften.

Mittlerweile bietet Poundland rund 3500 verschiedene Produkte an, von denen allerdings nicht alle £1 kosten. Im Jahr 2016 kam Poundland in die Hände des Konzerns Steinhoff International. Die Billigladenkette ist jetzt der Marktführer in dieser Kategorie, nachdem der Konkurrent Poundworld vor drei Jahre aufgab.

Mitgründer Keith Smith hatte sich 1997 nach Shropshire zurückgezogen, wo er sich die 400 Jahre alte Ludstone Hall bei Claverley zulegte, ein sehr schönes Gebäude, das auf drei Seiten von einem Wassergraben umgeben ist. Keith Smith hat im Jahr 2008 auf Ludstone Hall das Coach House Museum eröffnet, in dem Erinnerungsstücke aus der Geschichte der Hall gezeigt werden. Neben dieser Sammlung hat er auch noch das Poundland Museum eingerichtet, in dem man sich über den Aufstieg des Wirtschaftsunternehmens informieren kann. Dieses Museum ist allerdings in der Regel nur am Gardens Open Day für die Allgemeinheit geöffnet, der im Juli jeden Jahres stattfindet.

Hier ist ein Film, in dem Keith Smith über sein Leben spricht und in dem Ludstone Hall und das Museum zu sehen sind.

Ludstone Hall bei Claverley in Shropshire.
Photo © John M (cc-by-sa/2.0)
Im Poundland Museum.
Author: Mariegriffiths.
Creative Commons 4.0
Published in: on 21. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Jack the Stripper – Ein Londoner Serienmörder, der nie gefasst werden konnte

Hier, in der Nähe der Hammersmith Bridge, begann die Mordserie.
Author: Meg Moggington.
Creative Commons 2.0

1888 trieb Jack the Ripper sein Unwesen im Londoner Osten. Fünf Morde gingen auf sein Konto, dann hörte man nie wieder etwas von ihm und er konnte nicht gefasst werden.

Eine ähnliche Mordserie ereignete sich 1964/65, wieder in London. Mindestens sechs Prostituierte (Hannah Tailford, Irene Lockwood, Helen Barthelemy, Mary Flemming, Frances Brown, Bridget O’Hara) fielen einem Serienmörder zum Opfer, dem man den Namen Jack the Stripper gab, da er alle Frauen nach der Ermordung unbekleidet zurückließ. Diese sogenannten „Hammersmith Murders“ fielen in den Zuständigkeitsbereich von Scotland Yards Chief Superintendent John Du Rose, der mit sehr großem Aufwand versuchte, den Täter zur Strecke zu bringen. Über 7000 Interviews mit Verdächtigen wurden geführt, man hatte auch einige heiße Spuren, aber man konnte den Frauenmörder einfach nicht fassen. Die Morde hörten auf. Wieder ein Fall, der in den Annalen der Londoner Polizei als ungelöst geführt wird. Hier ist eine Filmdokumentation über Jack the Stripper.

Wie auch im Fall von Jack the Ripper gab es bei seinem Fast-Namensvetter viele Spekulationen, die sich auch in der Literatur niederschlugen. Das Buch „Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square“ aus dem Jahr 1969 von Arthur La Bern basiert auf den Mordfällen; Alfred Hitchcock verfilmte das Buch 1972 unter dem Titel „Frenzy„. Auch die Londoner Journalistin Cathi Unsworth nahm sich in ihrem Krimi „Bad Penny Blues“ den ungelösten Jack the Stripper-Morden an.
Chief Superintendent John Du Rose, den es sicher sehr geärgert hat, dass er den Fall nicht lösen konnte (er wurde „Four Day Johnny“ genannt, weil er seine Fälle so schnell löste), schrieb über die Hammersmith-Morde in seinen Memoiren „Murder Was My Business„, die 1973 erschienen. Auch „Found Naked and Dead“ (1974) von Brian McConnell versucht, etwas Licht in die mysteriösen Prostituiertenmorde zu bringen.

Das Buch zum Artikel:
Neil Milkins: Who Was Jack the Stripper? – The Hammersmith Nudes‘ Murders. Rose Heyworth Press 2011. 152 Seiten. ISBN 978-0956851208.

Published in: on 20. August 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Exploring Britain’s Historic Houses

Foto meines Exemplares
(Das Umschlagbild zeigt die Hardwick Hall in Derbyshire)

Die britische Automobile Association (AA) bringt oft sehr ansprechende Bücher auf den Markt, so auch das bereits 2011 erschienene „Exploring Britain’s Historic Houses: Discovering Britain’s most beautiful and fascinating buildings„. Ich habe mein Exemplar in einem National Trust Shop gekauft, in denen es immer wunderschöne Bücher gibt.

Das heute vorgestellte Buch umfasst alle bekannten und auch weniger bekannte Stately Homes, Manor Houses, Burgen und Schlösser, von denen es im Königreich nicht wenige gibt. „…but this is not just a story of bricks and mortar…for colourful characters and important historical figures also populate the pages of the book“, so steht es im Vorowort zu lesen.

In erster Linie erfreut man sich an den wunderschönen Fotografien der Häuser…und ist ein wenig traurig, dass man nicht an Ort und Stelle sein kann. Es ist ein Buch für Armchair Traveller, es eignet sich aber auch gut zur Vorbereitung einer Reise nach Großbritannien; Anregungen dafür bekommt man in Hülle und Fülle.

Den Anfang machen die Häuser im Südwesten: Athelhampton, Berkeley Castle, Dyrham Park und so weiter, den Abschluss bilden ihre schottischen Pendants wie der Scone Palace, das Inverary Castle und das Glamis Castle.

Ich kann bei der Lektüre des Buches einige Stunden Glückseligkeit und Entrücktheit garantieren!

Exploring Britain’s Historic Houses: Discovering Britain’s most beautiful and fascinating buildings. AA Publishing 2011. 224 Seiten. ISBN 978-0-7495-6803-0.

Chipping Sodbury in South Gloucestershire

Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Weg zum Thornbury Castle Hotel in South Gloucestershire bin ich viele Male durch Chipping Sodbury und den direkt angrenzenden Nachbarort Yate gefahren. Auf den erstgenannten Ort habe ich mich immer gefreut, denn er bietet, wenn man von den Cotswolds hinunterfährt, einen besonders schönen Anblick. An der breiten Hauptstraße, der B4060, ziehen sich hübsche Häuser entlang. Neben der Town Hall steht das im gleichen Stil erbaute George Hotel aus dem 15. Jahrhundert, wo man in der 1439 Lounge einen Drink zu sich nehmen kann. Im Jahr 1439 wurde The George erstmals als Gasthaus erwähnt.

An der Broad Street warten mehrere attraktive Pubs auf Gäste wie The Squire und gegenüber die Beaufort Hunt. An der anschließenden High Street finden wir die Hobbs House Bakery der aus dem Fernsehen bekannten Fabulous Baker Brothers, über die ich in meinem Blog schon einmal berichtete. Schräg gegenüber ist das Tourist Information Centre im Clock Tower untergebracht, einem sehenswerten Gebäude.

Aber auch in Chipping Sodbury haben sich die in englischen High Streets unvermeidlichen Charity Shops ausgebreitet, einer im Prinzip nützlichen Sache, aber wenn diese sich krakenartig ausbreiten, schadet das der Atmosphäre einer Kleinstadt.

Chipping Sodbury gilt als Geburtsort der Harry Potter-Schöpferin J.K. Rowling, oft wird aber auch Yate angegeben. Zur Welt kam sie im am 31. Juli 1965 im Chipping Sodbury Cottage Hospital, das heute kein Krankenhaus mehr ist, aber zu Yate gehört. Yate ist nicht so sehenswert wie Chipping Sodbury, geprägt wird es von Häusern, die zum großen Teil in den 1960er Jahren entstanden sind.

Neben Chipping Sodbury gibt es noch die Schwestergemeinden Old Sodbury und Little Sodbury. Wer sich einmal in dieser Region von South Gloucestershire aufhält, dem kann ich einen Besuch hier sehr empfehlen.

Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)
Die Hobbs House Bakery auf der linken Seite.
Photo © Wayland Smith (cc-by-sa/2.0)
The Clock Tower mit dem Tourist Information Centre.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)
Das ehemalige Chipping Sodbury Cottage Hospital.
Photo © Ray Bird (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 18. August 2021 at 02:00  Comments (6)  

Screen Bites – Ein Food Film Festival in Dorset

Im Jahr 2004 kam eine Gruppe von Menschen in Dorset zusammen, die sich sowohl für Filme als auch für gesunde Ernährung und regionale Produkte interessierten. Warum sollte man beides nicht einfach verbinden, fragte man sich und es entstand ein Food Film Festival namens Screen Bites. Die Veranstaltungsorte in Dorset variieren, mal sind es National Trust-Häuser, mal Dorfgemeinschaftshäuser oder, in diesem Jahr, Hawkers Farm bei Stour Provost.

Die gezeigten internationalen Filme haben oft mit dem Thema „Ernährung“ und „Umweltbewusstsein“ zu tun; in diesem Jahr:
This Good Earth“ aus dem Jahr 2021, gedreht in West Dorset. Der 90-minütige Dokumentarfilm setzt sich mit dem Klimawandel, der Bodenzerstörung und Billignahrungsmitteln auseinander.

Der Film „E-Life“ zeigt die verheerenden Auswirkungen des Exports von Elektronikschrott in afrikanische Länder, der die Gesundheit der Menschen gefährdet und die Umwelt zerstört. Hier ist der Trailer zum Film.

Der Film „The Next Black“ beschäftigt sich mit der Zukunft der Bekleidungsindustrie wie dieser Ausschnitt zeigt.

Ein wesentlicher Bestandteil des Festivals sind die regionalen Nahrungsproduzenten, die ihre Produkte anbieten. Da sind beispielsweise Biere aus der Cerne Abbas Brewery im Angebot und Weine von den Breezy Ridge Vineyards in West Melbury. Man kann den Dorset Blue Vinney-Käse probieren, geräucherten Fisch von der Chesil Smokery in West Dorset oder Eis von der Firma Purbeck Ice Cream.

Published in: on 17. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Beam Heath Trust oder Wie man reich wird in Nantwich (Cheshire)

Die Middlewich Road im Norden von Nantwich, links und rechts der Straße liegt die Beam Heath.
Photo © Espresso Addict (cc-by-sa/2.0)

Die kleine Stadt Nantwich in der Grafschaft Cheshire liegt nahe der Grenze zu Wales und verfügt über eine hübsche High Street mit sehenswerten Fachwerkhäusern. Hier gibt es eine Tradition, die in das Jahr 1823 zurückreicht und auf dem sogenannten Beam Heath Act basiert, einem Gesetz, das in diesem Jahr das britische Parlament erlassen hat.

Beam Heath war eine Fläche vor den Toren Nantwichs, auf dem seit Menschengedenken Kühe grasen durften. Das änderte sich durch das Gesetz, das vorsah, das Areal für eine andere landwirtschaftliche Nutzung zu verwenden, zum Verdruss der Kuhbesitzer. Damit diese aber entschädigt werden konnten, wurde der Beam Heath Trust gegründet, der darauf achten sollte, dass ein Teil der Einnahmen, die hier erzielt wurden, auf die Geschädigten verteilt werden. Dieser Trust existiert noch heute, und auch heute kommt ein Teil der Bewohner in den Genuss dieser Ausschüttung.

Die Trust-Einnahmen wuchsen in den letzten Jahren, weil sich auf dem Areal beispielsweise ein Supermarkt der Sainsbury-Kette niedergelassen hat, sowie der Barony Employment Park, ein Gewerbegebiet mit Büroflächen. All das, zusammen mit weiterhin landwirtschaftlich genutzten Flächen, spült Geld in die Kassen des Beam Heath Trusts, der dies zu gleichen Teilen auf die etwa 2000 anspruchberechtigten Bürger von Nantwich verteilt.

Die Auszahlung erfolgt nicht etwa per Banküberweisung, jeder erhält einen Scheck, der persönlich an der Haustür übergeben wird. Ende der 1990er Jahre betrug die Dividende £4, nach der Ansiedlung von Sainsbury und anderen Gewerbetreibenden kletterte sie auf über £30.

Sainsbury’s Superstore in Nantwich spült Geld in die Kasse des Beam Heath Trusts.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Whipsnade White Lion in Bedfordshire – Englands größte Hügelfigur

Author: DG Jones.
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Wenn man aus dem Eurotunnel bei Folkestone fährt, wird man gleich von einem Weißen Pferd begrüßt, das oberhalb der Verladestationen auf einem Hügel „sitzt“. Von diesen Hügelfiguren gibt es einige im Land, meist sind es Pferde, mal auch ein Mensch, wie der Cerne Abbas Giant in Dorset, es gibt aber auch einen Weißen Löwen, den Whipsnade White Lion im Süden Bedfordshires. Dieser ist mit 147 m Länge die größte dieser Figuren.

Viele sind unbestimmten Alters, manche sollen uralt sein, der Löwe von Whipsnade dagegen ist ein noch junges Tier. 1933 kam er nach 18 Monaten Bauarbeiten zur Welt; sein Daseinszweck war beziehungsweise ist, auf den Tierpark von Whipsnade hinzuweisen, der eigentlich genau ZSL Whipsnade Zoo heißt, wobei das ZSL für Zoological Society of London steht. In den Jahren 2017/18 wurde der Löwe restauriert, denn das englische Wetter hatte ihm ziemlich zugesetzt. Seitdem erstrahlt das Tier wieder in vollem Glanz.

Da der Löwe auf einem relativ flachen Hügel wohnt, ist er nicht von überall aus gut zu sehen, am besten geht das von der A4146 aus.
Während des 2. Weltkriegs wurde der White Lion verdeckt, damit er den einfliegenden Bombern nicht zur Orientierung dienen konnte. Zu bestimmten Anlässen wird er sogar illuminiert, was dann sicher vom Flugzeug aus besonders gut aussieht.

In diesem Film ist ein Artgenosse im Whipsnade Zoo zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Kate Bergamar: Hill Figures – White Horses and Other Figures of the Hills, Their History, Location and Care. Shire Publications 2008. 104 Seiten. ISBN 978-0747803454.

Author: Today is a good day.
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Author: Today is a good day.
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Published in: on 15. August 2021 at 02:00  Comments (2)  

HM Prison Portland – Ein Gefängnis auf Dorsets Isle of Portland

Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Als meine Frau und ich einmal in einem gemieteten Cottage bei Pimperne, in der Nähe von Blandford Forum in Dorset, wohnten, hörten wir in den Lokalnachrichten, dass jemand aus einem Gefängnis auf der Isle of Portland ausgebrochen war und von der Polizei gesucht wurde. Da unser Cottage ganz einsam gelegen war, wäre das eine ideale Zuflucht für einen Sträfling gewesen, und so lauschten wir nachts unwillkürlich auf ungewöhnliche Geräusche von draußen. Aber der Mann hatte sich wohl in eine andere Richtung orientiert.

Auf der Isle of Portland gibt es zwei Gefängnisse. Die nur durch eine Brücke vom Festland getrennte Insel bietet sich für Gefängnisse geradezu an, denn sie ist bei Ausbrüchen von Gefangenen leicht abzuriegeln.

Neben dem HM Prison The Verne, in dem überwiegend Sexualverbrecher untergebracht sind, existiert dann noch, neben dem Dorf The Grove, das HM Prison Portland, das es schon seit 1848 gibt und das ursprünglich als Gefängnis für Erwachsene eingerichtet worden war. Sehr viel später,1988, wurde es zu einer Young Offenders Institution, einer Haftanstalt für junge Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren. Im Jahr 2011 kam dann wieder ein Adult Establishment dazu. Um und bei 500 Häftlinge sind in dem Gefängnis untergebracht.

Gegenüber vom Haupteingang von Her Majesty’s Prison Portland haben ehemalige Gefängniswärter ein Museum eingerichtet, das Grove Prison Museum, in dem über die Geschichte der Haftanstalt informiert wird. Die Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montag von 10 Uhr bis 14 Uhr; der Eintritt ist frei.

Im zweiten Gefängnis auf der Insel, HM Prison The Verne, gibt es übrigens das Jailhouse Café, das öffentlich zugänglich ist, und in dem Häftlinge aus HM Prison Portland arbeiten.

Hier ist eine Dokumentation über das Gefängnis.

Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

GAGB – Geocaching Association of Great Britain

Ein GPS-Empfänger.
Author: Johan Larsson.
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Für das relativ neue Freizeitvergnügen namens Geocaching benötigt man nur einen GPS-Empfänger und schon kann es los gehen. Was man früher als Schnitzeljagd bezeichnete, hat sich auf eine andere technisierte Ebene entwickelt. Die geografischen Koordinaten der zu suchenden Verstecke findet man im Internet. „Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie häufig auch verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden. Der Besucher kann sich in ein Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren„, so die Wikipedia.

Auch in Großbritannien erfreut sich das Geocaching immer größerer Beliebtheit und so gibt es seit 2003 die Geocaching Association of Great Britain (GAGB), die sich um die Belange ihrer Mitglieder kümmert. Wichtig ist ihr der Kontakt zu den Grundbesitzern auf deren Boden der Geocache versteckt wird, denn das sollte nur mit deren ausdrücklicher Genehmigung geschehen.

Die GAGB gibt ein Magazin heraus, das den Titel „Seeker“ trägt und viermal jährlich erscheint. In der aktuellen Ausgabe finden sich beispielsweise Artikel über das Thema „Geoart“ („a series of caches where the shape of the series forms an image“), die weltweit erste „Art Geo Tour“ an den Küsten von Essex, Kent und Sussex und über Geocaching in Sri Lanka.

Die GAGB informiert auf ihren Webseiten über Mega Events, die in Großbritannien stattfinden wie in diesem Jahr Piratemania in Lincolnshire und London Calling 2021.

Für den Außenstehenden dürfte vieles von dem, was in der Geocacher-Szene so abläuft, schwer verständlich sein. Die Geocacher haben auch einen eigenen Jargon entwickelt, den die Muggels (Nicht-Geocacher) wohl kaum verstehen können. Dieser deutschsprachige Film erklärt das wichtigste über dieses Freizeitvergnügen.

Ein Geocache.
Author: cachemania.
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Published in: on 13. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mo Hayder – Eine englische Krimiautorin wird heute zu Grabe getragen

Clare Dunkel, besser bekannt als Mo Hayder, war eine sehr erfolgreiche Autorin von Kriminalromanen, die leider schon sehr früh im Alter von 59 Jahren am 27. Juli diesen Jahres verstarb. Sie hatte internationale Bestseller, auch in Deutschland wurden alle ihre zehn Romane übersetzt.

Birdman“ (dt. „Der Vogelmann“) war Mo Hayders Debutroman, in dem Detective Inspector Jack Caffery im Mittelpunkt stand, was auch in weiteren sechs Thrillern der Fall sein sollte. In ihren Büchern ging es stets sehr brutal und grausam zu, manchmal bis an die Grenzen des Erträglichen (oder darüber hinaus). Wenn man die attraktive, blonde Lady sah, mochte man ihr das eigentlich gar nicht zutrauen.

Mo Hayders Roman zweiter Roman „The Treatment“ (dt. „Die Behandlung“) aus dem Jahr 2001, in dem es um das Thema Pädophilie geht, wurde drei Jahre später verfilmt und enthielt einige sehr verstörende Szenen. Hier ist der Trailer.

Für ihren Roman „Gone“ (dt. „Verderbnis“), der 2010 erschien, erhielt Mo Hayder den Edgar Award der Mystery Writers of America.

Der Lebensmittelpunkt der Schriftstellerin lag viele Jahre in der Stadt Bath und Umgebung. Sie studierte an der Bath Spa University und wohnte die letzten Jahre ihres Lebens außerhalb der Stadt mit ihrem Mann Bob Randal, den sie erst in diesem Jahr geheiratet hatte, und ihrer Tochter.

Sie starb am 27. Juli an der Motoneuron-Krankheit, die man bei ihr erst im letzten Jahr festgestellt hatte. Heute, am 12. August um 12 Uhr findet in der Oak Chapel des Cheltenham Crematoriums in Prestbury (Gloucestershire) eine Trauerfeier statt, anschließend treffen sich die Gäste im Rising Sun Hotel, Cleeve Hill bei Cheltenham, um ihrer zu gedenken.

The Rising Sun, Cleeve Hill bei Cheltenham.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 12. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Dorset Knob Throwing in Cattistock – Der Keksweitwurf

Author: Leo Reynolds.
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Ich habe Dorset Knobs noch nicht selbst probiert, bin auch kein Freund von harten Keksen, die zum Werfen vielleicht besser geeignet sind als zum essen. Die Knobs werden heute nur noch von der Firma Moores Biscuits in Bridport (Dorset) produziert, einer Firma die seit 140 Jahren im Keksgewerbe tätig ist. Das Wort „knob“ hat im Englischen viele Bedeutungen, in diesem Fall wird es wohl eher mit „Knopf“ zu übersetzen sein (es gab hier einmal eine Knopfindustrie), als mit Penis, einer weiteren Möglichkeit.

Kommen wir auf das Dorset Knob Throwing zu sprechen (hier sieht man, dass die erste genannte Übersetzung wohl doch die richtige ist), einem Wettbewerb, der zusammen mit dem Frome Valley Food Fest ausgetragen wird. Beide Veranstaltungen finden in Cattistock statt, das nordwestlich von Dorchester im Tal des Flusses Frome liegt; in der Regel am ersten Sonntag im Monat Mai, nur in diesem Jahr nicht, weil… richtig, Corona dem Treiben einen Riegel vorgeschoben hat. Nun hofft man, dass das Dorset Knob Throwing am 1. Mai 2022 wieder stattfinden kann.

Die Regeln für den Keksweitwurf sind einfach: Jeder hat drei Versuche, der weiteste zählt. Das kann man sich relativ gut merken. Teilnehmen kann jeder, egal welchen Alters. Seit dem Jahr 2008 wird der Wettbewerb ausgetragen, und die Veranstalter sind recht bescheiden, denn sie sprechen nicht von den World Championships of Dorset Knob Throwing.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und die Dorset Knobs probieren möchte, der kann sie sich von der Firma Moores Biscuits zuschicken lassen. Eine Tüte voll kostet £3.25; wenn sie nicht schmecken, kann man sie in hohem Bogen wegwerfen, die Entfernung messen und diese dann mit dem bestehenden Rekord vergleichen, der bei 29.4 Metern liegt.
Hier ist ein kurzer Film über das DKT.

Und so sehen die Dorset Knobs aus.
Author: wiredcanvas.
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Published in: on 11. August 2021 at 02:00  Comments (1)  

London TravelWatch – Im Einsatz für die Kunden des Londoner Nahverkehrs

Author: wirewiper.
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Jeden Tag sind unzählige Menschen in London im öffentlichen Nahverkehr unterwegs; in Bussen und U-Bahnen fahren sie zur Arbeit oder zum Einkaufen. Dass das nicht immer reibungslos passiert, liegt auf der Hand, und so kommt es immer wieder zu Beschwerden und Beanstandungen, beispielsweise zur Pünktlichkeit der eingesetzten Fahrzeuge. Eine Anlaufstelle für alle Unzufriedenen ist die Verbraucherorganisation London TravelWatch, die eingehende Beschwerden nachverfolgt und versucht, diese zusammen mit Transport for London (TfL) zu klären.

Seit Juli 2000 gibt es die Überwachungsorganisation schon, deren Ziel es ist, den öffentlichen Nahverkehr in London und Umgebung ständig zu verbessern, und die unabhängig von den Betreibern ist. London TravelWatch ist auch zuständig für die London River Services, Taxis und Mietwagen. Wer Beanstandungen hat, sollte sich zuerst direkt an den Betreiber wenden; wenn dessen Antwort unbefriedigend ist oder wenn der gar nicht antwortet, kann man London TravelWatch einschalten.

Das Thema Pünktlichkeit der Züge in der U-Bahn erinnert mich an einen Fall, der sich zwischen 2004 und 2007 ereignete: Bei Transport for London gingen in dieser Zeit 1140 Beschwerden über Unpünktlichkeit auf der Jubilee Line ein, alle von derselben Person, einer Rechtsanwältin. TfL erstattete ihr über £3800 als Entschädigung. Irgendwann fiel es jemandem bei TfL auf, dass es bei der Jubilee Line ja drunter und drüber gehen müsste, bei derart vielen Beschwerden. So ging man der Angelegenheit nach, um festzustellen, ob da eine Betrügerin zu Werke war und merkte bald, dass da jemand die TfL gehörig über den Tisch gezogen hatte, denn die Beschwerden erwiesen sich alle als falsch. Eigentlich hätte man das ja schon früher feststellen müssen. Die beschuldigte Anwältin wurde des Betrugs angeklagt und erhielt eine Strafe von £8000, außerdem musste sie 200 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

Züge der Jubilee Line in Wembley Park.
Author: harry_nl.
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Published in: on 10. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Die Bradt Travel Guides

Foto von einigen meiner Bradt Travel Guides.

Hilary und George Bradt schrieben ihren ersten Reiseführer 1974, als sie Südamerika bereisten. In den 1980er Jahren engagierte Hilary Bradt dann auch andere Reiseschriftsteller, deren Bücher sie in ihrem Verlag veröffentlichte. Aber auch heute noch ist sie Autorin beziehungsweise Co-Autorin vieler Reiseführer ihres Verlages.

Die Bradt Travel Guides gibt es für zahlreiche Länder der Welt; ob Usbekistan, Laos, Sierra Leone oder Bulgarien, die Reiseführer aus dem Verlag Bradt erfreuen sich großer Beliebtheit und wurden schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Uns interessieren natürlich in erster Linie die Travel Guides über England, von denen es zur Zeit achtzehn gibt. „Slow travel“ steht im Fokus dieser Reiseführer und das heißt „ditching the tourist ticklists – deciding not to try to see ‘too much’ – and instead taking time to get properly under the skin of a special region„. Die Autorinnen und Autoren der Führer stammen in der Regel aus der Region über die sie schreiben, und so können sie aus langjähriger Erfahrung Tipps geben über auch weniger bekannte, aber trotzdem interessante Sehenswürdigkeiten und über selbst ausprobierte Restaurants und Pubs. Die Bände „Cornwall & The Isles of Scilly“ und „North Devon & Exmoor“ wurden von der British Guild of Travel Writers mit den Best Guide Book Awards ausgezeichnet.

Beheimatet ist der Verlag Bradt in der High Street Nummer 31a von Chesham in Buckinghamshire, wo sich ein überwiegend weibliches Team um die Belange der Travel Guides kümmert.

Published in: on 9. August 2021 at 02:00  Comments (1)  

Das Exmoor Dark Sky Festival 2021

In meinem Blogeintrag vom 2. Dezember 2018 beschäftigte ich mich schon einmal mit dem Thema „Dark Sky Places“ und erwähnte darin den Exmoor National Park in Somerset und Devon. Die Region erhielt im Jahr 2011 den Status International Dark Sky Reserve, weil es hier wirklich noch in weiten Teilen keine Lichtverschmutzung gibt und man nachts, wenn die Wolken nichts dagegen haben, einen wunderschönen klaren Sternenhimmel sehen kann.

In diesem Jahr wird nun vom 22. Oktober bis zum 7. November zum fünften Mal das Exmoor Dark Skies Festival veranstaltet, bei dem der klare Nachthimmel im Mittelpunkt steht. Im gesamten Nationalpark werden Veranstaltungen angeboten wie beispielsweise:

  • Nächtliche Wanderungen durch den Park, geführt von Parkrangern
  • Vorträge über astronomische Themen
  • Körperliches und seelisches Wohlbefinden unter dem Sternenhimmel
  • Nächtliche Mahlzeiten und Sternebeobachtung
  • Outdoor adventures in the dark“

Menschen, die in Städten leben, werden noch nie so eine totale Dunkelheit erlebt und die Sterne noch nie so zahlreich und klar gesehen haben.

Published in: on 8. August 2021 at 02:00  Comments (1)  

Weymouth in Dorset Teil 2 – „Fantasies and Fairytales“ in der Sandworld

Author: andreboeni.
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Und noch einmal komme ich auf die Stadt Weymouth an der Küste von Dorset zu sprechen. Nachdem ich gestern über den inzwischen wieder abgebauten Jurassic Tower geschrieben habe, möchte ich heute die Sandworld vorstellen, eine weitere Besucherattraktion. Hier sind wahre Künstler am Werke, die aus Sand und Wasser großartige Skulpturen herstellen, deren „Lebenszeit“ allerdings, wie schon die des Turmes, begrenzt sind.

Mark Anderson, World Class Sand Sculptor Master, und David Hicks sind die Gründer von Sandworld, die es jedes Jahr wieder schaffen, mit ihren Kreationen die Besucher in Staunen zu versetzen. Das Motto der diesjährigen Ausstellung lautet „Fantasies and Fairytales„, geöffnet vom 22. Mai bis zum 31. Oktober, täglich von 10.30 Uhr bis 16 Uhr, am Wochenende bis 16.30 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £7.50. Sehr schön finde ich die Formulierung, dass „well behaved and emptied dogs“ willkommen sind. Sandworld liegt auf dem Gelände des Lodmoor Country Parks.

Für die Skulpturen werden 2000 Tonnen Sand benötigt und für die Anfertigung der Kunstwerke brauchen die Künstler je nach Größe zwischen fünf Tagen und drei Wochen.
In diesem Film kann man den Sandbildhauern bei der Arbeit zusehen.

Zum Thema siehe auch diesen früheren Blogeintrag von mir.

Author: neonbubble.
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Author: neonbubble.
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Published in: on 7. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Weymouth in Dorset Teil 1 – Der Jurassic Skyline Tower

Author: Images George Rex.
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Am 22. Juni 2012 wurde in Weymouth in Dorset der 53 Meter hohe Jurassic Skyline Tower in Betrieb genommen, eine Besucherattraktion in der Küstenstadt. Der vier Jahre später eröffnete British Airways i360 Tower in Brighton ist mit einer Höhe von 162 Metern zwar wesentlich höher, aber beide Türme funktionieren nach dem gleichen System. Eine rundum verglaste Gondel schraubt sich langsam vom Boden bis zur Spitze, wodurch die „Reisenden“ einen wunderbaren 360°-Rundblick auf das Meer und das Binnenland haben.

£3.5 Millionen kostete der in Deutschland entworfene Turm in Weymouth (der Turm in Brighton kostete £46 Millionen), und er war von Anfang an als vorübergehend geplant. Sieben Jahre später wurde der Jurassic Skyline Tower geschlossen und wieder in seine Bestandteile zerlegt (hier ist ein Film darüber). Die Attraktion des Turmes hatte allmählich nachgelassen und die Besucherzahlen gingen zurück, was möglicherweise auch auf einen Zwischenfall am 5. September 2017 zurückzuführen war. An diesem Tag blieb nämlich die Gondel oben auf dem Turm auf Grund eines technischen Problems stecken. 13 Besucher und ein Mitarbeiter der Betreiberfirma waren eingeschlossen, nichts ging mehr. Ein Hubschrauber der Küstenwache wurde zu Hilfe gerufen, denn alle anderen Bergungsmöglichkeiten schieden wegen schlechten Wetters aus. Der Helikopter holte alle Eingeschlossenen per Seilwinde vom Turm, eine Erfahrung für die 14 Menschen, an die sie sich sicherlich noch lange erinnert haben. Sechs Stunden hatte es gedauert bis alle wieder in Sicherheit waren und auf festem Boden standen.

Rund 700 000 Besucher wurden im Laufe seines kurzen Lebens auf dem Jurassic Skyline Tower gezählt. Bei einem Eintrittspreis von £7.50 pro Besucher hatte er also mehr als die Entstehungskosten wieder eingespielt. Dieser Film zeigt eine Fahrt mit der Gondel auf den Turm, die etwa 20 Minuten dauerte.

Author: Images George Rex.
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Published in: on 6. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der eitle Vikar von St Swithun’s in Woodbury (Devon)

Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Der heilige Swithun von Winchester, der von 800 bis 862 gelebt hatte, gab der Gemeindekirche von Woodbury (Devon) seinen Namen, einem Dorf südöstlich von Exeter. Mitte des 19. Jahrhunderts war ein Vikar mit dem schönen Namen Loveband Parminter für die Belange seiner Schäfchen zuständig. Loveband war ein recht eitler Mann, und er liebte es, sich bei den Gottesdiensten in seiner Kirche zur Geltung zu bringen, gerade wenn junge Frauen anwesend waren (damals geschah das wohl noch, im Gegensatz zu heute). Dummerweise stand einer der bedeutendsten Gegenstände der Kirche, neben dem Taufbecken und der Kanzel, der Lettner im Wege, um den Vikar in seiner vollen Schönheit betrachten zu können. Für diejenigen, die nicht wissen, was ein Lettner (englisch: rood screen) ist, hier die Definition der Wikipedia:

„Der Lettner…ist eine steinerne oder hölzerne, mannshohe bis fast raumhohe Schranke, die vor allem in Domen, Kloster- und Stiftskirchen den Raum für das Priester- oder Mönchskollegium vom übrigen Kirchenraum, der für die Laien bestimmt war, abtrennte“.

Um das Blickfeld von der Gemeinde zu ihrem Vikar zu verbessern, beauftragte Loveband einen örtlichen Schreiner damit, den Lettner radikal zu kürzen. Der Mann verweigerte sich aber diesem Auftrag, denn er wollte nicht dafür in Rechenschaft gezogen werden, dieses alte Kirchenteil verunstaltet zu haben. Also legte Loveband selbst Hand an. Schnell sprach es sich bis zu seinem Vorgesetzten, dem Bischof von Exeter, herum, dass da jemand seiner Leute unter die Vandalen gegangen war. Der Bischof verlangte eine umgehende Entschuldigung, außerdem musste der Vikar den entstandenen Schaden, beziehungsweise die Behebung desselben, aus eigener Tasche bezahlen.

Loveband Parminter konnte froh sein, dass ihn der Bischof nicht von seinen Pflichten befreite, er blieb auch weiterhin Vikar von St Swithun’s.

Published in: on 5. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Pubschilder – The Shroppie Fly in Audlem (Cheshire)

Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Wir bleiben heute noch einmal in Audlem in der Grafschaft Cheshire, wo wir uns gestern schon aufhielten. In dem Blogpost erwähnte ich die drei Pubs von Audlem, darunter The Shroppie Fly, dessen Pubschild ich heute vorstellen möchte.

The Shroppie Fly ist ein ungewöhnlicher Name, der in Zusammenhang mit dem Shropshire Union Canal steht, der auch kurz nur Shroppie genannt wird. Wer gern mit seinem Boot Schleusen befährt, der wird auf diesem Kanal glücklich, denn davon gibt es jede Menge. Bei Audlem allein gibt es eine Strecke von 15 Schleusen auf knapp drei Kilometern, die einen Höhenunterschied von fast 30 Metern ausgleichen.

Bei Schleuse Nummer 13 liegt The Shroppie Fly, direkt am Kanal mit Außensitzplätzen, von wo aus die Gäste die Manöver der Narrowboats beobachten können. Die sogenannten „fly-boats“ waren in der Zeit von 1850 bis 1920 die Lastesel auf den Kanälen. Tagaus, tagein zogen die Narrowboats vollbeladen ihre Bahnen; die Shropshire Fly genannten Boote waren damals die Stars unter den Frachtschiffen..

Unser Pub, der nach diesen Booten benannt worden ist, zeigt ein solches auf seinem Schild, direkt vor dem Gasthof und dem daneben stehenden Gebäude, der Audlem Mill, in der heute eine Art Souvenirladen untergebracht ist.

Das Pubgebäude war einmal ein Warenlager der Liverpool & Birmingham Canal Company und wurde erst 1975 in ein Gasthaus umgewandelt.

The Shroppie Fly
Audlem Wharf

Shropshire Street
Audlem, Cheshire, CW3 0DX

Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 4. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Audlem in Cheshire – Ein Dorf, das einmal versuchte, sich Wales anzuschließen

Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Audlem in Cheshire, ein Dorf mit knapp 2000 Bewohnern, einer Kirche, St James, und drei Pubs, The Shroppie Fly, The Bridge Inn und The Lord Combermere. Die A525 schlängelt sich durch den Ort und der Shropshire Union Canal berührt ihn. Hier ist doch eigentlich die Welt in Ordnung, oder?
Nun, im Jahr 2008 rumorte es in dem Dorf, denn die Bewohner (nicht alle, doch sehr viele) verspürten das große Bedürfnis, nicht mehr zu England zu gehören, sondern zu Wales, das etwa 14 Kilometer entfernt liegt.

Eigentlich begann alles mit einem Aprilscherz, diese Absage an Cheshire und England, doch allmählich wurde es ernst und es kam zu einer Online-Abstimmung, bei der sich 63% der Teilnehmer für einen Anschluss an Wales aussprachen. Wie das über die Bühne gehen sollte, war keinem so recht klar, denn Audlem war kein Grenzort zu Wales, dazwischen lag zum Beispiel noch das deutlich größere, zu Shropshire gehörende Whitchurch.

Was war denn nun der Beweggrund für den Absonderungswunsch Audlems? Viele fühlten sich in dem abseits gelegenen Ort von den Behörden vernachlässigt und übersehen. Niemand schien sich so recht um die Anliegen der Dorfbewohner zu kümmern. Dazu kamen noch einige andere Dinge, die die Menschen störten. So sollten die Rezeptgebühren erhöht werden, während die Waliser dafür nichts bezahlen mussten. Was die Bewohner des Ortes weiterhin aufregte, war, dass die Parkgebühren am nächstgelegenen Krankenhaus in Crewe um 50% angehoben worden waren. Ein ganzes Bündel an Unmut erregenden Dingen war in dem kleinen Dorf also zusammengekommen.

Natürlich wurde aus dem Annäherungswunsch an Wales nichts, aber immerhin war es ein Schuss vor den Bug der zuständigen Behörden, und in Wales hat man die ganze Sache sicher mit einem Schmunzeln registriert.

Published in: on 3. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Donkey rides – Eselreiten in englischen Seebädern

Am Strand von Skegness in Lincolnshire.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Das Leben in englischen Seebädern verläuft doch etwas anders als in Deutschland. Der Amüsierfaktor steht mehr im Vordergrund, „seaside amusement arcades“ sind sehr beliebt und Kinder lieben die „donkey rides„, das Reiten auf Eseln am Strand.
In Weston-super-Mare, dem Badeort in Somerset, wurde 1886 die Idee mit dem Eselreiten geboren, einige Jahre später folgte Bridlington an der Küste von Yorkshire und dann zogen viele andere Seebäder nach.

Bis heute tragen die Esel ihre Namen, Daisy ist besonders beliebt, auf den Nasenriemen, so dass die Kinder ihre Tiere auch anreden können. Gut, Kinder lieben dieses Mini-Abenteuer auf dem Rücken eines dieser geduldigen Tiere, aber mögen das die Esel auch? Tierschützer bezweifeln das vehement und setzen sich dafür ein, das Eselreiten abzuschaffen. Tagein, tagaus, auch bei hohen Temperaturen, mit Kindern oder sogar Jugendlichen auf dem Rücken durch den Sand zu laufen, keine Pause und keinen Schatten zu haben, das dürfte schon ein ziemlicher Stress für die Tiere sein. Die Betreiber der donkey rides sehen das natürlich anders.

Bei einer Online-Petition sprachen sich über 100 000 Teilnehmer für die Abschaffung dieses Strandvergnügens aus, wobei der geringste Teil davon aus dem Königreich selbst kam. Ist man in England doch mehr am Festhalten von Traditionen als am Tierwohl interessiert?

Das Coast Magazine hat eine Top 5-Liste der besten donkey rides in Großbritannien aufgestellt, wobei John Nuttalls Esel an den Stränden von Cleethorpes, Skegness und Ingoldmells in Lincolnshire als beste eingestuft wurden.

In diesem Film sind die „seaside donkeys“ am Strand von Blackpool zu sehen.

In Great Yarmouth (Norfolk).
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Teddy und Champion am Strand von Skegness in Lincolnshire.
Author: Pondspider.
Creative Commons 2.0
Published in: on 2. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen