Der eitle Vikar von St Swithun’s in Woodbury (Devon)

Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Der heilige Swithun von Winchester, der von 800 bis 862 gelebt hatte, gab der Gemeindekirche von Woodbury (Devon) seinen Namen, einem Dorf südöstlich von Exeter. Mitte des 19. Jahrhunderts war ein Vikar mit dem schönen Namen Loveband Parminter für die Belange seiner Schäfchen zuständig. Loveband war ein recht eitler Mann, und er liebte es, sich bei den Gottesdiensten in seiner Kirche zur Geltung zu bringen, gerade wenn junge Frauen anwesend waren (damals geschah das wohl noch, im Gegensatz zu heute). Dummerweise stand einer der bedeutendsten Gegenstände der Kirche, neben dem Taufbecken und der Kanzel, der Lettner im Wege, um den Vikar in seiner vollen Schönheit betrachten zu können. Für diejenigen, die nicht wissen, was ein Lettner (englisch: rood screen) ist, hier die Definition der Wikipedia:

„Der Lettner…ist eine steinerne oder hölzerne, mannshohe bis fast raumhohe Schranke, die vor allem in Domen, Kloster- und Stiftskirchen den Raum für das Priester- oder Mönchskollegium vom übrigen Kirchenraum, der für die Laien bestimmt war, abtrennte“.

Um das Blickfeld von der Gemeinde zu ihrem Vikar zu verbessern, beauftragte Loveband einen örtlichen Schreiner damit, den Lettner radikal zu kürzen. Der Mann verweigerte sich aber diesem Auftrag, denn er wollte nicht dafür in Rechenschaft gezogen werden, dieses alte Kirchenteil verunstaltet zu haben. Also legte Loveband selbst Hand an. Schnell sprach es sich bis zu seinem Vorgesetzten, dem Bischof von Exeter, herum, dass da jemand seiner Leute unter die Vandalen gegangen war. Der Bischof verlangte eine umgehende Entschuldigung, außerdem musste der Vikar den entstandenen Schaden, beziehungsweise die Behebung desselben, aus eigener Tasche bezahlen.

Loveband Parminter konnte froh sein, dass ihn der Bischof nicht von seinen Pflichten befreite, er blieb auch weiterhin Vikar von St Swithun’s.

Published in: on 5. August 2021 at 02:00  Kommentar verfassen