Straßenkunst in Leicester zu Ehren von König Richard III.

Es gibt keine andere Stadt in England, die sich so sehr König Richard III. verschrieben hat wie Leicester in der Grafschaft Leicestershire (siehe dazu auch einen meiner früheren Blogeinträge). Nachdem man seine Gebeine unter einem Parkplatz gefunden und eine großartige Trauerfeier in der Kathedrale für ihn abgehalten hat, nahm diese enge Verbindung noch zu und lockt Besucher aus der ganzen Welt an, die Richards Grabmal in der Leicester Cathedral sehen wollen.

In Leicester gibt es auch eine Richard III. Road, die einzige dieses Namens in ganz Großbritannien, die am River Soar entlang führt. An dieser 300 Meter langen Straße finden wir seit kurzem zwei Street Art-Kunstwerke, die eng mit dem König verbunden sind, der am 22. August 1485 in der Schlacht von Bosworth, einer der Hauptschlachten der Rosenkriege, vor den Toren Leicesters zu Tode kam. Der vor allem für seine Heckenschnittkunst bekannte Steve Manning hat aus tausend Weidenruten ein Kunstwerk geschaffen, das eine Hand zeigt, die eine Krone hält. Die Skulptur steht in einem Behälter, dessen Seiten mit den Initialen „RIII“ und einer goldenen Krone darüber verziert sind. 2019 wurde dieses Kunstwerk aufgestellt. Vorbild ist das Denkmal des Königs vor der Kathedrale, der dort ebenfalls eine Krone in der Hand hält.

Wesentlich auffälliger ist ein in diesem Jahr kreiertes Wandgemälde ein paar Meter weiter an der Richard III. Road, das ein wildes Kampfgetümmel zeigt, in dessen Mittelpunkt der König hoch zu Ross zu sehen ist. Es ist The Battle of Bosworth und da geht es ganz schön zur Sache, Richard in voller Kampfausrüstung mit einer Lanze in der Hand stürmt auf die Gegner zu, selbst sein weißes Pferd scheint mutig den feindlichen Pferden in die Augen zu sehen.

An die Außenwand des Bazaar Marts (Hausnummer 109) hat der einheimische Street Art-Künstler MONO aka Mista Breakfast dieses gewaltige Bild geworfen, ein weiteres Highlight für die Ricardianerinnen und Ricardianer, die die Stadt Leicester besuchen.

Denkmal Richards III. vor der Kathedrale von Leicester.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Paul Stickler: The Long Silence

Foto meines Exemplares.

In meinem Blogeintrag vom 11. Juli 2019 berichtete ich ausführlich über einen der spektakulärsten Kriminalfälle des 20. Jahrhunderts in England, der unter dem Namen „The A6 Murder“ in die Annalen der englischen Kriminalgeschichte eingegangen ist, weil der Mord auf einem Parkplatz an der A6 bei Clophill in Bedfordshire begangen wurde. Michael Gregsten war das Opfer und seine Geliebte Valerie Storie wurde so schwer verletzt, dass sie zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt war.

James Hanratty wurde des Mordes überführt, vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und am 4. April 1962 im Bedford Prison hingerichtet. Schon bald kamen Zweifel auf, ob Hanratty wirklich der Mörder war und ob man nicht doch den Falschen aufgehängt hatte. Viele Bücher wurden über den Fall geschrieben, zuletzt Paul SticklersThe Long Silence: The True Story of James Hanratty and the A6 Murder by Valerie Storie, the Woman who Lived to Tell the Tale„, am 26. August diesen Jahres im Verlag The History Press erschienen.

Paul Stickler, ein erfahrener Kriminalbeamter, hatte Zugang zu den Aufzeichnungen Valerie Stories, die am 26. März 2016 im Alter von 77 Jahren in Slough (Berkshire) gestorben war und nach langem Schweigen (daher der Titel des Buches) darin detailliert über die Schreckensnacht vom 22. August 1961 geschrieben hatte. Das Buch ist also eine Art posthume Autobiografie.

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, vielleicht auch weil ich den Ausgangsort der Entführung, Dorney Reach in Berkshire, ganz gut kenne. Valerie und Michael waren an diesem Abend im Frühjahr 1961 zur falschen Zeit am falschen Ort und gerieten so in die Fänge eines Kleinkriminellen, der die Situation nicht mehr im Griff hatte und überreagierte, mit der Folge, dass ein Menschenleben ausgelöscht und ein anderes schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eine beeindruckende Lektüre!

Diese Dokumentation der BBC zeichnet den Fall Hanratty noch einmal nach.

Paul Stickler: The Long Silence: The True Story of James Hanratty and the A6 Murder by Valerie Storie , the Woman who Lived to Tell the Tale. The History Press 2021. 288 Seiten. ISBN ‎ 978-0750996761.

Die Harcourt Road in Dorney Reach (Berkshire), nicht weit vom Ort der Entführung entfernt.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Meine Lieblings-Pubs – The Salisbury in Londons Covent Garden

Author: Stephen Kelly Photography.
Creative Commons 2.0

90 St. Martins Lane, Covent Garden, London WC2N 4AP, so lautet die Adresse von einem der schönsten Pubs in ganz England, dem „Salisbury„, benannt nach dem Marquess of Salisbury, Robert Gasgoyne-Cecil, der von 1885 bis 1902 dreimal Premierminister war und dessen Bild auch das Pubschild ziert.

Ursprünglich 1882 als Restaurant mit dem Namen „Salisbury Stores“ gegründet, wurde es einige Jahre später in einen Pub umgewandelt.

Was gibt es hier nicht alles zu sehen: Große dekorative Spiegel, bronzene Nymphen, Art-Nouveau-Lampen, Trennscheiben aus Glas mit eingeritzten Motiven.

Über der Eingangstür wird ein kleines Vordach von zwei Engeln gestützt; im Sommer hängen Blumenampeln vor dem Haus. „The Salisbury“ erinnert mich immer wieder an eine Pariser Brasserie aus der Belle Epoque.

Ein großartiger Pub, der täglich ab 11 Uhr durchgehend bis mindestens 22.30 Uhr geöffnet hat. Man kann hier sein gepflegtes Pint trinken oder auch traditionelle englische Gerichte zu sich nehmen. Der auch schon einmal mit dem renommierten Beautiful Beer Platinum Award ausgezeichnete Pub ist immer eine gute Adresse, wenn man sich dem Londoner Trubel einmal für eine Weile entziehen möchte oder für ein Glas Bier/Wein vor einem Theaterbesuch, denn mehrere Theater liegen in unmittelbarer Nähe.

Author: OZinOH.
Creative Commons 2.0
Published in: on 28. September 2021 at 02:00  Comments (3)  

Sir Winston Churchills Landsitz Chartwell in Kent und seine Katzen

Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

In meinen nun nahezu 4000 Blogeinträgen habe ich erstaunlicherweise noch nie über Sir Winston Churchills Landsitz Chartwell bei Westerham in Kent (der Ort ist definitiv auch einen Besuch wert, siehe dazu meinen Blogeintrag) geschrieben, obwohl ich ihn vor einigen Jahren besucht habe. Das sehr ansprechende Landhaus, das dem National Trust gehört, erweckt den Eindruck, als ob der frühere Eigentümer eben mal kurz um die Ecke verschwunden ist und gleich wieder zurückkommt. Alles ist so belassen wie es zu Churchills Zeiten war, der am 24. Januar 1965 starb, und der vielleicht von oben herab wohlwollend das Treiben in Chartwell betrachtet, das Besucher aus der ganzen Welt anlockt.

Sir Winston war ein sehr tierliebender Mensch und daher war Chartwell zu seinen Lebzeiten von allerhand Getier bevölkert. Sein absoluter Favorit war seine Katze Jock, die ihm einmal sein Privatseketrär Sir John Rupert Colville, genannt Jock, geschenkt hatte. Die Katze war eine sogenannte „marmalade cat„, das heißt, ihr Fell war orangefarben mit schmalen gelb-braunen Streifen. Jock wurde heiß geliebt und gegen Ende seines Lebens verfügte der große Staatsmann, dass auf seinem Landsitz immer eine Katze sein sollte, die so wie der „Original Jock“ aussieht.

Heute lebt seit Mai 2020 auf Chartwell Jock Nummer 7. Sunshine, so sein ursprünglicher Name, wurde zusammen mit vielen anderen Kätzchen von der Tierschutzorganisation RSPCA aus erbärmlichen Lebensverhältnissen gerettet, aufgepäppelt… und dann von Chartwells Visitor Experience Manager Viktoria Austen adoptiert. Besser hätte es das Schicksal mit der kleinen Marmeladenkatze nicht meinen können; Sunshine entsprach exakt den Vorgaben für eine Chartwell-Katze und so wurde aus ihr Jock VII. Der Vorgänger, Jock VI, lebte von 2014 bis 2020 auf Sir Winstons ehemaligem Landsitz, ihm ging es aber immer schlechter, er war fast blind, konnte sich nicht mehr richtig orientieren und ging in Rente, bei einem National Trust-Mitarbeiter.

Hier ist ein Film über Sir Winstons Landhaus.

Jock VI im Garten von Chartwell.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Snake Pass – Eine nicht ganz ungefährliche Straße in Derbyshire

Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Der Snake Pass ist ein etwas höher gelegener Teil der A 57 im Peak District, die von Sheffield nach Manchester führt. Genau genommen ist es die Straße zwischen Glossop und dem Ladybower Reservoir.  Dieses Teilstück windet sich zwar in einigen Teilen wie eine Schlange, doch der Name kommt von dem Snake Pass Inn, der an der Straße liegt. Der Pub hieß früher nur Snake Inn und trug das Wappen der Herzöge von Devonshire. Teil des Wappens ist eine sich auf einem Helm windende Schlange. Leider wurde auch dieser Pub vor einigen Jahren geschlossen

Bereits 1820 wurde die Straße als direkte Verbindung zwischen den beiden Großstädten gebaut, verlor aber im 20. Jahrhundert an Bedeutung, weil eine weiter nördlich gelegene Straße gebaut wurde, die nicht so hoch gelegen ist und im Winter nicht so leicht durch Schneeverwehungen gesperrt werden muss. Der Snake Pass ist manchmal bis zu 70 Tagen im Jahr auf Grund schlechter Wetterverhältnisse gesperrt.

Der Snake Pass ist nicht so ganz einfach zu befahren, und er hat eine hohe Unfallquote. Zwischen 2017 und 2019 ereigneten sich auf der Straße 28 schwere beziehungsweise tödliche Unfälle. Trotzdem ist sie in Autofahrer- und Motorradfahrerkreisen sehr beliebt wie dieser Film zeigt.

Photo © Stephen Burton (cc-by-sa/2.0)
Der Snake Pass Inn, leider geschlossen.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mary Ann Cotton (1832-1873) – Englands erste weibliche Serienmörderin

Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Geboren wurde Mary Ann Cotton im Jahr 1832 in Low Moorsley (Tyne and Wear) bei Sunderland, einem Dörfchen, über das die Wikipedia als einziges zu berichten weiß, dass es der Geburtsort einer Serienmörderin ist. Mary Ann Cotton ging in die englische Kriminalgeschichte ein als erste weibliche Serienmörderin; hätte es damals schon das Guinness Buch der Rekorde gegeben, wäre ihr ein Eintrag sicher gewesen als die Frau, die die meisten Menschen ins Jenseits befördert hat; 21 sollen es gewesen sein, möglicherweise auch mehr, die meisten davon aus ihrem engsten familiären Umfeld.

Mary Ann Cotton wohnte in West Auckland im County Durham, einem Ort mit etwa 8500 Einwohnern, wo heute die A68 und die A688 zusammentreffen, zuerst in 20 Johnson Terrace (das Haus existiert nicht mehr, es wurde abgerissen), dann in der Front Street (dieses Haus gibt es noch).

Nachdem Mary Ann schon in jungen Jahren geheiratet und viele Kinder in die Welt gesetzt hatte, starben unerklärlicherweise elf ihrer dreizehn Kinder, dazu noch ihre Ehemänner und ihr Geliebter. Mary Ann kassierte dabei immer wieder Summen aus abgeschlossenen Lebensversicherungen. Es dauerte ziemlich lange bis schließlich einem gewissen Thomas Riley der Verdacht aufkam, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Als Charles Edward Cotton, der letzte noch verbliebene der Cotton-Familie starb, ging Riley zur Polizei und äußerte seinen Verdacht. Der bereits beerdigte Charles wurde exhumiert, in seinem Magen fand man Arsen, daraufhin wurde Mary Ann in Durham vor Gericht gestellt, Die Geschworenen benötigten für ihre Beratungen nicht viel Zeit und fanden sie des Mordes schuldig; der Richter verurteilte sie zum Tode. Am 23. März 1873 starb die Serienmörderin im Gefängnis von Durham durch Erhängen.

Bei all den anderen Morden, die Mary Ann begangen hatte, soll immer Arsen eine Rolle gespielt haben.

Unter dem Titel „Dark Angel“ verfilmte ITV den Fall im Jahr 2015 (liegt auch auf DVD vor), die Rolle der Mary Ann Cotton spielte Joanne Froggatt, allen „Downton Abbey“-Fans als Lady Marys Zofe Anna bekannt. Gedreht wurde der Film in großen Teilen in North Yorkshire. Hier sind einige Ausschnitte zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Martin Connolly: Mary Ann Cotton – Dark Angel: Britain’s First Female Serial Killer. Pen&Sword Books 2016. 186 Seiten. ISBN 978-1473876200
.

Low Moorsley, Geburtsort der Mary Ann Cotton.
Photo © Robert Graham (cc-by-sa/2.0)
Die Front Street in West Auckland.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Songs About London – The Lambeth Walk

Der Londoner Lambeth Walk heute, der sich stark verändert hat.
Author: Ewan-M.
Creative Commons 2.0

Der Lambeth Walk ist eine Straße, die sich durch den südlich der Themse gelegenen Londoner Stadtteil Lambeth schlängelt, ein ehemaliges Arbeiterviertel, das Ende der 1930er Jahre plötzlich in aller Munde war, denn in dem Musical „Me and My Girl“ von Douglas Furber, L. Arthur Rose und Noel Gay gab es einen Song namens „The Lambeth Walk„, der nicht nur in London, sondern in ganz Europa für Furore sorgte. Zwei Jahre später kam die Filmadaptation des Musicals unter dem selben Titel in die Kinos, die ebenfalls sehr erfolgreich war. In der Hauptrolle des Bill Snibson war Lupino Lane zu sehen, einer aus der Lupino-Schauspielerfamilie (ich sehe immer wieder gern die Episode „Schwanengesang“ aus der TV-Serie „Columbo“, in der Ida Lupino an der Seite von Johnny Cash mitspielt).

Die in das Musical/den Film eingearbeitete Tanzversion des „Lambeth Walk“ zündete in ganz Europa und sogar in den USA. Viele Big Bands nahmen den Song in ihr Repertoire auf wie zum Beispiel Duke Ellington.

Als Charles Ridley 1941 den Film „Lambeth Walk – Nazi Style“ drehte, erzürnte er damit Joseph Goebbels und die Nazi-Führung, die ihn auf die Abschussliste setzten, wäre es zu einer Invasion Großbritanniens gekommen. Humor war nicht gerade eine Stärke der damaligen Führungsriege Deutschlands.

Der ehemalige Lambeth Walk Pub, leider für immer geschlossen.
Photo © Danny P Robinson (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Bustard Flag – Die offizielle Flagge der Grafschaft Wiltshire

This work is released into the public domain.

Und wir bleiben nach der gestrigen Duck Feast in Charlton noch einmal in Wiltshire. Am 1. Dezember 2009 akzeptierte der Wiltshire Council die neue Flagge der Grafschaft, die „Bustard Flag„. Sie ist grün-weiß gestreift, wobei die grünen Streifen die grüne Landschaft der Downs und die weißen Streifen die Kalkfelsen darstellen sollen. Zugleich symbolisiert das Weiß der Flagge den Frieden und das Grün Hoffnung oder Freude.
Im Zentrum der Flagge Wiltshires befindet sich ein Vogel, eine Großtrappe (The Great Bustard). Dieser Vogel wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien ausgerottet, aber im Jahr 2004 von der sogenannten Great Bustard Group in einem Projekt wieder eingeführt und zwar in der  Salisbury Plain in Wiltshire.

Der Great Bustard steckt in einem grünen Kreis, der seinen Lebensraum, die Graslandschaft, repräsentiert, darüberhinaus aber auch für zwei berühmte Steinkreise Wiltshires steht, für Stonehenge und für Avebury.
Der Außenrand dieses Kreises ist noch einmal in sechs Teile untergliedert, wobei jeder dieser Teile eine Grafschaft symbolisiert, an die Wiltshire grenzt.

Entworfen wurde die Flagge schon 2007 von Mike Prior aus Bath und seiner Tochter Helen Pocock.

Published in: on 23. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Duck Feast in Charlton (Wiltshire)

The Cat Inn in Charlton
Photo © Rog Frost (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns wieder einmal in die Grafschaft Wiltshire, genauer gesagt in den Ort Charlton und dort wiederum in The Cat Inn (ursprünglich hieß der Pub The Red Lion, aber der Löwe auf dem Wirtshausschild war so schlecht gemalt, dass man nur vom The Cat Inn sprach), wo jedes Jahr um den ersten Juni herum eine kuriose Tradition fortgesetzt wird, deren Ursprung in das Jahr 1734 zurückzuverfolgen ist: The Duck Feast. Wer jetzt denkt, dass es im Cat Inn ein großes Festessen mit Enten gibt, der ist auf dem Holzweg, denn mit „Duck“ ist nicht das Federvieh sondern der Dichter Stephen Duck gemeint, der von 1705 bis 1756 lebte und in Charlton geboren wurde. Heute kennen wohl nur noch wenige den Namen dieses Bauernpoeten, der von Beruf Drescher und dessen wichtigstes Handwerkszeug die Sense war. Sein erstes Werk hieß denn auch „The Thresher’s Labour„, 1730 erschienen, ein Gedicht, das vom harten Leben der Landarbeiter erzählte und das erstaunlicherweise in der Londoner Gesellschaft für Furore sorgte. Queen Caroline, Gattin König Georgs II., wurde auf Stephen Duck aufmerksam; sie förderte ihn und machte ihn zum „Governor of Duck Island„, einer kleinen Insel auf einem See im Londoner St James’s Park, auf der das Duck Island Cottage stand und noch heute steht. Ob Queen Caroline es als Gag betrachtete, einen Mann namens Duck zum Gouverneur einer Insel zu machen, die bereits Duck Island hieß und nicht nach dem Poeten benannt worden war, mag ich nicht zu beurteilen. Witzig war es aber schon. Neben seinem „Gouverneursposten“ erhielt Stephen Duck von Queen Caroline noch einen weiteren Auftrag, er wurde verantwortlich für Merlin’s Cave, einem Folly im Richmond Park, in dem Wachsfiguren ausgestellt waren und das 1766 wieder abgerissen wurde..

Ein weiterer Förderer Stephen Ducks war der Politiker und Parlamentarier Lord Palmerston (1673-1757), und da kommen wir wieder auf das eingangs erwähnte Duck Feast in Charlton zurück, das Palmerston 1734 ins Leben rief und auch bezahlte. Zwölf Drescher und Stephen Duck kamen jährlich einmal im Dorfpub zu einem Abendessen zusammen (bei dem möglicherweise auch hin und wieder Ente serviert wurde, das ist aber nur eine Spekulation meinerseits). Auch heute noch nehmen dreizehn Personen an dem Duck Feast im Cat Inn teil; einer der Teilnehmer wird zum Chief Duck ernannt und trägt während des Essens einen Hut mit Entenfedern.

Ich liebe diese alten englischen Traditionen…

Stephen Duck hatte wohl Probleme mit seinem Aufstieg vom einfachen Landarbeiter in die Londoner Gesellschaft. Er nahm sich 1756 das Leben, indem er sich hinter dem Pub The Black Lion bei Reading in einem Teich ertränkte.

Das Duck Island Cottage im St James’s Park in London.
Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Oscar Wilde und das Gefängnis von Reading in Berkshire

Das ehemalige Reading Gaol.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

1895 wurde Oscar Wilde wegen angeblicher homosexueller Vergehen zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt, die er im Gefängnis von Reading (Berkshire) verbringen musste. Am 19. Mai 1897 wurde er entlassen, aber Wilde war von da an ein gebrochener Mann. Nur noch einmal griff er zur Feder und verfasste das Gedicht „The Ballad of Reading Gaol“, dann war seine schriftstellerische Laufbahn zu Ende. Vereinsamt und verarmt starb er am 30. November 1900 in einem Pariser Hotel (das Hotel gibt es noch heute: L’Hotel in der rue des Beaux-Arts Nummer 13 im 6. Arrondissement).

Her Majesty’s Prison Reading war eines der sogenannten Young Offenders Institutions, das sind Einrichtungen, in denen 18-21jährige Männer untergebracht sind, die noch nicht als Erwachsene für ihre Straftaten verurteilt worden sind und in denen ein Schwerpunkt auf die Aus- und Weiterbildung der jungen Gefangenen gesetzt wird. Anfang des Jahres 2014 wurde das Gefängnis geschlossen. Es gab Pläne, es in ein Kulturzentrum umzuwandeln, aber bis jetzt ist noch nichts entschieden. Anfang diesen Jahres verewigte sich der Graffiti-Künstler Banksy auf einer der Mauern des Gefängnisses; das Bild zeigt jemanden, der gerade an einem Seil ausbricht.

Das Gefängnis wurde 1844 mitten in Reading gebaut; entworfen wurde es von dem berühmten Architekten George Gilbert Scott, der für den Bau von zahlreichen weiteren Gefängnissen, Irrenanstalten und Arbeitshäusern verantwortlich war, der aber auch unter anderem das Londoner Albert Menorial und das Midland Grand Hotel an der Londoner St Pancras Station entwarf.

Bis zum Jahre 1913 wurden im Reading Gaol auch Todesurteile vollstreckt. Neben Oscar Wilde gab es einen weiteren prominenten Insassen: Der amerikanische Schauspieler Stacy Keach saß hier 1984 einmal für neun Monate   ein, weil er am Londoner Flughafen Heathrow mit Kokain erwischt wurde.

Das Lied „Each Man Kills The Thing He Loves„, das auf einer Zeile aus Oscar Wildes „The Ballad of Reading Gaol“ beruht, ist hier in der Version mit Jeanne Moreau zu sehen und zu hören.

Banksys Graffiti (soll es Oscar Wilde zeigen?)
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Paul Middlewick und seine Animals on the London Underground

Es ist sicher langweilig für die vielen Pendler in der Londoner U-Bahn, tagein tagaus die selbe Strecke zu fahren. Unterhaltungen mit anderen Passagieren sind eher selten, man hält sich diesbezüglich in England sehr zurück. Da fällt der Blick notgedrungen immer wieder auf die allgegenwärtigen U-Bahnpläne, die in den Waggons hängen. Harry Beck hatte diese „tube maps“ im Jahr 1931 entworfen, die sich durch ihre Übersichtlichkeit auszeichnen und die 2006 in die Top Ten der britischen „design icons“ gewählt wurden.

Einer dieser Pendler war Paul Middlewick, von Beruf Illustrator und Designer, der die Liniennetzpläne immer wieder betrachtete und der plötzlich, man schrieb das Jahr 1988, in dem ganzen Gewirr von Linien, Stationen und Kreuzungen, die Umrisse eines Elefanten sah. Er nahm sich anschließend einen dieser Pläne vor, verband die markanten Punkte mit einem Stift und voilá, da war er für alle zu sehen, dieser Londoner U-Bahnelefant.

Paul Middlewick dachte sich, wo ein Elefant ist, da gibt es doch bestimmt noch mehr Tiere und siehe da, er entdeckte noch einen Hahn, mehrere Hunde, einen Fuchs, einen Eisbären, eine Katze und noch so manches andere niedliche Geschöpf. Die Geburtsstunde der „Animals on the London Underground“ hatte geschlagen. Paul Middlewick wandte sich an Transport for London mit der Bitte, diese U-Bahntiere verwenden zu können, was diese auch gestattete. So kann man diese süßen Tierchen zum Beispiel als Notizbuchillustrationen auf der Webseite des Designers kaufen, es gab Posterkampagnen damit vom Londoner Zoo und vom International Fund for Animal Welfare.

Und weil es so viel Spaß macht, nahm sich Paul Middlewick die U-Bahnpläne von Paris, Moskau und New York vor und entdeckte darauf ebenfalls so einiges: Eine Eule und einen Specht auf dem Pariser Metroplan, einen Specht und einen Wal auf dem Plan der New Yorker Subway und einen Papagei und ein Pferd auf dem Moskauer U-Bahnplan, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Hier ist ein Animationsfilm mit den Tieren der Londoner U-Bahn.

Published in: on 20. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Das Harlaxton Manor bei Grantham in Lincolnshire -Eines der großartigsten Herrenhäuser Englands

Eines der beeindruckendsten Gebäude in England, das ich leider bisher nur von außen gesehen habe, ist das Harlaxton Manor, nicht weit von Grantham in Lincolnshire gelegen.

Leider ist das Haus nicht zu besichtigen, denn es gehört der University of Evansville, Indiana, und fungiert als europäischer Campus der Universität. Lediglich Gruppenführungen sind nach vorheriger Absprache möglich.

1837 wurde Harlaxton erbaut und zwar von jemandem, der den recht einfallslosen Namen Gregory Gregory trug. Die Besitzer wechselten mehrfach, bis das Haus 1937 von Violet Van der Elst gekauft wurde, einer exzentrischen Dame, die durch die Herstellung von Rasierschaum zu viel Geld kam. Sie interessierte sich sehr für alles Übernatürliche und führte in Harlaxton Séancen durch. Eine sehr interessante Biografie schrieb Charles Neilson Gattey: „The Incredible Mrs. Van der Elst.

Daß es in einem Haus wie Harlaxton spukt, liegt eigentlich auf der Hand. Peter Underwood, einer der führenden Ghost-Hunter Englands, hat in seinem Buch „Nights in haunted houses“ (London 1994) von seinen nächtlichen Untersuchungen in Harlaxton Manor berichtet.

Mehrere Filme wurden hier gedreht, zum Beispiel „The Haunting“ („Das Geisterschloss“), „The Ruling Class“ und „The Lady and the Highwayman“ („Gefährdete Liebe“).

Dieser Film zeigt das Manor House aus der Vogelperspektive und hier ist eine Tour durch das ganze Haus.

The Cedar Staircase.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)
The Great Hall.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)
Der Van der Elst Room.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)
Eigenes Foto.
Foto meines Exemplares.
Published in: on 19. September 2021 at 02:00  Comments (2)  

Der Sapperton-Kanaltunnel – Der ehemals längste Kanaltunnel Englands

Eigenes Foto

Wenn man sich den Eingang des Sapperton-Kanaltunnels einmal ansieht, mag man es kaum glauben, dass durch diesen engen Schlauch einmal Boote durchbugsiert worden sind, und das auf einer Länge von 3,5 km.

Dieser 1789 eröffnete Tunnel liegt südlich von Cirencester in der Nähe des Dörfchen Coates in Gloucestershire. Ich habe mir nur den Eingang am Tunnel House Inn (siehe dazu meinen Blogeintrag) angesehen, der ziemlich einsam gelegen und nur auf einem ziemlich schlechten Weg zu erreichen ist (mein Auto war anschließend total verdreckt). Im Tunnel House Inn hat Prince William einmal eine Geburtstagsparty gegeben (ich weiß nicht, ob die geladenen Gäste von dem matschigen Zufahrtsweg so begeistert waren; aber vielleicht hat es ja an dem Tag nicht geregnet). Leider ist der Pub zur Zeit bis auf Weiteres geschlossen.

Die schmalen Boote, die diesen Teil des Thames und Severn Kanals passieren wollten, mussten mit Hilfe der Füße der Schiffer durch den Tunnel befördert werden; das heißt, die Männer lagen auf dem Rücken und stießen sich mit den Füßen an der Tunneldecke ab. Eine mühsame und schweißtreibende Arbeit. Einen parallel zum Kanal entlangführenden Treidelpfad gab es im Sapperton-Tunnel nicht.
Nachdem Teile der Decke in der Mitte des Tunnels eingestürzt waren, kam  dann auch eine Durchquerung nicht mehr in Frage. Eine Zeit lang wurden Bootsfahrten in einen Teil des Tunnels durchgeführt, die sind aber inzwischen wieder eingestellt worden. Der Cotswold Canals Trust möchte den Sapperton-Tunnel gern wieder auf der ganzen Länge schiffbar machen und die erforderlichen Reparaturarbeiten durchführen, aber konkrete Zeit- und Finanzierungspläne gibt es wohl noch nicht.

1811 löste der Standedge-Tunnel in West Yorkshire (s. hierzu auch meinen Blogeintrag) den Kollegen in Gloucestershire mit knapp 5 km als längsten Tunnel Englands ab.

Der Sapperton-Tunnel ist auch in der Literatur wiederzufinden. Einmal in Cecil Scott Foresters Roman „Hornblower and the Antropos“ (dt. „Hornblower wird Kommandant“), der 1953 erschien, und in dem Horatio Hornblower samt schwangerer Ehefrau und Sohn auf einem Kanalboot nach London fährt und dabei auch besagten Tunnel durchquert. Mo Hayders Thriller „Gone“ (2010), der in Deutschland unter dem Titel „Verderbnis“ erschien, verwendet den Sapperton-Kanaltunnel ebenfalls als Schauplatz. „It’s such a weird place“ schreibt Mo Hayder fasziniert in ihrem Blog.
Die Zufahrt zu dem Tunneleingang und zum Pub erfolgt über die A433 von Tetbury nach Cirencester und ist ausgeschildert.

Hier ist ein Film über den Tunnel.

Der leider zur Zeit geschlossene Tunnel House Inn. – Eigenes Foto
Published in: on 18. September 2021 at 02:00  Comments (8)  

The Ancient Order of the Purbeck Marblers and Stonecutters in Corfe Castle (Dorset) und eine kuriose Zeremonie

Corfe Castle und der Fox Inn.
Author: Anguskirk.
Creative Commons 2.0

Der auf der Isle of Purbeck in der Grafschaft Dorset abgebaute Purbeck-Marmor ist in vielen englischen Kathedralen zu finden wie in denen von Exeter, Lincoln und Ely, vor allem aber in der Kathedrale von Salisbury. Heute wird hier nur noch gelegentlich Marmor abgebaut, aber der Ancient Order of the Purbeck Marblers and Stonecutters existiert noch immer, und einmal im Jahr treffen sich die Freemen of the Order zu einer ganz besonderen Zeremonie in Corfe Castle, der Aufnahme neuer Mitglieder.

Jeweils am Fastnachtsdienstag versammeln sich die Anwärter im Fox Inn und harren der Dinge, die da kommen sollen. Im Rathaus der Stadt, dem angeblich kleinsten in England, haben sich die Freemen zusammengefunden, die darüber diskutieren, welche der Bewerber aufgenommen werden sollen. Nachdem man sich darüber geeinigt hat, werden diese in die Town Hall gerufen, die dann freudig herbeieilen und ihre Initiierung mit einem Glas Bier und einem Laib Brot bezahlen. Damit wäre der erste Teil der Zeremonie beendet. Der zweite folgt gleich darauf. Der auf der Isle of Purbeck abgebaute Marmor wurde immer von Corfe Castle auf Wagen nach Poole an der Küste gebracht, wo er am Ower Quay verladen wurde. Dieser fünf Kilometer lange Weg und ein Fußball spielen eine Rolle bei Zeremonie Teil 2. Der Fußball wird von dem Freeman, der zuletzt geheiratet hat, besorgt und die gesamte Strecke bis zur Küste entlang gekickt, ohne ihn mit den Händen anzufassen. Am Ziel angekommen, wird ein Pfund Pfeffer über den Ball gestreut und dieser dann ins Meer gebolzt. Diese Geschehnisse beruhen auf dem Jahrhunderte alten Brauch, dem Besitzer des Landes, durch das der Marmor transportiert wurde, einen Tribut für das Wegerecht in Form von Pfeffer zu entrichten, der damals sehr viel wertvoller war als er das heute ist.

Exzentrisch? Ich glaube schon.

Die Town Hall.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Was vom Ower Quay bei Poole übrig geblieben ist.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 17. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Der Emley Moor Tower in West Yorkshire – Großbritanniens höchster frei stehender Turm

Author: ahisgett.
Creative Commons 2.0

Er ist inklusive Antennenmast 330 m hoch, wiegt 11 200 t und besteht aus Stahlbeton.  Der Emley Moor Tower ist Großbritanniens höchster freistehender Turm und findet sich etwa 1,5 km westlich des Dorfes Emley, zwischen Huddersfield und Wakefield, in West Yorkshire. Dort, wo jetzt dieser riesige Fernsehturm steht, hatte die BBC schon vorher Sendeanlagen aufgestellt. 1969 stürzte dieser Sendemast bei einem starken Sturm und auf Grund von Vereisung um, was zu einem Totalausfall der Fernseh- und Radioprogramme in weiten Teilen des Nordens führte.
Nachdem man sich mit einigen Provisorien behalf, wurde ein neuer Fernsehturm in Stahlbetonweise gebaut, der 1971 seinen Betrieb aufnahm, und dem offensichtlich Stürme und Eis nichts mehr anhaben können.
Der weithin sichtbare Emley Moor Tower ist für West Yorkshire so etwas wie ein Symbol geworden, so wie der Angel of the North für die Region Tyne and Wear im Nordosten des Landes.

Im Inneren des Turms führt ein Lift in etwa sieben Minuten in den Kontrollraum, von wo aus man einen fantastischen Blick haben muss. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, wird da seine Probleme haben, aber der Fernsehturm ist sowieso nicht öffentlich zugänglich. Sollte der Lift einmal ausfallen, kann man auch über Leitern in den Kontrollraum gelangen… über 865 Leitersprossen!

Hier ist ein Film über den Emley Moor Tower und hier ist ein Rundgang auf der Turmspitze (nur für Schwindelfreie!)

Author: LuluP.
Creative Commons 2.0
Im Inneren des Turms.
Author: Dave Wilson Cumbria.
Creative Commons 2.0
Published in: on 16. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Songs about London – Die Electric Avenue im Stadtteil Brixton

Photo © Danny P Robinson (cc-by-sa/2.0)

Der Londoner Stadtteil Brixton ruft sofort Assoziationen wach; man denkt an die „Brixton Riots„, die Aufstände in den Jahren 1981, 1985 und 1995, und an die multi-kulturelle Gesellschaft, die sich hier im Süden Londons etabliert hat.

Mitten in diesem oftmals unruhigen Stadtteil liegt die Electric Avenue, die ihren Namen dadurch erhalten hat, dass hier 1888 erstmals eine Marktstraße durch Straßenlampen elektrisch beleuchtet wurde. Auch heute noch ist die Electric Avenue eine belebte und geschäftige Marktstraße, die einen Teil des Brixton Markets bildet. Hier fühlt man sich nach Afrika und in die Karibik versetzt, denn man bekommt hier so gut wie alle Produkte aus diesen Regionen. Yamwurzeln, Kochbananen, exotische Fische, im Brixton Market auf der Electric Avenue gibt es das alles zu kaufen.

Leider hat auch diese Straße einen schwarzen Tag erlebt: Am 17. April 1999 zündete der „Nailbomber“ David Copeland vor einem kleinen Supermarkt eine mit Nägeln gefüllte Bombe, die 39 Menschen verletzte. Der Neonazi wollte mit dieser Aktion in Großbritannien einen Krieg gegen die Zuwanderer aus anderen Nationen beginnen. Copeland wurde von der Polizei gefasst, nachdem er auch noch im Osten Londons und in Soho Bomben explodieren ließ und dabei drei Menschen tötete.

Der aus Guyana stammende Sänger Eddy Grant, der auch in Deutschland mit seiner Band The Equals („Baby come back“) bekannt wurde, hatte 1982 einen großen Hit mit seinem Song „Electric Avenue„, in dem es um die Brixton-Aufstände von 1981 geht. Darin heißt es unter anderem:

Workin‘ so hard like a soldier
Can’t afford a thing on TV
Deep in my heart, I’m a warrior
Can’t get food for them kids, good God

We gonna rock down to Electric Avenue
And then we’ll take it higher

Author: It’s No Game.
Creative Commons 2.0
Der Markt in der Electric Avenue ist beendet. Und wer räumt das jetzt alles weg???

Author: Bahi P.
Creative Commons 2.0

Published in: on 15. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Unique Devon Tours und The Hound of the Baskervilles

Das ehemalige Duchy Hotel in Princetown.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)
 

The Hound of the Baskervilles“ (dt. „Der Hund von Baskerville“) ist vielleicht die bekannteste Detektivgeschichte aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930), die 1901/02 als Fortsetzungsroman im Strand Magazine in London erschien. Um sich ein wenig in die entsprechende Stimmung zu versetzen, die dann in sein Buch übernommen wurde, reiste Sir Arthur in das Dartmoor, wo er im Duchy Hotel (heute das National Park Visitor Centre) in Princetown Teile seiner Geschichte um den Geisterhund zu Papier brachte.

Dieser Hund von Baskerville machte das Dartmoor auch außerhalb der Grenzen Englands bekannt und sorgte dafür, dass viele Besucher diese zeitweise recht düstere Region aufsuchen. Wer das Dartmoor auf den Spuren des Hundes beziehungsweise auf den Spuren Sir Arthurs nicht auf eigene Faust erkunden möchte, dem bietet Unique Devon Tours eine Alternative.

Alex Graeme (in diesem Film stellt Alex seine Firma vor) und Mark Lakeman führen themenbasierte Fahrten durch Devon und Umgebung durch, unter anderem auch eine eintägige The Hound of the Baskervilles Tour. Alex Graeme ist Experte für die Grafschaft Devon; sein Urgroßvater war Robert Duins Cooke, von 1897 bis 1939 Reverend der St Andrew’s Church in Ipplepen, sechs Kilometer südwestlich von Newton Abbot, der damals Sir Arthur einige Tipps für seine Dartmoor-Recherchen gab.

Also: Alex Graeme kennt sich hier bestens aus. Die Hound of the Baskervilles Tour beginnt folglich in Ipplepen, führt dann nach Ashburton und Buckfastleigh zur Holy Trinity Church, wo das düstere, unheimliche Grabmal Squire Richard Cabells zu sehen ist. Richard Cabell soll als Vorbild für Sir Hugo Baskerville gedient haben (mehr über ihn und sein Grabmal ist in meinem entsprechenden Blogartikel zu lesen). Das Mittagessen auf der Tour wird im Rugglestone Inn in Widecombe-in-the-Moor eingenommen, einem richtig schönen, urigen Pub. Die zweite Hälfte der Rundfahrt führt zu Orten, die damals Sir Arthur aufgesucht hatte, unter anderem zu den Fox Tor Mires, die ihn zu dem Grimpen Mire im Roman inspirierten.

Für ein bis zwei Personen kostet die Tour £380, für drei bis sechs Personen £480.

Wer sich tiefer mit der Geschichte des unheimlichen Hundes und Sir Arthurs Buch beschäftigen möchte, dem empfehle ich diese Rezension aus dem Crimealley-Blog.

St Andrew’s in Ipplepen.
Photo © Paul Hutchinson (cc-by-sa/2.0)
Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity in Buckfastleigh.
Photo © Adrian Platt (cc-by-sa/2.0)
Der Rugglestone Inn in Widecombe in the Moor.
Author: Major Clanger.
Creative Commons 2.0
Blick auf die Fox Tor Mires im Dartmoor.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 14. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Meine Lieblings-Pubs – The Leather Bottle in Cobham (Kent)

Photo © Robert Edwards (cc-by-sa/2.0)

The Leather Bottle gehört in die Kategorie „cozy pub“, denn er sieht von außen sehr gut aus und ist im Inneren außerordentlich gemütlich. Wer einmal das Buch „Die Pickwick Papers“ von Charles Dickens gelesen hat, der ist darin auch über diesen Pub „gestolpert“, der in Cobham in der Grafschaft Kent liegt, 10 km südöstlich von Gravesend. Dickens hat hier einmal gewohnt, in Zimmer 6.

Auch heute kann man im Leather Bottle wohnen; fünf Zimmer stehen zur Verfügung, zwei davon haben Himmelbetten. Die Übernachtungspreise: Ab £80 pro Nacht inklusive Frühstück. Unter dem gleichen Dach zu schlafen, unter dem der große Charles Dickens einst sein Haupt bettete, das sollte man sich nicht entgehen lassen.

An hübsch gedeckten Tischen kann man hier sein Mittag- und/oder Abendessen einnehmen, im Sommer auch in dem großen Pubgarten.

The Leather Bottle
54-56 The Street
Cobham
Kent DA12 3BZ

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)


Published in: on 13. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Snugburys – Ein Eiscremehersteller bei Nantwich in Cheshire und seine Strohskulpturen an der A51

Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Auf der Ile Saint Louis in Paris gibt es den legendären Eishersteller Berthillon, vor dessen Verkaufsstelle oft lange Menschenschlangen zu sehen sind. Etwas Ähnliches gibt es in der Grafschaft Cheshire. An der A51, nördlich von Nantwich, zweigt eine Zufahrtsstraße zu Snugburys ab, deren Parkplatz meist gut gefüllt ist.

Chris und Cheryl Sadler begannen hier 1986 in ihrem Bauernhaus Eis herzustellen und das von ihrem Küchenfenster aus zu verkaufen. Die Qualität ihrer Eissorten sprach sich in der Umgebung schnell herum, und die Nachfrage wurde immer größer, so dass sie eine Scheune umbauten, um die Besucher von hier aus zu bedienen. Die Erfolgsstory ging immer weiter, und heute verkaufen Chris und Cheryls drei Töchter Hannah, Kitty und Cleo ihre 55 Eissorten an über 300 000 Besucher jährlich.

Bei Snugburys bekommt man neben den Standardeissorten auch viele exotische Mixturen wie „Schlehenbeerengin mit Zwetschgen“, „Lakritze mit Himbeeren“ oder „Meeressalz-Karamel“.

Seit 1998 überrascht jedes Jahr eine neue Strohskulptur die Gäste, die jeweils auf einer Wiesenfläche neben Snugburys an der A51 aufgestellt wird. Eine direkte logische Verbindung zu der Eiscremefabrikation gibt es nicht, vielleicht dienen die Skulpturen aber auch nur für Werbezwecke. Da gab unter anderem einen Dinosaurier mit dem Namen Coneastrawus (Cone=Eistüte, man liebt in England diese Wortspiele), ein elf Meter hohes Erdmännchen, einen ebenfalls elf Meter hohen Dalek (Fans der Endlos-TV-Serie „Doctor Who“ wissen, was damit gemeint ist) oder zuletzt eine zwölf Meter große Biene.

Snugburys überweist regelmäßig einen Geldbetrag an wohltätige Organisationen, die meist mit den Skulpturenthemen in Zusammenhang stehen wie zuletzt an den Bumble Bee Conservation Trust.

Snugburys Ice Cream,Park Farm
Hurleston
Nantwich

Cheshire, CW5 6BU

Author: Wildlife Terry.
Creative Commons 2.0
Das Erdmännchen.
Author: Paolo Camera.
Creative Commons 2.0
Der Dalek.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)
Die Riesenbiene.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Apley Hall in Shropshire – Ein Herrenhaus, auf das Adolf Hitler ein Auge geworfen hatte

Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blogeintrag vom 5. September 2015 schrieb ich über die Rochdale Town Hall, ein neugotisches Bauwerk im Bezirk Greater Manchester, das Adolf Hitler im Zweiten Weltkrieg so faszinierte, dass er es, nach einer erfolgreichen Invasion Großbritanniens, Stein für Stein abtragen lassen und in Deutschland wieder aufbauen wollte. Was für eine verrückte Idee!

Doch Hitler hatte noch ein weiteres Gebäude ins Auge gefasst: Apley Hall in der Grafschaft Shropshire. Hier sollte sein Hauptquartier sein, das hatte er sich fest in den Kopf gesetzt, und so stand es auch in den Geheimplänen, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs entdeckt wurden.

Die ebenfalls im neugotischen Stil erbaute Apley Hall steht in der tiefen Provinz, die nächste erwähnenswerte Stadt ist Bridgnorth. In den 1940er Jahren war das Haus im Besitz eines Major A. W. Foster, der sich bereits im Burenkrieg und im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet hatte und der im Falle einer deutschen Invasion schnell die Koffer hätte packen müssen, um dem Führer sein schönes Haus zu überlassen. Glücklicherweise wurde aus der Invasion nichts und Apley Hall blieb in englischer Hand.

In Bridgnorth munkelte man damals schon, dass die Bewohner möglicherweise bald einen neuen Nachbarn haben könnten, worüber in der kleinen Stadt natürlich niemand begeistert war.

Im Jahr 1811 ist Apley Hall fertiggestellt worden und diente der Familie Whitmore als Stammsitz. 1867 übernahm die Familie Foster das Haus und hier wurde 1883 der exzentrische Gerald Hugh Tyrwhitt-Wilson, 14th Baron Berners, geboren, den ich in meinem Blog schon einmal porträtierte (der Mann mit den bunt gefärbten Tauben). Apley Hall soll auch für P.G. Wodehouses Blandings Castle Pate gestanden haben, der Schriftsteller war mehrmals hier zu Gast.

Heute ist das Country House in Apartments unterteilt und dient als Wohnsitz für (wohlhabende) Familien.

Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 11. September 2021 at 02:00  Comments (2)  

Die „My Dear Mother Clock“ in Buckland in the Moor (Devon)

Photo © Guy Wareham (cc-by-sa/2.0)

Buckland in the Moor (gemeint ist das Dartmoor in Devon) ist ein kleines 100-Seelen-Dorf, das ich noch in Erinnerung habe, als ich an einem Sonntag, von Widecombe kommend, hindurchfuhr, und zwar in einer Kolonne von Fahrzeugen, die den winzigen Ort total verstopften. Die Bewohner lagen an dem warmen Tag in ihren Liegestühlen neben ihren wunderschönen, reetgedeckten Häusern (und hofften, dass der Spuk möglichst bald vorüber gehen möge).

Besucher des Dartmoors kommen gern nach Buckland, um sich die Dorfkirche St Peter’s anzusehen, die über eine Besonderheit verfügt: Die „My Dear Mother Clock„. Die Kirchturmuhr hat auf ihrem Ziffernblatt keine Ziffern, sondern stattdessen die zwölf Buchstaben „MY DEAR MOTHER“ in altenglischer Schrift. „MY Dear“ von 9 Uhr bis 2 Uhr, „MOTHER“ von 8 Uhr bis 3 Uhr. Verantwortlich für diese ungewöhnliche Uhr war Bucklands Lord of the Manor William Whitley, der sie 1931 anbringen ließ, in Erinnerung an seine kürzlich verstorbene Mutter. Angefertigt wurde die Uhr von der renommierten Firma John Smith and Sons aus Derby. Im Jahr 2004 wurden die Buchstaben der Uhr noch einmal neu bemalt, weil Wind und Wetter sie in Mitleidenschaft gezogen hatten.

Im Viertelstundentakt erklingt vom Turm das Glockenspiel „All things bright and beautiful„; ein Besuch der Kirche St Peter’s und Buckland in the Moor lohnt sich auf jeden Fall.

Hier ist ein Film über Buckland in the Moor und die Umgebung.

St Peter’s.
Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)
Das Church Cottage.
Photo © Chris Andrews (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 10. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lindisfarne in Northumberland Teil 2: Die St Aidan’s Winery

Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

Das Letzte, was man eigentlich auf der Insel Lindisfarne erwarten würde, ist ein Weinbaubetrieb; doch den gibt es hier tatsächlich in dem Dörfchen Holy Island Village, genannt St Aidan’s Winery nach dem Heiligen Saint Aidan of Lindisfarne. Doch wer hier Chardonnay oder Sauvignon Blanc kaufen möchte, wird enttäuscht sein, denn die Winery stellt ein merkwürdiges Getränk her, das den Namen Lindisfarne Mead trägt und exklusiv auf der Insel produziert wird. Mit Wein hat das Getränk eher wenig zu tun, denn einer der Hauptbestandteile ist Honig, der auch nicht auf der Insel gewonnen, sondern aus dem Ausland importiert wird. Angereichert wird das „weinhaltige Getränk“ weiterhin mit fermentiertem Traubensaft, Gewürzen und Wasser aus einem Brunnen auf Lindisfarne. 14,5% Alkohol hat Lindisfarne Mead, den es auch in den Varianten „Dark“ und „Spiced“ gibt, sowie eine weitere Version „Blod Mead“, eine Mixtur aus Met und Kirschwein.

Bereits im tiefen Mittelalter sollen die Mönche hier auf Lindisfarne auf der Insel diesen Honigwein hergestellt haben, dem man aphrodisiakische Wirkung nachsagt. Einem norwegischen Brauch zufolge, verabreichte man Jungvermählten einen Monat lang Honigwein, der die Fruchtbarkeit des Paares deutlich steigern sollte; das Wort „honeymoon“ entspringt diesem Brauch.

Im Laden der St Aidan’s Winery kann man die Produkte kostenlos probieren und dann gegebenenfalls kaufen. Ich werde um den Shop einen großen Bogen machen, da ich Honig überhaupt nicht mag, und bei der Vorstellung, Honigwein mit Kirschwein zu mixen, dreht sich mir der Magen um.

St Aidan’s Winery
Prior Lane
Holy Island TD15 2RX

Author: Caro’s Lines.
Creative Commons 2.0
Published in: on 9. September 2021 at 02:00  Comments (2)  

Lindisfarne in Northumberland Teil 1: Die Gefahren des Holy Island Causeways

Photo © James T M Towill (cc-by-sa/2.0)

Das Lindisfarne Castle vor der Küste Northumberlands gehört zu den Attraktion dieser nordöstlichen Grafschaft Englands. Die Burg liegt auf der Holy Island, einer Insel, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Mit dem Auto benötigt man etwa zehn Minuten, um die Insel zu erreichen. Es gibt mehrere Übernachtungsmöglichkeiten auf der Insel wie zum Beispiel das Lindisfarne Hotel oder The Crown and Anchor. Doch die meisten Besucher verbringen nur eine gewisse Zeit auf der Holy Island und fahren dann wieder auf das Festland zurück.

Und da kann es Probleme geben, denn der Holy Island Causeway wird zweimal am Tag von den Fluten der Nordsee überspült und dann ist es nicht mehr möglich, die befestigte Straße zu befahren. Auf beiden Seiten des Causeways weisen große Schilder auf die Gefahren hin, zusätzlich sind dort Gezeitentabellen angebracht, so dass sich die Autofahrer genau informieren können, ob es sicher ist, die Straße zur Insel oder von der Insel zu befahren.

Und dennoch gibt es immer wieder leichtsinnige Menschen, die die Warnungen in den Wind schlagen und bei steigender Flut beziehungsweise unsicherer Wetterlage losfahren. Starke Seitenwinde können die Gefahrenlage noch erhöhen und Fahrzeuge ins Meer ziehen. Manchmal fahren sich Autos auch fest, wenn sie zu sehr von der asphaltierten Straße abkommen. Wer es nicht mehr schafft und von den Fluten gefangen wird, für den steht eine auf Stelzen stehende „refuge box“ zur Verfügung, von der aus man über die 999 die Küstenwache alarmieren kann. Wer Pech hat, kann sein Auto abschreiben, wenn es vom Wasser überspült wird. Die Rettungsaktionen sind ganz schön teuer; wenn ein Hubschrauber eingesetzt wird, liegen die Bergungskosten bei mehreren tausend Pfund.

Dieser Film zeigt einige riskante Überquerungsversuche und hier ist die haarsträubende Fahrt eines Taxis zu sehen, das es gerade noch zur „refuge box“ schafft.

Die „refuge box“.
Photo © Nick Mutton (cc-by-sa/2.0)
Die Gezeitentabelle.
Author: malivsey.
Creative Commons 2.0
NO!!!
Author: ahisgett.
Creative Commons 2.0
Und da wollen sie alle hin, zum Lindsifarne Castle.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Das Problem der „second homes“ in der englischen Provinz

St Ives in Cornwall, außerordentlich beliebt bei „second home buyers“.
Photo © Marika Reinholds (cc-by-sa/2.0)

Der Traum vieler Londoner, oder anderer Großstädter, ist es, einen Zweitwohnsitz auf dem Land, vorzugsweise am Meer, zu besitzen. Es gibt genug wohlhabende Menschen, die sich diesen Traum erfüllen können, leider auf Kosten anderer, nämlich derjenigen, die dort bereits wohnen und die darunter zu leiden haben. In der Regel werden Zweitwohnsitze in Dörfern oder Kleinstädten gekauft, wenn dort etwas frei wird; die Einheimischen, die auch an einem Kauf interessiert wären, haben keine Chance, weil die Großstädter finanzkräftiger sind. Da die neuen Besitzer aber nicht ständig dort wohnen, spricht man bereits von „ghost villages„, überwiegend leer stehenden Häusern, und die „Ureinwohner“ fühlen sich in ihren Dörfern nicht mehr wohl, ein soziales Problem ist entstanden. In der Corona-Pandemie hat sich dieser Trend noch verstärkt; der Drang aus der Stadt hinaus in die Provinz hat zugenommen, viele wollen, das Homeoffice macht es möglich, ganz aus den Metropolen wegziehen.

In England gibt es einen akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum, und Zweitwohnungsbesitzer nehmen Wohnungssuchenden diesen Wohnraum weg. „The pandemic property boom is pricing locals out of the British countryside“ titelte The Guardian kürzlich. Devon, Dorset und Cornwall sind beliebte Regionen, in denen sich Leute mit Geld gern einen zweiten Wohnsitz zulegen.

Es gibt bereits einige Orte im Südwesten, die den Kauf von Zweitwohnungen unterbinden wollen wie in Salcombe in Devon. In St Ives in Cornwall, ein Hotspot für extrem teuere Häuser und Wohnungen, hat man das schon getan, allerdings mit negativen Folgen. Dort wurde es verboten, dass neugebaute Häuser als Zweitwohnungen verkauft werden konnten. Die Folge: Zum einen litten die örtlichen Baufirmen darunter, weil jetzt eben keine neuen Häuser mehr gebaut wurden, zum anderen stürzten sich nun die wohlhabenden Großstädter auf die verbliebenen Häuser in St Ives, was die Preise noch mehr in die Höhe treibt.

Das Problem dieser „second homes“ und die gesellschaftlichen Auswirkungen dürfte das Land wohl noch lange beschäftigen.

Published in: on 7. September 2021 at 02:00  Comments (2)  

Coates English Willow – Weidenverarbeitende Industrie in den Somerset Levels

Eine überdimensionierte Gießkanne im Besucherzentrum.
Author: zoer.
Creative Commons 2.0

Die Somerset Levels gehören zu den größten Feuchtgebieten Englands mit einer großen Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. Leider gibt es für die Bewohner dieser Region immer wieder Probleme mit Überflutungen wie zuletzt Anfang des Jahres 2014 als Ortschaften evakuiert werden mussten beziehungsweise von der Außenwelt abgeschnitten waren. Edward Platt berichtet ausführlich darüber in seinem Buch „The Great Flood: Travels Through a Sodden Landscape“ im Kapitel „The Anchorage“ (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Die Levels sind das ideale Wachstumsgebiet für Weiden, und so findet sich hier auch Englands Zentrum für weidenverarbeitende Industrie. Die Firma Coates English Willow baut schon seit über 200 Jahren Weiden an; gegründet wurde sie im Jahr 1819 von Robert Coate. Ansässig ist sie in dem Ort Stoke St Gregory. Korbweiden eignen sich vorzüglich zum Flechten von allen möglichen Gegenständen, vor allem, wie der Name schon sagt, für Körbe. Es werden hier aber auch in zunehmendem Maße Särge aus Korbweiden hergestellt, eine umweltfreundliche Alternative zu den Standardsärgen. Hier sind die Erzeugnisse der Firma Coates in diesem speziellen Bereich zu sehen.

Einen guten Überblick über alles was mit Weidenverarbeitung zu tun hat, bietet das Besucherzentrum mit dem angeschlossenen Basket Museum, das eine Sammlung von aus Weiden hergestellten Gegenständen seit 1850 beherbergt. Hier beginnen auch die Rundwege durch das Weidenanbaugebiet der Firma Coates.

Eine weitere Besonderheit ist die Produktion von Zeichenkohle, die ebenfalls aus Weiden hergestellt wird. Etwa 80% der weltweit verwendeten Zeichenkohle kommt von hier aus Stoke St Gregory.

Dieser Film informiert über Coates English Willow in den Somerset Levels.

Coates English Willow
Meare Green Court
Stoke St Gregory

Taunton
Somerset TA3 6HY

Ein Fisch aus Weidengeflecht im Besucherzentrum.
Author: zoer.
Creative Commons 2.0
Published in: on 6. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Barbara Villiers, 1st Duchess of Cleveland, Countess of Castlemaine – Amouröse Klatsch- und Tratschgeschichten vom königlichen Hofe Charles II.

Gemälde von Henri Gascar.
This work is in the public domain.

That Lady“ nannte man Barbara Villiers (1640-1709) am englischen Hof, eine Dame, die die Titel 1st Duchess of Cleveland und Countess of Castlemaine trug. Es gab auch noch andere Bezeichnungen für sie, die wesentlich drastischer waren. Barbara Villiers soll eine Schönheit gewesen sein, die einen ganz besonderen Sex Appeal ausstrahlte, dem nur wenige Männer widerstehen konnten. Auch König Charles II. verliebte sich auf der Stelle in die damals gerade achtzehnjährige Frau und hielt sie jahrelang als Mätresse. Sage und schreibe fünf Kinder (mindestens!) zeugte er mit ihr, es gab damals ja weder die Pille noch Kondome. Elf Generationen später sorgte ein Nachkomme der beiden weltweit für Schlagzeilen: Lady Diana, Princess of Wales.

Die Duchess of Cleveland war eine sexuell sehr aktive Frau und hatte viele Liebhaber, darunter adelige Häupter wie John Churchill, der erste Duke of Marlborough und Henry Jermyn, 3rd Baron Jermyn and 1st Baron Dover, aber auch ganz andere Typen wie den Seiltänzer Jacob Hall und den dubiosen Schauspieler Cardell Goodman, der versucht hatte, zwei ihrer Kinder zu vergiften.

Barbara Villiers war immer wieder für Überraschungen gut, so erzählte man sich am Hofe die Geschichte, dass sie einem Bischof beim Oralsex den Penis abgebissen haben soll. Es kursierte auch eine andere Version, nämlich die, dass die Duchess of Cleveland zwar jemandem den Penis abgebissen haben soll, aber keinem lebenden Bischof, sondern einem mausetoten mumifizierten Geistlichen aus dem 14. Jahrhundert. Welche Geschichte nun wirklich stimmt, wird sich heute wohl nur noch schwer klären lassen.

Am Hofe Charles II. tauchte eines Tages ein nur fünfzehn Jahre altes Mädchen auf, Lady Frances Stewart, das der berühmte Tagebuchschreiber Samuel Pepys als das schönste der Welt bezeichnete und das der König unbedingt in seinem Bett haben wollte. Die junge Dame aber widerstand allen royalen Annäherungsversuchen und fiel Barbara Villiers in die Hände, die sie für ihre Zwecke ausnutzte. Sie zelebrierte eine vorgetäuschte lesbische Hochzeit mit Lady Frances, um den König zu überzeugen, dass diese nicht auf Männer, sondern auf Frauen stand. Als auch diese Idee nichts brachte, und der König weiterhin Lady Frances den Hof machte, inszenierte die Duchess of Cleveland eine weitere Szene. Sie führte ihn in das Schlafzimmer des jungen Mädchens, wo die nackte Fünfzehnjährige in den Armen des Dukes of Richmond lag.

So, jetzt ist es aber genug mit den Klatsch und Tratschgeschichten vom englischen Hofe des 17. Jahrhunderts. Barbara Villiers starb nach einem sexuell sehr ausgefülltem Leben im Alter von 68 Jahren im Londoner Walpole House, das in der Chiswick Mall am Nordufer der Themse steht und in dem später im 19. Jahrhundert der berühmte Schriftsteller William Makepeace Thackeray wohnen sollte.

Hier ist ein Film über Barbara Villiers.

Lady Frances Stuart. Gemälde von Peter Lely.
This work is in the public domain
Walpole House (ganz links) und Chiswick Mall.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 5. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Kitty Jay’s Grave – Ein einsames Grab im Dartmoor

Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)

An einer kleinen Straße im östlichen Dartmoor in der Grafschaft Devon, etwa ein Kilometer von den Hound Tor Rocks entfernt, trifft man plötzlich auf ein Grab, das man beim Vorbeifahren leicht übersehen kann. Es ist Kitty Jay’s Grave, das Grab einer jungen Frau, die sich aus Verzweiflung um das Jahr 1790 herum das Leben genommen hat.

Kitty Jays Leben war traurig; sie wuchs als Waise in einem Armenhaus in Newton Abbot auf. Als junges Mädchen wurde sie zu einem Bauernhof in der Nähe von Manaton im Dartmoor geschickt, wo sie schwere Arbeiten zu erledigen hatte. Hier führte sie ein einsames Leben, mit wenig Abwechslung, nichts für einen Teenager. Es kam wie es kommen musste, der Sohn der Bauernfamilie warf ein Auge auf das Mädchen, und Kitty war nicht abgeneigt, da die Beziehung ein Gefühl der Geborgenheit für sie bedeutete. Es dauerte nicht lange und Kitty war schwanger. Die Bäuerin und der Bauer waren fuchsteufelswild und davon überzeugt, dass Kitty ihren Sohn verführt hatte. Sie warfen das Mädchen aus dem Haus, das jetzt mit dem Ruf einer Schlampe leben musste. Niemand würde sie wieder einstellen, und ihre einzige Perspektive war die Rückkehr in das Armenhaus. Kitty sah keinen anderen Ausweg als sich das Leben zu nehmen, und so erhängte sie sich in einer Scheune auf dem Bauernhof. Was für eine traurige Geschichte!

Da Selbstmörder damals nicht auf dem geweihten Boden eines Kirchhofs beerdigt werden durften, trug man sie an einer einsamen, kleinen Straße zu Grabe, die an dieser Stelle von einem unbefestigten Weg, der in die Moore führte, gekreuzt wurde. Man erzählte sich in der Umgebung, dass des Nachts häufig eine dunkle Gestalt an dem Grab gesichtet wurde. War es der reumütige Liebhaber Kittys?

Bis zum heutigen Tag legt irgendjemand, niemand weiß wer, regelmäßig frische Blumen auf Kitty Jay’s Grave. Selbst in der Zeit des Lockdowns während der Coronakrise war das der Fall.

Die wenig bekannte Schriftstellerin Lois Deacon, die in Chagford am Rand des Dartmoors lebte und dort 1984 auch starb, schrieb 1973 einen Roman, in dem es um Kitty Jay geht, mit dem Titel „An Angel from your door„.

Die Rockband Wishbone Ash nahm 1974 den Song „Lady Jay“ auf, in dem die tragische Geschichte des jungen Mädchens verarbeitet wird (hier zu hören).

Hier ist ein Film über Kitty Jay und ihr Grab.

Photo © Graham Horn (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 4. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

The French Dining Room im Cliveden House Hotel in Berkshire

Author: Traveloscopy.
Creative Commons 2.0

Das Cliveden House Hotel , außerhalb Londons und oberhalb der Themse in der Grafschaft Berkshire, manche sagen auch Buckinghamshire, ist zweifelsohne eine der Topadressen in ganz England. Nirgendwo sonst habe ich bei meinen Aufenthalten einen so aufmerksamen und freundlichen Service erfahren. Bevor mein Auto vorgefahren wurde, hatte man es vollkommen vom Schnee befreit, der in der Nacht gefallen war, man stellte uns vor einem Spaziergang im Park Gummistiefel in den passenden Größen zur Verfügung, und wir wurden persönlich von der General Managerin in der wunderschönen Hall empfangen. Mehrfach habe ich in meinem Blog einzelne Aspekte dieses großartigen Hauses vorgestellt; einen ganz besonderen Raum aber noch nicht: The French Dining Room.

Ich habe mir diesen Raum genauer angesehen, und er ist wirklich fantastisch. Genutzt wird er meist für geschlossene Gesellschaften, etwa 60 Personen können an Tischen Platz nehmen. Wer den Dining Room mieten möchte, muss circa £1000 für einen Abend bezahlen, und der Verzehr muss mindestens bei £3000 liegen. Dafür speist und trinkt man aber in einer Atmosphäre, die ihresgleichen sucht.

Der damalige Besitzer von Cliveden, William Waldorf Astor, war bei einem Besuch des Chateau d’Asnières in der Nähe von Paris von Madame Pompadours ehemaligem Speiseraum aus dem 18. Jahrhundert derart begeistert, dass er die Einrichtung kaufte und sie in sein Haus nach Berkshire transportieren ließ. Hier entstand dann Madame Pompadours French Dining Room 2.0, eine Augenweide.

Im November 2008 kam ein Filmteam für zwei Tage nach Cliveden, um hier einige Szenen für den Film „Sherlock Holmes“ mit Robert Downey jr und Jude Law in den Hauptrollen zu drehen, unter anderem auch im French Dining Room, der als Irene Adlers Hotelzimmer im Grand Hotel herhalten musste, wo sie Sherlock Holmes trifft (hier ist ein kurzer Ausschnitt).

Hier ist der French Dining Room im Film zu sehen.

Cliveden House Hotel.
Author: Roger.
Creative Commons 2.0
Chateau d’Asnières.
Author: Parisette.
Creative Commons 3.0
Published in: on 3. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Nash-Healey – Ein seltener Sportwagen aus britisch-amerikanischer Produktion

Author: Rex Gray.
Creative Commons 2.0

Ich komme heute noch einmal auf meinen Blogeintrag vom 31. August diesen Jahres zurück. Auf dem Umschlagbild des Kriminalromans „Noch ein Mord, Mylord“ aus der Feder von Ralf Kramp ist vor der wunderschönen Kulisse des Belvoir Castles in Leicestershire ein Auto abgebildet, das wohl nur wenige mit eigenen Augen gesehen haben. Es ist kein Fantasieauto, es handelt sich um einen Nash-Healey Sportwagen, den in den Kriminalerzählungen der Rechtsanwalt Nigel Bates fährt und in den sich der korpulente Detektiv Lord Merridew immer hineinzwängen muss.

Fahrzeuge dieses Typs wurden in der Zeit von 1951 bis 1954 gebaut, dann wurde die Produktion in den Fabrikhallen an der Millers Road in Warwick (Warwickshire) eingestellt. Das Auto war damals den meisten einfach zu teuer, und so wurden lediglich etwas über 500 Nash-Healeys als Roadster und als Coupé hergestellt.

Der Name Nash-Healey setzt sich zusammen aus der amerikanischen Firma Nash Motors (1916 von Charles Nash gegründet) und der in Warwick ansässigen englischen Firma Donald Healey Motor Company (1945 von Donald Healey gegründet).

Die Sportwagen hatten eine Leistung von 125 PS und sollten eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 175 und 200 Stundenkilometern erreichen.

Von den damals produzierten Fahrzeugen hat schätzungsweise ein Viertel überlebt, dementsprechend hoch werden sie bei Auktionen gehandelt, zwischen $60 000 und $80 000.

Den ersten ausgelieferten Nash-Healey Sportwagen erhielt übrigens damals die Sängerin Petula Clark aus der Hand von Donald Healey. Das Kennzeichen: PET 1. Petula erreichte 1953 erstmals die britischen Charts mit dem Liedchen „Where did my snowman go?„.

In diesem Film kann man den „seldom seen Nash-Healey“ eingehender betrachten.

Author: Jack Snell.
Creative Commons 2.0
Published in: on 2. September 2021 at 02:00  Comments (1)  

Der weltweit einzige Obstbaum-Irrgarten in der Combermere Abbey in Cheshire

Die Combermere Abbey ist ein sehr schön anzusehender Gebäudekomplex im Süden der Grafschaft Cheshire, deren Anfänge bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen. Im Zuge der „Dissolution of the monasteries“ Heinrichs VIII. wurde die Abtei 1538 aufgelöst. Doch die Geschichte der Combermere Abbey soll nicht im Mittelpunkt meines heutigen Blogeintrages sein, sondern ein spezieller Aspekt, der mit einem Irrgarten und Hochzeitspaaren zu tun hat.

Auf dem Gelände der ehemaligen Abtei gibt es einen ummauerten Garten, der einen Rosengarten, einen Croquetrasen und einen Irrgarten beinhaltet; keinen gewöhnlichen Irrgarten, sondern einen aus Obstbäumen und Beerensträuchern, den einzigen dieser Art auf der ganzen Welt. Das „fruit maze“ wurde 1922 geschaffen, aus Apfel- und Birnenbäumen, dazwischen Johannisbeer- und Stachelbeersträucher. Bis zum Zentrum des Irrgartens und zurück muss man immerhin 600 Meter zurücklegen. Ist man dann im Zentrum angekommen, trifft man auf ein Glashaus aus edwardianischer Zeit, das für besondere Anlässe zur Verfügung steht, in erster Linie für Hochzeitsfeiern. Dort ist es möglich, sich zivil trauen zu lassen und das Ehegelöbnis abzulegen, anschließend wird im Pavilion diniert und getanzt, und das Hochzeitspaar kann in der Honeymoon Suite der Combermere Abbey übernachten. Klingt wirklich sehr verlockend, und viele angehende Hochzeitspaare konnten dieser Verlockung nicht widerstehen und buchten die Abbey für diesen besonderen Tag in ihrem Leben. Auf youtube gibt es eine ganze Menge Hochzeitsvideos, die hier gedreht wurden. Als Beispiel habe ich dieses Video herausgesucht (mit einer sehr hübschen Braut!!).

Combermere Abbey Estate
Nantwich

Cheshire, SY13 4AJ

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