Das Problem der „second homes“ in der englischen Provinz

St Ives in Cornwall, außerordentlich beliebt bei „second home buyers“.
Photo © Marika Reinholds (cc-by-sa/2.0)

Der Traum vieler Londoner, oder anderer Großstädter, ist es, einen Zweitwohnsitz auf dem Land, vorzugsweise am Meer, zu besitzen. Es gibt genug wohlhabende Menschen, die sich diesen Traum erfüllen können, leider auf Kosten anderer, nämlich derjenigen, die dort bereits wohnen und die darunter zu leiden haben. In der Regel werden Zweitwohnsitze in Dörfern oder Kleinstädten gekauft, wenn dort etwas frei wird; die Einheimischen, die auch an einem Kauf interessiert wären, haben keine Chance, weil die Großstädter finanzkräftiger sind. Da die neuen Besitzer aber nicht ständig dort wohnen, spricht man bereits von „ghost villages„, überwiegend leer stehenden Häusern, und die „Ureinwohner“ fühlen sich in ihren Dörfern nicht mehr wohl, ein soziales Problem ist entstanden. In der Corona-Pandemie hat sich dieser Trend noch verstärkt; der Drang aus der Stadt hinaus in die Provinz hat zugenommen, viele wollen, das Homeoffice macht es möglich, ganz aus den Metropolen wegziehen.

In England gibt es einen akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum, und Zweitwohnungsbesitzer nehmen Wohnungssuchenden diesen Wohnraum weg. „The pandemic property boom is pricing locals out of the British countryside“ titelte The Guardian kürzlich. Devon, Dorset und Cornwall sind beliebte Regionen, in denen sich Leute mit Geld gern einen zweiten Wohnsitz zulegen.

Es gibt bereits einige Orte im Südwesten, die den Kauf von Zweitwohnungen unterbinden wollen wie in Salcombe in Devon. In St Ives in Cornwall, ein Hotspot für extrem teuere Häuser und Wohnungen, hat man das schon getan, allerdings mit negativen Folgen. Dort wurde es verboten, dass neugebaute Häuser als Zweitwohnungen verkauft werden konnten. Die Folge: Zum einen litten die örtlichen Baufirmen darunter, weil jetzt eben keine neuen Häuser mehr gebaut wurden, zum anderen stürzten sich nun die wohlhabenden Großstädter auf die verbliebenen Häuser in St Ives, was die Preise noch mehr in die Höhe treibt.

Das Problem dieser „second homes“ und die gesellschaftlichen Auswirkungen dürfte das Land wohl noch lange beschäftigen.

Published in: on 7. September 2021 at 02:00  Comments (2)