The Duck Feast in Charlton (Wiltshire)

The Cat Inn in Charlton
Photo © Rog Frost (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns wieder einmal in die Grafschaft Wiltshire, genauer gesagt in den Ort Charlton und dort wiederum in The Cat Inn (ursprünglich hieß der Pub The Red Lion, aber der Löwe auf dem Wirtshausschild war so schlecht gemalt, dass man nur vom The Cat Inn sprach), wo jedes Jahr um den ersten Juni herum eine kuriose Tradition fortgesetzt wird, deren Ursprung in das Jahr 1734 zurückzuverfolgen ist: The Duck Feast. Wer jetzt denkt, dass es im Cat Inn ein großes Festessen mit Enten gibt, der ist auf dem Holzweg, denn mit „Duck“ ist nicht das Federvieh sondern der Dichter Stephen Duck gemeint, der von 1705 bis 1756 lebte und in Charlton geboren wurde. Heute kennen wohl nur noch wenige den Namen dieses Bauernpoeten, der von Beruf Drescher und dessen wichtigstes Handwerkszeug die Sense war. Sein erstes Werk hieß denn auch „The Thresher’s Labour„, 1730 erschienen, ein Gedicht, das vom harten Leben der Landarbeiter erzählte und das erstaunlicherweise in der Londoner Gesellschaft für Furore sorgte. Queen Caroline, Gattin König Georgs II., wurde auf Stephen Duck aufmerksam; sie förderte ihn und machte ihn zum „Governor of Duck Island„, einer kleinen Insel auf einem See im Londoner St James’s Park, auf der das Duck Island Cottage stand und noch heute steht. Ob Queen Caroline es als Gag betrachtete, einen Mann namens Duck zum Gouverneur einer Insel zu machen, die bereits Duck Island hieß und nicht nach dem Poeten benannt worden war, mag ich nicht zu beurteilen. Witzig war es aber schon. Neben seinem „Gouverneursposten“ erhielt Stephen Duck von Queen Caroline noch einen weiteren Auftrag, er wurde verantwortlich für Merlin’s Cave, einem Folly im Richmond Park, in dem Wachsfiguren ausgestellt waren und das 1766 wieder abgerissen wurde..

Ein weiterer Förderer Stephen Ducks war der Politiker und Parlamentarier Lord Palmerston (1673-1757), und da kommen wir wieder auf das eingangs erwähnte Duck Feast in Charlton zurück, das Palmerston 1734 ins Leben rief und auch bezahlte. Zwölf Drescher und Stephen Duck kamen jährlich einmal im Dorfpub zu einem Abendessen zusammen (bei dem möglicherweise auch hin und wieder Ente serviert wurde, das ist aber nur eine Spekulation meinerseits). Auch heute noch nehmen dreizehn Personen an dem Duck Feast im Cat Inn teil; einer der Teilnehmer wird zum Chief Duck ernannt und trägt während des Essens einen Hut mit Entenfedern.

Ich liebe diese alten englischen Traditionen…

Stephen Duck hatte wohl Probleme mit seinem Aufstieg vom einfachen Landarbeiter in die Londoner Gesellschaft. Er nahm sich 1756 das Leben, indem er sich hinter dem Pub The Black Lion bei Reading in einem Teich ertränkte.

Das Duck Island Cottage im St James’s Park in London.
Photo © Robin Sones (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 22. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen