Chillingham Castle in Northumberland – Zu Besuch in der gruseligsten Burg Englands

Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Weit oben im englischen Norden, in der Grafschaft Northumberland, liegt Englands „most haunted castle“: Chillingham Castle. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Burg wird von Sir Humphry Wakefield und seiner Familie bewohnt, und da man für den Unterhalt eines so alten Gebäudes viel Geld benötigt, wird Chillingham Castle heute für alle möglichen Dinge vermarktet. Hochzeiten in Schlössern sind in England sehr beliebt, so wird auch dieses Haus in Northumberland dafür zur Verfügung gestellt. Weiterhin kann man hier Tagungen durchführen und die Räumlichkeiten für private Feiern mieten.

Da Chillingham Castle das Spukschloss Nummer Eins in England sein soll, werden natürlich auch Ghost Tours (£25)angeboten, die zwei Stunden durch die Burg und das Gelände drumherum führen. Wem das noch nicht reicht, dem stehen sogenannte Ghost Hunts zur Verfügung, die vier Stunden dauern und £50 kosten.

Auch RTL II war hier zu Besuch und drehte einen Film. In der US-amerikanischen Reality TV-Show „The Scariest Places on Earth“ musste eine Familie aus Illinois eine Nacht in der Burg verbringen; wie es ihr dabei erging kann man hier sehen.

Der Historienfilm „Elizabeth“ mit Cate Blanchett und Ralph Fiennes wurde zum Teil hier gedreht, wobei Chillingham Castle zu Leith Castle wird.

Wer in dem Castle einmal übernachten möchte, kann dies tun. Einige Apartments im Schloss selbst und die Coaching Rooms, wo früher die Kutschen und die Pferde untergebracht waren, stehen dafür das ganze Jahr über zur Verfügung.

Chillingham Castle
Chillingham
Alnwick
Northumberland
NE66 5NJ

Bitte Platz nehmen…in der Folterkammer der Burg.
Author: Glen Bowman.
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The Iron Maiden, ebenfalls in der Folterkammer.
Author: DavidRBadger.
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Hier wird nicht gefoltert, sondern gespeist.
Author: Andrew Stawarz.
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Published in: on 31. Oktober 2021 at 02:00  Comments (3)  

Panyer Boy – Eine rätselhafte Steinfigur in Londons Panyer Alley

Author: Matt From London.
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Direkt neben einer Caffè Nero-Filiale in Londons Panyer Alley (EC2) sieht man eine kleine Steintafel, an der wahrscheinlich die meisten Passanten achtlos vorbeigehen, und die einen Jungen zeigt, der auf einem Brotkorb sitzt. Der Zahn der Zeit, beziehungsweise die Abgase der Autos haben, der Figur arg zugesetzt, aber sie stammt auch schon aus dem 17. Jahrhundert. „Panyer Boy“ heißt der junge Mann, der schon mehrfach umgesiedelt worden ist, weil die Gebäude, an der die Tafel angebracht war, immer wieder abgerissen worden sind. Nun sitzt er also hier an der Wand neben dem Coffeeshop. Niemand weiß so recht, was es mit dem „Panyer Boy“ auf sich hat, und es gibt eine Fülle von Meinungen über die Bedeutung und den Ursprung der Figur. Versucht der Junge gerade, einen Dorn aus seinem Fuß zu ziehen? Kann sein.
Die Panyer Alley soll möglicherweise nach den Bäckerjungen benannt worden sein, die hier früher Brot aus Körben verkauften, da macht die Figur auf der Steintafel Sinn. Die Inschrift unterhalb des sitzenden Jungen weist aber auf etwas ganz anderes hin:

When ye have sought the Citty round yet still this is the highest ground. August 27, 1688.” 

Will heißen: Dieses war einmal der höchst gelegene Punkt der Londoner City, was aber nicht der Fall sein kann, da zu dem genannten Zeitpunkt Cornhill, nicht weit entfernt, der höchste Punkt war.

Rätsel über Rätsel, deren Lösung der schweigsame Knabe mit dem kaum noch zu erkennenden Antlitz wohl für immer für sich behalten wird.

Hier ist eine Film über den Panyer Boy.

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 30. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Fig Pie Rolling in Wybunbury (Cheshire)

Author: Ten Minutes From Home.
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Engländer lieben es, Gegenstände steile Hügel oder Straßen hinunterzurollen…oder zumindest dabei zuzuschauen. Ich denke da an das Cheese Rolling am Cooper’s Hill in Gloucestershire. Oder aber schwere Gegenstände nicht minder steile Straßen hinaufzuschleppen wie beim Wrekin Barrel Race in Shropshire oder bei den World Coal Carrying Championships in West Yorkshire.

In einem kleinen Dorf in der Grafschaft Cheshire, südlich der Stadt Crewe, veranstaltet man so etwas Ähnliches, das sich Fig Pie Rolling nennt. Wybunbury lautet der ungewöhnliche Name des Dorfes, der wie so oft anders ausgesprochen wird, nämlich meist „Wyb-un-bury“ oder „Wimbry“. Des Dorfes größte Attraktion ist der schiefe Kirchturm von St Chad, ein kirchenloser Turm, der unterirdisch gestützt werden muss, damit er nicht irgendwann einmal umkippt. Die ehemals dazugehörende Kirche wurde schon 1833 abgerissen.

Doch zurück zur zweiten Attraktion des Dorfes. Meist Anfang Juni findet dort im Rahmen des Fig Pie Wakes Festivals das „Feigenpastetenrollen“ statt, dessen Regeln recht einfach sind. Die Teilnehmer backen die Pasteten selbst nach einem althergebrachten Rezept, wobei der Teig sehr hart wird, denn das muss er auch sein, wenn die Pie die Straße hinuntergerollt werden soll. Sieger des Wettbewerbs ist derjenige, dessen Pastete den weitesten Weg zurückgelegt hat.

Das Fig Pie Rolling stammt aus dem 19. Jahrhundert, wurde aber lange Zeit ausgesetzt, bis man sich 1995 wieder daran erinnerte. Der Wybunbury Tower Preservation Trust rief dieses skurrile Event erneut ins Leben, damit die Einnahmen aus dem Amüsement der Erhaltung des schiefen Turmes zugute kommen.

Die Fig Pie Rolling Strecke ist auf der Main Road, zwischen den Pubs The Swan Inn und The Red Lion.

Wer sich im nächsten Jahr um den 11. Juni herum in Cheshire aufhalten sollte, dem sei ein Besuch in Wybunbury empfohlen.

Hier kann man sich den Spaß im Film ansehen.

Der schiefe St Chad’s Tower.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)
Startpunkt des Wettbewerbs: The Swan Inn.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)
Der eine Zeit lang geschlossene, seit 2012 aber wieder geöffnete Red Lion.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Prideaux Place bei Padstow in Cornwall – Rosamunde Pilcher-Verfilmungen, Geister und ein Teddybär mit einem merkwürdigen Namen

Photo © G Laird (cc-by-sa/2.0)

Millionen von deutschen Fernsehzuschauern kennen dieses schöne Herrenhaus bei Padstow in Cornwall; viele wissen aber nicht wie es heißt und wo es liegt. Das ZDF benutzte Prideaux Place viele Male als Kulisse für seine Verfilmungen von Rosamunde Pilcher-Geschichten („Heimkehr“, „Das Ende eines Sommers“, Das große Erbe“ etc.).

14 Generationen von Prideauxs wohnten nun schon in diesem Haus, seit es 1592 erbaut wurde. Peter & Elisabeth Prideaux-Brune sind die heutigen Besitzer und Bewohner von Prideaux Place, die ihr Haus für Besucher geöffnet haben, von denen viele aus Deutschland kommen. Aus diesem Grund werden die Touren durch das Haus auch in deutscher Sprache angeboten.

Prideaux Place wird von schönen Gärten und einem Wildpark umgeben. Es heißt, wenn das Wild hier einmal aussterben sollte, würde es die Prideaux-Familie ebenfalls. Kein Wunder, dass das Wild gehegt und gepflegt wird.

Die Geisterjäger-Serie „Most Haunted„von Living TV mit Medium Derek Acorah untersuchte das Haus schon einmal und natürlich wurde Acorah auch dieses Mal fündig (hier zu sehen).

Ein hübsches kleines Mitbringsel als Erinnerung an einen Besuch in Prideaux Place ist das kleine Buch „Me too: A bear’s eye view“ von Carmen Hocking, die im Haus arbeitet. Es handelt von den Abenteuern des kleinen Bären Me Too, der Peter Prideaux-Brune gehört und der tagsüber in der Bibliothek sitzt, des Nachts aber alle seine Freunde, wie andere Teddybären, Kaninchen und Katzen, um sich herum schart und die sich dann alle zusammen amüsieren und Spiele spielen. Der Name des Bären ist etwas unglücklich gewählt, aber das geschah bereits bevor die „Me too“-Bewegung ins Leben gerufen wurde.

Ein Besuch von Prideaux Place lohnt sich, nicht nur für Rosamunde Pilcher-Fans. Hier ist ein Film über das Haus.

Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Im Wildpark von Prideaux Place.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Oktober 2021 at 02:01  Comments (2)  

The English Haydn Festival in Bridgnorth (Shropshire)

This work is in the public domain.

Die kleine Stadt Bridgnorth in der Grafschaft Shropshire ist vor allem für seine Cliff Railway bekannt, die älteste und steilste Standseilbahn Englands, die die Oberstadt mit der Unterstadt verbindet. Ich berichtete darüber in meinem Blog.

Freunde klassischer Musik verbinden den Ort aber mit etwas anderem, dem English Haydn Festival, das jährlich stattfindet, es sei denn Corona macht dem Hörvergnügen einen Strich durch die Rechnung. Die Musik des österreichischen Komponisten Joseph Haydn (1732-1809) ist in England sehr beliebt, zurückzuführen auf seine Aufenthalte zwischen 1791 und 1795 auf der Insel. 1791 erhielt er im Sheldonian Theatre das Ehrendoktorat für Musik der Universität Oxford, er spielte und dirigierte in London vor Mitgliedern des Königshauses und hatte für seine Aufenthalte in England eine Unmenge an Kompositionen verfasst, es sollen etwa 250 gewesen sein.

1993 wurde das English Haydn Festival ins Leben gerufen, durch den US-amerikanischen Musikwissenschaftler H. C. Robbins Landon (1926-2009). der vier Jahre zuvor den burgenländischen Joseph-Haydn-Preis erhalten hatte, und den Geiger John Reid. Die beiden wollten dem klassikgeneigten Publikum in der Provinz die Musik Joseph Haydns und seiner Zeitgenossen näher bringen, was ihnen auch gelungen ist. In diesem Jahr gab es nur ein kurzes, eintägiges Festival am 11. September, es soll aber im nächsten Jahr vom 6. bis zum 11. Juni wieder in gewohnter Länge aufgenommen werden. Im Mittelpunkt der musikalischen Aufführungen steht die St Mary’s Church in Bridgnorth.

St Mary’s in Bridgnorth.
Photo © Geoff Pick (cc-by-sa/2.0)
In St Mary’s.
Photo© Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 27. Oktober 2021 at 02:02  Kommentar verfassen  

The English Motorway System in Bild und Ton.

Ist das Fahrverhalten der Engländer auf ihren Motorways eigentlich ein anderes als das der Deutschen auf unseren Autobahnen? Nach meinen Erfahrungen, nur ein wenig. 70 Meilen ist die Höchstgeschwindigkeit, die aber oft überschritten wird, trotz ständiger Hinweise auf Radarüberwachung, zum Beispiel auf der M25. Ich ziehe das Fahren auf ruhigeren Straßen auf jeden Fall vor, doch manchmal ist man gezwungen bei längeren Strecken die Motorways zu nehmen, weil man auf anderen Straßen nur recht langsam vorwärts kommt.

Ich habe heute einmal einige Musikstücke zusammen gestellt, die sich mit dem English Motorway System beschäftigen. Zur Einstimmung empfiehlt sich obiger Film, der eine Fahrt auf der M25 zeigt.

Die Londoner Indie-Band Black Box Recorder hat einen Song aufgenommen, der „The English Motorway System“ heißt, sehr gefühlvoll von Sängerin Sarah Nixey interpretiert („The English motorway system is beautiful and strange“).

Die Kinks habe 1972 einen Song auf ihrem Album „Everybody’s in Show-Biz“ veröffentlicht, der den Titel trägt „Motorway“ trägt, in dem sie sich überwiegend mit dem schlechten Essen auf den Raststätten und dem desolaten Zustand der Toiletten beschäftigen.

The Doves aus Manchester nennen einen ihrer Songs „M62 Song“ weil sie ihn aufnahmen, als sie gerade unter einer Überführung dieser Autobahn fuhren, die von Liverpool nach Hull führt.

Die M6 ist mit 370 Kilometern die längste Autobahn Großbritanniens; sie führt von den Midlands bis zur schottischen Grenze. Die Band mit dem merkwürdigen Namen Half Man Half Biscuit haben sich dieses Motorways in ihrem Song „M-6-ster“ angenommen und erzählen darin, welche Speditionslaster sie dort treffen (Christian Salvesen, Curries of Dumfries, Norbert Dentressangle).

2-4-6-8 Motorway“ heißt dieser zum Mitgröhlen animierende Song der Tom Robinson Band aus London („Me and my radio truckin‘ on thru the night“).

Ein Problem haben The Long Blondes, sie sind „Separated by Motorways“ („Separated by motorways The A14 and the A1 (so long) Separated by motorways Two lonely girls go on the run“), dieses Drama muss sich an Junction 21 abgespielt haben, dem Brampton Hut Interchange bei Huntingdon in Cambridgeshire, wo sich A1 und A14 kreuzen.

Sogenannte Radioballaden komponierte Ewan McColl anlässlich des Baus der Autobahn M1 in „Song of a Road„.

Published in: on 26. Oktober 2021 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Luise Berg-Ehlers: Mörderisches England

Foto meines Exemplares.

Nach „England und die Detektive“ (Nicolaische Verlagsbuchhandlung 2002) und „Mit Miss Marple aufs Land“ (siehe dazu meinen Blogeintrag) hat die anglophile Bochumer Autorin Luise Berg-Ehlers wieder einige Reisen auf die Insel unternommen, um Material für ihr nächstes Buch zu sammeln, das im September diesen Jahres erschienen ist.

Mörderisches England: Eine Reise zu den Schauplätzen literarischer Verbrechen von Conan Doyle bis J.K. Rowling„, so lautet der Titel des Buches, in dem sich die Autorin auf 249 Seiten kreuz und quer durch England bewegt, die Standard-Sehenswürdigkeiten links liegen lässt und die „locations„, also die Schauplätze der Handlungen von Kriminalromanen, fest im Auge behält. Die Reise beginnt in der Hauptstadt London, wo wir unter anderem auf den wohl berühmtesten Detektiv aller Zeiten, Sherlock Holmes, treffen, dessen geistiger Vater ja schon im Buchtitel genannt wird. Wir besuchen Hampstead Heath und P.D. James, Ngaio Marsh und die Londoner Theaterlandschaft, John Mortimer und den Gerichtshof Old Bailey. Das sind nur einige wenige Beispiele für die im Buch genannten Autoren.

Sehr viel Aufmerksamkeit widmet Luise Berg-Ehlers der Stadt Brighton an der englischen Südküste, die eine sehr ansprechende Kulisse für Krimihandlungen bietet. Der Autor Peter James lässt seine Krimis gern in der Stadt am Meer spielen.

Das Buch „Mörderisches England“ widmet auch den Verfilmungen vieler Kriminalromane Aufmerksamkeit wie Colin Dexters in Oxford spielende „Inspector Morse“-Serie, James Runcies „Grantchester“ um den Pfarrer Sidney Chambers, angesiedelt in dem hübschen Dörfchen Grantchester bei Cambridge und natürlich Inspector Barnabys fiktiven Midsomer County, in dem es „locations“ in Hülle und Fülle gibt, die in natura meist in Buckinghamshire und Oxfordshire zu finden sind.

Luise Berg-Ehlers belässt es aber nicht nur bei den Krimi-Schauplätzen, sie gibt dem Reisenden ebenfalls Tipps für besonders zu empfehlende Restaurants, Tea Rooms und Hotels mit auf den Weg, schließlich muss man in der Welt des Verbrechens sich hin und wieder auch um sein leibliches Wohl kümmern.

Die Fotografien, einige davon doppelseitig, geben dem Buch einen zusätzlichen „atmosphärischen Kick“ und sind fast alle von der Autorin selbst aufgenommen worden. Sie belegen, gemeinsam mit dem einfühlsamen Text, dass Luise Berg-Ehlers es versteht, wie schon in ihren vorigen Büchern, die Leser gefangen zu nehmen und sie für England zu begeistern, auch wenn die Hürden für eine Reise dorthin momentan höher geworden sind.

Mir hat das Buch einige sehr angenehme Lesestunden bereitet und zur Lektüre von Krimiautoren angeregt, die ich bisher noch gar nicht kannte.

Luise Berg-Ehlers: Mörderisches England: Eine Reise zu den Schauplätzen literarischer Verbrechen von Conan Doyle bis J.K. Rowling. Corso 2021. 249 Seiten. ISBN 978-3-7374-0768-7.

St Andrew & St Mary in Grantchester (Cambridgeshire). Hier wirkt Pfarrer Sidney Chambers.
Eigenes Foto
Mitten im Midsomer County; hier das im Buch erwähnte Gasthaus The Six Bells in Warborough in Oxfordshire.
Eigenes Foto.
Published in: on 25. Oktober 2021 at 02:00  Comments (3)  

Die Shepherd Neame Brewery in Faversham (Kent) – Die älteste Brauerei Englands

Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

1698 gründete Richard Marsh in der Stadt Faversham in Kent eine Brauerei, die heute den Namen Shepherd Neame trägt und die älteste Brauerei Englands ist. Die Firma besitzt darüber hinaus über 300 Pubs, die alle im Südosten beheimatet sind.

Einen guten Einblick in die Herstellung der diversen Biere gibt eine Führung durch die Brauerei, die etwa 2 Stunden dauert und auf der man selbstverständlich auch die Biere probieren kann. Kaufen kann man sie und vieles mehr im Brauerei-Shop.

Das bekannteste  Bier der Brauerei ist das Spitfire, benannt nach dem legendären Flugzeug, das in der Luftschlacht um England zum Einsatz kam. 1990 wurde es erstmals gebraut, im Gedenken an den 50. Jahrestag des Air Battle of England.

Dann gibt es noch das Bishops Finger, 1958 erstmals gebraut, und benannt nach den fingerförmigen Wegweisern, die den Pilgern den Weg zum Grab Thomas à Beckets nach Canterbury wiesen. Weitere Biere aus der Brauerei in Faversham sind das Master Brew, das Whitstable Bay Organic Ale, das unter anderem Hopfen aus organischem Anbau aus Neuseeland enthält. Im sogenannten Cask Club kommen monatlich wechselnde neue Biere dazu, die in auserwählten Pubs erhältlich sind wie das Winter Ale Howling Wolf oder der Summer Storm. Mit der Namensgebung ihrer Biere haben die englischen Brauer keine Probleme.

Shepherd Neame stellt auch als Lizenznehmer Lager-Bier her wie zum Beispiel das Singha aus Thailand.

Hier ist ein Werbefilm der Brauerei aus Kent.

Shepherd Neame Brewery
17 Court Street
Faversham ME13 7AX

Das Brauereigebäude in Faversham.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)
Ein Shepherd Neame-Pub: The George in Meopham (Kent).
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)
Eigenes Foto

 

Published in: on 24. Oktober 2021 at 02:00  Comments (5)  

Edward John Smith – Der Kapitän der Titanic und sein Denkmal in Lichfield (Staffordshire)

Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Kapitän Edward John Smith befehligte einst das Passagierschiff Titanic, das am 15. April 1912 im Nordatlantik unterging, und den Kapitän mit in die Tiefe riss.

Geboren wurde er am 27. Januar 1850 in Hanley, einem Ortsteil der Stadt Stoke-on-Trent in Staffordshire, und dort… hat man ihm kein Denkmal errichtet, sondern im Beacon Park in Lichfield, ebenfalls in Staffordshire gelegen, einer Stadt zu der der Kapitän gar keine Beziehung hatte. Die Verantwortlichen in Stoke-on-Trent wollten damals, im Jahr 1914, nicht, dass ihre Stadt mit der vermeintlichen Schande des Kapitäns in Zusammenhang gebracht wurde, so stellte man die Statue eben woanders auf. Hundert Jahre später bereute man die Entscheidung in Stoke-on-Trent und bereitete eine Kampagne vor, den bronzenen Kapitän in seine Geburtsstadt zu holen, aber Lichfield sagte „No“, den geben wir nicht mehr her.

Aus Anlass des hundertsten Jahrestages des Untergangs der Titanic, wurden am 14. April 2014 1500 Teelichter rund um die Statue angezündet, je eines für einen der im Atlantik ertrunkenen Menschen.

Das Denkmal im Beacon Park von Lichfield wurde am 29. Juli 1914 von Kapitän Smiths Tochter Helen Melville Smith feierlich enthüllt; geschaffen hatte es Kathleen Scott, die Witwe des berühmten Antarktisforschers Robert F. Scott. Es trägt die Inschrift:


                                                    COMMANDER
                                      EDWARD SMITH R.D. R.N.R.
                        BORN JANUARY 27 1850 DIED APRIL 15 1912
                             BEQUEATHING TO HIS COUNTRYMEN
                    THE MEMORY & EXAMPLE OF A GREAT HEART
                            A BRAVE LIFE AND A HEROIC DEATH
                                                 ~    BE BRITISH    ~

Dieser Film zeigt den Kapitän einige Monate vor dem Untergang der Titanic und hier ist Bernard Hill als Edward John Smith in der Verfilmung des Stoffes von 1997 zu sehen.
                                                   


                                       

Published in: on 23. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)  

„Rosemary & Thyme“ – Eine gemütliche Krimiserie um zwei Gärtnerinnen

Foto meiner DVD.
Foto meiner DVD.

Rosemary Boxer (gespielt von Felicity Kendal) und Laura Thyme (gespielt von Pam Ferris) sind zwei Gärtnerinnen, die sich nach jeweiligen persönlichen Schicksalsschlägen zusammengefunden haben, und in  England, manchmal auch im Ausland, Aufträge für Gartenarbeiten entgegegen nehmen.

Rosemary (=Rosmarin) Boxer und Laura Thyme (=Thymian) ? Ja, richtig, im Lied „Scarborough Fair“ heißt es:

Are you going to Scarborough Fair?
Parsley, sage, rosemary and thyme,
Remember me to one who lives there,
For she once was a true love of mine.

Das Lied, das einst durch die Interpretation von Simon & Garfunkel weltweit populär wurde, ist auch die Titelmelodie der Serie, die von 2003 – 2007 vom Sender ITV ausgestrahlt wurde und die in die Kategorie der „cozy crimes“ gehört, also eine Krimiserie, die ohne wilde Verfolgungsjagden und Schießereien auskommt.
Eigentlich wollen die beiden Damen nur ihrer geliebten Gärtnerinnentätigkeit nachgehen, aber ständig stolpern sie über mysteriöse Kriminalfälle, denen sie natürlich immer wieder nachgehen müssen und die sie am Ende auch lösen.

Ich habe einige dieser Fälle auf DVD und es macht Spaß, sich diese „cozies“, also diese recht gemütlich ablaufenden Ermittlungen, anzusehen. Im deutschen Fernsehen wurde die Serie nie gezeigt.

Hier ein Trailer zur Serie.

Published in: on 22. Oktober 2021 at 02:00  Comments (3)  

Charlie „The White Sergeant“ – Ein selbst ernannter Polizeihund, der in der Londoner Bow Street seinen Dienst versah

Die ehemalige Polizeistation in der Bow Street.
Photo © Sandy B (cc-by-sa/2.0)

Eigentlich war Charlie gar kein echter Polizeihund, er hatte sich vielmehr 1857 in die Polizeistation in der Londoner Bow Street eingeschmuggelt. Charlie gehörte niemandem und hielt sich vorzugsweise in der Nähe der Station auf, ausgemergelt und heimatlos. Aus Mitleid bekam er von den Polizisten etwas zu essen, und allmählich entwickelte sich eine Freundschaft zwischen dem Hund und den Männern. Charlie, wie er genannt wurde, folgte den Polizisten auf ihren Streifengängen und kehrte immer wieder in die Bow Street zurück. Jetzt durfte sich Charlie „The White Sergeant“ sogar in der Polizeiwache aufhalten, was eigentlich nicht erlaubt war, doch die Polizisten hatten ihren treuen „Mitarbeiter“ ins Herz geschlossen. Bei besonderen Anlässen hängten sie ihm sogar eine Sergeant-Armbinde um den Hals, worauf Charlie immens stolz war.

Wenn sich die Polizisten der Bow Street zum Appell einfanden, lief Charlie vor ihnen auf und ab, so als musterte er sie genau. Oft war er dabei in Begleitung von Jeanie, der Polizeikatze, die ebenfalls in der Station lebte; beide verstanden sich offenbar recht gut.

Es kursierte damals die Geschichte, dass The White Sergeant einem der Bow Street-Polizisten das Leben rettete. Der Mann war auf seinem Streifengang überfallen und schwer verletzt worden. Charlie, der sich gerade in der Nähe aufhielt, rannte zur nächst gelegenen Polizeistation und zerrte den Diensthabenden nach draußen und zu der Stelle, wo der verletzte Polizist lag, der durch den beherzten Einsatz Charlies gerettet werden konnte.

1869 starb der Hund in der von ihm so geliebten Polizeiwache. Ich denke, dass dem einen oder anderen Polizisten eine Träne in die Augen gekommen ist.

Seit Mai diesen Jahres ist in den Büros und Gefängniszellen der ehemaligen Bow Street Police Station ein Museum untergebracht, das sich mit der Geschichte der Polizei in diesem Teil Londons beschäftigt.

Der Eingang zum Bow Street Police Museum.
Author: Hsq7278.
Creative Commons 4.0
Published in: on 21. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)  

„Stay“ – Ein etwas makaberes Musikvideo von Shakespears Sister

Shakespears Sister war eigentlich ein Soloprojekt von Siobhan Fahey; Marcella Detroit kam später dazu und 1992 formierten sie sich zu einem Duo, das mit Hits wie “Stay” und “Hello (Turn Your Radio on)” Erfolg hatte. Bereits 1993 gingen die beiden Damen wieder getrennte Wege. Siobhan Fahey litt unter starken Depressionen und musste in eine Klinik eingewiesen werden.
Stay“ wurde auf dem Album „Hormonally Yours“ veröffentlicht und gehört zu den Titeln, die in der Geschichte der britischen Charts mit am längsten auf Platz 1 gestanden haben, nämlich 8 Wochen lang. Beim Drehen des Musikvideos führte Sophie Muller Regie, die auch für Annie Lennox und die Eurythmics arbeitete (was man bei den Shakespears-Sister-Videos deutlich merkt). „Stay“ wurde 1993 als bestes Video bei den Music Week Awards ausgezeichnet.

Der Name “Shakespears Sister” ist übrigens  einem Song der Smiths entnommen.

Published in: on 20. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Chislehurst Caves in Kent – Ein Höhlenlabyrinth südöstlich von London

Author: Banalities.
Creative Commons 2.0

Im äußersten Südosten von London, schon in der Grafschaft Kent gelegen, befinden sich die Chislehurst Caves, ein Labyrinth von Tunneln, die sich über 35 Kilometer erstrecken. Wann diese von Menschenhand gemachten Tunnel entstanden sind, ist nicht mehr genau feststellbar; Mitte des 13. Jahrhunderts wurden sie erstmals erwähnt, man baute hier Kreide und Feuerstein ab.

Nachdem der Bergbau in Chislehurst etwa Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, nutzte man das Stollen-/Höhlen-/Tunnellabyrinth für die unterschiedlichsten Zwecke. Im Ersten Weltkrieg wurde hier Munition gelagert, dann züchtete man Champignons und im 2. Weltkrieg dienten die unterirdischen Gänge als Luftschutzbunker, in denen bis zu 15 000 Menschen Zuflucht finden konnten.

In den 1960er Jahren wurden hier Rockkonzerte veranstaltet, bei denen so illustre Gäste wie die Rolling Stones und Pink Floyd auftraten. Auch einige Fernseh- und Spielfilme wurden in den Chislehurst Caves gedreht, beispielsweise 1981 der Horrorfilm „Inseminoid“ (dt. „Samen des Bösen“) oder Szenen der BBC-Serie „Merlin“ (dt. „Merlin – Die neuen Abenteuer“).

Die Heavy Metal-Band Cradle of Filth aus Suffolk nahm hier 2008 ihr Musikvideo „Honey and Sulphur“ auf.
Das Team der Geisterjäger von „Most Haunted“ hat sich die Tunnel in Kent auch schon vorgenommen; hier ihr Bericht.

Man kann die Chislehurst Caves auf geführten Touren kennenlernen, die mittwochs bis sonntags durchgeführt werden, 45 Minuten dauern und £7 kosten. Dieser Film gibt einen Eindruck von den unterirdischen Touren.

Chislehurst Caves
Caveside Close
Old Hill
Chislehurst
Kent
BR7 5NL

Das Buch zum Artikel:
James Wilkinson: The Ghosts of Chislehurst Caves. Greenlight Publishing 2011. 112 Seiten. ISBN 978-1897738436.

Author: mmmmngai@rogers.com.
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Author: Loz Flowers.
Creative Commons 2.0
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 19. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Hazel Bank Country House Hotel im Borrowdale (Cumbria)

Photo © Gordon Brown (cc-by-sa/2.0)

Wenn Condé Nast Johansens ein Hotel empfiehlt, so kann man sich darauf verlassen, so meine jahrelange Erfahrung. Das Hazel Bank Country House Hotel wird auch empfohlen, ein kleines Haus mit nur wenigen Zimmern, ruhig und einsam gelegen am Ende des Hazel Bank Drives im Borrowdale der Grafschaft Cumbria, mitten im Lake District.

Der britische Automobilclub AA hat das Hotel mit drei hohen Auszeichnungen versehen, dem Gold Award mit fünf Sternen, dem Breakfast Award und mit zwei Rosetten für die Kulinarik. Die Übernachtungspreise inklusive Frühstück und einem viergängigen Abendessen beginnen bei etwa £240 pro Doppelzimmer. Die Hotelbesitzer akzeptieren nur Gäste, die über 15 Jahre alt sind.
Hier ist eine Film über das Hotel.

Die Geschichte des Hazel Bank Country House Hotels, das in den 1840er Jahren erbaut wurde, ist eng mit dem Schriftsteller Hugh Walpole (1884-1941) verbunden. In den 1930er Jahren schrieb er die vierbändigen „Herries Chronicles„. Das Haus des fiktiven Rogue Herries, eine der Hauptpersonen, ist dem Hazel Bank House nachempfunden. Die Bücher sind in den 1950er und 1960er Jahren auf Deutsch erschienen, aber nicht mehr neu aufgelegt worden.

In meinem Blog habe ich bisher noch zwei weitere Hotels im Lake District vorgestellt, das Holbeck Ghyll Country House Hotel und das Armathwaite Hall & Spa.

Hazel Bank Country House
Borrowdale

Keswick
CA12 5XB

Author: Dave Wilson Cumbria.
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Hugh Walpole.
This work is in the public domain 

Published in: on 18. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Memorial to the Miners auf dem Globe Island-Roundabout in Rugeley (Cheshire)

Author: ell brown.
Creative Commons 2.0

Rugeley ist eine Stadt mit rund 25 000 Einwohnern in der Grafschaft Staffordshire, nur wenige Kilometer südöstlich der Grafschaftshauptstadt Stafford entfernt. In dieser Region wurde einmal intensiv Kohlebergbau betrieben, und als die Brereton und Lea Hall Collieries schlossen, stieg die Zahl der Arbeitslosen in Rugeley und Umgebung steil in die Höhe. Über 2000 Männer verloren ihre Jobs. Nur langsam erholte sich der Ort, inzwischen hat sich Amazon hier mit einem seiner großen Fulfillment Centre angesiedelt und neue Jobs geschaffen.

In Rugeley gibt es mitten in der Stadt einen Kreisverkehr, der sich Globe Island nennt, auf den vier Straßen und eine Fußgängerzone (Upper Brook Street) münden; das sind Horse Fair, Sandy Lane, Western Springs Road and Elmore Lane. Inmitten des Roundabouts sind vier 2,70 Meter große und bis zu zwei Tonnen schwere Männer in Bergmannskleidung zu sehen, die zusammen das Memorial to the Miners bilden. Die Figurengruppe soll an die geschlossenen Kohlebergwerke und an die Männer, die dort ihr Leben verloren haben, erinnern.

Da ist einmal The Brereton Miner, der in die Richtung blickt, in der einmal die Brereton Colliery lag, dann The Rescue Miner von der Rettungsstation, die für die ganze Kohleregion zuständig war, The Lea Hall Miner, der in Richtung Western Springs Road blickt und The Deputy Miner mit Blickrichtung Stadtzentrum, der für die Sicherheit in den Bergwerken verantwortlich war.

In Auftrag gegeben wurde The Memorial to the Miners von der Lea Hall & Brereton Collieries Memorial Society und am 13. September 2015 feierlich der Öffentlichkeit übergeben (hier sind Bilder davon).

Author: Elliott Brown.
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Author: ellbrown.
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Published in: on 17. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hunting the Mallard – Die exzentrische Entenjagd im All Souls College in Oxford

Das All Souls College in Oxford.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

„Die spinnen, die Briten“, würde Asterix sagen, wenn er von diesem seltsamen Brauch gehört hätte, der im All Souls College in Oxford gepflegt wird. Ein Brauch, der einmal in 100 (in Worten: Hundert) Jahren ausgeübt wird und der Hunting the Mallard heißt. Gejagt beziehungsweise gesucht wird hier eine Stockente (mallard). Warum?

Es begann im Jahr 1437, als das College erbaut wurde. In einem Graben fanden Bauarbeiter eine überdimensionale Ente, die sofort wegflog, so dass sie nicht gefangen und verspeist werden konnte. Die Fellows des Colleges fanden das schade und organisierten eine jährliche Entenhatz, die kreuz und quer durch All Souls führte. Dass dabei eine Menge Alkohol im Spiel war, lässt sich ahnen.

Da die Exzesse bei der Suche nach der Ente aber immer mehr zunahmen, wurde aus dem jährlichen Schauspiel ein Ereignis, das nur einmal alle 100 Jahre stattfinden sollte: Immer am 14. Januar und immer in einem Jahr, das mit „01“ endet.

Für die letzte Entenjagd im Jahr 2001 wählte man wieder einen Lord Mallard, Dr Martin West, dem sechs Offiziere zur Seite gestellt wurden. Um Mitternacht zog diese Gesellschaft, ergänzt durch weitere Fellows, darunter zwei frühere konservative Kabinettsmitglieder, mit Laternen und Fackeln durch alle Räume des Colleges, vom Keller bis zum Dachboden, unter Absingen des „Mallard Songs„, dessen Refrain so geht:

O, by the blood of King Edward
O, by the blood of King Edward,
It was a swapping, swapping Mallard!

Der Lord Mallard, der eine hölzerne Ente in der Hand hielt, wurde dabei von vier Fellows auf einer Sänfte getragen. Vorab ergötzten sich alle an einem 14-gängigen Abendessen in der Codrington Library des Colleges.

Bei dem vorletzten „Enten-Event“ im Jahr 1901 war übrigens der spätere Erzbischof von Canterbury, Cosmo Lang, der Lord Mallard.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand von uns das nächste Hunting the Mallard am 14. Januar 2101 miterlebt, ist wohl eher gering. Hoffentlich gerät bis dahin dieser skurrile Brauch nicht in Vergessenheit.

Nach so einer Stockente wird in Oxford gesucht.
Photo © Albert Bridge (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 16. Oktober 2021 at 02:00  Comments (3)  

Let’s talk about cattlegrids

Cattle grid in Lancashire.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Ein „cattlegrid“ ist, um die deutschsprachige Wikipedia zu zitieren, „eine bodengleich angeordnete Viehsperre, die von Fahrzeugen ohne Halt passiert werden kann, für Weidetiere wie Rinder oder Schafe, aber auch Großwild, jedoch ein schwer zu überwindendes Hindernis darstellt, da die Tiere darauf keinen festen Tritt finden„.

Diese sogenannten Viehsperren findet man in vielen Ländern der Welt, in England vor allem in den Landesteilen, wo Schafe auf den Wiesen und Feldern grasen, beispielsweise in Devon und Yorkshire. Jeder, der mit seinem Auto schon einmal darüber gefahren ist, kennt das ratternde Geräusch, das diese Gitter verursachen.

Paarhufer scheuen vor den cattlegrids zurück und bleiben dort, wo sie sein sollen. Allerdings gibt es auch besonders schlaue Tiere, die Anlauf nehmen und darüber hinweg springen oder sich einfach selbst einen Weg daran entlang suchen wie dieser Elch.

Cattlegrids können aber auch für Menschen gefährlich werden, die mit Geräten darüber hinweg fahren, die dafür nicht unbedingt gedacht sind, wie Mountain Bikes und Skateboards.

Achtung Reifenschlitzer! Da würde ich lieber nicht drüber fahren wollen.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)
Hier, in Devon, wird es den Schafen leicht gemacht, auszubüxen.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Selbst an dieser Autobahnausfahrt der M62 in Greater Manchester findet sich ein cattlegrid.
Photo © Paul Hogg (cc-by-sa/2.0)
Ohne Worte.
Author: minipixel.
Creative Commons 2.0
Published in: on 15. Oktober 2021 at 02:00  Comments (5)  

Die Thames Mudlarks – Schatzsuche im Schlamm der Londoner Themse

Niedrigwasser der Themse bei Chiswick.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Mitten in London beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut mehrere Meter, d.h. dass bei Wasserniedrigstand für einige Stunden Teile der Themse zum Vorschein kommen, die sonst vom Wasser überspült sind. Das ist die Zeit, zu der man die Mudlarks bei ihrer Arbeit beobachten kann. „Mudlark“ heißt soviel wie „Schmutzfink“ und eine schmutzige Arbeit ist das schon, was diese Leute hier tun. Mit Hilfe von Metalldetektoren suchen sie den Uferschlamm ab auf der Suche nach „Schätzen“, wobei das Wort „Schatz“ im weitesten Sinne gebraucht wird.

Die Mudlarks gab es auch schon im 18. Jahrhundert; das waren damals Menschen, die von der Suche nach Wertsachen im Themseschlamm ihren Lebensunterhalt bestritten. Gegenüber damals ist das heutige Suchen sicher angenehmer, denn die Themse gilt jetzt als einer der saubersten Flüsse Europas.

Die 1980 gegründete Society of Thames Mudlarks besitzt die „Lizenz zum Suchen“, die ihr von der Port of  London Authority ausgestellt worden ist. Alles, was die Mitglieder der Gesellschaft im Schlamm der Themse an historischen Artefakten finden, müssen sie dem Museum of London melden, das mittlerweile über eine umfangreiche Sammlung an Themsefunden besitzt.

Was findet man denn nun in dem Schlamm? Neben Dingen des alltäglichen Lebens, die in die Themse geworfen werden, entdecken die Mudlarks auch manchmal jahrhundertealte Gegenstände. So hat eines der Mitglieder der Gesellschaft über 2500 Knöpfe gefunden, von denen die ältesten aus dem 14. Jahrhundert stammen. Diese umfangreiche Knopfsammlung ist auch im Museum of London zu besichtigen. Ferner fand man in dem Schlamm des Flusses Münzen, Halsketten aus der Eisenzeit, Schmuckstücke der Angelsachsen und jede Menge Gegenstände aus der Römerzeit.

Neben der oben erwähnten Society of Thames Mudlarks gibt es noch andere Gruppierungen, die mit Metalldetektoren am Ufer der Themse tätig sind wie beispielsweise die Thames and Field Metal Detecting Society.

Dieser sehr informative Film zeigt die Arbeit der Mudlarks in London.

Gefunden in der Themse.
Author: Articulate Matter.
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Und auch das…
Author: neil cummings.
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Published in: on 14. Oktober 2021 at 02:00  Comments (4)  

Reverend Edward Stone (1702-1768) – Wie ein Pfarrer zur Entwicklung des Aspirins beitrug

Photo © David Stowell (cc-by-sa/2.0)

In dem Cotswolds-Städtchen Chipping Norton in Oxfordshire findet man in der West Street Nummer 2 eine blaue Plakette mit der Aufschrift „The Revd Edward Stone 1702-1768 Discovered the active ingredient in Aspirin whilst living near here from 1745 – 1768„.

Edward Stone wurde am 5. November 1702 in Lacey Green, einem Dorf bei Princes Risborough in Buckinghamshire geboren, wo seine Familie im Grimsdyke House wohnte. Im Alter von 18 Jahren ging er nach Oxford, um dort im Wadham College zu studieren, ein Studium, das er sieben Jahre später abschloss und anschließend zum Priester geweiht wurde. Stone übernahm mehrere Kirchengemeinden, bis er sich 1745 in Chipping Norton niederließ.

Da der Reverend immer wieder unter Fieberanfällen litt, experimentierte er mit allen möglichen Mitteln, um eine fiebersenkende Substanz zu finden, unter anderem auch mit der Rinde von Weiden, aus der einen Extrakt gewann, den er an fünfzig Menschen testete und herausfand, dass dieses Mittel tatsächlich Wirkung zeigte. Der Reverend hatte die Salicylsäure entdeckt (salix ist das lateinische Wort für den Weidenbaum) und damit die Grundlage für ein Medikament geschaffen, das später weltweit unter dem Namen Aspirin bekannt geworden ist. 1763 schrieb Edward Stone über seine Erfahrungen mit dem Weiderindenpulver, die von der Royal Society veröffentlicht wurden. Der Rest ist Geschichte wie man so schön sagt.

Edward Stone starb am 26. November 1768 in Chipping Norton; er wurde auf dem Kirchhof der St Michael’s Church in dem Dorf Horsenden in Buckinghamshire beigesetzt, etwa 1,5 Kilometer westlich von Princes Risborough.

Lacey Green in Buckinghamshire, Edward Stones Geburtsort.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Edward Stones letzte Ruhestätte auf dem Kirchhof von St Michael’s in Horsenden in Buckinghamshire.
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. Oktober 2021 at 02:00  Comments (4)  

„Hugh the Drover“ – Die einzige Cotswolds-Oper, komponiert von Ralph Vaughan Williams

Der Komponist der Cotswolds-Oper.
Author: Martin Beek.
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Ralph Vaughan Williams (1872-1958) zählt neben Edward Elgar und Benjamin Britten zu den bekanntesten Komponisten Englands (siehe dazu meinen Blogeintrag), der eine Oper geschrieben hat, die in den Cotswolds spielt, meines Wissens die einzige mit diesem Schauplatz. „Hugh the Drover“ heißt sie, und sie feierte ihre Premiere am 14. Juli 1924 im Londoner His Majesty’s Theatre am Haymarket. Das Libretto schrieb der wenig bekannte Harold Child. Ralph Vaughan Williams hatte mehrere Jahre bis zur Fertigstellung der Oper gebraucht und „bastelte“ auch später immer mal wieder an ihr herum.

Der Inhalt der romantischen Oper in zwei Akten ist vorhersehbar: Ein junges Mädchen soll einen Mann heiraten, den sie nicht mag; dann erscheint ihr „Held“ auf der Bildfläche, besagter Hugh the Drover, in den sie sich verliebt, aber beide müssen noch so manche Hürde nehmen, bis es ein Happy End zwischen den beiden gibt. Diese Konstrukt gibt es auch in vielen anderen Opern.

Fünf Jahre nach der Uraufführung wurde „Hugh the Drover“ auch auf der anderen Seite des Atlantiks, in den USA und Kanada gespielt.

Die Oper ist zur Zeit auf CD erhältlich in einer Aufführung mit dem Corydon Orchestra und den Corydon Singers (bei Hyperion Records); eine DVD gibt es nicht. Hier ist ein kurzer Ausschnitt aus einer Aufführung der Londoner Hampstead Garden Opera und hier ein längeres Stück.

Ralph Vaughan Williams wurde am 12. Oktober 1872, also heute vor 149 Jahren, im Pfarrhaus in dem Dörfchen Down Ampney in der Nähe von Cricklade in der Grafschaft Gloucestershire geboren. Dort im Turm der All Saints‘ Church befindet sich eine Ausstellung, die sich mit dem Leben und dem Werk des Komponisten beschäftigt.

Williams hat seinem Geburtsort eine Hymne gewidmet, die auch den Titel „Down Ampney – Come Down O Love Divine“ trägt.

The Old Vicarage in Down Ampney, Williams‘ Geburtshaus.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)
All Saints‘ Church in Down Ampney.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)
Author: Ramones Karaoke.
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Published in: on 12. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Queen Square in Bristol – Schauplatz einer der blutigsten Aufstände in der Geschichte Englands

Die blutige Schlacht im Queen Square.This image is in the public domain because its copyright has expired.
Die blutige Schlacht im Queen Square.
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Der Queen Square (benannt nach Queen Anne) liegt mitten im Zentrum von Bristol, ein ruhiger baumbestandener Platz, in dessen Mitte ein Denkmal König Williams III steht, das man hier 1736 errichtete. Umgeben ist der Platz heute überwiegend von Bürogebäuden, aus denen bei meinem letzten Besuch Scharen von Angestellten in die nahegelegenen Pubs und Cafés strömten, um dort in ihrer Mittagspause einen Lunch zu sich zu nehmen.

Kaum zu glauben, dass sich auf diesem friedlichen Queen Square im Oktober 1831 einmal enorm blutige Schlachten abgespielt haben, bei denen Hunderte getötet oder schwer verletzt wurden.
Ursache dieser Queen Square Riots war die Ablehnung des Reform Acts durch das Londoner Oberhaus. Dieses geplante neue Gesetz sollte den wachsenden Industriestädten Englands mehr Einfluss im Parlament geben und das Wahlrecht ausweiten. Zu jener Zeit durften lediglich fünf Prozent der Bevölkerung Bristols wählen. Einer der Hauptwidersacher des Reform Acts war Sir Charles Wetherell und als dieser im Oktober 1831 nach Bristol kam, um die Sitzungsperiode des Assize Courts zu eröffnen, entlud sich der Volkszorn gegen ihn. Man jagte ihn in das Mansion House am Queen Square, von wo aus er jedoch flüchten konnte.

Die Unruhen dauerten drei Tage an, in denen die Aufständischen über hundert Gebäude zerstörten, darunter auch das Mansion House und der Bischofspalast. Schließlich setzte man die 3rd Dragoon Guards unter der Führung von Thomas Brereton ein, um dem Spuk ein Ende zu bereiten, und das entwickelte sich zu einem fürchterlichen Gemetzel. Mit ihren Schwertern schlugen die Dragoner auf die rebellierenden Männer ein, mit den genannten verheerenden Folgen. Brereton bekam sogar die Anweisung, in die Menge zu schießen, was er aber ablehnte. Daraufhin stellte man ihn später vor ein Kriegsgericht; doch bevor ein Urteil gesprochen wurde, erschoss er sich.

Hier ist ein kleiner Schwenk über den Platz, den ich einmal aufgenommen habe.

Das Buch zum Artikel:
Peter Macdonald: Hotheads and Heroes – Bristol Riots of 1831. Petmac Publications 1996. 175 Seiten. ISBN 978-0952700951.

Der Queen Square heute.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)
Author: stevekiretsu.
Creative Commons 2.0
Statue Williams III.
Photo © Tom Jolliffe (cc-by-sa/2.0)

Brereton Hall in Cheshire – Ein jähzorniger Landbesitzer und ein Braunbär

Photo © Lyn Haigh (cc-by-sa/2.0)

Brereton Hall in Cheshire, was für ein schönes Haus! Beschäftigt man sich mit England, stößt man ständig auf neue Landhäuser, die man vorher noch nicht kannte. Brereton Hall ist so ein Haus, das in Privatbesitz ist und nicht besiuchtigt werden kann. Es liegt zwischen der Autobahn M6 und der A54, nahe des gleichnamigen Ortes Brereton.

Wie üblich in meinem Blog gehe ich auch hier nicht ausführlich auf die Geschichte des Hauses ein, das kann man sehr gut andernorts nachlesen, sondern habe eine Begebenheit aus den Annalen der Hall herausgesucht, die recht ungewöhnlich ist.

Der Erbauer von Brereton Hall, Sir William Brereton (1550-1631) , war ein jähzorniger Mann, und wenn etwas nicht so lief wie er sich das vorstellte, konnte er schnell ausrasten, so geschehen an einem Abend, als Sir William sein Dinner zu sich nahm. Einer seiner Diener unterbrach sein genüssliches Abendessen, so dass er sofort in die Luft ging, dem in panischer Eile entfliehenden Mann hinterherrannte und ihn ermordete. Als Sir William sich wieder beruhigt hatte und sah, was er angerichtet hatte, begab er sich auf schnellstem Wege nach London zum König, um ihn um Gnade zu bitten. Der zauderte erst und wollte ihn nicht so davonkommen lassen, also bot er Sir Wiliam einen Deal an. Wenn es ihm in drei Tagen gelänge, für einen seiner Braunbären einen effektiven Maulkorb zu entwickeln, würde er ihn begnadigen, wenn nicht…dann würde der Bär schon für die Strafe sorgen! Sir William machte sich an die Arbeit, bastelte einen Maulkorb zusammen, und als er dem Bär gegenüber trat, warf er das Gerät über dessen Kopf und konnte unbeschadet den Käfig wieder verlassen. Gerade noch einmal gutgegangen. Von da an tauchte der Bär mit dem Maulkorb im Wappen der Familie Brereton auf.

In dem Dorf Brereton wird dieser Geschichte noch immer alljährlich im Juli auf dem Bear Festival gedacht.

Hier sind Bilder von der Hall zu sehen.

Auf dem Brereton Bear Festival.
Author: Kollage Kid.
Creative Commons 2.0
Published in: on 10. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Owlpen Manor bei Uley in Gloucestershire – Ein Tudor-Manor House, in dem es spuken soll

Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Von dem kleinen Gloucestershire-Dorf Uley führt eine kleine sehr schmale Straße zu dem einsam gelegenen Owlpen Manor, ein romantisches Haus, „The loveliest place in England“ wie es ein Reiseführer einmal ausdrückte.
Über Uley habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet; ein hübsches Dorf mit einem netten Pub, einer Brauerei und einer schönen Kirche.

Owlpen Manor, das auf eine sehr lange wechselvolle Geschichte zurückblicken kann, gehört seit 1974 Sir Nicholas Mander und ist für die Öffentlichkeit zugänglich, allerdings nur für Gruppenführungen; derzeit aber wegen Corona nicht.

In so einem alten Haus muss es einfach auch spuken und das tut es hier auch zur Genüge. Mehrere Gespenster sind im Owlpen Manor schon gesichtet worden, darunter auch Königin Margaret von Anjou, die hier 1471 auf dem Weg zur Schlacht von Tewkesbury Station machte.
Weiterhin treibt im Manor ein Schwarzer Mönch sein Unwesen, sowie Thomas Daunt, ein Zauberer und Alchimist, der hier einmal wohnte.

Die Crew der Fernsehserie „Most Haunted“ des Senders Living TV mit Yvette Fielding war im Owlpen Manor im März 2004 zu Gast und versuchte, den paranormalen Phänomenen auf die Spur zu kommen. Hier ist der erste Teil der Sendung zu sehen.

Das Manor-Haus ist bei Film und Fernsehen sehr beliebt; so wurden hier zahlreiche Dokumentationen, aber auch einige Spielfilme gedreht wie zum Beispiel“Tess of the d’Urbervilles„, „The Other Boleyn Girl“ und zuletzt im Jahr 2017Phantom Thread

Auf dem Owlpen Manor Estate liegen übrigens auch 9 Cottages, die man mieten kann und die beispielsweise Apple Loft, Summerfield und Peter’s Nest heißen.

Ein Besuch im Owlpen Manor lohnt auf jeden Fall (sobald es wieder geöffnet ist).

Owlpen Manor
near Uley
Gloucestershire GL11 5BZ

Author: carolyngifford.
Creative Commons 2.0
Author: carolyngifford.
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Michael Edwards aka Eddie the Eagle – Der berühmteste Skispringer Englands

Author: Royal Navy Media Archive.
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Die spinnen die Finnen könnte man in Anlehnung an den Titel eines Asterix-Buches sagen, als in Finnland die Single „Fly Eddie, Fly“ eines Engländers namens Michael Edwards auf Platz 2 der Charts landete. Nirgendwo sonst in Europa erregte dieses Lied Aufsehen, auch nicht in Michaels Heimat. Unter seinem richtigen Namen kannten ihn auch die wenigsten, er war allgemein bekannt als Eddie the Eagle, der berühmteste (und bisher einzige) Skispringer Englands, der 1988 bei den Olympischen Winterspielen im kanadischen Calgary zwar nicht die Goldmedaille gewann, aber immerhin sowohl von der Großschanze als auch von der Normalschanze sprang…und jeweils Letzter wurde. Trotzdem gewann Eddie der Adler jede Menge Sympathie, die er auch ausnutzte, solange sein „Ruhm“ vorhielt.

Der im „Mammoth Book of Losers“ gelistete Skispringer, der bei keinen weiteren Olympischen Spielen antrat, nahm die oben genannte Single auf (trotz seiner Stimme, die in etwa der Qualität seiner olympischen Leistungen entspricht), und da man ihn in Finnland offensichtlich mochte, sang er auch noch auf Finnisch „Mun nimeni on Eetu„, was soviel wie „Mein Name ist Edward“ heißt und „Eddien Siivellä“ („Auf Eddies Flügeln“). Und dann brachte Eddie 1990 auch noch ein Buch auf den Markt mit dem Titel „On the Piste: Stories and Tales from the Slope„, das aus unerfindlichen Gründen heute bei Amazon USA zwischen $877 und $1000 gehandelt wird, während es bei Amazon UK schon für einen Penny zu haben ist.

Eddies Leben wurde sogar verfilmt und kam 2015 unter dem Titel „Eddie the Eagle“ (dt. „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“) in die Kinos, mit Taron Egerton in der Hauptrolle. Hier ist der deutsche Trailer.

Stefan Raab holte Eddie the Eagle einmal in seine Show TV Total; hier ist sein Auftritt zu sehen.

Published in: on 8. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Theatre Royal in Bury St Edmunds (Suffolk) – Das einzige Theater im Besitz des National Trusts

Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Ja, dem National Trust gehört schon sehr viel in England, ob alte Herrenhäuser, Gärten, ganze Landstriche, sogar ein Theater ist in der Hand des N.T., das Theatre Royal in Bury St Edmunds in der Grafschaft Suffolk.

Viermal habe ich bereits über Bury St Edmunds in meinem Blog geschrieben, darunter zweimal über die Greene King Brewery, die in der Geschichte des Theatergebäudes auch eine Rolle spielt. Das Theatre Royal gehört der Brauerei, die es 1920 gekauft hatte, aber den Theaterbetrieb wenige Jahre später aufgab, weil die zunehmende Konkurrenz der Kinos übermächtig geworden war. So nutzte Greene King das Haus, um darin Bierfässer aufzubewahren.

Doch in Bury St Edmunds war man der Meinung, dass eine Stadt mit 35 000 Einwohnern ein Theater braucht. In den 1960er Jahren brachte eine Sammelaktion mehr als £37 000 zusammen; mit dem Geld konnte das Theatre Royal renoviert und wieder eröffnet werden. 1975 kam es dann in die Hände des National Trusts, in denen es bis heute verblieben ist.

Nachdem noch einmal von 2005 bis 2007 über £3 Millionen in eine weitere Restaurierung gesteckt worden waren, ist man jetzt in Bury St Edmunds mit dem Theater sehr zufrieden.

Im Theatre Royal fand übrigens im Februar 1892 die Uraufführung des Stückes „Charleys Tante“ von Brandon Thomas statt, das mehrfach verfilmt wurde und in Deutschland vor allen Dingen durch die Darstellungen von Heinz Rühmann und Peter Alexander in der Titelrolle bekannt ist.

Es ist noch gar nicht lange her, da diente das Theater als Schauplatz für einige Szenen des Films „The Personal History of David Copperfield“ (dt. „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“), in dem Dev Patel, Hugh Laurie und Tilda Swinton die Hauptrollen spielten (hier ist der Trailer). Und da die Filmcrew schon einmal in Bury St Edmunds war, filmte sie gleich noch im The Angel Hotel, das für einige Londoner Szenen herhalten musste.

Was wurde im Theatre Royal so alles in der letzten Zeit aufgeführt? Nun, zum Beispiel die Theaterfassung von Jules Vernes berühmtem Roman „Around the World in Eighty Days“ und D.H. Lawrences „Lady Chatterley’s Lover„. In der Vorweihnachtszeit bis in das neue Jahr hinein ist „Cinderella“ geplant.

The Angel in Bury St Edmunds.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

The Hole of Horcum im North York Moors National Park

Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

An der A169, südwestlich von Saltergate findet sich im North York Moors National Park in der Grafschaft North Yorkshire eine besondere Naturschönheit mit dem merkwürdigen Namen The Hole of Horcum. Dieses bei Wanderern beliebte Ausflugsziel ist ein riesiges natürliches Amphitheater, 120 Meter tief und mit einem Durchmesser von rund 1200 Metern. Entstanden ist dieses Tal durch die sogenannte rückschreitende Erosion, das heißt, dass das Wasser, das an den Hängen heraustritt, allmählich die darüber liegenden Abhänge unterspült und im Verlauf der Jahrtausende diesen Talkessel erschaffen hat.

Natürlich hat die Folklore auch eine Erklärung bereit, wie es zu dem Hole of Horcum gekommen ist, die sich zwar von der der Geologen unterscheidet, aber sehr anschaulich ist: Der Riese Wade soll sich in grauer Vergangenheit häufig mit seiner Frau Bell gestritten haben, wobei die Fetzen beziehungsweise die Felsen flogen. Als es wieder einmal zu einem Streit kam, schaufelte Wade eine riesige Portion Erde aus der Moor- und Heidelandschaft und warf diese auf seine widerborstige Frau, zurückgeblieben von diesem Wutausbruch ist das Hole of Horcum. Horcum ist ein Wort, das sich ins Deutsche etwa mit „Dreck aus dem schüsselförmigen Tal“ übersetzen lässt und aus dem Altenglischen und Keltischen stammt.

In diesem Film ist The Hole of Horcum sehr schön von einer Drohne aus zu sehen.

The Hole of Horcum im Nebel bei Sonnenuntergang.
Photo © Nick Barker (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 6. Oktober 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Londoner Detection Club – Hier ist die Crème de la Crème der britischen Kriminalschriftsteller vereinigt

Die Londoner Garrick Street, ganz rechts der Garrick Club.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Gilbert Keith Chesterton, heute vor allem noch durch seine Pater Brown-Romane beziehungsweise -Verfilmungen bekannt, war der erste Präsident des Londoner Detection Clubs, der 1928 gegründet wurde und dessen erste Mitglieder hochrangige Autorinnen und Autoren waren wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Hugh Walpole, Anthony Berkeley und Ronald Knox. Es folgten Margery Allingham, John Dickson Carr und Nicholas Blake, um nur einige wenige zu nennen.

Das Aufnahmeritual besteht aus einem Schwur, den die „Neuzugänge“ leisten müssen, der da heißt:
Do you promise that your detectives shall well and truly detect the crimes presented to them using those wits which it may please you to bestow upon them and not placing reliance on nor making use of Divine Revelation, Feminine Intuition, Mumbo Jumbo, Jiggery-Pokery, Coincidence, or Act of God?

Do you solemnly swear never to hide a vital clue from the reader?

Do you promise to observe a seemly moderation in the use of gangs, conspiracies, death-rays, ghosts, hypnotism, trapdoors, Chinamen, super-criminals and lunatics; and utterly and forever to forswear mysterious potions unknown to science?

Will you honour the King’s English?
Wer auf eine der Fragen mit Nein antwortet, dem bleiben die Pforten des Clubs verschlossen.

Der oben erwähnte Ronald Knox stellte ein Regelwerk auf, das den Namen Father Knox’s Decalogue trug (Ronald Knox war auch Geistlicher) und an das sich die Mitglieder des Detection Clubs halten sollten, was von ihnen aber nicht durchgängig getan wurde. Ich übernehme diese Regeln aus der deutschen Wikipedia:

  1. Der Verbrecher muss bereits zu Beginn der Geschichte Erwähnung finden, aber es darf niemand sein, dessen Gedanken der Leser folgen kann.
  2. Übernatürliche Kräfte oder Mächte sind selbstverständlich untersagt.
  3. Es darf nur eine Geheimkammer respektive nicht mehr als ein Geheimgang verwendet werden, und dies auch nur dann, wenn sich die geschilderte Umgebung dazu eignet.
  4. Weder sind bis jetzt unbekannte Gifte gestattet noch irgendeine Art der Verabreichung, die am Ende eine lange wissenschaftliche Erklärung erfordert.
  5. Chinesen haben in der Geschichte nichts zu suchen.
  6. Weder darf der Zufall dem Detektiv zu Hilfe eilen, noch darf er unerklärliche Eingebungen haben, die sich als richtig herausstellen.
  7. Der Detektiv darf das Verbrechen nicht selbst begehen.
  8. Alle Spuren, auf die der Detektiv stößt, müssen dem Leser unverzüglich vor Augen geführt werden.
  9. Der beschränkte Freund des Detektivs, sein Watson, darf keinen seiner Gedankengänge verschweigen; sein Intelligenzquotient muss leicht, aber nur ganz leicht, unter dem des durchschnittlichen Lesers liegen.
  10. Zwillinge und Doppelgänger dürfen erst auftreten, nachdem wir gebührend auf sie vorbereitet worden sind.

Vor allem Regel 5 finde ich sehr interessant.

Derzeit ist Martin Edwards Präsident des Clubs, ein sehr produktiver Autor von Kriminalromanen und Herausgeber von Anthologien, dessen Werke zum Teil ins Deutsche übersetzt worden sind, der aber keinen deutschsprachigen Wikipediaeintrag hat.

Die Detection Club-Mitglieder trafen und treffen sich noch heute regelmäßig im Londoner Garrick Club in der Garrick Street Nummer 15 zu einem Abendessen.

Published in: on 5. Oktober 2021 at 02:00  Comments (5)  

Foden’s Band aus Sandbach (Cheshire) – Eine der besten Blasmusikkapellen der Welt

Author: lantresman.
Creative Commons 3.0

Die meisten Blasmusikkapellen (brass bands) Englands kommen aus der nördlichen Landeshälfte und haben ihren Ursprung in den Bergarbeiterfamilien wie beispielsweise die Grimethorpe Colliery Band aus South Yorkshire und die Muker Silver Band aus North Yorkshire, die ich beide in meinem Blog porträtiert habe. Der Spielfilm „Brassed Off“ (dt. „Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten“) hat das Thema sehr schön umgesetzt.

Einen anderen Ursprung hat eine der anerkannt besten Blasmusikkapellen der Welt, die Foden’s Band aus dem Ort Sandbach in der Grafschaft Cheshire. Foden war eine Firma, die Lastwagen und Busse herstellte und nach ihrem Gründer Edwin Foden (1841–1911) benannt worden ist. 1999 wurde die Produktion in Sandbach eingestellt.

Edwin Foden gründete die Fodens Motor Works Band Anfang des 20. Jahrhunderts, und er hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass seine Brass Band noch 120 Jahre später existieren würde. Unter dem Dirigenten Fred Mortimer begann in den 1930er Jahren der Erfolgskurs der Band, die sich mehrfach, je nach Sponsor, umbenannte, und ab 2008 nur noch unter dem Namen Foden’s Band firmiert.

X-fach hat die Kapelle nationale Wettbewerbe gewonnen wie die National Brass Band Championships of Great Britain und die British Open Brass Band Championships. Im internationalen Brass Band Ranking liegt Foden’s Band zur Zeit auf Platz 4. Auf Platz 1 liegt die walisische Band Cory, auf Platz 2 und 3 die Yorkshire-Bands Black Dyke und Brighouse & Rastrick (auf Platz 77 liegt momentan die einzige deutsche Band unter den Top 100, die 3BA Concert Band, die in diesen Tagen aus Ingolstadt nach Friedberg bei Augsburg zieht).

In diesem Film ist die Foden’s Band zu sehen und zu hören.

Published in: on 4. Oktober 2021 at 02:00  Comments (1)  

Fanny Cradock (1909-1994) – Die erste Fernsehköchin Großbritanniens

Author: Allan warren.
Creative Commons 3.0

Sie besaß über viele Jahre Kultstatus in Großbritannien, Fanny Cradock, die erste Fernsehköchin des Landes. Die 1909 im Ost-Londoner Stadtteil Leytonstone geborene Phyllis Nan Sortain Pechey, durchlief ein turbulentes Leben mit mehreren Ehen, von denen einige, so heißt es, nicht durch eine Scheidung beendet wurden. Anfang der 1940er Jahre traf sie Major John Whitby Cradock, der lange ihr Partner war, bis die Beziehung erst 1977 in eine Ehe mündete. Sie und Johnny schrieben in den 1950er Jahren für den Daily Telegraph Restaurantkritiken, dann stiegen sie ins Fernsehgeschäft ein, erst bei der BBC mit der Kochsendung „Kitchen Magic„, dann bei ITV. In den 1960er Jahren wurde die Sendung in “Adventurous Cooking“ umbenannt. Beide traten vor der Kamera in ungewöhnlicher Kleidung auf, Fanny oft schmuckbehangen und in Abendkleidern, Johnny im Abendanzug. Johnny spielte in den Kochshows immer nur eine untergeordnete Rolle und bekam häufig von seiner Partnerin deren spitze Zunge zu spüren. Auch spätere Assistentinnen wurden ständig von Fanny herumkommandiert. Es war nicht ganz einfach, mit der exzentrischen Dame zusammenzuarbeiten. Im Jahr 1976 beendete die BBC die Zusammenarbeit mit ihr, das heißt, sie wurde hinausgeworfen, weil sie ihre „rudeness“ übertrieben und eine Mitköchin beleidigt hatte.

Fanny Cradock veröffentlichte eine Unmenge an Kochbüchern, schrieb bereits 1960 ihre Autobiografie „Something’s Burning“ und versuchte sich auch im Genre „Roman“ mit der mehrteiligen „Castle Rising„-Serie.

Glücklicherweise sind noch einige ihrer Kochshowauftritte im Film erhalten geblieben, so zum Beispiel ein ganz früher Auftritt mit Johnny als „Bon Viveur“ in Londons Royal Albert Hall (hier zu sehen) oder dieser Film, in dem Fanny auf etwas exzentrische Weise eine Weihnachtsgans behandelt.

Hier hat man im Namen „Craddock“ ein „D“ zuviel eingesetzt
Photo © John Davies (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 3. Oktober 2021 at 02:02  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Maureen Johnson & Jay Cooper: Your Guide To Not Getting Murdered in a Quaint English Village

Foto meines Exemplares.

Vielleicht kennt jemand die „Dokumentation“ mit dem Titel „Surviving Midsomer“ (hier ist ein Teil davon zu sehen), die darüber informiert, was man alles tun beziehungsweise lassen sollte, um in Inspector Barnabys Wirkungsbereich, dem Midsomer County, zu überleben. Da geht es unter anderem darum, die Wälder des Nachts zu meiden oder lieber nicht an Dorffesten teilzunehmen. Jetzt gibt es seit dem 14. September diesen Jahres ein Buch, das in die selbe Kerbe schlägt: „Your Guide To Not Getting Murdered in a Quaint English Village“ von Maureen Johnson und Jay Cooper, erschienen in dem New Yorker Verlag Ten Speed Press.

Die beiden Autoren (Maureen Johnson schrieb den Text, Jay Cooper illustrierte ihn) geben Verhaltensmaßregeln, um in dem angeblich idyllischem englischen Landleben nicht über die Klinge zu springen, denn schon Sir Arthur Conan Doyle hatte in seiner 1892 erschienenen Sherlock Holmes-Geschichte „The Adventure of the Copper Beeches“ (dt. „Die Blutbuchen“) gesagt: „It is my belief, Watson, founded upon my experience, that the lowest and vilest alleys in London do not present a more dreadful record of sin than does the smiling and beautiful countryside“ (so steht es auch eingangs des hier vorgestellten Buches zu lesen).

Sehen wir uns doch einmal einige Beispiele aus Maureens und Jays Buch an: Ein besonders gefährlicher Ort ist die Dorfkirche, und wenn der Vikar den Besucher einlädt, den Glockenturm zu besichtigen, sollte man entweder die Einladung in den Wind schlagen oder aber oben auf dem Turm höchste Vorsicht walten lassen. Das Dorffest ist eine absolute „No-Go area“ („the teapots are brimming with poison“, „there’s an axe in the fortune-telling tent“).
Den bereits erwähnten Vikar muss man auf jeden Fall meiden („When you see the vicar, run“) und auch dem Gärtner sollte man aus dem Wege gehen („The roses are perfect because of all the people under them“).
Das Buch verzeichnet weitere Tipps, was man beim Besuch des Manor House alles beachten muss (oder es lieber ganz sein lässt), aber das möchte ich nicht verraten.

Ein wunderschönes Buch zum Verschenken an England-Fans, die das Landleben mögen, oder alternativ ein Geschenk an sich selbst.

Maureen Johnson & Jay Cooper: Your Guide To Not Getting Murdered in a Quaint English Village. Ten Speed Press 2021. 127 Seiten. ISBN 978-1-9848-5962-4.

Hier bitte nicht hinaufsteigen!! (St James the Great in Saul in Gloucestershire)
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Lebensgefährlich, so eine Village Fete! (Sedlescombe, East Sussex).
Photo © Patrick Roper (cc-by-sa/2.0)
Warum gedeihen diese Rosen wohl so prachtvoll?? (Mount Ephraim Gardens in Kent).
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Oktober 2021 at 02:00  Comments (2)