Der Londoner Detection Club – Hier ist die Crème de la Crème der britischen Kriminalschriftsteller vereinigt

Die Londoner Garrick Street, ganz rechts der Garrick Club.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Gilbert Keith Chesterton, heute vor allem noch durch seine Pater Brown-Romane beziehungsweise -Verfilmungen bekannt, war der erste Präsident des Londoner Detection Clubs, der 1928 gegründet wurde und dessen erste Mitglieder hochrangige Autorinnen und Autoren waren wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Hugh Walpole, Anthony Berkeley und Ronald Knox. Es folgten Margery Allingham, John Dickson Carr und Nicholas Blake, um nur einige wenige zu nennen.

Das Aufnahmeritual besteht aus einem Schwur, den die „Neuzugänge“ leisten müssen, der da heißt:
Do you promise that your detectives shall well and truly detect the crimes presented to them using those wits which it may please you to bestow upon them and not placing reliance on nor making use of Divine Revelation, Feminine Intuition, Mumbo Jumbo, Jiggery-Pokery, Coincidence, or Act of God?

Do you solemnly swear never to hide a vital clue from the reader?

Do you promise to observe a seemly moderation in the use of gangs, conspiracies, death-rays, ghosts, hypnotism, trapdoors, Chinamen, super-criminals and lunatics; and utterly and forever to forswear mysterious potions unknown to science?

Will you honour the King’s English?
Wer auf eine der Fragen mit Nein antwortet, dem bleiben die Pforten des Clubs verschlossen.

Der oben erwähnte Ronald Knox stellte ein Regelwerk auf, das den Namen Father Knox’s Decalogue trug (Ronald Knox war auch Geistlicher) und an das sich die Mitglieder des Detection Clubs halten sollten, was von ihnen aber nicht durchgängig getan wurde. Ich übernehme diese Regeln aus der deutschen Wikipedia:

  1. Der Verbrecher muss bereits zu Beginn der Geschichte Erwähnung finden, aber es darf niemand sein, dessen Gedanken der Leser folgen kann.
  2. Übernatürliche Kräfte oder Mächte sind selbstverständlich untersagt.
  3. Es darf nur eine Geheimkammer respektive nicht mehr als ein Geheimgang verwendet werden, und dies auch nur dann, wenn sich die geschilderte Umgebung dazu eignet.
  4. Weder sind bis jetzt unbekannte Gifte gestattet noch irgendeine Art der Verabreichung, die am Ende eine lange wissenschaftliche Erklärung erfordert.
  5. Chinesen haben in der Geschichte nichts zu suchen.
  6. Weder darf der Zufall dem Detektiv zu Hilfe eilen, noch darf er unerklärliche Eingebungen haben, die sich als richtig herausstellen.
  7. Der Detektiv darf das Verbrechen nicht selbst begehen.
  8. Alle Spuren, auf die der Detektiv stößt, müssen dem Leser unverzüglich vor Augen geführt werden.
  9. Der beschränkte Freund des Detektivs, sein Watson, darf keinen seiner Gedankengänge verschweigen; sein Intelligenzquotient muss leicht, aber nur ganz leicht, unter dem des durchschnittlichen Lesers liegen.
  10. Zwillinge und Doppelgänger dürfen erst auftreten, nachdem wir gebührend auf sie vorbereitet worden sind.

Vor allem Regel 5 finde ich sehr interessant.

Derzeit ist Martin Edwards Präsident des Clubs, ein sehr produktiver Autor von Kriminalromanen und Herausgeber von Anthologien, dessen Werke zum Teil ins Deutsche übersetzt worden sind, der aber keinen deutschsprachigen Wikipediaeintrag hat.

Die Detection Club-Mitglieder trafen und treffen sich noch heute regelmäßig im Londoner Garrick Club in der Garrick Street Nummer 15 zu einem Abendessen.

Published in: on 5. Oktober 2021 at 02:00  Comments (5)